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Full text of "Zur Geschichte der Buchhandlung des Waisenhauses und der cansteinschen Bibelanstalt in Halle am ..."

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3ur ©efdjtdjte 

ber 

SBudjfjanblung be3 SßaifenljaufeS 

unb ber 

©anftetnfdjen 93t6elan[tatt. 



gur ®efdjidjte 



ber 



SBucPcmblung be3 28atfettfjaufe3 



unb ber 



©attfteinfdjett Sßiöelanftalt 

in £atte a. ©. 



3ur jtt»etljunbertiäljrigen ^Jubelfeier ber granclefdjen Stiftungen 

1698 — 1898 

ÖOtt 



Ttxt einem ©tlbnts 9t ug. $. grantfe«. 



SSeriag ber 93ud)ljanbtung be§ 38aifenljaufe§. 

1898. 



SSortöori 



X)er langjährige ®ireftor ber grancfefdjen Stiftungen unb 
$auptbertreter ber ßitteratur über Sing. £. grandfe, D. ©uftato Sra* 
mer (f 1888), forberte midf) 5ur$eit auf, ber ©efdjidjte berSBaifen* 
I)au§s33erlag§anftalten einmal näfjer ju treten. Sdf) madjte ben 
SDireltor auf bie Strmut an urfunbtidfjem SRaterial namentlidj für 
bie grü^eit aufmerlfam, weldfjen £inwei§ er mit einem „leiber" 
Beantwortete. SlKein bie Slufforberung eine§ 9ftanne§ Wie Sramer, 
ber mit feinem ganjen ®en!en unb ©ein in baä Sßerf Slug. £. grand e3 
aufging, Ijiett idf) bamit nid)t für abgetfjan. %ä) fe&te baä bereits 
Begonnene (Sammeln fort, unb tro^bem idf) im Saufe ber 3 e ^ *> on 
jeber Äleinigfeit SWotij genommen fjabe, war ba§ @rgebni§ ein fo 
farge§, bafc td) woljt nimmermehr in bie 33erfudf)ung gefommen fein 
ftnirbe, auf fo fdjwanfer ©runblage eine girmengefd()id)te fo unge* 
toöljnlidjer Slrt, bafc man fie nadf) iljren ^öfjepunften faum girmen* 
gefdjidjte nennen fann, aufbauen ju holten, Wenn nidjt bie ^wei- 
fjunbertjäfjrige Jubelfeier ber grandefdjen Stiftungen 
aHmäljlidj in (3td)t gefommen Wäre. ®iefer Stntafc fdfylägt Sebenfen 
nieber, über bie anberg fdjletf)t fyinwegaufommen fein würbe. 

2)aj3 mir ber äußere ®rud auf meine ©ntfd^ließung unangenehm 
gewefen fei, lann idj nid)t fagen. Über ©rüubuug unb gtor ber 
titterarifdjen 3Baifenfjau§inftitute finb Irrtümer Verbreitet, weldje bie 
ganje Sluffaffung be§ ©egenftanbeS beeinträchtigen, ja felbft ba8 



VI Sortoort. 



Sßirfen 2lug. £. grcuttfeS in hncfytigen $ügen nxtyt tooH §ur ©eltung 
fommen laffen, unb jur fRtd^ttgftellung biefer $rrtümer genügt $ur 
SWot mein SKateriat. 

$)ie bortiegenbe (Schrift gilt, ttrie gejagt, ber atüeifjunbertjätjrigen 
SuBelfeier ber Stiftungen. $>ie 93utf)l)anblung für fidf) Begebt 
feine JuBelfeier unb Ijat niemals eine folcfye Begangen. 68 mürbe ifyr 
aud(j nidfjt oljne toeitere§ gelungen fein, ifjren Slnfang eyaft nadf^u* 
toeifen. 3toar ffi^rt fie bk Sa^re^a^l 1698 im (Siegel. 1698 ift 
ba& bon Stug. £. grancfe felBft angenommene ©rünbung^jafjr für bie 
gefamten (Stiftungen, ba am 13./24. Juli jene§ $al)re§ ber ©runb= 
ftein §um Sßaifenljaufe gelegt nmrbe. Stnfänglid(j nmrbe biefer Sag 
aHjäljrtidf) burdf) eine Heine geier geehrt unb am 24. Juli 1748 bie 
fünfzigjährige, fottrie am 24. Juli 1798 bie Ijunbertiäljrige Jubelfeier 
Begangen. 

$>er (Stifter felbft nimmt für bie 33udf$anblung 1699 al§©rün~ 
bungSjaljr an. S)iefer Slnnaljme entfpridfjt e§, bafc ba$ ©eneralpribi- 
legium berfelBen bom 23. 9Kai 1699 lautet unb ber SßePatalog bon 
1698 nod(j feine 33erlag§iuerfe be§ 2Baifenljaufe§ beräeicfynet, toäljrenb 
er im folgenben $al)r beren 14 aufzählt (SBenfo gefjen bie borfjan- 
benen Seipjtger 3Kef$6üd()er in ifjren Stücfbertoeifungen nid)t toeiter 
al§ Bi§ jur 9Kid^aeli§meffe 1699. ©egen bie Sfonaljme be§ Stifter» 
fpridfjt, bafc (Spener unterm 1. DftoBer 1698 Slug. £. granefe feinen 
erften SSerlag^antrag für beffen ;,2lrmenbertag" madf)t unb grantfe 
üjm antwortet: „bieSudfyfüljrer laffen fid) immer meljr felbft mit un§ 
ein, unb Verlangen bon unferen <Sad(jen". $>er „Strmenberlag" müf$te 
banad^ fcf)on 1698 Beftanben IjaBen. 

Sn numerifd^er, aBer t>tetteid^t nur jufättiger ÜBereinftimmung 
mit bem ÜJRefjfatalog Braute ba§ 3Baifenljau§ nad(j bem früttften SWefc 
joumal SWid^aeliS 1699 14 33erlag§toerfe auf ben SWarft, barunter 



SSortoort. vn 



red)t umf angreife Unternehmungen, toeldje ify im £ejte nctfjer an* 
geben toerbe. SBer mit ber SSerlagSpra^iS einigermaßen Vertraut ift, 
tüirb fidf) jagen, baß biefe Unternehmungen faum Binnen SafjreSfrift 
realifiert toorben fein fönnen, jumal bei einer jungen ©efdjäftöanlage, 
toeldje ber Überlieferung nad) bom leeren Sifdj begann b. i. ol)ne bie 
©tü£e bereite eingeführter Unternehmungen unb felbft ofjne ^Betriebs* 
fajrital. StuffaHenbertoeife roar bem einen toie bem anberen SRangel 
fdjon im 3- 1701 abgeholfen, tvo ba§ erfte boHftänbige SSerlag^ 
toerjeidjntö 43 83erlag§toerfe nadfjnjetft, „tl)eit§ auf Soften be§ Sßatjfen* 
fjaufe§ ediret, tljeil§ in beffen Verlag übernommen". Qu & en 
legieren, ben „übernommenen" S3erlag§iuerfen gehören (Sdfjriften 
9tug. £. grancfeS, bie in ber Seit be3 (£rfd()einen§ Uä jum & 1693 
jurücfgefjen. ®ie Slnnafjme einer 33orgefd()idjte brängt fid(j ba^er bon 
felbft auf. 

Sene Slußerung be§ ©tifterS, toonadf) bk 93udf)fjanblung erft 
1699 begonnen fjaben foH, erflftrt fidf) in ber SBeife, baß er bie 
Vorangegangene SSerlag§probu!tion auf eigene Soften (1693 — 98) 
mit ber93eftimmung, gegen flingenbeßafjlung umgefetjt ju derben, 
nirf)t al§ eigentlichen Söudjljanbel betrautet, bielmeljr le^teren ber 
älteren Sluffaffung gemäß erft ba annimmt, roo ba§ 2Baifenljau§ im 
ftanbe mar, mit bem 93udf)ljanbel £aufdjgefcf)äfte ein^ugeljen b. i. 
ben eigenen SSerlag auf ben Seipjiger unb granlfurter SKeffen gegen 
frembe 33erlag§tüerfe (Sortiment) umjufe^en unb fiel) burdf) ben 33er* 
trieb ber le^teren bejaljtt ju machen. 

Sei ber 33ibelanftalt liegen bie £>inge äljntitf) tok hd ber SBud^ 
Ijanblung. %laü) ber alten Stnnaljme ift fte intellektuell unb materiell 
ba8 SBer! be§ greiljerrn b. ©anftein, melier fie 1710 geftiftet tjaben 
fott. Sie Ijat ebenfalls tfjre SSorgefd^id^te. Sßie iü) nadfjtoeifen toerbe: 
bie 33ud(jfjanblung be§ 38aifenf)aufe§ toar 93ibelanftalt $u einer $eit, 



vm Sonoort 

tt>o bo§ Snftttut, toelcfjeä fpöter unter biefem Tanten berftanben wirb, 
nodf) gar nid^t beftanb. ©o rüfjrt benn audfj bie gbee ber ©ibelanftalt 
Don grantfe Ijer; bic 33erhrirHidE)ung berfelben hmrbe üjren ©runb- 
jügen nadf) jUrifd^en üjm unb GlerS cttt>a fedjjS Saljre früher feftgefteHt, 
afö Eanfiein fcfjeinbar Don bem Sßrojeft erfufjr. ®en fo genannten 
©anfteinfdfjen £eyt b. i. ben öon ber efcangeltfcfjen ®trdE)e Ujrem größeren 
Seile nadj löngft recipierten Sibelteyt, toeldfjer ber neueften 33ibel~ 
reöifton im auftrage ber Steutfdjen eöangelifdfjen Sirdjenfonferenj ju 
®runbe gelegt ift, — Ijalte idf) bis jum SBetoeife be§ ©egenteitö für 
ein SSerf 9lug. $. grandfeS, minbeftenä unter [tarier ©eetnffaffung 
berfelben entftanben. 

S)ie ®efdf)icijte ber grandfefdfjen Stiftungen erleibet feine ©in- 
bufce, toenn fte toom (Stanbpunfte ber SBudfjljanblung unb SMbelanftatt 
beleuchtet hrirb. äSünfdfjen&Dert wäre nur, bafc bie§ in fünften Don 
allgemeinerem Sntereffe etngeljenber gefdfjeljen lönnte. ®ann mürben 
fid) tüaljrfdf)emftdf) audf) foldfje Sreife toon ber SSergangen^eit ber @tif= 
tungen fympatljifdf) berührt füllen, toeldfje Ijerfömmttdj in einfeittger 
Sluffaffung befangen ftnb. 

$>a§ Beigegebene SMlbntö grantfeS ift nadf) einem jeitgenöffifdjen 
Dlbilbe toiebergegeben, n>eldf)e8 ftdjj im SBefijje ber SBatfeuljaugbud^ 
fjanblung beftnbet. 3m SSergleidf) mit anberem btlblidjjen 9Wateriat 
überzeugt man ftdjj balb, bafc e§ ben Stifter am lebenStoaljrften bar= 
[teilt, unb jtüar in feinen ttjatfräftigen, fdjjöpferifcljen SRanneSjaljren. 
(Sfyx. Staudjj fdjeint baSfelbe gelannt ju ljaben, ate er fein ®enhnat 
fdfjuf ; mögüdfjertüeife beruht bie a3ertt>anbtfdjaft audj auf fünftterifdfjer 
Intuition. 

£alle a.@., im anfange be§ SubetjaljreS 1898. 

Äug* ©djürmatm. 



3 ti 1) a 1 1. 



©clte 

1. ©rihtbtmg unb erfie Anfänge 1 

2. S)ie SBiBclanftalt 26 

3. 3>a8 ftretyttngljaufenfdje ©efangbudj 66 

4. $et SSatfenfjauSberlag in bcr erften $äifte beS 18. 3djrl)unbert8 85 

5. 3)ergrande*eierSf^e©cf^äft^etrieB 121 

6. SSon ©ottfiilf grande bis jum Stilleben beS <ßiett3mu3 ... 146 

7. Sie Sßietnetyer^ertobe 167 



I. 



25te bte (Stiftungen 2(ug. £j. grandeS im allgemeinen, fo 
ift aud) bie 33ud)t)anbtung b. 3ß. ein Sßetf be§ $ieti§mu§, nur in 
anberem (Sinne, atö ber $ieti§mu§ in ber S^eu^ett fcerftanben mirb. 
®er (Spener*grandefd)e $ieti§mu£ ift ber t^atlräftige geiftige gort- 
fdfyritt gegenüber ben 33eräuf$ertid)Uttgen unb SSerlnödjerungen t>on 
Sirene unb (Schule feiner $t\L SBie er fid) in grande barfteltt, greift 
er inmitten ber focialen 9iad)mef)ett be3 breif$igjäf)rigen SriegeS burd) 
©rjiefjung unb llnterridjt in alte 93et>ößerung§fd)id)ten unb bamit 
in alte 2e6en§t>erf)ättmffe ein unb übt feine propaganbiftifdjen 3Bir= 
lungen üter bie beutfd^en ©renken fjinau3, bie£feit§ unb jenfeitS be§ 
Dcean§. 

@in £jauptanregung§mittet ber pietiftifdf)en 93emegung mar, für 
grande ingfiefonbere, baä gebrudte Söort. grande mar ein (Sdfyrift= 
fteHer öon feltener ^ßrobufttoität unb öom anregenbften ©inftufj auf 
bie ^robufttoität anberer; ü6erbie§ griff er üBeraH praftifd) ein unb 
befaßte fidE> für feine Qxoz&i felfift mit ber 33üd)erfc)er6reitung, nod) 
e()e er nad) £>alte fam. hierauf beutet e£, menn ein munberlidfjer 
^eiliger am ©nbe be§ 17. SatjrljunbertS * btn ^ietiften jum S3ormurf 
mad£)t, ba$ fie „ani£o aud) Su^änbler mürben, t>a fie bod) als 
^rebiger unb Superintendenten met)r atö aHjuöiet 5U ttjun Ratten." 

9ltö ©rünber ber 93ud)l)anbtung b. SS. gitt nid)t§beftomeniger 
£emridj SutiuS (SterS (1667 — 1728), meiner atö tfjeologifd)er 



1) M. 51. @tübel3 ober Stiefeln Erinnerung roegen beä ttnredjtö unb 
S3etrug§ im SBu^^anbel. ®ebrudt im ga§r (Sfjrifti 1698 (Seidig). Vorwort 
@. 12. 

©djttrmann, 3ur ©efdjidjte b. ©udjfjblg. b. SB. 1 



I. ©rünbung unb crftc Hnfänge. 



©tubent auf bem Seidiger ^autinum Bei grancfe getoofjnt, iljm 
bann nadf) ©rfurt gefolgt ttmr unb 1697 at3 ^ofmeifter in £>al(e 
erfdf)ien, um feinen 3ögting bem ^ßäbagogium ju übergeben, in ber 
golge aber einer ber eifrigften ©et)itfen grancfeS an beffen fett 1695 
in ber ©rünbung begriffenen Stnftatten mürbe. 

2)ie SSerbienfte ©ter^ folten nidf)t gefdfymälert Serben, aber folgt 
man ber Überlieferung bejiiglidf) feinet 2Btrfen§ 5U uneingejcrjränft, 
fo öerfte^t man toeber bie Slnfänge nodf) bie tüid^tigften Seiftungen 
ber 93udf)t)anbtung unb aufjerbem hrirb ba$ Slnfeljen berfelben auf 
ba§ SWöeau eine§ flug geleiteten ©rtüerb§inftitut§ Ijerabgebrücft, toäljs 
renb fie in iljrer Slrt ebenfalte eine SRifftonSanftalt mit emften $idm 
unb Don großen Crfolgen mar. ^jinter ©ler§ ftanb eben eine anbere 
^ßerfönli^feit, toeldfje btn Slufgaben be§ neu erfteljenben 3ßaifenl)aufe£ 
etfjebtidfyöorgebacrjt unb Vorgearbeitet Ijatte. 

2Bie bie Srabition geljt, tiefi ©ler£ bie t>on grancfe am 1. Srin. 
1697 gehaltene ^ßrebigt „33on ber SJ5ftidf)t gegen bie Slrmen", bie 
ifjn tief ergriffen, brucfen unb ging bamit 1698 $ur Seidiger Dfter~ 
meffe, um fie bort, an einem £ifd)d)en fteljenb, unter £>ol)n unb 
©pott ber jünfttgen 93ud)ljänb(er feilzuhalten. ®iefe Überlieferung 
toecft auf ben erften 931icf 3*oeifet unb ift al§ Segenbe nidfyt einmal 
fdfyön. £t)atfädf)lid() ift — betont Sramer 1 — , bafj ber ®rucf ber 
Sßrebigt auSbrücflid) auf grancfe§ Slnorbnung gefd)alj, ber fie 
bem Starter, SSicef analer unb 9täten ber ^Regierung unb be§ $ou~ 
fiftortum£ loibmete unb mit einer au£fül)rtidf)ett SSorrebe Verfaß 
ioorin auf bie ©laudf)atfdf)e Strmenorbnung Söe^ug genommen toarb, 
meldte grandfe entworfen unb bie fur^ borljer genehmigt ioorjben mar. 2 



1) Gramer, öhtftafc, Sluguft ^ermann grancfe. (Sin ßebenäbilb. £atte, 
1880 - 82. 1. 8. 182. 

2) SBte faft alle£, roa£ grancfe anfaßte, früher ober tyäter eine meljr 
ober minber allgemeine SBejbeutung gewann, fo aud) feine ©laudjaifdje 9lrmen= 
orbnung, öon ber er im „©rofcen 9(uffa£", ber nod) öfter jur Sprache fomtnen 
wirb, öerftdjert, baft fie „ein particulireä unb allein auf bie glaud)ifd)e ®e= 
meinbe geridjteteä $Berf" fei. ®.g. $erfcberg, ©efd)id)te ber@tabt $alle a.6. 
II. 1891, 6.619 berietet: „Leiter aber entwarfen bie Regierung unb ba% 



Die groge na<fj bem ©rttnbunß8ia§r. 



SDer $rucf ber ^Srebtgt t)atte bemnadf) feinen bloft erbaulichen, fon= 
bern einen praftifdfyen ßtoerf , unb ber 33efudf) ber Seip^iger SKeffe 
fonnte hti ber Sefdfjeibenfjeit be3 DbjeftS, toenu ba§ 2Baifenl)au§ ntd^t 
nod) anbere Südfyer auf ben Sftarft 51t bringen t)atte, nidfyt tool)( in 
9(nfdf)lag fommen. öfjne 3toeifel l)at jebodf), jagt Äramer, CterS 
fotooljl ben 2)rucf al§ ben SSerfauf beforgt, unb be§t)atb batiert er 
ben Slnfang ber 93ud)ljanblung ebenfalls öon jenem SSorgange. 

Smnter^in ftöftt man bei btefer Slnnatjme auf Stätfet, unb bie 
frühen CueÜen hriberfpredjen einanber aud). grandfe fetber berietet 
im 3« 1702: al§ bor ungefähr fcier Sauren ber Slnfang mit einer 
Sßrebigt gemacht toorben fei, l)abe man tooljt an nidf)t§ Weniger gebadet 
alä baran, einen „Sudfjtaben" anjutegen. ©rft im folgenben Saljr, 
im 3. 1699, fei ber ©ntfd)luf$ jur Steife gebieten, unb nadjbem 
Spener au£ liebreidfyer SSorforge für ba$ SBaifen^au^ bemfelben feine 
Paraphrasis in epistolam I. Johannis jum Vertage überlaffen t)abe, 
fei mit biefem £raftat,. toeldfyer gegen bte Dftermeffe 1699 erfd^ien, 
jum erften Sftat bk ßeipjiger SKeffe bejogen toorben. 1 

9?adE) ben bud()t)cinbterifd)en ©inridjtungen bamaliger Qtit ge= 
t)örte jur ©rünbung tineä „93udf)laben§", toie er balb im SBSaifen^ 
Ijaufe aufblühte, atterbingS junädjft, ba$ man für eigene SSerlag^ 
teerte forgte. ©3 tvax bk ßeit be§ £aufd)fjanbet§, iueld^er hei ben 
biegfamen unb fcrielfadf) gang ittuforifdf)en Sßerten ber SBüdEjertoare ba$ 
93udf) jum SBertmeffer be§ 93udf)e£ machte. 23er auf ber Seipjiger 
SKeffe nidE)t ju furj fommen tooltte, burfte nidjt mit ber bloßen ©elb^ 
fa#e baljin jiet)en, fonbern muf$te audf) eigene^ 23erlag£gut mit fidf) 
führen, um baSfelbe nadf) ben ©etooljnl)eiten be£ £aufdf)gefdf)äft§ gegen 
frembeS 23erlag3gut umjufe&en. S33o er auf ioenig ober gar feine 



®onfiftormm in SBerbinbung mit bem 9Rat im %afyxt 1706 eine neue allgemeine, 
£>atte, Sßeumarft unb ©taudja umfaffenbe „9(rmenorbnung", bie, grogen= 
teil£ an ba$ grrancfejdje Sttufter ftd) antetjnenb, unter bem 16. £)f= 
tober 1706 burd) ben £ömg beftättgt würbe unb im folgenben fjrü^ja^r juerft 
praftifd) in 9(nn>enbung fam." 

1) Sie ftufeftapfen ©otteä, l.gortfefcung ber 9ßad)rid)t 00m 28atyfen= 
£auje k. bis @nbe 1701. ©. 45 u. ff. 

1* 



I. ©rünbung unb erfte Anfänge. 



Neigung aum Sauften ftiefj, war er genötigt, mit baren SRitteln 
anjutreten; feinerfeitö hatte er fid) ebenfalls Dorjufeljen, nicht mit jeber= 
mann, ber fief) an ifjn fjeranbrängte, 2aufd)gefd)äfte ein^uge^en, benn 
5U leiner Qtit ftnb in £eutfd)lanb fo fnmmelfdjreienb s 8üd)er fom= 
piliert unb jufammengefubelt roorben, atö 5ur 3^t be3 JaufdjfyanbelS. 

3ur ©eminnung Don Jaujdjmitteln btente bie eigene 9?er(ag§~ 
unterneljmertbätigfeit roie bie ^Beteiligung an fremben Unterneb~ 
mungen burd) 3 u ^^ erun 9 größerer $arttebe5Üge. SSar nun mittete 
be§ eigenen 3?erlag§gut£ :c. ein auSgiebigeS üager frember 3?erlag&= 
büdjer 5itfammengebrad)t, fo lonnte lefctereS, foroeit e§ ntdjt btreft 
ju ©clbe gemacht tourbe, in feinen etnjelnen Skftänben nueberum 
ate Saufchobjeft Derroenbet roerben, auf roeldje S3cifc ein ber -Matur 
ber SMichermare angepaßtes Jpanbelsfnftem tjcrgefteflt mürbe, ba§ 
in ber görberung feid)ter s ^robuftion feine fd)ltmme Seite unb 
in ber (Erleichterung ernfter üBerlagStbätigfcit eine um fo beffere 
Seite Ijatte. 

£b nun bie ©rünbung beS „ s Bud)laben5" 1698 ober 1699 
angenommen nrirb, fo barf boef) nid)t Derfannt roerben, bafe naef) ben 
obroaltenben 5?erf)ältniffen bie probuftioe Jbütigfett, ber „Verlag", 
eher beginnen mußte unb auch mot)l begonnen bat, junädjft freilief) 
nidjt auf Soften be* SSaifenfjaufeS, ba% einftroeüen noch gar nid)t 
eriftierte. 3?erfd)iebene Taten beuten ba$ i^orbereitungSftabium an. 

Slm 7. Januar 1692 mar ?(ug.§. grantfe (1663 — 1727) im 
jugenDlichen ^annesalter uon actjtunbyuan^ig fahren in £>alle ein= 
getroffen, als befignierter Pfarrer oon ©laudja unb aU £ebrer ber 
griedjifdjen unb orientaliid)en Sprachen an ber neu ju grünbenben 
Uniocrfität £>alle. 1693 liefe er fein „Ölaudrifches ®ebenfbüd)lein" 
erfcheinen, ein $?uch oon 300 Seiten, meld)e£ feine 3>crlagsfirma 
trägt, ionbent nad) 3(rt Des Damaligen Selbftuerlags nur ben ihm 
nricbtigften 3Mid)evmet$pla$ unb Den Grichcinungsort „Seidig unD 
£>alle" im Jitel nennt, £as ©ebenf buch lein gilt als ältefter. nod) 
üorbanbener i*erlagearttfel bee SSaiienbaufes unb lagert in feinem 
auflageren regelrecht geftapelt unD moentariuert im ^lagayn. Jn 
ben DorliegenDen älteften 5>erlagefatalogen oon 1701 unD 1717 



8orgefd)i$te ber ©udjljanMitng. 



tuirb e§ nidfjt genannt, toot)( jebodf) in betn öon 1738. *■ 5>afür nennt 
frfjon ber Catalogiis öon 1701 ein jiueiteS 2)rucfö)erf öon 1693, ein 
Lexicon in Novum Testamentum , griedjifd) unb beutfd), unb eine 
Biblia Graeca LXX Interpr. öon 1697. SBeibe Xrucfiüerfe, fcfyetnbar 
anonym erfcfyienen, iuerben in SBejiefjung ju grancfe gebraut derben 
bürfen unb tuaren bereite $ur Dftermeffe 1701 an ben 3Saifen^au§= 
öerlag übergegangen. 

Sn bem Catalogus öon 1701 toerben femer genannt: Bhegii 
(Urbani), ©efprädf) ^tDtfd^en ßfjrifto unb ben Jüngern, bie nad) (£m= 
mau§ gingen, bort ot)ne galjreSjafjt, nadf) bem Katalog öon 1738 
aber fdfyon im S- 1696 erfdjienen; 3>of). S33tl^elm Sßeterfen, «Stimmen 
au3 3ion 3 Seile, öon benen ber I.Jeit 1698 öermuttid) auf Soften 
be§ 38aifenljaufe§ erfdfyien, ber n. unb in. Seil im folgenben Sflfjr. 
dagegen finben ftd) erft im Catalogus öon 1738 folgenbe grantfefdje 
©djriften: bie Adhortatio brevis ad vitam Christiane agendam 
(1697) unb bie Sefjarrung bei 3cfu (1698). 

SSor ber ©rünbung ber 93ud)(janblung be§ SBaifenljaufeS Ijatte 
grancte öerfdjiebene $altifdf)e Verleger, barunter %of). Salob ©d)ü£e, 
iti bem 1695 feine „©djriftmäffige Slntoetfung red)t unb Öott \vo$U 
gefällig ju beten" erfdjien, unb 3- g. Butler, ber nod) 1709 bie 
britte Sluflage feiner Mannductio ad lectionem scripturae s. braute. 
£amit in Sejie^ung ftefjenb, finb gleid) in bm Anfängen frembe 
33erlag§toerfe nebft 3$ertag§red)t an ben 3Baifenl)au£öerlag über= 
gegangen, ber ßeitlerfdfye SSerlag fpöter toenigfteng jum Seil. 2 

gür bk ßeit ber 23orgefd)idf)te liegt ferner bie Slnbeutung ber 
Beteiligung grandeg an fremben 93ertag§untemer)mungen burd) 
^artie^eid^nungen öor, tuobei er inbireft in eine ^ßriöilegienftreitigleit 



1) 3)er ältefte SBerlagäf atalog ift abgebrucft in ber 1. gortfefcung ber 
gu&ftatfen @. 50—52, meiere ffladjridjten üom 2Baifenf)aufe bte (Snbe 1701 
giefet. 9luf$erbem fjaben fid) an SBerlagäfatalogen ber grüljäett erhalten : ber 
Catalogus öon 1717 unb 1738, jorate ber öon 1750. 

2) S)er Catalogus oon 1701 betitelt ftd): „Catalogus berjemgen SBüdjer, 
toeldje tfjetlS auf Soften be3 3Bat)fenf)auje3 bteljero ediret, tfjeUS in bejjen 
SSerlag übernommen toorben." 



I. Oncibssg ssb exvt 8üt*5sy. 



fcor ber £fientHd}feit ücrtoicfclt rourbe. 2er oben cirierte 2iübel 
ober Stiefel, roeldjer feine Sdjriit über llnredu unb betrag im 
Sucf^onbel 16ÖS eridjeinen Ke§, ereifen itdj roegen eine« nermeim= 
litten 9ladjbrude t>on 9fmb» Suchern Dom roabren (Xbriüentum, 
toefcfje ber Buperintenbent 92eu§ in öernigerobe in einer rooblieiten 
Ausgabe jur 3ridmung ausgetrieben (jarte. „3Ran fjat — ftfireibt 
Stübel 1 — barne6enft nod) weiter in Grfafjrung gebraut, ba% £err 
Jastus i'über Superintenben§ ju £>alberftabt ba* Direetorium bes 
■Madjbrutfs bofe(6ft ü6er fidj genommen, item baBfjr. Prot Francke 
in £>aüe etliche 100. exemplaria nor iid) aufgefd)rieben uf.ro." 2 
Stü6el, ein tfjeologifd) gebilbeter 3?ielid)reiber, ber in Setpjig unter 
feinem 2oppelnamen 9(. Stiefel SJudjfjanbel unb aud) roofjl Heine 
flJelbgefdjäfte betrieb, bertrat angeblidj bie 2lnfprüdje ber SSitioe 
|>eimd)en bafelbft, ebenfalls eine 93ud}{janbel*firma, toeldje auf 9(rnb 
privilegiert mar unb u. a. 150 Gremplare oon ben Sudlern Dorn 
roafjren Gfjriftentum an Stübel oerpfänbet Ijatte. Gr mar aljo 6ei 
ber Sac^e tnterefftert unb [teilte aufcerbem einen ber öielen 3ett^ 
genöffifdjen fionfufionSräte in *J?riDilegienbingen bor. 31rnb, melier 
1621 mit Xobt abgegangen mar, galt nadj ber bamaligen 3?erjäf)= 
rungStljeorie bon 93erlaggred)ten al§ litterarijtfjeS ©emeingut, roorauf 
in ben berfdjiebenften 2erritorien Sßrtoilegien erteilt ttmrben, bie aber 
nur innerhalb iljre§ eigenen Territorium^ bie Sonlurren^ abgalten 
ober einfdjränfen fonnten unb gegen anbere Territorien nidjt geltenb 
ju machen loaren, eben toeil e§ fid) um ©dju^ gegen Sonturrena unb 
nidjt um ©djufc eigentümlicher 9ied)te fjanbette. 2er Slnfprud) ber 



1) Stübet S. 13. 

2) 2)ic Verbreitung öon 91rnb§ 93üd)ern fcom magren Sfjriftentum Ijatte 
fid) ftrande ebenfo wie bie be£ Svenen Seftamentä jdjon al§ 3)iafonu3 gu (Sirfurt 
1690—91 angelegen fein laffen. Snfotge öon 93erbäd)tigungen ttmrbe er auf$ 
JHatfyaus bejd)ieben unb üjm auf$ nadjbrüdüdjfte geboten, feine fefcerifdje 
Söürfjer mefjr ju üerfdjreiben. $od) fofl grande verborgen geblieben fein, ba& 
ber 9J?agiftrat auf ber $oft unb an ben Xfjoren bie fdjärffte Wnorbnung ge^ 
geben t;atte f jebeö für benfelben anfommenbe $afet ntdjt an ifjn, fonberu 
auf* Matf)auä 51t Hefern. granfenä Stiftungen II. 1794. ©. 98 u. 99. 



Xer frfifjfte 8efuc$ ber ßetMßer aReffe. 



SBittoe £einid)en in Seipjig tonnte batjer, fofern fie fid) auf ein 
furfäd)fifdje§ Privilegium ftüfcte, t)öd)ften§ auf ber Seipjtger SKeffe 
gegen frembe 2lu3gabeu öon 2lrnb geltenb gemalt derben. 

®ie obigen Säten reben bafür, baft jur Dftermeffe 1698 fd)on 
ein gehriffer 93eftanb öon eigenem unb übernommenem S3erlag§gut 
öorljanben getoefen fein bürfte, um in ßeipjig ©efdjäfte, toenn aud) 
leine Iaufd)gefd)äfte, öerfudjett 51t fönnen. Sann begann mit ber 
„$f(id)t gegen bie 2(rmen" auf Soften be§ SSaifenfjaufeS ber Srud 
3h:antfefd)er ^rebigten, melier ein ungeroötjnlidjeS $empo angenom* 
men t)aben muf$, benn auf ber Seipjiger 9Wid)aeli§meffe 1699 bot 
ba§ SBaijcntjauS an grandefdjen ^rebigten au§: eine ^oftitle ober 
©onn= geft* unb SlpofteUJagS^rebigten 230 Sogen Suobej, 1 
fobann eine ©ammtung 93uf$prebigten in ber ©tärfe Don 48 Cuart- 
bogen unb aufterbem fo tuet einjelne ^Srebigten (mügltd)ertt>eife eine 
Verlegung ber ^ßoftitte), baf$ fie, ttrie e3 fdjeint, gemif ü)t unb alpt)abet= 
toetfe, b. i. in Sonöotuten öon 23 Sogen, abgegeben tourben. 

®8 Hingt bafjer einleudjtenber, toenn ©ottljitf 21. Jrancfe, ber 
©oljn be§ Stifters, in feiner ©ebäd)tni£rebe auf ©ler§ 2 mitteilt, ba§ 
GlerS jmar 1698 5um erften 3Kal bie Seip^iger Sfteffe belogen, aber 
mit einem „Reinen 3?erlage", unb bafj er einen ©efplfen mit fid) 
geführt fycibt. gür ben Vertrieb einer einzelnen 5ßrebigt tofire ein 
®et)ilfe faum notmenbig getoefen, mürbe aud) nid)t gelohnt fyaben. 
(Ebenfo öerftänblidj ift e§ fjiernad), toenn ber ©tifter felbft berietet, 
bafj ber „93ud)(aben", melier fid) anfänglich in einer engen Sammer 
im ©laud)ifdjen Sßfarrljaufe „gegen ben ©arten ju" befanb, toegen 
^Raummangel jmeimat bie £>äufer toedjfetn mufcte, biä er am 2. 9lug. 
1700 an ben baju beftimmten Crt im neuerbauten Sßaifentjauje ber= 
legt ttmrbe. 3 



1) SBeäüglic^ Mefe3 Umfangt bin tdj auf eine ^oti^ in ben fieip^tger 9fteß= 
büdjern öon 1700 öevtütejen , meldte r»or mir jdjon gerabefo gelefen roorben ift. 

2) Gtottfjilf 9(. grancfe, (9ebäd)tniSrebe auf £einvid) 3uliu3 (Slevä. 
£alle, 1729. S.60. 

3) gufjftapfen. 1. 3fortjefcung ber 9tod)tid)t Dorn $8al)jen=£aufe. §atfe, 
1709. 6. 47 u. ff. 



8 I. ©rünburtß unb erftc Änfättfte. 

fjefter 93oben Beginnt erft mit ben Seipjiger 9Jlef$6üd)ern, n>elct)e 
fid) Don 1700 an in einer größeren ^Reihenfolge ermatten Jjaben. 1 
S)at)on ttjeift baSjenige bon Cftern 1700 bie SReftanten ber 9Micf)aeli§* 
meffe 1699 unter Specififntion ber 33ejüge nadj. Sa bie SReftanten 
toenig jaljfreidj finb, fo täj$t fid) ein boUftänbigeä S3erjei(^ni§ ber 
93erfag3tt>erfe, ü6er tt>eld)e ba§ SßaijenljauS bamafö gebot, fcfjttjerlicr) 
banad) auffteüen, allein, toa£ ftct) au3 ben Dotierungen Jjerau§tefen 
läfct, genügt, um fid) einen 93egriff Dom ©taube ber Singe machen 
unb bamit einen 9iücffd)tuf$ auf bie SRegfamfeit ber 33orjaljre ber= 
binben $u fönnen. 

9luf ©runb jener Dotierungen mar \>a$ SBaifenljauS mit fol= 
genben eigenen SSerlag&oerfen auf ber 9Kictjaeli§meffe 1699 er- 
fdjienen: 



1) Wart) O. Bertram in einem furjen gragment ber uon iljm beab= 
ftd)tigten Arbeit über (£ler§ follen bie Sflejjbüdjer fogar uon 1698 an oorljanben 
gewefen fein. SBorauf fid) biefe Mnnaljme ftüfct, weifc id) nid)t. gd) uermute, 
bafj biz Sfteftbüdjer, b. I). Konten für jebe einzelne girma mit Soll unb £aben, 
nur fo weit gurürfgetjen, al£ ba% 2Baifenl)au3 angefangen tjatte, wirflidjen 
93ud)ljanbel ju betreiben unb ju bem (£nbe frembe SBerlagäwerfe auf bzn 
Steffen einautaufdjen. Bertram nimmt in ber geftfdjrift jur ^weiten ScU 
fularfeier grantfeS (1863) S. 244 gang forreft an, ba$ bieS erft uon 1699 an 
burd) Örünbung einer Sortiments budjljanblung gefdjeljen fei. SBorbem 
beftanb bie Xfjätigfeit nur im SBertriebe be§ Selbfto er legten, \va§> nid)t 
als 93udjljanbel galt. $er Sttefefatalog nimmt aud) bt3 §um g. 1698 feinerlei 
9btt§ oom SBatjenfjaufe. greilict) will bie3 nict)t oiel fagen, ba bk Sftefc- 
fataloge um jene Qett feljr un^uoerläffig ftnb. dlad) bem Sd)wetfdjfefd)en 
Codex nundinarius (eine Sitterarftatiftif auf Qbxunb ber Sftejtfataloge) würbe 
ba3 3Baiien$au8 nid)t blofj 1698, fonbern aud) 1705, 1709, 1714, 1715, 1717 
unb 1719 bt3 1722, gule^t alfo bier Qa^re nadjeinanber, Weber -ifteuigfeiten 
nod) neue Auflagen auf ben 2ttarft gebracht Ijaben — bie fidt)erfte Sttetljobe, 
um unter ber £errjd)aft be£ £aufd)ljanbel3 eine ®efd)äft§anlage jum StitU 
ftanbe ju bringen. 2)er SBerlagSfatalag oon 1738 aäljlt für bie erften otergig 
®efd)äft£jaljre weit über 600 $erlag§werfe auf, unb mag babon audj eine 
^in^atjl bom S&aifentjaufe nidjt urfprünglid) unternommen, fonbern nebft S8er= 
Iag§rect)t fäufltdt) erworben fein, fo wirb biefer llmftanb bod) meljr alä aufge= 
wogen burd) ben anberen llmftanb , bafj jener Katalog, wie fid) leidjt feftftellen 
lä&t , auf SBollftänbigf eit feinen 9lnf Jmtd) 3U machen ^at. 



£ie auf bie 9Widjaen$uieffe 1699 gebrauten ©erlaflStoerfe. 



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Hrnolb, ©ottfr., geben ber 9Ilt=$äter. I. SBanb. 138 SBogen (?) 8. 20 gr. 
Erasmus Rotterd., Enchiridion militis christiani. 17 löog. 8. 3 gr. 
grancfe, 21. $., SBußprebigten. 48 33og. 4. 9 gr. 

^oftille ober <Sonn= geft= unb 9tyoftel=£ag3 ^rebigten. 

230 SBogen. 12. 1 fttfjlr. 16 gr. 
Speculum fidei. 12. 2 gr. 
Einleitung jum ©fjriftentum. 3 SBogen. 8. 3 £f. 
Einleitung in bit $. ©djrift. 9 otogen. 12. 1 gr. 6 £f. 
Sßrebigten (afy^abetweife b. i. nadj ber 33ogenäa§l abge* 
geben). 
Sidjtfdjeib , gerb, £elfrid) , ©ebanfen über ba3 SBüdjlein com ewigen (Suan* 

gelio. 40 SBogen. 8. 6 gr. 6 £f. 
^eterfen, 3>o§. 58ilf)., ©timmen au3 Qion. 3 Xeile. lang 12. 6 gr. 
Spener, Phil. Jac, Paraphrasis in I. epist. Johannis ober ©rflärung ber 

erften (^tftel Rannte. 92 S5og. 4°. 16 gr. 
Usserii Harmonia evangeliorum ober ßufammenfügung ber uier §eil. ($t»an= 

gelien. 56 8 / 4 S3og. fl.8. 12 gr. 
SSodrobt, ©ottfrieb, Erläuterung, wa8 mit ben vorgegebenen Sttittelbingen 

in ber ß^riften^eit oor ärgernifc angerichtet Sorben. 
39SBogen. 4°. 8gr. 1 })f. 
©ieg ber SBafnljeit. 11 Sog. 4. 1 



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1) ©ewiffe (Sinjel^eiteu über bit älteften SBerlagSartifel oerbonfe id) ber 
©üte beS &rn. ©uftab Ufjl in Seidig, ber gur 3eit in ber 2Baifenf)au§bua> 
fjanblung tljätig war unb ftdj auf ©runb ber Sttefebüdjer mit ber Slbfidjt einer 
bibliogra^ifdjen Arbeit über bm SSerlag berfelben in ben erften äwan^ig 3a§ ren 
trug, ju welkem ßmecfe er bie Äönigl. Sötbliotljef m Berlin benufct §at. Uljl 
äußerte brieflich bie Meinung, ba& ber S8erlag§f atalog ber erften swanjig Qatjre 
ungleich reidjfjaltiger werbe, wenn bie SKe&büdjer in ber oon if)m beabfidjtigten 
SBeife Durchgearbeitet würben. 2)iefe Einnahme bürfte fid) teilweife bodj barauf 
jurücf führen, bafj nidjt alles als Verlag an^ufe^en ift, wa§ nadj ben 3flefc 
büdjern in Saufd) gegeben würbe; ba% SBaifenljauä tjat gleid) in bm Anfängen 
mancherlei frembe $8erlag3büd)er b. i. Sortiment jur SSerwenbung gebracht. 
3)aran aber fann fein S^eifel f ein f & a 6 * e älteften SBerlagäfataloge an Un= 
ooUftänbigfeit leiben unb nad) mobemen bibliogra$jifd)en SInforberungen fo 
jtemlid) aUeS ju wünfdjen übrig laffen. ©ie ftnb auf bm nädjften praftifdjen 
$wecf gearbeitet. OTgefeljen oon ben bis jur ©innlofigfeit abgefragten Xiteln, 
fdjeint ein S3ud) bibliograpljifd) nidjt mel)r ju er. iftieren , fobalb e§ bei ber SBer= 
lag^anblung vergriffen ift. ©leid) bei ben früljften ^ublifationen maa^t fia^ 
biefe $raji§ fühlbar. S)e^alb fteffen fta) felbft 3 weife! ein, ob ^euigleiten, 
welche äwifdjen bem einen unb anberen SS erlagSf atalog erfreuen, aber per* 



10 I. ©rttnbunß unb crftc Anfänge. 

SBie bie SD?eßbüd)er au§tt>eifen, bejog ba§ SBaifen^auS 1699 
6i§ 1700 nidjt allein bie Seipjiger Dfter= unb SKidjaeiiSmeffe, fon* 
bern audj bte bortige Sfteujatjrgmeffe. G& lomnten Steftanten ber 
9?euiafjr§meffe bor, £. 93. $artmann au£ granffurt a. Dber. granf* 
fürt a. 9Katn ift unter ben Seipjiger SReßfonten bon 1700 burcfy 
eine einjige girma, gofj. $1). 2lnbreae, Vertreten, tt)a§ feinen ©runb 
barin Ijaben hrirb, baß ba% SBaifen^auS bamafö fdjon bte granf* 
furter SKeffe bejudf)en lieft. $n ber S^at finben ftd) hierfür auf t>er= 
fdf)iebenen ffonten Slnbeutungen, fo bei Sröter in Sena, bei toelcfyem 
in ©oft unb £>aben Se^ug barauf genommen ttrirb, ba% Dotierung 
unb ©egennotierung auf ber granffurter 9Keffe erfolgt mar. 

$n ber geftfdjrift t>on 1863 1 t)eißt e3 unter ^Berufung auf bte 
9Jteßbitd)er, ba§ ber Umfa^ auf ber Seipjiger SKeffe im $• 1700 bie 
©umme bon 4582 £f)lr. 18 gr. 8 pf. erreicht l)abe. SBenn iti btefer * 
93ered)nung lebiglid) bie 9Meßbüd)er juörunbe gelegt korben finb, fo 
ftetjt ein^rrtum ju Vermuten; id) jä^le bei ber Dftermeffe 1235 £f)tr. 
22 3 / 4 gr. unb bei ber SWldjaetigmeffe 986 $ljlr. 19 3 / 4 gr. auf, ju= 
fammen alfo 2222 Xfyx. 18 l / 2 gr., bie SBaraaljlungen im @oH mit 
eingefdjtoffen. 9lu§ einigen Sonten bin id) ntd)t Hug geworben unb 
Ijabe fie unberüdftd)ttgt gelaffen, toomtt nidjt biet geänbert toirb. 
S)er mutmaßliche Irrtum erflärt fidE> iuafjrfdjeinlid) barau§, baß auf 
ben SKeßfonteu jener Qdt neben bem £aufcf)gefd)äft unter 93eredjnung 
ber beiberfeitigen greife nod) \>a$ ältere „@ted)en" nad) ber Sogen* 
jaljt borfommt. Sluf biefe SBeife jeigen einige ber fd)einbar größten 
Konten ©efamtbeträge, meldte fid) nid£)t au§ Jätern, fonbern au§ 
gegenfeitig Verrechneten 5>rudbogen äufammenfe^en. 

gern er fanu angenommen derben, baß ba3 3Baifenljau§ im 
S. 1700 auf ber Seipjiger 3Keffe ntdjt bloß getaufdfjt, fonbent feine 



griffen tnaren, aud) immer 93erüdficr)tigung gefunben §aben. 2)ie ben frühen 
»erlag§toerfen betgefügten greife (bie Kataloge erfdjeinen bi$ jum legten drittel 
be3 18. SaWunbertS o^ne greife) gebe id) nadj bem Ijanbjdjriftlid) ergänzten 
Katalog üon 1738. 

1) 3)ie Stiftungen Sl. $. grantf e3 in $alle. gfeftfdjrift jur 2. ©ätolarf eier 
feinet ©eburt8tage8. ©alle, 1863. »gl. ben Beitrag bon £). Bertram ©.244. 



$er Umfafc in ben Slnfänßcn. 1 1 

S3ertag§merfe audj gegen bare3 ©elb umgefe&t fjat. ®ie SDiefcbüdfjer 
meifen jebodfj nur im ©ott, nid)t im $aben 93argefcf)äfte nadf). 9Kög* 
tid) unb fogar ttjaJjrfdjeinticf) ift, bafc über teuere ein befonbereg 
SJerjetc^nig eyiftiert tjat, metdfyeS aber nur beftätigen mürbe, ma3 in 
ben Sitten gejagt ift: baft nämtidf) bie meiften $8ud)J)änbter bamaliger 
3eit nid^t im ftanbe maren, ®elb $u jaulen — toetl fte fein§ Ratten; 
fie fonnten ftd) nur mit SBüdfyern abfinben. 

©ottte ba£ ®efamtergebnt§ öon Saufd)* unb 33argefd()äft nidfyt 
iriel über 3000 Xtjtr. betragen fjaben, fo barf man behalt über ben 
Seip^iger 9Kef$umfa£ im brüten 3al)re ber gtrmengrünbung nid)t 
gering beulen. SBie tjod) ber bamalige ©etbmert mar, öeranfdfjau* 
tidfyen hie obigen, ben früljften 33ertag§merfen Beigelegten greife. 
SlrnolbS Seben ber sat*JBäter mirb in 138 Cftaöbogen mit 20 gt., 
©ra§mu§ in 17 Dftabbogen mit 3 gr., grancfeS Suftprebtgten in 
48 Cuartbogen mit 9 gr. angefe£t. Unb foltte bie granlfurter SDJeffe 
mit bem abgetan gemefen fein, ma£ fidf) auf btn Seip^iger Sftefc 
fönten jerftreut borfinbet? ©ottte femer baä 2Baifenljau§ ganj gegen 
bie nod) immer nid)t au^geftorbene ©etuoljnljeit be§ bamaligen S3uc^= 
fjanbelg ben 33efudE) ber größeren 3Jat)rmärfte, bie in anberem 3ln= 
feljen ftanben afe t)eutjutage, bireft unb inbireft öerfdjmäljt fjaben? 
2)ie brei £attifd)en Safjrmärfte mürben ja fcon Setpjiger, SBitten- 
berger, Sftaumburger unb 3^enfer 93udf)füf)rern fleißig befugt, unb 
$atte mar nidEjt ba§, ma§ 5.$. Naumburg mit feiner ^ßeter-^ßaut^ 
meffe für ben Südfyeröerfeljr Ijerfömmltdf) mar. 

v SSon befonberer SBebeutung für ben Umfa£ be§ eigenen 93ertag§ 
mar jubem ber birelte b. i. md)t öon SKeftptä&en u. bgl. abhängige 
SSerfeljr bom ©efdf)äft§fi£e au§. @et)r balb entftanben meit um ficf> 
greif enbe birelte SSerbinbungen mit ^n* unb 9lu§Ianb. 3>er 2lbfa£ 
im £aHifdf)ett 93udf)taben fam unter Umftänben fogar bem eigenen 
SSerlag met)r ju ftatten, atö ben fremben, eingetaufd^ten unb ein* 
getjanbetten 93üd^ern. ^n einem ©dfjreiben an ben Sronprinaen, 
nachmaligen Sönig griebric^ SBiÖjelm I. bom 10. SRoö. 1711 ber= 
tetbtgt . fidE) grancfe gegen ben 23ormurf, ba§ fein $8udf)taben ben 
übrigen Sßudfjtäben in £alte $u fdfjaffen madf)e, unb fagt u. a.: „SBeit 



12 I. ©rünbmtfl unb erfte Anfange. 

aud) biejenigen 93üdf)er, fo ba§ 38at)fenl)au§ fetbft brucfen läfcet, am 
meiften ba gefudjet derben, meljr al§ frembe Sudler." 1 hierin 
mögen ©djtoanftmgen borgefommen fein. %m $• 1712 betrugen im 
^allifdjen 33ud)taben bie ©nnaljmen toom 23erlag 9?tf)tr. 3202. 5. 6, 
Dom Sortiment SRtytr. 3592. 20. 10. 

2)ennod) befdjränfte ftdj aud) ber SBejug frember 3?erlag§tt)etfe 
feine§meg§ auf ben £aufd) gegen bie eigenen. Wad) 2lu3tt>ei3 ber 
SRepüc^er lieferte unb bejog ba§ SBaifenl)au§ fdjon 1699 „in Som= 
miffton" unb jtoar in unb außer ber SKeffe. gerner leiftete e§ jur 
Dftermeffe 1700 in'ßetpäig SBarja^lungen t>on 100 £l)tr., 101 Jljlr. 
8 gr. unb Heineren Beträgen , atte§ Stnjeid^en für einen regen ©ortU 
mentebetrieb , nur ba% fid) berfetbe freit über bie SKauem ^jalteS 
t)inau§ erftredfte. 

2)er 1892 öerftorbene Sireftor ber Stiftungen, D. gricf, geigte 
mir eine§ Sag§ einen Srief grandfeS an einen beutfdfjen Surften, ba= 
tiert t>om 20. 9Kai 1700, unb tierlangte meine SReinung ju hriffen, 
tt>etdE)er gürft bamit gemeint fein lönne. üftad) ber gorm be§ Sdjreis 
ben§ fdjien ber ßanbeSfürft au£gejd)loffen. grandfe belobt ben gürften 
liegen feiner ungefärbten Siebe $u bm ©liebern GHjrifti unb ftagt im 
©egenfa^e ^ier^u über ben „ßuftanb berer ie^o lebenben Potentaten 
unb Regenten in unb außerhalb Jeutfd)tanb§", toobei er an ba& alte 
Spridjtoort erinnert, toonad) man bie frommen gürften tooljt in einen 
9ftng jdjreiben lönne. ßloed be§ 93riefe§ mar ber 5>anl für bie 
„SSerftattung eine§ öffentlichen 93ud^laben§ in^eroKesidenz", toomit 
er ba& 23erfpredf)en öerbinbet: „SBir merben un§ bann aud) unfer 
Crt§ möglicher 3Kaf$en befleißigen, nidjt allein gute unbSDero <g>tabt 
unb Sanbe nü^lid^e Sudler §u führen, fonbeni aud) auf £>ero befon^ 
bereit [gnäbigften Sefe^l biejenigen gan£ ungefäumet an^ufd^affen, 
toeidje ettoa 5U instruirung £ero fürftlidjer Bibliothec ober anber* 
toeitiger Satisfaction bienen mödjten." 

S)er Slnnaljme, baß unter bem „®urd)laud£)tigften ^erjog", lüie 
grancfe ben gürften anrebet, bennod) niemanb anberS 5U öerfteljen 

1) granfenS Stiftungen IL 1794. ©. 105. 



DU ftiliafot unb SMeberlagen. 13 

fei als ber |>erjog bon XRagbeburg, bcr Surfürft griebridj III. , fteljt 
berUmftanb imSBege, baft nad) Sapp 1 , meld)er ba3 ©eljeime ©taat& 
ardjto benufcte, bem „berühmten S^eotogen 31. $. grantfe in ^atte" 
erft am 5. ©ept 1702 bie Genehmigung erteilt marb, in ^Berlin am 
SRüljlenbamm eine „SBudjljanblung be3 £altifd)en SBaifenfjaufeä" ju 
errieten, meldje einige Sßodjen fpäter, am 23. ©ept 1702 in 21n* 
toefent)eit grantfe3, ben ßlerS begleitete, eröffnet mürbe. 

SBie immer jenes ©djreiben ju berftetjen fein mag, {ebenfalls 
jeugt fein ^nfjatt unb bie jmei Satjre fpätere Eröffnung ber ^Berliner 
SBudjljanbtung Ijintängtid) für ben llnternet)mung§geift unb ©ifer, 
toomit grantfe barauf bebaut toar, feine ©orttmentggefd)äfte ju er* 
heitern, benen batb eine ftetjenbe Sftieberlage in Seipjig unb ebenfo 
in granffurt a. 9)1., an festerem 5ßfa£ unter birefter SSertretung 
burd) einen gaftor, folgten. 2)urd) ausgebreitete ©ortimentötfjättgfeit 
allein gemann er bie SKittet für eine umfaffenbe probufti&e Iljätig= 
feit, benSSertag, unb bie äufcerfte Spannung ber le&teren mar äugen* 
fd)einlid> ba3, Vorauf e§ it)m anfam; bie @ortiment£gefd)äfte toaren 
nur SWtttet jum Qtveä. 

S)arauf beuten bie t>on ifjm ehielten Privilegien. 

Site Surfürft griebrid) III. ben Surtjut mit ber SönigSfrone 
bertaufd)t tjatte, fanb unterm 19. ©ept. 1702 eine Erneuerung, 33er- 



1) Äapp, grb. f S3ud)brucf unb S8ud$anbel in $8ranbenburgs$reu&en 
(Slrcfjto f. ©efcfjicfjte beS beutfdjen S8ud)f>anbel3. VII. ©. 28). ßapp erwähnt 
ferner, bafc bie QJeneljmigung , in SBerlin am 9ttüfjlenbamm eine 93ud$anblung 
errieten ju bürfen, auf Wieb erholt eingereihte^ (tfejud) grandeS erft am 
10. Sttärä 1710 ba^in erweitert worben fei, baj$ er aud) anber^wo in ^Berlin 
einen SBudjlaben anlegen bürfe. 3$ machte jur geit bm 3)iveftor Gramer 
auf biefe 9ßoti£ aufmerffam; er wuftte oon jenem wieberljolten (#efucf)e grandeä 
nichts unb fügte ^inju: ba3 SBaifenljauä Ijabe in Berlin ftetö nur eine 93ucf)= 
Ijanblung gehabt. 2)emgemäft fönnte angenommen werben, grautfe Ijabe ftdj 
nur bie greifjeit fiebern wollen , feine $Bud)(janbf ung oom 3flü§lenbamm r»er= 
legen ju bürfen. Sljatfäcfjitcr) fanb in ber golge eine folcfte Verlegung in ein 
bem greüjerrn t». (Sanftein gehöriges $au% an ber *ßoftftrafte ftatt; aber bie§ 
gefdjalj fdjon im 3. 1707. 



14 1. ©rünbung unb erfte Anfänge. 

meljrung unb SBeftätigiing ber Vier 3>aljre früher erteilten Privilegien 
be§ SBaifenljaufeg ftatt. Sftacf) § 7 ber Urfunbe mar baSfelbe prüri* 
legiert auf einen „93udf)laben, ®rucferei unb 93udf)binber", mit bem 
$injufügen, „baft bie in fotljaner S)rucferet) 5U brucfenbe (Sachen in 
alten ©tücfen ber getoöfjnlirfjen Censiir unterworfen fetyn foHen." 

2)ie£ Sßrüriteg mar eine unberfennbare ©unftbejeigung. 33udf)~ 
bruä unb 33ud)t)anbel beginnen fdfjon im 3 e ^alter ber gnfunabetn 
fidf) getoerbtidf) ju fonbern. Sie angefetjenften 2) rucf er Verleger ber 
grüf^eit geben ben eigenen S)rucfereibetrieb auf, um iljre S^ätigfeit 
auf ben 33udf)l)attbel ju fonjentrteren unb il)m bit nötigen Sahnen ju 
Bremen. 93i§ jur Sieformation Ijatte fidf) ber <3df)eibung§pro5ef$ im 
toefentlidfyen bottjogen unb unter ber $errfd)aft be§ Iaufd)l)anbet£ 
eine ©eftaltung ber 2)inge herbeigeführt, bafc fidf) eine IjiftortfdEje 
9iedf)t£anfdf)auung barauf aufbaute. 3)er S)rucfer foHte banadf) bei 
feinem SRetier bleiben unb ber 93udf)ljänbter nidfjt in bk 9?a^rung§- 
t>ert)ältniffe be£ 2)rudEer§ eingreifen. ®ie fpäteren ©etoerbeprüulegien 
galten be&fjalb beibe 93eruf£arten nadf) 9ftögtid)feit auSetnanber, nur 
ba§ 9ftittelbing, ben tro£ jene§ ©d()eibung§pro5effe§ nodf) immer jal)t~ 
reid) borljanbenen Bruder- Verleger fonnten fie nid)t au§ ber SSclt 
fdfyaffen. (£r tourbe barum at§ Bruder beljanbelt, bem ber ©orti- 
ment§l)anbet unb ba§ laufc^gefd^äft Vermehrt mar. $n 33ranbenburg~ 
Sßreuften erhielt fidf) biefe getoerberedf)tttd)e Sluffaffung ba§ gan$e 
18. Saljrljunbert Ijinburd), 1 ebenfo in ffurfad^fen unb anbertt>ärt3. 
911^ golge bafcon ttrirb beim mangelnben birelten ©influfc be§ SSer= 
tagSbudjfjanbete ber SSerfaH be§ $8üd)erbrucfö im 17. unb 18. $aljr* 
ljunbert betrachtet, obfdEjon hierbei nodf) anbere Umftänbe mitgemirft 
ljaben, 5. 93. bie t>on ben 9teid^§polijeiorbnungen Verpönten SBinlel^ 



1) S)te $rieg§= unb $omänenfammer öon SDtagbeburg befdjteb nodj im 
3.1796: „2)a& ein 93udf)brucfer gugleic^ 93ud$änbler werbe, finben wir bm 
©runbfäfcen ber ©taatätmrtfdjaft ntdjt gentäfe, tuet! beibe ©eroerbe gana Ijete* 
rogen ftnb unb jebe§ feinen befonberen gletfe unb 9tfad)benfen erforbert . . . bem 
betreffenben ®efudj and) bie §anbeläorbmmg öom 16. ©ejbr. 1766 entgegen* 
fteljt." ©iffenf^aftl. »dblatt ber SWogbeb. Seitung. 1878. 9?r. 23. 6.178 
ft% 79. 



©rünbmtß ber ecften Sud&brucferei. 15 

brucfereien an flehten entlegenen Drten, toetdje bon Tutoren unb 
Verlegern gern auf gefugt Würben, um ber Senfur au§ bem SBege 
ju gelten. 

®a§ 3Baifenljau§ Ijatte bi§ baf)in in $aHe unb anbertoctrtg 
brucfen laffen, f tagte inbe£, bte nötige görberung nidf)t gefunben ju 
Ijaben, ingbefonbere bei Ijerannaljenber Sfteffe, mit toeldfyer Slage e§ 
toofjt nid)t allein ftanb. 1 ©egen 9Rtdf)aeli3 1701 richtete e§ baljer 
feine eigene, auf $tt)ei ^anbpreffen befdf)ränfte SBudjbrucferei ein. 
®amit allein toar fein SBebarf natürttdf) nidjt ju beflreiten, bodj lag 
bieg audf) nifyt in ber ?Ibfid)t f fdfjon, hrie e$ fcfyeint, au§ bem !allula= 
torifctjen ©runbe, eine 33erlag§brucferei bem Umfange nadf) eljer unter 



1) 3" ben am frü^ften befdjäftigten |>aHtfd)en 3)rucfern gehört ber WxtU 
oerfttät8=93ud)brucfer ©Ijriftian & encf el. @r fdjeint fdjon r»or ber ®rünbung ber 
SBudjtjanbhmg für JJrancfe tljätig gewefen ju fein, benn in einem ©ammelbanbe 
fjrancfefdjer Sßrebigten, welche er 1698 unb 1699 brucfte, finbet ftd) eine Sßrebigt 
„3)te wa^re ®lauben3=®rünbung" angehängt, bie Brandt 1691 in &alberftabt 
gehalten ^atte unb weldje bann Don ©Ijr. Mendel o^ne Angabe ber ga^re^s 
5 af) l jum vierten 2ttal neu gebrucft worben war. 9luf f ämtlidjen adjt Sßrebigten 
in ©onberbrucf, meldte ber SBanb bereinigt , feljlt bie Nennung be§ Sßaifen* 
$aufe3 r wäf)renb e8 fonft fdjon im 3. 1699 „in Verlegung be3 SBatyfenljaufeS" 
auf ben Titeln Reifet. 3)ie am meiften befdjäftigte &aflifd)e ©tabtbudjbrucferei 
war bie oon (£t)rifto$) ©atf etb, weldje 1707 an ©teptjan Orban unb 1733 
an 3o§. SufttnuS ©ebauer (gegenwärtig ®ebauer=©djwetfdjfefdje SBudj* 
brucferei) überging, ©alfelb würbe ebenfalls gleid) in ben Anfängen in 9ln* 
fprudj genommen, u. a. brucfte er 1699 91. £. grancfeS SBufeprebigten unb 
Usserii Harmonia evangeliorum. 91m lebhafteren war ba§ ©efd)äftSDerr)ä(tnt§ 
unter ©te$>an Orban. 91. SB er g er, ®efdn'd)te ber ®ebauer*©djwetfdjfefdjen 
SBudjbrucferei 1884, ©. 4 erwähnt, baft Orban oerfdjiebene £raftate uon 
91. |>. grancfe, 3- 51. 3frei)tingl)aufen, fobann 1732 eine eftljnifcfye ©ram* 
matt! unb Sodann 9lrnb$ SBter SBüdjer Dom wahren ©Ijriftentum in ruffifdt)er 
©pradje gebrucft §abe. 3)ie betben lefcteren Aufträge waren fein SBertag , fon* 
bern würben oon ber SBibelanftalt für ruffifc^e SRedjnung vermittelt, ferner 
würben bei Drban bie „£äütfdjen Qeitungen" gebrucft; fein ©efd)äft§lofal in 
ber £aubengaffe btlbete audj, freiließ nur für furje Seit, bie erfte 9lu§gabefteUe 
berfelben. 3)er ^au^tauf trag , ben Orban Dom SBaifenljaufe §atte, war ber 
3)rucf ber eanftetnfc^en SBibeln t>om % 1712 bis 1734, wo ba& 2Baifenljau3 
auf eine 5 weite 93ud)brucferet f bie fogenannte SSibelbrucferei, privilegiert warb. 



16 I. ©rünbung unb erfte Anfange. 

at§ über ben SBebarf einjurtcrjten. *■ 33or allem fptelten aber ©rünbe 
mit, bie an jene Slagen über ben SSerfatt be§ 58üd)erbrucfö erinnern. 
2>ie 2Baifenr)au§brucferet foßte etroag bieten, roa§ So^nbrucfereien 
unb felbft über bie 3llltag§anfprücf)e f)inau§ tooljleingeridjtete Skr- 
lagäbrucfereien nid^t immer ju bieten Dermod)ten. Sie follte mit bem 
beften, in £eutfd)tanb borljanbenen Sdjriftmaterial auSgeftattet roerben 
unb nid)t blofi beutfcfye, latehufcr)e unb griecf)ifcf)e, fonbem aud) 
fjebrätfcfje, ft)rtfcr)e unb ätt)topifd)e £t)pen führen. Selbft ba§ ©labo* 
nifcfje blieb nirf)t au§gefcf)loffen. 



1) 2>ie3 ergicbt fidj nad) ben leidet fontrollierbaren Ausführungen üon 
Gler§ ober graude felbft in ber „Örünblidjen ^Beantwortung ber unglimpf= 
liefen Cenfur" oom 3. 1709 , ©.83 u. 84, Anfang ber „gu&ftapfen". Dljne 
bie bort berührten fd^roiertgen öfonomifdjen SBerijältniffe beS SBudjbruderei* 
betriebet $u berücffid)tigen , tonnte angenommen werben, baß ba$ SBatfenljauS 
in feinen Einrichtungen gern weiter gegangen wäre, wenn nitfjt ber oft erwähnte 
SBiberfpruetj ber ^>aUifcr)eit SBucfjbruderinmmg baoon abgehalten r)ättc 3m 
Sßrioilegium felbft ift Don ber SSirfung biefeS 28iberfprud)3 nichts $u merfen; 
er fann audj nidjt fo energifdt) gewejen fein. 3>ie ©tabtbrudereten Ratten ein 
©infe^en bafür, baB e§ in iljrem gntereffe liege, mit bem SBaifenljaufe auf 
gutem gufje ^u leben, ba baSfelbe auet) aufwärts bruefen laffen fonnte unb in 
ber £t)at Diel aufwärts bruefen liefe. Stinlicf) war e§ mit bem Sßrioilegium ju 
einer ^weiten SBucfybruderei befteUt, welches bem SBaifenfjaufe unterm 1. Oft. 
1733 Herliefen würbe. £ljatfäd)lief) war biefelbe für btn 93ibelbrud befrimmt, 
o^ne ba& ba3 ^riüilegtum Neroon Sftotia natym; e3 ift gang allgemein gefaßt. 
3m 3- 1769 §atte ber SBucfybruderljerr SBeljer, welcher über SKangel an 33e= 
f ctjäftigung f lagte , eine AuSeinanberf efcung mit bem SSorftefjer be3 83ucrjlaben£, 
SBitte, bei weldjer (Gelegenheit er unterm 14. ©ept. fdjrieb: „3)af$ bie oer= 
ftorbenen S8ud)bruderf)errn, befonber$ mein ©d)wiegert»ater (?) bie Sßriuitegten 
iljrer S)rucferei) felbft unterftüfcet, fann Sfjuen nidjt unbefannt geblieben ferjn . . . 
28a§ fonnten bie bamalS lebenben SBucfybruderfjervn gegen ©rridjtung S^rer 
3)ruderet) einwenben? 92id)ts. ©ie Ratten alle uollauf $u bruefen. SKeine 
©djwtegereltern brueften auf 5 treffen für ben 93ud)laben, anbere Ratten 2,3 
mefjr ober weniger, furj alle treffen waren befefct, unb oiele Arbeit mußte 
nodj aufwärts gebrueft werben. 3)iefe 3 c ^ en öeränberten ftd) erftaunenb. 
3)er 33ud)laben liefe weniger bruefen, Diele treffen ftunben fülle u. f. w." SSgl. 
über ba& SSer^ältniS ber ©tabtbruefereien jum 29aifenljaufe aud) ben SBeridjt 
Aug. §. ftrandeä 00m 10. 9?oo. 1711 an Äönig ftriebricrj SBilljelm I. fJranefenS 
©tiftungen II. 1794. ©.105 — 6. 



$aS ©eneratyrtotlegtum gegen Sfradjbrud. 17 

SBie genau e3 bie alten ©etüerbepribitegien nahmen, jeigt ber 
Umftanb, bafj ba$ SBaifenljauS nifyt tttva auf eine 93ud)binberet, fon- 
bern auf einen SBudjbinber, alfo auf bte Stnftettung einer etnjelnen 
SlrbeitSfraft privilegiert mar. Sludf) bieg mag fcfyon ein befonbereS 
3ugeftänbni3 getoefen fein, bodf) ift r toie berietet hrirb, bor ber $anb 
lein ©ebraudf) babon gemad£)t toorben. 

SRit ben allgemeinen Sßribtlegien tourbe aurf) ba§ fogenannte ©e* 
neratpribitegium ber 93udf)ljanblung erneuert, toetd)e3 Üjr unterm 
23. 3Rai 1699 berlieljen toorben toar. SDieS sßrtbtlegium, tt>etdf)e§ 
ben ©d)u& gegen Sftadfjbrucf bejtoecfte, mar feine befonbere S3ergün= 
ftigung; e§ galt ben SSertretern be§ 33oßbudf)f)anbete im allgemeinen, 
bie man jur Unterf Reibung bom ®rucfer-SSerleger am anfdE)autidf)ften 
atö Sortimenten 33erteger be^eid^net. 

3)a§ ©eneralprtbitegtum galt jebodf) ber ©idfyerimg gegen Sftadf^ 
brucf in ganj anberem, biet toetter gefjenbem Sinne, al$ toa§ gegen= 
toftrtig barunter berftanben ttrirb. ©3 erftrecfte feinen @df)u|> erftenS 
auf afle Schriften, meldte 9lug. $. grancfe enttoeber felbft jum Sftu^en 
be§ SßatfenljaufeS herausgeben, ober cum Concessione be3 Authoris 
brucf en laffen möchte; Reitens auf fold^e 33üd£)er, toeldje nidf)t 
meljr borljanben, audf) bon einem anberen nodf) nidf)t unter bie 
treffe genommen toorben, ba§ SBaifenljauS aber bon neuem in 3)rucf 
geben toerbe. (Sbenfo tourben alle anberen Scripta unb Söüdjer, 
„bie bon be§ SBa^fen-^aufe§ SRitteln bereits, b. i. bor bem 
23. 9Kai 1699, berleget", in ben SdEjufe mit eingefdfjtoffen. 

®amit toaren erften§ fämttidje Driginalpubltfattonen gegen 9lafy 
brucf gefegt ober beffer — um SSertt)ed£)felungen mit bem heutigen 
9tedfyt3fdf)uke borjubeugen — pribilegiert. $a§ $ribilegium fd)ü£te 
nidf)t btofc gegen boHftönbigen ober partiellen ÜKad£)brucf im heutigen 
Sinne, fonbem audf) gegen bk Senu^ung "ju Iitterarifd£)en Qtotdm. 
SBer bie unter @d)uk ftefjenbe fritifd£)e SluSgabe irgenb eine§ grie= 
d£)ifd^en ober römifdfjen ©dfjriftfteHerä $ur SSeranftaltung einer SSdjul* 
ausgäbe, toenn audf) in mäfcigfterSBeife, benu^te, berfiel ber SBirfung 
be§ SßribitegS, unb biefe SBirfung mar im S3ergteidf) mit bem heutigen 
9tedf)t§berfaljren öufierft prompt. SBegna^me ber „nacijgebrucften" 

©djürmctntt, gut ©efd)Wjte b. 53ud)f)blg. b. 28. 2 



©eneral* unb ©pectatyrtoilegiett gegen SRctd&brucf. 19 



prüntegtum ein Verborgenes SDafein führte unb fidf) nur bann be= 
merflidf) mad£)te, lüenn eS berieft mürbe, mag nadf) ben maffiben 
©runbfä&en be§ *ßribilegienlüefeng fo ungemein leidet toar unb, nrie 
bie Sfften jeigen, bod) fo feiten Dorf am. S)ie§ atte§ Ijat baljin geführt, 
bafj bie mistige 3ftftitution ber ©eneratpribttegien, toetdfje neben 
bem Softem be§ Saufdfjtjanbetö ben $ud(){janbel im Sanbe grofc 
gejogen fjat, faft big auf ben Sftamen in 33ergeffen(jeit geraten ift. 
2Bo unfere Se^rbüd)er be§ 9lutor= unb 33ertag3redf)t§ auf bie alten 
Sßrilrilegien-äu fpred)en fommen, Ijaben fie unbenntfjt ©pecialpribi* 
legien im Sinne. ©pectatpribitegien gab e§ nidf)t allein auf ber 
Seidiger unb granffurter SDZeffe $um @d£)U^ be§ rechtmäßigen ©igen- 
tum§ gegen ben äftefcljanbel mit Sftadfjibrücfett, fonbern in jebem £erri= 
torium. $ier Ratten fie borlüiegenb ben ©inn, be^üglid^ beftimmter, 
namhaft gemachter Sudler nidf)t etn?a tooljlerlüorbene 9JecJ)te ju fd)ü£en, 
fonbern ©df)ujj gegen Sonfurren^ ju gefahren, folüeit berfelbe 
bom ©eneralpribtlegium nid^t borgefetjen mar ober ©eneralprtbilegien 
nid£)t borljanben toaren. gür Driginattoerfe beburfte fein £anbe&= 
angetjöriger be§ ©peciatpribilegium§, lüenn er fidf) ebentuelt mit bem 
getoötjnlidfjen 9tedf)t§tüege begnügen iüoßte, tüäljrenb nidfjtlanbe§ange= 
porige Slutoren unb SSerteger jur förmlichen ©idfjerfteHung barauf 
berhriefen toaren. 

Sitten Sßribilegien margemein, bafc fie bom orbentlidfjen ©eridf)t&= 
berfaljren entbanben unb im SBertüaltungätoege mit £ilfe ber Drtöobrig- 
feit gegen ettoaige Verlegungen in SBirffamfeit gefegt lüerben f onnten. 

®ie bom eigenen Sanbe^errn berliefjenen Sßribilegien lauteten 
nid£)t auf fttit, hafteten aber an ber ^erfon unb mußten beim £obe 
be§ SanbeSfürften tüie beim £obe be§ ^ribilegierten erneuert lüerben. 
Unter (Erfüllung biefer 33orau3fe£ung bererbten fie fidf) bon ©ene* 
ration ju ©eneration, bon einem !3af)rljunbert in§ anbere. dagegen 
galten bie für ben granffurter unb Seip^iger 9Ref$pla& beftimmten 
faifertidf)en unb furfädf)fifdf)en, folüie bk ©pecialpribilegien frember 
Territorien burdf)tüeg auf ßeit, gelüöfjntidf) auf jefjn Saljre. 

S3ei biefen etn?a§ berttricfelten 2lu§füljrungen ftü£e icij midf) in 

ber ^auptfadje auf ba$, toa§ ba$ SBaifen^auS an ©eneral^ unb ©pe~ 

2* 



20 



eiatpruriiegien, ioroie an lauert td>en, furiädmiäen unb 3pecialprim- 
legten frember Territorien aufynoenen bat. 

Sie ü(^ banad) ergiebt, franfte bie alte $tii int allgemeinen 
ntdjt, ©ie (jerfömmtia) angenommen nrirb, am äRangel an 3dra$, 
fonbern am Übermaß beeielben, toas ipäter unter einieitiger ©egün? 
ftigung be£ 9Jorben§ in ber 93erlag~probuftion 511m roirflicfen ^lad^ 
brurf £jterreid}£ unb ber iübbeutia)en Territorien gegen 9Jorbbeuttc^ 
lanb geführt fyat, ein jetzig jäfjriger roirtidKiniiajer Sampi, 1764 6i§ 
1830, hinter roeldjem bie öfterreiduidje unö bie iüt>t>eu«d)en 9tegie= 
rungen ftanben. 

3m 3. 1703 betoarb rtd) 9L ©. granrfe um ein 3 e ^ung§^ 
Privilegium, roeld)e§ er erft 1708 in SSirfiamfeit treten ließ. 

Xer eigentliche örunb bietet fünfjährigen Säumend ift nidjt 
aufzuhellen, granrfe fprid)t fidf) nrieberfjolt gan^ allgemein barüber 
aus*; an einer Stelle fagt er: „toegen alterfjanb unoermutfjet in ben 
SBeg gefommener SSer^inberungen." Gr brauefite ein periobifdjeS 
Grgan, um fid) im S^tereffe feiner ?lnftalten unb ber jungen Unioer- 
fität mit ber 5luf$enroe(t in§ Sernefmten fefcen $u fönnen. Xa e£ mit 
ber 3 e ^ n 9 einftroeilen mcf)t§ hntrbe, rid)tete er von 1704 an eine 
fjanbfdjriftltcfye „Sorrefponbenfc" ein, roetdje allmonatlich erfdf)ien unb 
6alb in 40 (£remplaren burcf) bie $oft Verbreitet rourbe. 

SSie grantfe erjäfjtt 1 , famen beftanbig ^Briefe an Don Sßerfonen, 
teils* an iljn felbft, teils an feine Öeljilfen, in toeld)en nid)t allein 
mancherlei *Kad)rid)t Verlangt ttntrbe, roa§ auf ber $aHijd)en Uni- 
oerfität unb iti ben SBaifen^au§^91nftalten Vorgehe, roa§ für 93üdf)er 
unb Disputationes neu ljerau£gefommen u. bgL, fonbern audj auf- 
getragen toarb, biefe§ unb jene§ 33ud) eutjufaufen, audj anbere 
Commissiones auszurichten. SBenn nun bei ben olmebieS überhäuften 
Wefcfyfiftcn nirfjt balbtge ober aud) nur nidjt fo ausführliche Slnttoort 
erfolgte, als zttva ertoartet toorben roar, fo famen balb SBrtefe 



1) ftuftftapfen. IV. gortfefcung ber -ftatt)iid)tüom^al)fen=|>aufe. &afle, 
1709. 6. 10 u. ff. 



Die ljanbfdjrifiHdje „(Eorrefoottbenfc". 21 

gleiten gnfjattö unb Verurfadfjten neue§ $oftgelb, führten audf) aller* 
Ijanb klagen mit fidf); benn j[ebermann badete, fein Sörief unb feine 
©efdfjäfte feien e§ allein, bie beantwortet unb erlebigt toerben müßten, 
fo bod) tooljl jur fetben $eit bergleidf)en Sörtefe Von Vielen Drten 
äugteid) mit einliefen unb fidf) manchmal redjt Rauften. 

®e§ljatb tüurbe Von nun an burd) bie „Eorrefponbenk" gegen 
Enbe eine§ jeben 3ftonat§ fjanbfdfjriftlidf) berietet, „tt>a§ auf ber Uni* 
Verfttät unb bei btn Slnftatten vorgefallen, toa§ für neue Schriften 
unb Disputationes ebiret toorben, unb toenn fonft ettoaS SRerftbür- 
bige§, ba§ an anberen Drten in unb aufcerljalb £eutfdf)tanb 
Vorgegangen, anfjero getrieben ober fonft belannt toorben, afö: 
fonberbare Erempel göttlicher SSorfe^ung unb Errettung, audf) gött* 
lidf)er ©eridfjte, ingteid)en nwnberbare ^Regierung feiner Sirdje, unb 
toa§ fonft bei biefen unb jenen ^erfonen 3Rerflidje§ Vorgefallen, 
tüeldf)e3 nad) beren Slbfterben anbern ju d)riftlid)er Erbauung com- 
municirt toerben mag." 

3>n biefen SBorten liegt ber Seim $um Programm ber fpäteren 
„$äHifdf)en ßeitungen", toie e§ bie 2l!ten in fdjnnmgVotler ^anjlei^ 
fdfjrift mitteilen. Offenbar rüljrt bagfelbe nidf)t Von grancfe Ijer, fon* 
bem Von bemjenigen, toeldfjer atö „3eitung3fd)reiber" einzutreten 
gebadete, möglidjertoeife Von bem Candidatus juris unb fpäteren 
Sßrofeffor Safob ©abriet SBolf. %n bem Exemplar ber 3^tungen, 
toeld)e3 bie 2Baifenljau3-93ibliotljef aufbetoaljrt, ftnbet fidf) im erften 
Sanbe eine ljanbfdf)riftltd)e Eintragung, fdjeinbar jeitgenöffifdf)en Ur= 
forungS, toeldf)e lautet: „SBor biefen ß^ungen ift bie £aßifdf)e 
fdjriftlidje Correspondenz Vorhergegangen, unb baburdf) finb bie 
3eitungen Veranlagt toorben." ®ur$ nad) Erfdjeinen ber \i%* 
teren, ettoa 1709, geljt baljer bie „Eorrefponben^" ein. 

Qu ben „aßerljanb unvermutet in ben SBeg gefommenen S3er* 
fjinberungen", meldte grancfe nötigten, ba§ Sönigtidfje Privilegium 
fünf 3faljre lang ungenu^t $u laffen, toerben Vießeidfjt bk Streitig- 
feiten mit bem $aßifdjen Sßoftmetfter S)uncfer gehört Ijaben. SBie 
alle Sßoftmeifter Ijatte SDuncfer ba§ Siedet ^um ßeitung&fjanbel. SDa* 
nadf) ftanb üjm ju, au§ allen Drten $8ranbenburg-*ßreu{$en§ unb audfj 



22 I« Örintfwng irab ertte Süifönge. 

anberer Territorien burd) bte betreffenben Sßoftämter 3citungen ju 
bejietjen, oljite bafc 5ßorto bafür erhoben roerben burfte. SHe 3^- 
tung§eigentümer gaben bie ifynen aboerlangten ©remplare unfrankiert 
auf unb berechneten ben *ßränumerationsprei3 quartaliter, auf ben 
ber *ßoftmeifier feinen Profit fd)lug. Wunder, melcfter fpeciett bie 
Seip^iger 3 e ^ n 9 vertrat, füllte ftdj baljer burd) baä Unternehmen 
grancfe§ in feinen Sntereffen bebrofyt. 

SBenn ber Streit md)t fd)on oor bem ©rfefteinen be§ erften 
Stücfö begonnen (jaben foüte, fo Würbe er roenigftenS naefo bent 
25. 3uni 1708, wo ba§ erfte Stücf erfdnen, fofort erplofto. Wunder 
rebete ftd) immer mefjr in 3^rn unb oerfeftroor c3 gegen jebermann: 
man fotte e§ md)t erleben, bafj er aud) nur ein Stücf ber grantfefdjen 
3eitungen tn§ Sanb laffe. 3fa ber Jfjat nötigte er ilnt, feine 3 e i~ 
tungen, wenn er fie nad) au3wärt§ beförbert tjaben woüte, in ge= 
fdjloffener Briefform, mit bem Poöen Ißorto belaftet, $u Perfenben. 
2ln eine nennenswerte Verbreitung mar unter folgen Umftänben nidjt 
ju benfen. Unterm 29. Sept. 1708 befeuerte ftd) granefe beim 
Söntg, wie e§ ben Sinbrucf mad)t, ot)ne Grfolg. 3"^* * üar f H^ 
Samuel Strtjf, ber berühmte Surtft, tn§ Mittel unb Perfud)te einen 
Vergtetd). 2)iefer Slutorität gegenüber 5eigte ftd) ber ^ßoftmeifter 
Perföljnlidjer, unb obfdjon man nad) meljrfadjen Vorgängen einen 
Stücf faß befürchtete, würbe ber Vergleich bennod) Sfjatfadje. Vom 
1. Januar 1709 ab naljm Wunder ben Qtbit nad) aufwärts, wie 
am $ta£e fetbft in bie £anb. 

Stebafttonelt ftiefj granefe ebenfalls auf Schwierigkeiten. @r 
fjatte ben oben genannten Sanbibaten SBolf auf beffen Slnerbteten ate 
3ettung§fd)retber angenommen. SBolf Uef$ in ber Solge manche gute 
Stebaftoretgenfdjaft Permiffen. ®ie ^ättifdjen ober, wie fie ftd) batb 
nannten, bie ^atttfdjen 3^itungen fottten tüie burd) Verwertung ber 
Pornefjmften üt= unb auSlänbtfdjen 3 e itung§queHen, fo aud) burdj 
eigene Vertdjterftattung SInfeljen erftreben. 3 U htm Gnbe fottten Por 
attem bte ftd) loett erftreefenben Verbinbungen be§ SBaifen^aufe§ au& 
genubt Werben, mittete bereu man ^euigfetten §u erfahren Ijoffte, 
wetdje in anberen 3eüungen nidjt enthalten Waren. Sieben ben Per* 




Die „fcätlifcfcn 3ettuitflen-. 23 



fdf)iebenften, tetlmeife redf)t naiben ?lnftrengungen, eine $8erid)terftat~ 
tung ju organifieren, berftteg man fid) fogar $u bem ©efudf)e an 
Söntg griebrid) L, feinen ©efanbten Söefeljt ju erteilen, bon ttjren 
Sendeten an ben $of gleichzeitig eine ©opet) recta an ben Candidatum 
juris $af ob ©abriet SBolf in Spalte gelangen $u laffen. £b ber Sönig 
ben 33efeljt erteilt fjat, barüber fdjmeigen bie 9lften, aber barüber 
laffen fte leinen 3^^^^ & a f* SBolf ftdf) mit feiner 9Ritarbeiterfd)aft r 
burdjmeg eine freimiHtge, nidf)t $u ftetten mufjte. 9Kit bem Sßofi* 
meifter, meld)er iljm burdf) feine engen Sejie^ungen jum ßeitung^ 
mefen oft nü&lid) merben fonnte, mieb er um be§ 9tange§ mitten 
jeben SSerfe^r. SDer Sßoftmetfter tjatte iljn mieberljott ju fpredf)en 
begehrt, SBolf itjm aber bebeutet, baft menn er tljm etma§ ju fagen 
fjabe, fo möge er ju iljm fommen. Sein SBunber bemnad), bafj ber 
um ba§ SBaifenljaug biel berbiente ©d)retbmetfter ©ottfrieb 9toft, ber 
aud) in biefer @ad)e mitjureben Ijatte, im 3f. 1717 bon „unferer 
lahmen QtitnnQ" fprid£)t, ber e§ $u münfdjen märe, menn ifjr ein 
menig auf bte Seine geholfen mürbe. SBolf (jalte tägtid) fed)3 
©tunben Soßegia, tooju er ftd) bod) präparieren muffe. SBo folle ba 
bie^eit tjerfommen, um biermat in ber 3Bod)e ß^itungen ju fd) reiben, 
ober aud) nur barüber ju mad£)en, baft bie 33eridf)te franjöftfdjer 
3eitungen forreft überfe^t mürben? 

Sro^bem mürbe bit 3 e tom9 U§ 11 68 Dom SBaifenfyaufe fort- 
geführt. ®ann trat 3)ire!tor ©ottljilf grancfe baä Sßribilegium „megen 
be§ babei bi^ero gehabten bielen ©dfjabenä" in finanjielt bebrängter 
3eit auf emige Seiten a ^ & en Srieg^rat unb Sßoftmetfter Sertram 
ab, oljne bie tanbe^errttd£)e SBeftättgung $u biefer Seffton etnjufjoten. 1 
9iad) bem Sobe 33ertram§ im 3. 1793 ging fte für ben $rei§ bon 
200 £l)tr. an ben „Candidatum mathematum" b. Sjlolb^acjf^ über, 
metdjer fte unter bem 1794 angenommenen Sitet „^altifdjer Sourier" 
forterf deinen tieft. $ m 3- 1800 ridjtete er an Sönig griebrid) SBil- 



1) $>irt f &ugo, $ux ©efdjtdjte ber ßönigltdj privilegierten 3eitungen 
in §afle in ben 9Jeuen Mitteilungen be3 $ljüringtfdj=8äd)fifd)en 9(ltertum3= 
Vereins. XVI. £alle, 1883. 6.395—408. 



24 1. &iünbinig unb crtc Anfänge. 

beim m. bie Sine um (frtetlung eine« neuen "Privilegiums ober um 
(Erneuerung bes burdf) Gemon an ihn übergegangenen alten SBaifen* 
(jau£=^?rivilcguims. Xem (Geiuche warb iniomeit golge gegeben, al£ 
ba& urfvrünglicfte Saiicnbaus= Privilegium für erlofcften erflärt 
würbe unb er ein eigenem Privilegium auf bie von ihm umgetaufte 
3citung erhielt. 

hieran fnüvft ftch nun unter ber weitfalticben £>errfcftaft ein 
wahres SSirrfal von Hergängen. welche Vabin führten, \>aü (£$lol~ 
b^ac^h), ein ungeftümer Patriot, au* feinem $eii$ttanbc entfernt unb 
bas SJaifenbaus, ohne Van es iieb barum bewarb, wteber in 93efi$ 
feines alten verfauften unb in aller gorm für erlofcften erflärten 
3eitungsvrivilcgtums fanu Xa es felber ntcftt baran baeftte, ba§ 
Privilegium btreft \a verwerten, vergab es basiclbc an ^rofejfor 
Iteftrunf, ber lieft bei feiner Bewerbung um bie 3citung§rebaftion 
an Stelle GtfolbvK.tfns >u einer Abgabe an baz öatfcnl)au§ erboten 
hatte, welche vom (Gouvernement näher benimmt worben war. 2d)on 
1816 geriet Jieftrunf mit bem SJaiienbauic in ^rojefc, welcher 1824 
in Naumburg wteber aufgenommen würbe, irr führte au3, baß bie 
Abgabe eine auf 3«t unb von einer fremben Regierung auferlegte 
fei unb bem Saifcnbauje Daher fein Stecht ?>ur fortgeießten (Erhebung 
berfelben juftebe. Xamit unterlag er, unb feine 3 c * tun 9 9* n 9 e * n - 
3m 3- 1828 nahm Scftroctfthfc ben „Courier" (jpalltfcfter Courier, 
3eitung für Stabt unb Öanb) von neuem auf unb johlte bie Slbgabe 
bis $um J. 1S4S. Cin 3?erfucft bes SSaifenbauicä, bann felbft einen 
„JpaÜifcben Courier" herauszugeben, mißlang. 2cftmetfd)fe änberte 
aber ben Jitel bes Couricrs in „jpalliicfte 3 e ^ung früher £)ülltfd)er 
Courier" um. 

£ie „Jpälltfcben 3citungen i \ welcftc noch gegenwärtig afö „Jpök 
lefcfte 3citung M im 190. Jahrgang forterfebeinen, unb ein SBetfptel 
für baä eftrmürbige Sllter, welches ber Stamm unferer beutfdjcn 
3ettungcn troft fo mancher harten Prüfungen erreicht Ijat Sie Cr- 
flärung bafür liegt im ^rivtlegiemveien, welche^ auch ben ©tamnt 
imferc$$crtag8s unb Sortimentsbuchbanbels fo alt Ijat Werben laffen. 
Senft man fid) baS von 3lug. £. granefe im S- 1703 erworbene 



Sie Erfahrungen be8 2Saifen!jaufe8 im ßeitunaStoefen. 25 

$rüritegium Ijinmeg, fo toürben bte „£ättifcl)en ßeüungen" toafa 
fdjeinüd) nur 6i§ jutn g. 1768 iljr Seben gefriftet Ijaben. 

2)a§ 3 e ^ n 9 gh)e f eit fJ a * P^ niemals in ben Drgam3mu§ ber 
grcmcfefdjen Slnftalten fügen motten; e§ toar ein grembförper, ber 
immer bon neuem Unjuträgli^feiten unb Unbehagen herbeiführte. 
9ln ba§ „$attiftf)e patriotifd£)e äBodfjenblatt" barf babei nidfjt erinnert 
derben; ba§ SBod^enblatt toar bie löngfte 3ett über feine 8 e Wung f 
fonbern mürbe erft geitung, atö e§ feit 1856 in ein tägtid) erfctjei- 
nenbe§ Drgan unter bem £itet „£attefd)e§ £agebtatt" fcertoan= 
belt mar. 



IL 

Mz Bibrfanpaß. 



3n ber 9teformation3gefdf)irf)te lefen nur Don ber erftauntidf) 
fdjnetten Verbreitung ber Sutfjerfrfjen 3Mbelüberfe£ung, toeldfje jum 
©runbftein ber eDangeUfdfjen SHrdfje mürbe. 28eldt)er SIrt biefe 33er- 
breitung namentlich burdf) bie Don £utf)er teittoeife fd^arf angegangenen 
Sftad)brud:er toar nnb rotetüeit fie mit unb ofyne gätfdfjung be§ £utljer= 
teyte§ erfolgt ift, barüber Ijört man ©enauere§ nirfjt. ^ebenfalls fann 
Don einer Verbreitung im fyäteren ©inne leine SRebe fein; baju fehlte 
bie ttridfjtigfte 33orau3fe£ung, bie 3Solföjd)ule, ber bk Sieformation 
mittelbar erft bie SBege bereitete. 

»tö 2lug. £. grancfe ^fingften 1690 feine Sfjätigleit [aß SDia* 
lonuS an ber 2(uguftinetfirdf)e $u Srfurt begann, toaren bie Verhält* 
niffe fdf)on anbere getoorben, bodf) fehlte e§ an Derbreitung§fäf)igen 
SMbelauSgaben. ®ie SUbetfjerftettung betoegt ficf) fc bt§ ©nbe be§ 
17. 3af)r[)unbert§ im getooljnten ©eleife; ba§ SBudf) ber SBürfjer toar 
bem äußeren ßufdjmtt nadj befttmmt für bie gelehrte unb bemittelte 
SBett, toetdje aßerbingg im fünfte ber ©eleljrfamfett einen Diel toei* 
teren ^Begriff bilbete at§ f)eut5Utage, ba jeber £atetnfdf)üler im fpäteren 
Seben ba^u geregnet mürbe. 2ln frönen unb toürbigen 2tu§gaben 
in IjotfjanfefjnttdEjem Duart ober golio mit reifem Supferftidfjfdfjmucf 

— 3amilienfcf)äke, bie ftd) Don ©eneration ju ©eneration Dererbten 

— gebradf) e§ feine§toeg§, ebenfo toenig an fc^lid£)teren r für fttit unb 
©migleit IjergefteHten £au§s unb ^anbbibeln in DftaD unb 2)uobe5, 
aber an 3lu§gaben für bte SKaffenDerbreitung burdjau& @ie fonnten 
6i§ auf toeitereä audf) nidfjt Dermiftt toerben, ba bie Söefd^äftigung mit 
ber Sibel $u erbautidfjen tvk ju tüiffenfd^aftlid^en Qtvtden immer 



$ie Öi6efoer6reitimß 6t8 ju Stoß. Q. gtaucfc. 27 

meljr bei Seite gelaffen toar, fo bafj e§ bem $ieti§mu3 Vorbehalten 
blieb r fie ttrieber in ben SKittelpunft ber tfjeotogifdEjen ©tubien unb 
be§ d^rtftltd£)en SebenS ju rüdfen. 

9ll§ grancfe in feinen jCrfurter ^rebigten unb feetforgerifdf)en 
©efprädfjen ftetö Von neuem auf bie ^eilige ©df)rtft unb namentlich) auf 
ba§ 9leue Seftament $u fpredfjen !am f entftanb Verlangen nad£) 33efi£ 
berfelben, totli)t§> er, fo gut e§ ging, ^u befriebigen fudfyte. ®a bie 
93ibel ju teuer mar, muffte er fidf) mit ber Verbreitung be§ bleuen 
£eftament§ begnügen. 3unäd()ft K e f$ er 200 ©tüdE Von Süneburg 
fommen, toeld£)e fdfjeinbar burdE) Unterftü&ung feiner eifrigften 9ln* 
ganger ju bem befdfjeibenen greife Von 2 gr. abgelaffen ober aud) an 
Unbemittelte Derfd£)en!t mürben, ©r tief* bemnadE) neue ©enbungen 
teilö Von Süneburg, teils Von anberen Orten lommen, fo baf$ er in 
fünfter Qtit nafjeju 1000 Syemptare be§ SR. I. Verbreitete. 1 ©ie 
iuurben — nrie (Scf e fagt — „erflärtermaf$en gelauft, um ba§ SBudf) 
ju Ijaben, in toetdfjem bie Seljren 91. $. grancfeS ftanben — 
ein SBetoeiS, toie gering in lutl)erifdf)en Sanben bie Senntniä ber 
$eilig en ©djrift toar." 2 Sei bem über ©rtoarten toeit Verbreiteten 
SSerlangen banadf) fdfjrieb grancfe bamal§: „gettriftfidf) mürben Ijofje 
^Serfonen ein fe^r nü£üdf)e3 SBerf ftiften, toenn fie ettoa einem 33er= 
leger bk Unfoften ba$u tjerfdE)ief$en holten, baf* bie armen Seute oljne 
bem SSerfäufer einen Profit ju geben, ju ber ganzen SBibel !ommen 
fönten; toetdfjeS genriftftdf) toof)l um 10 unb 12 gr. gefdf)eljen fönte, 
bafj bemnad) berjenige, toeldfyer foldfye Unfoften ^ergefd^o^en, ofjne 
allen Stäben unb SSerluft bliebe, unb fein ©elb lieber friegte." 3 



1) ßratner, 91. £. ftrancfe I. ©. 72. 

2) (Scfe, (£., 9tuguft ^ermann grancfe, feine SBirffamfeit $u Erfurt 
1690 unb 1691. Vortrag gehalten im 9lltertum3öerein $u ©rfurt. Erfurt, 
1877. ©.15u. ff. 

3) 3)te eigentliche Ctuetfe für bieS erfle 9luftaud)en ber gbee ber 2M6el= 
anftalt in einer Don granrfe ^emi^renben , aber ntdt)t genannten ©djrift ift 
3- &• Gallenberg in feiner ungebrurft gebliebenen, auf ber £>aüifdjen 2Saifen= 
^auö=93tbIiotc)ef befinbli^en „9?eueften fiirdjen$iftorie feit 1689." ©. Äramcr 
teilt ben betreffenben 9tbfd)nitt a. b. X. „91. £>. gfrancfe aI3 2)iaconu§ in ©rfurt" 



28 IL Xie »ttelanftolt. 



92ad)bem ber öon ßrfurt vertriebene grande in „©laudf)a an 
£alle" feine bleibenbe Stätte gefunben fyattt, rourbe bie Sibel unb 
bibtifdje Sitteratur fortan ber borneljmfte ©egenftanb feiner publi- 
}iftijd)cn Sorgen, and) in ©eftalt fold)er Unternehmungen, bie feinen 
■Kamen nidjt tragen, aber augenfdjeinltd) ju üjm in Söejieljung fielen. 
9laf)t$VL ben Slnfang bübet ein fülmer 2lft, in roeld)em jtdfj ber Über* 
jeugungSmut grande§ in einer SBeife offenbart, baß felbft feine näd)ftcn 
greunbe barüber betroffen rourben. 2lnfang§ 1695 begann er nämlid) 
bie ©erauSgabe einer 9ftonat§fd)rtft u. b. £.: „Observationes biblicae 
ober Stnmerfungen über einige Crter £. Schrift, barinnen bie Jeutfdje 
Uberfe^ung be§ SeL Sutfjeri gegen ben Originaltext gehalten imb 
befd)eibentlidE) gegeigt ttrirb, too man bem eigentlichen SBorfterftanbe 
näf)er lommen fönne", ein Sitel, melier nad) alter SBeife ber Sn= 
IjaltSangabe überlebt. SSon ber ortljobojen ©egenfeite tjieß e3: ber 
Jeufel treibe bit Sßietiften immer weiter, bafs fie fidj nnterftönben, 
Sutl)er§ 33ibelüberfe£ung ju tabeln, toeld)em SBortmirfe granefe mit 
ben SBorten begegnete: e§ fei nid)t Öefaljr öorljanben, „ba§ man — 
nne fein ©auptgegner D. 3- 3- 9Jtat)er ben 2lu§brud gebraucht — 
ber 2utf)erifdjen Sirene ba§ $Begräbni§ beftellen muffe", roenn man 
in ber Überfettung ßutfyeri lue unb ba ettnaä finbe, toa§ oljne S3er= 
le^ung unb Slbbrudf) ber reinen beutfdjen 9ieben3art nad) bem ©runb= 
tejt eigentlicher unb nad)brüdttid)er gegeben toerben fönne. 1 

grande tvax nidjt ber erfte, roetdjer fid) ju biefer Sluffaffung 
befannte; er fü^rt über 300 ©teilen ber Sutljerfd)en Überfe^ung an, 



in feinen ^Beiträgen $ur öefäidjte 9(. £. grandeS 2c. ©alle, 1861. 6. 80 bis 
152 mit. 3)er eben citierte SSortrag fcon Sßaftor ©de ftüfct fid) mo^l inbireft 
auf ©allenberg, wenn e8 S. 16 Reifet r bafj grande in einer Sd&rift, bie ©de 
ebenfalls nid)t nennt, ben (Sebanfen auSgefyrodjen fyabt: „e3 fofle ftd) eine 
(tyefellfdjaft bilben, welche bie £erfteflung fcon 93ibeln bewirf e, bie $um 
3elbftfoften£reife ben Firmen toerfauft werben tonnten." 3)ann aber citiert er 
irrig; Battenberg ftmdjt nid)t uon ber 93ilbung einer (Sejefifdjaft. 3)ie nad) 
9lrt einer SBerlagSanftalt finanziell auf fid) felbft gefteflte $allifd)e S3ibelanftalt 
f)at erft nad) faft l)unbertjäl)riger SSirffamfeit bie gbee ber mobernen S3ibel* 
gefellfdjaften gezeitigt. 

1) Äratner, 2(ug. §. ftrande I. 8. 144—155. 



Ä. $. ^rancfeS Observationes biblicae. 29 

toeldfje fdfjon bor iljm bon angefeljenen Geologen berichtigt toorben 
toaren. Sutfjer fetbft Ijabe furj bor feinem ©nbe gejagt: er toofle bie 
SSibet nodf) einmal burdf)gefjen unb bottfommener Ijerauggeben; unb 
3ftattljefiu3 bezeuge auSbrüdftidf), baf$ bte Soltegen Sutljeri fid^ gar 
lein ©ettriffen barau§ gemalt Ratten, ein§ unb anbereä in feiner 
®olmetfd)ung ju önbern unb ju berbeffern. 

®a§ Gintreten grandfeS für bie StebiftonSfäfjigfett unb 33e* 
bürftigfeit ber Sutfjerbtbel madfjte toofjt audf) be^alb nur fo ftarfen 
©tnbrucf, toetl e§ ftdf) nidf)t unter ber £anb bott^og, fonbern an ber 
©pi&e einer tjeftig angef einbeten firdfjlidfjen 33etoegung gefdjalj, tt>o* 
mit bie ©adfje jur öffentlichen Angelegenheit geftempett tourbe. 3u= 
nädf)ft unb bann auf tange Ijinau§ führten jene (Erörterungen f d£)ein- 
bar ju feinem ßiet. 3m ©egenteit, bie SBibetanftatt, toeldfje grancfe 
im ©inne trug unb bie fpäter, lüie angenommen toerben fann, audf) 
te;rttid) unter feinem ©inftuffe ftanb, braute fidj fogar in ben Sftuf, 
Sutljer mögtid£)ft treu in iljren Aufgaben ttrieber$ugeben. @rft anbert- 
Ijalb Safjrljunbert fpäter famen bie Observationes biblicae attmäljticl) 
ju boßen (Efjren, unb in bergolge mürbe au§ bem, toa§ fie bertraten, 
in alter gorm eine öffentliche Angelegenheit, fo 5*t)ar, baf* nadfjbem 
ba$ jtoeite ^aljrljunbert nad) grancfeS (Erörterungen na^eju boß ge= 
toorben toar, bie bon üjm geplante SMbelanftalt fidE) mit ber SDrudf- 
legung ber im Auftrage ber ®ifenad^er Sirdfjenfonferenj burdfjge* 
feljenen Sutljerbibel, ber fogenannten „9tebibierten$Btbel", befdfjäftigte. 

®ie früljfte Aufgabe ber £utf)erfcf)en 33tbelüberfe£ung, toetdf)e 
aufcer SBe^ieljung §u ber fpäteren SMbelanftalt fteljt, erfdf)ien im SBai= 
fenljaufe 1702, unb ^loar in S)uobe3. -KadE) einem bei ben Alten 
befinbtidf)en ^anbfd^riftlid^en Katalog bon 1702 — 5 1 lautet bereitet: 
„Biblia, ba§ ift, bie ganfce £. ©d^rift A. u. W. 2. nadE) ber teutfd^en 

M 

Uberfe^ung D. SOtartin Sutl)er3, mit jebeS ©apitetö furjen summa- 
rien, concordanjien unb Sol). Arnb r § Informatorio biblico, benebenS 
A. $. SrancfenS Unterricht, ttne mann bk $. ©cfyrift 5U feiner Gr= 



1) Acta. Tit. IX. Sect. IE. 9fr. 5. 



30 n. Die ©t&ekmftalt. 



bauung lefen foll. 12°. 1702." SBie Sertram meint, 1 ift btefe 
2lu§gabe auf ben eigenen Sßreffen be§ 2Baifenljaufe§ gebrudft korben, 
unb toenn biefe Slnnaljme audf) nidf)t felbftberftänblidO fdfjeint, fo Hegt 
fte boc^ beäfjalb nalje, toeil bie SMbel ben üWamen grandfeä im Sitel 
fütjrt. SlHein im 2lrd^ib finbet fidfj ein bon ®(er§ gezeichneter Sauf* 
bertrag, batiert bom San. 1702, ^üifd^en grandfe^©Ier§ unb ber 
©röfin Sippe* 93racf, toonadfj bie ©räftn bem 93udf)laben be§ 38aifen~ 
f)aufe$ 1000 ©tücf einer $u Semgo gebrudften SBibel in 2)uobej 
ä 21 9ftgr. überlädt, mit ber greiijeit, nadf) belieben bamit $u ber* 
fahren, audf) biefelbe neu auflegen $u bürfen. dagegen berfpridfjt Sßrof. 
grandfe ben Saufyrete bon 583 dltijlx. 8 gr. in brei 9taten hi& $ur 
fommenben ISRicfyaeltSmeffe boHftönbig $u erlegen, 3)amit bürfte bie 
1702 erfdfyienene Shtobe^bibel ibentifd^ fein unb grancfe nur feine 
©inleitung beigefügt Ijaben. 2 

Sm 3- 1708 folgte eine ©rofeoftabauSgabe ber Sutljerbibel, 
toeldfye fein bloßer üfteubrudf ber 2)uobe5bibel bon 1702 getoefen fein 
fann. 3fn feinen SDWtteilungen bom Snbe Januar 1708 an greifjerrn 
b. Sanftem 3 fagt grandfe: „Lutheri Seutfdfye Überfe^ung ber 93ibel, 



1) SBertram, 0., ®efdjidjte ber ©anfteinfdjen SBibelanftalt. §atte, 
1863. @.5. 

2) 2)ie 93ibelau3gabe t>on 1702 tr»ar, roie gefagt, in 3)uobej gebrucft 
unb bilbete fomit nacf) ber älteren Terminologie eine fogenannte §anbbibel. 
3m ®taudjiföen (Sebencf = $Büd)tein oon 1693, @. 176 u. ff. empfiehlt $rancfe 
feiner ®emeinbe bringenb, bm SHnbern jur Unterftüfcung be3 9fteligion£unter= 
ridjtä eine §anbbibel ju berfdiaffen , foroie ja audj bit Ätrdjenorbnung erfor= 
bere, bafj fidj jeber §au8uater in feinem £aufe mit einer SBibel berfelje. ftalle 
aber bie 5(nf Raffung einer SBibel ju fdjtoer, fo tljue e§ einfttoeilen audj ba& 
92eue Xeftament, roeldjeS für einen gar geringen $rei£ ju fjaben fei. 3)ie 
9lu§gabe uon 1702 Ijatte bemnadj rooljl bie SBeftimmung, bem Mangel an 
wohlfeilen §anbbibeln abhelfen, wenn fürS erfte audj ber Sßretö biel ju fyody 
auffallen mochte. S)ie 91bfid)t, biefe 9lu3gabe für weite SBolföfreife jurec^tju^ 
legen , jeigt ftdj barin, baß in berfelben jum erftenmal ST. |>. grrancfeS „ßurger 
Unterricht, tüte man bie ^eilige ©djrift ju feiner wahren Erbauung lefen foll" 
auftaucht, eine oolfstumlidje Anleitung jum SBibellefen, welche bie grofce SWaffe 
ber beutfdjen SBibeln bi£ jur @tunbe al£ Einleitung abbrucft. 

3) gufcftapfen ic 1709. V. ftortfefcung 6. 57. 



ö. $. ftrancfeS öibelauSgaöe öon 1708. 31 

bon toeldfjer Bereite gemetbet toorben , baft fie unter ber $ßref(e fet), 
unbnadfj ben beften Editionen accurat revidirt, audj mit 
beffen Sftanbgloffen unb 33orreben, ingleic^en mit feljr bieten Locis 
parallelis berfetjen, tüirb auf bie Öfter* ISReffe tjerau§fommen." 2>iefe 
8Iu§taffung beutet auf feinen btoften üfteubrudf, fonbern auf eine 8Irt 
SSortäuferfdfjaft für bie einige Satjre fpäter beginnenbe Bearbeitung 
be§ ©anfteinfdfjen S3ibelteyte§. SWadfj ber Stnfünbtgung in ben „gufc 
ftapfen" ttmrbe fie gebrudft „in groß Octav auf fein Sßajrier unb mit 
einem frönen Typo." £)er 33ertag§fatatog bon 1738, freierer tjinju* 
fügt: „nebft 2t. $. granef en§ SSorrebe", nennt jebodfj jtoei 2tu§gaben 
berfelben: eine toeifce unb eine braune, toomit bie Sßapierfarbe gemeint 
ift; bie toeifce foftete nadf) ber ljanbfd(jrifttid)en Eintragung — alfo 
ungebunben, benn anber§ finb bie Satatogpreife nidfjt ju berfteljen 
— 21 r bie braune 18 gr., emSßretö, iti bem an eine Sßaffenberbrei- 
tung nid)t gebadet korben fein lann. 1 

2)er 2lnfünbigung ber 93ibelau§gabe bon 1708 ttrirb tjinjU' 
gefügt: „Sngteicfyen ift bereite tjerauS fommen ein fetjr bequemet 
£eutfdf)e§ SWeueS £eftament in 24. mit fe^r beuttidf)em Typo." 3)amit 
brirb ba§ Seftament in Sleinbuobej gemeint fein, toeld)e§ 1704 im 
SBaifenljaufe erfdfjienen toar. 

Sm S- 1709 hntrbe ba§ SWeue Seftament in böljmifcfyer (Sprache 
§ur Verbreitung unter bie ebangelifdfyen ©emeinben 93öljmen§ gebrudft 
unb ber Sßlan jum 2)rucf ber ganzen Bibel toenigftenS angeregt. 2)em 
böl)mifdf)en Jeftament folgte mit Unterftü&ung ber Königin ©opljie 
Suife, ber britten ©ematjlm grtebrtdf) be§ L, 1710 bie bon granefe 
beranftaltete unb eingeleitete 2tu3gabe be3 üft. X. im griecfyifdfjen ©runb* 
tqct mit neugriedfjtfdfyer Überfe^ung, meldte jur Verbreitung in ber 
griedfjifdfjen Strebe beftimmt toar. 2 



1) 2)iefe intereffante Ausgabe finbet fidj roeber in ber SBibliotljef ber 
SBudjljanbhmg , nodj in ber SSaifenfjauSsSBibliotljeF. Sei ber §alltfc^en Unt= 
berfttätösSBibliotljef unb ber königlichen SBibliotfjef in SBerlin fyabt idj ber= 
geblidj SRadjfrage banadj gehalten, ©benfo blieben antiquarifdje (öefudje ofjne 
(Srfolg. 

2) Gramer, 91. &. granefe. IL ©. 115. 



32 n. xu eiMoiAoit. 

SJon befonberem Jfntereffe für bie S$orgejdjid)te bet Öibelanftalt 
ift baS Collegium Orientale theoiogicum, Don llug. &. Stande in 
®emeinfd)aft mii feinen fioliegen in bet tfieologtfdjen gatuttät, D. 3In= 
ton unb D. Steitijaupt, unter 3 u jiet)ung bon %°§- ^cinr. äRid}aeIi8 
im 3. 1702 gegriinbet. 9Iuä beti befäbigften jungen Xfjeologen jk= 
fammengefefjt, «erfolgte baSfelbe bor altem als ,3iel baiB ©tubium 
bet ^eiligen ©djrift in ben färunbjpradjen. 3n ben jur 
(gdjriftertlä'rung nötigen Sprndjfenntniifen mar e8 bauptjä'tfitid) auf 
baä Gtjalbäifrfje, Snriidje, 9tnbbinifa)e, 2lrabifd)e unb 9ftbioptf<fie ab= 
gefeben, nad) Umftiinben nudj nur bnS Strmeuifdje, ^Jerftfc^e unb £ür= 
fifdje. 2>ie TOitglieber, jinölf an ber 3a1jl, bie jufammen wohnten 
unb on einem befonberen £ijdj afjen, loaren aber niebt auSnabmSloS 
auf bie onentnlifrben ©prarfjeu Berpflirbtet. 3 ut Äunbe ber abenb= 
lä'nbifdjen 3MbeIüberfe|jungen imtrbe eä (ogar gern gefefjen, 
ttienn ber eine ober nnbere fidj geneigt fanb, befonberen gletfj auf 
baö Sranjöfifdje, Gnglifd)e unb Stnlieitijdje, ober aud) auf baS <ßofc 
nifd)e, Stuffifdje unb ©laPonifdje ju bermenben. Sunbe beS £>ebräi= 
jcben unb @ried)ijd|en tnar S8orau3fe()ung für bie Stufnabme ins 
Collegium, UmgangSfpracbe bilbete baS Sateinifdje, auf beffen S8er= 
feinemng gehalten würbe. 1 

ffiin§ ber gröjjten S9ibehtnterneEimen überhaupt, toeWjeS in 
birefter Sßejietjung ju biefer geteerten ©enoffenfdjaft ;ftebt, ift bie 
1705 begonnene Biblia hebraica bon % §. äWidjaeliS, lueldje tJrancfe 
bei einer öelegenbett in ben Sfften afö „unjere Arbeit" bejeidmet, 
„bie §err Sßrofeffor Michaelis dirigEret." * IMefe fiebri5ifd)e SBibefc 
nuSgabc mit Varianten unb 9!anbbemerfungen ift bie erfte frirtfdje 



1) ©djutje, ffion bei' £rriif)tung beä Collegii orientalis Theologid. 
$ranlena Stiftungen. I. S. 209 u. ff. — 9tod) <£<f ftein, pronU b« ©tobt 
JiqDe. (Sortierung uon Srenljaupt, gragmtnt) §atte, 1843. 6.63 beftanb 
ba§ Collegium Orientale cmräitiilul) aus jeljn äJtt Ig liebem, roeldjt C 
auf fünf uerringert würben, mit ber Sjerpflidjmiuj, Ina juv SSoIlenbiing b 
Bibel in ber Slnftatt ju uevöleiben. 

2) 9trd|iü bei' Saiien&aiiäbu^anblung. 




Set FrSMie SiMIWtlofl kl iflaiftnSaiitrt. 33 

in ber et an g etilen Sirene. 1 ÜDctdjaeltS rüijmt feinerfettS bie .£)ilfe, 
lueldje iljm bie 3Df itglieber bcS Collegium Orientale burd) SJergleidjung 
folooljl alter unb merfroürbiger Stuggaben aI8 aud) bet fünf Erfurter 
^anbfrtjriften u. a. geleiftet ijaben. Srojjbem rowrbe bie SRiefenarbeit 
erft 1720 öottenbet. 9Kid)aeIt3 felbft öerbrad)te fogor adjtjetyt JSoljre 
barüber unb jop fid) Jdbon öorljer burd) baii onljaltenbe ©igen eine Iän= 
gere Stänftidjfeit $u, fo baff er auf einem ®ute beä 3reib,errn ü. Ean= 
ftein, ber ba8 Unternehmen unterftü&te, längere 3*it ber Erholung leite, 

■Sollte ba§ Collegium orientalG nicfytnod) an anbeten, im S3ai= 
fenljaufe etfdjtenenen Sßibelauggaben beteiligt getoefen fein, j. 58. an 
ber Don grandfe ebierten, „nadj ben beften Editionen aecurat revi- 
dtrteu" Sutljerbibel Don 1708?« 

3ieljt man DoEenbS bie äKenge biblifrtjer ßitteratur in »etradjt, 
loeldje neben jenen ftütjften SMbelauSgaben 6iS gegen ba§ 3tajj* 1710 
oerüffentlidjt rourbe, fo löfjt fid) fagen: bie S8ud)Ijanblung b. SB. mar 
fd)on Sötbelanftalt, als baS ^nftitut, ineld)eS in roeiterer golge unter 
btefem 9iamen tterftanben mirb, nod) gar nidjt eriftierte. 

Sßidjt lange nad) Erfdjefnen ber Sutljetbibel »on 1702 lenfte 
Stande feine Stufmerffamleit auf bie Mängel feiner Slnfialten im alt 
gemeinen unb lain u. a. auf bie Erfurter Jjbee einer äßaffenbibel jurüd, 
fo ba[j er ElerS ju einer Slufjerung barüber »eranlafjte, luie fid) bie 
93ud)b,anblung jur Sßern)ir(ltd)ung berjelben ju fteßen Dermöge. Site 
EIer3fd)en Sjorfdjtäge liegen bei» fogenannten „©rofjen Stnffajs" ju 
®runbe, fotoeit fid) berfelbe mit Sßudjljanblung unb SBucfjbrutfcrei 
befafjt 

1) Änapp, ©. E., unb H. &. «Riemener, §i[torifä)er Script Uon ber 
Stiftunß ber §aBifd)en SSi&dgcfeHf^aft ic. ©alle u. »erlin, 1817. @. 8. 

2) 3» cht«» ©^reiben ftrancfeä an Söener Born 3. äürti'j 1695 über bie 
Obwrrationes biblioae nimmt (Sramer, 9lug. §. grantle I. 148) bie 6ejeiaj= 
»tnbe Stelle uor: „Irö ift mir aurf) um ber bloßen Observationes mitten nidjt 
ju ibuit. Sott Wirb eä iiDun innen ffiinbetn ju niedrerem Segen gereiften 
Uj ien." fflarf) § Ö be3 Statut« tic3 CoLlegium Orientale theo]. Dom 9Rai 1702 
(fftamerl. 280) tourbc beim a;id| in JluSfictjt genommen, bafj auä ber «Kitte 
btäfclben eine btutfibe SanbbibeE rjeworgelje. 

, gut ®t\ä,wt a. 3?h$&m b . *. ro. 3 



34 II. $fe »iäetanftült. 



2)er „©rofce «uffafrV melier Dom 3. 1704 Ijerrüljrt, ift für 
bie ©efd)itf)te ber 93ud$anblung im allgemeinen bon 3>ntereffe, ba 
er bie S3erlag§tfjättgfeit berfelben Wäljrenb grandeS Sebjeiten m treffe 
Hcf)e ^Beleuchtung fe^t. SSor allem aber gctoö^rt bag wichtige ©d^tift= 
ftüd einen fd)ä£baren ©inblid in bie %bttn unb Sßläne be8 genialen 
9ftanne§. $m ©ingange berweift er nad) 3lrt SpenerS in ben pia 
desideria auf bie fittlidje SSerberbt^eit beS ganjen S3otfe§; alle brei 
©tcinbe feien berfommen, ber Regier* unb Seljrftanb, Wie ber $au&; 
ftanb; feiner tjabe bem anberen ettvaä bor^uwerfen, nur bafc man im 
Seljrftanbe ben ©runb be3 33erberben3 am allermeiften ju fudfyen 
Ijabe. ®er 3wftönb ber ©dfyulen unb Uniberfitäten erfährt babei eine 
bittere ®rittf. ©ine weitere Duelle be§ allgemeinen SSerberbenS fei 
btöfjer gewefen, baft man fid) um arme SSMtWen unb SBaifen unb in§^ 
gemein um SKotletbenbe unb ©lenbe faft gar nid)t befümmert Ijabe, 
tx>te ttjneu geholfen werben möchte. 2>iefe bei grande oft Wieber- 
fetjrenbe Slage wirb gegenwärtig wofjl am wenigften richtig gewür* 
bigt, ba man baiti leidet geneigt ift, an bie heutigen klagen über 
üWotftänbe ju beiden, bie nid)t bamit ju berwedjfeln Rnb. !gn ba8 
fociale ©lenb ju grande3 3 e ^ en — b um 9 u * cn ^ e ^ SfadfjWirfungen 
be§ breifcigjäljrigen Kriege — , in bie materiellen unb fttttidjen üWot* 
berljältniffe, geförbert burd) SRangel an Srjie^ung unb ©djule, Wie 
fie ber große 2luffa^ fo braftifd) barftellt, fönnen Wir unS !aum ju^ 
rüdberfefcen. 9?ur auf biefem gefd)id)tlid)en $intergruube ift ber 
SßtetiämwS in feiner ed)ten ©eftalt, Wie er fid) in grandeS Sßirfen 
barftellt, berftänblid). (Solange jene üWotftänbe nidjt gehoben feien 
— erflärt grande — folange berbreite ftdf) ba§ SSerberben notWenbig 
weiter. 2ll§ fjödjft ttrirffameS SRittet, bemfelben ju fteuern, atfo bor 
aßen fingen einen befferen Sefjrftanb ju fd)affen, begrüßt er bie 
©rünbung ber Uniberfttät £al(e, „bieweil e§ beffer bon ftatten geljet, 
Wenn man eine <&ad)t bom Anfang recftt einrichtet, atö Wenn man fie 



1) 91. §. grantfeä ®ro&er 9luffa£ herausgegeben bom 3)ireftor Dr. 
SS. grieä als geftfcforift jum $tt>eU)Mtbertjäl}rigett Jubiläum ber Untoerfttät 
£alle. §aße a. @. , 1894. 



3)ie im ßrofcen Sluffafc entfotcfelten Richte. 35 

reformieren unb berbeffern foH, toenn fie einmal im ©runbe Der- 
berbet ift." $n ben 2lnftalten be§ SBaifenljaufeS Ijabe bie Unitoerfttät 
eine erttmnfdfjte (Srgänjung gefunben, beibe müßten £anb in $anb 
miteinanber geljen. SKadfjbem er mit ©enugtfjuung getoürbigt, tt>a§ 
auf biefem SBege bereits erreicht fei, beljanbett er bie bem ganjen 
SBerfe, alfo Uniberfität unb 3Baifenl)au3-2lnftalten jufammen genom* 
tuen, an^aftenben ISRängel unb bringt beftimmte 33erbefferung3bor~ 
fd^Iäge, tt)obei audj ber 93ud(jljanblung unb 33ud()brucferei gebadet ttrirb. 

Um me^r Stauen unb (Srbauung burdf) bie teueren Stnftatten 
behrirfen ju fönnen, fommen feljr berfdfjiebene unb barunter fdfjeinbar 
fdfjttrierige $itf gaben jur ©pradfje, fo j. 93. bie SSertagSfpefutation auf 
£oHanb unb (Snglanb au^ubeljnen. $n feinem für ben „©rojjen 
2luffa&" beftimmten 33eridf)t Ijatte (£ler§ fogar bie ©rünbung befon* 
berer Offizinen in beiben ßänbern in3 Sluge gefaxt. SSon ©nglanb 
5U fdfyroeigen, fear ber ijoIlänbifdf)e 93ucf)ijanbel bem beutfdfjen bamatö 
über ben Sopf geft>ad()fen. SBSä^renb teuerer inteHeftuell $urücfge= 
gangen unb ber 93üdfjerbrucf unb bie 93üdfjerau§ftattung in 2)eutfdf)= 
lanb in SSerfaH geraten loaren, mar e3 beim IjoHänbtfdfjen 33udf)f)anbet 
umgefeljrt, unb htx ben nodf) immer internationalen Sftarftbertjättniffen 
für geteerte Sitteratur jog berfelbe burdf) ben ©efdfymacf feiner tt)po= 
grapljifdfyen Seiftungen tn§befonbere ben pljilologifcfyen SSertag faft 
au§fd)iiefjtid() an fidfj. 1 2)ennod) foH man fidf) tjüten, bie (£ler§ftf)e 
Sbee atö abenteuerlich anfeljen $u toollen. ^atfäd^üd^ ftettten fidf) 
burdf) bie SDWffionSbeftrebungen be§ SßaifenljaufeS balb Schiebungen 
ju ©nglanb Ijer, ebenfo enthricfelte fiel) mit ^poHanb feljr balb ein 
lebhafter SSetfeljr, teiltoeife in gorm be§ Jaufcf)gefd^äft§. 

gerner foHten nadf) bem großen 2luffa& bie orientalifdfjen unb 
flabonifdfjen Settern meljr SSerioenbung finben, um für fotd)e Stationen 
SHbeln, 9?eue Seftamente, Sßf alter u. bgl. ju brudfen, gleid^tüie mit 
ben ätl)to)Hfdf)en Settern ba§ Psalterium aethiopiemn gebrueft toorben 
war. ©obann fottte baljin geftrebt Werben, griecf)ifd^e SSibeln in 



1) ßirdjljof f , Wbx. , Beiträge jur ©efdjidjte beä beutfdjen S5utf)§anbel§. 
IL ßeipäig, 1853. (5.67. 

3* 



38 II. Sie »ifclanitalt. 



er fdjon ben 2luffa£ in feiner erften ©eftalt nidjt veröffentlicht, roeil, 
rote er fagte, „bie SBdt attju boSfjaft fei unb baS ®ute auf aUeSSeife 
$u Verfjinbern fudfje." 9(ud) als er ftd) nad) ^Beratung mit Vertrauten 
greunben anfangs 1704 entfdjlofc, feine 3>been über ben früheren 
Sßlan IjinauS umfaffenber barjulegen, änberte er feine 3 u fücf Haltung 
nidfjt unb roanbte fid) bamit nur an einen engeren fireiS. Grft im 
3- 1709 rourbe Von bem fünften unb fechten Sajritel, roeldfjeS feine 
Ausführungen über 93udjl)anblung unb 93ud)brucferei enthält, ein 
Verfügter 2JuS5itg Ijergeftettt unb ber Äönigin Sophie Suife, ber 
treuen görberin grandefdjer Sßläne, überfanbt. 

Unter ben jenigen Sßerfönlidfjfeiten, roeld)e grande mit feinen 
erTOeiterten Sßlänen Vertraut gemacht Ijatte, roirb Sari fjilbebranb 
greifjerr Von Ganftein (1667 — 1719) in Vorberfter Steige geftanben 
Ijaben. SSon btn Anfängen beS §allifd)en SBaifenljaufeS täjjt fid) nid)t 
reben, ofyne biefeS SftanneS 5U gebenfen. Gin ©beimann Von ed)tem 
Sorn, ben SSeftrebungen grantfeS mit $er$ unb £anb augettjan, ift, 
Von ©pener abgefeljen, feiner ifjm in ber görberung feiner Sßläne 
unb Unternehmungen in gleichem Sßafje Ijilfreid) geroefen. Ganftein 
ibentifijierte fidj mit ben 3ßaifent)auS~9(nftalten, er fümmerte fid) 
um jebe Ginäeltjeit unb Vertrat fie in SSerlin, roo er bombierte, 
tvie feine eigene ®ac^e. 2)urd() feine einffajjreidje (Stellung, jumal 
atö baS £aupt ber SSetoegung, ©pener, 1705 jur eroigen 9iulje 
eingegangen roar, unb bann and) burdf) ben Umftanb, baf$ er bem 
Gentrum ber 93eroegung burdj feinen 38ol)nfi& entrüdt roar, 1 roanbten 
fidf) ifjm ©t)mpat^ieen gu, roeldje bem entfdfyiebenen, ftetS fampf^ 
bereiten unb feine Sßerfon für nichts acfytenben grande teilroeife Ver= 
fagt rourben. 2)ieS Ijat ju einer Überbietung ber Ganfteinfd[)en 83er~ 
bienfte auf Soften grandeS geführt. $)ie <S*ati)t getjt fo toät, bafe, 



1) 2)ieS erfannte ber SBaron felbft an. 9ttS er fidj nadj (SpenerS £ob 
toorübergeljenb mit bem ©ebanlen trug, nadj §atte überjuftebeln, fdjrieb er: 
„Soll eS bem §errn gefallen, bafj id) etnmaljl unter iljnen tooljne, toerben ©ie 
mandjeä an mir au^ufefcen finben." $lat§, ($. §. (£§r., (Sari §ttbebranb 
greifen; v. (Sanftein. £aße, 1861. @. 29. 



$>te Benennung ber ©l&etctnftatt nadj grei&erm t>. Ganftetn. 39 

mie Sramer 1 erjäljlt, ein angef ebener, ber frtttfdf)en Stiftung ju= 
neigenber Geologe fid) ju ber 9tuf$erung berftiegen Ijaben fott: „er 
merbe ben SßtytljuS Don grancte jerftörcn unb jeigen, bafc (Sanftem 
ber «Stifter be§ 3Baifenl)aufe3 fei." Sramcr meint: bk$ mürbe alter- 
btngg ein unübertreffliches SDietfterftücf ber Srttil fein, metdf)e§ jebodf) 
niemals gelingen merbe. 

$ie Überfd^ung (£anftein£ ift mefentlidfj burdfj bie SMbetanftalt 
geförbert morben, btejenige Slnftalt be§ 2Baifenl)aufe§, meldte nadf) 
bem greitjerrn benannt ift, ein Slft ber 5ßtetöt, metdjer 56 %af)xt 
nad) bem Sobe beSfelben erfolgte. 3M3 batjin Ijiejs e§ auf ben 93ibeln: 
„$atte, ßu finben im SBatyfentjaufe" unb ftatt beffen bon ba ab: 
„£alle, in ber ©anfteinifdfjen 93 ibel = 9Inftalt. " ©runb mar, ba§ bie 
Ganfteinfdfye SSorrebe, meldte im Sitel genannt mar, al§ öeraltet in 
SBegfaH lommen fottte, momtt ber SKame &anftein§ au§ ben SSibeln 
gefd)munben märe, ©dfjmerlid) tjat man bamalS in (Srmägung ge- 
bogen, meldte äRijsberftfinbntffe mit jener Benennung ber Söibelanftalt 
geförbert merben fönnten. 2)a§ üftädfyfie mar, ba§ fidj bie Meinung 
befeftigte: £err b. ©anftein fei mie ber materielle, fo ber intelleftueHe 
Urheber ber 93tbelanftalt, um fo meljr, at£ biefe 9lnnat)me au3 ber 
Sföitte be3 2Baifenljaufe§ bie mirffamfte Unterftü^ung fanb. 2 (Sbenfo 

1) ftramer, 9t. £. grande IL @. 26. 

2) hierfür barf man fidj nur ben II. SBanb t>on „gfranfenä Stiftungen" 
1794 6. 19 u. ff. unb ben im nämlidjen SBanbe enthaltenen größeren SBettrag 
über bie Sibelanftatt Dom bamatigen 2)treftor 3. S. ©d^ul^e anfeben. 3)er 
Sd)ul$efd)e SBettrag ift §ödjft tntereffant unb inljattretd) , aber tro^bem er 
©. 346 — 47 oerftdjert, neben bem gebrueften Material audj ba§ im 9trdjto 
aufbewahrte tjanbfdjriftlidje bemt£t gu Ijaben , fo bafy er für aUe§ einfielen fönne, 
n>a£ er beriete, weiß er t>on ber SSorgefc^id^te ber SMbetanftalt feine (Silbe. 
9t. §. Skiern ei) er ergäbt in feiner (Mefdjidjte ber (Sanftemfdjen 9Mbel= 9tnftalt 
(1827) @. 13, „bafj £err u. Sanftem lange barüber nadjgebadjt §abe, 
tote man SBibelu auf ba% rooljtfeilfte ju liefern vermöge, unb er fei bann auf 
ben (öebanfen gefommen, fo feiet StypoS ober 3)ruder)d)riften an^ufc^affen, ba}} 
bamit alle SBogen in bem neuen Seftamente unb in ber ganzen SBibel auägefefct 
roerben unb biefelben in iljren gönnen fielen bleiben fönnten." 9tu3 bem 
Obigen erljeüt, baß (£ler$ 5 — 6 Satjre früher, al£ Sanftem fdjeinbar oon bem 
grandefdjen ^rojeft erfuhr, ftefjenben @a^ für ben SBibelbrud in SBorfdjlag 



40 II. Die »ifclanftatt. 



natje gelegt hntrbe bamit bie Slnnaljme, ba$ ber Somptey bon Söauten 
innerhalb ber (Stiftungen, toetd^c bie 2luffd(jriften ©anfteinfdfje SMbet 
anftatt unb ©anftetnfctjc SMbelbrucferei tragen, Don ^perrn b. Sanftem 
Ijerrütjrten. gaft unbermeiblidf) toar e§ enblidf), baft fidf) in tüeiten 
Greifen bie Sßetnung bilbete: bte SBtbelanftalt fuge auf ein grofteg 
83ermäci)tni§ ßanfietnä unb jeljre fortgefejjt babon. £)ie§ finb Söltfc 
berftänbniffe, tt>eldf)e in ber §auptfadf)e fdf)on Äramer aufgehellt 
Ijat, benen aber im Igubeljaljre ber (Stiftungen nodf) in ettoa§ anberer 
SBeife entgegengetreten Serben mufj. 

granefe jögerte, hrie gefagt, fortgefefct mit ber SSeröffentlidEjung 
be§ großen 2luffa£e§ unb entfdf)toft fidfj erft im S- 1709 jur SSeran- 
ftaltung eine§ fürjeren 2tu§jug§, in tt>etd)em ber Sßtan ber 3Mbel- 
anftalt ^ur (Spraye gebraut toar. ge&t fam bie Sadf)e in ging. 
SSom 1. gebruar 1710 batiert erhielt er ein (Schreiben EanfteinS, 
tt»eld^e§ fdfjon auf 33orberf)anbIungen beutet unb bie grage enthält: 
„£at man mit ^errn ©ler§ toegen be§ Sft. X. gefprodfjen?" £)ie§ 
toar nidfjt allein gefdjefjen, fonbern e§ toar injttrifdfyen auc^ ein @ut^ 
achten an ßanftein abgegangen, tDelctjeö fidf) mit feinem (Schreiben 
gefreujt ju Ijaben fdfyien. 5>enn fcf)on am 4. gebruar fenbet er ba§ 
©utadf)ten al§ ju affgemein gehalten jurücf unb Verlangt genauere 
Slngaben über bie Soften, ben ©djaben unb ben SSortett, ttne tjodf) 
ein ©jemplar fommen tuerbe, beutet bie ©attung ber ©dfprift, bie 
2lrt ber loca parallela an :c. 9Jur auf ©runb foldjer näheren Wn* 
gaben bermöge er anbere ju belegen, ettoa§ baju beijutragen. 1 

Sn einem ©djretben bom 15. gebruar gab Sanftein bie 9lbfid)t 
p erlenneu, unter feinem 9? amen einen 2luffa£ abjuf äffen, in 
tt>eld)em er fidf) berpflidfjtete, jebem, toer e£ audf) fei, tuenn nur 
nidfjt bamit geljanbelt toerbe, ba§ Jeftament für 2 gr. oljne 
Sßorto, fo abfonberlidE) }ebe§mat genommen toerben foffe, ju liefern. 
„SBeiten aber — fäfjrt er fort — bie 33udf)füljrer barüber Hagen 
toerben, fo midf) aber in conscientia nidf)t unruhig machet, unb idf) 

braute, melier SBorfdjlag weniger 6adje eines erfinberifdjen Äopfeä, alä ©adje 
ber ^alfulation toax. 

1) Gramer, 2t. $. granefe n. @. 117. — $(at$ @. 74 u. ff. 



3)a8 9lu§jdjrei6en be« ftreifjerrn b. ©anfleht um Beiträge. 41 

bie Sßafjrljeit hierin bor mic^ Ijabe, inbeffen bann bodf) ju bereuten, 
baf$ bic ßäfterungen unb ba§ odium nidfjt auf ©ie im 2Batfentjau$ 
möge fallen, fo toäre ettoa gut, toenn idfj e§ auf mtdj neunte. 
Sßie idf) bann fo ber Sßetnung, in bem 2luffa& ju fe£en, baft, toenn 
idf) bem nid()t nadfyfomme, tooju idfj midfj berbmbltd) madEje, fo fönnte 
man midfj be§fall§ belangen." 

3)a§ SBebenfen, ben 93u^anbel gegen "ba§ SBatfenfjauS in 
Stufregung ju bringen, fommt Ijter jum erften 3Ral §ur ©pradfje. 
SBorauf bieg 93eben!en auslief, toirb in ber „Umft anbüken üftadf)* 
ricf)t" SanfteinS bom ©nbe Dftober 1714 x exemplifiziert. 2)anadfj 
Ratten ficJ) einige 93udf$änbler unb 93udfjbinber befdfjtoert, ba% iljnen 
burdE) bie ^attifd^e Slnftalt iljre üWaljrung entzogen toerbe, inbem fie 
il)re eigenen SSibetn nidfjt mef)r anbringen fönnten tote früher, ©oldf)e 
klagen toaren im Qtitatttx be§ patriardfjalifdjen SßrtbttegienfcfyukeS 
an ber JageSorbnung ; toie toir gefeljen Ijaben, fear bie ©jiftenj be§ 
„93udfjlaben§" an unb für fidf) fd&on ber ©egenftanb örtlicher S3e= 
fcfytoerben getoefen, bie (£rridf)tung ber SSud^brudEerei Ijatte, ttrie e£ 
Ijeiftt, bie ^attifd^e 93uc^brucferinnung in 93ett>egung gebraut unb 
auf einem feiner äteformgebiete, bem ber ©dfjulbüdfyer, follte ba§ 
SBaifen§au§ im Saufe ber 3eit noc § nähere 93efanntfd^aft mit bem 
auf ®often| be§ ©emeintoefenS übertriebenen ©d^u^bebürfniffe machen. 

©nbtid) Ijeiftt e§ in bem Schreiben SanfteinS bom 15. gebruar 
1710: „Steffen, toenn idf) bie <5aü)t ju ftanbe gebraut, fo britt 
S^nen ba3 gan^e SBerf Eingeben, bamit ©te in SBatjrtjeit bejeugen 
mögen, e§ gehöre ju 3$ren Slnftalten, unb toerbe e§ alfo ein orna- 
mentum babon." 2)ie§ ift bie 93ibetanftatt allerbingg in fjotjem 
©rabe geworben, nur bafc ber 3ßaifenl)au§anteit babei im 2tnfe(;en 
ber SBelt ein toenig ju furj gefommen ift. 

üWodfj elje ber bon Eanftein beabftdf)ttgte Sluffajj toegen be§ 9i £. 
jur Verteilung gelangt toar, erfuhr ber Sßlan eine Erweiterung, 
inbem gleichzeitig eine boHftönbige |janbbtbel §um greife bon 6 gr. 
auf ba§ Programm gefegt ttmrbe. SDie Verbreitung be§ 9tuffa£e§ 



1) «Rienteger, ©efdjicf>te ber (£auftemfcf>en 93ibeU2(nftalt. ©. 76. 



42 IL S)ic «tbcicmftatt. 



in biefer neuen ©eftalt 1 tt>ar bon ©rfotg, aber nidfjt bon bemienigen 
Srfolge, ben ©anftein erwartet Ijatte. 2 SWadfj ben 2l!ten gingen 1711 
(genauer 1710 — 11) 2041 S^tr. 7 gr. 3 pf. ein, 1712 1550£ljtr. 
16 gr. 9pf., 1713 13572l)lr., 1714 500£f)tr.unb 1715 309£ljtr. 
9gr. 6 pf., bon meldten (Eingängen e§ in ber ©eneralquittung Ijeifjt: 
„SDurd) $errn SWeubauer (bielfettig bertoenbeter ©etjilfe grancfe§) in 
©umma erhalten." Stufjer einem bejügücf) ber 2trt ber ©in^a^Iung 
fraglichen Soften foinmen bann mehrere nachträgliche Ginjaljlungen 
bor, bie al§ „bon bem £errn 93aron felbft" bejeidfjnet werben, 
nämlid) 1715 714 2t)lr. 6 gr. 6 pf., 1718 500 £ljlr. unb 1719 
1000 £fjlr. äßeldjen Slnteü £err b. Sanftein an biefen (Eingängen 
perf anlief) fyattt, läftt fidfj nicf)t erfeljen. Db bie 9?eubauerfc^en ©in* 
jatjlungen burtfjtoeg frembe ^Beiträge unb bie Canfteinfdfjen, mie ju 
vermuten , burdfjroeg perf online ^Beiträge finb, muß auf fidj berufen 
bleiben. 8 1719 ift ba% 2obe§ial)r GanfteinS. 2Iu§ feiner §inter= 
laffenftfjaft fielen ber Stbelanftalt 3312 £t)lr. 12 gr. ju r fo ba% 
ba§ aftenmäfcig feftgefteHtc ©efamtergebntö für bie gunbamentierung 
berfelben fidfj auf 11 285 S^lr. 4 gr. beläuft. 

2)ie§ ift alle§, tt)a§ bie 93ibelanftalt an fremben SSeifteuern 
überhaupt erhalten Ijat, roie benn audfj ntdfjt Diel fpäter berietet 
nrirb: „ift fein Weiterer ^Beitrag ... gefugt korben, aud) nidjt ein* 
gegangen." 4 ©eftü&t auf bie erften ©penben, bie ntdfjt triel über 
taufenb Stjaler betragen fjaben fönnen, fcf)idfte man fidfj fd)on SD?itte 
1710 an, bie ^erfteßung be§ Stteuen £efiament§, bem bie tooljlfeile 
§anbbibel folgen fottte, in Angriff $u nehmen. 5 



1) Dljnmafegebenber SBorfdjIag, wie ®otte§ SSort btn 5(rmen jur Gr* 
bauung um einen geringen Sßretö in bie §änbe $u bringen fet). SBerlin, ben 
1. 3flärä 1710. Slbgebrucft bei 9Hemet)er, ©efdjidjte ber (£anfteinfdjen 93tbel= 
Stnftalt. ©.50 — 60. 

2) <ßlatf)©.84. 

3) Unter ben fremben ©penbern befanben fidj bie preufeifdje Königin 
©opfjie fiuife unb ^ring $arl r»on ©änemarf , je mit taufenb SEfjlr. 

4) <ßlatfj ©. 117. 

5) 3)a3 eigentliche ©tiftungätapttal ber SBibelanftalt, wenn toon einem 
©tiftungSfapital überhaupt ju reben ift, beträgt fomit atteä in allem 11285 X§lr. 



$te evften Sdjnrierlßfeiten in ber ©i6et&erfteffuit0. 43 

©ofort flieg $err ö. Sanftem auf ©cfywierigfeiten; bie3)rucfer* 
frage war nidfjt genügenb jum 9lu3trag geblaßt worben. £)a3 
3Baifenljau§ fonnte ben SBtbelbruä ntd^t übernehmen, ba feine ©in- 
ricfjtungen nid)t einmal ben 93ebarf ber eigenen 33erlag§tfjätigfeit 
becften. 2)ennodf) fcf)eint man e§ mit biefen Einrichtungen Ijaben 
berfucfyen ju wollen; ba3 SBaifenljauS Ijatte ja fdf)on mandf^erlei 
£eftament= unb 93tbelau3gaben fdf)einbar auf ben eigenen treffen 
(jergeftellt. Se^t aber, wo ber Stnfang mit ben äRaffenbibeln gemadjt 
werben foECte, überrafdf)te SlerS ben Saron mit einer großen Sftedf)* 
nung, in ber allerlei Utenftlien, S)rucfmaterialien, Strbeitöfräfte unb 
baneben aud) ein gaftor gut Spraye lam. (£ler§ gab gu bebenfen, 
ob e3 unter folgen Umftänben nidjt geraten fei, frembe 93ud)brucfer 
gu befragen, wa3 fie für ben Sogen Ijaben tollten. !gn bem öon 
^latlj 1 mitgeteilten (Schreiben EanfteinS, in Welchem er feine petn* 
lid)e Überrafcf)ung burd) bie (SlerSfdjeu Söfttteilungen gu ernennen 
giebt, tjeifjt e3, bafc wenn bie SBibeln ntd^t im SSaifentjaufe gebrucft 
Werben fönnten, fo fönnten bort audf) bie ©anformen nidfyt auf* 
bewahrt Werben, unb Wenn fidf) hzi anberen $allif tym 93ud)brucfes 
reien gleiche ©dfywterigfetten geigen füllten, fo Würbe man fidfj nad) 
einem anberen $)rucfort wenben muffen. 

Se&tere§ Wäre bebenflid) gewefen; Watjrfdfyeinltcf) würbe bamit 
ber 93ibelanftatt eine furge SebenSbauer befdfyieben Worben fein. 33e* 

4 gr. 3)at>on mufjte bie 6a§toorridjtung r»on einem £eftament unb einer $ofls 
bibel, fobann 3)rucf unb Rapier nebft allgemeinen ©efdjäftöfpefen beftritten 
werben. gur SBürbtgung beffen mögen folgenbe Qiffem au£ ber (Gegenwart 
bienen. Stfadj SBeenbigung ber großen 93ibelret>ifton, anfangt 1890, befdjlofj 
bie 5lnftalt, roeldje mit ber ©infüljrung ber reöibierten SBibel betraut mar, 
etnftweilen brei £eftamente unb groei SSoßbibeln auf fteljenben ©a£ gu bringen. 
3für biefe ©afcborridjtung, alfo mit 9lu3fdjluJ3 r»on 3)rucf , Rapier unb aflge* 
meinen ®efd)äft§jpefen, §atte bie Stnftalt ein Kapital r>on 65 748,71 J6 aufeu* 
wenben, woöon auf baä ©djrtftmaterial befter SJlaffe allein 49 304,79^ tnU 
fielen; baä Übrige ging an (5e£erloIjn, Äorreftur unb SBilbroert auf. 3)rucf unb 
Rapier be8 erften 9(bbru(f3 biefer groet SßoÜbibeln unb brei £eftamentau£gaben 
bebangen wieberum reidjlidj 40000 Ji 93ei biefer ®egenüberftellung ift felbfk 
öerftänbiidj ber Ijöfjere ©elbwert ber älteren Stit.in Wnfdjlag gu bringen. 
l)$lat$6.86. 



44 II. 5>te «tfcelanftalt. 



benflidf) fear e§ fcf)on, baft ber £)rucf einer anberen |jalttfdf)en Sud)- 
brucferet übertragen tuerben mufjte. S)a§ junge Snftitut fonnte auf 
bieS)auer feinen SDrucfergetmmt jaulen; bie ©elbftfoften be3 2)rucfer§ 
btlbeten für längere^ ©ebenen feine nottoenbige SalfulattonSgrunblage. 

Unterm 18. SKärj 1711 tourbe grancfe öeranlafjt, eine fcon 
bem greiljerrn formulierte ©rflärung §u unterzeichnen, toomit jener 
anerkannte, bafj ba3 beabsichtigte 93ibettoerf in feiner SBeife mit bem 
SSaifenljaufe öerfnüpft fein unb festeres be§ljalb niemals ben allere 
geringften Vorteil barauS ju ertoarten Ijaben fottte; baljer $err 
\). ßanftein audf) Berechtigt fei, ba§ 93ibeltoerf über furj ober lang 
anbcr£tt)ol)in ju transferieren, bafetbft lieber einzurichten, audf) nadf) 
feinem beften SBiffen unb ©etoiffen ju birigieren, oljne baft 
ifjm bon grancfe unb feinen üWacfyfoIgern fjierin ©djttnerigfeiten be- 
reitet toerben bürften. dagegen fcerfprad) er, folange grancfe lebe, 
fidf) feiner 2)ireftion über ba§ Söibeltoerf anjumafjen unb 
baSfetbe naü) feinem £obe an grandfe ju übertragen, ober aber, 
toenn biefer früher fterben follte, oljne Ijöcfyft bringenbe Urfadf)en feine 
ätnberung in ben einmal getroffenen (Sinridfytungen eintreten ju laffen. 1 

3)iefe ©rflärung mutet nacf) bem ©ange ber £)inge eigentüm= 
lief) an, um fo meljr, al§ e§ fidfj um fein SSermögen^objeft Ijanbelte, 
fonbern um eine 9Wiffiongfacf)e, beren ©elingen feinc§h)eg§ über allen 
3toeifeln ergaben toar unb beren SDWfftmgen benjenigen, toeldjer ba* 
tjmter ftanb, mit SSerluft bebroljte. £)a§ SSaifentjauS Ijatte 3}bee unb 
^Jlan baju beigetragen unb bk nädjften Vorbereitungen jur 2lu§- 
füfjrung übernommen; £err to. Sanftem Ijatte ba% 2tu§fd^reiben um 
Unterftü^ung ber ©acfye erlaffcn, beffen nädf)fte3 SrgebniS tl)n f eiber 
nidfyt bottfiänbig befriebigte. 

SSielfagenb tft ba§ Verfpredfjen be§ gretljerm: folange granefe 
lebe, fidfj feiner 2)ireftion über ba§ SHbeltoerf anjumafcen, 
fobalb er fid^ aber beranlafft felje, baSfelbe anberStuofjin ju öerlegen, 



1) 3)ie (Srflärung finbet fidj in ben reponierten Elften in jtüei (Schrift? 
ftüden, öon benen ba§ eine in ber gform eines ®on%tpt% einen Stfadjfafc enthält, 
ber ntdjt öon ßanfteinä |>anb fjerrüfjrt. SSgl. übrigen^ ßramer , 91. |>. granefe 
IL ©.121 — 22. 



Äonftitulerung ber $t6elanftalt. 45 

i 

bog SBSerf nadf) befiem äöiffen unb ©ewiffen ju birigieren, 
oljne bajj tl)m bon brande unb feinen Siacfyfotgem hierin ©d^tr»ierig= 
feiten Bereitet werben bürften. 3)amit war ja grancfe atö Setter be§ 
Unternehmend, atö getftigeS $aupt beSfelben anerkannt, ©ottte ber 
greiljerr mit bem baran gefnüpften 33orbeljatte ebentuetter Verlegung 
be§ 93ibeltt)erf§ grunbfä&lidfje 2)ifferenjen 3. 95. in ber SBeljanbtung 
be§ SBibelteyteS Ijaben Dörfern wollen? 

£)ie 3ured(jtlegung btä 93ibelteyte§ mar bte nädfjfte unb wtdf^ 
tigfte Stufgabe, wetdfje gelöft werben mujjte, elje man an ben ®ruä 
benfen fonnte. Sanftem, welker ftdf) biet mit ber 95ibd unb mit 
bem SJeuen Seftament audf) fdfjriftfteßerifdfj befdfyäfttgte (©bangelien* 
Harmonie), war in ber Geologie Saie. Wafy ber Überlieferung, 
Weldfje mit ben intimeren Vorgängen jebenfalte wenig Vertraut ift, 
foH er be^fjalb mit feinen tfjeologifdf^en greuuben im 3n= unb ?(u§= 
lanbe ju 9iate gegangen unb barauf ber @runbfa& angenommen 
worben fein, Sutfjer§ Überfe^ung ungeänbert ju laffen, jebodfj unter 
SSergteidfjung ber bon ßutljer fetbft ebierten SluSgaben ben £ejt ber- 
felben mögtidtft fritifdf) Ijerjuftetten. £)a ferner bie SutfjerauSgaben 
nidf)t in allen ©tücfen übereinstimmen, fottte burdf) SSergleid^ung 
einiger anberen, teitö nadf) SutljerS Sobe erfdfyienenen 2lu3gaben 
baljin geftrebt werben, bie Sutljerbibet in befferen ©inflang mit ben 
©runbfpradfjen ju bringen, atö bi& bei ber großen Qafy umlau^ 
fenber 2lu§gaben §u beobachten War. 

£)ie§ waren einfadf) bie ©runbfä&e, weldfje grancfe in ben Ob- 
servationes biblicae bertreten unb bem Stnfdfjeine natf) fdfjon in feiner 
93ibelau§gabe Don 1708 atö SRebaltor btfyixtiQt Ijatte. 

Um nun ben £eyt bem angemeffen jurecfjttegen §u fönnen, 
mußte bei ber SBeittäufigfett ber Aufgabe bte SSibetanfialt erft tn3 
Seben treten, grandfe berief an bie ©pi&e berfelben einen feiner 
©djüter, 3>olj. $einrtdfj ©rifdfyow, welker ifym fdEjon borbem, wie 
e§ fdfjeint, atö SKitarbeiter jur Seite geftanben Ijatte. 1 ©rifdfyoW, 



1) ®rifd)ott> fetbft fagt in feinen Stufeetdjmmgen Dom Sluguft 1741 
($rdjtb ber SBibelanftatt) : „(§& »erben im nädjft fommenben SDtonat October 



46 n. Sie »ifefonftolt. 



meldjer bem Snftitut bom 21. Dft. 1710 bfö jum g. 1754 r alfo 
44 galjre lang, borftanb, ttnrb afö ein in berfdfjiebenen gädfjern 
tüd^tiger SRann gerüfjmt, toeldjer Stofje nnb ©dfyule audf) auf einem 
Ijötjeren Sßoften ^abe nü£lidf) werben fönnen. 1 91fö Senner ber ©runb^ 
fprad^en fiel iljm bie |jerftettung be§ SeyteS nadfj obigen ®runbfä&en 
ju f bei ttndfjtigen 3tt>eiftfa ö^er SßaratlelfteKen :c. War er auf ben 
brande naljfteljenben URagifter 2lnbr. Std^ttte^ toerttnefen. ©rtfd^ott» 
gilt afö SBegrünber be3 2lnfeljen§, tüeldf)e§ ber fogenannte ßanfteinfdfje 
Xqct afö regierter Seyt in ber etoangelifdjen Sirdfje genießt. 2 Steten 
ber 2lufgabe be§ SRebaftorS fiel iljm bie ebenfo muffelige afö Wichtige 
gunftion be§ 33ibeßorreftor§ ju, ferner bie Stuffidfjt über ba§ Sn= 
ftitut, bie SBefdfyaffung bon ©dfyriftmaterial unb Sßapier, ber 93rief~ 
toedfjfel, fohrie bie 9iedfjmmg3füf)rung. Sn SSetradfjt beffen, baß in 
ben Anfängen Diel mit abgelegter ©dfjrift gearbeitet ttmrbe, fehlte e§ 
tfjm alfo feine§tt>eg§ an 93efdf)äftigung, ja er mar fogar balb über- 
laftet, fo ba§ nadfj ber fjerfömmlidfjen Sluffaffung, toeldfje bon grancfe§ 
Schiebungen unb (Stellung ju bem Unternehmen nidfjtö toeiß, berietet 
ttnrb: grancfe, toeldfjer ©rtfdfjotü anberS gut Ijabe fcertoenben fönnen, 
Ijabe bemfelben nidfjt bloß feine SSo^nung unb fonftigen SSorteile ge= 
laffen toeiter gemährt, fonbern er tjabe e£ audfj gefc^e^en laffen, baß 
fobalb fidf) beffen arbeiten mehrten, nodf) anbere ©eljilfen be3 SBaifen- 
fyaufeS ju feiner Erleichterung herangezogen ttmrben. 3 



31 3aljr, ba idj, nadj ber guten §anb ®otte8 über mir, auf (Srforbern be3 
fei. §errn $rof. granfenä, jur SBef orgung be3 (Sanftetnfdjen SBibeltoerfö 
roieber, unb gtoar jum brüten 2ttaf, tjieljer nadj &atte gefontmen." ®ri= 
fc^oto toirb auäbrücflidj afö (Schüler fJrandeS begeidjnet. 2Bar er SKitglieb 
be3 Collegium Orientale? 2)ie Vermutung liegt nalje, aber unter ben erften 
jroölf SRitgliebern beSfelben wirb er nidjt genannt. 

1) 6djut$e, ®efd)idjte ber (Sanfteinifdjen SBibetanftatt. granfenä @tif= 
tungen. II. 366 u. ff. 

2) 9ftön<Jeberg, £., SabeKarifdje Ü6erfid)t ber ttridjtigften SBarianten 
ber bebeutenbfien gangbaren 93ibelau3gaben. §alle , 1865. 6. 2 : „(MfdjotD 
[teilte in unglaublich furjer Qeit ben £ejt Ijer" — toaljrfdjeinlidj »eil 91ug. 
.§. grande batjinter ftanb bjw. fdjon üorgearbeitet §atte. 

3) granfenä Stiftungen. IL 370. 



gonftttuieruitfl ber ©tbelanftalt. 47 

Sltfmonatlidf) Ijatte ©rifdfjom bem 33orfteljer be§ SBudfjtabenS, 
3ul. (SterS, Siedfjnung über (Sinnaljme unb Sluägabe abzulegen unb 
fidf) biefetbe burdf) Unterfdfjrift beftätigen ju taffen, foloie er im 
allgemeinen gehalten mar, fidfj in ber 33ertoattung be§ 3>nftitut3 ber 
©letöfdjen Anleitung unb beffen guten dlcitö ju bebienen. 

SBejügtidfj ber 3)rudfeinridfjtung hmrbe bie ^erfteHung befonberer 
©dfjriftdfjaraftere befdfjtoffen, beren ßeidf^ung ber ©dfjreibmeifter be§ 
2Baifenfjaufe§, 9t oft — ber Urheber ber fogenannten SBaifenfjäufer 
$anb — übernahm. $>ie Schrift, lange ®orpu§fdfjrift genannt, ift 
eine flehte, namentlich in ben 33erfatien üerjierte SorpuS in $oä)* 
jeidfjnung, tro& ber 3* err aten unb ©dfjnörfet öon ruhiger unb an- 
genehmer SBirfung, toetdfje aber, eben toeit fie bem Sßrofandfjarafter 
entrüdft mar, gteidfj anfangt ßtoetfd toedfte, ob fie ber großen SWaffe 
bequem liege. 

$>er 3)rudf tourbe ber üon ber 93u^anblung biet befdfjäftigten 
$aHifd(jen Sudfjbrudferei üon Stephan Drban übertragen. 

Sieben ber oberften ^Beratung unb Kontrolle burd) ©Ier§ ttmr 
bie 93ud(jljanbtung baju auäerfeljen, bie 33erfauf3ftätte, fohrie bie 
SBejugäquette ber -Dtaffenbibeln überhaupt ju bilben. SBie auf bie 
räumtidfjen (Einridfjtungen toax ba8 junge Snftttut audf) auf ba§ 5ßer- 
fonal ber Sßudfjljanbtung bt§ auf n>eitere§ fcemriefen. „Qu finben im 
SBatjfenfjaufe" Ijiefe e§ bemnadfj im Stiel ber SBibetn, tüäfjrenb feiner 
93ibel unb feinem Seftament ber 3 u f a fe f e ^t: „Sftebft ber SSorrebe 
£n. S3aron Kart $itbebranb3 fcon Sanftein", toonad) bie 93ejeid(jmmg 
Eanfteinfdfje SBibetn mit ber $t\t immer mefjr in Slufnaljme fam. 

2Ba§ nun bie £erftettung be3 SejteS im näheren betrifft, fo 
fear fdfjon ber ©eneraljuperintenbent D. ©iedfmann bei ©bierung ber 
Stabilen 93ibetau§gaben bon 1690, 1698 unb 1703 in ber Se* 
folgung berjenigen ©runbfä&e Vorangegangen, ju benen fid) Slug. 
Jp.grandfe öffentlich befannt Ijatte, unb be§fjatb foHte bie lefcte biefer 
2lu3gaben, toeil fdfjon tetltoeife aufgebeffert, ber Sejtöergleic^ung ju 
©runbe gelegt Serben. 



48 H. $tc »tfclcmfiatt. 



$u einer grünblidfyeren Kottationierung fam e$ jebodf) Vorläufig 
nidfjt, öielme^r Berietet Sanftem erft im 3f. 1714 öon einer folgen, 
beren ©rgebmffe in ein befonbereS, nodfj erhaltenes 93udf) eingetragen 
ftmrben. 

gür ben Slnfang Befdjränfte man fidf) auf baS 9?ottt>enbigfte in 
ber 3uredf)tlegung ber (Stabilen ShtSgabe für ben 3)rudf. Sro&bem 
mürben nadfj fünf SBütenberger SluSgaben unb ber neueren $elm- 
ftebter SBibel fürS erfte 243 ©teilen aufgebeffert, tooöon einige 70 ' 
auf baS 9J. J. fommen. S)ie nodf) öor^anbene 2)rudfoorlage jeigt nidfjt 
alle Säuberungen an, toeldje ber 33ergleid) mit ber erften SSottbibel 
ergiebt. Satyrn gehören bie Slnberungen ber Orthographie unb fpradf)* 
lieber formen, fohrie bie ber Kolumnentitel. ®ie ©tabtfdfje 33ibel, 
toetdfje fidfj in itjren (Sinridfjtungen j. 93. in ben ©ummarten auf bie 
Süneburgifdfje SBibel ftü^t, toenbet Kolumnentitel nur bei ben l)ifto* 
rifdfjen SBüdfjern an unb jtoar fe^r eintönig b. i. abfcfynttttoeife; bie 
Seljrbüdfjer, *ßropf)eten, 2lpofrt)pljen unb baS Stf. X. führen bloß 93ud) 
unb Kapitel als ©eüenüberfcfyrift. 2)em ^aßifd^en %e%t mürben Ko~ 
lumnentitel burdf) bie ganje 93ibet beigegeben, toobet ber 3nl§alt 
®eite für ©eite möglidjft finnboH Ijerborjuljeben öerfudfjt ttmrb. SDie 
5ßaraHelfteHen ftnb unter Slnteljnung an bie $elmftebter goltobibel 
teils geftridfjen, teils ergänjt unb bie bort citierten biblifd^en Sucher, 
bie ©tobe nodfj latetmfdfj anfüljrt, toerben beutfd) toiebergegeben. 
®ie fogenannten Kernfteßen, meiere ©tabe im 3)rucf nifyt Ijerbor^ 
Ijebt, ^eic^net bie ^allifd^e 2)rudföortage jtemltdj) reidf^attig bor. 

Watt) ©rlebigung biefer SSorbebingungen begann bie $erftettung 
beS erften 9?euen SeftamentS; bie Slrbeiten toaren im grüfjjaljr 1712 
fo toeit gebieten, um $errn b. Eanftein um bie SSorrebe erfudfjen ju 
lönnen. SSon fteljenbem @a& mar einftmeilen abgefefjen toorben, um 
ftdf) erft baöon ju überzeugen, ob gormat unb ©dfjrift 93eifaH finben 
toerbe.. SDeSljatb beranftaltete man mit abgelegter ©d^rift eine 3htf= 
läge Don 5000 ©yemplaren, meldte 1712 u. b. X. jur SluSgabe 
gelangte: „®a3 Sfteue Seftament unfereS $(£rrn unb $et)lanbe§ 
S@fu E^rifti, fcerteutfdjt Don D. äßartin Supern; mit jebeS (£a= 
pitelS furzen ©ummarien, unb nöt^igften Sßaratteten. ÜRebft ber 



2)te erfte £efiamentau8gabe üon 1712. 49 

SSorrebe ipn. SBaron Kart ^ttbebranbS fcon Sanftem. ßatle, 3" 
finben im 38at)fenf)aufe. 1712." 

2)a§ SEeftament, of)ne Sßfatter, ift in ßleinbuobej gebrucft. SSoran 
gefjt baä furje 33ormort KanfteinS, iljm folgt ungenannt ©rtjdfjom 
mit feinem 93ertd(jt „3Ba3 in biefer föbttton geteiftet morben" nebft 
einem SSerjeid^ni^ ber tejtttdfjcn Stnberungen gegen bie Stabtfdfje 
SluSgabe. gormat unb Rapier gefielen, ttrie (Sanftein berietet, allen 
unb jebem of)ne Sluänafjme fefjr mofjl; &e$ügüdj ber Schrift Ijerrfdjte 
9fteinung§berfd(jiebenf)eit; man erinnerte baran, haft baä Sefen ber^ 
felbert bem gemeinen äftanne unb ber 3>ugenb fctjtuer falten merbe, 
meit einige 93ud(jftaben ganj neue 3üge unb ßieraten jetgien. 

2)er ©rfolg mar tin ungemöfjnticljer; nact)bem bie erfte Stuflage 
SKitte 1712 erfdjienen mar, muffte nocf) im nämlichen S^re bte 
jtueite Stuftage unb im griMjiafyr 1713 bte brüte Stuf tage, jebeSmal 
in 5000 ©jemplaren, in Singriff genommen merben. 3>ennod(j mirb 
barauf öermiefen, baft baä 9Z. X. fdjon fcorbem $u einem nur unbe- 
beutenb Ijöfjeren greife $u btftkfytn getuefen fei. SDiefe ^Bezugsquelle 
mar ber in alter $cit fefjr angefeljeue 93tbefoerlag ber ©ebrüber Stern 
in Süneburg, melier grancfe, als er in ©rfurt meilte, baS 9Z. X. in 
5ßartieen Don 200 ©jemplaren 51t 20 £f)tr. geliefert Ijatte. 1 Silier- 
bmgS maren bieg Sßartietoorteile, meldte bem Sßubtifitm bireft nid)t 
ju ftatten famen. Smmerljm fiinbtgt fiel) in bem ^nntuetfe barauf bie 
tuofjlbegrünbete SReinung an, baft ber mof)lfetle SßretS altein e3 nidfjt 
mar, metdfjer ber erften JEeftamentauSgabe einen fo aufterorbentlidfjen 
Erfolg jnfü^rte. SDer 5Ruf be§ ^allif^cn SBaifeuljaufeS unb ba3 83er= 
trauen $u ber rebaftionellen Umfidfjt unb Sorgfalt unter bem ©dornte 
feinet tuettbefannteu (Stifters Ratten neben ber tedjnifdjen ©üte beä 
SDrucfmerfS aud) tfjren Stnteil baran. 

SDiitttermeile mürbe an bem ftefjenben @a^e fleißig gearbeitet 
unb berfelbe im Oftober 1713 boHenbet, fo baß balb bie Inerte 
Sluflage atö erfter Stbbrud ber ftefjenben 33orridf)tung, ebenfalls in 



1) Gramer, ®., Beiträge jur ©efd)td)te St. §. ftrancfeä. #atte, 1861. 
6.91. — $lat$@.91. 

©cfjttrmann, Qut Qtefdjtcfjte b. 9u^b((|. b. W. 4 



50 n. $ie »ibclanftalt. 



5000 ©yemptaren, erfdjeinen formte. 2)ie Ijierburdf) ehielten ©rfpar* 
niffe ermöglichten e3, bon ber fünften Sluftage an bem Jeftament ben 
Sßfalter beizufügen, ot)ne ben SßreiS ^u etfjöfjen, fo bafc nunmehr 
35 Y 2 ^leinbuobe^bogen für ^toei ©rofdfyen abgegeben hmrben. 2luf 
biefe SBeife gelangten in brittljatb Saljr 38000 31. X. ^ur SSerbrcitung, 
mdfjt allein in 3)eutfdjlanb f fonbern audf) in 9iuf$lanb, ©dfjtoeben, 
3)änemarf, Sßolen, Ungarn, Siebenbürgen 2c. 

©tatt ber £anbbibel (12°) ^u 6 gr., meldte bem 31. X. un= 
mittelbar folgen fottte, entfdjloft man fidfj nunmehr $ur ^erfteltung 
einer $au3btbel (gr. 8) ^um greife bon 10 gr. ©ie erf d)ien 1713 
u. b. 2.: „Biblia, ba3 ift: SDie gan^e £. ©djrtft 2llte3 unb SReueS 
£eftament§. 3latf) ber £eutfd(jen Überfefcung D. SKartin £utljer§. 
3Kit jebe§ &apitel& furzen ©ummarien unb nötljigften parallelen; 
mit gletfc überfein, unb gegen einige, fonberfid) erftere, Editiones 
be§ Sei. 9Kanne3 gehalten, audf) an unterfdjiebttdfjen Drten nadf) ben- 
felben eingerichtet, unb bon bieten in ben btötjerigen Exemplarien fjin 
unb toieber eingefd^lic^enen gestern gefaubert. Stebft einer SSorrebe 
$rn. 93aron Karl $Ubebranb§ bon Sanftein. $atte, $u finben im 
SBat)fenl)aufe. 3m Safjr MDCCXm." 

S)er 93ibel boran geljt bieämal eine längere SSorrebe EanfteinS, 
toäfjrenb ber Sßeridjt ©rifd^otüS „toa§ in biefer edition für anbern 
geleiftet tnorben", etn>a§ mager auffällt. 2)em 93ertdf)t fdfjttefjt fidf) 
ein aSer^eid^niö ber (Smenbationen an. 

S)ie Sanfteinfdfje SSorrebe erinnert felbft in ber 2Iu§brudf§n)eife 
an bie 2lu§einanberfe£ungen grancfeS gelegentüdf) feiner Observationes 
biblicae. Dbfd^on hrieberljolt betont nrirb, bafc an SutljerS Über- 
fejjung nidfjtä geänbert Serben fotte, nnrb bodf) mit ber S3emeriung 
ttidfjt jurüdfgeljalten, baft „nadf) einbettigem ©eftänbntö ber ebange= 
üfcfyen Strien jene Überfejjung ntcfyt attemal be3 ^eiligen ©eifte§ 
Sinn mit genugfamem 9?ad)brucf borlege." Sludf) fliegt eine Heine 
Sicen§ mit ein. SSon ber toenige Safjre jubor burdfj ben ©enerat 
fuperintenbenten SSernljarbi ebierten ^elmftebter goltobibel, meldte 
an fünfzig (SteUtn benu&t toorben ift, Ijeifct e£: „obtoofjt Söernljarbi 
mdf)t allezeit bie editiones, au§ toetdjen er bie befferen Sefearten 



2>ic $au§6i6cl als ißortäuferin ber moberncn ©rofjof tato&ibei. 5 1 

genommen, genannt f)abe, fo glaube man bodf), er merbe nid^tS 
geänbert fjaben, ft>a§ er nid^t in einer edition Sutljeri, auf bereu 
Sottationierung er lange 3a:fjre fcerbradfjt, gefunben Ijabe." 2)anadj 
fönnte man fcerfudjt fein an^une^men, ba§ bte Observationes biblicae 
fdfyon ju 8rancfe§ Sebjeiten tetlmeife jur ©eltung gebraut Sorben 
feien, unb jmar in ©eftalt ber ßanfteinfdfjen SBibeln. 

9Kmmt man bie £au§bibet — bie unter bem Sftamen ©rofc* 
oftabbtbel id aüen SBibelanftatten unb bibetbrudfenben ©efeff- 
fdjaften ber ©egenmart ttjpifdj geworben ift — nadj) ifjrer äußeren 
©inricijtung, fo fällt auf, baß bie ^iftorifd^en unb bie Seljrbüdfjer 
einerfettS unb bie Sßropfjeten unb Slpofrtjpfjen anberfeitö für fidf) 
paginieren. (Bin (Specialtitel bor bem teueren Seil fönnte auf bie 
9lbfidjt toon (SonberauSgaben fdfjtiefcen laffen. 9113 britter, für fidf) 
paginierenber Seil folgt ein 64 (Seiten langer Slnfjang mit bem 
brüten unb feierten 33udf) @3ra unb bem britten 93udje ber SRaffaböer. 
®ie ©tabifdfje 93ibel ijat biefe S5üd§er nicfyt; toa§ ber 8fataf$ ju tfjrer 
Stufnaljme mar unb moljer ber Sejt genommen ift, barüber erfährt 
man nii)t§>. 1 ©dfjon bei ber britten Sluflage mürben fie toeggetaffen 
— „mag bon aßen gebilliget mürbe." 2 Sem Sft. $., meldje§ einljett* 
tidje ©eiten^ö^Iung Ijat, folgt nadj bem Sßeifpiet öon (Stabe bie 3tn= 
meifung ber ©oim* unb gefttagg^ßpifteln unb ©toaugetien burdf)§ 
gan^e Igaljr. 

S)ie äioftfdje @d)rift, meiere bei ber #au§btbet ebenfalls 33er* 
menbung gefunben Ijat, mirft f)ier nodj jierlidfjer unb ruhiger, atö 



1) Siedmann gttylt in ber «orrebe ber (Stabilen SBibel @. 17 u. 18 
fünf öerfdjiebene Überfefcungen be3 obigen 9tnljang£ auf, barunter atö lefcte bie 
be§ pommerfdjen Geologen D. ©ramer, toeldje ben größeren beutfdjen SBtbeln 
gern eint glid) beigebrudt »erbe. 9£ad) bem SBeifpiele anberer §anbbibeln (jabe 
er ben $lnfjang toeggelaffen unb fid) auf ba% befdjräntt, toa§ Sutfjer gebe, ber 
öon ben beiben SBüdjern (S£ra erfläre, baji fo gar nidjtö barinnen ftefje, roa§ 
man nidjt öiel beffer im 2lefop unb anberen nodj geringeren SBüdjern finben 
fönne; e3 möge fie Derboftnetfdjen, roer ba tooHe, bodj nidjt mit ben anberen 
SBüdjern ber Slpofrtypfjen vermengen. 

2) granfenä Stiftungen H @. 385. 

4* 



52 II. Sie ©ibelanftolt. 



bei ber SeftamentauSgabe, Wa3 wefentlidf) im größeren gormat be* 
grüntet ift. SInbere Umftcinbe, meldte babei mitwirfen, tute ber, ba§ 
bie ©ubftanttoen nodj) nidfjt groß getrieben werben, fommen audfj 
ber SeftamentauSgabe $u ftatten. 

2)er Söeifalt War berart, ba% bereits ein 5af)r fpäter, im SDMrj 
1714, bie jweite Stuflage erfdfjien. 1715 folgte bie britte Stuflage, 
1716 bie tnerte unb fünfte, ftet§ in 5000 ©jemplaren. 1717 mürbe 
bie 93ibet auf ftefjenben ©a$ gebraut. 

Sn^lüifc^en War audfj bie ^anbbibel Vorbereitet Worben. ©ie 
erfdfjien 1715 in ®uobej mit -ftonparetllefdfjrift. S)er 5J3rei§ üon 
6 gr. würbe für btn Stnfang eingehalten, bon ber jWeiten Stuflage 
an aber auf 7 gr. ert)öf)t, ba man au§ finanziellen ®rünben einft- 
Weilen an feine fteljenbe ©a£borridf)tung benfen fonnte. ©rft brei 
Sa^re nadfj bem £obe EanfteinS, im 3. 1722, fam e§ ba^u, fo ba$ 
man nunmehr für lange $eit & en urfprünglidfjen 5J3rei3 bon 6 gr. 
ttneberljerftetlte. 3)ie ^anbbibet war bi§ ju bem triel fpöteren @r= 
fd§einen ber SRittetoftaöbibel (5J3etit) berufen, bie berbreitetfte 
93ibelau§gabe ju werben, ba fie fi<3j in ben ©djuten einführte. 

2)ie £eftamentau§gabe in Sleinbuobe^, bie £au§bibet in ©roß* 
of tat) unb bie ^anbbibel in S)uobe§ finb biejenigen StuSgaben, weldfje 
ju SanfteinS Seb^eiten ijergeftefft unb eingeführt würben. 93ei feinem 
1719 erfolgten £inf Reiben Waren öom üft. X. 20 Stuflagen, Don ber 
©roßoftat^ unb ©uobe^bibel je 8 Stuflagen erfd^ienen. 2)ie Stuflage 
ber beiben Soffbibetn betrug jebeSmal 5000 ©jemptare, toom Sft. X. 
Würben einigemal 3000, gewöljntidfj 5000, öerein^ett audfj 6000 ®jem= 
ptare gebrudt, fo baß in ben fieben ^a^ren, in welchen ba§ gnftitut 
unter £m. b. Sanftem ftan.b , etwa 100 000 Seftamente, 40 000 ©roß* 
oltaöbibeln unb bie gleite 3 a ^I ^on SDuobe^bibetn Ijergefteßt unb 
Verbreitet würben. 

SSon ben 20 Stuflagen be§ 91. X. gelten bie 5., 9. unb 11. ate 
bie beften; iti ber 5. finb Xeict unb 5J3araMftelten nod(jmal§ relribiert 
worben; bie 9. unb 11. Sluflage geigen infolge ber in^Wifc^en ftatt* 
gefunbenen eingeljenberen SSergteid^ungen alter SutljerauSgaben 2c. 
nidjt unbebeutenbe Sejtöerbefferungen. 3tu3 bem gleichen ©runbe 



(gdjeinbnre ftnanateffe ©djttjieriflfetten beim 2obc CanftcinS. 53 

gilt fcon ber ©rofcoftabbibel bte 6. Auflage (1717), bie erfte bon 
fte^enbem @a&, afö bie bemerfenStoertere in £e£taufbefferung 
unb Sorreftur. 3la<fy biefer Sluflage ift bie 5. Stuflage ber 2)uobej~ 
Bibel fjergefteHt toorben. 

Sttö greifjerr ö. Sanftein im $. 1719 ftarb, ging ba§ Sibetoerf 
feiner hrieberfjolten 3 u f a 9 e öetnäß an Slug. £. grandfe über, außerbem 
fielen bem ^nftttut, ttrie oben berietet, au§ ber £interlaffenfd(jaft 
über brei £aufenb Spater $u. Sßlatl) * fpridjt bie SReinung au§: tt)of)l 
mit burdfj biefen Erbanteil ijabe ba§ SBerf eine fotdfje geftigfeit erhalten, 
baß e§ nunmehr auf eigenen güf$en fteljen fonnte. S)amit ift nidfjt 
red§t in ©inflang $u bringen, baf$ grandfe jtoei ^ai)xt nadf) bem £obe 
KanfteinS biefe „2trbett§laft", ttrie 5J3latIj fidfj au^brücft, auf bie ©dfjut 
tent eine§ anberen legen tooffte, auf bie be§ jungen ©rafen bon 3'Utjen* 
borf. SDiefer felbft geigte fidf) 5tt>ar fe^r geneigt, ber 9lufforberung 
grancfe§ golge ju leiften, aber feine 33ertt>anbten traten bem 5ßlan 
entf Rieben entgegen — „\va%, ttrie Gramer 2 Ijinjufügt, balb nad()fjer 
fidj afe eine ttmfe güfjrung @otte§ offenbarte." 

@§ mad()t ben ©inbruef, al§ tuenn ba§ 93ibelmerf gegen bie 
legten SebenSjafjre KanfteinS in ©dfjtüierigfeiten geraten fei. 
©tf)on baf$ man erft nadf) bem £obe be§ greüjerm baju lam, bie fefjr 
gangbare ^anbbibel auf fteljenben (Sa& ju bringen, unb be^alb 
genötigt toar, bi§ baljin einen ersten 5J3rei§ für biefelbe eintreten 
5u laffen, fpridjt für Saffenebbe. ©obann bergegentoärtige man fidf) 
folgenbe SDaten. 2>te erfte namhafte ©penbe jur SBegrünbung be§ 
2Serf§ ging im betrage bon 1000 £l)tr. im Suni 1710 ein. (Sie 
gehört ju ben fünf @Hn$al)tungen bon Neubauer, toeldfje bi§ jum 
3.1715 einanber folgen. 1715 jafytt bann £err b. Kanftein junädjft 
714 S^Ir. 6 gr. 6 pf. ein, am 2. ®cj. 1718 500 2f)lr. unb in auf* 
fallenb furjer 3ttrifd(jenfrift, im Slpril 1719, ttrieberum 1000 Sfjlr. 
©nblid) faßt 91. $. granefe au§ ber ^interlaffenfd^aft bie Summe bon 



1) «ßlat§ <S. 117. 

2) ßranter, % $. gvanefe IL @. 123. 



54 H. Xie QibtlanHttlL 



3312 Xfjlr. 12 gr. ju, unb trofcbem Perfudjt grancfe jroci Jaljre 
fpäter ben (trafen 3^jenborf für ba§ Grbe GanftehtS $u erwärmen. 
Xie Sermanbten 3t n ä cn & or f£ miberfpredjen bem aber mit ©nt= 
fdjiebenfyeit 

SBorauf beutet bie§? Söenn auf madjfenbe finanzielle Sdjmie- 
rigfeiten, fo ift ber ©runb berfeI6en entmeber in ber fialfulation 
ober in ber Crganifation be§ Unternehmend $u fucfyen. 

Xie ftalfulation fann feine Sdjmierigfeiten bereitet Ijaben. Xie 
ßanfteinjdjen greife, meldje für ba% ungebunbene Gremplar ju 
Perftefjen finb, fmb SKaffenpreife, aber nid)t gerabe untermäßig. 
Sejügltd) be§ 2 gr.=Xeftament§ fjaben mir gefeljen, ba§ Brandt jur 
3^it einen nur un6ebeutenb l)öf)eren ^?rei£ an ben Sternfdjen Sibet- 
Perlag in 2üne6urg $u äafjlen fyatte. ©rifcfjom fott fogar mit ber 
9(bfidf)t umgegangen fein, ben 5ßrei§ be§ XeftamentS Pon 2 auf 1 gr. 
Ijerafyubrücfen, ma» ifjm ß(er§ hoffentlich auSgerebet Ijat (Später 
gab man \>a% W. X. für 1 gr. 6 pf. ab, aber oljne ^falter, eintrete, 
melier auf ben fjeuttgen ©elbmert gebraut nod) immer ein günftiger 
ju nennen ift. 

Xie ©rofcoftapbibel foftete urfprünglid) 10 gr.; afö fie auf 
fteljenben Sa£ gebraut morben mar (1717), mürbe ber 5J3rei3 auf 
9 gr. ermäßigt, üftimmt man ben SSert be§ ©etbe§ ju KanfteinS 
Scbjciten aud) nur boppelt fo l)odj an f al§ er ftd) gegenmärtig 
beläuft, fo mürbe barau§ naef) Umrechnung in bie heutige 9teicf)8' 
mün3e 2,50 65m. 2,25 Ji merben. Xie neuefte rebibierte ©rofc 
oftaPbtbcl ber Sfaftalt, meldte 1893 5uerft erfdn'en, eine ftattlid^e, 
burdt) Perfdjtebene Seigaben um mehrere Sogen ftärfere 2tu§gabe 
mit gutem 9Nafd)inenpapier, Portrcffltdfjem (Sdjriftmatertal unb forg* 
famem Xrucf, mirb bagegen 5U 1,C0^, in ^artieen Pon 25©yem= 
plaren an fogar 511 1,56 Jt>. geliefert. Qrinc fo ftarfe Xifferenj im 
Serfauf§prei|c fann burd) bic Xifferenj ber .$erfteHung§foften Pon 
bamatö unb jcjjt ntd)t genügenb erflärt merben, menn audfj bie 
Sccu^cit burd) bic SRafdjinc mancherlei Sorteile PorauS Ijat Xiefe 
Sortctle merben burd) Sorteile, meldje bie alte $c\t bot, §um Xeil 
mieber aufgehoben; 3U lederen gehören mäßigere StrbeitStöljne bei 



Äalfutotion unb Drganlfatlon be8 SnftitutS unter (Sanftetn. 55 

t)ör)eren 3lnfprüd(jen an bie menfdjlidfje 21rbeit3fraft, mäßigere Sßer- 
fonal* unb ©efcljäftöfpefen unb toofjlf euere SRaterialien, mit 2lu3= 
naljme beä in ber ©egemtmrt burdf) bit SRafcfjine begünftigten 
Sßapierg. 

Gcbenfo Vorteilhaft mar ber 5J3rei3 ber ^anbbibel (12.), freierer 
juerft 6 unb bann 7gr., alfo 1,50 bejtt). 1,75 J6. heutigen ©elbeö 
betrug. 2)iefe ehemals fcerbreitetfte 3lu§gabe erhielt fpätcr an ber 
fogenannten Sülitteloftabbibel eine fo gefäljrlidje Sttoalin, bafe fie 
fdf)liej$lid) Safjrjeljnte lang außer ®ur§ gefegt ttmrbe unb erft in 
ben legten Sauren unter bem Tanten „Jafdfjenbtbel" an öerfd^ie- 
benen ©teilen roieber aufgetankt ift. 2)ie äßittetoftaDbtbel Ijat ifjrem 
gormat entfpredjenb ein 40 — 50 % [tarieret 5J3apierquantum al§ 
bie alte ^anbbibel unb foftet im Sßartiepreife, ber faft allein in 
93etracf)t fommt, 1 JL 8 pf. 

®ie ©djttrierigfeiten fönnen bat)er nicfjt in ber Salfulation, 
fonbern nur in ber Drganifatton be§ Suftitutö begrünbet ge* 
roefen fein. (Scheinbar lag aKe§ in £änben be8 SBaifen^aufeS: bie 
£e£tt)erftetlung , bie tedjnifdjen unb gefdfjäftlidjen gunftionen, felbft 
bie oberfte ^Beratung in allen biefen 2)ingen Jjatte iljren @i£ nidfjt 
außerhalb be§ SBatfenljaufeS, e3 fehlte nur nodj eine fcr)einbare Slet* 
nigleit, aber biefe Stetnigfeit entfdfjieb über ©ebenen unb Sftidfjt* 
gebeifjen be§ Unternehmend. Sfttdfjt bie oberfte Beratung, tüofjl jebodf) 
ber oberfte ©efd)äft§tt)ille Ijatte feinen ©i& außerhalb beSSBaifen- 
t)aufe§. 2)ie SBibelanftalt f onnte nidjt mit gefdjäftömännifdfjer 9Kad§t= 
fcollfommenfjett geleitet, fie f onnte nur „abminiftriert" roerben im 
Sftamen Sanftem^ 1 , unb baä bloße Slbminiftrieren auf ©ebieten, 



1) 3n ben ©djulaefdjen ^Beiträgen gur ©efdjtdjte ber SBibelanftalt, 
meldte Diel $ur J)errfd)enben 2(uffaffung betgetragen l)aben f erfennt man nidjtö* 
beftotr-eniger ba% TOßtidje ber Einrichtungen in ben Anfängen. (53 rjei&t bort 
(granfen§ (Stiftungen n. ©. 391) ü6er ben gefdjctftlicfjen SSerfet)r mit bem 
fjrei^errn: „SBeäügltdj ber Stufbefferuug ber neuen SBibelauSgaben tourben ifjm 
Diele fjierauf abjtelenbe SBorfcrjläge getrau, bie bann, toenn er fie genehmigte, 
t)ier ausgeführt nmrben. 3)te3 ueranlafite, weil er nidjt Ijier toofjnljaft toax, 
einen beftftnbtgen S8rieftr»ed)fel mit if)m, gumal, ba man ir)n aufteilen r»on 



f/0 II XI* »<fcc(«itftait. 



iveiäje hie pofitiu grfdjflftfcmflnmfdje iJetftung bebtngen, mu| je nadj 
lliiiff/fjibai eutiueber 411m jdljen Mlebergange ober jur aümäfjüdjen 
Meitiiiimieiung einer Wejdjfiftäanfage führen. Xem $aüifd)en 33ibel= 
lüi'if biol)le lr»|5 befc grufjen fluficreu (£rfo(ge$ bei günftiger fialfu^ 
lulloii enhueber boe eine über anbete, waljrfdjeintid) aber ber jäfyc 
Wtebergnnn. 

Wie würbe ftranefe fld) eutfdjtoffeu Ijaben, ba§ <2d)icffal ber 
Mlbclunflalt, [elneö eigenen AHitbc*, in anbete .ftänbc ju legen, wenn 
ev ulri)t über ben Staub ber IMuge bnrd) bie ernfteften SBebenfen 
beunruhigt warben luAvt'V l\\\m GMücf, baß fid) niemanb fanb, 
welrtjer an ble Stelle üauftelufc trat, benn bamit mürbe ba$ S3er= 
btiltul* batf mliulidje geblieben nnb nur ber Warne gewedtfelt worben 
(ein, jo bafi eine SIMeberfebr ber Sdjwierigteiten über furj ober 
lang ( \u erwarten war, Wo* ju gegeben hatte, fonntc nad) ben 
Beobachtungen iwu 17VJ 1710 fein SHiltfcl fein. Xic Sötbelanftalt 
burjte jevnev nicht „abminiftriert" werben, tun' allem in frembem 
Warnen nicht; fie burjte and) nid)t weiter auf frembe Sßcifteucm oü&= 
geben. mufite jul) bevjelben rnelmebr, um unabhängig bleiben $u 
tonnen, gvnnbjv^did) enthalten, So wie e$ iwn £auje au$ beab* 
iühtigt war: nur im eugiten 3lu)\Muft an ba$ $$aijenbau£ unb {eine 
VtnMaUcn. gewiffermaftcu altf eine — im Waffen* unb :iKedmung&= 
weien naiitvlivb getrennte Abteilung ber ^ucbbanblung b. SS., mit 
bieiev iebecb bie Strenge unb ben Schwung t>er t$e?cbän&irunbiä$e 
unb ;üele teileub. tonnte ibv geholfen werben. Unb fo tft e£ nad) 
Ubevwtnbung bev antvmgUvben ^ebenfen gehalten werben unb ge= 
tommen. 

SVu neunten »evt>$ebu fahren. 1720 bt>> 1735. braucht man 
nUht in ben vSnn^etbcitvu Hactjugehen. fcie naeftett tjrgebnme rcfceit 
bintangiub bvihtr. btf$ :u biedern ^eitabKhnirt erft bie ^tbeLrarfcilr 
»0 revht beviiunbet unb >uv eine lange ^eben£bt>uer geeinigt rücrüen 

£*ftw:c\':g?«i:ca >:c ; '.^ >eu Sei ^a^*üiranjt ; wJaer ^i'ilir»« 
suigun. X v *wvl)ttvhttgiMi utu^te. £r :ft \ihtl ctittgismcti wu Skriin 3Krtj«r 
$ctew um aitc* an CV aus c^Uc yi anrei niölttt . unö ^uii % \kik ^uen- 
hnui Nhi ^)Ku M ^tivv.ict ju Rieten ?v* 



2>er 93cm beS SM6el* unb Dnicferljaufc?. 57 

ift, ot)ne jebtveben SBetftanb Von 2Bol)ltl)ätern, mit 2lu§nal)me ber 
(Stiftungen 9lug. £. grancfeS, toeldfje freien ©runb unb 33oben für 
bie notroenbigen 93nuten ^ergaben. 

$n jenen Sauren erfdfjienen in Ijerfömmlidfjer ©tärfe 39 2tuf= 
lagen be§ Sfteuen £eftament§, 39 Auflagen ber ©uobejbtbel unb 
23 Auflagen ber ©rofcoftaVbibel. ©dfjon im Ig. 1727, lurj nadf) bem 
£obe grancfc§, fdfjritt man jum 93au eine§ „93ibell)aufe§", ber 
je^igen 93ibelanftalt, jtoei ©todfroerfe ljod() mit fieben genftcrn in 
ber gront, tveld)e§ 1728 in ©ebraudf) genommen ttmrbe. SBenige 
Safjre fpäter fal) fidfj bie 93ibelanftalt fogar bafür an, bie i^r fo 
nottoenbige eigene 93udf)brucferei einjuridfjten. 9?ad§bem fie ein Pri- 
vilegium erlangt, fo baß ba§ SBaifenfjauS nunmehr für jft>et 93ud§= 
brucfereien privilegiert tuar, 1 ttmrbe im tvefttidfjen Stnfdjlufc an ba§ 
33ibelf)au3 1734 — 35 ba§ fogenannte ®rucferf)au§ mit adfjt genftern 
gront gebaut unb beibe Käufer in ein £au§, 140 guf$ lang unb 
37 guf$ breit, Vereinigt. 2 

©ine neue 93ibelau3gabe ift in biefem 3eitraume ™fy untere 
nommen tvorben, ein 3Jaf)r fpäter aber, 173G, erfdfjien bie erfte 
Soliobibel, tveldfjer 1741 bie erfte Cuartbibel folgte. 9tH biefe 
©elbauftüenbungen: ber 93au be§ 93tbel= unb ®rucferfjaufe§, bie 
2lu§ftattung ber eigenen 5>rudferei unb im Slnfdfjluffe hieran bie 
finanziell anfprucpvoüe ^erfteHung einer golio= unb Ouartbibel, 
fdfjemen auf bie SaffenVerfjältniffe be§ 3nftttut§ leinen lang bauernben 
(Sinbrucf gemalt ju fjaben. 

gm 3. 1741 rüftete ,fid(j ber 63 3jaf)re a ^ e ©tifd^olü Vor ber 
ßeit jum Sterben unb ftellte für feinen 9?ad§folger bie ©runbffijje 
jufammen, meldte er in beu @efd()äften ber 93ibetanftalt feit 1710 
befolgt Ijatte; ebenfo gab er Stnbeutungen über ben 83ermögen§ftanb 



1) SBejeidinenb ift, bafi ba§ Privilegium vom 1. Oft. 1733 ben „Ferren 
Directoren be3 2Satyfens£aufe$ &u ^>aüe" verliefen toirb, um „annod) eine 
2)rucferet) anzulegen". S8on ber SBtbelanftalt ift feine SRebe; i^atfäc^Iid) toar 
fie eben feine befonbere Stiftung , fonbern fo gut mie bie SBudjfjanMung 2Baifen= 
f)au§=9(nftalt. 

2) f?eftfct)rift von 1863. 6. 22. 



58 n. $ie Si&elanftait. 



berfelben. Sie fremben ©penben nebft ber $interlaffenfd)aft be§ 
greifjerrn ö. Sanftein, afle§ in altem 11285 21jlr. 4 gr., bitbeten 
ba§ Stntagef apitat, öon toetdfjem an ben 3eitaf>jd)mtt ber Sonfoltbtc^ 
rung, 1720 — 35, weber an barem (Selbe, nodf) an SKateriat unb 33or* 
raten Die! übergegangen fein fann. 2ln ftetjenben ©a&toorridf)tungen 
rührten nur jmet auä Sanftein§ 3 e ü en Ijer: ba§ Sfteue Seftament 
unb bie ©rofeoftabbibet. Sie ©a£t)orricr)rung be3 9Z. I. muffte fdfjon 
1724, bie ber ©rogof taöbibel gegen baZ %af)x 1730 erneuert werben. 
2Ba§ üon bem 9tntagefapital nod) borl)anben mar, hrirb üon ber 
erften ftefjenben ©a^Dorrid^tung ^ur Suobe^bibel (1722) jiemtidfj 
aufge^eljrt toorben fein. ©rifd)ott> bertoeift nun 1741 barauf, bafc 
er jefjn %af)xt früher bie Stecfynung öom 2(nfang ber Slnftalt bt§ 
Snbe 1731 jum Stbfdjtuft gebraut, unb baß fidf) bamatS ein Über- 
fcfyufc ber Ginnaljmen über bie 3tu§gaben öon 12 651 Sljlr. 1 gr. 5 pf. 
ergeben fjabe. Siefer Überfdfjufe toerbe in^ifd^en auf 20 000 Jfjtr. an* 
gemad()fen fein, daneben fei ber übrige S3ermögen£beftanb beträchtlich 
gemad^fen: burdfj ben in bie StuSgaben gebrauten S5au be§ 93ibet= 
unb Srucfer()aufe§, burdfj 9(nf Raffung ber Srudferpreffen nebft einem 
mannigfaltigen ©dfjriftmateriat, burdf) SKe^rung ber 5J3apiert)orräte, 
Utenfitien u. f. to. Sie Gmeuerung ber ftefjenben @a£t)orridf)tungen, 
tt)03u im 3. 1732 audf) nodf) bie ber Suobejbibel gefommen toar, 1 



1) SBejügltdj ber fteijenben Saift>orrid)tungen fdjeint man in ber grüljjeit 
nidjt gut 6eraten getoefen §u fein. ($ler§ üeranfdjtagt in feinem SBertdjt an 
grancfe, ber bem grofjen 9(uffa£ ju örunbe gelegt ift f bit Qafy ber öon einer 
fteljenben Sa$üorrid)tung 51t erjielenben 2)rucfe auf „über fed)§teijalb fjunbert 
taufenb SBibeln". S)te S^eujett f ba§ 3 e i ta l* er & er Stereotypie, Ijat toenig ($r= 
fatyrungen nad) biefer SRtdjtung aufeutoeifen, aber tr»a§ man barüber tjört, lägt 
©ler£' 9(nnatjme burd&auS nidjt a(3 Überfd)ä£ung erfdjeinen. S)ie erfte 9(u3= 
gäbe ber „retnbierten" SBibei, bie 1892 erföienene SRitteloftaDbibet ($etit), 
getmfiermafien bie offizielle 9(u§gabe ber DtetrifionSfommiffion, tourbe fdjon 
beS^alb auf fteljenben 60$ ge6rad)t, »eil nad) alter Erfahrung eine lorrefte 
SBibel nur auf biefe SBeife gu erzielen ift; bie Stereotypie giebt nidjt genügenbe 
(Garantie hierfür. Unb trofcbem üon biefer §(u§gabe bis jeft 105000 (Sjemptore, 
nod) baju unter 2(mr»enbung be£ meljr angreifenben £rotfenbrucf3, fjergefteflt 
fmb, ift bk ©djrift wie neu. ©anj anber§ bie Erfahrungen ber grru^ett. 3)te 



Stau be§ Sibetmagaiin§. 59 



bringt ©rifdfjoto ebenfo toenig in Stnfdfjlag, ftric bie inäftrifdfjen erfolgte 
ober bod) in Stngriff genommene ^erfteffung ber golio- unb Ouart* 
bibel mit abgelegter ©djrift. 

5)er finanzielle ©tanb be§ SnftitutS mar bemnadf) ein fotd)er f 
baft feine Verlegenheit entfielen !onnte f toenn abermals bie -Kot* 
wenbtgfeit einer größeren SluSgabe fidfj aufbrängen foHte, unb biefe 
Nötigung lieft beim SBadjStum beSfelben nid)t lange auf fidfj märten. 
2He erften baulidfjen Stnlagen ttmrben balb ju eng; e£ muftte ein 
neueS geräumigeres VtbelljauS gebaut Serben, ^nerju fam eS im 
3-1744, it)o gegenüber bem 93ibel= unb 2)rudfetfjaufe auf ber ©üb* 
feite baS grofte ajJagajingebäube, 140Y 2 guf$ lang unb 29y 2 guft 
breit, erfianb, toeldjeS urfprünglidj für bie Vibel* unb 5J3apierbor* 
rate ber Stnftalt beftimmt mar unb gegenwärtig bie 93ibel= unb 
SBaifenfjauSbrucferet in fid) bereinigt. 

gragt mau nad) bem näheren ßufantmenfjange beS finanjieffen 
3luffd()ttmngeS, fo Krirb bie Seitung ber ©efdjäfte, fotoeit bieg mögtief) 
ift, fotoofjl nadf) ber tedfjnifdf^probuftiben als nadf) ber !ommerjietten 
Seite in Vetradjt ju gießen fein. 

®ie Vorteile beS eigenen 25rucfereibetriebeS, melier mit 5 ^reffen, 
bie jmei Safjre fpäter auf 7 anmud()fen, unb 4 Vudjbrucfergef eilen 
unter einem gaftor begonnen tjatte, muffen fiel) balb bemerfltdf) ge* 
matyt Ijaben. $n H nen öom Äuguft 1751 batierten „ Erinnerungen" 
fpridfjt ©rifdjott) 1 babon, baft er ber Vudfjfüfjrung feitbem eine fold^e 
Ginrid^tung gegeben Jjabe, um beffer erfefjen 5U fönnen, melden 
Sftujjen bie 2)rudferei ber Stnftalt eintrage, teilt aber über baS Er- 
gebnis leiber nidjtS mit. -iftadj ben Vemerfungen beS SHreftorS 



erfte fte^enbe (Safcöorridjtung beS Svenen £eftantent§ 1713 — 24 Ijiett ettoa 
80000 ©jentylare au§, bie ber ©roftoftaöbibel 1717 — 30 75000 unb bie ber 
S)uobejbibel 1722 — 32 etwa 120000 Gjempfare. $abei toirb gerühmt (gran= 
fenS (Stiftungen II. 370), baf$ um jene fttit in ^>aHe eine ©djriftgiefierei an= 
gelegt mar, toetcfyer eS nad) Dielen groben gelang, eine bauerljafte @d)rift= 
maffe ^er^ufteHen. 

1) Nrdjiö ber SBibelanftatt. 



60 II. Xit ©tfcloitftalt. 



Sdjulze 1 in feinen Beiträgen zur @efd)id)te bei Slnftatt machten 
fid) bie Vorteile ber eigenen Srucfereianlage fdmeH fühlbar, fo bo$ 
ba§ 3 n ftitut einen abermaligen 3lufid)mung bamit naljm. 

Xie ^?apicrtüirtfc^aft r meiere für eine ?Mbelanftatt Don fo grofjer 
SBebeutung ift, ba$ bie Seitung eine§ folgen 3nftitut§ unter nor= 
malen SSerfjältniffen jum guten Jeil ^apiergefdjäft ift, !ann burd) 
ba& Slbleben SanfteinS feine Snberung erfahren Ijaben, ha fte Don 
Slnfang an in ber £anb be§ $Batfenf)aufe§ lag. Xie (Erfahrungen, 
meiere aud) auf btefem ©ebiete nidjt öon felbft fommen, »erben fid) 
nur gemehrt f)aben. ©ine SSeile fod ber grei^err in SJerfudfjung 
geftanben f)aben, bie ßröllmi^er Papiermühle anzulaufen, ma§ bei 
ber finanziellen Sage ber SMbetanftalt unb ber Diel bringenberen 
Seranlaffung, an eine eigene 33udjbrucferei z u benfen, nidfjt leidfjt ju 
öeritefyen ift. Statt feiner madjte ba§ 28aifent)au§ ben wenig glüc£= 
liefen ©triff unb faufte bie äRüfjle 1725. 2a bie ^?robuftton fidf) 
in gemeffenen ©renzen bewegte, mar bie nachbarliche ÜRüljle ber= 
bunben, alte meinen Rapiere (roeifie unb tjalbmeifee jum Unterfdjieb 
uom braunen) für ben SBudjlaben zu liefern. £ie SMbelanftalt beefte 
üjren 33ebarf burd) frembe ^?apiermüllcr, mit benen fte unter STbroä* 
gung öon greifen unb Seiftungen zatjlreidjc SSerbinbungen unterhielt. 

Ter 33ebarf mar um bie SDtitte be£ O^^wn^^^ ein ftattiidjer; 
bie ©rofcoftatobibcl brauchte jäfjrlid) 90 fallen, bie ®uobejbibel 
180 big 240 «allen, ba$ Jcftament 70 bi§ 72 Sauen. 

Sommer-Papier mürbe gemieben unb auf rechtzeitige 33erfor- 
gung mit Söintermarc gehalten, ©runbfafc mar, ben SBebarf im 
£erbft, etma um 9Ridfjaelt§, in Stuftrag ju geben, bamit ba§ Rapier 
bei SSinterfroft gefertigt merben fonnte, benn ungefrorene§ — Ijiefc 
e3 — laffe fid) bei ben zarten Schriften be§ 9?. £. unb ber Sibeln 
nid)t gut fcerbruefen. 3" r SSermenbung fam burdfjmeg Ijalbmetfjeä 
unb roeifceS Rapier: in einem ftaUe, mo ba§ roeijje fdf)ledf)t au&= 
gefallen mar, murbc e£ nidjt nadf) 3(bfommcn be^a^lt unb al§ bräunet 
Derbraudjt 



1) granfcnÄ Stiftungen U. 8. 488. 



33apierOe&ug nnb 8tt)ifdjen$anbel. 61 

2)ie Sßapiermüller, mit benen 83erbinbung gepflogen mürbe, 
Ratten mit einer einjtgen StuSnafjme ifjren ©efdf)äft§fi£ im £ur* 
fädfjfifdfjen (namentlich nm Slborf fjerum), bem älteren @i£e ber 5ßa* 
pierfabrifation für 9£orb* nnb 9fttttetbeutfd)lanb. 2)ie ifjnen bemil* 
ligten greife maren berfdfjieben je nadfj ben Seiftnngen. 93ei ber 
©roftoftabbtbel mürben j.3J. bem einen URüffer fjalbmetfteS mit 12 X^lx. 
unb metfje§ mit 14 £l)lr., bem anberen IjalbmeifceS mit 11 nnb tpeifeeö 
mit 13 2t;lr. ber Saßen beaa^lt. «uffaHenb tft bie (Stabilität ber 
greife; bei bem Ijier SBcborjugten, meldfjer 12 unb 14 Sf)lr. 93alfen= 
preis bejaljlt erhielt, l)ebt ©rifd)ofcü fjerbor, baf$ biefe $rei§fä&e bon 
Anfang an feftftänben, alfo Don 1710 bi§ 1751. SDie 3eit naljte, mo 
btefer ibtjffifdfje 3^ftanb fein (Snbe erreidfjen fottte. 

Sreüjerr bon Kanftein mar mit ber Slbfidjt umgegangen, bem 
3mifd()enl)anbel ben Sibelbejug ju bermeljren. 2)iefer ©ebanfe, 
menn er überhaupt Aneignung gefunben Ijat, muffte balb aufgegeben 
merben. 2)te Stnftalt mürbe gleidf) im anfange bon £attifd(jen unb 
©laudfjaifdjen 93ud(jbmbern fogar um Srebit angegangen, unb audf) 
biefer !onnte nidfjt berfagt merben. ®abei liefen einzelne Siedlungen 
h\8 ju 50, 60£f)lr. unb meljr auf, mäljrenb bie Siegelung berfelben 
(Sdfjmierigfeiten berurfadjte. 2)er SBarbejug mürbe be£f)alb infomeit 
begünftigt, atö man auf 25 ©jemplare tin gteiejemplar bemittigte. 
SDer Sxebit blieb barum ntd()t meniger notmenbig, mie bie§ fotüo^I 
©rifdfjom ate fein SJad^folger gabrictuS in ifjren Sendeten bejeugcn, 
mobei fie jebodj) ben ©runbfa& betonen, benfelben nur bon einem Stuf* 
trage §um anberen laufen $u laffen. 

Unter ben 3toifd)enf)änblern maren bon befonberer SBidfjttgfeit 
bie 93ud(jbtnber, mag in ber Qafjl unb gemerberedf)tlid)en Stellung 
berfelben begrünbet mar, mogegen ber 93ud(jl)änbler, folange ber 
2aufd)ljanbe( nid§t abgemirtfd^aftet fjatte, örtlidf) menig Vertreten 
mar. SDie§ §at $u einer ©inridjtung geführt, meldte für iljre 
3eit bon großer 93ebeutung mar, bie fid) erft abfcf>mäd§te, aU 
ber £aufct)l)anbel burdfj ba§ moberne ®onbitton§geftf)äft abgelöft 
mürbe unb bamit bie 3 a ^ & er ©orttmentöbudfjfjänbler im Sanbe 
mud)§. 



62 II. Sie »ibelanftatt. 



3>ene (Einrichtung toaren bie an Qafyl belangreichen SBibelnieber* 
lagen, toeld^e bte Slnftalt im 9?orben unb ©üben toon 2)eutfd(jlanb 
unterhielt ®ie bejtoecfte bamit bte (Erleichterung bc§ 3}ejug§ fotooljl 
in 9tnbetradf)t ber mangelhaften Serbinbungen, afö in Slnfeljung ber 
fjoljen ^Sorto* unb gradf)tfpe}en. gür einzelne SWeberlagen, fo für 
Serlin, 35raunfdf)tt)eig, Seipjtg unb SKagbeburg, übernahm fte bie 
tooHe gradf)t; nadf) 93re3lau, granffurt a. 2R. unb SRürnberg trug fte 
bie ^älfte, toäljrenb fte für 93remen 26 gr. auf ben Sentner Ver- 
gütete, fo baf$ für 93remen felbft 14 gr. öerblteben. 2)iefe (Einrichtung 
ift toofjl gemeint, toenn e§ in ber geftfdf)rift toon 1863 fjeifct: „SDer 
große 2lbfa& ber (Eanfteinfdfjen 93ibeln trug bagu iti, bie Serbin* 
bungen ber grancfefcfyen Stiftungen an feljr öielen Drten immer 
äafjlreicfyer ju madfjen, unb e§ eröffneten ftdf) baburdf) neue SBege, 
um bie df)rtftlidf)e SBo^lt^ätigfeit ju eraecfen." x 

91l§ in grancfe 1690 bie Sbee ber 93ibelanftalt leimte, ging 
er bon bem ©ebanfen au§, ben „armen" Seuten bie 9lnf Raffung ber 
^eiligen (Schrift ju ermöglichen. SKodf) im 3. 1717 leitet greifen: 
b. Eanftein bie 6. Stuflage ber ©roßoftabbibel mit ber Erinnerung 
an feine frühere Sunbgebung ein, „toie ©otte§ Sßort um einen 
geringen $rei§ in bie $änbe ber Sirmen §u bringen fei". 2lber nodf) 
biel fpäter bi§ in bie Sfteuaett hinein ttrirb grancfe ju toörtlidf) ge- 
nommen, toenn ber ßtoeä bex 33ibelanftalt in bem gefudfjt toirb, toa§ 
fiel) mittelbar afö SKebentoirfung ergeben mußte. Sßlatlj 2 bemerft 
mit SRedjt, ba% ber niebrige 5J3rei§ nidEjt allein ben 2trmen, fonbem 
iebem (Efjriften ju gute lam. SBie bie§ bei grancfeS Sßirfen 
nun einmal ift: au§ einem unf deutbaren anfange, irgenb einen 
9?otftanb ju Ijeben ober ju linbem, enttoicfelt fiel) ofjne borgefaßten 
$lan balb ein immer anfeljnlidf)ere8 SBerf, bei beffen boller (Ent* 
faltung man auf bie SBefdjetbenljeit be§ SlnfangeS nidfjt meljr ju 



1) ßratner in ber geftfdjrtft öon 1863. @. 100. — granfenS (Stiftungen 
IL @. 155. 

2) «ßlat^ ©.78. 



$>te ©I6ct jum ©emetttgut beS eöangeltfd&en SBolfeS erljo&ert. 63 

fdfjliejsen Vermag. @o ermudj§ ^ er au ^ ^ em ®ebanfen, ben Sinnen 
bie 93tBeI jugänglidi) ju machen, eine Stnftatt, bk auf lange Ijinaug 
für ftd) aHein erfolgreich mirfte unb bann eine propaganbiftifdje 
SBtrlung in ber Sßeäung Vermanbter 93eftrebungen übte, metdje bie 
93ibel in ©eftalt ber SuiljerfdEjen Überfejjung erft — moran Vorbem 
fein ©ebanfe mar — jum ©emeingut be§ eVangelifdEjen 33olfe§ 
gemadjt Ijat. 



3m Sln^ange biefe3 Sapitetö mag eine§ intereffanten S3organg§ 
unter griebridE) SBitfjelm I. gebadet fein. SBie Surfürft griebridi) III., 
meiner ba$ Privilegium jur erften Sudjbrucferei Verliesen fjatte, bem 
Sßaifenljaufe mofjtgemogen mar, fo nodj met)r griebrict) SBilfjelm I., 
metdjer ba§ Privilegium jur smeiten SBudjbruäerei, ber SBibelbruäerei, 
Vertief fo bafc ba§ 2Baifenf)au§ auf ^mei 33udE)brucfereien privilegiert 
mar, nadj ben bamaligen SSer^ältniffen unb Slnfdjauungen jebenfalfö 
eine befonbere ©unftbeseigung. $mei Satire juVor mar ber Sönig 
bem SBaifenljaufe audj mit einem größeren auftrage näljer getreten, 
unb jmar in ber @igenfdf)aft afö ©bitor. Um jene £ett erhielt Sßros 
feffor ©ottfjilf grandfe folgenbeS ^panbfdjreiben: 

„5Bürbiger lieber ©etreuer. 3d) ijabe resolviret, eine 9ln$aljl von benen 
im $Baifenf)aufe $u $>aHe gebrochen Testamenten von ber ©anfieinifdjen 
Edition, !ommen $u la&en. 3)a id) aber foldje jum ®ebraudj meiner Armee 
Ijaben ttrill, fo follen felbige folgenber ®efialt eingerichtet ferjn; (SrftenS fott 
ba§ lieber) liegenbe Titul SBlat voran gebrucft werben, nadjljer foH feine $or* 
rebe, nodj fonften bergletdjen etwas, babet) fetyn, fonbern fogleid) bie SBüdjer 
be§ 9?euen SEeftamentS in gehöriger Drbnung folgen. 9luf foldje fotf bie 
9lnweifung ber (SontagS Evangelien unb ©pifteln , bergletdjen bie ^falmen 
ganj weg bleiben, bagegen aber 100 geiftlidje Sieber, bie idj (£udj nedjftenä 
fdjicfen will, nebft einem SRegifter von folgen babety gebrucft werben, nadj 
»eichen enbltdt) einige borgen unb Slbenb lebete Vor einen djriftlicben @ol= 
baten folgen follen, bie id) (£ud) gleichfalls äufdjicfen werbe. 3 U benen Sie= 
bern fowol, al§ ju benen ©ebeten, mu& aber foldje§ ^appier audj eben 
bergleidjen lettern genommen werben, al3 §u bem (Sanfteinifdjen Sßeuen 
Xeftament gebraust worben , nidjt Keiner nodj gröfjer. & follen audj fyier= 
nedjft biefe Sßeuen Testam. borten bet) eudj eingebunben werben, unb $war 
in braun fieber unb auf bem ©djnttt rotl). 3$ r foUct mir baljero juförberft 



04 H. $ie ©i&elanftatt. 



fdjreiben, tuieüiel iebeä bergf. 8tücf fertig unb gebunben fofien wirb, unb 
luifl id) üor crft 1200 Stücf §aben, nad) bereu ©mpfang tdj nodj weit mehrere 
Deficiten werbe, 3>d) bin 

$Bufter$aufen ben 17. Oct. 1733. (Suer rool affectionirter $ömg 

gr. EW^eint." 

$er beigefügte Sitel lautete: „2)a§ Sleue Jeftament unfere3 
Gerrit SJcfu (£()vifti. (Warf) ber Eanfteinifdjen Editiou.) SDJit einem 
9tu()auge Don 100 nciftlidjen Siebern, auef) Sftorgen unb 9T6enb 
©ebeten eincS rf)riftlicf)en 6o(baten. 3utn ©ebraudj ber Söntgl. 
^reufj. Anwöo im Reibe fo mol atö in betten Garnisonen, ©ebrueft 
$aflc im SJoifcnljnufc 1733." 

Sie lieber würben tücfyt in s Jl6fd)rtft eingefanbt, fonbern nur 
nad) ihren auffingen bezeichnet, um fic anbeten ©efangbudjern $u 
entlehnen. SUS e8 jum Jruef ging, fdjrieb grantfe an ben ffönig, 
baft er Die lieber: „Wim ift ber Streit Dorbei" unb „9hm treten 
nur tn$ neue ^tobr" Weber in ^aUifchen, nod) in bem berliner, 
noch in anberen ©efangbücbern ftnbe, weshalb er um eine Slbfdjrift 
bittet ©letcb^eitig mit biefer ging noch ein „Sirdjengebet" ein, „fo 
Don bem £errn $velb ^robft luxlieke eingerichtet roorben", um e» 
ben ^olbatengebeteu anzuhängen. 

v 5ie Sitten weifen in biefer Stngelecienheit 17 größere unb Heinere 
^anbfebreiben nach: ber bobe £xut flimmerte tiefj eben um jebe 
(SHn^elbeit in einer SSeiie. wie is> jemanb Dom SRetier nicht beffer §ätte 
machen toimeiu ^Jach ^ottenbunet De$ XrudS Derlangte er Dier 6rem- 
Itfave unetebunben» bie formen tollten aber neben bleiben, bam er 
n>erbe weit mehr vneuuUare brawvten. $n ber Jhat KfrocO ber Änf* 
ttvia Don 1200 au* 19750 Öremi>lare an. 5Nm Ginbanb bemmmte 

S V 

b<r £fat$ ebenralU in allen öinjclbeiten. Derian^te and) groben. 
17000 tSratttfare vllten in braun i?eber am JKiKKftiittt gebunben 
»et&ett: vfccsit 200 in ecnfcn* 350 in w* £eb*r txigilbet mib 
22*» :k tv: ^V>er vfcievt; wca&fc bkx bie ^ars^mbalftme ber 

€acr*Sfc5« »x >es:es s^rat,:^ 



ftriebrid) Sötlljelm I. unb fein ©antlfon*©efnngbudj. 65 

tüetter fdjidfen lann." S)ie ©enbungen gingen gett>ö(jnUcl) nadj ^Berlin 
unb *ßot§bam; bloft ba§ ^Regiment Stn^alt, toeld)e§ in £>alte garnifo^ 
nierte, erhielt feine ©;remplare bireft geliefert. 2)er Sönig ^atte fdjon 
früher gemannt, ba§ S33aifenljau§ foHe beim ©inreicfyen ber SRedjnung 
feinen Profit nitf)t oergeffen, „ben idE) (Sudfy, ttrie 3$r ttrifct, gern 
gönne." %m £)anbfd)reiben oom 28. Sftob. 1733 approbiert er ben 
ifjm borgelegten Sßrobebanb in rot Seber unb teilt nebenbei mit: er 
Ijabe refolbiert, ba% ba3 28aifenf)au§ Don jebem ©jemplar einen ©ro~ 
fdjen tjaben foHe, lüomit ber Stuftrag ein Ijödjft lofjnenber mürbe. 

2tm 5. Januar 1734 roünfdjt ifjm ©ottfjitf grancfe ba3 Sfteujafjr 
an. darauf antwortet berSöntg unterm 8. Januar: „^ty Ijabe @uer 
Schreiben bom 5. b. erhalten, unb bin @uct) juförberft bor bie toöfyU 
gemeinte Gratulation, fo 3$r SRir $u bem angefangenen Saljre er* 
ftattet, obligiret, toogegen !gtf) (Snä) nebft beftänbtger ©efunbtjeit be§ 
$öd}ften ©eegen $u aßen Suren Verrichtungen antoünfdje." Unterm 
17. gebruar erfudjt enblidj ber Sönig, über bie Qafjl ber bon ifjm in 
Stuftrag gegebenen ©yemplare nodf) eine Quantität IjerjufteHen unb 
biefelben natf) Sßotöbam, 93erlin, Sömggberg 2c. in Sommiffton $u 
geben, ba bon bieten Seuten bereite SWadjfrage gefdjefjen fei unb er e§ 
gern fetjen toerbe, toenn biefe SSüdjer in ben gebadeten ©tobten ju 
tjaben mären. 

S3ei ben 19750 ©yemptaren tft e§ in ber Steige ebenfalls nidjt 
geblieben, bielmeljr bürgerte fidf) ba§> „Sfteue Seftament nebft ©efang- 
unb ©ebetbudj" be§ löniglitfjen ^perau§geber§ al§ f leinet ©arnifon- 
©efangbudf) ein unb erfdjien b\8 jum 3- 1779 in 26 Stuflagen 
= 105000 ©jemplare. (Strdjib ber Öibetanftatt.) 



<Sd)ürmann, Qux ©efcfjidjte b. SudjljMg. b. SB. 



m. 

2S*a0 SrBtjIing^aujBnjyjB ©Bfangbudj. 



Der (Sorge um bte SBibelberbrettung ging im nämtidfjen ©eiffe 
bie Sorge um baS geiftlidje Sieb §ur Seite. 

£>tjmnologifcf) fteljt bie (Stobt §afle in 9iuf, tooran ber SßietiSmuS 
ben ftärfften 2lnteil Ijat 3>er 1854 berftorbene Cberpfarrer gulba 
bon II. S. grauen jagt in feinem 33orberidf)t $um |>allifdf)en (&tabU 
gefangbudE), 1 ba§ |>alle ftdE) bor allen anberen ©tobten um bie 5Be~ 
reidEjerung beS SirdfjengejangS berbient gemadfjt fjabc. S3on leiner 
(Stabt fei eine fo große Slnjafjl geistlicher Sieber ausgegangen; leine 
anbere Ijabe eine }ottf)e Sln-jal)! bon Sieberbidfjtern aufoutueifen. 

SaS alte Stabtgefangbudf) enthält, jum Seil burdfj jafjlreidfje 
9himmem beitreten, 36 Sieberbidfjter, meiere geborene ^aHenfer 
tuaren, ober in ©alle gelebt unb getuirft Ijaben, bon SuftuS SonaS, 
1493 — 1555, angefangen bis auf9tug.£. SRieme^er, 1754 — 1828. 
Xie Slüte^ett liegt ba, too audfj ba§ SBaifenfjauS blüfjt, tueldfjeS ben 
©auptft£ ber geiftiidf)en Sieberbidfjter im 18. S^t^unbert bilbet. 
9lug. £>. grandfe fam als foldfjer nadf) ©alle. 2)ie äbfaffung feineS 
„fdfjönen, bon gtüljenbfter Siebe jum ^eilanbe erfüllten" SiebeS: 
„©Ott Sob! ein (Schritt jur ©roigfeit ift abermals bollenbet" — fällt 
ber Überlieferung nadE) in bie trüben Sage, too er bon 6rfurt nadf) 
fur^er unb erfolgreidfjer SSirffamfeit Vertrieben roorben tt>ar. 2 SSon 

1) §ulba r fy. (£§r., $orberid)t jur $efjnten HuSgabe beS §allifdjen 
6tabtgefangbu$3, öom 9Rär$ 1834. ©. V. — SSgl. mm bem nämlidjen 33er= 
faffer bie Beiträge über bie „§aflifdjen tfirdjenlieberbidjter" im §aflifdjen pa= 
triotijdjen Wochenblatt 1807, 36. ©tücf u. ff. 

2) Gramer, *. $. granefe I. 6.96. — 9*a$ (Scfe 8. 37 bietete 
granefe ba$ Sieb „in ben Sagen feiner legten Srübfale in Erfurt". 



SJic £aHtfdjen geiftltd&en Steberbid&ter. 67 

grancfe ftnb nur einige Wenige Sieber befannt, aber fic gehören jum 
SBertöoHften ber pietiftifdjen ©dfjute; 1 auf fie pafyt, toa& SBinter* 
felb trießeidjt ettt>a§ ju allgemein ber ©ange£hmft ber Sßietiften 
natfjrüljmt: „^n ifjren Siebern fjaudEjt ftdf) iljre Seele au§, benn Ue 
Qbdbz ber S)id^tung mar ben meiften unter iljnen bedienen; in ifjren 
Siebern, tneil fie toafjrljaft erlebte, nidjt erfonnene ober erbidjtete 
Maren." 2 

3u benjenigen S)id^ternamen be§ Sßaifenljaufeä, toetdje am 
meiften genannt unb befannt ftnb, gehören 3. 2t. gretjtingfjaufen, 
1670 — 1739, Sfjr. grb. Stifter, 1676 — 1711, Sodann $afob 
3tam6adf), 1693 — 1735, unb®. £.&.93oga£ft), 1690 — 1774. %m 
neueften ©efangbudje ber Sßroöinj (Saufen ift, nädfjft Stifter, 9iam- 
badj burdf) bie meiften Sieber Vertreten. $n feinem nidjt langen Seben 
ftfjuf er 165 Sirdjenüeber; al3 er bon Spalte al£ Sßrofeffor ber Geo- 
logie nadj ©iefcen übergefiebelt ttrnr, tt)urbe er im fjödjften Sluftrage 
mit ber SRebaftorfdjaft be§ Reffen =®armftäbtifd)en ©efangbud)§ be- 
traut, unb babei ereignete e§ fid), baft SRambadf) nidjt ein einjigeS 
jeiner Sieber aufnahm, „obtooljl e§ — ttrie Raufen 3 meint — 
manche tt>of)t öerbient Ratten; er Ijctt'S nidfjt getooßt." 

3m SBergleidf) mit anberen ©tobten fyat |>aße erft fpät fein 
eigene^ ©efangbudj erhalten, toa§ ber Pflege be§ fjrjmnotogifcijen 
@inne§ unb ber greube ber Sßebölferung an bem ebangelifdfjen 2tn= 
bad^t^bud^e in Siebform leinen ©intrag getfjan Ijaben ttrirb. 33i§ über 
ben Stnfang be§ 18. 3af)tf)unbert§ f)ütau§ galt §ier bie gebrucfte 
SHrdjen* unb (Hjororbmtng, meldte Uz beim ©otte£bienft ju fingenben 
Sieber borftfjrieb unb e§ ben Sftitgliebern ber ©emeinbe überlief, fidj 
mit ©efangbüdjern ju berforgen, in benen btefe Sieber ju finben 



1) 63 ftnb nur brei Sieber oon 9tug. §. grancfe im 3)rude befannt. 
Qtoct baoon finben fidj nod) in ben neueren ©efangbüdjern: „®ott Sob! ein 
©djrttt jur ©ttugfeit" unb „5Ba3 Don außen unb oon innen". 3)a3 brüte: 
,,2Bad) auf, bu ©etft ber treuen Qeugen" Weint ljal& ober ganj oergeffen. 

2) 5B i n t e r f e l b , (S. ü. , S)er ebangeltf d^e ^trdjengef ang. III. Xeü. Seidig, 
1847. @.6. 

3) £anfen, S^eobor, Sie gatmlte 9famtbad). ®otl)a, 1875. @. 171. 

5* 



68 III. S)a* ^retfingtaufenfdp Sefattabudj. 

toaren. 1 ?(uf f olc^e SBeife fammelte fid) innerhalb ber ©emeinben eine 
meljr ober ntinbcr reiche SluStoaljl großer unb Heiner ©efangbüdjer 
an, bie §utn Seil nad) ifjrem ©rfd)einung§orte benannt ttmrben, oljne 
bafc fte bort förmtid) eingeführt fein mochten. 3 n biejem Sinne gab 
e§ aud) ^attifdje ©efangbüdjer, barunter bie „©eiftlidje ©ingefunft" 
be§ berühmten 3>o()ann Clearing öon 1671, ba§ §attijd)e ©efang* 
bud) öon 1697, ba§ ©efaugbud) öon *ßrof. D. $. Slnton, 1700 er* 
fdjienen u.a.m. 2 

Seljr gebräuchlich mar e£, ben SMbctn, inäbejonbere ben foge* 
nannten ^anbbibeln, ein Heinere^ ober gröjjere§ ©efangbud) anju^ 
Rängen. £ie SBibel blieb, aber ba§ ©efangbud) toar bei neuen $üif= 
lagen beut SSanbel unterworfen. 9$ei Stnridjtungen rote bie für§ 
gan^e 3abr feftftebenben Sljororbnungen tarn e§ nid)t barauf an, 
bierin öon Auflage $u Auflage Überlingen eintreten ju laffen unb 
nad) Slrt ber Stabifdjen SBibel $. 9$. öon 154 auf 173 Sieber ju 
gelten unb bann bei einer neuen Auflage ba$ Hamburger ©efangbud) 
mit 334 „ aufrief enen" geiftlidjen Siebern al§ Shrijang ju bieten. 

£ie 3$ud)banblung b. 23. toanbte ber ©efangbudj-Sitteratur 
gleid) in ben Anfängen ibre 'Jlufmerffamfeit $u; nod) elje fic jelbft 
in bcrfelben probuftiö tmirbc, gab fte auf ben SReffen frembe ©£= 
fangbüdjer in Jaufd). Stuf ben Seip$iger SRefcfonten öon 1700 
fommt \>a$ berliner unb Xarmftäbter ©eiangbud) öor: auf einigen 
fionten werben in mebrfacber 3(n$abl gelieferte ©efangbüdjer etnfad) 
al§ „©efangbudr ober als „9icue£ ©efangbud)" be^eidjnet S3e= 
merfen§roert ift, baß bie öerfdriebenften Territorien, im Sorben unb 
©üben, ©efangbücber öon cinanber belogen, eine Beobachtung, bie 
gegenwärtig roobl niebt mebr gemalt wirb, ^tnt SKeßnotierungen 
reben aud) bafür, baß bie 3£aifenbau£budjbanblung — unb fte moljl 
nidjt aöcin — ortftd) öiel ^nlaß batte, fidj mit ®efangbud^Sor= 



1) gulba, «orbcrid)t. 6. VI. 

2) $er fcrdtftiafonuS 3. <& Ätr^ncr gab in ben ©odKntüdjcn §aU 
lüäfen $n$eigen 1759, Ar, 31 foaar $u$jtd)t auf eine ®cfd)td)te ber ^atliföen 
(^efangbüdKr unb SHebemtfaficr. 



3)q§ Ijtymnologtfd&e SBlrfett im SBaifertfjaufe. 69 

röten reidjtid) ju berfefjen, tt>a§ tüafjrfcfyeinüdf) anber§ getoefen tt)äre, 
toemt bk ©inridjtung ber feften Sljororbnung nicf)t beftanben Jjätte. 

3)en Stnfang mit ber Stnnaljme etne§ beftimmten ©emeinbe- 
®efangbud£)§ madjte in £aHe 2tug. |>. grancfe. 3m 3- 1693, bem 
gleiten 3<rf)re feiner 9lmt§füf)rung, braute er in feiner armen, bi§ 
bafjin berrtutberten ©laudjaifdEjen ©emeinbe ein Hetne§ ©efangbudj 
jur Einführung, 1 tt)et<f)e3 im 3-1718 burd) ba& gretytingfjaufenfdje 
erfe&t ttmrbe. 

3)a§ grefc)tingf)aufenfcf)e ®efangbucf) bttbet bm ftefjenben 
Sftittetyunft ber ^^mnologifd^en gorf jungen im SBaifenljaufe; in 
tttoaä änberer 2trt afö bie Steöiftonen, beren fidf) in ber 9?eugett 
ungefähr jebe§ ©efangbudj rüfimt, galten biefe Sirbettext ber ©amm* 
tung unb ©idjtung bon Siebern unb Sftelobieen bietfadj nadfj jer* 
ftreuten unb ungebrucften Sftaterialien, unb baran fdjtoffen fidj bann 
langwierige Unterf udjungen über bie Steberbidjter unb ifjre 2eben§~ 
berfjältniffe. 3ßa§ aber bem ©efangbudfje feine ljiftorifcf)e 93ebeutung 
giebt, ftnb feine Driginalbeiträge toie im £ejt, fo in ber äMobie, 
über beren Urfprung be^üglid^ ber Sftelobieen ein ©dreier gebreitet 
ift, mit beffen Süftung fidj bk ttriffenfdfjaftlidje gorfdjung ber 9Jeu- 
jeit eingeljenb bef(f)äftigt §at 

3of). 2tnaftaftu§ gretytingtjaufen, ber ©efjilfe unb Sßfarr* 
abjunlt grancfe§, ftanb biefem öon aßen feinen ©eljilfen am nädjften. 
S3ott 9lrbeit§fetigfeit, ju aßen ©efcfyäften bereit unb gefd()icft, nannte 



1) 2Bie Gramer, %. £. ftrancfe IL @. 351 jagt, ift barmt of>ne groeifel 
ba§ im fleinften ©ebej in jenem Qaljre in §aüe bei 3obft SBebberfampf erfdjie= 
nene SBücftletn gemeint, tueld)e§ ben Xitel ftat: „9?eu eingerichtetes, geiftlidjeS 
(öefangbudj, in toeldjem 400 fdjöne Sßf ahnen, Sobgefänge unb djriftlidje Sieber 
nad) Orbnung ber SafjreSjeit eingerichtet, benebft anbftdjtigen 3Rorgen= unb 
OTenbfegen, roie audj 93eid)ts unb ©ommuniongebeten $u finben." ($$ enthält 
Sieber Sutfjer§ unb ber älteren Sieberbidjter bis auf $. ©erwarbt unbgol). granf 
§erab. 2(udj lateintfc^ = beutfc^e unb ganje lateinifc^e ®efänge finben fidj barin. 
3)a& fjrancfe — fügt f ramer ^inju — an ber Seröffentltdjung be8 SBüd)letn8 
beteiligt geroefen, ift nirgenbS angebeutet. S(n ben $Baifenljau3fci)ulen ftanb 
jebod) ba§ (öefangbudj in SSerroenbung. 



70 HL £e§ g TT ^ fraafoufe nkfrc 9efeBfla#. 

ifni grancfe feine redjte £>anb: er mürbe grancfe£ Sibam unb fpäter 
fein 9?acbfotger. 

Xer erfte Xeil fehte§ @e?angbud)§, 683 Sieber unb 174 3Ke= 
lobieen entbattenb, erfdpen 1704 u. b. X.: „®etjtreid>e§ @efangbud) 
ben Sem alter unb neuer Sieber, wie and) t>it flöten ber unbefannten 
äRetobepen unb ba$n gehörige nü&licbe 3iegifter in jidj entiyaltenb: 
famt einer SSorrebe, $ur Grwerfung fjetliger Stnbadjt 9tebjt einem 
3KeIobenen=*egifter. M 

3m SSorroort IjeiBt es, baB wie feit einigen Sauren bie 
^rebigt ber 33uBe unb be§ (roangeliumi? infonberbeit in Xeutfdjlanb 
mit nid)t geringer $rudjt erfülle, alfo Ijabe audj ©ort ber £>err 
Dielen feiner fiinber unb £ned)te ein neu Sieb in f>er$ unb 
3Kunb gelegt, 3&n bamit ^u preifen: wie benn bie neuen ©efang- 
büdjer, nor allem bas Grfurter, £>attijd)e, Xarmftabter unb berliner, 
bezeugten, meiere mit gutem 9iufcen unb Gr&auung foroofjl in f>at(e 
al§ an anberen Crten gebraucht worben feien. 

Xer (rrfoig war ein auBerorbentlidjer: faft alljäfjrlid} mußte 
eine neue Auflage bergeftellt werben, fo baB in neun Sauren neben 
Staffagen erfdnenen unb bie adjte in Singriff genommen ©erben follte. 
Xie ^weite Auflage war um 75 Sieber unb 21 SRelobieen bereichert 
worben, womit ber erfte Seil nunmehr au» 758 Siebern unb 195 3Äe= 
lobieen beftanb. Xie oierte Auflage ift befonber» bemerfenSwert, »eil 
fic in üjrem 3Relobieen=3nljalt unterfudjt unb oerbeffert unb um 
100 neue SKelobteen oermcljrt toorben ift 

Xer Grfolg mar um fo fyöber $u frf)ä$en, al» ber 3 u 1 a & ün 
Xitel: „3ur Srwechmg ^eiliger Slnbacftf ba§ ©efangbud) aU t)äu&= 
lic^eS Sfnbacfytsbud) fenn^eic^net 3n bem Sinne Ijeifjt e§ im 33or~ 
©ort jum ^weiten Xeil, welcher, 815 Sieber unb 158 SRelobieen 
entljaltenb, im 3- 1714 erfebien: „Xie Urfad), fo midj $u bergletd)en 
Arbeit abermal bewogen, ift insgemein, weil Sbriftlidfye unb geift* 
reiche Sieber eine§ ber aßerbequemften SKittel fmb, bie ©rfäntnifj 
®öttiid)cr SSaljrbeit unb barauS Ijerflieffenbe wafjre ©ottfeligfeit unter 
ben 3Kcnjcf)en $u beförbera; wie foldjcd fdjon oon anbem r fonberltd) 
in benen Sßorrcben fo mancher oon ber Deformation beS feL Sutljert 



3)er &u8auß unb bie ©efamtauSßaöe beS ©efang&udjS. 7 1 

an edirten ©efangsSSüdjer, fotool au§ ber ©djrift al§ ber ©rfaljrung, 
mit meljrem geaeiget ift." 

SBeiter motiviert gretjtingfjaufeit ba& ©rfdjeinen be§ ätoeitcn 
Seite bamit, baf$ ifjm ntc^t wenige folget Sieber nad) unb nad) ju 
$änben gekommen, bie entWeber nod) niemals gebrucft Worben, 
ober bodj in folgen Supern enthalten feien, in benen fie am wenig* 
ften gefugt mürben. 

3um ÄirdEjengebraud) war ba§> fcotuminöfe jweiteilige ©efang* 
budf) Wenig geeignet, 1 be§f)atb erfdjien 1717 ein toon grefc)Üngf)aufen 
felbft beranftatteter 2hi§jug au§ bemfelben, Wetdjer unter SBegtaffung 
ber Sftelobieen 1056 ßieber in fjanbttdjem gormat enthielt unb im 
SBaifenljaufe, in ber ©laudfyaifdjen ®ird)e unb in bieten auswärtigen 
©emeinben jur (Sinfüljrung gelangte. ©teidjjeitig mar ber in S)uobej 
gebrucfte StuSjug beftimmt, ber Eanfteinfcfyen ®uobejbibel (§anbbibet) 
beigegeben ju Werben. 2)o<f) erfdjien er im Saufe ber geit in Der- 
fcfjiebenen gormaten nebeneinanber, in größerer tote in Heinerer ©djrift. 

Sm jweiten S^re nad) bem Sobe grefcjüngljaufeng, 1741, 
folgte ©ottfjilf grancfe einem bietfadj geäußerten SBunfdje unb ber* 
einigte bcibe Seile ju einer 9tu§gabe, inbem er bie Sieber nad) ben 
Don grefcjtingfjaufen angenommenen Stubrifen jufammenfteüte unb bie 
Sftoten aller alten unb neuen 3Jietobieen beifügte. 

Sm 33orberid)t berweift ©. grancfe barauf, ba§ in bem eben 
ermähnten, für ben praftifdfyen SirdjengebraudE) beftimmten 9lu§juge 
fedj§ Sieber fjinjugefommen feien, Wetdje bie beiben Seile nidjt ent* 
fjielten, in ber bortiegenben ©efamtauSgabe aber STufnafjme gefunben 
Ratten. Stufcerbem fei nur nodj ba& alte Sieb: „^dj Weiß, ba§ mein 
©rlöfer lebt" aufgenommen morben, fo ba% ba§ boflftänbige ©efang- 
bud) 1582 Sieber enthalte. S)ie Sftetobieen feien ftarf bermefjrt; bie 
ftofyl berfelben, alt unb neu, betrage gegenwärtig über 600, Womit 
fid) ba§ ©efangbudj atö nü£tid)e£ Sfjoratbudi) empfehle. 2 

1) S)er I. Seil für ftdj unb oljne 9totenbelgabe fjat fpäter manche @in= 
f Urningen erfahren, fo ba& berfelbe nod) 1844 neu aufgelegt werben mu&te. 

2) 9tad)$üntnterle, (£nct)fIopftbie ber ebangelifdjen ®trdjenntuftf. (M= 
ter§lo§, 1888. <5, 433 beträgt bie ßaljl ber neuen 9Mobieen im I. Seil ein* 



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>>t.* y .**r i*tttnrr.vjen3e curanouHj. .leaut los ^coüinp 
'vsrfrMtfo ^«-mqtvKfi ja§ IJ.irnmilnuti 3er jTetifrricnet fteanajtiniüL 1 
;jMv»?t tffa'Mcfoit "£$vrrt jott iurüer c erjoim . rjfcit. <Se3xr3c 
*ttiu\Ufi w#tä* yfa mt g&ttezrt. 3te 3a$ Cum anr 3ar äp2D= 
«tfrtttfrfwtt pwwdittt fyr;i;iür;we -jfea: 3Tei:e3er Jim i*rz!uxiiuäaziTGE 
Vffaf. wfi % £. <rm<fe, Jhztr&raöt. ^cerartennül. Ante: x x. 

#*? t3>* fotrfzwrj'j* ; tttz 1&?2t£z*cz mrä mr JcSuO argr 

^& jv~0/5r*fc*£ fcfS y&zvtnfyzx'ti fce^eüfcnsr & kbes.. im ifrrigea 
A*rfo*r#T* fr# fc?*>r> Sfteßtimbtnw bei sßöttoure, bc% ncjscfce grobe 
tyfrM'Mf, \i $rt nifytdUd) rcnatütht tntb bemrK&e Sidxr baiin 
!ptf)«lUfi f'tor.* 3W(nn vtttvtik \^. auf ba* Sieb: „Romnt, Stc&jtar, 
f*wm in ferrnen Wetter?, an? bö§ bie JJrüdjte bener arten - . 2ie§ 
J/M W hifrrfj ?frfi)(fngf)fliifeit ntdjt ^uerft an bte£nentiidjfeit gebracht 
wr>rW, t/l'fmrfjt finbe efc firf) icfjon im &üneburgttdien @ejangbud) 
(W/Wi), ivrtöjrü nrttfjfjer fcielmate gebrueft roorben fei unb im ganzen 
fyttiimUtM Wrfliiiifrfjtprffl Söolfertbüttel in bat ftircfjen gebraucht tnerbe. 
7M1;(fffflf;riiifrff rrflflrt in ber SBorrebe ^um jtüeiten JeÜ: er Ijalte c§ 
«Mit für tifWg, (Inf jene Angriffe nochmals jurücfäufommen unb ber- 
Htrlfl ftcif t brffrn ntif bie eben citierte „abgenötigte 33ertetbigung". 3 

|d)l!rfil!rl) her HiflkWM Vermeijruitflen 253, bie be8 n. Seite etnfdrtiefelid) ber 
UiuuiirtnlldiNt Wcrindjnmgcn IßH, aufammcnalfo411. 3)iefe 3«^ erfuhr bann 
Itt hei \>oit (Muttl)llf ftnmcfe beforgten (MefamtauSgabe eine SBemte^rung auf 
IHM alte tmb neue Wdobieen, inbem, luie er im SSorberid^t wörtlich fagt, nidjt 
nttelu Me (u bcit beiben Seilen unb bem befonberen *Welobieen=SBüdjlein be= 
fluMIrucu Woten aller unb neuer SWclobiecn aflefamt beibehalten; fonbern auä) 
twdj eine grofte ftiMftbl lum neuen ijtn&ugetljan worben. 

t) Daniel im ^rtiM „(Mefangbucf Don (Srfd) u. ©ruber« «ffg. (5nc^= 
(UtyKlMtt (V^^anb, Seidig, 1856. 8.207. 

i?> abgenötigte ^erteibigung in ben &u&ftapfen ^nter ber ftebenten gorti 
ft{umg« 6. Tv 

^> ^tc ^bgcuSugtc ^cuetbigung- in ben guöftapfen gdjt felbfttcbenb 
l^n ^tu(mg(Kiiocit au^. Jranrf t giebt feiner SKemung über ba$ Qk^angbififei 
^^i^iw! m fcer ^c^fatwn bc^ Äcubrurf^ ber ^ufjüaptcn t»n 17Ü9 t 8.29: 



$aS Scrbilt ber t^eotogifd^cn gafuttät au SBittenBerg. 73 

■ - - - r 

gtüei Safjre nacr) GSrfdjeinen be§ II. %eil$ tarn ein ©utadjten 
ber SBittenberger tfjeologifd^en gatultät jur 33eröffentticr)ung, toeldjer 
fettend ber tüatbedftfdjen ^Regierung bk Srage Vorgelegt toorben roar: 
„ob man ba% ju $affe im SBaifenljaufe ebierte ©efangbudj öffentlich 
introbucieren unb Sebem oljne befonbere§ Ärgernis in bie $änbe 
geben tonne?" 3)a£ im 3. 1716 erfdfjienene ©utadEjten Verneint biefe 
grage: toeil bie SRe^räa^I ber Sieber, toetdje e§ enthalte, &er$ücfter, 
fd^toärmerifcrjer Träumereien öon einem taufenbjäfjrigen 9teid)e öott 
fei, namentlich biejenigen, bie au§ ©ottfrieb 2trnolb§ „SiebeSfunfen" 
entlehnt Sorben, über hielte baä ftrengfte ©eridjt ergebt. S)a§ 
SBeglaffen ber SMdjtemamen fei unberantroortlidf), benn e§ 
lönne nun nidfjt geprüft roerben, ob bk Sieber bon rechtgläubigen 
ober toerbädf)tigen Scannern Ijerrüljrten, ob atfo ber eine ober anbere 
2Iu§brutf eine milbere ober emftere Stüge toerbiene; bie SBermengung 
alter gangbarer Sieber mit neuen, meift jum erftenSölat erfdfjeinenben, 
fei eine bo§c)afte Sift be§ ©atan§, um IjeimlidEjerroeife ben pietiftifdjen 
Sauerteig jum SSerbcrben ber ®ird£)e @otte§ einäufcrjtoärjen, hingegen 
biel Ijüpfenbe, fpringenbe bafttjlifdje Sieber barin beftnblidE), bk mit 
faft üppigen SWeloberjen toerfefjen, baburcr) ba§ $erj roofyt gar in eine 
empfinbitdje SSeränberung unb Stnfang einer Sftaferei gebraut roerbe, 
bafjer man baSfelbe nictjt oljne 9trgerni§ öffentlich) introbucieren fönne. 1 

®aniel ftefjt nidjtS Weniger al§ auf pietiftifdjem ©tanbpunlte, 
bennod^ Ijftlt er mit bem ©eftänbniffe nidEjt jurücf , bafc bk pietiftifdjen 
©efangbüdjer _un§ Sieber jugefü^rt Ijaben, an beren Swigfeit unb 
£iefe fidj £aufenbe toon S^riften^erjen erbaut fjaben unb erbauen 
roerben, 5. 93. „@in§ ift not, adj $err bte§ ©ine", „Sobe ben $errn, 
o meine ©eete", „@8 ift nodj eine Stuf) borljanben" u. f. ro. ©erabe 
ba& bitte Jreffltdje aber, mag fie brächten, fyabt iljre gefährliche SBir- 
fung auf £eyt unb SWetobie be§ ®irdjentiebe§ unterftüfct. 3)ie ©d^toäd^e 



„2)a3 gretylingljaufenfcfje ©efangbudj ift ein foldj fdjöneS ©efang=S3udj, als 
ietnafö ein§ mag fjerau§ gegeben ferjn; tuorinnen fdjon fciel taufenb (Seelen i^re 
§erjjen3=3freube unb (Srquicfung gefunben §aben." 

1) Daniel in (Srjd) u. ©ruber. I. 62. Seil. @. 299. — ö. SBinter* 
felb, $)er e&angeltfdje ßtrdjengefang III. ©. 18. 



74 HI. $aS gre$Uitg$aufenfdje Oefaitßbud). 

atte§ SßiettönuiS fei feine UnfirdfjlidEjIeit, fein Unvermögen, bie Sftot* 
roenbigfeit objeftiber §eil§anftalten unb £eil§formen ju toerfteljen. 
SBäfyrenb ba§ alte Sirdjenlieb im ÜRamen unb au§ bem £er$en ber 
ganzen ©emeinbe bie großen JfjatfadEjen be§ £eil§ unb iljre Slneig- 
nung in ber gottgefugten £>eil3orbnung beftnge, fangen bie piettffe 
fdEjcn 2>id(jter innere <3eelenerfaf)rungen, ©eelenfüljrungcn unb (Seelen- 
ftimmungen. ©te jeigten un§ nur ben einzelnen grommen, toie er 
gefünbigt, feinen fierrn gefunben, toie er ben |>errn lieb Ijabe, tüte 
er toon ©efabren umringt aud) im finfteren Sfjale jidj nidjt fürdEjte, 
fur$ überall im öintergrunbe ba% %d), wenn audj fo oft ein fo 
finblid) * gläubige*, fo lieben§n>erte§. 

SSenn bit pietiftifdjcn 2)id)ter — fäljrt Daniel fort — üjre 
Sieber anfangs nur ^ur ^Jrtoaterbauung unb ^?riöatftärfung jufammen^ 
fteHtcn, fo beroeife bie§ ebcnfo beftimmt einen 9ieft ftrd)lid)en Jafte§, 
ate ba% ftc ihre neuen Sieber feiten an bk alten SRelobieen an= 
fdjloften, fonbcrn neue fugten. Unb bie§ leite auf bie ©ünben ber 
^ictiften in rein gefänglicher Schiebung, benen bie Sirene aber fdEjon 
felbft vorgearbeitet bäht. 3M§ gegen ©nbe ber adliger %af)Tt be$ 
17. 3 Q b*bunbert£ bleiben bie SKelobieen in tbrer ursprünglichen 
rbutbmifcben ©eftalt Stornt nnrb ber 3ib9tbmu§ t>emnfd)t unb ab* 
geftreift unb bie leibigen 3wifcbenfpiele fommen auf. ^ie ^ietiften 
traten alfo mit ibren Neuerungen in eine 3°^, »elcber ba§ SSer- 
ftönbni* be£ CHjoralä febon abbanben fam. Jro^bcm befennt Spaniel, 
baß er periönlid) Diele biefer AlJelobicen febr lieb babe unb nidjt fo 
unbebüigt in ba§ Sbeina bon ber burtbgängig nötigen ^ufteritat be§ 
Äircbcngeiangc^ einftimme. $a, er meefate nidjt verfennen, ba% in 
ben SNinnitabter unb £>aliijcben SKeiobieen eine Sieahion gegen bie 
Somiption bei alten Sboralä unb bie 3lnüd)t bertoortritt: Sbriften 
gt>ieme e^. in ber Sinbe .iubmifc unb traurig $u muticirtn". Sabei 
beliebt er ftefa auf bas "SJort Saliner* 1 : »Ster 3angc*lujt btieft 
an* bieten (irietimid>en> Äelobiecn bcrtiu*. »ie SebenHuft avß [röb= 
lieben Sinbermtgen. unb e$ iu, al£ babe ücb biefe Seben*luft, für 



1 Slnifci £rrtt>itn§bauicn in $0309* tSacoffoi&bK. 



$ie „Saütfcfje Sieberet". 75 



bie ber SßietiSmuS fonft ntc^t biet SRücffidjt betoieS, bafür in biefc 
feine SRelobieen geftüd^tet." 

£rofc be§ Spottnamens ber „^afftfdjen Sieberei" finb benn 
audf), tüte feftgeftefft ttrirb, Sieber unb SMobieen be§ 3refc)lingfjaufen= 
fdjen ©efangbudfyeS in bie meiften ebangelifdjen ®irdf)en 3)eutfcf)lanb§ 
übergegangen. SWan Ijat fie in neuerer ßeit bereinfadjt, fie bon 
mannen StuStoüdjfen gereinigt, äff ein ifjr roefentlidjeS ©epräge ift 
iljnen geblieben. 1 

$n ber int September 1713 gefdfjriebenen S3orrebe jum II. £eil 
Ijatte gretjlingljaufen beiläufig barauf toerttriefen, baf$ bie Don ortfjo= 
boyer (Seite gegen ifjn vorgebrachten 33efcf)ulbigungen größtenteils 
auf offenbarer unb Ijanbgreiflidjer URiftbeutung einiger in gettriffen 
Siebem befinblid^en poetifdjen Expressionen beruhten. S)amit toar 
toerftänblidf) gemacht, ba% er fid) auf Slnberungen nidEjt eintaffen toerbe. 
dagegen madfjte ©ottljilf Srancfe ein 83ierteliat)rfjunbert fpfiier bem 
SSittenberger gafultätSgutadjten naef) ber teyttidEjen (Seite gugeftönb^ 
niffe, inbem einzelne StuSbrücfe in mannen Siebem geänbert, biefer 
unb jener ©tropfe eine anbere SBenbung gegeben unb jtoei Sieber 
gänalidj umgearbeitet ttmrben. Se^üglid^ ber SWetobieen Verfolgte 
man audfj ferner feinen eigenen SBeg. 

3)ie 2)id^ternamen tt)aren nidjt genannt toorben, bieffeid^t auS 
einem anberen ©runbe, als bte SBittenberger tljeologifd£)e gafultät 
anjunetjmen festen, unb bk -Kamen ber Somponiften ber neuen 3We- 
lobieen ebenfalls nidjt. SDaS SDunlel über jene, fotoeit eS überhaupt 
Ijerrfdjte, ift bis auf einen unbermeiblidjen SReft gehoben toorben, 
mä^renb man über ben Urfprung ber neuen SWelobieen im njefent* 
lidjen nod^ immer auf SSermutungen befdjränft ift. 

gretylingljaufen giebt in feinen SSorreben toenig Slufflärung 
barüber. %n ber erften Stuflage bon 1704 Ijeiftt eS: „benen alten 
unb getoöfjnlidjen ®irdjenliebern tjat man 3Welobet)en in Sioten bor* 
jufe^en, toeil fie überall befannt finb, unnötig eradfjtet; bie neueren 
aber, (jum Sfjeit audj einige unbefannt geworbene alte) finb bamit 



1) SBinterfelbllL ©.20. 



76 HI. 2>aS grctylirtgfjaufenfd)e ©efattglmd). 

fämmtlidf) berfefjen unb jum S^eil auä bem 3)armftäbtifd£)en ©efang* 
budje genommen, jum Jljeil bon ©jrtftlicfjen unb erfahrenen 9ftu= 
fici§ Ijiefelbft auf3 neue barsu unb jtoar fotdjergeftatt componiret 
toorben, ba§ barinnen fotoot)! bie djrifttidjen Siebern äiemenbe 2ieb= 
tidjfeit al§ ©rabität toafjrjuneljmen ift." ' 

S)anad^ finb e§ |>atIifdE)e SKuftfer, bon benen bte näd£)ften 
Beiträge neuer Sftelobieen fjerritfjren, unb unter ben bamatigen S3er- 
fjältniffen £aKe§ brängt fidf) bie Slnnafjme bon felbft auf, baft fie bem 
SBaifenljaufe nidfjt ferngeftanben, tDa^rfdjetnlid^ fogar angehört tjaben. 

gretytingtjaufen felbft mar eine mufifatifdf) betmtagte SWatur unb 
tjatte „eine feljr annefjmlidEje Stimme jum ©ingen". gür feine Sßerfon 
allein foß er 22 ©ingtoeifen beigetragen Ijaben, meift §u Siebem be§ 
2lngelu§ ©itefiug, ebenfo foß er feine fange§!unbigen greunbe, befon* 
ber§ ben SKebijiner (Sfyx. grb. 9Jid^ter unb ben Kantor |>itte in ©laudja, 
ju mufifalifdEjen Seiträgen angeregt tjaben. *■ SSor^ug^tüeife unter ber 
Seitung bon grefcjltngfjaufen ttmrben audf) im großen S3erfammtung§= 
faate bie neuen Siebertueifen attttJödfjentlicl), SWitttood^ unb ©onnabenb 
Sftadjmtttag, geübt, um fie ber $ugenb unb ebenfo ben ©rttmdjfenen 
befannt unb geläufig ju madjen — batjer ba3 ©erebe bon ben „Sie= 
bexn be§ 3Baifent)aufe§'\ £)iefe SSerfammlungen toaren fo botfreidf), 
ba% ber geräumige firdjen artige 33erfammlung§faal, roetdjer, toie e§ 
bamatö t)iefj, „bequem an jnjei Jaufenb Sßerfonen" fafjt, bie Sftenfdjens 
menge oft laum aufnahm; benn neben ben ©d^ullinbem unb 2tngetjö= 
rigen be§ 3Baifentjaufe§ fanben fid) jaljtreidfje ©tubenten unb ©tabt- 
betooljner au§ aßen ©täuben baju ein, 2 fo jtt>ar, bafc felbft ber 
33udE)taben nadf) ben ©ingeftunben ob ber bieten 93ejudjer in§ @e* 
bränge lam. 

SSon Sieberbidjtern, toetdje äugteidE) bie Sftetobieen ju iljren Sie= 
btxn geliefert fjaben foHen, toerben ferner genannt SBarttj. ©raffe- 
ltu§ unb 3o^. ©ufeb. ©djmibt. SraffetiuS lebte tt>enigften§ äulejjt in 
|>aHe. ©dfjmibt toar Sßrebiger ju ©iebleben unb belannte fidf) furj 

1) Satter, 9tug., Seben goljann 2fttafiafm3 gretyfmgfjaufenS, $far= 
rer» in §aHe. SBerttn , 1864. @. 95 u. 100. 

2) granfenä (Stiftungen I. ©. 297. 



S)tc Origlttalöetträge an Xejt uttb SDWobteen. 77 

Dor feinem Snbe brieflidf) ju 42 Sieberteyten; Don bert Sötelobieen 
ift ba6ei feine Sftebe. Unter ben eigentlichen „SKufictS Jjtefelbft", 
toorauf gretjlingljaufen in unbeftimmter SBeife 33ejug nimmt, Der- 
mutet man 3- 28. 3 ac *) au f Slbam Sfteißner, Drganift an ©t. Ulridf) 
1702, ©l)i\ geljrmann, ©tabtmufifug, unb ©amuel ©bert, Drganift 
an U. S. grauen. 1 $)od£) finb bieg Mutmaßungen; ein£ bürfte a6er 
mefjr atö SRutmaßung fein. Stnfängltd) fdjeint e§ nämlid) etina3 
bilettanttfdfj jugegangen ju fein, ba e§ Don ber menige ^afyxt fpäter 
erfdfjeinenben feierten ©bition f)eißt: „$)tefe Edition, bei} toeldfjer alle 
unb jebe SRelobeijen nadf) ben SRegeln ber Composition Don 2. dfjrift* 
liefen unb erfahrenen Musicis auf§ neue unterfud^et, unb an fefjr 
Dielen Drten Derbeffert, audj 100 neue SKelobetjen beigefüget finb: 
ba% alfo gegenwärtige Edition in biefem ©tücfe Dor allen Dorfjer* 
gefjenben einen gar merfüdjen SSorjug fjat." 2 

Unter ben Ijunbert neuen SMobieen merben ftdj Diele Original' 
beitrage befunben fjaben, tneld^e fdjtnerlid) fämtlidf) Don ben „jtoei 
d^riftlid^en unb erfahrenen Musicis" Ijerrüfjren; biefe werben iljrer* 
feit§ bie einen unb anberen ^Beiträge geliefert ^aben, in ber $aupt- 
fadje aber rebaftionett tfjätig gettjefen fein — beSfjalb bie Säejugna^me 
auf fte, mobei fie ebenfo toenig genannt derben nrie bie ©idfjter unb 
Somponiften. 

Sn ber £fjat liegen 9lnbeutungen Dor, baß fdjon Dorbem Don 
Derfd)iebenen ©eiten neue SRelobieen beigefteuert morben finb, nidjt 
bloß Don £atttfd£)en äßufifern, fonbern audf) Don auswärtigen, unb 
unter ben teueren hrirb fein ©ertngerer genannt, atö Sodann @e= 
baftian S3ad£). gür bie 3Kitarbeiterfd£)aft S3ad)§ [teilt Sßinterfetb 3 
unter eingeljenber 99egrünbung bie SSermutung auf, welcher ©pitta 4 
nad£)brüdf(id£) ttriberfpridjt. 



1) ©rfdju. ©ruber, 62. Seit @. 298. — kümmerte, (SntyHopäbie 
@. 434. 

2) ftuftftapfen. 5. fjortfefeung ü. 1709. @. 57. 

3) «BtnterfelbHI. @. 270 u. ff. 

4) ©pitta, Wipp, 3o$amt©ebaftian$Bacfj. L SBanb. Seipjig, 1873. 
©.365 — 68. 



78 HI. $a$ gre^inßljaufenfdje ©efaitßfcudj. 

2>ie ©adje liegt folgenbermafeen. gm % 1736 ließ ber ©d)tofc 
fantor in 3^, ©. Sf)r. ©Gemelli bei Sljr. 33reitfopf in Setpjtg ein 
„3Ruftfalifdje§ ©efangbudj" erfdjeinen, in toetdjem jtd) 69 SRelobieen 
befmben, toelcfye laut SSorrebe fämttidj bon ©ebaftian S3ad^ „teite 
gan$ neu fomponieret, tti\& audj bon üjm im ©eneralbafi berbeffert" 
roaren. 40 biefer äßetobieen finben ftcf) in älteren Ouelten, 18 
babon jum erften 9ftat in gretjttngljaufenS ©efangbud). 
35aä)8 S^ätigleit für baSjetbe, fagt ©pitta, märe alfo unter ber 
©ebingung erliefen, ba§ ftd) feine Stutorf djaft bei biefen 18 Sftelo- 
bieen, ober einigen bon ifynen, bartljun tiefte, tiefer SSerfudj toerbe 
burd) gret)tingf)aufen§ eigene SBorte in ber SSorrebe pr erften 9tuf= 
läge bereitett, ba er bort bejügtidj ber muftfattfcfyen Original- 
beitrage fage, baft fie bon djriftlidjen unb erfahrenen 9Kufici§ 
t)iefelbft lomponiert toorben. 93act) fei beim ©rfdjeinen be§ erften 
Seite beS ©efangbud£)§ Drganift in Slrnftabt unb 18 3al)r alt ge* 
roefen; e§ fei alfo einfach unmöglidj, ifjn unter bie erfahrenen 
SKufici bon £alle einjubegreifen. 

SJamtt tbürben alle SRelobieen au§f Reiben, toetdje in ber erften 
Stuflage be§ ©efangbud)§ borfommen, unb bitä fei nid)t weniger al§ 
bie ^älfte. SSon ben übrigen neun ftefyen brei in ber fünften, 1710 
erfd)ienenen Sluftage. ©ine biefer SKelobieen: „©eetentoeibe, meine 
greube" (SKr. 436) gelte ate ljauptfäd)tid)e§ SetoeiSmütel. 2)er 
Seyt biefe§ Siebet rüfjre bon Slbam ^refen 1 fjer, melier ®apetU 
bireftor in Slrnftabt toar, aU 93ad) bort, 1703 — 1707, teilte. %n 
ben erften beiben Stuflagen finbe ftd) eine SKelobie baju, bon ber 
man mutmafte, bafc fie bon SDrefen felbft I)errül)re, unb beren 
tänjelnber Eljarafter fdjon in ber b ritten Stuflage getilgt fei. ®ie 
fünfte Stuflage biete eine ganj neue SMobte, unb tüeü man irriger^ 
toetfe glaubte, bafc S3ad) in Stmftabt nod) mit SDrefen jufammen^ 
gelebt unb in SBestefjung ju i^m geftanben Ijabe, fei bie SSermutung 
aufgefommen: er fei ber ®omponift. SDiefe Stnnaljme foHte baburd) 



1) 3)ie neueren Ouetten fdjreiben 3)refc, bie utfprüngttdje Ouefle, bk 
td) nodj nennen werbe, fagt 3)re[ett. 



£cr Streit um bic SWitar&eiterfcfjaft Sofjamt geöoftian 93ad)g. 79 

nodj nö^er begrünbet Serben , ba% bte SÖJelobie in ®d£)emelti§ ©e== 
fangbudE) faft unberänbert Wieberfeljre, wäl)renb 93adj an nad)Weiglidf) 
fremben äRelobieen immer reirfjlid) geänbert Ijabe. 2>ie§ fei irrig; 
in S3adj3 Sftatur f)abe e§ gelegen, frembe tüie eigene äRetobieen, Wenn 
fie i^m Wteber unter bte £jänbe famen, mit neuen ^armonieen au& 
guftatten. 2>ie8 geigten aud) bie beiben anbcren SRetobieen, meldte 
in ?$ret)lingf)aufen§ fünfter Stuftage unb bann wieber im ©djemetti- 
fdjen ©efangbudje fcorfommen, bie Sieber: „2)te gütbne (Sonne bott 
greub unb SBonne" unb „$)er lieben (Sonnen Sid)t unb Sßradjt", 
meldte bei (Sdjemelti boUftänbig beränberte 93äffe unb £armonieen, 
fetbft Umbitbungen be§ 9Ketobiegange§ geigten. golgenbe§ fei 
aber fieser entfdjetbenb. $)ie fünfte Sluftage fcon gretytingfjaufen 
fei nicljtö at§ ein unberänberter SlbbrudE ber bierten, Wetdfye 1708 
erfdjien. $n biefem Safjre, atfo 1708, l)abe 33adj in bem erbte 
terten Streite eine§ Drttjoboyen mit einem ^ietiften auf ber (Seite 
be§ erfteren geftanben; e§ teufte bemnadf) woljl einem Seben bie 
bare Unmögltcfyfeit ein, ba§ 93ad) fic^ „gerabe in biefem !gafjre"- an 
einem erftärt pietiftifdjen, bon ben ©egnera ouf§ l)eftigfte angef ein- 
beten Unternehmen beteiligt tjaben fönnte. SDamit ftnfe baä gange 
Sonjefturengebäube in fid) gufammen. 

•ftidjt jebermann tütrb fidj burdj ©pitta überjeugt fügten. 2)ie 
2Iuf$erung gretytingfjaufenS begügltd) ber erfahrenen Süiufici Jjie* 
fetbft, wetdfye bie neuen üötetobieen fomponiert, barf ntcf)t gu wörttidj 
genommen Werben. 2>er junge 93ac^ fonnte tro& feiner adjtgetjn Satjre 
im (Sinne jener 3 e ^ al£ erfahrener 9Kufifu§ gelten. (Statt beffen 
mürben mir gegenwärtig geflutt er SöfttfifuS fagen, benn alte ®unft= 
augübung beruht weniger auf ©rfatjrung, al§ auf SBeruf unb ©djule. 
©efdjulter 9Kufifu§ war ber Drganift 93adj, unb nad) Slnatogieen 
auf anberen Stoftgebieten fyatte ber geniale SPunftjünger fogar me^r 
9lnWartfd)aft barauf, bon bem Herausgeber eine§ ©efangbud)§ um 
neue SRetobieen angegangen gu werben, atö in Stmftabt mit acfytgetjn 
Safjren in 9tmt unb SBürben gu ftolgieren. Stttein 99ad£) war fein 
tjtefiger, fein £altifd)er SDhififuS. ®iefer Umftanb fällt nid)t in§ 
©ewidjt, ba tro& gretjlingljaufen nad) berfdfjtebenen 9tngeic^en unb 



80 m. 3)q8 grdjfingljaufeitfdje ©cfattgbu^. 

Stnbeutungen angenommen toerben fann, baf$ e§ feine§lüeg§ blofc 
$atttftf)e äRuftfer toaren, meiere SRelobtcenbeiträge geliefert fjabeit. 
©pitta felbft teilt bie Süiutmafcung mit, monadf) ber Sapeflbireftor 
®refen in Slrnftabt bereite in ben beiben erften Auflagen bie 9Ke= 
lobie ju feinem eigenen Siebe „©eelentoetbe, meine greube" ge= 
liefert t)abe, eine SKutmaftung, toeldje fidf) fo fefjr fcon felbft aufbrängt, 
ba% baburef) allein fdjon bie 9lnnat)me, toonaef) nur £attifcf)e SKufifer 
mitgeltrirft tjaben fotten, erfcfyüttert ttrirb. Söadj roeilte aber, ttrie 
gejagt, um jene $eit in Slmftabt, unb bie ©etegenfjeit ergab fidf) 
bafjer fcon felbft, baft er burdj ©refen in S3e§ie^ungen ju gretyling* 
Raufen gebrad)t ttmrbe. 

©igentümltdf) ift baä £>auptargument ©pittag, ba§ bie 93eteili= 
gung 93adj§ an ber 1708 erfcfjienenen vierten Auflage begljalb eine 
bare Unmöglic^feit fei, toeil 33ad) gerabe in biefem !3afjre in einem 
erbitterten Streite jnufdjen einem Drt^oboyen unb einem 5ßtetiften 
auf (Seiten be§ erfteren geftanben fyabt. 2)iefe Slnnafjme ift fdfjon 
be§^a(b gesagt, toeil bie trierte Auflage, tro^bem e§ nadf) bem £itel 
fo fdjeint, 1708 gar nidfjt erfdjtenen ju fein braucht; fie fann, tt»ie 
bieg für 93üd£)er, toeldfje im $erbft jur 9lu3gabe gelangen, bon altera 
l)er üblidfj getoefen ift, borbatiert fein. Slttein angenommen, fie toäre 
im 3. 1708 ttrirflid) erfdfjtenen, fo finb bod£) bie neuen Beiträge früher 
unb, ttrie bei einem fo ttoluminöfen SBudfje ju Vermuten fte^t, unter 
Umftönben geraume Qtit früher in ^jänben f$ret)lingtjaufen§ getoefen, 
atö ber $)rucf begann unb fomit jener (Streit jtüifdjen bem Drtfjo* 
bojen unb Sßietiften fpielte. 

©pitta benft fid£) enblidf) bie (Stellung ber Drttjoboyen $u ben 
5ßietiften im allgemeinen ju fetjr im ©tue ber SBittenberger tfjeolo* 
giften gafultät. Stuf beiben Seiten gab e§ nidfjt blofc ®ampffjäljne, 
namentlich) unter btn Salarlofen nicfyt. 2)a§ gretjlingl)aufenfdfje ®e= 
fangbudfj fanb feiten^ ber Drtfjoboyen Ijeftige S3efel)bung, aber audj 
Stnerfeunung, ttrie bieg auf pietiftifdjer ©eite mit ©enugt^uung fjer* 
ttorgeljoben ttrirb. Unb bei toeitem mar nidfjt {ebermann um jene 
3eit Drtfjobojer ober Sßietift, e§ gab eine grofte Söftttelpartei, unb 
ju ben Organen biefer SÖJittelpartei gehörte nadf) ©pittag eigener 



X)te 3Hdjtnemtmt8 ber Slebcrbid&ter. 81 

9lu8fül)rung @d£)emettt3 (äefangbudf). 3)ort finbcn fid£), ttrie er fagt, 
$tetiften unb Drtfjoboyen einträchtig nebeneinanber. SSon gretyliug* 
Raufen Ijat ba3 Sieb „SRein £erj, gteb bidf) jufrieben", fcon 2t.£j.grandfe 
ba§ Sieb „©ottSob, ein (Stritt jur ©ttngfeit" 2tufnat)me gefunben. 
Spitta meint, man begreife iti btefer öermittelnben ©altung, ttrie 
93ad£), bem bte muftfalifdfje ^erfteHung be3 (Sefangbudjg übertragen 
mar, jur Slufnafjme bon 18 SRelobteen beg gret)lingljaufenfdf)en ©e- 
fangbud()3 !am. 3)ie§ Hingt plauftbel, f pridjt aber me^r für atö gegen 
W äßafjrfc^einttdjfeit, bafc 93ad^ eine anbere ©teffung ju bem %xtty 
Kngtjaufenfdjen ©efangbudfje einnahm, atö ©pitta annehmen ju muffen 
glaubt. * 

®er fcon ber SBtttenberger ttjeologifdfjen gafultät fo fdfjarf ge* 
rügte Umftanb, bafc gre^Itng^aufen bie -Kamen ber getftlidjen Sieben 
bid£)ter nidjt nennt, ift ja ot)ne grage auffattenb unb ttrirft infofern 
befrembenb, atö e3 bei allen Stuf lagen fo gehalten ift. SSon einer 
blofcen SRücfftdjtgloftgfeit gegen bte 2)td£)ter läftt fidf) bennodf) nidfyt 



1) 3« 1 ^tyri* 1896 erhielt ba% 3)ireftorium ber gfrancfefdjen (Stiftungen 
r»on einer auäfctnbifdjen&ommiffton, welche ftdj mit l^mnologifdjen 3reftftet= 
Jungen ju befdjäftigen Ijatte , ein ©efudj um Mittel unb 28eg $ux 9(ufbecfung 
ber muftfaltfdjen 5lutorfcf|aft einiger Hummern im feiten £eile be8 3rretyling= 
fjaufenfdjen ®efangbudj8. 2lm ©djluffe ljief$ e§ : „©ollte jebodj in Sfjren 9ln= 
ftalten feine $rabition über bte 2ttufifer unb Sieberbtdjter be3 §rei)lingljaufen= 
fdjen ©efangbudjeä aufbewahrt worben fein, glauben ©te, bafc bie Kantorei 
ber Xt)oma§jdjule in Seidig barüber ju berieten toüjstc?" 3>ieje grage 
war baljin ju beantworten, bafj e$ in ben Stiftungen an allen Überlieferungen 
barüber feljlt. SBenn trgenbwie (jtymnologifdje (Sntbecfungen in benfelben $u 
madjen wären, fo würbe fie 3>antel gemalt Ijaben, welker üon 2fltd)aelt3 
1834 bfö Oftern 1870 fjier Ijerüorragenb aI8 Seljrer gewirft tjat, unb beffen 
t)9mnofogtfdje unb liturgifdje arbeiten fämtlidj im SBaifenljaufe entftanben 
ftnb. 3<fj felbft, ber idj üon einem anberen ©tanbpunfte 3ntereffe an bem 
©efangbudje naljm, tjabe trofc aller 93emüfjungen ntdjtä gefunben als ein alte$ 
<£§orafbudj unb ein SKanuffriptfragment über bte Sieberbidjter. 3ntereffant ift 
ba§ ©djretben ber Äommiffton namentlich wegen ber vermuteten 93ej$ietjungen 
ber 9ftelobieenbetträge jum Seidiger £ljoma8fantorat, ju 3- ©. SBac^S 
üorne^mfter SBirfungSftätte. 

©c^ürtnann, Qux Qte\$iü)U b. $udföbtg. b. SS. 6 



82 III. $aS ftrcijltngljaufenfdje ©efanö&udj. 

n — _ 

ofjne tt>eitere§ reben; ba§ SSerfafjren fd^eint in ptetifti jrf>en , aber feinet 
tt)eg§ au^fd^lie^Itd^ piettftifd^en Slnfdfyauungen begrünbet. ©pener toie 
2(. £. grancfe gelten nid)t Diel Dom 9iamen§ftolä unb SftamenSfutt. 
©ef)r ridfjtig lüäre Ijier bie Sintoenbung , bafi bte ^ßietiften mit ifjren 
Warnen madfyen fonnten, toaS fic tüottten. SBeun alfo gretjltngfjaufen 
atö Sieberbid^ter ntdfjt genannt fein tooöte, fo mar hierüber fein SBort 
ju Verlieren , nnb tl)atfäd)Ud£) Ijat er e§ für feine Sßerfon fo gehalten; 
erft ©ottt)itf grancfe Veröffentlichte in feinem SBorbertdfjt jur ©efamt- 
ausgäbe ba$ SSerjeid^ni§ ber fcon gret)lingl)aufen Ijerrüfjrenben 44 £te= 
ber, toeldjeS er hei üebjeiten fcon ifjm felbft erhalten Ijatte, fo ba§ ber 
Sefer tfvax ben Herausgeber grerjlingtjaufeu at§ £ieberbid)ter fennen 
lernt, aber im 2)unfeln barüber bleibt, bafs u. a. ber filaffifer be§ 
beutfdfjen SirdjenliebeS, 5ßaul ©erwarbt, mit 83 Siebern in bem &e- 
fangbudfje Vertreten ift. 

S)ie S3erfdE)tt)eigung ber Sieberbtdfjter ift jebodj ben Sßtettften nidfjt 
eigentümltdE). SBenn toir un§ in ber nädtften 9?act)barfct)aft umfe$en, 
fo ttmrbe bieä SSerfaljren 5. $8. geteilt burcl) ba& biet fpätere ©truen^ 
feefc^e ©efangbud), toeld)e§ 1757 in $atie, bem ©aalfreife unb bem 
preuf$ifd)en Anteile ber ©raffdfyaft SKanSfelb jur ©infüljrung gelangte, 
©elbft bie neuefte, im 9Kan§felbifdjen nodj im ©ebraud) erhaltene 
3tu§gabe nennt feine $)td)ternamen. ©benf toenig ba§ alte 3)re3bner 
©efangbud), n>eld)e§ big jur Einführung be§ $rot>injialr©efangbud)§ 
in ben ehemaligen furfäd)ftfd)en 2anbe£teilen ber Sßrotrinj ©ad)fen notf) 
immer in SSertoeubung ftanb. 

Sltö ber 5ßieti§mu§ längft um feine 9Kad£)tftettung gekommen tuar, 
luarf ®ird)ner, Sfrd^ibiafonuS an IX. S. grauen, in feiner unten ge= 
nannten ©djrtft 1 , toeldje tu 33ejieljung ju grerjlingfjaufenä ©efangbud) 
ftefjt, bie und eigentümlich) flingenbe Srage auf: ob e§> ratfam fei, 
bie Siebertoerfaffer anzugeben ober ju !ennen? Sllterbing§ erflärte 
er, ba$ er ftd) mit SSeanttoortung berfelben nidjt toeitläuftg aufju- 



1) ßirdjner, 3. ®., ßurjgefaffte •ttadjridjt öon filtern unb neuern Sieben 
uerfaffem. anfangs öon Sodann §einridj ® rif djotü im 3)rucf erteilet, nun* 
me^ro aber üerbeffert unb üermef)rter. ©alle, 1771. § 10 ber SSorrebe. 



Solj. £. ©rifc^oiüS ftorfdjungett Ü6cr bie Steberbidjter. 83 

galten brause, ba foldje§ bereite fcon anbeten gefdjefyen fet, toobei er 
auf bk bon £>Ieariu§, ©eijffart, Scfyameliug, 28e£el unb ©ottfcfyatbt 
angeführten ©ntfcljeibungägrünbe bertoetft. ®ie 9lrt btefer ©rünbe 
nennt er nidjt, fie ergiebt fid£) aber fcon fetbft au3 bem Umftanbe, baf$ 
biefe @ett>ät)r§männer fämtlirf) über bte SieberbtdE)ter getrieben fyabtn. 

3)er mit ben älteren Stnfdjauungen ntd)t SSertraute f önnte geneigt 
fein, einen anberen ©runb atö beftimmenb für ba8 SSer^alten Sret)- 
lingfjaufen§ anjune^men: bie Nennung ber ®td)ter fjätte nämlid) 
argeg ©tücftoetf iltiitn muffen, benn nad) ber SBetfe, ttrie fidf) ba£ 
©efangbud) in feinen Seiten jufammenfejjte, toaren biefelben erflär- 
lidjertoeife tnelfadf) unbefannt. 

2)ie§ f)at ju einer fcerbienftootten gorfdfyerarbeit Stnlafj gegeben, 
toeldje, obfdjon au§ bem 3Baifent)aufe hervorgegangen, urfprüngtitf) 
nidfyt im $lane lag. 2>er SSorfteljer ber SMbelanftatt, $olj. $. @ri~ 
fcf)Ott>, ein ^eolog mit p^ilotogifd^en Neigungen, unb eine fcotte 
©eneratiön lang mit gretylmgljaufen im SBetfe 9t. £j. grancfe§ ber= 
einigt, unternahm e3 beim Erfreuten ber ©efamtau£gabe, alfo nadj 
bem £obe gret)tingljaufen§, bie Sieberbicfjter $um ©egenftanbe ber 
Unterfudfjung ju madfjeit, toobei er mit einem SSer^eid^niS berfelben 
für ben eigenen ©ebraudj begann, lüelrf)e3 einfttueilen redjt lücfenfcoll 
auffiel; boclj !am ifjm feine (Stellung al£ SSorftefjer ber SMbelanftalt 
unb bie tneitDer^lpeigten SSerbinbungen berfelben $u ftatteu, fo ba§ e§ 
N i^m gelang, immer meljr Slutoren ju ermitteln unb ifjre Seben^ber- 
pltniffe feft^ufteaen. 

Unterftü&ung fanb ©rifdfjott) an einem „regierenben 3?eid^§= 
grafen", ber auf bie nämttdje Stuf gäbe Verfallen toar, feinen eigenen 
Sftamen aber berfdfyitnegen fyaben tooltte. x ©r foH biet 9Nüt)e barauf 
bertoanbt unb feine Soften gefreut Ijaben, um bie nötigen Duellen 
Ijerbeijufdfjaffen' 'unb fie burdf) fd)rift(idE)e ©rfunbigungen $u ergänzen. 

Sirdjner mar jur $eit mit ber Neubearbeitung be3 „^jäöifcfyen 
neuetngerid^teten ©efangbucf)§" (1744) betraut getoefen, U)eld)e3 bie 



1) Sßadj bem 5(rcf|it) ber SBud^anbhmg ttmr bie« ber regierenbe ©raf 
Sfjriftian ©rnft fcon ©tol6erg=28ernigerobe. 

6* 



84 HL 2>a3 ftreijlingljaufenfdje (Sefang&udj. 

Steberbidjter, fotoeit befannt, nannte, unb be§^a{6 toar er mit ©ri- 
fdjolü in 9Katerialau3taufcf) getreten, ©rifdfjom — erjagt er — fei 
immer bon neuem angegangen toorben, fein 33erjetdjni§ 5U beröffent- 
liefen, inbe§ fycibt er bamit fortgefe^t gezögert, ba er feine Sammlung 
noef) bottftänbtger l)abe machen ttjoöen. ©nblidj fjabe er nachgegeben 
unb ba% SSerjeic^nig im gormat ber ®efamtau§gabe gret)üugtjaufen§ 
bruefen laffen, aber in fo menigen ©jemplaren, bafc e3 gar mcfyt in 
ben Raubet gelommen fei. ©r f eiber, Sirdjner, fyabz nun bie ©ri= 
fdjotüfdje Slrbeit im einzelnen burdjgenommen, teitö geftridjen, teitö 
ßufä^e gemadjt unb bk Hummern nadj ber ©efamtau§gabe eingerichtet. 
9Kit Setd^tigleit übe^eugt man ftdj au§ ber fcon ®ird(jner erft 
ber Öffentltdfjfeit jugänglid^ gemalten ©rtfdjotofdfjen Slrbeit fcon ber 
Sanglüierigleit unb bem SDWifjetooöen berfetben, intereffant nic^t allein 
burdj bie (Srgebntffe münblidjer unb fdfjriftüdjer ©rfunbigungen, fon* 
bem audf) burdf) bie bericfytigenben ^iotijen unb CueKenangaben. 
3)ennod() blieben naef) bem abgebrueften SBorberidjt ©rifdfjotoS Dom 
$. 1753 nodj 292 Sieber übrig, beren SJerfaffer man bamatö nicfyt 
!annte unb fcon benen biZ jur Sßubltfation ber ©djrift im 3. 1771, 
mie Strdjner fagt, audfj nur fjin unb nrieber einige entbeeft toorben 
ttmren. 



IV. 

in bsr srßim ^älffe b*« 18* 3Iaf>rfnmb*rfe. 



1$or altem ift ^tcr eins feftsuftetlen. 3)a§ SBaifenljauS tüäd£)ft 
fid) toenige 3<rf)*e nadj &** ©rünbung ju einem großen titterarijdjen 
3>nftitut au8, in meinem triff enfdjaftlidje unb praftifd)e Sntereffen ber 
toerfd)iebenften 9lrt, jebod) ftetö Strdje unb @d£)ule gettenb, geförbert 
toerben, unb bie 33ud)J)anblung ftellt in erfter Sftetfje ntdjtS öor atö 
bie ©efdjäftgträgerm biefeä 3nftttut8 r erft in Reiter SRei^e fann fie 
afö eine felbftänbig operierenbe 33erlag3anftalt genommen toerben, 
unb anä) bieg nur mit einer bebeutfamen ©tnfdjränhing. Dfjne bie 
Sßerfönltdjfett, oljne ba§ Stnfefjen unb ben ©inffafj grancfeä mürbe bie 
$8ud$cmblung felfeft in bem, tt>o fie au§ eigenem Vermögen $u Ijan- 
beln fdjeint, nidjt ba§ tjaben borfteHen fönnen, tt>a§ fie in ber 2^at 
öorgefteltt Ijat. 

S)rei ©nippen öon Unternehmungen finb e§, toeldje unter gün= 
ftigeren SSorbebmgungen bejügltd) be§ Duettenmateriafö fjier nod) jur 
eingefjenben SBeljanblung !ommen mufften: abgeben bon ber biblifd)en 
Sitteratur, toeldje im jtoeiten 2tbfd)nitt fcortoeg jur Sprache gefommen 
ift, bie Geologie, bornel)mIid) bie burd) 91. £j. grantfe Vertretene 
pra!ttfd)e£ljeologte, fobannbte5ßäbagogt! unb enbltd) bie gelehrte 
Sitteratur, ju ber fämtlidje gafultäten ber jungen Untoerfität $aHe 
beigefteuert Jjaben. 

Slttem boran ift jeboct) eine§ SRanneS ju gebenfen, beffen -Warne 
mit ben Anfängen be3 SBaifentjaufeS auf£ engfte bertoebt ift: $f)üipp 
3afob@pener, 1635 — 1705, baS£aupt be3$ieti3mu§, ber bäter= 
lidje greunb grancfe§, melier in ifjm fein SSorbilb fjodf^telt, fottne 



8G IV. Xer S3aif«i$au§toerlag in ber erften ^»älfte beS IS. 3a$r$uitbert§. 

bcr Serater unb ftct» berette görberer feiner ^ßläne unb feine» 3Sir= 
fen§. &. Gf)r. ftnapp 1 fagt: „^n ben 2penerfd)en 3?orfd)lägen (pia 
desideria) liegt ber Sem $u Dielen ber Dor$üglid)ften3beengrande3'' 
Stdjerlidj: tt>a§ ber milbe unb 5uriirff)altenbe S pener geiftig pertrat, 
Ijatgranrfe in bie Jfjat umgefejt 2 , toobei nur ntcfjt Pergeffen toerben 
barf, bajj aud) ©pener feine Vorgänger fjatte. finapp felbft Pertoeift 
barauf, bafs fcfjon beffen <2traf$burger Seljrer ^ann^auer unb Sebaft. 
Sdnnibt ftatt be§ üblichen S3erfe§emng§eifer§ mefjr Gifer jagten für 
tljätige3 Gljriftentum. für praftifdje llntertoeifung in ben 9ieligions= 
lehren unb für bo» fo fef)r Pernad)läffigte ©ibelftubium, unb gelangt 
be^fjalb ju bem Gnbergebniffe: „e» ift nidjt ferner, in 2pener§ Schriften 
SannljauerS ©djüler $u erfennen: fo übereinftimmenb finb ^ann- 
fjauer§ Ginfidjten unb ®runbfä£e mit ben feinigen." 

SBie im erften Kapitel Perlautete, batiert grantfe ben Anfang 
ber Sudjfjanblung Pom erften 83erlag§tt)erfe <2pener§, ber Grflärung 
ber erften Gpiftel goljanntö, welche £ftern 1699 erfdu'en. £anüt 
ftefjt nid)t gan5 in Ubereinftimmung, ba% granefe, als er unterm 
20. Sejfir. 1G98 ben Gingang be§ SRamiffriptS $u biefem SBerfe 
beftättgt, an Spener fd)reibt: „Tie33ud)füf)rer lafeen ftdj immer mefjr 
felbft mit un§ ein, unb verlangen Pon unfern ®ad)en, fo aud) biefem 
SBercf tootyl §u ftatten f ommen ttrirb. 3 SBenn alfo jene 9(nnafnne Pom 
Slnfange ber 33ud)fjanblung einer gennffen SWobififation bebarf, fo 
ftefjt bod) aufjergrage, bafe ber 9?ame be§ berühmten Jfjeologen nidjt 
bloft ben SiimbuS be§ jungen SBatfenljauSPerlagS mehren fjalf , fonbem 



1) granfenä Stiftungen I. 8. 82. 

2) §. SHafiuä in feiner „Slnfpradje" $ur geier bes aroeitjunbert jätjrigen 
(Vteburtätageä W. £. grantfe§ (Sunte Blätter. £alle, 1892. 3. 56) urteilt in 
biefem fünfte: „Won Spener angeregt unb burdj eine unmanbelbare Pietät 
mit biefem feinem „teuersten SSater" berbunben, fjat er benfelben bodj oljne 
Sroeifel an fdjöpferifdjer 5lraft übertroffen. Überall roo jener fdjeu ntc^t fotwoljl 
bor ber Gtefafjr, alä bor bem öeräufdj beä §anbeln$ ftdj. in bie Stille erbau= 
lidjer SBetradjtung jurürfjie^t, treibt granrfeä unterne^menber (Seift $ur £§at, 
unb baljer begegnen und allenthalben feine Spuren." 

3) $ramer, <$., ^Beiträge jur ©ejdjidjte 91. £>. grandeS, enthalten ben 
SBrtefroedjfef grantfeS unb ©pener». $alle, 1861. 6. 392. 



2)te atertagS&eatcJjunßen $u ^tfj. 3. ©Reiter. 87 

ii)n and) materiell förbette, inbem er üjn auf ben SDieffen taufdj* 
fähiger machte. 

gür ben SSerfe^r mit ber Stutorenwett giebt ber $8riefwed()fel 
mit ©pener einigen Stnfyalt. i Ign^bef onbere ift banadj bie Sljatfadje 
fjerboraufjeben, baft grancfe in alten 33ertag§angetegenf)eiten bie Sor= 
refponbenj mit ©pener felbft füljrt. ©ine blofie 3(u§nafjme Don ber 
SReget fd)eint bieg nid)t $u t fein; benn feine Wteberfjotte SSejugna^me 
auf bie ©efd&äfte be§ 3ßaifent)aufe§ jeigt, baft er fid) um biefelben 
überhaupt unb jwar im großen wie im Seinen lümmert. 9ftit ©djwung 
unb SBIicf regt er neue Unternehmungen an, bie aud), Wa£ felbft für 
2lug. £j. grancfe ntdjt felbftoerftänblid) mar, ju ftanbe fommen. 
©benfo winft er ab, wo e§ ifjm ju Diel wirb, wie besüglidf) ber Don 
©pener befürworteten Theologia mystica bon 93att§. Söpfe, Welcher 
er fid) balb banad) nid)t§beftoWemger annimmt. Sieben anberen 
gefdjäft3männifd)en Bügen geigt er and) ben ber gefdjäftömänntfdjen 
Sulanj, wofür iljm ©pener einmal feine Slnerlennung au§fprid^t. 

$)ie ©efdjäfte Werben eingeleitet burd) ein ©djreiben @pener§ 
au§ SSerlin Pont 1. Dft. 1698, Worin e8 u.a. f)t\$t: „Sdj t>or meine 
perfon Witt meine axheit über 1. $ofj. ifjrem armenöerlag (ba nidjt 
5Weiffle, ba§ tüie e§ Don anbem Ijabe, 130 exemplaria befomme, 
bit jwafjr an triefen orten al3 bie lodfoögel ftnb, anbre nadjjufjolen) 
überladen." 

2tl§ ©egenletftung für bie Übertragung be§ 33erlag§redjt§ bebingt 
©pener alfo 130 greieyemplare, einegafjt, welche iljm, wie er ^inju- 
fügt, audj Pon anberen Verlegern bewilligt werbe. ©8 War bemnadf) 
fein befonbere§ 3ugeftänbni§ an baä SBaifen^au§, wenn er fid) über- 
haupt mit greieyemplaren 5uf rieben gab. 2)iefe 2(rt Stbfinbung lag 
in ber Sftatur be§ £aufd()fjanbel3, weiter atte baren Slu3tagen, bie 
über 2)rucf unb Rapier unb bie notwenbigen ©efd^äft§fpefen ljinau&= 
gingen, freute unb im allgemeinen ju freuen Ijatte, ba feiner Umfa£~ 
Weife biet Sttuforifdje§ anhaftete. ^jonoraraafjlungen Waren tro^bem 
nidjt au§gefd)loffen; fie fommen feit Slnfang be§ 16. $fafjrfjuntert8 



1) ßratnet, Beiträge *c. @. 193—475. 



88 IV. Str SBatfenfcuitoerfofl in ber erften $älfte beft 18. Sofömtbcrtö. 

fcor unb jeigen mitunter eine anfeljnlidje £>öfjc Slber bic Siegel mar 
entmeber fcollftänbige Slbfmbung in greiejemplaren, ober teite in 
greiejemplaren, teite flingenb, unb biefe Sßrayte erhält ftdj bte in§ 
18., öereinjelt bte in§ 19.3aljrljunbert. 

25ie 3^1 ber bebungenen greiejemplare ift fo groft, ba% fie 
gegenwärtig jur SBefriebigung ber Stadjfrage bei Dielen toiffenfdjaft- 
liefen Sßublifationen auSreidjen mürbe. 3n alter Qtit Ijatten eben bie 
greiejemplare in ber £anb b& Slutorg nidjt lebigltd) bie 93eftim= 
mung f berfdjenft ju toerben. SSon ©penerä Seite fdjeint bie§ 
allerbingS in reichem 2Raf$e gefdjeljen ju fein. Site ber jtoeite Seil 
feiner „Sljeologifcfjen SBebenfen" (1701) fertig öorlag, orbnete er an f 
bafj 5 Syemplare an bk ©mpfänger be§ erften Seite in £alte 
berteilt »erben follten; 12 follten nad) granffurt a. SR. geljen, um 
bort an Drt unb ©teile, toie in ®ief$en, Stormftabt, £anau jc. jur 
Verteilung §u gelangen; 39 toaren für feine Softer in Seipjig 
beftimmt, „bie ordre Ijat in Seipjig, 2>re§ben, ©rimma, ©otlja unb 
anbern orten beftellung ju tfjun." Ser 9ieft follte iljm nad) 93erlm 
gefanbt toerben. 

©pener fagt, bafj bie greiejemplare an irielen Drten bie 2ocf= 
öögel feien, um bie anberen (Exemplare nacfjjuljolett b. i. um bie 9?acf)~ 
frage ju beleben. 6in anbereS umfaffenbereä SRittel mar ber feitenS 
ber gelehrten SBelt inmitten ber litterarifdjen SBerfeljrSftille jtoifcf)en 
bm Seipjiger unb granf furter SBüdjermeffen mit ©pannung erwartete 
SReftfatalog. grandfe erfudjt beSljalb unterm 24. San. 1699 um ben 
Sitel be3 93ud)e3, „ben mir fdjon um e§ in ben granffurter Gatalog 
bringen ju laffen nötljig gehabt fjätten." SRit ber SSorrebe eile 
e§ nidjt. 

fiaum ba% ba$ erfte SBerl in 3)rudE gegeben ift, regt grandfe 
bei ©pener ein neue£ Unternehmen an, beffen ©egenftanb bie responsa 
per epistolas toaren, toomit bie „Sfjeologifdjen SBebenfen" gemeint 
ftnb, meldte bte 1701 in §toet Seilen erfreuten, fpater auf bier Seile 
erweitert toerben, unb benen nad) bem Sobe @pener§, bon Sanftem 
herausgegeben, bie „Seiten tfjeologifdjen SSebenfen" in brei Seilen, 
toie jene bier Seile toteberljolt neu aufgelegt, folgen. 



Sie ©djrtften SOtg. $. ftrandc«. 89 

Dbfdjon ©pener nur nodf) fed)£ 2eben3jal)re fcor fidf) ^atte, afö 
er mit bem 33erlag be3 3ßaifenfjaufe§ in SBerbinbung trat, finb bocf), 
teiltoeife freiließ nadj bem £obe, eine jiemlidje Stnjaljl feiner ©Triften 
an benf elften übergegangen, barunter bie ©rflärung ber ©piftel an 
bie (Spfjefer unb Eoloffer, fotote bie umfangreichen Sßrebigtfamm- 
lungen: bie „®tauben§leljre" unb biebon$reitl)auptunb2t.£j.3rancfe 
herausgegebene „Sauterfeit be§ eöangetifdfyen ©fjriftentumS". 

SBenben ttrir un§ Dom Sfteifter jum $ünger, fo erinnert 9tug. 
$. grandeS fdfjriftftellerifdje Sßrobufttoität, tt>ie fid) biefelbe auf bem 
©ebtete ber biblifd^en Sttteratur, ber praftifd^en 23jeotogie unb ber 
nriffenfd)afttid)en Sompenbien äußert, an Sutljer, mit bem er ja nodj 
anbere§ gemein ljat. 3)er elf $af)re nadf) feinem Sobe erfdjienene 
SBerlagSfatatog bon 1738 jäfjlt 39 Dftabfeiten, toofcon 11 (Seiten 
auf grande fommen, ber mit 174 üteln Vertreten ift. Srofcbem ift 
biefer Satalog, ttrie meljrfadf) fjerfcorgetjoben, unboHftänbig, aud) in 
ber 2tufjäf)hmg ber granefefdjen ©Triften. SRan !ann annehmen, 
baf$ mandfje feiner früher erfdjienenen ©dfyriften mdfjt lieber aufge* 
nommen toorben finb, toeil fie Vergriffen unb ntdfjt neu gebrueft tuaren. 

®ie große Qafy jener 174 ©d^riften befielt atterbing§ auS 
5ßfennigartifeln, b.i. au§ 5)3rebigten unb Heineren (£rbauung§fd£)riften, 
allein e§ finben fidf) barunter audf) jaljlreicfje ©rofdjenartifel unb felbft 
bie 2^alerarti!el fehlen nidfyt. Unter Sßfennigarttfeln Ijat man fidj 
immerhin ©d^riftd^en Don einer Shtjaf)! SBogen $u benfen, 1 unb toa§ 
bie ©rofdjenarttfel ju bebeuten Ijaben, jeigen bie oft genannten, 



1) ©uerife, §. ©. g., Stuguft ^ermann granefe. $alle, 1827 fagt 
@. 65 über bie ^rebigten grancfeS, bie ben Keinen (SrbauungSfdjriften ja 
meift ju ©runbe liegen: „Einige Sßrebigten granef en£ finb fo lang, bafc fte 
rooljl roenigfienS 2 ©tunben gebauert Ijaben mögen, ©ie enthalten — in 
3)uobej f bei nidjt feljr »eitern 3)mcf — gegen 150 ©eiten. 3)ie8 finb fveilidj 
audj bie längften, unb bie tneiften finb biel fürger. Überhaupt finb bie au3 
fpäterer 3"t fürjer, al§ bie au§ früherer, alle iebodj, nur bie fogenannten 
furzen Sßrebigten 2francfen8, unb audj biefe faum, aufgenommen, foeit 
länger, atö bie getoöljnlidjen ^ßrebigten unferer 3eit." 



90 IV. 3)cc SBaifenfjcmStoertag in ber crftcn #ä(fte be§ 18. 3af)rl)unbert§. 

17.01 erfdfjienenen unb 1709 jum britten 9KaI ebierten unb ergäben 
„gufcftapfen", meiere 1102 Sfeinoftabfeiten jaulen unb im Satalog 
mit 13 gr. angefejjt finb. 2>ie große 9Waffe ber grandefcfyen $re= 
bigten, mefjrfadj mit Jraftätdfjen bereinigt, finb in Sammlungen, 
ttmd)tige &uartanten, jufammengefaßt unb btlben £ljalerartife(. 
Sieben ben ^rebigten unb '6rbauung§fd)riften finbet fiel) eine Steige 
afabemifdfjer ®ompenbien unb anberer, meift lateimfd)' abgefaßter 
©dfjriften, tueld^e biä auf einige toentge ^u ben ©rofdjenartifeln ge= 
Ijören, bodj fommen audj Sfjalerartifel bor, barunter bie umfang* 
reichen Leetiones paraeneticae, inelcfye in 7 Seilen mit 1 2^Ir. 10 gr. 
6 pf. angefe^t finb. 2)a£ teuerfte grandefdje 33ud() ift bk brei ^cifyxz 
nadj feinem £obe bon feinem ©oljne ©ottljttf herausgegebene (Srflä* 
rung ber 5ßf atmen in jtoei Ouartbänben, toeldfje ofyne bie. umfang* 
reiben SRegifter 2748 (Seiten jäljlen. (Sie foften 2 £f)tr. 18 gr. 

3)ie l)ier beliebte SBürbigung ber ©Triften 9tug. £. grandeS 
nad) Sfjaler*, ©rofdjen* unb Sßfennigartifeln Ijat ifjren beftimmten 
©runb. ©ie fott bog SSolumen biefer ©djrtften einigermaßen beran* 
fdjaulidjen, tt>eld£)e§ nadf) ben fdjeinbar Meinen greifen, bie in ben 
heutigen ©elbtoert umzurechnen finb, ftarf unterf d)ä£t werben lönnte. 
gerner fott fte einen Slnfjalt bieten, menn fid) nad) weiteren Slnbeu- 
tungen etwa bie äReinung regen fottte, ba$ grande nidjt aHein ber 
©djöpfer unb Drganifator feiner Slnftalten auf ©runb frember 
SÖJittet fei, fonbern burd) bie ©rträgniffe feiner ©cfyriften audj unter 
ben SBofjttfjcitem berfelben fyerborrage. 

2)ie Segünftigung ber Keinen (£rbauung§fd)riften, ber foge* 
nannten Sraftätdjen, führte fid) auf ^Beobachtungen be^ügtid) ber 
Verbreitung ber Sut^erfd^en ©dfjriften jurüd. 3fr feinen öffentlichen 
StnfpradEjen an bie ©tubierenben ber Geologie 1 öerroetft grande 
barauf, ba$ 2utl)er§ ©djriften faft gan§ in Slbgang gefommen feien: 
„'Die flehten ©djriften, bie SutfjeruS a part ^erau§ gab, bie gingen 
in bie SBelt fjinein, bamit trugen fidf) bie Seute, ba§ lafen fie burdf), 



1) grande, 9t. §., Leetiones paraeneticae ober öffentliche $fn- 
fpradjen ?c. «toben 9tuftage. 1730. I. ®. 300. 



$ie litterctrtfdje fcljättgfeit unb bie EageSgefdjtifte ftrandeS. 91 

ertoedten fidj unb ftärften ftd) ; Ijemadj, ba fie in tomos gebraut Sorben, 
fo fonten§ bte Seute nictjt meljr bejahten; a part fönte ntan§ nid)t mefjr 
friegen, atfo (jat bie Sefung ber Sänften Sutljeri aufgelötet." 

3Kit ber ,9lu§nu^ung biefer praftifdjen ßeljre mürbe ntdjt ütet 
geteiftet* toorben fein, toemt nic^t bie ©Triften 21. £j. grande£ ben 
©egenftanb ber gürforge gebilbet Ratten. S)er lebensfrohe, ljumor- 
fcotte (Sinn unb ber fidj barauf grünbenbe 'fcotfötümUdfye 3ug SutljerS 
fefjlt ja grande; bennod) ift er für bie bebrängte, toenig lebenSfreubtg 
ftimmenbe 3 e it ber Sftadjttnrfttngen be§ großen, o^ne ©leiten t»cr= 
tuüftcnbcn SriegeS ein gottbegnabeter SSoIföfdEjriftfteHer. SSott Grnft 
unb innerer SBafjrljeit, bott ©entüt unb ^eräenStoärote, ein äßeifter 
anfdjauficfyer, einbringenber Sftebe in ungefudjter gorot fyat er burdf) 
feine Seinen ©Triften ju ©unften ber SKrdje, ©djule unb $au3 
reformierenben 93etoegung mädjtig getoirft. 

SBenn bie £age§gefd)äfte grande§ aud) nur fo obenhin über- 
fragen roerben, ift bie gülte feiner fdjriftftettertfdjen £f)ättgfett ben- 
nodj faunt etflärltdj: bie Seitung unb SSer^altuug fetner Slnftatten, 
bieSßrofeffur, ba§ Pfarramt unb tnSbefonbere bie praftifcfye ©eelf orge, 
bk er münbltcr) unb fcfyriftltd) ühte unb toeldje mit feinem Pfarramt 
bielfad) gar ntd)t jufammenfjing. * 9ln SRitteilungen über feine @d)tag- 



1) 91. &. Ziemet) er fagt hierüber in granfen3 Stiftungen IL @. 143: 
„So wenig bie 9(bteljnung eines buref) un$ä$lige Heinere unb größere ©efdljäfte 
fo bejdjwerlidjen 2fmt§, tote ba§ afabemifdje ^rorectorat ift, bei) einem 
Spanne wie granfe, auf bem eine fo ungewöhnliche Saft r»on ®e= 
fdjäften lag, audj nur ben ©djeüt ber SBequemlidjfeitältebe f)ätte fjaben 
fönnen, fo glaubte er bodj feine ^tmtöpftidrjt unerfüllt laffen gu muffen, unb 
übernahm, ba tyn bie 3Reir)e traf, aud) biefe. Gr fjat ein äufcerft genaue^ 
Xagebucr) über biefen 3 e itabfcr)mtt gehalten unb ein anbereS nidjt minber 
genaue^ Qournat feiner übrigen täglichen ©efdjäfte, ba§ burd) biele 
Saljjre fortgeführt unb gum %fyt\[ nodj borljanben ift." — $ie S3ebrängni3 
grantfeä buref) bie bieten ^Infyrüdje an feine Inapp bemeffene geit namentlich 
in [einen testen Sebenäjafjren fdjilbert SBogafcfty in feinem felbft gefdjriebenen 
SebenSlauf, ©alle 1801, @. 125: „(£3 $attt nemtidl) ber fei. 9Wtfdt)fe (<Sr= 
bauer be§ 23aijenljaufe8 in @d)leftfdj=©laud)a) an ben §ercn ^rofeffor granfe 
einen SBrief gefdjrieben, unb id) bat um eine Antwort, ©r würbe aber burdj 
(o biele überhäufte Arbeit, ber; fdfyon fef)r abnetjmenben Gräften, immer abge= 



3»<> IT I*r gct r i rtii ifrrr . ni 3 Je: =ncr $üftE Je* X. ^ iiirlnirtr g. 



1701 fn±CTCD2E xrl ~7v* sot l r: : r r . Äxl dknzz xx& eia^uren 
^ÄÄrirrna:*. xKixK 11«>2 g kuLuliU 'irizE >öta xx* in Ämcbq 
an: 13 rr. arös: rx^_ X:* cr^gt Arne 3«r *rzxrfr«d«i $rc= 

-» i. *■ 

nm±r,y £jLnmsx. yPrmnrrjräife: nJ fröai XbslenirtifeL 

Xcfcex i*x ftafriaai xx^ fefrrTTrpnferrizM «J« nefe eine Stäbe 

s^bex^fe: «tÄPfs^^r xx* rubrer, occ IrsrrHtfr cfegerc&ter 
2-£n*tG:. :r*d±* hie nr r^ia* rc±jf ji >a: <*rSiwLinifeln qe= 
feriex. *o± i?z*=zsi rx± Xic^zrnfri wr. taxxter fe umfang 
rei&ex L?^:-ihs w&~-?ä5K>. xxidbt ix 7 Xeikx nä 1 ISix. 10 gr. 
tr. ^ngees; nad. Xc* xacr ' jt J*zzz£ädbc 3?x£ rot Me fciei 3abre 
trifc «rsex Jr>e rm »eises 2otef (»Ädril» IwTJswgciiegeBe (rrflü~ 
rang ber Halmen ix »ei Cara&fx^. irciie rfcxe to nmfang~ 
rndjen Segiuer 2745 2eiren u&ex. 2i£ iräx 2 Xblr. IS gr. 

Xie hier beliebte Ssurbigicg l*x 2dsiirret Äxgu Ö- $rancfe& 
ridi 2bzlex-. (äroidbez' ratS ^^ean^inifels bat ibrtn feemmmten 
Cromb. Sie icü p:i§ Getane» Inder 2<fcri*OT eixigcnBj&ai oeran- 
icbantiifeen, w<ldK£ ncdb ^e^ icbeinfor Üräen $reHex. cie in ben 
beutigen (Setinven unnuredEmen nn2>. naxf maerHba&t »ersen Kumte, 
gerner ist! ne einen Slnbalt bieten. nwnn neb nadb weiteren SCnbeu- 
Hingen etwa tnt SReimmg regen feilte. Sas fremde nitnt allein ber 
2<bep»er unb Crganiiarar »einer Simulien auf $nmo frember 
iJtinel iei. ionbern bnrtfi bie (rnragntfie feiner Schriften aueb unter 
ben Sobltbätern berielben beraorraae. 

Xie ^cgihtftigimg ber flehten (rrbauungeübrihtn. ber foge= 
nannten Xraftätc^en, fübrte nib ^uf ^eebaebtungen btytglicb ber 
Verbreitung ber Sutfjeridjen Sinnen ^uräd. ^ n feinen öffentiieben 
%n}vrad}cn an bie Stubierenben ber Sbeotogie 1 Dertueift granefe 
barauf, baß £utf)er§ Schriften raft gan\ in Abgang gefontnten feien: 
^Xie f leinen Schritten, bie SutbemS a part beraub gab, bie gingen 
in bie Seit fjtnein, bamit trugen fieb hxt Seute, ba§ taten fie burdj. 



1; ftxandt, 3f. £». r Lectiones paraeneticae ober Öffentltcbe Än= 
fpraa)en k. *inbm Auflage. 1730. I. S. 300. 



$ie litterarifdje X^ätigfeit unb bie XaßeSgeTdjäfte ftrancfeS. 91 

ertoecften ftd) unb ftärften ftd) ; ljernad), ba fie in tomos gebraut ioorben, 
fo fontenS bie ßeute nid^t meljr bejahten; a part fönte mcmä nidjt meljr 
fliegen, alfo fyit bie ßefung ber ©Triften ßutljeri aufgelötet. " 

9Kit ber .Sluänufcung biefer praftifdjen ßeljre mürbe nid)t Diel 
geleiftet korben fein, toenn nid)t bie Schriften Sl. £. grancfe§ ben 
öegenftanb ber gürforge gebilbet Ratten. S)er lebensfrohe, {juntor^ 
fcoHe Sinn unb ber ftd) barauf grünbenbe 'bolfötümlid)e 3^9 ßutfjerg 
fefjlt ja grancfe; bennodj ift er für bie bebrängte, toenig lebenSfreubig 
ftimmenbe Seit ber SKadjttnrfungen be§ grofjen, ojjne ©leiten Der* 
iuüftenben SrtegeS ein gottbegnabeter SBolföfdjriftfteller. SSott ©ruft 
unb innerer Sßaljrljeit, bott ©emüt unb ^erjen^tuärme, ein äReifter 
anfdjaulidjer, einbringenber SRebe in ungefudjter gönn fyat er burd) 
feine Reinen ©Triften $u ©unften ber Sirdje, ©d)ule unb £au§ 
reformierenben SBetoegung mädjtig getoirft. 

SBenn bie £age$gefd)äfte grancfe§ aud) nur fo obenhin über- 
fcfjlagen toerben, ift bie gülle feiner fdjriftfteßertfdjen 2^ätigfeit ben= 
nod) faum erflärlidj: bie ßeitung unb SSertoaltung feiner Slnftalten, 
bie^ßrofeffur, baSSßfarramt unb inSbefonbere bie praftifdje ©eelforge, 
bie er münblid) unb fdjriftlid) übte unb toeldje mit feinem Pfarramt 
totelfadj gar nid)t jufammenljing. 1 2ln SRitteilungen über feine ©d)tag= 



1) 9t. $>. ■ftiemetyer fagt hierüber in granfenS (Stiftungen IL 8. 143: 
„So wenig bie TOteljnung eines burdj unaäfjlige Heinere unb gro&eie öefdjäfte 
fo bejd)tr»erlid)en 9(mt§, nrie ba§ afabemifdje ^ßrore ctorat ift, bei) einem 
9flanne wie granfe, auf bem eine fo ungeioötjnlicrje fiaft oon ©e= 
f d)äf ten lag, aud) nur ben ©djein ber SBequemlidjfettSüebe f)ätte fjaben 
fönnen, fo glaubte er bodj feine WmtS^ffidjt unerfüllt laffen gu muffen, unb 
übernahm, ba Ujn bie Steige traf, audj biefe. (5r l)at ein äufjerft genaues 
Sagebudj über tiefen 3 e itabfd)nitt gehalten unb ein anbereS nidjt minber 
genaue^ 3ournaI feiner übrigen täglidjen ©efdjäfte, btö burdj biete 
3afjre fortgeführt unb jum £fjeü nod) oorljanben ift." — 3)ie SBebrängniS 
grancfeS burd) bie Dielen ^Intyriidje an feine ftiapp bemeffene 3eit namentlich 
in feinen legten ßebenSjafjren fdjttbert SBogafcfto in feinem felbft gefdjriebenen 
SebenSlauf, £aKe 1801, S. 125: „(SS fjatte nemlid) ber fei. 2Rifd)fe ((Sr= 
bauer beS 2Baifenf)aufeS in Sd)tefifd) = ©taud)a) an ben £>emt Sßrofeffor granfe 
einen ©rief gefdjrieben, unb id) bat um eine Antwort. ©r ttmrbe aber burd) 
fo triefe überhäufte Arbeit, bet) fdjon fef)r abnefjmenben Gräften, immer abge^ 



92 rr. Sex GntakAcUsf tx kr rrfex fccfar *S Ä. 3ifr1n,.rtr tt 



imigfdt mib Hifcritlfrcn *eüi e? 12 T7*tc Zif «~*e?rrttk»ii€s biblicae 
1 1695t beqomi rr v 3*-. im dson ix. 5trc ucrana ^xrmnb mit bem 
(rnxoginftf bfriftttn yn. mn^frni^a, Hc&ei fr bemnfi. bo% fr fid) 
bif nrngf ^äx vzm Äbfnbfrrrr zbcttzzibt* habt. Seinen 
3hxbigttn nnb aibercn exfradidien 5cnr5j*en kg fön geprbneieö 
Grocott \a (Traube, irmbera H*^ eine Zi#*rutirn: nt nmrben 
nad^eidniebfn nnb. nüduYm fr *ie hsntevfcfn. ia bn Xnuf ge^ 
geben. 1 3Ü* griebrid) iKlbebn L in J. 1713 bö* Sotjenlparä 
Sräxfctf . nmrbe fr nmfc est bea 69021 genftn nnb bra <mf ben für 
QüTtr&gßyn>c&£ TTE^tubcn BdsrribfTtbrT anrnfri^am. Brandt bemerfte 
Sei ber @df£|f&bm: mit £ü*e bie*fr (nnxidsnmg id ieine ^foftille 
pritasbe gefpmmen. M fr nidst Me 3fii habe, aSU Sötte anf^u- 
icferriboL 2 

Zu* ^axfralrriDilfginm ber 3hu&fcmbbiBg frnm&e. mie wir 
gegeben b&ben. meinen B-dmf ^nsädrit cur ziit biejenigen Schriften, 
iDdibt fL & ^ramff >ettrc ^nm $n$e n be * öüiie nftanie « beraub 
geben iperbe. Sififi $n$en !ühh fein blr%e§ SSort geblieben fein. 
SÜeiber fehlen bie nötigen ltareriagen . nm fix» SRennrag barnber $u 
begribiben, mekbe raian^ifüe 3kbentsng nt tnr bie ftnjtalten gefiabt 
baben. 3 fhir ir md iwtb man, bat ibrt Sedfaemmg eine gan$ 



baiien. flle üb mm nrieber einmal um auf Sharon an&ieh, nnb noiffce&te, 
es marine nv$l fcier bie Timmen *c$r noäiig yam, bnmn bcx gmt Kamt bei 
Vinen abmalten ia (Glauben gruaiit ronibe, v bai er, üb mabte am je^t 
»enriwnen, baxn fr hobt ir pide friere nwb imhefimmona Segen: baS falle 
ifcm mm«fannT in ber Staat ein, nnb lxi^e üjc nute ^slcrcs: bod^ glanbe er 
gQQ gern, ba§ fr girmrilm monl Ki nnb brnt>in xbxie6e v mo e» sunt fo nöt^ig 
■wir, hingegen nunuben nrtineten ^net $n Vfnrtben wmn&egt: kn wdte für 
am beten. 3^ margexn niD, baids ha* wn San nönt.* 

1; gmnfen* 3tmnngen IL S- TS- — Uniexm 15. C£l 1714 ß%t gmnde 
bn4 ^PnibflBfT an ^ler* ? ber nd) ant ber ^eä^iger Akftae&imeiie befanb r 
bie w ^i«^oüiion kiner gemigen $adtnxnag«=^tbigt 4 ' sebjt bex^lu^em 
ttaxs ienben. (Xxdnn ber fhubbanblung^ 

2 f JEramer^Kene Zernage x, e^ 145. 

3) %ak Bertram, &e*6«nte ber €. ^- 5- 15 be&ei neb ba» tirtifigiitö 
tefam fOafeiat geidhniebenen Ohsemtknes biWk*e. mdifre* er ^fir dnen 




3>ie Sei Breitling ber gründeten (Schriften. 93 

ungetoöljnltdje toax. SSon ben Keinen ©rbauung3fdf)riften Reifet e3 t 
baß fte, trojjbem bei ber erften 2)rucflegung mehrere Saufenb @yem- 
plare babon ^ergefteüt mürben, a§U bi& je^nmal neu aufgelegt 
korben feien. *■ 

@in§ biefer ©dfjriftdf)en „"Die Seljre Dom Slnfang ß^riftttd^en 
£eben§", 6 Stoobejbogen ftarf, erfuhr fogar einen fedf)jeijnmaligett 
SReubrucf. 2>er t»er6rcitctfte Sraftat ift ber „(Sinfältige Unterricht, 
tt»ie man bie fettige ©djrift $u feiner magren ©rbauung (efen fott". 
(£r taucht sunt erften Sftal in ber 1702 üom SBaifenljaufe ebierten 
2)uobe5bibel auf. 'Sann erfdfjeint er unter ben Keinen (£rbauung§= 
fünften in (Separatform jum greife Von 2 pf. SSom $. 1775 an 
brucft tjjn bie 93ibelanftalt regelmäßig tljren 2lu3gaben bor, unb ifjrem 
33eifpiele folgt fpäter bie preußifdfje ttrie bie fäd)ftfdje $auptbibet 
gefettfdfyaft, fo ba% biefer Sraftat gegenwärtig in SKiHionen Von 9lb= 
brüdEen Verbreitet ift. 

ÜRodj lange nadf) bem 1727 erfolgten £obegrancfe§ muffen feine 
großen unb Keinen (Schriften eine ergiebige ©nnajjmequeHe für ba% 
23aifenljau§ gebilbet Ijaben. 9?odf) breißig Saljre fpäter mürben SSer- 
jetd^niffe ber Keinen ©d^riften befonberS gebrucft unb Verbreitet. 
©tn§ biefer SSerjeidfjniffe, toelcr)e3 jur „Inventur über bie Keinen 



verarmten fjreunb in ÜRagbeburg Beftimmte, auf 161 £ljjtr. 23 gr. 7 pf., eine 
für bie (Srtragäfäfjtgfett JJrancfefdjer ©Triften intereffante, weil leiber ver= 
einleite $0% 3)abet ift $u bebenfen, baß grancfe um bie 3eü ber $bfaffung, 
im 3. 1695, nocij ntdjt grancfe war; ferner, ba$ bie „ÜRonate", lote bie Ob- 
servationes fdjledjtweg genannt würben, gelehrter Statur, mmbeftenS ntdjt für 
bie große SBolfSmaffe beftimmt waren , unb enblidt) , baß ba% Unternehmen im 
©rfdjeüten nidjt weit !am, ba eS bem 2lnfd)etne nadj auf einen SSinf (Spenerä 
abgebrochen würbe. 

1) 31. §. 9Hemet)er fd)reibt 1794 in fJranfenS (Stiftungen II. 155: 
„3)te afcetifdjen ©Triften beS feL granfe gewannen audj ein immer grö&ereS 
publicum, wo$u feine Iefcte Steife nidjt wenig beigetragen §aben mochte. 
2)a§er tonnten gfei<£ bie Auflagen fo ftarf gemalt werben, baß, nad) ber 
ifcigen Sage be3 33ud$anbet8, !aum ber 5te ober 6te X§eü von bem, wa3 
bamatö übltd) war, felbft bet) gut abge^enben SBerfen, ju brucfen gewagt 
werben fann." 



Xraftate unb ^rebigten" benuft tnorben ift, man im 3. 17S8 Me 
Sagerporrate pon 117 betfetten nadj. (^egenttxirttg ratben fid) in 
betn alten Sagerfjaufe nnr bit befdjetbenen Sene oon 24 großen unb 
Heineren Sdjriften bes Stiftern por, trü£bem einzelne berfelben 6ie 
tum legten ^afmtfynt neu aufgelegt roorben unb. 

3n Slnfefjung beifen, nra» afrancfe avub burrfj bit (rrtragmffe 
feiner Schriften für ba* Saifenaau» geleiftet 6at, berührt es eigen= 
tümlidj, roenn er unterm 7. £ft 1699 an Spener fcfcretbt: .6* foüte 
ja bißig ein jeber Professor theolosiae 500 Tblr. öaben. Xenn 
accidentia von Collegiis fjaben wir gar nidjt ... Xa tcfj nun 4 %ahx 
lang ratione professionis gar feine SMotÖung empfangen, bamarf) 
nur 100 X§lr. jar)riict| empfangen, hingegen für meine Pastorat- 
befolbung einen Adjuneten gehalten, bis nun enblid) 200 Jtyr. aber 
obne fundo assi£miret roorben, bat mir *roabr ®ctt mit meiner &aufc 
Haltung nmnberbarlidj burdjgebotffen, a6er icb babe mir bit 9?ü= 
djer, bit idj öffter§ jur rechten "Verwaltung metner Profession notbig 
genug gebrauchet, nicbt anfdjaffen fonnen, meiere» gewiß feine 
geringe ©inberni§ giebet, ex omni parte feinem Amt ein genügen 
ju rfjun." 1 

Unter ben ©efjiifen grantfes mar t§ $ob. "Änaft 5repiing = 
Raufen, weldjer firf) nad) bem ±obt bts Stifter« ber Reinen Gr= 
bauung«litteratnr äimafmt, unb nad) bem Hobt gret)lingt)aufen£ 
wieberum ber 2o(m be§ Stifter», ©ottfjilf granefe. Xie 3nöenrur 



1) Sramer, 'öeitrage S. 416. — grrepltngtjanfen er^lt m feinem 
gebenöuuife (fjranfeirö Stiftungen n. €?. 319): „%t einem gewrffen Salario 
— afö ftbjunft 3francfe§ — tjarte e3 ber liebe $rof. Sfranfe wotjl mdjt fehlen 
tafjen; aber er $atte felbft pon ben ^aftoralemfünften nidjt fo piel, al§ bie 
nötigen Soften ber §an§l)alrintg erforberten. $a3 Stetcbtgelb bötte jwar ben 
übrigen fdjtedjten ©efjalt in etwas erfefen foraien: beffen wir mt§ ober balb 
begaben: tmb twn ber ^rofeffitm tjatte er mehrere 3at)re loeber geller luxfj 
Pfennig emjratefynen." 55cm ftet) felber iagt fjrernmgbaufen, bafc er wäbrenb 
ganzer Jtwntjig 3<u)re, 1695— 1715 , Weber Sülarhnn nod> SCcäbentien 511 
genießen t)atte: in ber erften 3eit »an« $mt«4 §abe er and) bie Äteiber Don 
feinen Altern erhalten. 



v 



XaS päbagogifdie 253 ir feit ?lug. $. grandc*. 95 



öon 1788 toeift eine 39? enge f (einer Jraftate t>on bent einen unb 
bem anberen nadj, jebod) roeber in ber Qcüjl unb nod) biel memger 
im Grfolge ben Stifter erreidjenb. Sie fo lange fortgelegten SSerfudje, 
feinem äktfpiele fjierin nadjjueifern, fpredfyen nnr für bie ibeale unb 
praftifd)e äkbeutung, meiere bie Sraftatlitteratur für ba§ 28aifenl)au3 
erlangt fjatte. £ajttrifd)en lag nun ber Job be8 ©ttftetö unb ber 
SRiebergang be$ $ieti3mu& S>ie8 befunbet fid) barin, baf$ fclbft bie 
£raftate Sluguft £ermann£ nur big jum $♦ 1743 SWeubmtfe erfahren, 
menigftenS nad) bem jener ^ntoeutur $u ©runbe liegenben 93erjci(^ni§, 
meines reidf)lid) fünfjefju %af)xt nad) ber legten üReuauflegung eines 
jener ©df)riftd)en gebrudt morbeu ift. 

3)er 9Jame tfrcfcjlingjjaufenä fjat fid) burd) fein ©efangbud) unb 
einen SReft geiftlidjer ßieber erhalten. Um feine 3^it mar er aud) afö 
Sdjulautor auf bem ©ebiete be§ 9lefigton3untcrridfjt§ in meiten 
Greifen befannt, monut mir bog mistige ©ebict ber ^ßäbagogif 
unter 2lug. Ig. grande berühren. 

Ser 3 u f* an & btx meiften Schulen, ()öf)erer mie nieberer r mar 
um grantfe§ 3 e ^ äufjerft mangelhaft unb oft gerabeju ffäglid). 
©pener madjte auf folgenbe SDiängel aufmerffam. Sie fateinifdje 
Sprache merbe in ben gelehrten ©djulcn faft einzig unb allein, unb 
bodf) nid^t iftectmäjsig, getrieben; ©ried)ifdf) Diel ju menig unb $c= 
bräifd) faft gar nid)t; nadfj ©elcgenjjctt jum Unterricht in ben Sin* 
fangSgrünben anberer nü(jlid)en Senntniffe frage man toergebenS. 
£er 9ieligion3unterrid)t fei blofceä ©ebädjtntemerf; ob ©etft unb 
Sraft ber df)riftlid)en ©laubcnSlefyre aud) auf bie $er$en ber Siinber 
etnmirfe, barum fümmere man fidfj gemöfjnlidf) nidjt. 2)ie ^eilige 
Sdjrift merbe in ben ©djulen menig gebraust unb bie moralifdje 
SBilbung faft ganj bemadfjläjfigt; jmar !omme bic!3ugenb mit einigen 
Äenntniffen bereichert au3 ben öffentlichen ©dfjuleu IjerauS, aber 
moraltfdf) gemöljnlicf) fdjlimmer, atö fie Ijincingcfommen fei. Sßon ben 
Sefjrcrn !önne man nidfjt meljr crmarten, ba fie c§ felber nidfjt beffer 
fennen gelernt, ©ine SBefferung fei baljer nur in ?lu§ftdfjt $u nehmen, 
menn man bie ©djulamtSfanbibatcn für ifjrcn midjtigen 33eruf forg~ 



3*5 TT Zxz Wfai&ufcnia» .«y -3 je ^ricr eüfte X* Ä juli Innnr sS. 



Tiurq aracz^z xö Ina» nüer» p: iaczr ätieL* . n* mim y',- ri'te, 

gr.riy& n». rc 3cn*x ferinr tq 3cr 3at xn^er Crnnr\crr her 
erarie TnnnrrJg Lumina; ÄranL £: icncrcrE näc xrr irr= 
psänxr xü ^ t ?t: i tnr zr ler unr önt x anJijrtf'i ScfyTUng- t&r~ 

$£taiBczx3E . : Druden: *z ji» -* * nn frrnä tttf Jrfcxi nJ 
löt i'£Tsr xrl . : «ärr-nre Servier nf >is Säm.* xrl erä 



anrer :x aar rn*cr i*Li Zeo^iirrJg xrl mar äer Zcrrxälzsb 

— xl i»rie: rrfrrire *cm£* nrr 1er iafru'ifrinriäroa. UCtndiL 
Zßj ci yri'ii "3 31 n Vtttt JLrrrr.l-irr rmrr. 3c$ Ire Icnc äungai 
jirtf^riäüT rsm imm iranmm* 2nl:£T£xJ* jueite. xtddx 
Tgwrig: irrsr EnÄx jb'npn: Cum Irrö mor ScäöcfeEra mit 
le: Urturrrii: ozirr ^snn "t^-tvi»» rnyr iteiiaac TrnrfSglirfi 
nawräi 1 -irr (gen 1 i i ixr n^ ^raerni i nr ler iinr x3iiQai 
firre ,-mt3 fr uie: Sm-nra rr. ܣ STtJnrmthgx. ndbf am 
rrSenrlirön: irüt 1« Sir3fTiircvg aräere rnnJcr, niMtcm to& 
rliprmrTi* Snrmrr zsL 2ir iru?er ^ThrirrnJeE. n* eb* ihrer 
feüü unrrrer ür jgrm^hrrrai flgnrbV:. iwxr Sc lern xnemiäMidb 

^EÜpTKr rrrrr l»cr brmAb^rn: ftTüria: Tirmt Ii» j&czz Bcnänaz, 
i*DB Sen±QazrmL pr&^r^rTitrinim sök^9X3L. tu ikb ex?, xm >iöel6en 
jjn ripnrirhni mrpnnjti^iijci: £ ( £brmi rkx pcktrnr SdtmljEKde 
xxsspomtaL 

Z'üf jrtippnTflftdic mt> Ihrörripe >cr lum iinn änpmltocB $rä- 
errtraen ü»cnwni> ^nauic i»üiüli, &r$ er ^c ab eine faümm ie 



2) Jtacja ir grimla» eOTnnpcn IL S. ST iL ff. 
3SB5. £.LT».7l 




$ie ©dju(6fi$er 6i8 au Äug. $. grande« Seiten. 97 

Sefjrmetljobe banb, ber fie genau ju folgen Ratten, 3fm übrigen 
ftanben fie unter Sjnfpeftoren, gereifte unb in bie grancfefd^en 3fbeen 
eingelebte SRänner, toelcfye borfommenbe geiler aföbalb berichtigten. 

Dbfdfjon grande ba§ ^pauptgettridfjt auf bie religiöfe unb mora* 
lifdfje SMlbung legte, mürbe bie ©eifteäfultur n\ä)t jurücf gefegt, 
ja e§ toirb mit 6ntfdf)iebenfjeit betont, baf$ bie 3francfefdf)en ©deuten 
bie meiften übrigen ©deuten toon ®eutfd()lanb, fotoeit fie überhaupt 
in SSergleid^ ju sieben toaren, audf) in 9(bftd^t ber geteerten unb 
tüiffenfd^aftüd^en SHlbung ifjrer ßöglinge bei weitem übertrafen. 

®ie ja^Iretd^en jungen Schulmänner, toelc^e unter biefen 93er* 
ljältniffen bon $affe ausgingen, Verbreiteten bie grandfefd^en Sbeen 
unb bie „£allifdf)e SRetljobe" nadf) allen SBinbrid^tungen. 3m engen 
ßufammenljange bamit ftanben bie^aßifd^en Se^r mittel; bie „SBai* 
fenl)äufifd()en" (Srammattfen rc gewannen be§l)atb mit ber ßeit roeit 
unb breit SBoben, felbft in folgen Striaen be§ SanbeS, tt)o bie 
perföntidf)en SBe^ieljungen fehlten. 

^ie ttridjtigften ©d^ulbüd^er Ratten bi§ ju grancfeS 3 e ü en fatö- 
mittelalterliches (Gepräge. SRodj immer tjörte man Dom S)onat reben. 
®er 5)onat ftanb für ben aHe§ bej)errfd)enben Sateinunterridjt in 
ber praftifdjen SSebeutung obenan, unb näd^ft biefem au§ bem 4. Saljr* 
Ijunbert ftammenben römifdfjen ®rammati!er fam, ebenfo eljrhmrbig 
burd) fein Sllter, $ri§ciami§ in 93etradf)t. "Sie ^errfdfjaft biefer beiben 
Seijrbücfjer erftrecft fic§ über ein gatjrtaufenb. ^f)xt Autorität toax 
burdf) bie SReformation feine§meg3 gebrochen, toenn audf) burd) an* 
bere, auf ljumaniftifdf)em SBoben getoadfjfene ©rammatifat jeitmeitig 
erfd()üttert toorben. 9lber balb richteten fie in gorm Don -fteubear* 
beitungen öon neuem ifjre $errfdf)aft auf. Über bie 2)onatau3gaben 
Ijält ba§ Sßrtoitegientoefen big an unb in ba3 18. ^aljrljunbert hinein 
feine fdjirmenbe $anb, unb $ßri3cianu§' ©rammati! ttrirb nodj um 
bie 9Witte beSfetben al§ allgemein anerkannte ©runbtage atte§ 2atein* 
ftubiumS gerühmt. 1 



1) ßolb, (£f)r., $ie ftäbtifdjen Sateinfäulen am (5nbc be3 Mittelalters. 
<Sdfttü. $atl, 1887. <S. 13 u. ff. 

©d&ttrmann, ßnr ©efdjtdjte b. Bud&SMg. b. 2B. 7 



93 n*. tn StaifatfrmttKriag in ber crom $älfte be$ 18. Sofönnberfö. 

SMand^erlei ^n^eidjen ipretben bafür, ba% bie älteren 3Sertag&= 
tataloge grunbjä&lidj nicht attei nennen , tnai bc& &aijentjaui an 
Sebrbücfyern unb Scfjulfcöviften berötfentlicbt bat Schriften Don mefjr 
örtlicher iöcbeutung, tote bie ber beutieben Schulen, freuten gu fehlen, 
gfir ben uorfiegenben 3**^ tonnen audj nur iolcbe Cbjefte in 2te= 
traebt tommen, bie in ben allgemeinen 3?ücberarfebr übergegangen 
fmb r unb hierfür giebt ber Gebart ber Seliger SReife ben nötigen 
Snbalt. 

^n ber ©rö6e bei SReBbebarfi jtebt Joachim Sang ei $er~ 
belferte unb (rrieiebterte Satciniicbe Grammatica, 1703 in erfter 
Staffage eriebienen. noran: fic war berufen, eine befonberi begünftigte 
©rbin Xonati uub $?rüciani $u werben. Tie Grammatica entjtanb 
in ber Sorge für ben Sateinunterricbt ber eigenen Söhne Sänget 
unb gewann balb ein iolcbei 31nfeben. ba§ üe \am allgemeinen ®e= 
brauch ber Schulen in ber Warf ^ranbenburg anierfeben mürbe. 
Sie Sänge erzählt. 1 fceriertigte man bann im Jnterttte einer 55er= 
liner Scbulfaiie eine „aeboppeite Grammadcam Marehicam. majorem 
unb minorem**, welche mit ibm in Wettbewerb treten tollte: inbei 
behauptete fieb bie ietnige ionberlicb auch im @ebraucbe ber ^*rttMit~ 
kbulen. wabrenb bie Grammatica Marchica außerhalb bei Sanbei 
mrgenbwo Aufnahme gehmben haben ioQL $ei btefer einen erffärten 
3troalin blieb ei nicht Jn ber achten Auflage iefst Sänge fieb 
gegen ben 3tagrüf eine? eben erschienenen neuen Xonati \nr Sehr. 
Xer Herausgeber beiieihen batte bie S*orficbt gebraucht, bei biefem 
Stagrm hinter einem anberen Rettung \u incben wai Sänge bamit 
enmeberte. bas er neb in »einer (^rammatil ^wichtigerer ®etä)afte 
falber* angeblich burtb einen Stubcnten ber ^hüologk miielcu liefe. 
9rt bieder @degenb*ü fommt ber intertfiantt Urnftamb $ur Sprache, 
Mb ber neue Xonat. nach feinem I. Jefl getcba$t. nabeln brei 
jtfofabete narf werben. alH> ein Schulbuch *cn etwa 69 93ogen 
haben »erflte. wahren* Sanae ei bei 29 ¥iwn bemuben iiefc. 



1 ^auftrat Sinken* Sthenüaur x\ *eu fast *tb* oetritiet. $aOt u. 
Seifc^, 1744. S- 174 tt. *- 



SM$iai SaageS Scrbcfferte unb erleichterte Satttitiföe Grammatica. 99 

83on ber 19. Staffage an rourbe bte Grammatica auf ftefyenben 
Safe gebracht. 2:er £auptbeftimmung£grunb hierfür nrirb fclbftöcr^ 
ftänbütf) SBerntütberung ber £erftelfung§foften getoefen fein. Stuf ber 
JKücffeite be§ Jitetö wirb nodf) ein anberer ©runb genannt. „Xantit 
biefe ©rammatic — ljei§t e§ bort — Don 3>rutffel)tern me^r unb 
meljr, ja enblirf) gan$ gereiniget unb alfo in btefem (Stücf ein 
redjt accuxate§ ©djutbud) ioerben unb bleiben möge: fo toerben tn3 
fünftige bie ©Triften nicf)t me^r au£ einanber geleget werben, fon* 
bern nacij ber SBcifc beS ©anftetntfdjen SBibelroerfö beftänbig fteljen 
bleiben." Süfo bie fdjroadje Seite unferer Stttoorbern, 33ücf)er, fetbft 
Sdfntlbüdfjer, feiten lorreft ober roenigften3 leiblich forreh fjerftelfen 
ju fönnen. 5>ie SMbeüjerftellung Ijätte babei au3 bem ©erebe bleiben 
f ollen, berni fie madfyt ftefjenbe Srucfborridfjtungen au£ ben Der- 
fdnebenften ©rünben unbermeibtieij. S8erbefferung8fäl)ige (Schulbücher 
f ollen aber fotdfye 33orrtdf)tungen nid^t begünftigen, benn fie laufen 
babei ©efa^r, auf bie Sänge ber $e\t bem gebanfenlofen Stbltatfcfyen 
gu berfallen. 33ei ber Sangefd)en Grammatica fällt in biefer 33e= 
jietping auf, \>a% bie lefcte Sluftage, meiere 1819 erfdfn'en, nodj 
immer bie 45 Seiten lange Stbfjanbtung „SBon SBerbefferung be£ 
Sdfnttroefen3" enthält, in toetdfyer Sänge ba3 (Sd^utroejen oom Stu= 
fange be3 18. Safjrljunbertö, bie gebrüdfte (Stellung ber Sejjrer im 
©nlommen mie im foäalcn Slnfeljen u. f. ro. fd^ilbert. 9Wan foffte 
glauben, ba% fid^ in Inmbert Sajjren hierin mancherlei geänbert Ijaben 
muffe. (Sbenfo medfjanifdf) roirb im 3-1819 bie 1717 t>crfa§tc Slnt* 
roort Sange§ an ben neuen 2)onat*33earbeiter nochmals abgebrudft. 

Sange§ Grammatica Ijat in bem 3eitraum Don 1703 — 1819 
runb 60 Stuflagen erlebt. 33i3 jur achten Stuflage mürben jebeSmal 
3000 ©jemplare gebrudft, fpäter, wie berStutor berietet, 5000 ©jem- 
plare. gür jenen ßcitraum tft ein fold^er ©rfotg ungemein ^od^ ju 
öeranfd^lagen, nid^t btofc toegen ber biet geringeren Qdfjl ber 33e- 
Dotierung im Sanbe, fonbem aud^ auS bem ©runbe, roetl bie ©dfjut- 
büdfjer in alter Qdt bon einer ©eneratton jur anberen bererbten. 

®a§ jtoeite, roeit Verbreitete Setjrmittel au3 St. £. grancfe8 Qext 

tft bie 1705 juerft erfdf)ienene SSerbefferte unb Erleichterte ©rie= 

7* 



100 IV. $er 9Batfenfjau?öerrag in ber erften £älfte bt» 18. 3ü^unbert8. 

ctjijdfje Grammatica, oljne Nennung eine§ ?tutor& 3(jr Urfprung 
ift in $5unfel gefjütlt, nur ifjr Site! beutet an, ba§ 2ange§ SSer- 
befferte unb (Erleichterte Satcinifd^e Grammatica atö Sßorbilb ge* 
bient l)at. l ©efc!jtd)tlic!jeg barüber enthält ba§ SSortüort $u ber öon 
S- £>• ©rifd^ott» beforgten lateinifd^en 91u3gabe (1740), n?eld)e leiber 
nid)t meljr borfjanben ift. 21I§ Urheber galt lange &tit bzx „mebi= 
^tnifd^e ßitterator" Solj. $etnr. ©dfyulje. ©dfjulae roar jebodj jur 
3eit be£ ©rfdjeinen§ faum ad)tjef)n Saljre alt, fo ba% feine 9tutor- 
fcfjaft nidf)t annehmbar ift, 2 roäfjrenb ber Stnnaljme feiner fpäteren 
SRitarbeiterfdfjaft um fo weniger Siebenten entgegenftefjen, al§ bie 
©rammatif {ebenfalls jatjlreidfye Sßitarbeitcr getjabt f)at. 3n iljrer 
erften ©runblegung fd^eint fte eine Äottefrtoarbeit be§ $äbagogium§ 
ju fein, baljer ber feljlenbe Stutorname im litel unb bie SSejeid^nung 
„SBaifentjäufifdfye ©rammatif" im 33olf§munbe. S)te 9ftitarbeiterfd)aft 
befd^ränlte fidfj aber im Saufe ber 3 e tt feineStoegS auf £alle unb 
fein 28aifenf)au§. @& Ijaben fid) Beiträge im SWanufftipt erhalten, 
jo ein ganje§ ©eft „SSerbcfferungcn" Dom Sfteftor SBibeburg an ber 
tatetnifdfjen ©d^ute in Sorben (1758). 

S)ic ©rted)tfdje Grammatica erfdjten 1705 — 1821 in 57 9(uf* 
lagen. ®afcon finb roieberum 24 Auflagen Don fteljenbem ©ajj ge* 
brucft. ;£>a§ Seibige biefer SBorridfytung für (Sdjulbüdjer roirb in einer 
t)om ®önigl. sßäbagogium ben 5. Cft. 1759 batierten 83orrebe ber- 
anfrfjauürfjt. %n bem SSormort ttrirb über toerfdfyiebene, fcon au8tüärt§ 
eingegangene Beiträge quittiert. Sltöbann Ijeifjt e3: „@3 ftnb barin 
tljeitö manche Regeln burd^ fur^e 3 u 1 ft fe e beutlidfjer gemalt, t^eilö 
nodf) mehrere ©yempel jur ©rläuterung fyittjugetfjan, audf) ein unb 
\>a$ anbere roirfltd) toerbeffert toorben. 2)ietoeil fidj aber bodfj ber 
33orratlj foldjer 9tnmerfungen ge^äufet; bit (Seiten biefer ©ram- 
matic aber nidfyt berrücfet toerben bürfen: fo ift man ent= 
frfjloffen, bie bornefjmften berfelben mit nädfyftem nodf) auf ein paar 
Sogen, jum beliebigen ©ebraud^, an§ Sid^t ju ftellen." $>er ftefjenbe 



1) geftf^rift tum 1863, @. 245. 

2) »ttenttiföe »Ittter 1802. I. @. 60. 



Söatfen&äuftfäe ©riedtffdje Grammatica. ftre^iingljaufenS WcttßionSf Triften. 101 

<5a£ berljinberte alfo, anerfannte SSerbefferungen anzubringen — 
„bietoeil bie (Seiten nidf)t berrücfet roerben bürfen." 

Snt 9Migion£unterri<ijt ragt 3otj. 3(naft. greijlingljaufen 
fjerbor. §ür bie oberen Stoffen be§ $äbagogium§ unb ber latei* 
nifdfjen ©dfyule fd^rieb er unter 33enu£ung bon ©penerä ©lauben&= 
Ief)re bie „©runblegung ber Geologie", roeldje ftcf) neben anberen 
SSorjügen burdf) ga^Iid^feit unb mögliche 23ermeibung ber ©djut* 
fpradfje fo empfahl, bafc fie ^a^lrcic^e ©nfüjjrungen erlebte unb bi& 
1774 in 14 Auflagen erfdjien. Selbft Sßrofefforen nrie Saumgarten, 
8oad)im Sänge unb SRambadf), bamalS nod) in 3ena, legten fie iljren 
SSoriefungen ju ©runbe. gür bie mittleren klaffen ber gelehrten 
©dfjulen unb für bie oberen Stoffen ber SBürgerfdfjulen beranftaltete 
greijüngjjaufen einen 2lu§5ug au§ bem größeren ße()rbud()e u. b. X.: 
„Sompenbium ber dfjrifttidfjen ßeljre", ein 23ud) — tote fid) bamatö 
ein ©dfjulmann äußerte — Hein toon ©emid^t, aber toon unermeß- 
lichem SBert, melc^e§ big 1772 in 20 Auflagen erftyen. Seibe 
Südfjer mürben in 9tücffidf)t auf bie SluStänber Don 3fof). £einr. @ri- 
fdjoto nrieberum in§ 2ateinifd)e übertragen unb audj in biefer ©eftalt 
mefyrfadf) neu aufgelegt. Slufcerbem famen Überfefcungen in frembe 
©prägen bor, j. 93. beS SompenbiumS u\& Ungarifd^e. $um ® es: 
brause ber unterften ©dfjulflaffen fdfjrieb gretjlingljaufen enblidfj „S)ie 
Drbnung bereite in gragen unb2lntroorten", fo fafclidf) eingerichtet, 
bafc felbft bie Heinften ber Steinen fie öerftetjen unb behalten fonnten. 
SRambadj in ©iefcen artete bie§ 93üdf)lein fo fjorf), baft er erbauliche 
^Betrachtungen barüber f)tett, meldte einmal)* nadf) feinem £obe, 1736, 
erfcfjienen finb. Sn feinen 1734 erfd)ienenen Satedf)i§mu3~$rebigten 
toanbte fidf) grefcjlingfyaufen anä SSolf, um ifyrn in fct)(id)ter berftänb* 
lidjer Spraye bie öergeffencn 28al)rf)etten be§ &J}rtftentum3 nalje 
ju bringen. 1 

SRit feinen @df)ulbüdf)ern ging e§ iljm äljnlidf) ttrie mit feinem 
©ejangbud^. Sluf ortfjoboyer Seite hmrben fie nid^t fdjledf)th)eg 



1) 2B alter, 2lug., Seben Sodann 9lnaftafiu3 f$ret)Iingtjaufen3 2c. 
©. 70 u. ff. — granfenä Stiftungen IL @. 188 u. ff. 



102 IV. Der SBaifenljauStoerlag in ber erften fcäffte be§ 18. 3al)rl)unbert3. 

mißbilligt, fonbern bebingt gutgeheißen unb empfohlen; bann aber 
folgten ttrieber ©dfjmäljungen toegen d^iliaftifd^er £enben$en u. bgl. 

Unter ben namhafteren ©dfyulautoren jener Seit, too bie Sorge 
für neue unb beut fortgefdjrittenen 93ebürfni§ angepaßte ©dfjulbüdfjer 
eine 2(rt 9ftiffion war, ift noc!) £ieront)mu3 gretjer (1675 — 1747) 
ju nennen, ber langjährige 33orftel)er be£ Söntgl. $äbagogium§. 
grefc)er§ £ljättgfeit ift eine rege unb mannigfaltige; atö ©dfjulautor 
Vertritt er 2)eutfdf), altflaffifdfje ©prägen, ®efd)id)te, ©eogtapljie unb 
Sieligion, faft überall mit ©rfolg, am erfolgreichen in ber ©efdjidjte. 
©eine (Einleitung jur Untoerfal~|jiftorie braute e§ big 1778 51t 
12 Auflagen, feine Vorbereitung baju bi§ 1774 ju 9 Sluflagen. 

2)ennoc!j ift gtetyer am befannteften geworben auf einem anbeten 
Cdzikte, Site Slbelung nodf) nidjt geboten toar, etfd^ien greijerS 
„9tntoeifung jur Seutfd^cn Orthographie". ®ie Orthographie be8 
•fteuljodjbeutfdfjen berhrilbert im 17. 3<* Wunbert. 9luf ber einen 
(Seite lief bie beutfdfje ©pradf)e ©efaljr, fic§ in ®onfonanten auf$u= 
löfen; auf ber anberen ©eite fam nadfy bem ©runbfa^e: „©dfjreibe, 
toie ®u fpricfyft" ber S3ofal ju einer bialefttfd) ebenfo mannigfaltigen 
al£ oft redfyt unfdfjönen SBertoenbung. ®en ©df)ulen madfjte ba3 
S3unterlei fcon 9tedf)tfc!jreibung befonberS ju f dfjaffen, ba ber ©dfjüler, 
tt)ie greijer fdfyreibt, „leidet irre toerben fann, toenn er unter 
fielen ?lnfüf)rern fielet unb alfo nidf)t toetfj, meldte ober reffen 
Schreibart er ftdf) am fidfjerften jum SRuftet borftetlen bürfe." 

3m 3-1717 forberte baljer 9lug. £. granrfe greijer auf, irgenb 
ein Hilfsmittel ju fdfjaffen, um ben ©dfjülern eine fidlere $anbl)abe 
bieten ju fönnen. Vier Safjre fpäter erfdjien bie „2lntt>eifung 51a 
£eutfdf)en Orthographie", ein Ijanblidfjer Vanb Don 426 ©eiten nebft 
SRegiftern unb SßörterberäeidfyniS. x „$>er geneigte ßefer — Ijeifct e£ 
in ber Vorrebe — h)irb bei) 2)urd)lefung berfclben gar leidet toajjr- 



1) Mau) Ar am er, %. §. granefe IL 452 gingen ber gretjerfdjen 9(n= 
toeifung lange Qaljre fjinburdj Vorübungen in ber beutfdjen Orthographie im 
Collegium morum boraud, unb um biefem Unterridjt einen fefteren §a(t 51t 
geben, $abe bann gretjer 1721 nm „SCmoeifung jur teutfdjen Orthographie" 
herausgegeben. 



$ieroitytnud ^retjerS tfnloetfung jur Xeutfäen Orttjografefile. 103 

nehmen, bafc idf) mid) bemühet, bie gan£e Slntoetfung auf einen ge= 
tüiffen ©runb ju fejjen: unb bodf) btn eingeführten vsum scribendi, 
fo Diel nur immer möglid), nidjt nur bezauberten; fonbern bem* 
felben audf) burdf) gute ©rünbe, injonbertljeit aber burdf) eine Ijüt* 
tänglidfje Analogie, fjie unb ia aufzuhelfen." 

SBie greijer Ijerborljebt, mar ber ^auptjtoecf ber „9tntoeifung", 
ber ©dfjule ju bienen, in§befonbere ben grancfefdjen Slnftatten, benen 
e§ „big Ijieljer in biefem ©tücf nodj an einer Ijinlänglidfjen 33orfdjrift 
gefettet". @ttt>aS toeiter bfirfte ber ©ütfluft feiner 9tntt)eifung bor 
Slbelung bennod) gegangen fein. S)ie bier, tüa^rfc^einlic^ nid)t fdf)toa= 
dfjen Auflagen, toeldje big jum $. 1746 erfdjienen, finb fdjon nadj 
9lu3toei§ ber SRefcergebniffe nidjt allein in $aHe fcerbraud()t toorben. 
Sludfj nahmen bie Sanfteinfdfjen Sibeln bie greijerfdfje Orthographie 
an unb trugen fte in toeite Greife {jinein; fpäter folgten fie ebenfalls 
ben 2lbelungfdf)en ©runbfft^en. 

SDiefe groben bejäglid^ ber alten 28aifen{jaug*£efjrmittel mögen 
genügen. SSon melier 93ebeutung biefelben im Sanbe unb über bie 
Sanbeggrenjen l)inau§ toaren, erhellt au§ ben abgeriffenen Fragmenten 
eines SßrtoitegienftreiteS, toeldjer für ba§ 2lu§leben beS 93üd)erprün= 
legientoefcnS, fotüeit e£ lebiglidf) ©etoerbefdjujj h)ar, gleichfalls fcon 
Sntereffe ift. 

(Segen 38eit)nadf)ten 1743 ging ein Schreiben aus Königsberg 
ein, toonadf) bie bortige Kriegt unb 2)omänenfammer bem Sicent^ 
®ire!torium bafelbft 3lnh)eifung gegeben Ijatte, bie anlommenben 
SSüd^erballen nad) grefcjlingljaufeng ©runblegung ber Geologie ju 
burtfffudjen unb tttoa fidj borftnbenbe Syemplare einfttoeilen jurücf* 
jubeljalten. 3)er äkridjterftatter Vermutet hinter biefer Slnorbnung 
ben SSerfudj ber $ßrüritegienerfdjleidf)ung feitenS eineä SönigSberger 
33udf)brucferä. $n ifjrer Slrt neu !ann bie SKitteilung für ba§ SBaifen- 
f)au§ nidfjt getoefen fein, benn ber (Smpfänger berfetben, toofjl ber 
ftetfoertretenbe SSorfte^er be§ 33udfjlaben§, bejeidjnet ben gemelbeten 
SSorgang als eine „neue Slttaque auf unfer Privilegium". 



104 IV. $er 3BaifenljauSt>erlag in ber erfien $älfte beS 18. gafjrfmnberts. 

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SRadf) ber beigefügten 9l6fd)rtft be£ 9leffriptg war jene amtliche 
Stnorbnung bereite im Dftober ergangen unb mürbe auf erhobenen 
©infprudf) URitte Januar jurüdgejogen, wobei Don intereffierter ©eite 
bedeutete: Wenn ba£ Sretyltngjjaufenfcfye £ef)rbuc!j in ben fföniggberger 
©d)ulen ferner beibehalten werben foßte, fo bürfe ber Steugnerfdjen 
33ud)bruderei bafelbft ber SRadfjbrud beweiben niäjt verfagt werben. 

3)ie 9leugnerjd()e Familie in Königsberg, 93efi£erin ber bortigen 
#of* unb afabemijcfyen 33udf)bruderei, ftanb nämlidf) im ©enufc etne§ 
ljunbertjciljrigen, oft erneuerten unb erweiterten ^Privilegiums, wonad) 
fie u. a. auf alle ßefjrmittel privilegiert War, welche ljauptfädf)lidfj ober 
allein in ben Schulen be£ bamaligen Königreichs Sßrcufjen SSerwen- 
bung fanben, unb cbenfo auf biejenigen S3üd^er, welche an beren 
©teile Don neuem eingeführt mürben» 

3)ie§ ^Privilegium cfyaraftertfiert fidf) als 33udf)bruder=$ßrivile= 
gium älterer 9trt. Sein anberer SBudfjbruder beS KönigreidjS Sßreufcen 
Ijatte banadf) bie S3efugni§, ©djolafttf alten $u bruden, weldje in ben 
Spulen beSfelben in SBerwenbung ftanben. SBurben fie aufecr S3er* 
wenbung gefegt unb anbere bafür eingeführt, fo Jjatte bie SReuSnerf dfje 
33udf)bruderei wieberum allein ba& Siedet, bie neuen 33üd)er ju bruefen. 
2)arau3 folgte, \>a§ Wenn frembe, nidfjtpreufcifdje ©cfyulbüdfjer einge- 
führt würben, für bie privilegierte SBucfybruderei ber Slnfprud) ent= 
ftanb, biefelben für ben83ebarf be£ ff önigreid)3 Sßreufjen nad^bruden 
ju bürfen, unb biefer privilegierte $Rad)brud war eventuell $u fdfjüfcen 
gegen bie ©infuljr ber fremben nadf)gebrudten Originalausgaben. 
2)emgemäf$ Ijiefe e$ in bem Privilegium ber SReuSnerfdjcn 33udf)bruderei 
Vom ö.Dft.1640, 1 bafc 

„audf) bie SBudjfüljrer unb 83udf)binber md)te3 tva& offtgebadfjter 
SReufjner alliier auffleget unb brudet, e£ fei) in £eutfdf)er, 5ßol= 
nifdjer, ßateinifdfjer ober £itawijdf)er ©pradje, ba eS audf) fdfjon 
Vorhin anberSWo gebrudet, unb er biejem ßanbe unb ©df)ulen jum 



1) $refjer,(S. SR., $er SBud^anbel unb bie 8ud$änbfer §u ßömgSberg 
in ^reufeen im 18. 3af)r$unbert. (9frd)to für ©efd)tcf)te be§ fceutfdjen 93ud)= 
^anbete. XVIII. 1896.) @. 175. 



SSetfaU ber $Baifenfjau*«2eljnntttel jum prtoüeflterten 9ta$brucf. 105 

beften nadfygebrucfet, Dom geringften bis jum {jödjften aug fremb* 
ben Drten anljero führen, iveniger feil Ratten unb verfauffen f ollen, 
bet) Vermetybung fjöd&fter (Straffe, 33ngnabe unb Segung be£ ^anbete." 
$ie8 anadjroniftifd)e Privilegium Verlebt ju Ijaben, fear ber 
(Segenftanb ber 33efd)toerbe. £er ®rieg§rat 2'Sftocq, roeldfjer bie 
SBittoe 3?eu8ner, SBefi&erin ber $of* unb afabemifd&en 33ucf)brucferei, 
geheiratet Ijatte, erljob beSfjalb filage ntd&t bloft gegen baS ^aKifd^e 
3Baifenl)au3, fonbem audf) gegen eine Slnaafjl ÄönigSberger $rucfer 
unb SSerleger, bie nid)t minber eigentümlich baju famen. griebridf) 
SBilljelm I. toar fd&on auf ben troftlofen $uftanb ber bortigen Schulen 
aufmerffam geroorben unb fjatte unter allen Umftänben auf Slbljilfe 
gebrungen. $aju gehörten beffere Seljrmittel, beren $erfteDung bie 
privilegierte £of^ unb afabemifd^e Sud^brudterei beanftanbete, teil- 
toeife beSljalb, »eil e8 iljr am nötigen ©d&riftmaterial fehlte, iveldjeS 
fie aud) nidjjt anfdjaffen toolfte. $ie3 Ijatte bie anberen ®önig8berger 
33udE)brucfereibefi&er, namentlidf) ben Sud^^änbler Wartung, beftimmt, 
fidf) ber <&>ad)t „mit Vielen Unfoften" anjuneljmen, toeSljalb fie nun* 
meljr ben SSirhingen be8 Privilegiums Verfallen foHten. 

$a3 Sßrivilegientvefen an fid) t>atte e8 nid)t gerabe Verfd)ulbet, 
immerhin aber feinen Slnteil barau, bafc bie ©dEjulbud&litteratur in 
ifjrer ©ntmidtelung tt?eit f)inter ben ßeüanforberungen jurüdtgeblieben 
toar. ©ine amtliche Äommiffion erflärte bei ber ©elegenfjeit, bafc e8 
nodf) gegenwärtig — alfo gegen SRitte be£ 18. SafyrljunbertS — fd>* 
fdEjnrierig fei, einen Äatalog Vertvenbbarer ©dEjulbüd&er jufammenju* 
fteHen, tt>ie iljn bie Privilegierung auf ©djolafttfalien jur SSorau^ 
fefcung ^abe. 3n mannen 3^v^Ö^ Ijerrfdje empfinblid^er äRangel 
baran. $te 3 n fpcftoren unb 9teftoren ber ©d&ulen böten in bem 
ifjnen abgeforberten 33erid)t einen ganjen Satalog Von S)efiberaten 
unb erklärten, in Vielen ©tütfen nid)t ju triff en, tveldje Sudler fie jur 
allgemeinen unb beftänbigen norma Vorfcfjlagen füllten. SlnberfeitS 
gebe e£ ivoljl fdfjon gute ©d&ulbüdjer unb Von biefen feien audE) Ver- 
fdfyiebene rectyiert. 

Su lefcterer SBejieljung toaren bie Sefjrmittel be£ £aUifdf)eu 
SßaifenljaufeS ftarf beVorjugt Sorben, hierüber Verlautet in einem 



106 IV. $>er Söatfenfjauöüerlag in ber erften $ä[fte bc5 18. SaljrljimbertS. 

ber amtlichen 93erid)te: „9?atf)ridE)tltdf) toirb gemelbet, ba§ unter anbern 
biäfjer folgenbe §aUifd)en Sucher in ben fjieftgen, einige faft in 
allen, anbere aber in einigen ©dfjulen gebraucht, audf) bon fjier au§ 
nad) Sßoljlen, $oljlnifd)=$ßreuften, ßurlanb, Steflanb u. f. f. 
tfjeitö rol), tfjeilä gebunbeu geliefert toerben; bon gretylingfjaufeu: 
„$ie ©runblegung ber Geologie", „Definitiones jur ©runblegung 
ber Geologie", „Compendium ber K^riftlidEjen Seljre'' unb bie „Crb* 
nung beg $et)l§"; bon gretjer: „ SSorberettung jur Yniuersal- 
^iftorie", „Fasciculus poeinatum graecorum et latinorum" unb bie 
„Oratoria"; bon goadfjim Sänge: bie Sateinifdje Grainmatica, fo* 
bann bie äßatyfentjäufifdfje ©riedf)ifd)e Grammatica u. f. f." 

Sraft feinet $ßrtbilegtum§ erfjob S'Sftocq nun ben ?tnfprud), 
baft ii)nx biefe in ben SBann!rei§ beSfelben eingebrungenen fremben 
Seljrmittel für ben 93ebarf be§ $önigreidf)§ Sßreufcen jum privilegierten 
9?ad)brud berfatlen feien. 

S8om formellen ©tanbpunfte toäre hiergegen nidf)t biel ju erin= 
uern ge>t>efen, toenn S'ßftocq baä Verlangen nadf) ^erfteßung befferer 
Sefjrmittel befriebigt gehabt Ijätte. 2)a§ Sßribilegtentoefen biente im 
legten ©runbe ben öffentlichen, nicfjt ben pribaten gntereffen, tt>a§ 
in ber altbranbenburgifd^en ©cf)luj$formel jum ?tu§brud gelangte: 
„©etreulidf) fonber ©efefjrbe; gebodf) Un§ an Unfern unb fonft geber* 
männiglidjen an feinen Steckten ofjne ©djaben." S)iefen ©tanbpunft 
bertrat anö) feljr energifd), tüte e§ in ben Elften fjeifct, „bie le£te in 
biefer ©adfje berorbnete Commission". 

2)refjer fagt in feinem eben Gitterten ©efd)id)t§beitrage, ba% ber 
9teu§nerfd^en 2)ruderei au§ ifjrem 5ßribileg auf ©d^olafttfalien aroar 
biete ©treitigfeiten unb $rojeffe ertoadjfen feien, tpeld^e aber fd)liejyidf) 
bodf) ju ifjren ©unften geenbigt Ratten, grtebrid) b. @r. Ijabe utdE)t 
allein bie alten Sßribilegien, bon benen bag fyier in Siebe ftefjenbe 
nur ein Seil mar, beftätigt, fonbern e§ fei audf) ein 33er5etct)ni§ ber 
Sudler, meldte in ben ©cfjuten $reuf$en§ gebrandet toerben follten, 
angefertigt unb bereu 2)rucf üjr allein 5ugefprocf)en korben. 

Sänge genug gebauert fjat ber @treit,"aber bafc er ju ungunften 
be§ 38aifenljaufe§ berlaufen fein foßte, barauf laffen bie Elften nicfjt 



$)er gelehrte SBertog. 107 



fdjftejjen. 3)a§ le&te Stftenftucf ift ein (Schreiben au§ 33erlin b. 25. Cft. 
1749, mittele beffen ba§ 2Baifenfjau§ im -Kamen be8 ©roftfanjlerS 
b. ßocceji in bertraulidfyer SSSeife über bie £ragtoeite beg Don grieb* 
rief) b. ©r. unterm 24. S)ejbr. 1746 neu betätigten 3teu3nerfct)en Sßri- 
bilegiumä beruhigt toirb. S)er ©ruber 2'(£ftocq§, tt>etcf)er nadf) ©i= 
birien berbriefen fei, ljabe bem Könige bie bricf)tigften $ienfte geleiftet, 
toeSljalb möglid^ft 3tüdEfic^t genommen toerbe; foßte aber ber Könige 
berger ß'(£ftocq auf ©runb feinet SßribilegS bie Sudler be§ SBaifen* 
JjaufeS nac^bruden toollen, fo toerbe er, ber ©roPanjler, bie§ 31t 
berljinbern toiffen. 

9lu§ allem geljt audE) Ijerbor, bafc bie ©deuten be8 Sönigreidf)§ 
Sßreuften tro£ fed)3jäf)riger Slnftreugungen ber ©egenfeite bon ben 
£attifd)en Sefjrmitteln nid^t getaffen Ratten, mag unter ben betoanbten 
Umftänben bietteid)t gefdfyeljen fein toürbe, toenn irgenb Srfa& ju bieten 
getoefen toäre. 

©rofcen ©efd^äft^fegen fann bie Sfteubeftätigung be§ SßribtlegiumS 
ber 3teu§nerfc^en gamilie nidfyt gebraut fjaben; benn brie 2)reljer mit= 
teilt, ging bie 93udE)brucferei bon Sof). griebr. 9teu§ner fcfjon im 
$5. 1751 in ben 33efi£ il)re§ ehemaligen SBiberfadjerS, be3 33udf)= 
IjänblerS Wartung, fäuflidf) über. 

SBenn man ben SSertag§!ataIog bon 1738 burcfyblättert, fällt 
bie @d^ul(itteratur trofe ifjrer SBebeutfantfeit am toenigften auf, toeit 
meljr bie@rbauung§litteratur, im ganzen aber madfjt ber Katalog ben 
Ginbrucf eine§ im Sinne be§ granctefd^en großen 2luffa£e§ jur Uni= 
berfität^alfe in enger SBejietjung fteljenben gelehrten SSertagS. £>ie 
»tütest ber Uniberfitcit liegt in ben $at)ren 1700 — 1730, * becft 
fid) alfo fo jiemlidE) mit ber SBirffamfeit 31. $. grantfeS, nadfjbem fein 
3ßaifenljau§ erftanben toar. 31u3 biefer Sßeriobe roeift ber Katalog 
gegen 19 SKitglieber ber berfdjtebenen gafultöten atö Tutoren nact). 
Vertreten ift bie £ljeologie burdE) $aul Slnton, $oadE). Suft. ©reit- 



1) ©Araber, D. Dr. SBWIjelm, ©ejtf)idjte ber griebricf^Untoerfttät ju 
£alle. I. «Berlin, 1894. @. 129. 



108 IV. 2)er 28aifenbau$wrta0 in ber erften §älfte te§ 18. Safjrfjunbert«. 

fjaupt, $of).3). §errnfdf)tnieb, Soadjim Sänge, Sof)- £emr. 9Nid)aeli£ 
unb got). S a fob 9iambadf); bie^uriSprubenj burdE) Suft £• Söfc 
mer, ©im. $. ©affer, $oI). ©• £einecciu§, 3>ofj- $. b.Subehrig, $af. 
grb. Subot>iä, Samuel ©tri)! unb beffen ©ofjn So*)- Samuel ©trt)f ; 
bie äRebijin burdf) 3ftid)ael Sllberti, g^-Srb.gaffebo^m, 3o^. Sundfer 
unb ©eorg ©rnft ©taljl; bie $ßf)tlofopf)ie burdf) S^. S^anj 33ub* 
beu§ unb Sfjr. SeHariug. 

Stuf biefe 19 Uniberfitätögeleljrten fommen 157 33erlag3unter= 
nefjmungen großen ©titö, barunter biete Ouartanten unb Folianten, 
fohrie einjelne bänbereidfje SBerfe. §oad(jim Sauge Don ber tfjeolo* 
giften galultät ift allein burdj 26 Sitel Vertreten, bie fid) in ber 
golge noä) mehrten. 

©inen ©lan^punft be§ ®atalog3 bilbet bie Suri^pruben^ 
SBag^aße an Ijerborragenben unb fd^öpferifc^en Surtften {jatte, finbet 
fidf) in bem Satalog fo aiemlidE) Dereinigt, roenn nicf)t mit allen, fo 
bodE) mit einem guten Seil ber ^aupttoerfe. S3on bem berühmten 
©amuel ©trtyf toerben 11 Unternehmungen tyto. Sontinuationen ge= 
nannt, aße§ Ouartanten unb golianten. ©ein ^aupttuerf, Usus mo- 
derni Pandectarum specimen, erfdfyieu big ^umS- 1780 in aeljnSluf* 
lagen; bie bier Continuationes in je fteben bi§ neun Sluflagen. S)ie 
Opera praestantiora, in benen ber Usus modernus Pandectarum vol. I 
unb II bilbet, roäfjrenb vol. III unb IY bie cautelas testamentorum, 
juramentorum etc. enthalten, hnirben 1746 — 47 in bier Folianten 
ebiert. SSon £einecciu§ finben fidE> bie Elementa Iuris Germanici, 
bi& 1746 brei Sluflagen, unb bie Elementa Iuris naturae et gentium, 
6i§ 1768 fünf Sluflagen, neben anberen SBerfen bor. Sanier b. Su* 
betoig ift mit 7 Sßubltfationen beteiligt, barunter ba§ umfangreidfye 
Unternehmen in jroötf ©roftoftabbänben: Reliquiae Manuscriptorum 
omnis aevi, diplomatum, ac monumentorum ineditorum adhuc, 
fobann bie beiben goltobänbe: Scriptorum rerum Germanicarum 
plurimam partem nunc primum editorum ex Cod. Mscr. SSon IJuft. 
Henning Sommer roeift ber Katalog 11 Unternehmungen auf, u.a. 
bie Consultationes et decisiones in fünf Folianten, toeldEje bret Seile 
bilben; femer ba£ Ius Ecclesiasticum Protestantium in fünf Cuart- 



S)er SöaifenfjauS&erfag unb btc Untüerfität. 109 

bänben, Don benen bie erften bier hiä 1789 in fünf, ber fünfte Söanb 
in brei Auflagen erfdf)ien. SSom Sameraliften ©affer toerben bier 
Schriften angeführt, barunter bie Selectae observationes forenses unb 
bie „Einleitung ju bm öfonom. polittfd^en unb ßameraltoiffenfc^aften". 
9lm reichten gefegnet mit neuen Auflagen ift SuboDici. 33i§ ^um 
S- 1771 erf dienen babon: bon ber Doctrina pandectarum 12 9luf* 
tagen, bom Usus practicus distinctionum iuridicarum 8 f bon ber 
Einleitung jum Eibit=$rocef$ nacf) ber neuen 33ranbenb. unb ©ädfjf. 
$rocef$*Drbnung 13, bom Kriminal =$rocef$ 13, bom ®oncur§* 
$roce§ 10, Dom S33ed^feI=5ßroce^ 10, bon ber Einleitung jum Eri* 
tmntilsSßrocefj 10, bom Srteg§*$rocef$ 10 unb bom 2ef)u£=$rocef$ 
8 Auflagen. 

derartige ÜWotijen finb inbe§ audf) alleä, tua§ fiel) über ba£ 33er* 
f)ältui§ ju ben Uniberfität3= unb anberen (Seletjrten um jene $eit 
mitteilen läftt. (Setbft bie ©efdfjäftäbibliotfjef toeift nur toenig 3 eu 9 en 
jener geteerten Sßublifationen auf; bon fcijriftitcfyen SSer^anbtungen, 
Salfulationen, Verträgen k. finbet fidj nid^t bie ©pur. S^er fdjrift= 
ltdje S5er(ag§fontraft ift ja in borfanbredf)tlidf)er Qtit nifyt burd^au§ 
üblidj, too er jebodf) tote in ben gelehrten Greifen botfommt, ift er um 
fo förmlicher unb getuäljrt einen intereffanten EinblidE in bie älteren 
9iedE)t§auffaffungen auf biefem ®tbkte. 

®ie ftarfe SJertretung ber Uniberfitätäprofefforen unb bie fo 
augenfällig befunbete SlntjängltdEjfeit berfetben an ben SBaifenfjauä* 
berlag beutet auf ein 93ert)ältni§ nidfjt allein jur ©adfje, fonbern aud£) 
$ur $erfon grandEeä. Maä) ber Überlieferung fott grandEe in ber 
9?äfje für ftd£) gewonnen fjaben, toer iljm in ber gerne perföntidj nid^t 
gut loar. derartiges toirb bon (Samuel ©trtjf, freiüdf) in nid^t auf- 
gegärter SBeife, erjä^tt; Don <Strt)f tjeifjt e§, ba§ er, etje er nadf) 
$atte fam, tro£ feiner Hinneigung jum Sßieti3mu§ grancfe nidf)t 
günftig gefonnen ttmr, tjier aber batb fein toärmfter greunb unb ber 
2Bot)ltf)äter feiner Slnftatten ttmrbe. 1 ®ie 5af)lreici)en unb bauernben 



1) gvanfenS Stiftungen II. 1794. ©. 442 u. ff. — dagegen Ar am er, 
*. £. grancfe. I. @. 119—121. 



110 IV. S)er 8Batfen$au8t>evIa8 in ber crftcn Hälfte beS 18. SafjrfjunbertS. 

®efd()äft§l)erbinbungen gerabe mit ben Ijerborragenbften Gräften bei* 
Untoerfität fprect)en aber audf) für gefunbe, t>ertrauenertt>edfenbe ©e- 
fdjäft§grunbfä£e, unb bie Strt ber Sßubttfattonen für einen fct)ttmng' 
öotten UnternetjmungSgeift. 

$ie Slbfinbung mit ben jum Seit fo erfotgreidjen geteerten 
Tutoren ttnrb beäfyalb audj eine anbere getoefen fein, at§ h>a£ oben 
(jerf ömmtict) at§ Siegel bejeic^net ttmrbe. Slutoren hrie Soadjim Sänge, 
©antuet ©trtjf u. a. toerben fid£) nict)t nad) Strt ©penerS mit grei~ 
eyemptaren begnügt tjaben. x SSon ©trtyf toirb jubem berichtet, baft 
er auf feinen SSorteit bebaut mar, 2 toa§ hd ben auf$erorbentlid)en 
©rfotgen feiner ©cfyriften fein 33ortourf fein fann. 2lnber§ ftanb e§ 
mit bem jünger ©trtyfö, $errn b. Subetoig; bon itjm tjeiftt e3, ba% 
ba§ fjotje pretium, tvdfytä er für feine SRanuffripte bon ben 93ud)= 
tjänbtern forberte, biefe Dom $rucf unb itjn Dom SSietfdjreiben ab* 
gehalten Ijabe. 3 Sftact) ben Katalogen be3 3Baifentjaufe§ fönnen feine 
äußeren ©rfotge feine auftergetoöfjntidje getoefen fein, ©etbft feine 
im Siebe bereinigte Yita Iustiniani blieb in ber erften Stuflage ftedten, 
mag nacf) ber Umfa£h>eife be§ SaufdEjtjanbetö atö ©djiffbrud) galt; 
$err ö. Subehug beftritt biefen @rfal)rung§fa&. 

©ettrifs toerben mandje jener mitunter redfyt fd^tüterigen $ubtt= 
fationen utd()t§ eingetragen, fonbern Dpfer, bietteidjt fogar empfmb* 
tidEje Dpfer Verlangt fjaben. 4 darauf jiett ein bei ben Stften befinb= 



1) $te geftfärift tum 1863 ftüfct ftdfj mef>rfadfj auf SRatertafien, bie id) 
ntdjt me§r borgefunben f>abe. $anadj werben aud) einige ©onorargiffern mit= 
geteilt, atterbtng§ au§ etwa$ fpäterer 8eit, in roetdjer ber ©etbwert aber int 
SBergteid) mit bem @nbe be§ 3<*W un bert3 notf) immer eine anfefmlidje §'61)t 
behauptet. ©o foH nadj ©. 247 ©am. (£occe|i für feine Introductio ad Henr. 
L. B. de Cocceji Grotium iilustrat. fol. 1748, beren OrbmärpreiS 1 SRt^Ir. 
12 gr. mar, 1034£fjtr. Honorar ermatten fjaben, SanuS für fein ©djuttertfon 
ber reinen unb sierlic^en Satmität, 2. Stuft. 1753, im ßatatog mit 2 SRt^Ir. 
angefefct, 540$i)tr. in ©otb. 

2) ©Araber, ©efd)tdjte ber grtebri^^Uniperfttät $u £afle I. ©.52. 

3) (Sljartatanerte ber $Budjf)anbtung jc. ©adjfenf)aufen, 1732. ©.51. 

4) g. 5t. ®cf ftein in feiner (£f)ronif ber ©tabt §aüe ©. 100 fommt bei 
ber S)arftedung be§ $erfaf)ren3 gegen ben ^üofo^en ßljrift. SBolff auf baS 



3)te ©tettuitfl beS SBatfenljauStoerfagS jur Uniöcrfttät. 1 1 1 

lidjeS ©d^rtftftüdE Dom 7. 9Kai 1733. (£§ ift bie Antwort an einen 
$rofeffor, weldEje iljm im Sftamen ber $ireftoren be§ SBaifenfyaufeS 
gegeben wirb. 2)er $rofeffor war mit bem 93erlag3antrage „einiger" 
feiner ©Triften gegen ben 33orftetjer be8 93ud)laben§ etwa§ jubringltdj 
geworben , fo baß bie S)ire!toren erflären ließen : barauS, baß bie 
SBerfe anberer ^rofefforen Vom Sßaifenljaufe Verlegt Sorben feien, 
folge nod) nifyt, audf) bie feinigen Verlegen ju muffen; in 9?üdfftd)t 
auf jenen Umftanb laffe fidf) eljer fageu, baß er für feine $wecfe 
anbere tjiefige SBudfyfüfjrer in Anfprudf) ju nehmen fjabe. ©eine ®önigl. 
Sftajeftcit fjabe bem SBaifenljaufe in biefem ©tücf jebe^eit Völlige 
greiljeit gelaffen. SGBoHe er fidj bennodE) über bie $treftoren Ijöljeren 
DrteS befdjWeren, fo hofften biefelben, ba$ and) iljre bittige 33erant= 
Hortung bagegen ©eljör finben werbe. 

Au8 biefen SBorten Hingt bie leife 33orau§fe£ung, baß Ijötjeren 
Drt§ bennodj im ©inne be£ SßrofefforS entfd£)teben werben fönnte. 
^eutjutage Verfteljen wir bie§ nid()t, aber im SßriVilegienjeitalter 
war Jener AnfprudE) nid^t burdjauS befrembenb. 9?ur baiin lag ber 
Irrtum, baß ba§ 3ßaifenljau§ nid^t fpeciell atö afabemifd^e 93ucf>* 
fjanblung unb 33uct)brucferei privilegiert War. SBäre bie§ ber gatt 
gewefen, fo fonnte über jenen Anfprudf) nur bann otjne Weitereg 
hinweggegangen Werben, Wenn ber privilegierte Seil fidE) bie 3rei* 
fjeit feiner (Sntfdfjließung in biefer Skjiefjung gewahrt Ijatte. 3)iefe 



SBerljalten Aug. £. 3francfe§ in biefer Angelegenheit $u fpredjen unb fügt in 
einer -ftote ^inju: „Ob ber Ärger über ben bem SBaifenfjaufe ent= 
gogenen SBerlag feiner (nämlidj SBolffS) ©Triften unb ber Sßeib über bie 
iljm bewilligte ®etjalt3$ulage aud) mitgewirft Ijat, weiß idj nidjt $u be= 
ftätigen." 2Beltf)e gebrutfte ober f)anbftf)riftlidje Überlieferung ben Anlaß $u 
biefer SBemerfung gegeben Jjat, ift nid^t gu erfeljen. S)ie (Sinbrütfe, weldje idj 
bei ber SBefcfjäftigung mit ber SfrÜfeeit be§ ?Baifentjau§öerlag§ empfangen Ijabe, 
ftnb burtf)au§ anberer Art. grantfe brauste für feine 3wecfe ©elb, aber be8= 
Ijalb barf feine SBudjIjanblung ntdjt als ©rwerbSinftttut im vulgären ©inne 
genommen werben. ®egen biefe Annahme muß i§n fdjon ber gelehrte Snljalt 
fetner SBerlagSfataloge fcfjüfcen. SÖlit bem ©eifte beffen aber, wa3 er im offene 
lidjenßeben vertrat, ftnb MeSBerlagSuntemeljmungen unter üjm meines 2Biffen§ 
niemals in SBiberfprudj getreten. 



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2>te Vorarbeiten junt preufeifdjen Stttßemeinen Sanbrcdjt. 113 

benften 2)i§ctplinen, wobei e£ audfj an Sieubearbettungen älterer 
wiffenfdfjaftlidfjer ßitteratur nidf)t feljlt. Seim oollftänbigen Sftangel 
an Elften muft in einigen bejonber3 bemerkenswerten Sitten fetbft 
bie ®arbinalfrage: ob man e3 Ijier mit totrHid^en SSerlaggunterne^ 
mungen ober mit bloßem Sommiffionäbertag ju tfjun Ijat, im SBege 
be£ SnbicienbeweifeS beantwortet werben. 

2)aljin gehört ba3 monumentale ©ammeiwerf, bie grunb- 
legenbe Vorarbeit für ba§ preuftifd)e 2anbredf)t: Corpus 
constitutionum Marchicarum öon ©Ijr. Dtto 9ftt)liu3. (£3 befteljt 
au§ einer 9lnjaljl Folianten, bie in 6 Seite unb 4 Sontinuationen 
äerfaHcn, welche in ben Sauren 1737, 1738, 1740, 1744, 1748 
unb 1751 erfd)tenen finb. 3)a§ Sftepertorium baju, ein goliant für 
ftdf), folgte 1755. 

äftyliuS (1678 — 1760) Ijatte ftdj in jungen Sauren nadj 
einem für^eren 9lufent§alte in Seipjig in feiner SSaterftabt ^atte 
i)äu§üdt) niebergelaffen, fyielt öorübergetjenb juriftifdfje SSorlefungen 
unb praftijierte bei ber bon (jier nodf) nid^t berlegten. 9ftagbebur- 
giften Regierung. Um biefe fttit begann er bie SKagbeburgifd^en 
Drbnungen unb Sbifte ju fammetn, wetöje feit bem Stnfatt be8 
^erjogtumä an Surbranbenburg (1680) publiziert Worben Waren. 
Sm 3- 1706 3um ©t)nbifu§ unb Sd^otard^en ber ©tabt $alle 
ernannt, fanb er im ftöbtifd^en S)ienfte reidjlidf) (Gelegenheit, fein 
Sftaterial §u ergänzen, unb nad^bem er 1710 ein Sßrürilegium auf 
bie oon ifjm beabficfytigte Urfunbenfammlung be§ £er$ogtum§ 3ftagbe* 
bürg erhalten Ijatte, öffnete fidfj Üjm aud£) ba3 SRegierung^ard^iö. 
Unter Senfur ber 9ftagbeburgifd(jen Regierung erfd^ien fobann öom 
S- 1714 ab im SSerlage be3 Sßaifenljaufeä ba§ Corpus constitutio- 
num Magdeburgicarum, 6 Slbteilungen in Duart. 

SBie ^retytjaupt 1 berietet, mürbe SßijliuS auf ÖJrunb biefer 
©ammlung com £ofe oeranlafct, eine Collectio constitutionum Mar- 
chicarum $u übernehmen. 3)ie8 ift irrig; ber Urfprung ber le&* 



1) 3)re9l)auj)t, 3o§. ®(jr. üon, 93ef djreibung be3 <SaaIs(Sretyfe3 ?c. 
#alle, 1755. IL ©. 675 Wx. 378. 

(ö^ttrmann, Qut ©efdjt<$te b. ©udjfjblg. b. SS. 8 



m M ± T? lez MmU aJwiamiz az -3 wz ttSez üOjvl jk& Ia 3ß f \r'i. n jFü t 




-xzzi z>nmniMti\ vzzxax. ii»d l*z 3er £i r »f^ j :i ruf ^jerer ? ^'- ;:tli: " fc 
3<5 c^Kfe&K&zs ^Tä^ä Siii£oi I iiTTTP in» üLL^lcnurjfc: 1z- 
fxiaen inr S'.tiiaerJiLLrr mjeiciiieiunEmsr rta 2ns tttttiz Üfciihie 

zZv&z *z k\\ ^Tzvjtvziw vrr nn»:;r,;a ~\<ztzl ncnnr i»e j*tck Ür3r» 

wftei nz £j*d~Ex >- jcrrajisei T^mTo: icrrräjer öitcx 
tj&si. 2-virz n>iz —z^ä. xdn ii/ä zz jeEzzi- SiTirr? xcz t\tci 
'*zx& -l&rzz-rzÄZJ te'lgzzsezi T^iui Td :ar 5rr3»rzxT5 j^zücl 
i c: a*x3.ii %*zz 'AT'Vzrjzzi.vsLi'jr: rrltf-* ti :unr j T"p j -7ri' , <» im^ 

feitrrrxr^jÄ: r.:3»rn *r xrd "g ftriit. 1 1 nf :snr srrr yrriTirr 

i££-±£r r« rr tr^^i-r^ au* xrZ ^z v*t*t ^ 11 m . 1 , 

b« erit ijm grf-fi-.fr n>rr. 2fr ebesizüp* iutA*. uilefff 
Ä-ismrftfi »:t_ jo^lit ur.3 Xfie^rr beim 2±fra«E»nii. roar in= 
jpröiür. 1'lT.^n tn En^s&iern£ iberaenreroL fci^cn: JPfaltn? 1717 
^2im firit^sir: ernimtt mit n^ Seriiii bcnna: lp^^^cl: nur. nnrrbe 
er nai ^Bcöiilnaig peridiie^cncr Änüfr 1723 ^nn (äcneralanbüeur 
Motten, ftoü ipätcr ^mn Ziretor be§ S:ammerpehctii# beftinnnt 
bat er »im leiner $enon aHehen %n molien. Xie nacbgcmdjte @r^ 
neuentnq ieines ^rinüegimne auf n>eitere ^roan^ki ^abre nmrbe t^m 
unterm 5. äpril 1735 geroä^rt: jroei Jabre ipäter nberrcicbte er bem 
ftönig ben Anfang bes SSerfes, aas ben erftcn brri Jcüen befteljenb. 
Xa6 fpäte (rric^ehten entic^iilbigt 3Kqlin5 in feiner Z>ebüatü)n 
an ben ftimig bamit, ba% er „in 2>en» Xienft bei benen ibm anöer* 
trauten Functionen nü^t§ §abe toeriaumen »ofien". Sonad^ fyit er 
baö 9fKe}entt>erf in feinen bienftfreien Stunbcn geforbert, meldte bei 



1) $er$ber£, &fäfäU ba 6taM &ßt a. 8. IIL 8. 133. 



SWtytiuS' Corpus constitutionum Marchicarnm. 115 

ben IjodEjgefpannten 9tnforberungen be§ SönigS an bie 2lrbeit3fraft 
fetner ^Beamten nidf)t befonberS reicfjlitf) bemeffen getoefen fern toerben. 

2)a§ Corpus const. March. umfaßt im näheren bie ®önigl. 
preufc. unb Äurfürfil. branbenburgifdjen, in ber ®ur= imb SJlarf 
SBranbenburg fottrie in ben inkorporierten Sanben publijierten unb 
ergangenen Drbnungen, @bi!te, Sftanbate, 9ieffripte 2c. bon®urfürft 
griebridf) I. angefangen bi§ ju ben $eiten griebridf) 28ilf)elm3 I. S)er 
Snljalt »erteilt fiel) mie folgt: I. Seil. Sirene , II. Seil. 3uf% 
ULSeiL ®rieg, IY.Seil. ginanj^ unb Sammertoefen, Y.Seil. *ßo* 
li^ei', Sommerjtens unb <Stfibtefadjen unb YI. Seil. SKifceKaneen. 
®en Slnljang biefe§ legten Seife bilbet ein SBanb für fici), toelcfyer in 
franjöfifdEjer Spraye bie Drbnungen, ©bitte *c. über ©eredEjtfamen, 
3uri§biftion, greiljeiten, ^ßroje^orbnung :c. ber franjöfifd^en Solo* 
nieen enthält. Sin fetjr einge^enbe§ Stepertorium über ba§ ©an^e, 
759 goliofeiten in $)oppelfolumnen jäljlenb, bilbet ben ©cijlufc. 

Sn ted()niftf)er SBejieljung jeigt ba£ SBerf, tuaS unfere 2llt= 
borbern tro£ ber SBeftfjeibenfjeit iljrer SKittel unb Einrichtungen ju 
leiften bermod()ten; e§ ift in fo furjer &it Ijergeftellt Sorben, toie 
e§ heutigen SageS nicfjt beffer gelingen mürbe, freilidj unter 2tn= 
toenbung eine§ ber ©egemtmrt ttvoaZ feltfam erfd^einenben Sftittetö. 
33on Slnfang an fjaben nämlid) fed)3, borübergeljenb brei 93ud)* 
bruefereien nebeneinanber baran gearbeitet, mie 9ftt)liu3 Ijutäufügt, 
jum Seil aufterfjalb unb entfernt Don S3erlin. SBer bie§ nid£)t meifs, 
ttrirb fdEjtoerlidE) barauf aufmerffam; nadf) @d£)riftmaterial, 2)rucf unb 
Rapier machen bie berfcl)iebenen SBänbe ben Sinbrucf eine§ etn^ett- 
tidEjen 2)rucfrt)erfe§. 

Unter folgen Umftänben hmr bie ®orreftur be§ auf biploma* 
tifdje ©enauigf eit angettriefenen SBerfeS fdfjtoierig geftellt, um fo 
fdfjmieriger, atö ber Herausgeber ftd£) bei ber forcierten §erfteHung 
in fo bieten örtlidj getrennten Sudfjbmcfereien um bie 9?ebifton ber 
®rudfbogen nttfjt fümmern fonnte. 93et bem 93unterlei bon (Schrei- 
bungen nadj Drt unb Qtit ^ ör e * ne gleichmäßige Orthographie 
ofjnebieä nidfjt burdfjfütjrbar, audf) mürbe bei bem ©emifdf) bon 

©pradjformen mand^eS SftiftberftänbniS l)inein!orrigiert Sorben fein. 

8* 



116 IV. S>er SSatfenljauSüertag in bcr erften §älfte bcS 18. SaljrfjmtbertS. 

9Ktyliu§ traf bemnacl) bie Slnorbnung, baft atte§ in feiner Original* 
form genau tiriebergegeben unb nur offenbare 2)rucffeljler befeitigt 
toerben foHten. 

Stuf bem Sitetblatte Ijeifct e§: „93erlin unb $aHe, $u ftnben im 
SBudjlaben be§ 2Bat)fen!jaufe§" ftatt mie auf eigentlichen 33erlag§toerfen 
jener 3^t: „§alle, 3 n Verlegung be£ 3Bat)fenl)aufe§". Verlegung 
unb SSerlag fagt nacf) attfpradjttdjer SBebeutung nid)t§ al§ SSerau^ 
lagung ber $erfteÜung3foften, 9luffommen für biefelben ober fcfyledjt- 
toeg: Übernahme be3 2Bagniffe£. SBo ba§ SBort Verlegung ober 
Söerlag bermteben hrirb, nimmt man ba§ 83erl)ältni§ be3 fogenannten 
Sommtffion§öerlag3 an, bei toetd)em ba§ 3Bagni§ öon anberer <&tite 
getragen ttrirb unb bie genannte 33erlag£firma nur für ben ®ebit unb 
Vertrieb aufaufommen Ijat. ®emnad£) toürbe ba§ SBaifenljauS blofj für 
bie le^tere gunftion an-^ufeljen fein. 

2)em nnberfpred)en bie beiben Sßrünlegien Dom 3- 1715 unb 
1735. $)anad) burfte ba§2Berf, in toeltfjer gorm e3 aud) fein mochte, 
lüeber gan§, nod) jum Seil, nod) eytrafttoetfe be^jenigen, toa§ baxin 
enthalten (Regierung ber titterartfd^en 93enujjung§freil)eit) nad)gebrucft 
unb öerlegt, fotoie, toenn e§ au§tt)ärt§ nadjgebrucft derben möchte, 
in 33ranbenburg-$ßreuf$en eingeführt, berfauft unb gefauft tuerben, 
— bei Konfination aller ©yemplare unb fcierljunbert ©otbgülben 
©etbftrafe, Ijalb bem SBaifenljaufe $u §alle, bie anbere $ätfte 
nebft ben fonftecierten ©jemptaren bem ^mpetranten 5U erlegen. 

SWatf) biefem 3 u f a fe e ^ ann feto blofcer S)ommiffion3berlag ange- 
nommen tuerben; bielmeljr fdjeint ba3 grofte Unternehmen auf einer 
Strt $artnerfd)aft jiüifc^en 9Kt)liu§ unb bem SBaifenljaufe beruht ju 
Ijaben. 

®a§ 9ftt)liu§fd)e Privilegium lief bi§ ^um 3. 1755; bte bat)in 
t)atte er ba§ alleinige $ltä)t t bie Sammlung fortjufe&en, bod) machte 
er nur bi§ ^um 3- 1750 ©ebraud) babon unb fteHte e§ bann ber 
Sönigl. <Societät ber 2Biffenfd)aften frei, nunmehr bon ifjrem $rüri* 
legium ©ebraudj ju machen. $n ber golge erfd)ien fomit ba% Novum 
Corpus constitutionum Prussico-Braadenburgensium, 12 Seite in 
djronologifdjer golge bom 3- 1751 — 1806. 




S)ic [Reformen ber J>reujjifd)eit ©erttjotrung unb ©efefcgebimg. 117 

®a§ Sntereffe, toeldjeS griebrid) SBiltjetm I. ben 9ftt)liu§fdjen 
Urfunbenfammtungen $utt>anbte, ift in bem ©ruft unb Stfer be= 
grünbet, toomtt ber Sönig ben ©ebanfen einer Sieform ber 3>ufti5 
berfotgte. 93alb nadE) feinem ^Regierungsantritt gab er bemfetben in 
ben SBorten Sluäbrucf: „2)ie fdEjlimme Suftij fdjreit gen ^nmmet 
unb menn idE)§ nid)t remebiere, fo labe idE) fetter bie SSeranttoortung 
auf mid)." ©djon unterm 18. Sunt 1714 ft>ar beStjalb bk §aKiftf)e 
juriftifdje gafultät aufgeforbert toorben, nadE) einem beigefügten ®e* 
neralplan ein £anbred)t binnen brei SRonaten anjufertigen. 

§aKe ift ber tt>iffenfdf)aftlidf)e Sftäljrboben ber 3been unb ©runb= 
fä^e, bon ttietdfjen bie Reformen ber preuf$ifdf)en SSerhmltung unb 
©efe^gebung in ber erften ^älfte be§ 18. SaljrfjunbertS getragen 
tnurben. „Sitte preufjtfdfyen ^Beamten Don Sebeutung — fagt 9iau* 
mer 1 — toaren in $affe gebitbet, unb jene dE)arafteriftifdE)e Stif- 
tung auf ba§ 83erftänbige, ^ü^Itd^e unb 3mecfmfif$ige, meldte fid) 
in ben Steformbeftrebungen unb itjren ©rgebniffen abfpiegelt, ift nur 
bie Stntoenbung be§ in $atte ©ingefogenen." 

S)er $Ian be§ in fo furjer $t\t $u fcfyaffenben 2anbred)t§ ging 
nidfjt auf eine allgemeine Sobififation, fonbern auf eine geftftettung ber= 
jenigen SRaterien au§, in benen am meiften 9?ed)t3unfid()ertjeit tjerrfdf)te. 
Unter ber Seitung t>on ßf)r. £ljomafiu§, toetdjer für bie rechtzeitige 
©iufenbung ber arbeiten berantttJorttidf) gemalt hxir, entlebigte fidf) 
bk juriftifdje gafultöt il)re§ 3tuftrag§. 2 SIttein bei ben gewaltigen 
©dE)h>ierigfeiten be§ großen SJeformtuerfS fam man über einen erften 
Slnlauf nid)t t)inau§; anbere Stuf gaben ber inneren unb äußeren 
Sßolttif brängten bie ©atfje oljnebie§ balb in ben ^intergrunb. Srft 
in feinen testen ßebenSjatjren, 1738, gab ber ®önig bem gelehrten, 
jum ©fjef ber Suftij ernannten ©amuel b. ßoccejt bie Slntoeifung, 
bafür ju forgen, „bafc tin beftänbigeS unb ettrigeS 2anbred)t ber* 
fertigt, ba§ fonfufe unb teils auf unfere Sanbe nidE)t gut bienenbe 



1) Sftaumer, ®. 28. b., ^omaftuS unb bie (Sntfieljung ber Untoerfttät 
£alle. ipallifc^e§ patrtotifdjeS SSodjenblatt 1836. <3. 1138. 

2) @cf ftetn, ßfjronif ber ©tabt ©äffe. @. 92—93. 



120 IV. S)er 8BQifei!^o«8berIo0 in bcr etften $ä(fte beS 18. 3a$r$unbert8. 

mer!ung berfetben unb einer neuen SafjreSjaf)! $u beranftalten. 
2)enn ba in ber bisherigen mandfye Provincial^öefe^e eine Stbänbe- 
rung erlitten, fo müfte bon 9?ed()t§h>egen betj einer neuen 2tu§gabe 
biefeS angejeigt unb berbeftert werben, tt>eld^e§ f toenn e§ unterbliebe, 
S^nen b.lj. beut ©roftfanjler praejudicirlici) tüäre. S)ie SSerbefterungen 
aber lönnten bor ber £anb nidfjt gefdEjetjen; fonbern ntüften bi§ jur 
StuSgabe be8 3. SljeilS, bcr einmal erfolgen folte, berfparet toerben. 
S)amit aber bie ^anblung mit iljrem S)ebit nid^t gehemmt toürbe, 
fo toäre e§ t^r unberührt, nadfi) ber bisherigen 9lu§gabe fo biele 
Exemplare abbrucfen ju lafcen, als für bienlid) erachtet mürbe, nur 
müfte forgföltig barauf gefefjen merben, baft, nebft 33et)beljaltung ber 
alten Saljräatjl, 931att bor Sälatt mit einanber correfponbirte." 

®a§ Project eine§ 2anbredE)t§ :c. blieb 33erfudf) unb ba§ ©efe£ 
felbft unbollenbet. SRadE) bem ©turje be§ ©roftfanjlerS Surft, ber 
bie ©rtoartung eine§ III. £eil§ im 3. 1772 nodf) nid)t aufgegeben 
l>atte, tourbe ber Suftijminifter für bie Sßrobinj ©c^lefien, b. Karmer, 
afe ©roftfa^ler berufen, unb Karmer braute feinen bemätjrten 3?at 
©uare^ mit nadE) 93erlin. Unter ifjrer Seitung gelang e§, ba§ grofce 
©efejjgebungStoerf bon ben adliger Saljren an fdjritttoeife jur 2lu§* 
füljrung ju bringen. 



V. 



2öo tjat 2lug. £. grandfe bte Sftittet $u feinem 93udE)laben Ijer* 
genommen? 9lu§ nichts fann berfelbe nicfjt entftanben fein; nadfj ber 
energiftf)en SBeife, nrie bie Unterneljmeriljätigf eit gtetdE) im anfange 
anfe&t, foKte man fogar auf einen anfeljnlidfyen ©rünbung§fonb§ 
fdEjliefcen bürfen. S)ie Überlieferung fagt ba§ ©egentetl. grandfe flagt 
notf) im großen Stuffafc, etttm fed)3 Sa^re naä) ber ©rünbung, baft fo 
manche Ijerrliclje unb erbauliche (Sachen au3 Solang et ber aufjumen^ 
benben Unfoften, toenn fie jum 2)rucf offeriert würben, auSgef djlagen 
Serben müßten. ÜberbieS famen bemSBaifenljaufe, fotoeit e§ bon ber 
Stufjentoett abhängig toar, keinerlei Vorteile $u ftatten. SDlit ber 
Slutorentüelt Ijatte man tuie jebe anbere 33ertag§tjanblung ju ber* 
fefjren, anber§ toürbe man nid)t toeit gelommen fein. 2Bo fettend be§ 
SlutorS, toa§ borfam, 3 u f^üffe ju ben $erftettung§foften geleiftet 
Würben, ttiar ba§ Dbjeft gefd)äftlitf) nidfjt bofftoertig, unb e8 fehlte 
aud) nid^t an ©egenleiftungen. 

SSom beften ©ett>äljr§mann, bon Suliu§©(er§ nämlidf), ttrirb tin 
9tu§fprudf) überliefert, beffen @imt baljin geljt: ber 33ud)laben fei fetjr 
befd)eiben begonnen toorben, balb fei ba§ eine unb anbere ^in^u- 
gef ommen unb in toenigen 3a^ren tjabe man bor einer ©efdEjäftäanlage 
geftanben, über beren (Entfaltung man ficf) fetbft feine 9iedE)enfdE)aft 
fjabe geben tonnen. 

3)e§ Stätfetö Söfung toirb bor allem in ben erfolgreichen <Sdf)rifteu 
be8 ©tifterS 5U fud^en fein. SRit itjrer maffenljaften ^erfteHung ift 
tljatfäd)ti<f) begonnen toorben, bodf) falten nad) ben beigebrachten QtUQ* 
niffen in ben 2lnfang aud) größere Unternehmungen fremben Urfyrungä, 



122 V. 2>er grancfe 5 <S(er8fdje ©efd)äft§&etrieö. 

um bk ftdf) grandfe, tvk bie§ faum anber§ benfbar ift, borfjer 
beworben ^nt. £ie 2lbfid()t, einen „?trmenberlag" ju grünben, fdtjeint 
tt)enigften§ engeren Streifen hmbgegeben iuorben 5U fein, vorauf ber 
©penerfdfje 21ntrag bom l.Dftober 1C98 fdfjliefjen läftt 2ludf) gießt 
grandfe in feiner 2(nttoort an Spencr ju ernennen, bafc er bereite 
über einen gettriffen Storf eigener äSerlagSmerfe berfügt, fo baft „fidj 
bie 33udf)füfjrer immer mefjr mit un§ eirtlaffen nnb bon unferen 
Sachen bedangen". 

2>ennodj werben iljm 5unäcf)ft faum anbere Sftittel 5ur S3er= 
fügung geftanben (jaben als ber (Ertrag feiner eigenen ©cfjrtften, 
iueldfje htx ifjrem überaus lebhaften Slbfajj einen fteten 3 U P U 6 & on 
33areingängen Jjerjuftetten bermodjten. 3(uf julommen ft>ar bdbti nur 
für £)rucf unb Rapier; grancfe naljm für fid) nidf)t§ in Stnfprüdj, 
ebenfo wenig, tt>a§ für bie imdtjttgfte £ilf£fraft notorifdf) ift, feine 
Ofrefjüfen. 

3)ie ©dtjttrierigfeiten be§ erften 3lnfang§ luaren überttmnben mit 
(Erlangung ber £aufd)fäl)igfeit, nad) grancfeS eigenem ßeugniS jur 
Cftermeffe 1699. 0§ne ben Sauf^anbel mürbe ber Söudfjlaben 
einen garten ©tanb gefjabt unb ftdf) bei Weitem nidtjt fo fdjnell unb 
reidf) Ijaben entttridfetn fömten, itric e§ in SBirflidfjfeit gefdjeljen ift. 
SD er Stifter erfannte bie§ toofjl. „Slnföngtid) jmar — !onftatiert 
er im großen Sluffa^ 1 mit SSefriebigung — tuar man nidfjt im ftanbe, 
anbere 3Scr(ag§büdjer gegen ljieftge burd(jgel)enb3 einjud^angieren, 
fonbern man muftte Dielet um bar ©etb erljanbeln. 9?unme(jro aber 
fmb alle 33ud)fjänbler in ganj 2)eutfd()lanb, tüeld;e Rangieren, gar 
ttriKig, tljren SSerlag fjerjugeben, tt)eld)e§ ntdtjt jebem 58ud$änbter 
tütberfä^ret. ?lud) fjaben bereits bon etlichen Sauren fjer einige 
33ud(jf)änbler au3 £oöanb gegen unferen SSerlag 5U Rangieren an- 
gefangen, tooburdj biefer Saben mit ben beften SRaterien fomofjl bom 
SSerlag afö «Sortimente berfefjen ift." 

Unter S3egünftigung burd) ben £aufd)ljanbel mürbe au§ bem 
„SSudjtaben" offenbar ettua§ anbereS, at§ it)a§ man fidj anfänglich 

1) @. 59. 



fceinrid) SultuS CfterS. 123 



babet gebadjt ljatte; er entmicfette ftdj nad) ber älteren Terminologie 
ju einer „Sortimentäbudjfjanblung" b. i. ju einer auf ben Saufd) 
geseilten 33erlag§bud)l)anblung Ijerborragenber 5lrt. 3)er9Weber* 
gang bon ber alten 4>öfje toifb beim §erannaf)en be§ ftebenjöfjrigen 
Stieget feljr bemerflid); aber menn ber Stieg nnb feine SBirfungen 
aud) nid^t gemefen mären unb überbie§ bie alte probuftbe Sraft 
nidfjt fdjon borbem eine <3d)ft>äcfjung erfahren fjätte, mürbe bie 33udf)- 
Ijanblung bennod) nadf) bem 93eiftriele aller „<3orttment§budjl)anb~ 
hingen" alten ©til§ ftarfe Sinbufce baburd) erlitten l)aben, baf$ bie 
£errfdjaft be3 £aufd)fjanbel3 gebrodjen mar unb fid) an feiner ©teile 
ber Sonbition^anbel, melier nur fltngenbe Slbfmbung fennt, alt 
mäfjlidj 93al)n brad). S)ie ©rofcen berloren unb bie Steinen gemannen 
an 93ebeutung. 

SBaS aber bem Sudjlaben befonber§ ju ftatten fam, mar, baft 
er öon Stnfang an unter ber £bfjut eines SRanneö mie $tinxi(f) 3>uliu§ 
SlerS ftanb, nidjt blofc ein treuer felbftlofer £au§l)alter, fonbern audf) 
eine gefd)äft§männifd) beanlagte ^erfönlidjfeit, auf feinem eigentlichen 
gelbe, bem @ortiment§bud)fjanbel, ein SRann bon 93lidE, Unteraelj*. 
mungggeift unb unermüblid)er £fjättgfett. 

2ltö ber junge ajogafcfi) im g. 1714 juerft nadj £alle fam, 
moHte er am anberenjage, einem Sonntage, grancfe prebigen Ijören, 
frug aber bie Seute auf ber ©trafte bergeblidfj, in melier Äird)e er 
prebige. 2)iefe ©leidfjgültigfeit gegen ben berühmten Jfjeologen mun- 
berte tljn feljr, ba er mit ber SReinung nadf) £alle gefommen mar, 
bafc bie Seute l)ier befonberS fromm fein müßten. Site er bann, 
erjagt er meiter, 1 burdf) ba§ 9tannifd^e 2^or gegangen, fei ifjm ein 
audf) bem äußeren 2Cnfel)en nad) fefjr feiner SRann Dorn SBaifenljaufe 
Ijer entgegengefommen, btn er ebenfalls gefragt ljabe, mo Sßrofeffor 
grancfe prebige. S)iefer liebe SRann fei fefjr freunbltdf) gemefen; er 
Ijabe fidf) gefreut, bog ein frember junger äRenfdfj nadf) ^rofeffor 
grancfe frage, unb 5ur Slntmort gegeben: er gefje eben jefct felbft ju 



1) (Sari $einridj t>on 93ogafcfy'§ fieben^lauf , üon ü)m felbft befdjrieben. 
&atte, 1801. ©.47. 



122 V. 2>er grancfe = <S(er3fdje ©efdjäfts&etrieö. 

um bk fidf) grandfe, tvk bie§ faum anber§ benfbar ift, borfjer 
beworben ^nt. £ie Slbfidfjt, einen „?trmenbertag" ju grünben, fdfjetnt 
tt)enigften§ engeren Greifen funbgegeben toorben 511 fein, toorauf ber 
©penerfdfje 2tntrag bom l.Dftober 1C98 fdfjtiejsen läftt. Sludf) giebt 
grancfe in feiner Stntmort an ©pener ju ernennen, ba$ er bereite 
über einen genriffen ©tocf eigener 33erlag§toerfe öerfügt, fo ba§ „ftdf) 
bie 33udf)füfjrer immer mefjr mit un§ eirtlaffen unb bon unferen 
©adfyen bedangen". 

©ennodf) werben iljm junöd^ft faum anbere Sftittel jur 33er- 
fügung geftanben (jaben als ber (Ertrag feiner eigenen ©cfjriften, 
toelcfye htx ifjrem überaus lebhaften 9tbfa£ einen fteten 3 u fl u f* & on 
33aretngängen ^er^ufteKen bermodjten. Slufeufommen toar babei nur 
für £)rucf unb Rapier; grancfe naljm für ftdf) nidf)t§ in Slnfprüdf), 
ebenfo roenig, timS für bk itndfjtigfte £ilf3fraft notorifdfj ift f feine 
©efjitfen. 

3)ie ©dfjnrierigfeiten be§ erften 2lnfang§ toaren überttmnben mit 
(Erlangung ber £aufdf)fäf)igfeit, nadf) 3francfe§ eigenem 3eugni§ jur 
Dftermeffe 1699. Dfjne ben £aufdf)ljanbel tüürbe ber 93udf)laben 
einen garten ©tanb geljabt unb ftdf) bei toeitem nidfjt fo fdfjnelt unb 
reidf) fjaben entttricfeln tonnen, tote e§ in SBirflidfjf eit gefdjeljen ift. 
S£er ©tifter ernannte bie§ toofjl. ,,5lnfänglid() gtoar — fonftatiert 
er im großen Sluffa^ 1 mit SSefriebigung — toax man ntd£)t im ftanbe, 
anbere 33er(ag§büdf)er gegen ljiefige burd(jgel)enb3 ein§ud^angieren f 
fonbern man muftte bietet um bar (Selb erljanbeln. SRunmefjro aber 
finb alle 93ud)ljänbler in gan§ S)eutfdf)lanb, toeldfje Rangieren, gar 
ttriHig, ifjren SSerlag ^er^ugeben, toeld(je§ nidfjt jebem 33udf$änbter 
ttriberfäljret. Sludf) Ijaben bereite bon etlichen S a ^ en M x einige 
33udf)f)änbler au3 ^oöanb gegen unferen SSerlag ju Rangieren an^ 
gefangen, tüoburcf) biefer Saben mit ben beften SRaterien fotoofjl Dom 
SSerlag atö ©ortimente berfefjen ift." 

Unter SBegünftigung burdf) ben £aufcl$anbel ttmrbe au§ bem 
„33udf)laben" offenbar etft>a§ anbere§, atö toa$ man fidf) anfänglich 

1) @. 59. 



fceinridj SuttuS (HerS. 123 



babet gebadfjt Ijatte; er entmtcfette ftd) nadj ber älteren Terminologie 
511 einer „©ortimentöbudjfjanbtung" b. i. ju einer anf ben Saufd) 
gefteßten 33erlag§budjfjanblung Ijerborragenber 9lrt. 2)er Fieber- 
gang bon ber alten £öf)e mirb beim §erannal)en be§ ftebenjäljrigen 
£riege§ feljr bemerflidf); aber menn ber ®rieg nnb feine SBirfungen 
audf) nicfjt gemefen h)ären nnb überbie§ bie alte probuftibe Sraft 
ntcfjt fdfjon borbem eine ©djmäcfjung erfahren Ijätte, mürbe bie S3u^ 
Ijanblung bennodf) nadj bem Sßeifptele aller „©ortimentöbucfjljanbs 
lungen" alten ©tttö ftarfe ©inbufce baburd) erlitten fjaben, ba% bie 
£errfdjaft be§ £aufd$anbel§ gebrochen mar unb ftd) an feiner ©teile 
ber S'onbitionSljanbel, melier nur üingenbe 9lbfmbung fennt, aß* 
mäljlidj Saljn brad). S)ie ©roften berloren unb bk Sieinen gewannen 
an Söebeutung. 

28a§ aber bem Sudjlaben befonber§ ju ftatten fam, mar, baft 
er bon Stnfang an unter ber Dbfjut eines 9ftanne§ mie ^einricf) 3utiu§ 
(£ler£ ftanb, nidjt bloft ein treuer felbftlofer £au§ljalter, fonbern audj 
eine gefdjäftömännifdj beanlagte Sßerfönlidjfeit, auf feinem eigentlichen 
gelbe, bem ©ortimentöbucfjljanbet, ein 9Kann bon 931idf, Unteme^. 
mungggeift unb unermüblidjer £f)ätigfeit. 

9l(§ ber junge 93oga£ft) im S- 1714 juerft nad) £afle fam, 
mollte er am anberen Jage, einem ©onntage, grandfe prebigen Ijören, 
frug aber bie Seute auf ber ©trafte bergebüd), in melier Sirene er 
prebige. 2)tefe ©leidfjgültigfeit gegen ben berühmten Geologen mun* 
berte iljn fefjr, ba er mit ber SDtonung nad) $aUe gefommen mar, 
baft bie Seute fjier befonberS fromm fein müßten. 2ll§ er bann, 
eraäfjtt er meiter, 1 burdj ba§ 9?annifd£)e £ljor gegangen, fei ifjm ein 
audj bem äußeren Slnfeljen nad) feljr feiner 9Kann bom SBaifenljaufe 
l)er entgegengefommen, ben er ebenfalls gefragt Ijabe, mo ^rofeffor 
grandfe prebtge. 2)iefer liebe Sftann fei feljr freunblidf) gemefen; er 
Ijabe fidf) gefreut, ba% ein frember junger äßenfd) nad) ^rofeffor 
grandfe frage, unb jur 2(ntmort gegeben: er gefje eben je£t felbft ju 



1) (Sari §emridj bon SBogafcfy'ä ßebenälauf , Don i^m felbft bef djrteben. 
§atte r 1801. <3.47. 



124 V. 3)cr grantle »©lerSfdje ©efd&äftSfetriefc. 

iljm in bie ®ird§e unb tuofle ifjn fdfjon juredfjttoeifen, baf$ er ciHe3 gut 
l)öre. tiefer äßann fei @ter§, ber Snfpcltor be§ 93ud(jtaben§, ge- 
toefen, ju bem er ftdj fpäter tüte ju einem bätertidfyen greunbe ge= 
galten Ijabe. 

£)ie§ ift einer ber bieten Serielle, h>eldf)e bie lieben&tmrbige 
5ßerfönlid^feit ©ter§ r rühmen, toäfjrenb man abfälligen Urteilen über 
itjn, tro$ feiner ftreng pietiftifdfjen Gattung unb feinem feurigen 
Temperament, nid^t balb begegnen ttrirb. (g>ttt% ^eiteren ©inne§, 
burdf) ben Smft feinet 2Befen§ temperiert, fott er ein anregenber 
©efellfdfjafter getoefen fein. S)en ©eleljrten biente er mit feiner au§* 
gebreiteten S3üdf)erfenntni§, ber ©efdljäft&üett burdj feine Sunbe ber 
SSer^ältniffe unb fein fdjneHeS Orientierungsvermögen afö ©df)ieb&= 
ridfjter in ftreitigen gätten, bei beffen ©ntf Reibungen man fid) gern 
beruhigte. 

Dbfcfyon er ben 93ud)ljanbet ju feinem ©pecialfadlje gemalt 
unb bei ber SRannigfalttgfeit unb tueiten SSerjlüeigung feiner ©e^ 
fdfyäfte bon bemfelben genügenb in Slnfprudf) genommen hmr, lieft er 
e§ hierbei boc^ nidfjt betoenben, fonbern ftanb granefe überall fjilf- 
reidE) jur (Seite unb blieb fiä) in biefem aufopfernben GHfer bi§ jum 
Sobe treu. 5ll§ im 3f. 1726 Neubauer, ber erfte Sßaifenbater, ge= 
ftorben toar, fanb fidfj niemanb, ber iljn Ijätte Vertreten tonnen, fo 
baft granefe in SSerlegen^eit !am. ©arauf Ijalf ©ler§ freimiHig au§, 
inbem er in feinem fd)h>äd()lid(jen Sllter ba3 Sßidljtigfte jener ©efdfjäfte 
übernahm. 5ll§ granefe bann ein 8af)r fpäter ebenfalls ftarb, tooßte 
ba$ Etagen fein ©nbe nehmen. 6ler§, toelcfjer bem ©tifter feit 
länger afö breiftig Saljren neben greijlingljaufen mit am nädfjften 
geftanben Ijatte, toar ber erfte, toeldfjer fidf) aufraffte unb SRitarbeiter 
ttrie SSorfte^er be3 SBaifenljaufeS ermahnte, getroft forijuarbeiten. 

©ottljilf granefe Ijebt in feiner ®ebäd(jtni§rebe Ijerbor, baft (£ler§ 
iti allem ®efd)äft§etfer unb bei aller Slrbeitfamfeit für feine 5ßerfon 
abfolut bebürfni§Io§ toar unb blieb. Sebigen @tanbe§, Ijat er nie- 
mal§ ein ©eljalt für fidf) in Slnfprudf) genommen, ©r befaft nidfytS 
afö feine Meibung unb feine ^anbbibel. 2Ba§ er jur £eibe£naljrung 
beburfte, fanb er im Sßaifenljaufe, öon beffen ®üd§enjetteln griebrtdf) 



ffilMf auf 1« üdpjiflEt JDfefTe- 



125 



d)e 






SBüfietm I. nicf|t biet ju galten jdjien. ' $8ar feine SHeibung nbge= 
(puffen, jö fiaitete it)it Sranrfe Bon neuem au§: ein fc^lnarjcr 9fod, 
eine fdjWarje SBefte unb ein blauer Sßantet. 

Um fo mef)t legte ©ler§ ©eroidjt barauf, trofc feiner meMtdjen 
©efdjä'fte natu) roie Bot nl3 j£ljeotoge mtgefeljcn ju werben. $luf 
SSunfä) unb ©erlangen Standes beftieg et jurueilen bie ftaitjet, blatte 
übet Botjüglidj afS ©eeleuatjt in Borneljmen unb gebilbeten Shei 
ftarfen Slnljang. ®ottt)ilf Srantfe vü^mt inSbejonbere ba§ „geiftli 
*)Jrieftertum, tote et foläjeä auf beit Seipjiger Öfter* unb üßidjaeli 
SWeffen exerdrte". 

3)ie Seipjiger SReffe befugte et regelmäßig , ebenfo regelmäßig 
©ertin, um baS bärtige .Qroeiggefdjä'ft ju infpicieten. 3)ie gtanl= 
furter SReffe mieb er unb lieft fitf) bort üettreteit, 

$>ie im SlrdjiB befinblidjen ©riefe Bon bet Seipjiger Sßeffe f' n b 
teitS an 3Jeu6auer, teils an ©tifäjo» gerietet. Sejjtere finb bürren 
gefääfttidjen SnljattS, ba ©rifdjoro, bet ©orfteb,er bet ©ibelanflatt, 
bei ffiertreter ©lerS bei beffen $lbwejenl)eit toar. SJie ©riefe an 
Neubauer fabelt oorroiegenb afcettfcfjeu Sntjalt, entljtiUen aber auaj 
intereffante Sßotijen übet ba§ SRefjtreiben. 3ebet betfelben trägt am 
ßupfe einen ©tbeJfprud), b. i. ben JageStejt, luetdjeu fidj Srantfe 
unb tfterS bei iljret täglidjen Motgenforrefponbenj gegenfeitig mit 
juteüen pflegten. 

ÄuS biejen ©tiefen ergiebt fiel) , bafj ber Seipjiger äKefjbefudj 
um jene geit Biel weniger fomfortabel mar, at§ gegenroSrtig. S8or 
fünf UI)t mußte aufgeftanben Werben, benn um fünf Ul)r früb, 6e= 
gmuten gerube Wie ju §aufe bie ®ejdjäfte; enttoeber erfdjienen um 
bieje ßeit jdjon ftembe ©udjfjä'nbler bei ISIerS, ober er jelbft maajte 
©efutfje. ^n ben ©riefen finben fidj manäje Seufjer übet bie Stn= 
fttengungeu bec SReffe. „§eute ftülje Don 5 — 8 Uljr — fdjreibt et 
untevm 25. Slottt 1714 — Ijatte id^ meine ©udjb,anbler, ton 8 — 9 
erbnulitfie ©cHnrftdje mit grln. B. ©ranbenftein, Bon 9 — 11 waren 



Meue Beitrüge jur ©efajidjte H. §. granrfeS. §at(e, 




126 V. $er ftr(uufe*@ler§fd)e ©efdjäftSfcetrtefc. 

triebet allerlei} Seute, audf) 93ud£){jcinbter bety mir, Don 11 — 12 ber 
Setbfdfjneiber ebenfalls §u erbaulidfjen ßtoefon, ba medfjfette fid£) immer 
etne§ mit bem anbem . . . SSenn e§ nun ben ganzen Sag ttrirb fjinter 
einanber fidfy brängen, fo tuerbe hieran benfett." 2tm 30. Slpril be= 
richtet er: er fjabe jft>ar immer ben ganzen Sag, tote in ber Vorigen 
SBodje gefcfjefjen, einS nadf) bem anberen $u einem Srtefe auffegen 
tooöen, aber er fei bloqtttert ftorben bi§ in bte 9?ad^t Ijütem. 2lm 
1. Sftai: „SRadfjbem ftrir gebetet, ging tcf) in meine Übung mit bm 
93ud)füfjrern; toetdfje micf) früfje unb nad)tmttag§ biß 8 Uf)x fefjr 
hingerietet, bajs idf) meine 8 un 9 e ^ aunl * e 8 en ümte *>or öielem 
Seinen." 9tm 5. 9ftat: „9?un mar e3 7 Ufjr Slbenb§, unb bie 
©tabtfttedfjte gingen Ijerum, trieben bie Seute an, fie foöten ein- 
pacfen. £$ batyte, nun hnrb e§ tüotjl aucfj mit beuten conferencen 
ein Gnbe Ijaben." ©icfjer toar er beffen nidfjt, benn ba§ innere ber 
©etoötbe toar bor ben ©tabtfned)ten fafrofanft. 2lm Slbenb borf)er 
tüottte er 5. 93. um Ijalb geljn Uljr gerabe einfdfylafen. $lö$lidf) podfjte 
e§ an ben genfterlaben, ein 33ud£)füfjrer erfdfjien, mit bem er bi§ um 
jtoölf Ufjr 9?ac^t§ ju rennen Ijatte. „®a backte id§, ttrie will ba$ 
morgen frülje ablaufen." 

©iner biefer Vertraulichen Slagen ift bie 93emer!ung beigefügt: 
— „aber allemal ft>ar eine ©rquicfung babei". ®amit ftnb bie 
©ebetöübungen gemeint, meldte jtotfdjen ben ©efdfjäften ftattfanben. 
3u feinem ©etoötbe Ijatte er einen ©dfjtrm aufgeteilt, Ijinter meinem 
er fid§ mit benjenigen jurücfjog, toeldlje !amen, um mit iljm ju beten, 
ßutoeilen begannen biefe gemeinfamen Übungen am früljften SKorgen. 
@o beginnt er ba§ ©dfjreiben bom 1. 9ftai: „3llf$ idf) ljalb fünf U^r 
frülje au§ meinem ^aufe gieng, ftunb mein lieber SWirnberger (SBud^ 
Ijänbler Dito au§ Nürnberg) fdfjon bor ber Sljür, unb fragte: geljen 
mir nidfjt in§ ©ebetl) mit einanber. Eesp. $a fretylidfj; unb icf) naljm 
itjn hinter mein ©djirm. UnterroegS mufften bie SBaffer SftoafjS (ber 
bon grandfe gefanbte £age§tejt) unfer text fet)n, unb un§ Ijintoeifen 
ju unferm $et)lanb. (£r gieng barauf mit mir in§ ©ebetlj, unb beu* 
geten unfere ®niee ju ©ott. ©arnadf) ging er feine ©trafce mit greu- 
ben." $m ©dfjreiben bom 29. Slpril erjäljlt er: „grülje um 6 U^r 



eicrS' gelftttdjeg ^ricftcrtum ouf ber Seidiger 2Reffe. 127 

tarn $txx ©djaHe (SBudjljänbler ©djalle au§ ©otlja) im Saben, uttb 
id) fagte: mir motten ein menig Ijinter ben ©dfjirm geljen. Saum 
Ratten ttrir unfere Sniee gebeuget, fo podfjet £err ©ebidfe an f melcfjen 
idj einlief unb un§ mieber {jinfe^ten ju beten; faum fjatte bretSBorte 
gerebet, fo potfyet £err 9laif) gaber an bon Eöftri£; id) badete erftlid): 
fann man benn nidjt in ber ©tiHe am ©onntag mit einanber betrtt, 
befanne mtdj aber balb, unb fagte ju ^errn gaber, er fyätte nod) 
gemangelt, er folte ftd) eilenb {jinfe^en, bamit er aud) etma§ ab!riege 
bon unferem ©eegen. S)a icf) nun ein foldf) unbermutljeteS auditorium 
befommen, unb id) borljer im SBlute (£f)rifti ben Sieg gefefjen", ba 
gieng e§ ftroljmmeife unb mir berbunben bor ©ott treu ju fetyn, unb 
baten bon iljm Sraft unb ©nabe. GS mar mir fonbertid) lieb, ba% 
©ott $err gabern fdfjidEte, tr>etl id) geftem nidjt 9taum fanb an ifjn 
ju fommen. SRad) bem Q&cbetf) mercfete id) ben 9?u£en babon an unfer 
aller 4>er£en, unb dimittirete $err gabern im ©eegen." 

S)ie ©ebetöübungen fanben nid)t bloft im SReftgemölbe ftatt. 
@ler§ madf)te, gemöl)nlid) baju aufgeforbert, bielfad) längere Sefudje 
in ber ©tabt, in jenem Saljre bomel)mlid) bei bem fdjon genannten 
gräulein b. Söranbenftein unb ber grau b. Galenberg, unb be* 
richtete bann über feine Beobachtungen unb ©rfolge eingefjenb an 
ÜReubauer. 

S)ie Dftermeffe 1714, mobon bie l)ier angejogenen ©riefe er- 
jäljlen, nal)m ben 33urf)l)anbel mie Ijerfömmlid) brei bi§ bier SBodjen 
lang in Slnfprud); bie le$te 28od)e mar, tt»ie G;ler§ ttrieberfjolt ben 
9lu3brucf anmenbet, für bie Lipsienses beftimmt, ein 93raud), beffen 
Sftefte ber älteren bud)f)änbterifd)en ©eneration nodf) fel)r in ber (Er- 
innerung liegen. £ro$bem ftd) alfo bie 9fteftgefd)äfte über eine ge- 
raume 3eü Verteilten, regnete (ElerS mäljrenb berfelben bod) nur mit 
99 girmen; 32, benen Konten angelegt maren, erfdjtenen nid)t, unb 
il)m felber mod)te e§ ebenfalls an SBebarf ober 3 e ^ fehlen, fte auf* 
jufudjen. ®ie Setyjiger SReffe mar für ben 93ud)f)anbel eben nodf) 
mirflidje #anbel£meffe, fein bl öfter 3 ö ^ un 9 §ternt ^ n tote fräter, 
unb bei ber Sänge mandf)er Konten ift e§ bal)er erflärlid), ba% mit 



128 V. 2>er §ranrfe*@Ier$fäe ©ejcf)äftÄ6etrfe&. 

eingehen girmen, nrie mit jenem nächtlichen Sßefudjer, öotte jmei 
©tunben unb länger „gerechnet" toerben mußte. 

SSte e3 unter bem £aufcf)[)anbet auf ben 9Keßplä£en suging, 
barüber ift man genauer unterrichtet atö barüber, tüte e§ 5 tt> t f d^> e n 
ben Sfteffeu ju ^aufe gehalten mürbe; inSbefonbere toie ba§ einge^ 
tattfc^te 33üdjergut in Umlauf gebraut iuurbe. Sftit ber Anfertigung 
unb Verteilung Don Katalogen fann e§ allein ntdjt getfjan gemefeu 
fein. Sine ©ortiment§bud)fjanblung alten ©ttl§ bebang Einrichtungen, 
tueldje fie öon unferen mobernen ©ortimentögefdfjäften erlje&lidf) unter- 
fdjieben. Um bie§ ju Deranfd^aulic^en, toäre bk 93u^anblung b. SB. 
in iljrer Vergangenheit um fo meljr geeignet, atö fte hex ber leiten 
SSer^loeigung ifjrer ©efdjäfte ein HaffifdjeS Setfpiel be§ £aufd)l)anbel£, 
biefer totcfjttgen Ijtftorifdjen gorm be§ 93üdjerberfef)r§, bietet. Seiber 
ift bem nidfjt beijufommen; ba§ borfjanbene SDiaterial ermöglicht nur 
eine fragmentartfdfje 33efjanblung be3 ©egenftanbeS. 

SBenn man fidj an unferem alten SPie^pIa^e Seipjtg, au3 bem 
im Saufe ber ßeit ber ßentralpunft be§ 93ud()ljanbel£ gemorben ift, 
bie Vergangenheit ju öergegenmärtigen fudfjt, ttrirb man burdj bie 
moberne ©entralifation be3 VerfeljrS, h)ie fte. jumat bt§ bor einigen 
Safjrjefjnten beftanb, leicht 5U bem ©lauben herleitet, atö tt>enn 
unfere 5lltoorbern jtt)ifcfjen ben SReffen gute Seit gehabt Ijaben müßten. 
Sßäfjrenb ber heutige aerfplttterte unb unruhige Verfefjr über Setpjig 
feinen SKann faft täglich in Slnfprudf) nimmt, genügte unter ben ßeicfjen 
be£ £aufdjfjanbel3 bm meiften girmenträgern ber Vefudj ber öfter- 
unb 9fticf)aeli3meffe fürS gange $aljr. SDabei taufet man ftdf) nur 
barin, ba% ba§ alte SKeßgefdljäft iti toeitem nid£)t ben Slnteil am Umfafc 
einer girma Ijatte, ftrie bte Dftermeßabredfjnung unter ber ^errfc^aft 
be§ Sonbition3gefdjäft§ minbeften§ bis ju J>cn fed)jiger Sauren biefe§ 
3faljrljunbert§. SBar e§ ja unter bem £aufdf)fjanbel in ber $auptfadf)e 
nur ber ©roßfjanbel, ft>eld)er auf ben SKeßpläfcen erfd)ien, unb felbft 
biefer erlebigte feine @efd)äfte id toeitem nid)t allein bort. 

3)ie (Sorgen aber um bie glüffigmadljung be£ eingetaufd)ten, ju 
großen Sägern aufgetürmten 33üd)ergute3 toaren feine geringe. ®§ 
ift bod§ eigentümlich unb nadfj neueren Vertjältniffen nid)t otjne toeitereS 



k 



2>ie «Rieberlagen unb Filialen unter fcem £aufd$anbet. 129 

fcerftänblidf), ba§ 5lug. £• granefe !aum jlüei ^ai)xt naef) ©rünbung 
feinet mit ben befcijeibenften Sftitteln Begonnenen 93udf)taben§ Steigung 
imb 93ebürfni§ füljlt, einen nidjt genannten beutfdfjen gürften um bie 
Erlaubnis jur Errichtung tintä 93ud)Iaben3 in beffen Steftbenj anju* 
geljen. SSieberum jlüet 3al)re fpäter eröffnet er einen 93udf)laben in 
^Berlin. SRidljt lange banad) BetüirBt er fid) naef) $app um bie Er* 
laubntö fdfyeinbar ju einem 5Weiten SBudfylaben in Serlin. ©egen ba% 
Saljr 1704 bringt ElerS gar bie ©rünbung bonDfftjinen in^ollanb 
unb Englanb bei granefe in Anregung, ©obann Wirb ber Anfang 
mit einer fteljenben Sßieberlage in granffurt a. 9K. unter eigener 33er= 
tretung gemadjt, fo ba$ ba§ SBaifenfjauS mit ber $t\t tük ^Berliner, 
fo aud) granffurter Sßla^firma wirb. 2)te SRietSberträge über ba% 
Seipjiger äßefjgewölbe lauten ebenfalls fortlaufenb auf§ ganje SSaljr, 
Womit bie ^aHtfdje girma bor anberen girmen freilid) nid)t§ borauS 
fjatte, folange ba% moberne Seip^iger SommiffionSgefdjäft nid)t er? 
ftanben War. 

S)ie auswärtigen Sftieberlagen unb gitialen finb bem SBaifen* 
fjaufe feineSwegS eigentümlich 3)er 93ucfjl)anbet alter Sät fonnte 
Weber feinen SSerlag auf ben 9WeJ3plä£en, nodf) fein Sortiment, ba$ 
eingetaufcfjte 93üd(jergut, am unb bom ©efd^äft^fi^e au£ au3retd)enb 
Verwerten. Er beburfte beSfjalb 3^^99^fd^äfte ober ein ©tjftem öon 
SommifftonSlagern, ober aud§ beibeS jufammen. SBerben bod) felbft 
Heinere, Wenig auf ben £aufdf) eingerichtete ^Sanblungen im SBefifce 
t)on brei unb meljr Privilegien auf „offene Sudjtäben" an öerfd^ie- 
benen Orten betroffen, ©rötere girmen legten felbft im SluSlanbe 
gilialen an, fo bie Seip^iger SBeibmannfdfje 33udf$anbtung in ©dfjweben 
unb in SBarfdjau. 

SSon ben eingetaufd)ten fremben Söüdfyerfdjäken, bk neben bem 
eigenen SSerlag foldlje SSorforge für bie SSerbreitung bebangen, (jat 
fidf) äße ®unbe Verloren. Sein Sagerf atalog f)at fid§ erhalten, ber 
baöon melbet. granefe berietet, wie oben mitgeteilt, Wenige Sflfjre 
nadj ber ©rünbung, ba§ ber 93ud)laben mit ben beften SRaterien 
foWoljl öom SSerlag atö Sortiment, barunter audj auSlänbifdje 2)rutf^ 
Werfe, berfeljen fei. ®ie Erinnerung an bie reiben Sagerborräte Ijat 

©djürntann, 3ur ©efdjidjte b. SurfjljMg. b. SB. 9 



130 V. S*r Snndtsttaffte OeWftfbetzie». 

ftd) bi§ an* Gnbe be§ Jafjrbunbertä unb länger erhalten. „6§ Der- 
bicnt biebep nodj bemerft 511 werben — Reifet c» im J. 1794 l — 
baß auger jener öffentlich aufgeteilten $ibliotl>ef (Saiienipniä-Siblio^ 
t§ef) (£ler$ fidj ba§ Serbtenft erwarb, ein jeljr Dollftänbige§ Sorti- 
ment an^ufc^afren. &r benugte bie $erbinbungen, bie aud) in 
auswärtigen Sänbern entftanben, um nidjt blo» in Xeutfd^ 
lanb gebrucfte Serfe, Jonbern aud) fold)e $u erhalten, bie man in 
ben meiften ^ucbbanbhmgen bergeberä iudjt, um baburd) bie Sunfc^e 
unb Skbürfnijfe ber ©ele^rten ben ber Unwerittät in allen gackern 
befriebigen $u föraten. 3Ran frug bafer fdjon bamal? iridjt leicht 
nacb einem wichtigen litterariicben $robuft vergeben* , unb nod) i£t 
tatbet man in beut bieftgen ^üd)ermaga$in Serfe, bie anfangen 
unter bie titterarijcben Seltenheiten $u gehören. • 

Xa§ 3Mi(bermaga£tn, Dem beut hier unter beionberer Betonung 
bie Scbe in, barf nicht bloß büblicb genommen werben. Xie alten 
Tanicbgetcbüfte beburften großer Lagerräume. 3ft* gegen ben 5ob 
gründet unb ©er** bat aber weber bie ^ucbbanblung noch bie 
$Hbeiaimalt 3 ein eigenes Lagerhaus gebabt. Sm 2.$ug. 1700 mar 
ber enteren ein •großer Saal* an ber wörtlichen gront be§ öaifen^ 
baute* eingeräumt werben, n>dcber noch gegenwärtig ben eigentlichen 
Stacblaben btlbet. $m $. 1703 mußten ibr weitere $äumlid)feiten 
im Srbgettboß $n 3tieberiagen angewiesen werben. Xort befanb itch 
kben bie 3*ucbbruderei. unb ber oon ibr niebt beuu$te Saum, welcher 
gegenwärtig al* jpanblager bient. lott funmnbunm^ig ^Utbre lang 
ber ^ucbbaubluug al# Stieberiage genügt haben. Gift im JL 172S 



1> gramta* Surhageti n. 17^1. 3. 2^. 

2V Sie Stf veim (§alt*bc* ?a$thlatt 1S63, «r. 124) fegt, mnöe fraber 
tlgerncm t^arami. b*| ferä J&k&ok* 4 *, He i««e ^ifeefamfelt, 1727 
erik mach ban Silbe tore etirter* im ^ln$tär sntranca «etfeem lei. vcfdier 
Sbraxfau idfr §~57 e&cnhili $n*i$t bis. Vertrau im tenter geSdtw bte ber 
9SetizzzMatt 3- 37 beridkm tage$tn. ta$ fc«?er t*aa wä ft^ £x gramefe siebt 
mmr beSÄter«. tomfeent amb fcer #nettbfc«i ta$m w& ocs tfrai 9*falt Mnben 
?eL ^te 'SeSemdvag teüettai babe jtcamdt ttBttbcmg* wbt «Übe fefttein 
boKcft, dos 9eztnm öt» am4 Sfrdbnngc* enntteit lN*e. 



$a§ alte Sttdjermaflajin unb feine in* unb auSlänblfdjen ©djäfce. 131 

erhielt fie ben größeren Seil be§ unteren ©tocftoerfö int neu erridfjteten 
©ibliotljefögebäube jur (Srtoeiterung ifjrer Sftieberlagen eingeräumt. 
Unter biefen 33erljältniffen fönnte e3 faft 5h>eifel(jaft fdfjeinen, 06 bie 
6i§ bafjin angehäuften SBüdjerfdjäke hrirflid) fo ungetoöfjntirfjer Sfrt 
getoefen feien, allem ba% grofte unb maffibe SDZagajut ber 93ud)f)anbs 
hing, beffen SBau 1732 in Eingriff genommen unb 1733 bottenbet 
mürbe, ift in feinen auftergetoöfjnlidjen $)imenftonen, bon ber SSolj' 
nung Stug. $. grancfeS 6i§ jum 2Baifenljau§garten reicijenb, ein be~ 
rebter 3 eu 9 e für bie Südfyermaffen, meiere ftdj fdljon unter granefe* 
@(er§ angefammeft Ratten unb bann einen folgen 93au nottoenbig 
machten. 

3)ie obige 9lotij bom Qf. 1794 fpridfjt fdfyon bafür, ba% bie bort 
ftgeapelten au§länbifd§en S3üc^erfcf)ä^e im bireften SBege unb ntc^t über 
einen ber äReftptä^e gegen Kaufet) ertoorben toaren. Unter ben Seip- 
jiger SKePonten Don 1714, toeldje beaügtid) ber ßufammenfe^ung ber 
girmen fo jiemlic^ für bie ganjegrandEe-SIergfc^e^eriobema^gebenb 
fein bürften, finben ftd) nur jtoei au§länbifd(je girmen, (Srtytropefö 
©rben in Sopenljagen unb SßaeSberg in Slmfterbam, beibe mit unbe- 
beutenber @egend)ange, unb bie granf furter Sfteffe, hi$ gegen ben 
breiftigjäljrigen ®rieg im magren ©inne bie europäifdfje 93ücf)er* 
meffe, ttmr fo ftar! im Siücf gange, bafc (SterS perfönlid) bort nidjt 
erfdfjien, fonbem ftd§ burd§ einen ©etjüfen Vertreten lieft. Kro&bem 
finben fidfj früljjeitig ©puren eine§ regen SSerfeljrS mit bem 9tu§tanbe, 
borneljmÜd) mit ^oHanb, bejietjung§toeife mit (Sngtanb unb jumat 
mit bem Dften bon ©uropa, ber ftd) in Slnbeutungen feljr fompafter 
©efcljäfte funbgiebt. 

3)ie 93emer!ung, ba% ba§ bon ©ler§ angefammelte Söüdfjerlager 

e§ ermöglicht Ijabe, bie 2Bünfdf)e unb Sebürfniffe ber ©eteljrten iti 

ber Uniberfttät in aßen gackern befriebtgen ju fönnen, beruht auf 

einer S3ertüed)felung mit bem ßufdjjnttt, ben ber ©ortiment^anbel 

am ©nbe be§ Saljrljunbertg burd) ba& SonbitionSgefd^äft erhielt. 

®ie alten großen Käuferlager Ratten eine biet toeiter getjenbe Slufgabe 

ate SJefriebigung be§ örtlichen 83ebarf§, toetcfyer erljebUdf) fjinter bem 

jurücf geblieben fein ttrirb, toa§ nadf) auStoärtä umgefefct mürbe. 

9* 



132 V. 2>er gr<mdte*<£ter$fcf)e ©cfdjäftSbetrie6. 

Sei 93ertoertung be§ £aufdf)tager§ ftü^te ftd) ba§ SRuttergefdljäft 
in erfter fRei^e auf feinen eigenen bireften SSertrtefe im S n ' un ^ 
2(u§lanbe unb bann auf bie berliner giliale; ob unb toeldljen Stnteil 
bte granffurter unb Seip^iger SWebertagen in unb aufcer ben SReffen 
baran gehabt ljaben, bafür Iäf3t ftd§ toenigftenS bie fdf)on berührte 
Jljatfadje anführen, bafc nad§ ben Setpjtger SRepüdjern nidf)t btofj 
eigener, fonbern audf) frember SSertag in %au\ä) gegeben mürbe. 

SSon befonberem SMang "toar bie SluSftattung Heinerer ^>anb~ 
hingen mit frembem unb eigenem SBertag, fohrie bie SSerforgung ber= 
jenigen ©efd()äft§ft>ett, mit toetd£)er ba$ SBaifenljauS ntd£)t auf bem 
gufte be§ £aufdf)!janbe(§ ftanb. 9?ad§ biefer Stiftung bilbete neben 
bem £aufd^= unb SarDerfefjr ber KommiffionStjanbet einen ttricfy= 
tigen gaftor. 2lu3 ber ©ammlung be§ 93örfenDerein§ tüurben jur 
3eit eine Stnjat)! ©efdtjäftSbriefe an SutiuS ®(er§ Deröffentlidjt, * 
toeldfje in (Ermangelung anberer Unterlagen einen ©inblicf in biefe 
93erfjättniffe 5U Dermttteln geeignet finb. 

Sin§ biefer ©^reiben Don 3. ©ef)r in Königsberg, Dom 22. ©ept. 
1704 batiert, fpridljt nadf) gorm unb gnljatt bafür, baft ber SSerfaffer 
— errebetSlerS „^erjlic^geliebter ^err unb tueljrter greunbt" an — 
mit ben ©efdjäften be§ SßatfenfjaufeS tooljt Vertraut toar unb biefer 
Kunbe feine Sßropofitionen anpaßt. S)rei Saljre juDor fdfjon fyatte er 
bie 2lbftd(jt Dertauten taffen, fidf) um ein ^ritrilegium 5U einem 93ucf)= 
taben in Königsberg bewerben ju tootten, ma§ ifjm Dom SBaifenljaufe 
ber Dielen borttgen Sudfjfüfjrer toegen abgeraten toorben toar. SSon 
einem biefer 93ud)füJjrer, toeldfjer ben 93ud£)l)anbel aufgeben toolfte, 
h>ar il)m injlüifd^en beffen ^JriDilegium angetragen toorben, unb er 
erfudfjt nunmehr ©lerS, U)n unb, toie e% fdfjeint, einen Partner, ba fie 
heibe oljne Kapital feien, fommifftonStoeife mit eigenem unb 
frembem SSertag auSftatten ju tootten. ©r Derfpridfjt Dierteljä^rlid^e 
prompte 2lbredf)nung unb 3afyfon9r ebenfo baf3 er ft>eber im Slnfange 
nodfj fpäter oljne @(er§' SBorhriffen mit jemanb anberS in ein äljnlidjeS 
S3erl)ältni3 treten toolte. SBenn ber 9tbfa& junädfjft nidfjt groft fein 



1) 9(rd)iD für (Befriste be« beutfcf)en$Bucf)!janbel3. 1879. 17. (5.225 u.ff. 






Ter fiommlfrtonSfjaiibcl unter bem fcaufdjljanbct. 133 

fottte, fo toerbe er ftdf) aHmäfjlidf) boc^ fjeben, ba er 33erbinbungen in 
Surlanb, polnifdf) *ßreuf$en, Sitauen jc. fjabe, felbft au§ Slbing unb 
Xan^ig erhalte er Slufträge. 

(Sin 5iüeite§ .(Schreiben rüf)rt bon S^ank SSölcfer in granf- 
fürt a. b. Dber Ijer nnb batiert bom 25. Januar 1715. SSöldEer Ijat 
33ebarf bom <Strt)ffdf)en Usus modernus pandeetarum; ber Söntg 
t)abt einen neuen jurtftifcfyen ^Srofeffor bon3)ut§burg berufen, ber bie 
granffurter Uniberfttät nrieber in glor 5U bringen freute unb (StrtyfS 
Sdfjriften beftenS empfehle. GMeidf^eitig bringt er einen Sßlan jur 
(Spradfje, toeldfjer fidf) nidfjt allein auf bie Uniberfttät, fonbem audf) 
auf ben bortigen Sftefjpla^ ftüjjt. Böldfer toar privilegiert, in grant 
fürt nne in Stoffen, ß^Ki^au unb $ottbu§ einen offenen 33udf)laben 
5U galten, fo tfvax, baj$ toäfjrenb unb aufjerfjatb ber äRätfte fein 
Budjljänbler au§ bem angren^enben (Saufen unb ©djteften bort ber- 
fefjren burfte. gerner toar er feit 1700 im 93efi£ eine§ fdf)toebifdf)en 
$ribilegium§ ju einem offenen 33udf)laben in Stettin, unter ben in 
älterer geit üblidjen Befreiungen bon bürgerlichen Saften unb S3e= 
fd£)tuerben. £rt>& aHebem war er fnapp bei ©elbe unb be§(jatb ge* 
fonnen, einen Kompagnon anjitneljmen, ber ettva 5 — 600£f)lr. ein= 
lege, fjalb ju (fünften be§ (Sortiments, fjalb jur görberung be§ 
BerlagS. ginbe er ein (Subjeft, toeldfjeg ftd) gut anlaffe, fo tuerbe 
er ifjm ben granffurter Budjlaben mit allen Siechten unb Sßribitegien 
gegen einen billigen Sßretö abtreten, unb ba er Softer Ijabe, fo 
fönne er für ben galt, baft il)m eine babon mit einem gettriffen 
ßeiratögut aufteile, ba$ (Stettiner SBerf gänalidf) ablaffen. 93ei biefem 
Arrangement biete ftdf) bem SBaifenfjaufe (Gelegenheit, in granffurt 
einen (Stapel anjulegen, mittete beffen bte £)aHifcf)en BerlagSbüdEjer 
nadfj $olen, (Sdfjlefien, Sommern unb teil$ nadt) (Saufen berbreitet 
toerben fönnten. Unter gleichzeitiger 21u§nu£uug ber brei SKeffen 
fönne bann granffurt für ba& 2Baifenljau§ nridjtiger Serben ate bei 
ber je^igen Sonjunftur Berlin; bom eigenen SSerlage altein bürfte 
jäfjrlitf) für 2 — 3000 Jfjlr. abgefegt derben. 

SSöldEer fügt feinem Borfcfjlage (jin^u, ba§ (Sd^ret) u. Sonrabi 
in granffurt a. £). mit SSaifenl)au§ber(ag toenig berfeljen feien, (Sie 



134 V. Der 3ran<fe*<g(er8fdK Oeftififttfetrie*. 

toaren alfo bodf) bamit toerfeljen, äfjnlidfj toie bte§ SSölcfer geroefen 
fein tüirb. Unter ben Seipjiger Sfteftfonten finbet fidf) feine biefer 
Beiben girmen, fo bafc ber birefte SSerfeljr mit ifjnen angenommen 
derben fann, borau§gefe£t, baft fie mdf)t toon britter Seite b. i. bon 
einer ©rofjfortimentäljanblung, ttrie ba§ 28aifentjau§ felBft toar, ber= 
forgt tüorben finb. 

©in britteS Schreiben Dom 7.2tpril 1713 rüljrt Don ©ominicuä 
fcon ©anb in granffurt a. 9ft. fjer. 6r erflärt, ein biet gröftere§ 
öuantum SBaifenfjauSberlag unterbringen $u fönnen, toenn er ben- 
fetten ieberjeit 5ur $anb Ijabe. 9lu§reid^enbe SBorräte auf fefte 9ted)= 
nung {jtnjulegen, fei t()m §u gesagt , beSljalb Ijabe er fdfjon früher um 
ein Sommtffton§lager erfudfjt unb ttrieberljole hiermit fein ©efudfj. ©r 
Ijabe ntcfjt allein in granffurt, fonbem audf) im ^effenlanbe unb 
fonftoo feine SSerbinbungen. ©ei beäfjalb fein 33orfd(jlag (£ler§ ge= 
nefjm, unb toolle er £errn ©dfjmibt ober toer fonft mit ber 9Ref$= 
Verrichtung be§ SBaifenljaufeS bemnädftft in granffurt betraut toerbe, 
33oHmadf)t be§fjalb geben, fo toerbe bie3 öon feinem geringen SRufcen 
fein. Sei jä^rlid^er Slbredfjnung bejahte er ba3 ^gegangene nadf) 
Stb^ug be§ Wahattö flingenb; merbe ettoaS bon feinem SSeriage ba- 
gegen genommen, fo fei ifjm bte§ um fo lieber, äterfdjiebene ©anb- 
lungen unterhielten in granffurt mit 9hi&en Sommiffion3lager, toälj- 
renb e§ am SBatfenljauSberlag beftänbig mangele. £err ©enfcett Ijabe 
jtt)ar ben Sabenfdfjlüffel, er toofjne aber §u abgelegen. 

£)er erh)ät)nte ©djmibt ft>ar ber Vertreter SlerS' auf ber Sfteffe, 
©enteil bagegen ein anfäffiger granffurter, tueldjer bie ftefjenbe 
ÜRieberlage be§ 3Batfenljaufe3 aufter ber SKeffe bertrat unb beSfjalb 
ben ©dfjlüffel ju berfelben führte. 

2lu3 biefen brei ©dfjretben, meiere in bem, toa£ fie borf dalagen, 
ttjptfdfj ju nehmen finb, erhellt bte Sebeutung be§ Sommiffion§= 
IjanbelS, bebor ba& SonbitionSgefdjäft in 9lufnafjme fam. ®nt= 
toeber fommiffionStoeife SluSftattung Heiner ^anblungen mit eigenem 
unb frembem SBerlag, ober ®ommtffton§lager be§ eigenen 33erlag§, 
ä^nlic^, h)ie fidf) fortan aud) bie Sibelanftalt in ben ^auptlanbe^ 
ftäbten einrichtete, $n ben erften Anfängen ber 93udfjljanblung, ba 



$er Anlauf ber (Eröawtfcer ^apiermu^e. 135 

tüo fid) nod) wenig £aufd)tuftige für ba3 28aifenfjau§ fanben, maren 
bie örtlid) Derteitten ®ommiffion§lager be3 eigenen 33ertag§ DollenbS 
üblid) getoefen, bod) lagen bie bamaligen (Erfahrungen ferner in ber 
(Erinnerung, ba biet geborgt unb fdjtedjt gejafjlt toorben tvax. 

SSon einer ©djnjädjung be§ llnferneljmung§geifte§, in^befonbere 
ber probuftiDen £t)ätigfeit, ift 6iö 5U ben testen Se6en§ja^ren grancfeS 
unb @ter§' nid)t§ 5U merten. ®em festeren läßt ftd) um biefe $tit 
fogar nocf) eine Heine Überftürjung nadjfagen, iueld^e im Sntereffe 
ber 33erlag§probuftion unb ifjrer Suftwft Q e fd) a ()- ©emeint ift ber 
Anlauf ber Srößtui^er Papiermühle, welker am 31. Januar 1725 
jum 2lbfd)luf$ gelangte. 

£)ie SRüfjte \mx Don bem SKü{jlens s Bauinfpeftor ®erme§ 1715 
angelegt toorben, bem ber gi§fu§ bie Saufteile unb einen Söiefenflecf 
gegen einen iäfjrlidjen ®anon Don 40 2^lr. überlaffen Ijatte; Don 
Privilegien fam befonberS in Setradjt „bie bemfelben privative 
accordirte Sammlung ber Summen in bem $er£ogtljum SRagbeburg 
jenfeitS ber (Elbe unb ber ©raffdjaft 3Ran§felb SRagbeburger $ot)eit 
aud) benen 2lmbtern SRofenburg unb ^eterSberg". Sn biefe 3?ed)te 
unb sßflidjten trat ba% SöaifenljauS für einen Kaufpreis Don 6500 Sljlr. 
tin. ®ie anfängtid) befteljenbe 9lbfid)t, bie SÖJütjle in eigenen Setrieb 
ju ne(jmen, erbeut au§ bem Schreiben eine§ SadjDerftänbigen (rooljl 
felbft ^apiermüHer) in ©otfja an 3uliu§ (Eter§, battert Dom 8. ge= 
bruar 1725. (Er rät Dom ©elbftbetriebe entfdjieben ab unb empfiehlt 
ba% 5ßad)tDerljältni§ gegen Kaution, toobei er bemerft: „28a§ (Er 
— ber ^ädjter — nun Don Rapier madjen ttnrb, unb fielet gljnen 
an, um einen ciDiten greift ab^une^men (ungebunben), Ijat (Er 
tüdjtige SBaare, lann er aller Drtfjen Derfauffen, borf) begatten @ie 
ba% 95orrerf)t in allem ©djreib=, 2>rucfpapier unb Rappen." tiefer 
3lat würbe befolgt unb ba$ einmal beftefjenbe $ad)tDerl)ättm§ mit 
Sodann S^riftian Seferftein unb beffen @of)n ©eorg (£f)riftoplj fort* 
gefegt. ®ie bautidjen Unterhaltungen unb SSerbefferungen ber 33e* 
triebSanlagen Derurfadjten aber fortgebt fo Diel Unfoften, ba% ber 
^adjtjinS (anfänglich 400 £f)lr., fpäter 460 £I)lr.) baburdf) DoHftänbig 



136 V. $er ftrancfe s <Slev$fctje ©efääf «betrieb. 

aufgefogen mürbe. $)e§f)alb tuurbe unterm 3. Suli 1764 bie QtiU 
pacf)t in eine ©rbpadjt umgemanbelt. 3n &ent öor bem 2lmte @ie- 
bidjenftein gefcfjloffenen ©rbpad)tbertrage mit ©eorg ©fjrtftoptj Sefer- 
ftein fjeifjt e§ u. a.: man fjabe bie SÖJüfjle jur ßeit fäuflidj ermorben, 
meil man erwartete, ,M$ bie 2>rutferet) be3 28at)fent)aufe§ au§ ber- 
felben mit bem nötigen 2)rucf Sßappier unb bie übrigen Slnftalten 
mit bem bebürffenben ©djreib *ßappter fcon ßeit $u $eit motten 
berfefjen merben, biefer (Snbsmed jebod^ fo menig erhalten morben, 
ba% fcielmefjr biefe löbliche Slnftatten ben größten Sfjeil be3 nötigen 
SßappierS außerhalb fudjen muffen". 

2lu§ ber ehemaligen befdjeibenen Papiermühle ift im Saufe ber 
3eit bie SröHmi^er Stf tten - ^Sapierf afertf gemorben, bk (Srbpadjt 
bon iät)rlid) 360 JL beftef)t aber hiä 5ur ©tunbe fort. 

Sei $8etrad)tung ber grü^eit faßt auf, \>a% bie Stifter unb 
Seiter ber 93udjl)anblung unb äMbelanftatt meber gefdjulte 3fad)* 
männer maren, nodj ba$ ifjnen foldje in irgenbmie mafcgebenber 
SBeife $ur Seite ftanben. grande mar £tjeolog, @ler§ mar £f)eolog 
unb ©rifdjom mar Sljeolog, unb jmar Geologen in bem ©inne, 
ba§ ©rifdjom unb aud) ©ler§, ber nod) in ^aUe morgentänbifdje 
©pradjen getrieben l)atte, über ba3 ®urd)fdjnitt3maf$ miffenfdjafflidjer 
SSorbilbung ifjre§ ©täubet f)inau§gingen, ©rifdjom fogar al§ ©e- 
tefjrter im heutigen ©inne gelten fonnte. 2>ennod) benfen unb tjan^ 
Heren fie aunftgeredjt; in iljren 2lu3laffungen fjat man überall güfj* 
lung mit itjnen, faum, ba% fie irgenbmo jum SBiberfprudje reijen. 
(Sine gemiffe naibe 93et)anblung ber ©efd)äfte fällt aKerbing§ bei 
©rifdjom auf, fcem beut fid) allein Slufaeidjnungeu über 9lrt unb 
©rgebniffe ber @efd)äft§leitung erhalten l)aben. ®ein S^ftf iebod), 
bafs ©ler§ gefd)äft§männifdj ber überlegene Seil mar. @r mar ba£ 
£aupt ber Snftitute — fomeit e§ 9lug. $. grande nidjt mar. * ®er 



1) S)ie (Stellung t>on grantfe unb (SlerS gur SBudjljanblung toirb l)er= 
fömmttdj berfannt. grantfe Ijat faum einem Steige feines Dielfeitigen 2Btrfen$ 
per fön lid) mefjr gett unb Arbeit gemibmet, afö bem „SBudjlaben", melier ja 



j ._^ Bflitf i aia j tflHu ^ M ^ a ^ :i . *_. 



3)ic Sorfteljer b. ©ud§{janMunn u. ©ibefanftalt iu bcr grü^cit u. barübcr IjtnauS. 137 

innige 3u|ammcn^ang jroifdjen SBudjfjanblung unb SMbelanftalt fpridE)t 
fiä) u. a. barin au§, baft ©rifrfjoru ber SSertreter ©lerä' 6et beffen 
regelmäßigen unb längeren SSefudjen Don Seipjig unb Söerlin toar, 
tuobei er fidj) mit ben 33erf)ättniffen ber 33ud)(janblung unb beren 
SDrucferei gerabefo Vertraut jeigt, U)ie mit ben 33erl)ältniffen bereitet 
anftatt unb ber äMbelbruderei. 

S)ie güfjtung jmtfd^en gelehrtem unb praftifdjem 93ilbung§* 
tiefen, ruelcfye fid^ hierin befunbet, betätigt ftä) jiemlidj ba$ 18. Safjr* 
fjunbert t)inburdE). 2>er SRadjf olger Uon (8(er3 tvax Igolj. ^einr.^opf, 
1728 — 40, Uorljer gnfpeftor ber Sifdjje b. i. be£ allgemeinen ©e* 



auf feine probuftibe $raft oor allem bermiefen mar. 2Ber ben 3mpul§ ju ben 
litterarifdjen Unternehmungen im allgemeinen unb in§befonbere gur ©rünbung 
ber SBibelanftalt gegeben fjat, erhellt au$ bem großen $luffa£. 2)ort finbet ftct) 
auct) bie ©rflärung für bk jaljlreicrje unb Ijeroorragenbe Beteiligung ber Uni= 
oerfität am SBerlag. SBon bm bebeutfamen päbagogifdjeu Unternehmungen ift 
of>ne meitereä annehmbar, bafc fie bireft unb inbireft unter grancfeä ©influfr 
ftanben. ©elbft bem eigentlichen ®efdjäft§betriebe ftanb er nfifjer, al§ bie 9ln= 
nafjme ge^t. SSenn ein Seljrling, mie mir fe^en werben, ficfj nact) einigen S8er= 
fucf)3mocr)en Dom $Bud)f)anbel mieber berabfctjieben moUte, fo manbte er ftd) mit 
feinen ©rünben nidjt an (&ler§, fonbern an ben „§erro Sßrofeffot", mie fict) 
grancfe nennen liefe- ©ler§ mar iljm freiließ eine f)od)notmenbige Sßerfönlidjfeit. 
(Sr mar ber ©ortiment$bucr)l)ä übler alten ©til§, funbig in allen fingen, 
üon gefunbem SBlicf unb oon autoritativem 9lnfef)en bei ber gadjmelt. (Sr r)at 
ba§ $rojeft ber SBibelanftalt in bie richtigen SBege geleitet, fotuie t>erfcr)iebene 
Vorgänge geigen , bafr man auf bie fdjiefe (Sbene geriet , menn feinem SRat nidt)t 
gefolgt mürbe. Mein eine probuftioe Statur mar ($ler§ nicr)t unb audj moftl 
leine probufrto anregenbe. Sßenn bie (£ntroicfelung beä 2öaifenl)auäüerlag& 
oon tfnu allein abgegangen fjätte, mürbe berfelbe 51t furj gefommen fein. Unterm 
27. gebruar 1704 rjeiftt e§ in ben Elften ber 33udjbrucferei (SSerlag) nad) münb- 
lidjen Äußerungen üon (Sler§: „3Benn ba% S3i6elmerf (b. i. bie SBibelanftalt, 
beren 3bee granefe bamalä oon neuem aufgenommen f>atte) mirb jum ftanbe 
fenn, fo fet) unfer Saben mit Verlage auff 50 Qaljr oerfetyen. Pannen- 
tjero rat&et er, fid) nidjt me^r fo ju überpuffen mit ber Edirung neuer ©djrifften. 
§m. §encfel§ (?) ^refee fönne man mol eingeben laßen unb aud) eine öou 
unferen amerjen." @ler§ mürbe e§ alfo mit ber SBerlag&probuftion um bie 
nämlidje geit ju oiel, mo granefe barauf fann, biefelbe naeft oerf ergebenen 
SRic^tungen reifer au^ugeftalten. 



138 V. 3>er brande » (£(erSfc^e Qfcföäf «betrieb. 

minar§, Weldjer im Satalog mit einer Introductio in antiquitates 
sacras veterum Hebraeorum unb mit einer Iuris prudentia naturalis 
vertreten ift. 9tuf 3opf folgte atö ^nfoeftor be§ 95ud^Iaben§ $afob 
©ottfrteb 93 3 1 1 i dj er 1 740 — 1 762, beffen SWame auf Seidiger 9»tet^ 
»ertragen aber nur big jur Dftermeffe 17G0 toorfommt. SBöttid^er 
War uorbem $nfpe!tor ber lateimfdjen ©djule, ebenfo fein 9?adf)f olger 
Sotj. SRidfjaei SBitte big 1779. grft mit ffarl grb. gonrabi 
(1781 — 1808) beginnt ba§ fadjmännifdje ©lement an ber ©pifce 
ber 93ud$anb!ung. 

grettid) barf man ben ©efdjäftSbetrteb jur Qtit be§ £aufdj* 
Jjanbetö nidjt mit bem Jjeutigen berroedjfetn. £ro£ be§ 2lpparat§ 
üon Filialen unb Sßieberlagen War öon einer Somptifation ber Sin* 
Jprüdje wie gegenwärtig leine Siebe, audj ftanb balb nadj ©ler§ ben 
Snfpeftoren ein budjt)änblerif<I)er gadjmann jur Seite, Wetdjjer toify 
tige Obliegenheiten mit benfelben teilte, barunter fogar bie SSeriag^ 
biSpofitionen. 

93ei allem SBanbel, ben ber ©efdjäftSbetrteb feitbem erlitt, fjaben 
fid) boef) mancherlei 3üge beSfelben bi§ jur ©egenwart erhalten; 
bafjin gehört ber ©runbfa£ mäßiger greife, melier für bie Qtoedt 
ber SMbetanftatt unerläßliche 93orau§fe£ung War, aber audjj bon ber 
99u^anblung fdjeinbar t)on 9lnfang an beobachtet Sorben ifi SBie 
W 93ucfyf)anbtung $u biefem Stnfetjen gefommen, ift für bie gefd^id^t^ 
lidfye ®unbe be§ 33ud)f)anbetö nidjt ofnte 93ebeutung. 

©djon im 3. 1732 fiel in ber gadjlitteratur l bie SBemetfung: 
e§ fei auffällig, bafr ba$ 28aifentjau§ ju $aHe bor ber fd§änbticf)en 
^Seft be£ SRadjbrucfenS fo fidler bleibe, ein SSorteil, beffen fidj nidf)t 
leidet eine anbere girma Werbe rühmen lönnen. ®er ©runb hierfür 
Würbe in ber 2tnfe^ung leiblicher greife gefugt. 2 



1) ßfjarlatanerie ber SBudjfj au Mung 2c. 8. 83. 

2) $amit ift felbftberftönbli$ bie ®efaf)r be3 9Jacf)brucf3 in fremben 
Territorien gemeint, weldjer bon ben betreffenben SanbeStyerren nidjt allem 
nid^t berroefjrt, fonbern gerabeju in 8d)ufc genommen b. i. privilegiert würbe, 
fofern ba3 Sßublifum nadj ber üblichen ©fala im greife überforbert würbe. 
0§ne grage waren mäfcige greife ein 8d)ufcmittet bagegen, im SBaifenljaufe 



Sie Äfaßen über bie $öfje ber ©üdjetyreife im SBaifettöaufe. 139 

(Sotoett bie§ gute Stnfeljen ober aucr) in bie 33ergangen!jeit jurücf* 
reicht, in ben Anfängen fjat e£ nidE)t beftanben, im ©egenteit, e§ Der* 
lauten balb klagen über bie $öl)e ber greife. ®a§ 2lrd)ü) für ©e- 
f djidjte be§ beutfdjen 33udf)l)anbetö beröff entlidE)te jur 3eit ba& Schreiben 
eine§ £efjr!ing§ an 2tug. $. granefe, batiert bom 24. 9Kai 1702, 1 
tüorin berfelbe nadj „einigen 33erfudf)§s28odE)en" um feine ©ntlaffung 
bittet, Ijauptfädfjtid) au3 @ett)iffen§bebenfen über bie greife be§ 93ud^= 
labend, toegen beren er fo t)iele klagen ber Säufer anhören muffe. 
®ie§ (Schreiben ift beim SRangel gefcr)idjtlicr)er Sommentierung befon* 



lä&t ftd) jebod) bie SBeobadjtung matten, baft e? bamit allein nidjt getljan mar. 
■ftadj ben ©runbfäfcen be? 9tterfantiffrjftem? burfte man ftd) auä) bem £au f d) = 
gefd^clft mit fremben Territorien nidfjt entjie^en, ein ©runbfa£, ber nadj bem 
ftebenjäljrigen $rieg ba? offiziell begünfttgte Wadjbrudf ertreib en im ©üben in 
(Schwung braute. 911? um bie Qtit, öon ber oben geljanbelt wirb, bie befremb* 
tiefte grage ^ur Erörterung fam r ob e? awedfmä&ig fei, bie „(Sortimente ab^ 
f Raffen" b. i. ben £aufd)i) anbei cinjuftellen, legte ftdj (Sler? ernftlid) in? 
3eug unb madjte u. a. geltenb: „3Benn bie SBud^ftnbfer ben SSerlag nidjt meljr 
gegen 33üdjer empfangen, werben fie auf alle 2Bege fudjen, benfelben nadj= 
jubrudEen: wie benn neulid) ein 33ud)l)änbler, ba er fo gefdjwinbe §rn. Langen? 
Grammatic ntdjt Ijaben fonnte, bereit? broljete , in Semgo wären audj Steuern, 
bie e? brudfen fönnten; wie oief mel)r würben fie fo fredj fet)n r wo fie feine §of= 
nung Ratten, of)ne (Mb e? ^u erhalten." 

1) 3)a? «Schreiben ge&ört ber (Sammlung be? SBörfenoerein? beutfefcer 
93ud)l)änbler an. 9todj bem 9lrdjto I. <S. 193 fjei&t e? in bemfelben: „<3o bann 
bin id) aud) eine Qett fjer fel)r furdjtfam gewefen betjm täglichen SBüdjer SBerfauff, 
ob id) e? fo treffen würbe, bafc Weber ben 3öat)fen=$inbern; nodj bem 9Jedjften 
einiger (Schaben $u wüdjfe. 9luff biefe ©ebanfen aber l)aben mief) bracht bie 
oielfältigen £äuffer? , al? weldje öffter? eine? Ueberfafce? ober SSorfdjlage? gegen 
aubern SBudjlaben (Srwe^nung getfjan, wefdje? nidjt nur mit einem, fonbern, 
wo e? nötfjig mit unterfdjieblidjen Exempeln bargetljan werben fönte. SSeil 
nun mein ©emütl) bei) biefen unb anbernUmftänben, welche oor i$o übergefje, 
ftd) jiemlict) öngftlidi 6efunben unb tyarte (Stänbe erlitten, al? eröffne ben |>er$licf) 
geliebten §errn ^rofeffor wo^Ime^nenb , bafe man midj bei biefer Arbeit meine? 
(Sradjten? fdjwerliift mit 92ujen wirb braudjen fönnen. SBitte bemnaift, weil 
mir bif$er in biefem $)anbel aller Wlutf) gefunefen, unb mein ©emütf) ba^er ju 
fluetuiren angefangen, bafe man ftd^ um ein tüchtiger unb capabler Subjectum 
um^ufe^en bemühet fetyn, unb e? nur mit einigen 93erfud)? = 2Bodjen mit meiner 
Arbeit in biefem Saben gu begnügen belieben lagen wolle." 



140 V. 2>er $rande*(£fer$fdje ©efc§äfte&etrte6. 

berS geeignet, bie Anfänge ber Sudjjfjanbtung in fonberbare 93eleurf)^ 
tung 51t Bringen. 

Sann nun audj bie Sfjatfadje jener Slagen nidjt beftrttten werben, 
ja muf$ fogar jugegeben werben, ba% fie nod§ ein t>oKe§ Sö^ä^ n t 
fjinburdj anhalten, fo erf feinen biefetben bod) in anberem Sichte, wenn 
man ifjnen näljer auf ben ©runb gef)t. 

$)er 33ud)f)anbel um 9lug. $. grancfeS 3 e ^ fawt ^ ne Sa ben* 
preife; SSerlagS- unb SReftfatatoge erfdjienen ofjne greife. 1 £er 
fogenannte Drbinärpretö, Weldjer fpäter jum Sabenpretö Wirb, biente 
ber ©efd)äft§welt jur SluSeinanberfejjung unter fidj, War aber für 
ba$ Sßublifum nidjt mafsgebenb. £e{}tere§ war bafjer bon jefjer mifc 
trauifd) gegen ba$ 2>unfel unb !q\\u unb ^erfdjwanfen ber 33üd)er= 
preife; im 93ud)taben Würbe gefeilfdjt wie iti ben 5D?arftWeibern. 
Um bem absteifen, fjatte baä 28aifenljau§ beftimmte 33erfauf§preife 
angenommen, Don benen nid)t§ nadjgelaffen Würbe, eine (ümiridjtung, 
bie ©ter§ augefdjrieben unb if)tn als SSerbienft angerechnet Wirb. 2 
SBann biefe @Hnrid)tung entftanben ift, barüber finbet fidj nid)t§. 
Sßöglidjerweife fjat fie Diel 5m: Unjufrieben^eit beigetragen; ba$ 
5ßublilum Wollte feilfdjen unb lonnte fid) hierfür auf ba§ ^erfommeu 
berufen. 

Unter bem Saufdjljanbel Wirb e§ oft genug fcorgefommen fein, 
baft ber $rei§, welker im 28aifent)aufe geforbert Würbe, ljöf)er War 
atö in bem einen ober anberen ^attifdjen 93ud)Iaben; ebenfo Wirb 
e§ fid) oft umgefefjrt behalten fjaben. ®er 93üdE)erprei§ beftimmte 
fid) im legten ©runbe nadj bem, \va8 jemanb in ©egentaufd) ge= 
geben tjatte, unb jebermann mufjte am beften Wiffen, toa$ if)tn fein 
eigener SSerlag wert War. SBeniger ^retebifferenjen Werben bei 
folgen Sudlern borgefommen fein, welche nidjt in Saufd) gegeben 



1) $a§ SBaifenljauS giebt nod) in feinem 93erlag§f atalog Don 17f.O feine 
greife an. S)er alte, öerfd)ttnegen gehaltene Drbiuärpreiä , welcher ber £aufdj~ 
redjnung $u ©runbe lag, wirb erft gum offenfunbigen Sabenpreife mit ber 58er= 
brängung be3 £aufd)(janbef3 burrf) bie reine (Mbrecfjnung, aifo im legten drittel 
beS 3af)rfjunbert£. 

2) granfenä Stiftungen IL ©. 462. 



Serttaljrimg bcS SBoifenljaitfeS gegen ben Sornmrf au Ijoljcr 93ucfier^reife. 141 

Würben , fonbern füngenb erftanben Werben mußten, t>orau§gefe£t, 
baft in Mefem gälte ber ©ler^fdje ©runbfajj nidE)t berfttmmte, be- 
ftimmte greife anjunefjmen unb nidjt§ babon abjulaffen. 

hieben ben klagen über bie ©djwanfungen gefjen bte Slagen 
über bie $öf)e ber 33üd)erpreife. 3>n alter 3ett wirb ber 93ud)laben 
$u fudEjen fein, Welcher fie nid)t mit angehört Ijat; baljer bie fo oft 
erneuerte Slnbroljung einer offiziellen 93üdjertaje unb bafjer ber in 
ben Sßrtoilegten fo btelfad) borfommenbe SSorbeljalt mäßiger greife 
ober bte 33erpflidjtung auf einen beftimmten ^ßretö. 

3>m 3. 1708 füllte ftd) \>a% 2Baifenljau§ gebrungen, über feine 
einfdjtagenben ©runbfäjje eine öffentliche ©rflärung abjugeben. Sei 
ber Gelegenheit Ijeiftt eS 1 : „@§ wirb fid) in Unterfudjung finben, 
bafy mandje Sucher nidjjt einmal fo fjodj) al3 auberer Drten berfaufet 
werben. £)af)er aitci^ einige 33ud)fül)rer ftd) befdjweret, baft fie an 
ben S3erlag§-$8üdjem be£ Söatjfen^aufeS Wenig gewinnen fönten: 
Weil bte Säufer gewohnt wären, foldje wohlfeiler im SBatjfen^Söud)* 
laben ju faufen. ®ie Sortimenten aber ober foldje 33üdjer, bie bon 
anbern SSud^fü^rern Verleget, unb auf ber Sfteffe gegen bie 83erlag§= 
33üd)er be§ 2Bat)fen-^paufe§ eingeljanbelt finb, Werben im 33ud)laben 
um eben ben greift an bie Säuffer überlaffen, als fie auf ber ÜÖJeffe 
eingeljanbelt Worben, oljne ba§ geringfte Don gradjt unb SÖJef^Un* 
loften barauf ju fdjtagen. Unb Wenn man im ©inlauf an ein ober 
anbern 93ud)e übervorteilet ift, fo Wirb allemal betjm SSerfauf ber 
greift gewiffenfjaft moderiret, ba% man lieber ben ©djaben über ba§ 
aSa^fens<pau§ gefjen läffet, al§ ba§ man wiber 93iHigfeit Ijanbetn 
folte. 2luf bie 93üd)er aber, fo mit baarem ©elbe eingelaufet werben, 
Wirb nid)t unbillig etiotö Weniges gef djlagen." 

®te klagen lamen bamit nid)t jum ©djweigen, ©ter§ aber 
würbe atö Urheber berfelben betrachtet. guftinuS Zöllner, um feinet 
frommen ©ifer§ Willen be§ $rebigtamt§ entfejjt unb Don grande fpäter 
mit berfdjjiebenen gunftioneu im 2Baifenl)aufe betraut, erjäljlt, fie 



1) Sufeftaffen. ©rünblidje ^Beantwortung ber unglimpflidjen Censur. 
Rubere Edition, $afle, 1709. @. 81 u. ff. 



142 V. $cr ftrancfcsfciertfcije ©efäfif »betrieb. 

oft mit ahgefjört ju fjaben, ofjne ju wiffen, ma§ er bei bet (SlerSfc^cn 
©ewiffenfjaftigfeit barauf antworten fottte. 6ler3 fei — fo gefje bic 
Siebe — fein befferer 33ud)füf)rer atö anbete ffeifdjtidje Seute, bie 
mit 93üd)ern fjanbelten, nur baf$ er nodj etwas teurer fei ©r, 
SMner, fyaht behalt (Gelegenheit gefugt, mit ©terS barüber ju 
fpredjen, roa§ Don biefem übel bermerft worben fei, fo bafc er 9lfe 
ftanb baüon fjabe nehmen muffen, ©ewift fei, baft ber SJogen ©icero, 
Sßittel ober anberer größerer ©djrift, ben @ter§ bruefen taffe, ifjm 
(für $)rud unb Rapier) niemals bößig 1 pf. fofte. 2>e3(jalb fönne 
man Wof)t mit jiemlidjem Stufen ba& 2llpf)abet, 23 Sogen, für 3 gr. 
Verläufen. Sftun aber werbe bieS nidjt einmal bedangt; ba§ Stlp^abet 
foße nur nidjt, wofür ©eifpiele ju nennen feien, über 4 gr. angefe&t 
werben. 

2Infang§ Stejember 1712 fanb JMner im Dpferftod ein ano- 
nt)tne3 Schreiben bor, erfid)t(id) Don einem greunbe be§ 28aifenljaufe3 f 
Wetter in einbringlidjen SBorten mafjnte, bie berechtigten Klagen 
über bie fjoljen 93üd)erpreife nidjt länger gegen ftdj ergeben ju laffen. 
üßacifjbem man bk SBittenberger Senforen, bk ftd) in ben legten 
Sauren mit ben grandefdjen Slnftatten fo biet befdjjäftigt, in geeig* 
neter SBeife bor ber DffentUd)feit abgefertigt Ijabe, möge man nun 
auc§ burrf) bk Sfjat antworten unb jene Slagen berftummen machen. 
©3 fei notorifd), ba% biele 93üd)er in anberen 93udj)täben um etliche 
©rofdjen wofjtfeiter berfauft würben, barunter felbft eigener SSerlag 
be£ SBaifenljaufeS. ÜÖJandjje Sucher be§felben jeidjjneten jtd^ audf) nicljt 
eben burd) fonbertidjen ®rud au3, würben aber nidjtöbeftoweniger 
t)öt)er afe 4 gr. ba$ Sllpfjabet berfauft. 

$ier tüit bei Saliner unb aud) fonft fällt auf, bafc ber S3üdf)er* 
prei§ tebiglid) nad) ben Soften Don 2)rud unb Rapier gewürbigt 
Wirb. 2Ba§ pro labore (Honorar) auf ben einjelnen Unternehmungen 
laftete, lommt nidjt in 2lnfd)lag; nadj) ©ler§ betrug biefer Sßoften in 
jenen Sagen über 5000 SRt^lr. 

gerner faßutiert SöHner baä 2llpl)abet nadj ben Soften bon 
2)rud unb Rapier in einer SBeife, wie fie felbft bei reiner ©elb= 
redjnung nic^t ftattljaft gewefen wäre. ©lerS, Welker in Saufdjj* 



Der urfä$ltd?e Sufammen^ang ber Sßret&föHjanlunaen. 143 

redjnung arbeitete, erhielt für baä Sllp^aöet nidjjt, wie Zöllner an- 
nimmt, 4 gr. unb metpc, fonbem bloß Sucher in biefem SBerte, 
nad) bem Drbinärpreife berechnet. 2)iefe Sucher mußten erft in 
©elb umgefe^t werben, toaä bei weitem nidjt öoKftänbig gelang. 
2)ie maffigen Käuferlager alter $eit beftanben jum guten Steil a\& 
fd&wer ober gar nid^t t)er!öuf liefen Sieften, wie fie fid) &on %af)x ju 
Sa^r anfammelten. 

2luf bie eine unb bie anbere 2trt erflären ftdj wefentlidj bie 
bamaligen Sdjjwanfungen im SSüdjerpreife. 28er wie bie ©fite be£ 
33ud)l)anbetö pro labore metjr ausgab, al§ ber 2)urd)fd)mtt ber ©e- 
fdjäftöwelt, Ijatte natürtid) mit fjöljeren $erfteHung§foften ju rennen, 
unb wer auf ein reidj au§geftattete§ Sager bon etngetaufdjjtem ©or~ 
timent l)ielt, mußte fidj) mit bem SBagniS abfinben, ba% fym ungleich 
meljr liegen blieb, aß bemjenigen, Wetter fid) auf ba§ SSeredjenbare 
befdjränfte. 93eibe§ tjatte (Einfluß auf bie SßerfaufSpreife. Sine ein* 
Ijeitlidjje Regelung berfelben, toiz man fie fidj bei ber fo oft in 9lu3- 
fid£>t gefteöten SSüdjertaje badete, War fc^on au§ biefem ©runbe ein 
Unbing. 

' 9lad) Sluffinbung be§ anonymen ©djreibenS im Dpferftocf wanbte 
fidj Zöllner unter näherer Darlegung ber 33efdf)Werben an ben Stifter, 
Welcher bie Sadje feljr ernft genommen ju tjaben fdjeint. SBenige 
£age fpäter fanb eine Beratung jWifdjen @ler§ unb Saliner ftatt, 
einmal wegen ber fofort in Sraft ju tretenben ^ßretörebuftion unb bann 
jur Vereinbarung allgemeiner -Körnten für lünftige ^retöbilbungen. 

93ei SKitteilung be3 ©rgebniffeS biefer Beratung an granefe 
erklärte fid) @ler§ im borauS mit allem eüWerftanben, tvaä für bie 
3u!unft befdjloffen werben follte. 2Mner Ijabe bie greife fo gefegt, 
„wie er fie fidj ju Verantworten getraue". SBenn eine Auflage Don 
jebem SSertag§werfe bertfjan werbe — nad) ber Umfa^weife be& 
£aufdjljanbete feine fo unhaltbare 2lnnat)me, afö e§ nad) neueren 
33erf)ältmffen fdjeinen lönnte — fo würben bem Sßublifum bamit 
7500 9?tf)tr. Dorn greife erlaffen ober gefdjenft werben. 

%lad) ben für bie 3 u ^ un P Vereinbarten (ärunbfäjjen follten bie 
auf ber Seipjiger 2Keffe eingetaufdjteu 33üdfjer „orbinären" 2)rudfö r 



144 V. 2>er grandestSterSfdje ©cföäftS&etrte*. 

luomit ber ©djriftgrab gemeint ift, für bo§ ?llpf)abet getüöljnlidf) auf 
4 gr. unb ber SorpuSbrucf nidf)t über 5 gr. für§ Sllp^abet gefteHt 
werben. Drbinärer ®rud, auf ber granffurter gjteffe eingetaufdf)t, 
foßte nidjt über 5 gr. unb ber fiorpu§brud nid)t über 6 gr., unter 
Umftänben fogar nur mit d 1 / 2 gr. ba% ?llpljabet beregnet toerben. 
®ie 5ßrei§bifferenj shrifdfjen bem in Seipjig unb granffurt einge- 
taufdjten 93üd)ergut fütjrt fidj toofjl auf bie Sifferenj stoifdjen bem 
Seipjiger Sur§ unb ber für granffurt gültigen 9ieid)§mün5e jurücf, 
freiere bi§ jum ftebenjäljrigen Stieg 15 p®t. betragen Ijaben foll. 1 
9(uf$erbem tourbe nod) ba§ ßugeftänbntS gemalt, baf$ einige Sogen 
über ba£ 9llpf)abet nid)t beregnet merben foHten. 

3ur (ffjarafteriftif be§ £aufd)f)anbefö fommt hierbei ein inte= 
reffanter llmftanb jur ©pradje. 5)a§ 28aifenl)au§ tnar nämlidj nad) 
9trt feiner SSerbinbungen mit ber ©efdjäft&nelt gar mdf)t im ftanbe, 
bie Preisreform oljne SSerftänbigung mit berfelben burdjjufütjren. 
SDiefe SSerftftnbigung itmrbe nur teiltoeife, toie e§ l)eif$t, mit „Dielen" 
Vertretern berfelben herbeigeführt, unb 5toar auf folgenber ©runb- 
läge: 1. ba§ 9tlpl)abet orbinären 3)rud§ ferner mit 4 gr. $u berechnen; 
2. einen Überfdjuf$ bon einigen Sogen über baSfelbe außer 33ered)= 
nung ju laffen; 3. 3(u§gaben pro labore nidfjt auf ben ^5rei§ ju 
fragen unb fobann 4. niefjt $u fdjarf §u rennen, toemt fid) einmal 
ber 5ßrei§ bon 3)rud unb Sßapier ettt>a§ Ijötjer benn fonft belaufe. 
Gnblid) folte bei au§fönbifdf)en 93üd)ern rote j. 93. ben boHänbifdjen, 
tt>eld)e eine anbere laye Ijatten, auf alle SMHigfeit gefe^en toerben 
unb trolle man fid) berfelben lieber entfdjlagen, iuemt man 
mit bem greife nid)t burdjfomme. ©benfo U)oKe man Don inlänbifdjen 
93udjl)änblem lo§äufommen unb auf i(jre Südjer §u berjidf)ten 
fud)en, fofern fie ftc§ ber neuen s Jkei3einrid)tung nidjt fügen, fonbern 
lieber beim alten bleiben foHten. 2 



1) 9ttagaain für ben $eutf$en Su^atibel. 1874. @. 205. 

2) 3)ie SBerftimmung grancfeä über bie SBefdjtuerben ber S3üd)erfäufer 
mag (£fer3 nidjt roenig betroffen gemadjt traben, fo ba& er i^n burdj toeiteve 
^on^effionen gu beruhigen fuc^te. darunter fommt audj folgenber $orftf)fag 
oor: „ob audj tool uon unferem Verlage ber rabbat öon 10 9ftt(jlr. cessiret: fo 



$te Söirfimg ber Stebuftton ber 8ü($erJ>retfe. 145 

SBietoofjl a(fo ba§ SBaifenljauS in feinen 3ugeftänbniffen nid)t 
}o freit ging, afö £ößner e§ für mögtid) fjtelt, ttmrbe e§ baburd) 
bennod) au§ ben SSa^nen feiner ©efdjäfte mit gn* unb 2tu§tanb 
einigermaßen gebrängt ®ie SBerbinbungen, auf meiere man gege- 
benen gatte ju öerjid^ten toißenS toar, toerben überbieS nid^t ju ben 
toeniger jdjä^baren gehört Ijaben, unb biefer Seil ber ©efd)äft§toett 
}df)eint audf) auf bie ®auer feine 3urücffjattung behauptet ju Ijaben. 
Site griebrid) SBilfjelm I. 1733 fein ©arnifon*©efangbud) in ber 
Sibetanftalt ebierte, ttmrbe er in gettriffe ©efjetmniffe be£ äRetierS, 
barunter bie $rei§bilbung ber Sürfjer, eingetoetfjt. „Sin Sogen bon 
orbinairer ©df)rift — fagt ber betreffende SBeridjt — ttrirb in bem 
orbentlidjen SJertag be§ 2Bai)fenl)aufe3 mit 2 Pfennigen bon bem 
Säufer htftafyltt, auf torfdjen Sßretö man fetbft bor mehren gafjren 
benSJerlag Ijeruntergefefcet l)at, ba bie 93ud$änb{er f onft burdjgeljenbS 
ein me^re§ ju nehmen gewohnt geroefen, audj größtenteils foidjeS 
nodf) tljun." 



fann bodj, wenn jemanb eine aiemlidje summe bon Sortiment -SBüdjern erfjan* 
btltt, bem $äuffer eine (Srquicfung gemalt, unb ein rabbat gegeben roeiben, 
etwa 10 p$L" @ine 9lnbeutung be$ in ber ^eujeit $ur Kalamität geworbenen 
$rtoatfunben=9iabatt3 bom 3- 1712. 



@($firmanit, 8ut @efät($te b. ©udföblg. b. 28. 10 



VI. 






USei aKem äußeren SBadfjfen unb Slufblüljen be§ grancfefdjen 
SBerfeS War ber 1739 berftorbene 3ol). Stnaft. gret)lingl)aufen in 
feinen legten Sebengja^ren bennod) t>on ßroeifeln über ben gürtgang 
be§ inneren *Baue§ erfüllt, $l)m War, atö Wenn ba§SBerf in 3 u ^ft 
nidjjt mefjr leiften werbe, toa£ e§ in ber Vergangenheit geleiftet Jjatte. 
®er Aufgaben mürben weniger. S)er mächtige 3beali§mu§ be§ Stifter^ 
unb feiner ©etjilfen, weldje fdfjeinbar unerreichbaren fielen fd)öpfertfd) 
nalje famen, für ftd) f eiber aber nidjt§ beanfprudjten, nict)t einmal ben 
•Kamen il)re§ £t)un§, fonnte jubem fein ©rbftücf bilben unb mußte tioU 
lenb§ berraudjen mit bem üftiebergange be§ ^3ieti§mu3, ber fdjon bor bem 
£)infdjetben 2lug. .f>. grancfeg etwa§ 9lußerlid^e§ anjuneljmen beginnt. 

SBie für bie Stiftungen im ganjen finb audj für ben „33ucfy= 
laben" bie Saljre 1698 — 1739, bom (Stifter bis ju gretylingljaufenS 
Sob, bie bebeutfamften. gn biefen 3fafj*en fommt bie Drganifatton 
ber nadj Serlin unb ben beiben 30?eßplä^en berjweigten ©efd)äft§= 
anläge ju ftanbe, zttoa 700 SßerlagSWerfe, barunter Unternehmungen 
ber umfangreidjften9trt, geid^nen ba3 Sßrogramm ber SSerlagSt^ätigfeit 
bor, ein reidjeSSaufdjlager, gefüllt mit in = unb auSlänbtfdjen Sudler* 
fdjäjjen, ftnbet fid) pfammen, unb at§ befonbere ßierbe be§ SBaifen- 
l)aufe§ nimmt biejenige grandefdje Slnftalt, welker bor allem unber- 
feile 3ttedfe nachgerühmt Werben 1 : bie SMbetanftalt, ifjren Anfang unb 
gewinnt feften Soben. 



1) 9*itf d)I, Mbredjt, ©efäic&te b.$tett§mu£. IL 1. SBonn, 1884. ©.277. 



35er Geratter ber ©efdjäfte in bcr Srüfoett. 147 

2)em t)öd)ften ©djttmnge be§ Unternel)mung3geifte§ ttrnr fdjon ein 
3iel gefegt toorben mit bem Sobc be§ @tifter§. 2)amit Ijatte ba8 
probuftibe Sßermögen be§ 28aifenl)aufe3 einen Stbbrud) erlitten, über 
ben emfttoeUen nur ba$ reidje (Srbe an fortnrirfenben Sbeen unb 
£ran§aftiqnen grancfe§, fotoie bie gelehrten unb probuftto4ittera~ 
rtf d^en ©igenf d^aften be§ älteren gret)tingljaufen at§ Sßadjfotger grancfeS 
fjinroegljelfen fonnten. 

Unter bem (Stifter ift ber SSerlag nichts toeniger at§ ba§, toa3 
er fpäter burdf) ©djjtoädjung ber probufttoen unb probuftiö anregenben 
Sraft be8 2Baifenf)aufe§ naturgemäß wirb, b. Ij. 2)rucf erberlag — 
aud) in bem ©inne nidjt, baß ba§ einjelne Unternehmen auf ©ertrinn 
unb SSeriuft angefeljen tturb. 2)afür tt>ar bie 33erIag3probuftion ju 
fefjr Don ben Sbeen beljerrfdjt, benen bie Srantfefdjen 2tnftalten in§* 
gefamt iljren Urfprung fcerbanfen. SSon ber erften Sßrebigt an finb 
ibeale unb gemeinnützige ©efidf)t§punfte beftimmenb. „®ie Edirung 
guter, nü&tidjjer unb erbaulidjer ©Triften — Ijeißt e§ gegen 1701 — 
muß mit allem ©rnft fortgefefct Serben." hinter biefe unb äfjntidje 
Slnforberungen tritt ba§ ©efd)äft§äiel afö SWittet jum Qtvtä jurücf. 
SSoHenb§ bie Sluffaffung be§ 2Saifenf)aufe3 afö Slnney ber Untoerfität 
giebt bem SSerlage in feinen gelehrten Unternehmungen balb einen 
rerfjt emften ©efdjäft£djarafter. 

3>n biefem ©eifte ttmrbe audj \>k fid) fofort aufbrängenbe -Kot* 
tvenbigfeit einer eigenen 93ud)brucfera genommen. 2>ie grancfefdje 
Unternel)mertf)ätigfeit ging hei i^rem erften Slnfe^en über bie ßeiftungS- 
fäfjtgfeit ber örttidjen 2)rudereien hinaus. Severe ttmren faft fort* 
gefegt mit ber ^perfteßung bon®i§putationen unb *ßrofefforens@djriften 
befdjjäftigt, fo baß bie $)rudereien bonDueblinburg, ßei^ unb anberen 
©täbten gleichzeitig in Slnfprud) genommen tt)erben mußten, toetdje 
aber ebenfalls fo biet mit $la$Eunbfd)aft ju f Raffen Ratten, baß brin= 
genbe Stufträge monatelang liegen blieben. $>en fremben 2)rucfem 
ttrnr überbieS jiemtic^ gemein, ba% fie über mangelhaftes ©djrift* 
material befonberS für hriffenfdjaftlidje Qtvedt Verfügten, bie aus- 
wärtigen Sunftgenoffen gaben außerbem nodj reidjlid)er $>rudffef)ler 
in ben Sauf. 2>ie ®ringlid)feU einer eigenen ®rucfereianlage madjte 

10* 



148 VI. $on ®ot$Uf Stande Bis sunt «u Sieben beS $teit5mu8. 

fid) beSfjatb fo fdjnett fü^IBar, \>a% fdjon Beim 33au be3 §auptgebäube§ 
ba§ untere ©tocftüer! barauf eingerichtet toorben toar. 3)rudergefc§äfte 
lagen ntd)t im Sinne; ba% Stbfe^en ging nur auf fidjernbe Einrichtungen 
unb ba3 befte ©c^riftmaterial für genriffe Unternefjmerjnjecfe. S)ie 
SBefdjäftigung anberer ®rucfereien liz% be§t)atb bi§ auf toeitereS nidfjt 
nadj, fonbern mehrte fidf) fogar. 

®ie Anlegung ber jmeiten 93ud)brucferei in ben breiiger Sauren 
Bereitet bie SBenbung in ber urfprüngtidjen 2luffaffung öor. ©eitbem 
läftt bie 33efdf)äftigung frember 93uc§bruder nadj unb im nämtidjen 
SRafte nähert man ftd) bem eigentlichen 3)rudert)ertag mit feinen 
öfonomifdjen SSorteilen , aber audj mit feinen fid) leidet einfinbenben 
6eengenben ©runbfä&en. ©djon in ben bierjiger 3a(jren madjen fid) 
Sftajimen bemeröid), bon benen nidjt angenommen toerben fann, baf$ 
fie bie ber gtandfe^(£Ier§fd)en Sßertobe Waren. 9?ad) ber gnffruftion 
be§ 3nfpe!tor3 Söttidjer bom gebruar 1741 Ijatte berfetbe, toenn ein 
neues 93udj Verlegt roerben foHte, mit feinem fadjmännif dfjen Slffiftenten 
ßübertoalb „reiflidj" ju überlegen, ob bie£ mit SSorteil gefdjefjen 
lönne. SBaren fie hierüber einig, fo muf$te bie (Genehmigung be§ 
2)ireftor§, tüenn nötig, auf ©runb einer fdjriftlidjen Unterlage nad)= 
gefugt toerben. 9Kit biefer ©idjerljeitöborfeljrung toar bafür geforgt, 
baf$ bie Säume nid)t in ben ^immel tuudjfen, unb nur au§ ben Waty 
toirfungen ber grancfe=@[er§fdjen $eit unb burdj bie, tüte e§ jdfyeint, 
bejüglid) ber SSoKftänbigfeit jufcertäffigere 9tebaftion ber SReftfatafoge 
feit bem 3-1731 ift e§ ju erflären, bafc ©djtt)etfdjfe3 Codex nundi- 
narius in bem 3 e ^raum Don 1728 bi§ gegen ben ftebenjäfjrigen 
®rieg ungteidj mel)r Sßubtifationen beS äöaifenljaufeg aufgäbt, als 
borfjer. 

Sljatfädjtidj fammelte ftdj bis jur SRitte beg ^a^r^unbertS ein 
gonbS bon alten unb neuen Unternehmungen an, baft felbft ber fieben- 
irrige Srieg, welcher bie Stabt ^aHe befonber§ Ijart mitnahm, auf 
bie 83udf)Jjanbtung Weniger ©inbrucf Jjinterfäf$t, als Vermutet toerben 
foßte, namenttidj im 33ergleid) jur Sibelanftatt, toeld^c tro& itjrer 
behäbigen SSer^ältniffe bor bem Kriege unter ben gotgen beSfelben 
fdjtoer ju leiben fyattt. 



$er <2tonb bec ©efdjäfte nadj bem ftebenjäljrigen ftrtcg. 149 

$Rac§ ber „$Budf)tabens9?ecf)nung bom Sa^r 1763", bem 3a*)re 
be§ £ubertu§burger griebenä, beträgt bie ©tnna^me be§ SRutter* 
gcfcfjäftö einfdf)ließlid) ber Berliner gitiale, aber au§fd)ließlid) ber 
Seidiger unb granf furter SReffe 15 377 S^Ir. 12 gr. 10 pf., fein 
fo ungünfiigeS (Ergebnis, wenn man bie SriegSwirfungen bebenlt 
unb bog fd^Ied^te ©elb, in bem gejault würbe, außer adjt läßt. 

©djeinbar im 3Jttßt>erf)ältni§ baju fteljen bie äReßeimtatjmen; 
fie betragen: 

Setpjiger Dftermeffe £t)lr.2702. 12. — 

SRitf)aeli3meffe „ 976. 4. 6 

granf furter SJieffe „ 433. 15. 6. 

%la<§ ber 9?erf)nung§auffteKung finb biefe Sinnafjmen flingenb, 
alfo neben bem ju berftefjen, Xocß baä £aufdjgefcf)äft in natura an 
neuen SBerten eingetragen Ijatte. $)a§ Saljr 1763 fann als QtiU 
grenje beS £aufd)l)anbel£ angefeljen werben; im barauf fotgenben 
Saljr nahmen bie legten norbbeutfdfjen girmen Don ber granffurter 
SÖJeffe für immer Slbfdjieb, ba fie fein ©ef allen mefjr am Jaufdjgefdjäft 
jumal mit ber fübbeutfdjjen ©efdfjäftSwelt fanben. ®a§ SBaifenljauS 
blieb granf fürt unb bem £aufd)ljanbet treu; nod^ auf lange IjtnauS 
fcerfeljrte e£, foweit bie§ möglidf) unb in feinem Sntereffe juläfftg war, 
tooßftänbig auf bemguße bcSfelben, fo ba% baS flingenbe ©efd)äft Don 
1763, welches bem Saufd^gefd^äft jur Seite ging, nic^t unterfd^ä^t 
werben barf. 

Unter ben 5tu§gabe= Titeln fällt bie Bemerfung auf: Auetores 
cessant unb felbft bie afö bloße Herausgeber unb Bearbeiter befdjäf* 
tigten Eevisores finb nur mit bem befdjeibenen Betrage t)on 43 2Tl)lr. 
8 gr. in ber 3?ed)nung aufgeführt. 3Ran fd)eint toon bem Borljanbenen 
gejerjrt unb fid) auf neue Unternehmungen nityt eingelaffen ju Ijaben. 
Sarauf beuten audj bie mäßigen 9lu£gaben für Srucf^wecfe. ®ie 
eigene $>rucferei ift mit 1365 St)lr. 13 gr. beziffert, außerbem würben 
an brei frembe $>rudfereicn 319 Jfjlr. 19 gr. 6pf. gejault. 

3m ftärfften ©egenfa^e l)ierju fielen bie 2lu§gaben für Rapier, 
welche 12 645 $J)lr. 11 gr. betragen, womit ber Bebarf Don toter big 
fünf Saljren gebeeft gewefen fein Würbe, eine $ra£i§, bie unter ben 



1 50 VI. Sott ©ott$Uf brande 6t« jum Sluatefcett be§ $teti*mu*. 

heutigen 3a6rifation8berl)ättniffen Bebenftidf) märe. 2)amatö ionnten 
®oniunfturen im ^ßapiergefdfjäft auSgenujjt merben, ba bic 2Bare 
burd) einige galjre ßagerung nidf)t fd^Ied^ter mürbe, unb fdfyeinBar Ijat 
man fidf) inmitten ungünftiger ^ßapierjeiten eine Sonjunftur ju nu£e 
gemalt. 9?adf) bem Umftanbe, baft an jener ^ßapiermaffe fieBen Siefe- 
ranten Beteiligt maren, barf man fd)tief$en, bafj burd) bie in ben 
legten ^aljren aufterorbentlidf) geftiegenen ^apierpreife nid)t aHein bie 
Sonfumenten, fonbern jute^t audf) bie 5ßapiermüßer in 9?öte geraten 
maren. 2)er SSorfte^er ber SSibelanftalt Bellte, ttrie mir gefeiten 
IjaBen, in ben Sauren 1712 — 51 feinem Beften ßieferanten ben Satten 
©rofeoftato&iBel Rapier IjatBmeifeeS mit 12 £ljlr. unb meifee§ mit 
14£l)tr., anbere äRülter erhielten 11 unb 13 £f)lr. 2)tefer 5ßrei§ 
l)o6 fid) für ba§ nämliche Rapier 1761 auf 12 — 16 £ljtr. unb folt 
im folgenben ^aljre ben Sprung auf 22 — ßOS^lr. 1 gemalt IjaBen. 
ÄeineSmegS tooüjog fidf) ber ©ang aBmärtS eBenfo jäl)ling£. 9?odf) im 
3S. 1770 mirb Don ber 93i6etanftatt Berietet, bafj bie ^apierpreife nod) 
immer nid)t auf ben alten ©tanb jurütf gegangen feien; biefer 9lürf= 
gang mirb jebodf) in9tu8fidf)t genommen, menn nid)t meitere Unglütf&= 
fälle eintreten — unb, mie mir Beifügen motten, ber©elbmert mieber 
feine alte $öf)e erreichen follte. 

$ljnlidf) mie ba§ Rapier maren anbere mistige SWaterialien im 
greife geftiegen unb natürltdf) jeigten audf) bie 9tr6eit§töfjne Neigung 
jum Steigen, ba fidf) jebermann für ba§ geringhaltige ©elb, 5U 
metdjem griebridf) ber ©rofce in ferneren Reiten feine 3uftudf)t fjatte 
nehmen muffen , fdjabtoä ju galten fudfjte. 3m $er6ft be§ grieben§= 
jaljreS melbeten fidf) be£ljalB bie 2>rucfergeljilfen ber äMBelanftalt Bei 
rfjrem 33orfteljer gaBriciuS um 3 a ^tung in altem ©elbe. ga6riciu§ 



1) @o Bertram, ©efd)icf)te ber (Sanftemfdjen «ibelanftalt @. 41 u. 42 
über bte Steigung ber ^apierpreife in ben 3a§ren 1761—62; in ber SBorrebe 
jur 192. Auflage ber 5)uobe$bibel 6. 11 Reifet e$ bagegen: baä Rapier fyabe 
tttfiljrenb beS $iiege$ „U)ot)l bveijmal ttjeurev" aU fonft emgefauft werben 
muffen. ßefctereä Hingt, roenn aud) etroaS allgemein, fo bod) plaufibler, al£ 
ber unvermittelte @prung Don 12—16 auf 22— 30 Xfjlr. m ben 3 a *) ren 
1761 — 62. 



Srträßittffe unb 8kferöefonb*. 151 



tourbe unmirfd); er refolbierte: „9Wit bem alten ©elbe muft mir 
niemanb fommen" unb DernrieS barauf , baft er felbft bie meiften Qafy* 
lungen in ©ourant annehmen muffe, Sieben 3al)re fpäter fdf)äfcte er 
benSSerlufi, ben bie SBtbelanftalt bi§ baljin an fdf)ledf)tem ©elbe erlitten 
ljatte, minbefteng auf 4 — 5000 23)lr., tt>a§ jiemli^ bamit übereil 
fommen mag, bafc ber S3orftef)er ber 53udf)l)anblung, SBitte, im 
3. 1763 Beim ©efamtumfafce Don tttva 20 000 £f)lr. an äRünj* unb 
®ebalbation£fdf)äben 1943 $l)ir. 12 gr. 2 pf. in 2tnredf)nung bringt. 
3n ben 2tu§gaben toon 1763 Ijeifct e§: „1000 Sljlr. fo ber #err 
$)oftor grancfe empfangen". 9Rit bem ®o!tor grande ift ber 2)ireftor 
©ottljilf grancfe gemeint, fo bafc bie 1000 Zfylx. atö Sfblieferung an 
ba§ ©ireftorium §u berfteljen ftnb. Qu ©rtrdgniffen mar e£ in ber 
grüljjeit batb ge!ommen. 93eim 93ejud)e griebridf) SBiI§eIm§ I. im 
3. 1713 Ijiefj e§ gegen ben Sönig: „Qux (Srljaltung be§ SBaifen* 
l)aufe§ mürben jäfjrlidf) 12 000 Jljlr. nötig fein; ber 33udf)taben gebe 
1000 S^Ir. unb bie Stpotljefe nidf)t meniger ab." 1 2)ie mirfiidfjen 
©rträgniffe merben fdf)on bamafe Ijöfyer gemefen fein, aber im Sinne 
ber 3francfe*(S;ler§fdf)en (£inridf)tungen lag e§ nidf)t, bie tooHen Über* 
fc^üffe für allgemeine ßmecfe be§ SBaifen^aufeS aßjäljrlid) in 9lnfprudf) 
ju nehmen. 3lnber§ mürben ©efd)äft§abfdf)lüffe aufter bem ßaufenben 
mie jene 2lu§nu&ung ber Sßapierfonjunftur unb eine Unternehmer* 
tljätigfeit mie bie unter bem Stifter U$ in bie trier^iger Saljre nitfjt 
möglidf) gemefen fein. S)ie 9led)nung toon 1763 meift bemnadf) aufcer 
ber 3aljre3einnal)me einen Saffenbeftanb bon 15262 $t)lr. 2 gr. 7 pf. 
al§ 3tefert)efonb§ nadf). 

2tl§ Slug. $. grancfe feit länger al£ einer (Generation heim- 
gegangen mar, lebte in ben Stiftungen nodf) eine 3feif)e bon Sauren 
ber lefcte namhafte 8 eu 9 e i ener flößen $eit & eg 5ßieti3mu3, Sari 



1) Gramer, üfteue Beiträge 2C. <S. 146. — 3n einer SRedjmmgSaufftels 
Tung öom 3. 1712 Reifet eS bagegen: „$er §r. Prof. empfanget 1500 sdjlv." 
$H3 jtüeifeUoS !ann gelten, bafc bie SRebuftion ber SBüdjerpreife in jenem Saljve 
bie ©rträgniffe feljr gefdjmälert Ijat. 



152 VI. Kon Gotiftil? Strande bis jum ttuftleben bc* $ieti8mu8. 

£einricf) b. Sogajjftj. ©r (jatte nodf) mit bcm Stifter perfönlidf) 
berfeljrt unb öfter feinen ©egen empfangen, ju SuliuS @ler§ Ijatte er 
geftanben „tote ju einem 33ater", unb in ttridfjtigen SebenSfragen 
toar er Don feinem SeidEjtbaier, bem „beljutfamen" Sretjlingljaufen, 
Beraten roorben, beffen ©tngefiunben er ffeifttg beihwljnte, einmal 
al§ geiftlidfyer 2ieberbidE)ter unb bann toofjl meljr nodf) um grandfe 
reben ju tjören, ju beffen tyingebenbften SJereljrera er gehörte. 

SBogaptj toar ber lefcte 5ßietift au8 alter $eit unb bodfj fein 
5ßietift im alten ©tile. 3m fdjlt ber mefentlidfje $ug öon StandEe 
unb feinen ©eljilfen: ba§ tfjatfräftige ©ingreifen tn8 aftenfdfjenleben, 
nidf)t btofj ber eitrigen, fonbem auef) ber bergänglidfjen, ber irbifdfjen 
SBeftimmung nadf). ©r mar 9l3cet, beffen Sljätigfett in lttterarifdf)e£ 
SBirfen, geiftlidE)e£ 5ßrieftertum unb fobalb er, ber arme ©beimann, 
nur irgenbtoie bei Sftitteln tt>ar, in SBotyltljun aufging, — naef) bem 
im 93efi£e ber 33udf)ljanblung befinblidEjen Dlbilbe eine feine unb 
jierlidfye 5ßerfönlidf)feit, fauber unb mit l)öfifdf)er ©leganj gefleibet. 

9Cm 7. September 1690 auf bem elterlichen ©ute 3anfott>e in 
SWieberfcfjlefien geboren, 1 ttrnr er bem gamilienljerfommen nadf) jum 
©olbaten beftimmt, obfdfyon er bei feiner Sörperfdf)toäd)e unb ®e~ 
mütSart toenig baju geeignet fdf)ien. S)ie df)ebalere§fe SSorfd^tile be£ 
raupen Srieg^anbmertS, ben Sßagenbienft, legte er am $ofe ju 
28eiftenfel§ jurücf , entfdjieb ftdf) bann aber für ba§ ©tubium junädfjft 
ber !3uri$pro&enä, fpäter ber Geologie. 9?adfj SSeenbigung feiner 
©tubien in 3>ena unb $alte ging er 1718 nad) ©djlefien jurücf. 
©eine @df)tt>adf)f)eit, jeittüetfe aud) „im Raupte", Vorüber er frül) 
flagte, berietbete tfjm ba§ Sanjelreben, fo baft er auf ein 5ßrebigtamt 
berjidf)tete. 9?adf)bem er fidf) 1720 — 25 an ber ©rünbung unb gort- 
füfjrung be§ 2Baifenljaufe£ in ©laudfya bei Del§ beteiligt fjatte, hnrfte 
er feelforgerifdf) t>tel auf ben ©ütern be§ fdf)lefifdf)en 9lbel§ unb ber* 
roetlte fpäter in ber nämlidfyen Sljätigfett fünf Saljre lang auf bem 
©djloffe ber Ijerjogltdfjen gamilie bon ©ad^fen=©aalfelb. 



1) $arl &einrid) bon 93oga$fy'3 Seben8iauf, öon t§m felbft betrieben. 
£>atte, 1801. Ungenannt herausgegeben Dom 3)treftor ©. (£§r. $napp. 



Start $€inri<$ mm ftoaafcfy. 153 



9tu8 feiner achtjährigen 6l)e toaren üjm jh>ei Stäben toerbtteben; 
©raf 3teuf$ naljm fidt) be3 jüngeren an, mit bem älteren jog er 1746 
nadfj #aße, um üjn auf bem Sßäbagogium für bie Unioerfttät bor* 
bereiten ju laffen. @r felbft tooHte feine SBoljnung in ber ©tabt 
neunten, ©ottljitf granefe lub iljn ein, aufs SBaifenljauS ju jieljen; er 
foHe ©tube, SidE)t, £olj unb Sett frei Ijaben, toaS bei ber gebrücften 
Sage, in ber er ftdfj bielfadf) befanb, mit S)an! angenommen hmrbe. 
©eine SBoljmmg lag im erften ©ingange be§ fogenannten langen ©e* 
bäube§, tt>o er, im Saufe ber Qüt eine ftabtbefannte 5ßerfönltdf)fett f 
feinen fdf)riftfteßerifcf)en arbeiten oblag. SJerlocfenben Slnträgen feiten^ 
feiner toorneljmften ©önner, be£ SBaronS to. 33ad)off unb beS £erjog8 
bon SWecflenburg, feine Jage bei iljnen ju bef daliegen, nriberftanb er, 
felbft im fpäten SebenSatter. ©r blieb in £alle, tt>o er am 15. Suni 
1774, nafjeju 84 Saljre alt, t>erfc£>icb. 

2118 ©dfjriftfteßer jeidfynete fidf) 93oga$fy burdf) befonbere grudf)t* 
barfeit au& S)er probuftibe S)rang machte ftdf) fdjon in ber ^agenjeit 
SU SBeifcenfetö bemerfltdf), unb er Ijat iljn fpäter fd)toerlidf) jemals aud} 
nur auf fürjere Qdt toerlaffen. SBielfadf) arbeitete er ju feiner eigenen 
©rbauung, tt>a8 iljm, tt>ie er fagt, immer bie liebfte Slrbeit mar. ©o 
fcerfafjte er in ©aalfelb eine Slnja^l ©dfjriften, meldte ungebrueft 
blieben, bi§ in £aHe einige batoon toeröffenttidf)t ttmrben. $a8 regfte 
©Raffen beginnt ba, roo er für immer nadf) ^aUe fam, bodf) ift audf) 
au8 biefer Qtit nidf)t atte3 jur SSeröffentlid^ung gelangt. x 

®er £affifdf)e SRationalift <ßrofeffor löffelt 2 erjagt, bafc er 
in feinen jungen Sauren Diel iti feinem ©cfjtoager, bem 2)tafonu8 
®ütemetjer, berleljrt Ijabe, einem ber eifrigften petiften, aber auefy 
einem ber geleljrteften unter ben £altifd)en Sßrebtgern. Sei tfjm fei 



1) 3n einer 9tote jum SebenSlauf $8ogafcft)3 (5.218 fagt ©. (£§r. tnapp, 
bafe ba% genauefte unb öollftänbigfte SSerjetd^niS feiner im SBaifenljaufe erfdjte* 
nenen ©djriften im SBerlagSfatatog Don 1801, ©. 12—16, entsaften fei. tiefer 
Katalog ift nidjt mefjr öorfjanben, toofjl jebodt) ber toon 1811, tuelcfjer, @. 36—39, 
58 ©djriften Don itym nadjtoeift. 

2) SfHetnetyer, 9(. &., 2thtn, ßfjarafter unb Sßerbienfte Sodann 91ug. 
Löffel». $atte u. Berlin, 1809. IL @. 38 u. ff. 



154 VI. %o\i ©ottljitf Stattete fcid junt ttustefcut beS ^iettSmuS. 

er oft mit £errn t). SBogajjftj gufammengetroffen. ©ctoö^nlic^ fyabt 
btefer einen großen S3orrat toon ^Briefen mitgebracht, au§ meldten er 
9?adf)ridf)ten toon bem ßuftanb unb Fortgänge ber df)riftlid)en gröm= 
mig!eit an benjenigen Drten mitteilte, mo er SBcfannte tyatte, meldje 
iljm gletdf)jeitig Söiitteilungen au§ if)ren Don anberen Drten erhaltenen 
Briefen matten. 

99ei ber (Gelegenheit gtebt SWffelt ein f)arte§ Urteil über 33o= 
ga&ft) ab unb jmar eigentümlich genug, um iljn gegen ungereimte 
Singriffe in ©dfyufc ju nehmen. @r fdjreibt: „2Werbing§ mar SBo- 
gapt) ein überaus fd(jmad)er Sßann, am ©eift mie am Körper; ein 
SOJann bon fe^r mittelmäßigen SWaturgaben, unb Don feljr einge= 
fdfjränften ®enntniffen, bie er audf) — außer fo meit fte grömmigfeit 
betrafen — nidf)t ermeitern ju motten fd^ien; baf)er man ftdf) gar 
nid^t bermunbern barf, marum er fo allgemein unter bie fd)t eckten 
©cribenten geregnet mürbe, fo mie im ©egentljeil !aum begreiflief) 
ift, marum er bei) feiner gartet) ein fo großem Stnfeljen erlangt fjat. 
Slber auf einer anbem «Seite mar er ein aufridf)tig frommer äRann, 
beffen fjöcfjfter SebenSjmecf mar, ©ottfeligleit überall ju beförbern. 
liefern Qtvtd mibntete er alle feine Gräfte, ©in feljr feltner, aber 
refpeltabler Sfjaralter, ben man audf) bet) feinen fonftigen großen 
©d()mäcf)en etjren follte. @r mar ein ©beimann." 

^ebenfalls eine ungemöfjnlidfye 9lrt, jemanb gegen ungerechte 
Singriffe in ©df)ujj ju nehmen. Daß SBogafcft) förpertidf) fdfjmad) mar 
unb geiftig baöon bebrücft mürbe, braudfjt niemanbem gefagt ju 
merben, benn er fagt e§ felber in feiner gelefenften ©dfjrift. 1 2>er 
SSormurf be§ „fd()led}ten ©cribenten" Ijängt bamit aber nidf)t jufam= 
men; er lann audj im ßeitalter ber ©df)öngeifterei, btefer unerquief- 
tiefen SBegletterfcJjeinung ber flaffifcfyen unb romantifdjen ßitteratur- 
periobe, nicf)t munber nehmen. SBenn man einem gebilbeten Seferf reife 
ber ©egenmart eine $robe 93oga£ft)fd()er 33ortrag§meife unb eine 5ßrobe 



1) 3n ber „|>iftortfd)en Sßadjlefe" ^um erften £ei( be3 (Mlbenen <Sd)a§* 
fäftlem£ fjmdjt erbaöon, ba$ feine ,,©d)tt>ad)ljeit" fd)on im g. 1718, als er 
Don &afle nad) 23re3lau ging , angegangen tuar. 



£te €$riften ItogafefyS. 155 



bamaliger ©dfjöngeifterei $ur ^Beurteilung borlegen roottte, fo mürbe 
er ftdj trofc Srmangelung pietiftifdjer 9lntoanblungen möglidjerroeife 
bennod) für ben fdjmucflofen, ü6craH Wahren unb offenljerjigen 33o= 
ga^ty entf Reiben, -ftöffelt finbet e§ faum begreiflid), bafc fein Sd)ü£= 
ling, ber jdfjledjte ©fribent, $u folgern Slnfeljen bei ber pietiftifdjen 
Partei gelangen fonnte; feine Schriften jeigten feine Spur grünblidfyen 
©tubtumS, jeber nnftubierte ß^rift (jabe ba£ SRämlidfje fdfjreiben iönnen. 
93iel(eidf)t liegt gerabe hierin ba§ ©eljeimmS feme§ ©rfolgS unb bie 
Cfrflärung bafür, baß 93oga§ft) in feinen £auptfd)riften nodfj am 
Gmbe be8 19. ^aljrljunbertg wie ein erfolgreicher lebenber ©dfyrift- 
fteHer Verbreitung finbet, toäfyrenb bie Stamen berjenigen, toeldfje i^n 
einen fdfjledf)ten ©fribenten fdfjalten, mutmaßlidf) längft berf Rotten finb. 

$n SBogafcftj erftefjt bie £raftattitteratur be§ 33aifenljaufe§ bon 
neuem, im ©eift unb in ber Sßebeutung für feine Qtit Slug. $. granefe 
ntdf)t erreicfyenb, aber tt>irfung§t>otter al£ bie fonftige Heine Gr6auung§- 
litteratur, toeldfye bon Ijier ausgegangen ift. Dft genug fü^rt fidf) ber 
Urfprung ber SBogafcfyfdfjen Schriften auf Anregung fettend feiner 
9lnl)änger jurücf, benen er gern nachgab, 3jn ben fürftlidfjen unb 
abiigen Greifen Ijatte er aufcerorbentlidfjen Slnfjang unb fanb Unter- 
ftü^ung unb görberung, ofyne bafj er fidf) barum bewarb, audf) oljne 
bafy fidf) bie ©eber immer nannten, ©eine Schriften mürben in ^ar= 
tieen bon 200 , 300 unb 500 Gremplaren belogen, um unentgeltlich 
berteilt ju werben. 3u feinen 33erefjrem, fotoeit fic fidf) nannten, 
aalten bie ftönigin bon Xänemarf, ©raf bon SBernigerobe, Prälat 
99aron Sadfjoff bon ©df)t u. a. 

Sföefjrere ber größeren unb erfotgreidfjeren ©dfjriften finb auf 
Anregung be§ 28aifenljaufe§ entftanben, barunter eine ber erften unb 
eine ber legten, meldte er in ©alle fdfjrieb: 1747 ba$ „Jäglidfje 
£au§bud) ber Äinber ©otte§" unb 1771 „«SaS golbene ©df)a£* 
!äftlein in ein£ gebraut unb $u einem biblifdfjen ©ebetbudf) einge- 
rietet", meld^eS nodf) gegenwärtig fortgefejjt neu aufgelegt wirb. 

2)a§ umfangreid()fte SBerf finb bie „^Betrachtungen über ba& 
ganje 9?eue Jeftament". ©ie befielen au§ 7 Seilen ober 8 Sßänben 
bon je 1000—1300 ©eiten unb erfdfjienen 1755 — 61. Senufct 



15G VI. ©oii ©ottfjilf ftrancfe bi« aum «uSIcbcn beS $icti8muS. 

nmrbett babei befonber§ bie ©Triften, fottrie nacfjgefdjriebene SSorträge 
älterer $attifcf)er Stjeologen, toornetjmtidfj 3- St. greljtingljaufenS. 

dasjenige S3ud) aber, toetdfjeS feinen Tanten in toeiteften Greifen 
erhalten Ijat unb aucf) ferner ermatten ttnrb, ift bog immer neu auf* 
gelegte, oft nadjgebrucfte unb in frembe Sprachen übertragene „®üU 
bene ©{fjafc-Säftlein ber Sinber ©Dtteä, beren@df)afc im £tmmel 
ift". @3 ift feine frütjfteSlrbeit, fdfjon in bm UntoerfitätSjafjren ttmrbe 
ber Stnfang bamit gemacht, ©eit bem 3- 1716 Ijatte er bie ©erootjn* 
Ijeit, an Ijofyen geften bibUfdf)e ©prüdfje mit ausgewählten SSerfen au£ 
getftttdfjen Siebern auf Heine Qetttl ju fdfjreiben unb biefetben an 
greunbe ju Verteilen, ©oldfje $tttti famen audf) in ba$ $au§ be£ 
©rafen 3teuf$, £einrid(j 23. — ber „2)reiunbjtt)anjigfte", U)ie er in 
ber $rancfe~Sitteratur unb ungebrucften ©riefen berfetben furjtoeg 
genannt ttnrb. ©raf 9teuf$ forberte ifjn auf, bergteidfyen ©prücfje unb 
SSerfe meljr ju fammetn unb afö ©prudjfäftdfjen in S)rud ju geben. 
(Sin fotdf)e§ ©prudf)fäftdf)en tt>ar nidf)t lange Dörfer aufgetaudf)t, unb 
ba beffen SSerfe, U)ie SBogapt) fagt, fefjr paraboj unb ber ©rßärung 
bebürftig tt>aren, entfdf)lofj er ftdf) bem aud) Don anberer ©eite geäußerten 
2Bunfd(je nadfj 33eröffentüdf)ung nadf)jugeben, fo baß feine erfte©amm* 
tung toon 200 ©prüfen unb S3erfen 1718 in S3re§tau oljne £itet 
gebrucft ttmrbe. 3n biefer gorm ttntrbe e§ bort oljne fein SBiffen 
unter bem Site! ©ütbeneS ©djajjföfttein ic. jmeimat nrieber auf* 
gelegt unb babei bie ©prücfje in alp^abetifd^e Drbnung gebraut. 
2113 er 1722 getegentüdf) nrieber nadf) ^aße lam, bermeljrte er e£ auf 
SBunfdfj be§ bamaligen SSertegerS, £einr. £ob. 33ogeI, auf 300 Sftum- 
mern. 9?ad(j bem £obe 33ogeI§ !am e§ mit einer Keinen SSerbefferung 
in ben SSertag be§ SBaifenfjaufeä, too e3, fo wie toir e§ jejjt fennen, 
im roefenttidjen feinen Slbfdfjlufc bi§ $um 3- 1 74 =6 gefunben fjat. 

2)a§ ©dja jjfäftlein, Don toetd&em e§ fjeifjt: man fönne e§ bm 
etoangetifdfjen Sempte nennen, 1 gehört $u benjenigen (SrbauungS- 



1) (£at( £einricf) o. SBogafcft). ©in^unbertunbfünfjig erlefene geiftlidje 
Siebet nebft SebenSlauf, auf 3 neue bargeboten öon gofjanneä (Siaaffen. 
Stuttgart, 1888. SSortoort @. 3. 



©ogafcfy al« geiftttcfjer ßieberbidjter. 157 

büdfyern, Don benen ein engliftfjeS SBucfjrjänblerorgan einmal behauptete, 
fie bettelten tfjre aftuelle SBebeutung auf bem SBüdEjermatfte länger al§ 
bie großen Dichter. S)ie§ ftimmt fcfyon für bie englifdtje ßitteratur 
nicfjt ganj, benn 3of)n Sunrjan, ber SSerf affer toon The pilgrims 
progress, auf ben babei Söejug genommen ttmrbe, ift jünger al§ 
©ljaffpeare, unb ©tjaifpeare Ijat eine aftuelle SBebeutung, an bie ber 
englifd)e £f)eofopf) nicfjt IjeranreidEjt, minbeftenS im 21u§lanbe nicfjt. 
§ür bie SBeltlitteratur, ju ber Atn ©Ijaffpeare gehört, paßt jener 
©a£ ganj unb gar nicfjt. %m 28aifent)aufe aber, toelcf)e§ feine große 
$)id)ter Ijat, ift ba§ ©cfjafcfäftlein bei Weitem ber ältefte Slrtüel t>on 
aftueHer S3ebeutung roie eine befonberS erfolgreiche neue ©rfcfjeinung. 
3n ben legten iroanjig Sauren würben o§ne iebroebeS befonbere 33er~ 
trieb£mittel reid)licf) 40 000 (Sjemplare bafcon Verbreitet, beren Stufc 
lagen in jiemlicf) regelmäßigem Stbftanbe einanber folgten. x 

SBogajjfrj ift ber ©egentoart im allgemeinen nur burd) baä 
©dfja&fäftlein unb einige Sircfjenlieber belannt, meldte in ben ©efang^ 
büdfjern nocfj jum 9lbbrucf gelangen, ©eine ßieber erfcfjtenen 1749 
u. b. %.: „Übung ber ©ottfeligfeit in allerlei geiftlictjen ßiebern"; fie 
erlebten in einer 2)uobe^ unb einer £)ftabau§gabe berfcfjiebentlicf) 
gemehrt btä 1771 unb 1775 je brei Auflagen. Später erlifetjt all* 
mäljlid) bie 9?ad)frage, fo baß ber 33erlag3f atalog Don 1835 toon ben 
geiftlidfyen ßiebern nidf)t§ mefjr toeiß. Sogajjft] bejeicfjnet eben ben 
SSerfaH ber pietiftifcfjen @ange§funft. 91u§ feiner ^Jagen jeit in SBeißen- 
fete erjäfjlt er, baß er fidf) bamal§ ein eigenes ©ebetbüdf)lein mit 
SReimgebeten unb ßiebern aufgefegt §abe, ba er aber nodf) gar 
leine Anleitung jur Sßoefie gehabt Ijabe, fo feien bie ßieber 
fefjr fcf)led)t unb mangelhaft S)iefe 9luffaffung ift für feine fpätere 
SKufe cfjarafteriftifdf); trmS er inSSerfen fdfyrieb, tt>ar leljrbare^ßoefie, 
ftarl in bie 93reite gef)enb. 9ll§ ein§ feiner beften ßieber gilt ba§ in 



1) $Bet folgen giffern ift überbieä ju bebenfen, wie lange gerabe bie 
(SrbauungSbüdjer in ben gamtüen »ererben. Pfarrer ®. ßnutfj fagt in feiner 
©efdjidjte ber ®laud)aifdjen Äircijengetneinbe, ^>atte 1891, ©. 153, ba$ er bei 
ben fjamilien feiner ®etneinbe ba% 'Sdjafcfäftlein oft in feljf alten ausgaben 
angetroffen §abe. 



160 VI. »on ©ottfttf fremde Ms aum «uftlefen beS $iett*mu8. 

Überlabung ift, unb ©{fjnörfel ^ci^t mir in einem ähtefje aHe§, tt>a§ 
nidfjt 93ud(jftabe ober 3«terpun!tion ift." 2)iefe SCuffaffung 
fonfequent toerfolgt, tjätte $ur SSerbröngung ber 2ftafturfd)rift burd) 
bie Antiqua führen muffen, tt>oju ja um ©dfjitter§ 3 e ^ & er SScrfud^ 
felbft mit 2)idf)terauggaben gemacht hmrbe. Stent allgemeinen ßuge 
folgenb, gab bie 93ibelanftalt iljre urfprünglidfje £e£tfdfjrift prei£ unb 
erfejjte fte burdf) eine „ungefiinftelte" graftur; bie Initialen im 93a- 
rocfgefdfjmacf machten ber graftur in maffitofter ©eftalt Sßlafc, bie 
©djlufsftöcfe fielen unb nur ettotö ©opfleiften tourbe bt§ auf toeitereä 
beibehalten, freilief) in einer fünftlerijdfjen SBerfaffung, bie an bie 
Salenberbilber be§ 16. 3>aljrljunbert3 maljnt. 

3iemlidf) um bie nämlid)e $ett toanbte man ber 9fufbefferung 
ber Orthographie feine Slufmerffamleit ju. 2)ie urfprünglid)e Drtfjo* 
grapljie ber ©anfieinfdjen SMbeln ift bie toerttrilberte bom anfange be§ 
18. Saljrljunbertö, meldte fdfyon im erften Sdjrjeljnt ber Stnftalt 
mandfyerlei SSerbefferung erfahren Ijaben foH. 9113 bann anfangt ber 
jtoanjiger %af)xt bie greijerfdfye Stnroeifung jur £eutfdf)en Orthographie 
erfdjien, fanb biefe 92adf)ad)tung , bi$ fünfzig Saljre fpäter Stbelung 
mafjgebenb ttntrbe. 2)abei falj man au§ tedf)nifdf)en ©rünben einft= 
tweilen babon ab, bie ©ubftanttoen mit großen 9lnfang§bud)ftaben 
ttneberjugeben. 

2)iefe bemerfenStoerte Steuerung tt>ar ber äRitteloftatobibel 
ßßetit) vorbehalten, meldte 1785 juerft erfdfyien. 1 ©te entftanb au§ 
bem SBunfdfje nadf) einem äMbelbrucf 5tt>ifdf)en ber©rof$oftat>*(®orpu8) 
unb ber $)uobejbibel (Nonpareille) unb ift jur toerbreitetften StuSgabe 
ber 9?eujeit bd aßen SBibelanftalten unb ©efeUfcfjaften getoorben. 
3$r ttmrbe audj ba§ S3erjeidf)ni£ „alter SBörter, bie in ber Über* 
fefcung borfommen" unb bie Erläuterung „bunfler 9teben3arten" 
juerft beigegeben, au8 freierer (£inridf)tung bie im 9lnljange ber 
93ibeln jefct üblichen ©adf)* unb SBorterflärungen ljerjuleiten finb. 



1) $ie ©rofjoftabbibel behielt bie ©ubftanttoen mit «einen $TnfangS= 
budjftaben biä 1803 bei, bie 3)uobe$bibel nod) ettt>a3 länger. 



ftörbentng \>on awtBöcrftänbnlffeit ficjügti^ ber ©tbetanftatt. 161 

Sie SRitteloftabbibet trägt bon ber crften Auflage an bie litefc 
auffd^rift „£alle, in ber <£anfteimfrf)en SSibelsStnftait", mäfjrenb e§ 
ttod) jet)n Saljre früher Ijiefj: „$aHe, 3 U ftnben im Sßatjfenljaufe." 
93i§ gegen ba§ gatyr 1775 muffte man bon einer ©anfteinfcfyen 93i6el= 
anftalt öffentlich nichts, ber Sitel ber SSibeln führte nur ben $u\a%: 
„•Jiebft einer SSorrebe $m. SSaron Sari $ilbebranb§ Don ©anftein". 
2)tefe SSorrebe fam atö beraltet in SBegfaß, unb ba bamit ber -Käme 
@anftein§ au§ benSöibeln berfdfjmunben märe, nannte man bie Slnftalt 
ate foldje nadfj iljm. $n ber SSorrebe jur 77. Stuflage ber ©rofjoftab* 
6i6el, bom jüngeren gretylingtjaufen berf afjt, mirb femer ber SBegfaH 
be§ IjerfömmlidEjen 3$erjeidjniffe§ bon ßefearten angefünbigt, meldfje 
burcl) S3ergleidf)ung älterer ßutfjerau§gaben it. Stufnafjme gefunben 
fyatttn. SSegrünbet mirb bieg bamit, baft man gegenwärtig ben S3or= 
murf nicfyt mel)r ju beforgen tjabe, mifffürticfye 2tnberungen an ber 
ßutl)erfd(jen Überfefcung Vorgenommen ju tyaben. 

S3ielleidf)t mürben irrtümliche 2luffaffungen ber berfd()iebenften 
2lrt bermieben morben fein, menn man trojj be£ 9ltter£rofte§ ber 
ßanfteinfdfjen SSorrebe beim $erfommen geblieben märe. $)ie burd) 
jene Slnberungen geförberten SRifjberftänbttiffe über Itrfprung unb 
geftigung ber S3ibe(anftalt fommen babei nicf)t allein in SSetradftt, 
fonbern aud) bie Sßürbigung be§ fo genannten ©anfteinfdfyen Ieyte§. 
ßieft man 5. 33. ben SSorbericfyt jur 192. Stuflage ber Suobejbibel 
(1784), fo fönnte man faft ju ber SReinung gelangen, a(§ menn bie 
33ibetanftalt n\ä)t au§ bem ©eifte be§ ©pener =grancfefdE)en $ßieti§mu§, 
fonbern au§ bem ber bamaligen Drtfjobojrie hervorgegangen fei. ©0 
ängfttidfj mirb betont, bafj an ber ßutt)erfdf)en Überfefcung „au§ 
eigenem ©utbünfen unb SBaljl" nidfjtS geänbert merben foHe, ba ber 
feiige S)oItor ßutljer befanntermafjen alle Jreue babei bemiefen tjabe, 
unb fo ftreng mirb alle§ bermieben, ma§ baran erinnern fönnte, ba§ 
— mie bie alte Eanfteinfdfye SSorrebe fagte — „nadf) einhelligem ©e~ 
ftänbnte ber ebangeltfdfyen Sirdfjen bie version ßuttjeri nidf)t allemal 
be§ ^eiligen ©eifte§ ©inn mit genugfamem 9?adE)brucf borlege". 

SBenn ber Sanfteinfdfje SMbettejrt im ©inne jener SSorrebe — ber 
S3orberidf)t be3 jüngeren gret)lingl)aufen sur ©roftoftabbibel bon 1775 

(Sdjfirmann, &nx ©efcfjid)te b. ©udjljblö. b. 28. 1 1 



162 VI. Sott ®ot$ilf trottete M8 jum «uSlrien be* ^tetlSmu«. 

toetfäljtt jutüdfljaltenbet . — Ijätte tebigiett toetben foKen, fo tuütbe 
man bemfelben fdfjtoetlidf) bic Dom ©enetalfupetintenbenten Siedmann 
ebtertc ©tabifdf)e 93ibet Don 1703 ju ©tunbe gelegt $aben. 3)iecf- 
mann ftanb jur Sutljetbibel tt>ie 9lug. $. gtanefe. ©t etflätt in ber 
SSottebe, baft ein in ben ©tunb^ unb anbeten otientatifd)en ©prägen 
genügenb betuanbettet Geologe bie ßutfjetfdfje Übetfefcung aKen an- 
beten Übetfejjungen botjieljen roetbe, abtx et tuatnt bie etoangetifdje 
®itd(je bot bem beginnen , biefe Übetfefcung für unfeljtbat §u etßäten, 
äljnlidf) ttne e§ bie fatfjotifcfye ®itdf)e mit ifjtet SSulgata auf bem £ti- 
bentinifdfjen ffionjil gemalt Ijabe. ßutfjet fetbft fjabe an feinet Übtx- 
fefcung fottgefefct gefeilt unb gebeffett unb ben 9Iu§fptudf) getrau, 
baf$ et e§ mit S)anf annehmen toetbe, toenn man iljm geigen tuütbe, 
h)o et in bet ®olmetfd)ung gefehlt Ijabe. „Sßa£ nutyn alfo, fagt 
2)iecfmann, bet Söieiftet bet 2)eutfdjen 93ibet fetbft, nad) bem Stiebe 
feine§ guten ©ehrifcenS, nidfjt füt untabelid) ausgäben toollen; tuie 
fofften tt)i§t§ bafüt etfennen?" 

Sftid()t tooljt ju übetfeljen ift f baft Sanftein füt feine Sßetfon einen 
anbeten, fteniget fteien ©tanbpunft jum ßutfjette^t einnahm al§ 
Stande unb bemnad) audf) at§ Siedmann, ©eine SSottebe §ut ©tofc 
oftabbibef mad>t faft ben Sinbtud eine£ ®omptomiffe§ mit gtande, 
ben et atö Setter unb geiftigeS £aupt be§ Unternehmend anetlannt 
Ijatte. $n bem Slbfommen bom 18. SRätj 1711 übernahm et; tooxan 
etinnett toetben mag, bie S3etpf(idf)tung, ftdf) bei ßebjeiten Standes 
feinet Siteftion ubex ba§ SMbettoetf anjumafjen, behielt ftdf) abtx box, 
baSfelbe, meun et fid) baju betanket felje, anbetStooljin ju betlegen 
unb bott nadfj beftem SBiffen unb ©ehriffen ju bitigieten, oljne bafc 
iljm bon gtande unb feinen SRad^folgetn tyietin ©efjhnetigfeiten be* 
reitet toetben bütften. Sei biefem auffattenben SSotbe^alt nritb San* 
ftein faum anbete Siffetenjen im ©inne gehabt Ijaben, al§ fotdfye, 
meiere butcf) abtoeidjenbe ©tunbfäjje in bet Seytbe^anblung entfteljen 
fonnten. $l)atfäcf}ttdj übettpad^te bet gteif)ett bie $etfteKung be§ 
$e;rte§ mit einet gehriffen 9tugfttidf)feit unb naljm ttofc feinet 9f6= 
fommenS mit gtande ba§ Siedet in Slnfptud), (Sinfptudf) ju et^eben, 
toenn o^ne fein SBiffen Slnbetungen batan gefd^a^en. ©tifd^oto, bet 



gretgebung be8 (Sanfteinfdjen SHfcetteyteS jum Stacfjbnitf. 163 

Sftebaftor unb S3ertrauen§mann grancfeS, Ijat tooljt mef)r al§ einmal 
SBeranlaffung gehabt, 1 fein gelehrtes Stiiftjeug umhängen ju muffen, 
um ©anftein 5U beruhigen. 

2)er Sanfteinfct)e £eyt Ijat ftdj, oljne baft man über feinen Ur= 
fprung ©enauereS touftte, im Saufe ber $tit jum reagierten £eyt im 
größten £eile ber ebangelifdfjen Sirene aufgefdjmungen, er hntrbe 
fomit audf) bem großen 9tebifton§merfe unter Dbljut ber beutferjen 
Sird^enregimente neueftenS §u ©runbe gelegt. S)ie gefdfjicrjtlicfje Sie- 
beutung ber SBibelanftalt ift baljer nierjt bloft barin ju fucfjen, bafj 
fie ben nädftften Stnfto^ baju gab, bie Sut^erbibel jum ©emeingut 
be§ ebangelifcfjen S3olfe§ ju maerjen, fonbem audf) barin, bafj e§ iljr 
gelang, bie berfd)iebenen ©lieber ber ebangelifdfjen Sircrje auf einen 
gemeinfamen Jejt ju bereinigen, 2 tva& fcrjroerlidj gelungen fein 
toürbe, toenn berfelbe Dom einfeitig frittfd^en ober Dom einfeitig 
ftrengen ©tanbpunfte beljanbelt korben märe. 

3m Sterbejahr ©ottljilf grancfeS, 1769, toar eine ttridjtige 
Slnberung in ben Stiftungen bor fict) gegangen, ©iebjig Satyre 
lang Ratten biefelben unter freier $)ireftoriatberfaffung geftanben 
unb ©elbftbeftimmungSrecrjt tüte ©elbftfontrolle geübt. 3)ann erging 
ber toniglidfje Sefeljl, baf* tt>ie bon allen piis corporibus !ünftig 



1) JJranfenS Stiftungen IL 1794. ©. 401. 

2) 3)ie SBibelanftalt fjat tjerfömmlicr) it)ren £e$t, ben fo genannten (San= 
fteinfdjen, jum Sßadjbrucf freigegeben, bon allem Anfang an freilidj nid)t, 
fonbem erft nad) bem Ableben (Sanfiein£. (granfenS Stiftungen IL 1794, 
©. 379.) $ie£ mag in bem 9lbfommen ättnfdjen (Sanftein unb granefe be* 
grünbet getoefen fein, in toeldjem jener fidj baä SBerfügungSredjt über bie 
SBibelanftalt ju fieb^eiten borbeljielt. 9tad) bem Tobt (£anftein8 liefe man ben 
•ftadjbrucf nidjt allein gefdjeljen, fo 5. 33. in ©Rieften unb ^Berlin, fonbem fa^ 
üjn nid^t ungern. 3m 19. S^r^unbert nahmen fid) bie nrid)tigften SBibek 
gefeUfdjaften, namentlich in -Korb* unb Sttittelbeutf djlanb , beä (Sanfieinfcben 
£ejte£ an, unb nadjbem er ber öffentlichen, im 3. 1890 jum 9lbfd)lu& ge= 
langten SBibelrebifton ju ©runbe gelegt Sorben ift, trivb er gegenwärtig fo 
äiemltdj in ber ganzen ebangelifdjen ®ird)e , enttoeber in rebibiertet ober nidjt= 
rebibierter ©eftalt, im ©ebraud) fteljen. 

11* 



164 VI. Sott ©ottfjttf ftrcmcfe bis auttt «uMcbett be* $tett*tmt8. 

audf) Dom SBaifentjaufe fätntlid^e Siedlungen ber CberredEjenfammer 
in 93erlin attjäljrlidf) toorjulegen feien. SSon biefer Sfteuorbnung ber 
£inge hmrben 33udf)()anbtung unb 93ibelanftalt in allen Sonfequenjen 
betroffen, toenn aud) ber Seitung ber Snftitute an ftcf) freier (Spiel* 
raunt gelaffen toarb. 

Sei ber ©igenart ber ©efdf)äfte fdfyeint bie Einfügung berfelben 
in ba§ allgemein ftaatlidfje ®ontrol(fdf)ema nidf)t furjer £anb gelungen 
5u fein. SBenigftenS faßt auf, ba% im 3. 1781 bie amtlichen (ährinne* 
rungen fid) auf fedf)§ 3>al)re§red()nungen, 1775 — 80, erftrecfen, nad)~ 
bem befttmmte 9lntoeifungen über bie Drbnung toon ©innaljmen unb 
StuSgaben borauSgegangen toaren. 2tu§ einem anberen ®efidf)tgpunfte 
fällt ferner auf, ba$ 1774 bie Slnorbnung erging, über bie SBibel- 
anftalt eine befonbere 9tedf)iwng einjureidf)en. $)ie biegfeitige Seant- 
Hortung ber ©rinnerungen giebt feinen 9tuffcf)luf$ barüber, ttrie bie§ 
ju berfteljen toar. 

23on ®ler§=©rif^om§ Seiten an finb bie Saffenfcerljältniffe 
Don SBibelanftalt unb 93udjl)anblung ftreng au^einanber gehalten 
toorben. 2>a too bie fiaatlidje Dberauffidf)t begann, beftanb nodf) 
immer bie urfprünglidje ©nridfjtung. £er SBorftefjer ber 33ibet~ 
anftalt, totlä)tx nict)t S3orftel)er ber 33udf$anblung toar, Ijatte feine 
Sucher ju führen unb allmouatlidf) einen StuSjug einjureidfjen, toeldEjer 
mit ben Sudlern t>ergtid)en unb geprüft tourbe. S)ie einjige Stnbe- 
rung, toeldje feit fener 3 e ^ hierin fiattgefunben Ijaben fönnte, tüar 
DteHeid^t, ba§ ber Söionatöabfdfjlufj urfprünglidf) bem SSorfteljer ber 
33udf)fjanblung Dor^ulegen unb toon bemfelben ju beftätigen tt>ar, 
toäljrenb bte§ fpäter t>on einem 5)ire!torialmitgliebe gefdjeljen fein 
mag. 2lm felbftcinbigcn 9ted^nung§n)efen fann e3 fomit ber SBibet« 
anftalt nidjt gefehlt l)aben. 

©ottfjilf grancfe n>ar alfo ba§ lejjte felbftljerrtidfye ^aupt ber 
Stiftungen, feinet angeftammten ©rbe§. Sr Ijat ein tjoHeö SRenfd^en^ 
alter an ber Spifee berfelben geftanben, il)re SBlütejeit burd^Iebt unb 
tljren SKiebergang mit angefef)en. %n ben Stugen ber 9iad^tt»elt teilt 
er ba$ ©djicffal ber Söljne berühmter 9Känner; man fagt iljm nad), 
ba§ er ber Soljn feinet 33aier£ getoefen fei, fein fdfyöpferifdjer ©eift 



Die lefcten JrfettfttWjen Dircftorcn. 165 

ttrie biefer, lein angef ebener UntoerfttätSleljrer unb ©dfyriftfteßer, 
fonrie atö 9ftenfd(j ftolj unb ljerrfüdf)tig. $n ben mir augängltdfyen 
Sßten fteljt Ijierbon nid)t§ ju lefen. 2)anadf) mad)t er ben ©inbrucf 
eine§ tüchtigen, in aßen fingen funbigen unb tooljlinformierten 33er- 
tt>altung3manne£ mit gefdf)äft§männifd()em 3 eu 9 e un ^ & ou borneljmen 
©runbfäfcen. SCfö probuftiber @d)riftftel(er glänjte er nidf)t, bennodf) 
tt)ar er afe Herausgeber unb ^Bearbeiter unb in ber Strt bireftorialer 
SSertretung für 33udf)ljanblung unb 93ibelanftalt eine ®raft, bie nidf)t 
unterfdf)ä£t toerben barf. 

S)er 9?adf)f olger Don ©ottljilf grancfe toar 3of). ©eorg ®napp, 
breiftig Süfjre fang Sonbireftor, aber nityt fcoHe ^toet Saljre lang 
$)treftor, 1769 — 71. Snapp, eineernfte, Ijodjangefeljene Sßerfönlidj' 
fett, aud) als UntoerfitätSteljrer, ift litterarifdf) ebenfalls toenig ^erfcor- 
getreten. SBte ber jüngere $ret)lingl)aufen im SebenSlaufe beSfelben l 
fagt: „erbadtjte er audtj nie eine Gelegenheit, ©üdtjer $u fcfyreiben, 
fonbern fdjrieb bie toenigen, bie t>on Sfjm ba fet)n, toeil eS t>on il)m 
erforbert ttmrbe." 9fl)nlid() urteilt Sfag.^.-JHemetyer 2 über ®. 21. gret)- 
lingljaufen felber als -ftadfjfolger SnappS: „6r l)at nur fel)r roenig 
gefdtjrieben, unb nie anberS, als toenn eine befonbere (Gelegenheit bei) 
ber 2tfabemie, ober in ©einem anbem SCmt Sfjn baju beranlaftte." 
®a nun audf) ©ottljilf grancfe bei aller ©orgfamfeit unb praftifdfjer 
£üdf)tigfeit !ein probufttoer ®eift toax, fo fielen biedre 1739 — 85 
in ber grud^tbarleit bireftorialen SlnteilS unb in bem banad) ju Der- 
mutenben allgemein probufti&en ©tnfluffe auf bie S3ud$anblung 
merflidfj jurücf hinter ben Sauren 1698—1739. $er *ßietiSmuS 
Ijatte ftcf^ eitn aufgelebt unb feine probuftitoe Sraft toar brüdjig 
getoorben, balb nadjbem ber ältere gret)lingljaufen feinem 3toetfel 
über ben Sortgang beS inneren 93aueS beS grancfefdfyen SBetfeS 
2luSbrucf gegeben Ijatte. 



1) fjretylingljaufen, ®.9l., (S§rengebädjtni&&on3oljann®eotg®napp. 
£alle,1772. ©.69. 

2) 9Hemet)er, % $., &&m unb GHjatafter ©. % ^xt\)\ingf)au]tn^. 
£afle,1786. @. 26. 



166 VI. Sott ©ott&Uf brande MS *um ÄuMe&en be8 $ietiSmue. 

9?adf) bem fiebenjäljrigen Kriege litt audf) bie SBucfjfjanblung in 
ifjrer Sljätigfeit unter ben 9?ad)tt>irfungen beäfetben innerhalb unb 
außerhalb ber Stiftungen. 2)ie affgemeine Deutung fteigerte bie 2ln* 
fprüdje an bie toofjttljötigen ßeiftungen berfetben, toäljrenb manche 
©nnaljmequeffe fparfamer $u fliegen begann unb bie toofjttfjätigen 
gutoenbungen Don brausen $ur S3eIanglofigfeit fjerabfanfen. ©d)on 
im 3-1764 toar man genötigt, Sapitalien aufjuneljmen. 33efonber§ 
tjart toirften bie SeurungSberljöltniffe in ben Sötten 1771 — 73; 
ba§ finanjieffe 3urädKommen be§ SBaifenljaufeg rüljrt toorjügttdf) au§ 
biefer ßeit Ijer. 

Unter ben anf)attenben finan5ieffen ©df)toierigfeiten betoäljrten 
fidfj bie babon betroffenen S)ireftoren al§ 5ßietiften Dom alten Silage. 
SSon bem eljrtüürbigen Snapp f)eifjt e§: „2)ie notmenbig toerbenben 
©infdfjränfungen in ber Defonomie fing er bei fidf) fetbft an, unb ber* 
fagte ftd) Sequemlid^Ieiten, $u melden iljn fein 9tmt unb fein 9ltter 
fonft berechtigt Ratten." l Unb Dom jüngeren gretjtingfjaufen erjcüjtt 
St. £. SWiemet) er, 2 bafj man nad) feinem £obe in feljr genau geführten 
3ted(jnungen gefunben Ijabe, tote er bei ben fpärticfyer ftiefjenben ©in- 
nahmen ber (Stiftungen meber feine ganje SSefotbung naljm, nodf) audf) 
ba&, ma§ er babon naljm, gan§ für feine SJebürfniffe bertoanbte, fon= 
bern nadfj Stbjug be§ iljm Sftottoenbigen, afle§ übrige für f otdfye Qtoede 
berauSgabte, mo^u anbere Cueffen nityt meljr fjinreidfyen tooütm. 

9Jtti bem %a§xt 1785 gefjt bie grancfe^eriobe, bie 3dt be§ 
$ßieti§mu§, $u ©nbe, unb e§ bricht eine neue $e\t an > toeldje man 
naä) i^ren £aupt$ügen bie Memetjer-^ßeriobe nennen fann. 



1) SBejdjreibung be£ £alltfdjen SSaifenfjaufeS jc. (öon ben 3)iteftoven 
©(^ulje, ßnapp unb Sftemetyer). §alle, 1799. ©. 98. 

2) 9Hemetyer, ßeben ©. 9(. gre^ütgfjaufenS ©. 18. 



VII. 

3xt T&xtmtytx-1ßtx\obt. 



illS ber ®onbtreftor beS jüngeren greljltngfjaufen, ber jßrofeffor 
ber Geologie 3f. S. ©dfjulje im grüljjaljr 1785 baS Streftortum 
übernahm, hmrbe üjm burdf) eine „feljr entfdfjtebene" SabtnettSorbre 
aufgegeben, neben bem t^eologif^en ^rofeffor ©eorg (Kfjr. Ertapp 
ben ^rofeffor Sing. $. -Jitemetjer als Sftitbireftor anjuneljmen, — 
in iljrem SBefen, toie Sramer 1 fagt, jtoet unenbltdf) berfdf)iebene 
SDlänner, toelcfye aber für bte Stiftungen bon ber ljödf)ften SBicfytigfeit 
geworben finb. ©cfyulje felbft gehörte ber ptetiftifdf)en Stiftung an, 
®napp ttmr toon ber Senfroeife ber SlufHärung nic^t unberührt ge~ 
blieben, ftanb aber aufcerljalb beS Nationalismus, Sßtemetyer ääljlte 
§u ben Vertretern beS Nationalismus in ber $allifdf)en tfjeologtfd§en 
Sal ultftt. 2 

Sie beiben 33erlagSinftitute burften ftd§ mit ber Sw^^nten- 
fe&ung beS neuen SireftoriumS um fo meljr jufrieben geben, als alle 
brei SKänner für lüiffenf^aftli^e tote für praftifdf) lttterartfdf)e Snte^ 
reffen probultib, bejteljungSmetfe fogar feljr probuftib angelegt maren. 
©d^ulje mar im SBaifenfjauSfatalog burtf) feine grofce frittfdf)e ©efamt« 
auSgabe beS Sljeoboret Vertreten, meldte in ben Sauren 1769 — 74 
in fünf ©rofcoftabbänben, ber brüte bon $. Ä. löffelt bearbeitet, 
erfdf)ten, ein Unternehmen, bem fid) eine StuSgabe ber Opera omnia 
graece solum in fünf Duartbcmben, fottrie ©onberauSgaben beS 
©loffarS unb einjelner Auslegungen biblifdfjer 93üd^er anfdfjloffen. 



1) Ar am er in ber geftfdjrift Don 1863, ©. 126. 

2) ©Araber, ©efdjtdjte ber grtebrtdjSsUntüerfität gu $aBe I. 6.471. 



168 VII. $ie Sheme^er* Verlobe. 



SSon bent ebenfo befdfjeibenen als gelehrten ©eorg (£fjr. ®napp, bem 
Soljne 3ftlj. ©eorgS unb nrie biefer einer ber angefeljenften llmber- 
fttätSleljrer, melier hi$ 400 3ufjörer um fidf) berfammelte, ftnb ber- 
fdfjiebene tljeotogijdf)e ©Triften nodf) fpäter neu aufgelegt toorben, ebenfo 
bie nad) feinem Sobe bon (£. £l)ilo herausgegebenen SSorlefungen über 
bie d§rtftlid()e ©laubenSleljre nad§ ebangelifdf)em Seljrbegrtff — fein 
^aupttoetf. Sern jmeiten ÜDiitbtreftor, Slug. £. Sßiemetyer, lagen rein 
triff enfd)aftltd§e ßtoedfe fern; er mar ein 9Kann ber SebenSprayiS, ein 
„©efdjjäftSmann", tote fein Söiograpl) Jacobs iljn nennt, in allen 
öffentlichen Angelegenheiten, bie ifjn afö S^eolog unb 5ßäbagog, al§ 
Patriot unb Vertreter feiner engeren ^peimat irgenbhrie intereffteren 
unb ertuärmen fonnten. Sem angemeffen ift feine fd^riftfteUerifd^e 
£t)ätigfeit feljr ausgebreitet, jumal fie audij bid)terifdf)en unb fdfjöns 
litterarifd^en .fttoecfen biente. 

<Sdf)ut5e, ®napp unb 9?iemet)er bereinigten fitf) balb ju einem 
Unternehmen, melcfyeS beftimmt mar, ba£ erlahmte 3ntercffc für bie 
Stiftungen Don neuem 511 beleben, unb jtüar in gorm einer QtiU 
fdfjrtft u. b. 2. „granfenä Stiftungen", 1792 — 96, in melier bie 
Vergangenheit ber Stiftungen nad) allen SSerjtoetgungen itjreS SBir- 
Ien§ Verfolgt rourbe. 3)ie£ Drgan, toeldf)e3 mit 2tu§nat)me ber toom 
«Stifter felbft ebierten „gufcftapfen" keinerlei Vorgängerfdjaft Ijatte, 
taudfjte auf in bem ßeitpunlte, melier bie alte unb neue ßett, bie 
grancfe=$ßeriobe unb bie üftiemetyer^eriobe, bon einanber fdf)ieb 
unb nad)brücftid) mahnte, fid) unb anberen über ben 3ufammenljang 
ber SDinge bis baljin Siedjenfdjaft §u geben, Vorurteile ju jerftreuen 
unb über ben fdjon fo lange anljaltenben Sftotftanb tjiniüeg bie 3 U ~ 
fünft ber Stiftungen ju fidlem. 

Seljr ungleich gefteßt ttmren bie beiben SSerlagSinftitute unter 
bem Srucfe biefer SSerljältniffe. 

•ftadjbem bie 93ibelanftalt im gtueiten Viertel be§ 18. ^afyx* 
ljunbertä ein ©ebenen geaeigt tjatte, tt)eld)e§ ben ©ebanlen an ijeran- 
naljenbe Sdjtoiertgfeiten nityt auffommen lieft, erf fütterte ber fieben- 
jährige Srieg bieS SidjertjettSgefüljl grünblidf). 93efonber§ bie Ijofjen 
Sßapierpreife brotjten berijängntöboll ju toerben. Sänge $tit fträubte 



»ebrängniffe ber ©töclanftalt. 169 



man fitf) gegen ©rljöljung ber Söibelpreife, bi§ man enblidf) nid^t meljr 
anberS lonnte. 3m ÜDiärj 1779 ttmrbe bie ©roßoftab* unb Suobejs 
bibel um je 1 gr. unb bie £eftamentau£gabe um 6 pf. im greife erljöljt. 
SlnbereS ©elb afö ben SoutSb'or ju 5 SRtljtr. erflärte man überbieS 
mdf)t annehmen ju fönnen, ba bei bem minbermertigen Eourant ba§ 
$apter in ©olb bejaht merben muffe. $eljn Saljre fpäter tourbe bte 
(£rf)öJjung ber greife um ben nämltdf)eu ©a& ttrieberljolt. 3)ie Suobea* 
bibel ließ fidf) in ber $apierbefdf)affung befonber§ ungünftig an; e§ 
beftanb ba^er eine SBeile fogar bie 2lbftdf)t, biefe mistige StuSgabe 
eingeben ju laffen. 

9Kit ber Sßretöerfjöljung mehrten fitf) bie klagen über mangels 
Raffen 3)rudf. 3 ur SCB^ilfc berfelben mürben jule&t förmlid) Siegeln 
aufgeteilt, ju beren 9?ad)ad)tung fidf> bie Arbeiter fcfjriftlid^ Verpflichten 
mußten, ©enü&t Ijat bte§ nic^t Viel, benn balb folgten neue ©inf^ör- 
fungen berfelben. S)er bamalige 33orfteljer, Sßaftor -Webe, hrirb fdf)on 
gemußt Ijaben, toeäljalb er ju folgern SRittel griff, aber am ®rutf 
lann e3 nid)t aßein gefehlt Ijaben. ©djon borbem Verlauten klagen 
in benSBibefoorreben, baß tro£ ber Ijoljen greife ba§ alte gute Rapier 
ntd^t meljr ju begaffen jei; bie Seiftungen ber ^ßapiermüHer mürben 
ftofflidf) immer bürftiger, immer borftiger im Sörper unb unreiner in 
ber garbe, fo baß e§ nid)t leidet getoefen fein mag, auf ber toon tfjnen 
gelieferten SBare einen SRormalbrutf ju erzielen. 

S)er SMbelabfajj ging notorifdf) jurücf. Unter ben Urfatf)en, meldte 
bie§ t>erfdf)ulbet fjaben foßen, merben in ber SReujeit bie SBirfungen 
ber rationaliftifdjen SBemegung genannt. 1 SStel näljer feinen anbere 
Urfadf)en ju liegen, ©o bie burdf) bie Seurung allgemein gebrüdfte 
SebenSljaltung, meldte auf ben 93ibelabfa& nttf)t oljne ©influß geblieben 
fein ttrirb; ferner, mie e§ in ben Sllten Ijeißt, ber lebhafter merbenbe 
SBettbemerb anberer SBibelbrucfereien j. 93. in £alberftabt, üftürnberg, 
Tübingen unb 93afel; enblidf) bie fortgefejjten $rteg§brol)ungen unb 
jule^t ber SluSbrudE) be§ SxtegeS mit granfreidf). 



1) geftfc^rtft fcon 1863. @. 272. 



170 VII. 3>ie 9Hemeljer s $ertobe. 



gür bie nachteiligen SBtrfungen ber rationaliftifdfjen Belegung 
finbe \6) feinen 9lnljalt. Unter bem 9iationali£mu§ entfteljen bie 
93ibe(gefellfdjaften, audj bie$aHifd§e, toeldf)e bei toeitem größer gebaut 
toar, atö fie fpäter ©eftalt annahm, unb an ber©pifce berfelben ftanb, 
neben Snapp, Slug. $. SRiemetyer, ber erflärte SJationalift. 2)te $Rte- 
meljer^eriobe, meldte toon 9tnfang bi§ ju @nbe ein rationaliftif d^ = 
t)umaniftiftf)e3 ©epräge jeigt, ift in ber golge ber Bibelanftalt fogar 
feljr förberlic!) getoorben unb ergebt fidf) gegen Seeluft ju einer ttriffen* 
fd^aftli^en Seiftung über bie Sutljerbibel, hjelcfye an bie S3orgefd)itf)te 
ber SMbelanftalt, an ba§ Collegium Orientale, erinnert. 

SSon allen SRöten, unter melden bie Bibelanftalt litt, faßt itx 
ber Budfjljanblung nid)t3 auf, obfcfyon ber Budjljanbel im ganjen 
fdjlecfyt Qtietkt toar. $aljlreid(je Seipjiger girmen berunglücften ober 
berfümmerten im Saufe ber !3öijve, unb au§ bem Sanbe tourbe be- 
rietet, bafc bort Heinere ©ef Reifte gruppentoeife für mäftigeS @elb ju 
Ijaben feien. S)er 93ud)ljanbel feufjte nicfyt bloft unter ber fjerrfdjenben 
Kalamität, fonbern audf) unter ber üfteuorbnung bon fingen unb Ein- 
richtungen, benen man gut unb tooljl ein Sllter bon jtoet Igaljrljun' 
berten geben fonnte. 

S)er Jaufc^Ijanbel, auf ben ba§ 3Baijenl)au§ bon Slnfang an fo 
biel gehalten, Ijatte fid) aßmäljlicl) aufgelebt, an feiner ©teile bilbete 
Don nun an bie ©elbrecfynung: ba3 bem Sommiffton^anbel einlief) 
fefjenbe unb gett)oIjnljeit3red)tlid) botf) gönjltd^ berfd)iebene Sonbition§= 
gefd^äft bie 93afi3 be£ @efd)öft3berfeljr§. S)em SöüdOerprtbilegien* 
toefen, bom Sßaifenljaufe ebenfalls fo forgfam toaljrgenommen, toar 
burd) bie lanbred)tlidf)e Sobififation be§ SSerlag§re^t§ in aller gorm 
ein (Snbe bereitet toorben. SSon ber 23erleit)ung pofittber Steckte unb 
Befreiungen toar fortan !eine SRebe meljr; e§ gab nur nodf) ©cf)u& 
gegen SRadfybrucf im orbentlid)en 9fted)t£toege. SDabei fpifcte fiel) ber 
Begriff be3 Üftad)brucf§ $ur SSerle^ung an fidf) begrünbeter SRedfjte ju 
unb erfuhr eine weitere Befdjränfung burd) bie gefe&licfye Slnerfennung 
ber litterarifdjen Senu^ungSfrei^eit. 3)ie trabitioneHe SSerjä^rung 
be§ 33erlag3red)t§ blieb einfttoeilen unangetaftet, hi$ im feiten 
Sa^rje^nt be§ neuen igaljrljunbertö bie temporäre Befc^ränfung be3- 



Sage ber ©udföanMurtg. 171 



felben fo gut tute befdfjloffen toar. @nblid§ trat ba§ SonäeffionStoefen 
an ©teile ber alten monopolartig ttrirfenben ©etüerbepriinlegien, 
anfänglich im (Seifte berfelben, fogar unter Beibehaltung be3 alten 
üftamenS, aber im SBefen dtoaä anbereS, ttrie bie balb aKertoärtS 
toadjfenbe Äonfurrena geigen follte. 

®ie 2Baifenljau8budf)ljanblung lögt, toie gejagt, toon aHebem 
nidf)t§ merfen. SBenn man iljre ©rträgniffe bom fiebenjäljrigen Kriege 
bi§ jum 3. 1815 berfolgt, fönnte man faft auf bie SSermutung 
lommen, afö menn ®rieg unb £eurung unb ber SBanbel ber offene 
liefen Drbnung im bucf)f)änbleriftf)en SSerfeljr iljren ^^^ereffen redf)t 
förberltdf) getoefen mären. 

S5ertram fpricfyt in ber geftfcfyrift bon 1863 * babon, baf$ fidf) 
3>aljre§recl)nungen bon 1717 an erhalten Ratten, toeldfje ein genaue^ 
unb intereffante£ 93tlb bom ©ange ber ©efdf)äfte, ben ^onorar* 
berljältniffen :c. böten. Seiber fteljen mir biefelben nid^t jur 33er- 
fügung. Sluf ©runb jener Saljreäredjnungen nimmt Bertram an, 
baf$ bon Slnfang be3 galjrljunbertg an ba§ 3Baifent)au3 bon ber 
93ud)Ijanblung jäljrltdf) burd)fdf)mttltcl) 2000 £ljlr. bejogen Ijabe. 
SJJit ber oben angeführten, botf) tt>afjrftf)einlidf) bom (Stifter felbft 
Ijerrüljrenben Shifterung gegen griebrtdE) SBUtjelm I. im 3. 1713 unb 
einer anberen bereinjelten SRotig ift bie§ nidf)t in ©inllang ju bringen. 
SBie Sertram toeiter berietet, fotten bie ©rträgniffe balb auf 2500, 
1725 fogar auf 3500 Sfjtr. angetoatf)fen fein unb fidf). hi$ jum 
fiebenjä^rigen Kriege meift auf ber $ölje Don 2 — 3000 Sljlr. be* 
Rauptet Ijaben. 

§8on einem 9teferbefonb3, beffen SSorljanbenfetn bie im Dri* 
ginal borliegenbe 3aljre3retf)nung bon 1763 in ber £ölje bon über 
15 000 £l)lr. feftfteUt, toetfc bie geftfdjrtft nidjtö. Sie fdjetat bon 
ber 33orau3fejjung auSjugeljen, baj3 bie brirfltdf)en Überfdjüffe, ba§ 
*ßlu3 ber Einnahmen über bie Slu^gaben, oljne Sieft abgeliefert 
loorben feien, unb jtoar bon Slnfang an. 



1) @.244. 



172 VII. Die 3Heme$er*5ßertobe. 



angenommen, bafc bie 33ertramfd()en eingaben überall forreft 
feien, müf$te e§ immerhin überreiferen, tote fiel) bie ©rgebniffe in 
fpäteren ungünfttgen Qtiten fonferbieren unb tljatfädjtid) mehren. 
®ie $ölje berfelben ift fonftattert in einem Quütung^budje über bie 
Slblieferungen ber 93ud)l)cmblung an bie ^auptfaffe in ben Sauren 
1782 — 1849. ®ie Anlegung be§ Ouittung86ud}eS trifft — ein 
bemerfen&üerter Umftanb — mit bem 38edf)fel in ber Seitung ber 
93ud)l)anbltmg jufammen; 1781 mar ®. g. ©onrabi, ber erftebuclj* 
Ijänblertfdfje 3adf)mann, bamit betraut morben. 

%laä) jenen amtlichen Cuitiungen belief fidf) bie Slbtieferung im 
3. 1782 auf 3310 £l)ir., 1786 fteigt fie auf 5651, erreidfjt 1788 
ben £öt)epunft bon 7180 £f)lr. unb geljt bann unter ©d^manfungen 
eine Änja^I Saljre abtt)ärt§. 1798 beträgt fie ttrieberum 5720 2^1r. 
unb Ijält fief) auf biefer £ötje bi§ 1802; bon Ijier ab geljt fie jurüdE 
bi§ sunt Siefftanbe bon 3000 2^Ir. im $. 1808 unb fyht ftd) bi$ 
1815 ttrieber auf 6000 Xtjtr. ®etn 3aljr bleibt oljne @rträgni§. 

®a§ SfteljrergebniS gegen bie grüljjeit, tt)elcf)e3 Ijiernadf) auf= 
faßt, ift infotoeit ißuforifdf), afö berOetbtoert ganj erljeblidf) gefunfen 
unb bem entfpredf)enb ber ©Überpreis in bie £öt)e gegangen mar. 
Ign ber SSorrebe $ur ©roftoftabbtbel bon 1775 Ijeiftt e§, „baft alle 
anbere 93üd)er — mit 2lu§nal)me ber 33ibel nämlidf) — bermalen 
nocl) einmal, ja jtt)et)mal fo treuer, al§ bor fetf)jig Sauren berfauft 
ju Serben pflegen". 2)a§ SSaifenfjauä toax nad^ feiner ganjen £ra* 
bition auf mäßige greife berttriefen, lonnte iebod) bem orange ber 
SSerljältniffe bei neuen Unternehmungen nityt ttriberfteljen. ®ie greife 
nehmen baljer eine |jöf)e an, meldte gegen bie SSergangen^eit gar 
fefjr abftidjt. 

3ur heiteren SBürbigung ber fiel) meljrenben Slblieferungen toöre 
ttriffenStoert, tüte e§ bon 1782 ab mit bem SteferbefonbS gehalten 
tüorben ift. ®a§ Sftaterial, toeldjeS hierüber belehren lönnte, ift 
feljr mangelhaft. Einige borljanbene ^afyT&xefynuriQtn befdfjränfen 
fid) auf bie ©egenüberftelfung bon Einnahmen unb 3tu§gaben; bon 
übernommenen unb bem folgenben $al)re ttrieberum überlieferten 
®affenbeftänben ift babei leine Siebe. S3om 3. 1815 liegt bagegen 



3)ic «rträgniffe ber öu^anWung. 173 

mit bottftänbige SluffteHung bor. $ieroad() betrug ber Saffenbeftanb 
bon 1814 4140 £ljlr. 18 gr. 7 pf., toäljrenb ba§ Saljr 1815 bei 
6000 £t)lr. Ablieferung mit einem Saffenbeftanbe bon 8169 £l)lr. 
2 gr. 2 pf. abfliegt. ®er SteferbefonbS mar bemnacf) nicfjt aufgehoben, 
fonbern nur gefdfjtoädjt gegen ba£ Saljr 1763. 

S)ie Steigerung ber ©rtrcigniffe toax borübergeljenb auä) 
möglid) burd) ©nfdjränfung ber *ßrobuftion. ©egen eine gettriffe 
Surüdfljaltung ber Untemeljmertljfttigfeit in foldfjer $eit ttmrbe nichts 
ju erinnern fein, fte toar fogar geboten, ©omeit ftdj) bie nötigen 
Unterlagen erhalten Ijaben, madf)t ber jäljrlidje Slufmanb an ®rudf, 
Rapier unb Honorar im 33ergleid) jur ©egentoart aßerbingS einen 
finblicfyen ©inbrucf. @£ liegen aud) 3 u 9 e f^nbniffe be3 33orftel)er£ 
Konrabi im SSerfe^r mit ber Slutorentoett bor, meldte auf ©infd^rän^ 
fungen ju ©unften ber ©rträgniffe beuten. ®ie Slrt ber $ßrobuftion, 
ifjre SSerirrung auf frembartige ©ebiete, giebt aufteilen ebenfalls ju 
beulen. 

$ofitib ju ftatten fam ben ©rträgniffen ber ftarle gonbS bon 
Unternehmungen, meldte fidf) bom ©rünbungSjaljre an angefammelt 
Ratten, Snjttufdjen toar ba§ SBaifenfjauS na{je-$u eine Ijunbertjäljrige 
girma gett>orben, unb ba§ le^te drittel be§ 18. SaljrljunbertS jeid^net 
fid) befonberS burd) ftarfe Stntiquierung alter Süd^erfd^ä^e au§. S)er 
SSerlagSf atalog bon 1811 beranfd)aulicl)t bie§ einigermaßen, ©r Der- 
Sidfytet auf bie 93equemlidf)feit eines einheitlichen 2tlpljabet§ unb giebt 
\tatt beffen jftei Sllpfjabete, inbem er bie neueren SSerlag^büd^er bon 
1770 — 1811 aU bie gefd)fiftlicl) belangreidjften in einer befonberen 
Abteilung boranfteßt unb eine jtüeite Abteilung folgen läßt, toeldje 
bie älteren SSerlagSbüdjer oljne fd^arf gejogene 3^tgrenje öon 1693 
htä 1790 bereinigt. 

3)anad) toax bie afcetifdje Sitteratur bon 9tug. §. grandfe bi§ 
93oga£ftj, toenn nid)t belanglos, fo bod) naä) ben SaljreSäaljlen ^ rer 
•fteuauftegungen ju urteilen, im 2lbfa£e ftar! gefdjtt>äd)t toorben. SSom 
(Stifter toerben 57 ©djriften aufgeführt gegen 174 imCatalogus öon 
1738, toobei ja ber SluSfaH toefentlid) bie Keine (SrbauungSlitteratur 
trifft. S)ie alten Seljrmitttel, borjüglid) Sauget £ateintfdf)e Gramma- 



174 VII. $te 3Heme$er*$ertobe. 



tica unb bie SSaifenljäuftfdje ©ried^ifd^e Grammatica, erleben nodf) 
neue Stuflagen. Studj bie gelehrten Folianten unb Öuartanten ber 
Srü^ett, bie großen tijeologifdf)en, iuriftifdf)en unb fonftigen *ßublifa^ 
tionen finb nocl) nid)t au£ bem Satalog berfdjttmnben, toäljrenb ber= 
felbe burd) ja^Ireid^e gelehrte ober ^raftifd^en 3toedE en bienenbe Unter- 
neljmungen au§ ber 3 e ü & on ©ottljtlf grandfe bi§ jum jüngeren 
greljlingljaufen gemehrt ift. 

geroer lommt in S8etradf)t ba§ Stufblüljen be§ geiftigen 2eben§ 
in3)eutfd)lanb, tt>eld)e§ in ber erften $ä(fte be§ S^r^unbertS beginnt 
unb burd) £ereut5iel)ung ber großen SKaffe in ben litterarifdjen Snte- 
reffenfreiS in ber jmeiten $älfte bermaften in3 Sraut fdf)ief$t, bafc ber 
*ßIjitofopJj gierte, freierer nid)t fonberlidf) babon erbaut mar, gegen 
bie SKeinung anberer Seute bon ba ab ben Slnfang be§ 33udjl)anbel£ 
batiert. @3 !ann ja bie grage aufgeworfen werben, inttrietoeit ba3 
3BaifenIjau§ biefer ^Bewegung Sonsefftonen gemacht Ijatte. ®urd(j feine 
Unterne^mert^ätig!ett geljt IjerföntmUd) ein emfter fonfertoattoer Qvlq 
in ber SBegünftigung ber gelehrten Sitteratur aller gfidjer unb baneben 
fpeciett ber biblifdjen Geologie unb @rbauung§Iitteratur. Mein bem 
©eifte ber -fteujeit unb ben fteigenben 9lnforberungen be§ praftifdfjen 
SebenS l)at e§ fidf) niemals öerfd^loffen; e§ würbe bamit gegen feine 
£rabttton, gegen ben SBiHen be§ Stifter^ berftofcen Ijaben, auf ben 
u.a. ber Urfprung ber Slealf^ule jurücf geführt wirb. S3ornel)mftd) 
beftätigt fidf) bie§ in ber gortenthridfetung ber ©djultitteratur, meldte 
neben ben attftaffijd)en immer ftärfer bie mobemen ©pradjen, fottrie 
bie reatttriffenfd)afttidjen gfid)er begünftigt. SDer ©d^ullitteratur jur 
Seite ftnben fidf) ttridjtige Stnfäjje ber 33ol!§= unb Sugenbfdfjriften* 
Sitteratur in gefdjidjtticfyen, geograpf)ifd)en unb naturttnffenfdfjafttidjjen 
fingen. 

(Snbtid) barf ba§ bamatö nodj feljr anfe^nlid^e Saufd^Iager unb 
bte @efd)äfte, meldte fid) baran ftiüpften, nidjt auger ad)t bleiben. 
Wlit bem Jaufdjljanbet berfdjtoinben bie oft rieftgen Saufcfjlager nidjt 
oljne wetteret. $l)re gorteyiftenj ift bt§ in bie breiiger Saljre biefe£ 
SafjrljunbertS !onftatiert. Sa§ 3Baifenl)au§ gab nod) im Stejember 
1844 einen fauber IjergefteHten Sortimente atalog Ijerau3. Sager* 



3)a8 Sttreftortum 9hemetyer*ÄnaN>. 175 

fatalog ift er nad§ bem SBefentli^en feinet Spalts nicfyt §u nennen, 
aber beim ©umblättern gewinnt man ben ©nbrudf, at§ toenn er auf 
ben SReften be§ alten £auftf)lager3 aufgebaut fei. 

Slm 1. 3Kai 1799 ftarb ber Streftor g. S. ©djulse. ©eine betben 
Sftitbireftoren Snapp unb SWemeljer Ratten unmittelbar naä) iljrer 
3Baf)t im $. 1785 ba§ ftf)riftlid)e Übereinlommen getroffen: beim 
früheren Slbleben ©d^ulje§ ba§ Sireftorium ber (Stiftungen alä gletd^ 
fieljenbe 2)ireftoren mit ben nämlichen Siebten ju übernehmen, ©ie 
Ijaben ein bolleS SSiertelja^r^unbert iljreS 2lmte3 gemeinfam gehaltet, 
unb bon toe(d()em ©eifte bie£ Verhältnis getragen roorben ift, bejeugt 
fd)on bie Xljatfadfje, baft -Kiemetyer nad) ben gretljeitgfriegen ben 
erneuerten Sitel etneS Dberfonfiftorialratä, berbunben mit ber mir!- 
liefen 9Kitgliebftf)aft be3 SonfiftoriumS für bie ^robinj @ad)fen, nid^t 
annehmen moKte, toenn biefe 2lu§jeid^nung nidf)t gleichseitig feinem 
Kollegen Snapp juteil toerbe, melier tf>m biefelbe meit metjr ju ber- 
bienen fdjjeine. * liefern SSer^öltniffe unbefdf)abet tritt bie SßerfönlidE^ 
feit SßiemeljerS in- ber gemeinfamen Vertretung ber Stiftungen bon 
Slnfang au meljr Ijerbor at§ bie®napp£, ttm§ fiel) au§ bem berfdfjieben 
gearteten SBefen beiber ÜDiänner, bie einanber ergänzten, md)t au£- 
fcfytoffen, tjinlänglidj) erflärt. 

Slug. $. -Jiiemeljer ttmrbe in $afle am 1. ©ept. 1754 geboren, 
©eine Sftutter mar eine £odf)ter g. 21. greljlingt)aufen§ unb (Snlelin 
2(ug. £. grandeS, SHcmcijcr alfo Urenfel be§ Stifter«. Stuf bem $ä* 
bagogium borgebttbet, bejog er 1771 bieUniberfttät, too fein^aupt- 
ftubium bie Geologie toar, neben h>etd)er er bie ljumaniftifd)en ©tu* 
bien nid)t bewadfjläffigte. Sßatf) ben UniberfitätSjaljren mar er einige 
$at)re lang Seljrer an ber beutfd^en unb lateinifdjjen @df)ute ber ©tif* 
tungen. 1779 mürbe er aufterorbentlitf)er, 1784 orbentlidfjer Sßrofeff or 
ber Geologie unb führte 1793 — 94 jum erften Sftal ba§ *ßroreftorat 
ber Uniberfität. 1804 ttmrbe er 511m Dberlonfiftorialrat unb ÜDiitglieb 
be§ berliner Dberfdf)ulfollegium3 ernannt. 

1) 3aco&8, % u. 3. Qff. ©ruber, 9luguft ^ermann SRiemetyer. §aKe r 
1831. ©. 351 u. ff. 



176 VII. 5)ic 3Meme$et*$ertobe. 



©tegolgen ber unglücfüdjen ©tf)ladjt bon 3ena, U.Dft. 1806, 
empfanb $aBe fd)neBer als irgettb ein Seil ber äßonardjjte. @d)on 
am 20. Dftober f)ob Napoleon bie Untoerfttät auf unb bie ©tubenten 
mußten $aBe berlaffen. 2(m 18. SDM beS folgenben 3af>re§ ttmrbe 
•ftiemetjer mit bret anbeten ©etüo^nem $aBe§ unb beS ©aalfretfeS 
als ©eifel natf) granlreid^ abgeführt. „3ngeinbeSlanb, felBft IjilfloS, 
eine ©eifel unb ber SBiHfür preisgegeben " — na^m er trojjbem bie 
(Gelegenheit toaljr, um im gntereffe ber Untoerfität unb ber grancfe* 
jdjen Stiftungen bort $u tüirfen. %m DEtober lehrte er nadf) $aBe 
5urüdf, tüeldjjeS in^mif^en 5U bem natf) bem £tlfiter grteben, 9. 3uli 
1807, neugebilbeten Sönigreitf) SBeftfalen gefdjlagen roorben mar. 
9lad) Stnlunft beS Königs Ströme in Gaffel fteBte fidj SHeme^er mit 
gtuet anberen $rofefforen als deputierte ber Untoerfttät bor. ®urd^ 
perfönlttf)e Unterljanblungen mit bem SKinifter, ©raf SBeugnot unb 
namentlich mit ©imeon, bem 3uftiäminifter, gelang eS iljm, bie 
Slngelegen^eiten ber Untoerfität jum 2lbfcl)tuf$ ju bringen. Slm 1.3a* 
nuar 1808 erhielt er ben Antrag, jum Sanjler unb beftänbigen 
9fe!tor ber Untoerfität £aBe ernannt ju derben, faBS er bie fdjon 
früher ergangene ©inlabung 5U einer SteBung in ^Berlin ablehne, 
^ac^bem er ben 9tntrag angenommen Ijatte, tourbe nodf) am näm* 
liefen Sage bie gortbauer ber Untoerfttät belretiert. ©ein @nt= 
laffungSgefudj an griebritf) SSilljelm III., tt)eltf)eS in gnäbiger SBeife 
beftf)ieben toarb, Ireujte fitf) mit bemStntrage beS greiljerrn ö: Stein, 
als ©etjeimer Staatsrat an bie ©pi&e beS Departements beS ®ultuS 
unb Unterrichts in $reuf$en ju treten. 

,,3d) fann eS nitf)t jagen, ftf)rieb er fpäter an ben SabtnettSrat 
b. Seltne, einen ehemaligen 3ö9K n 9 & er Stiftungen — toeldjen 
Sampf eS mttf) !oftete, einem fo eljrenboBen unb fo ausgebreiteten 
SBitftmgSfreife ju entfagen: aber eS fiegte bie Stnljängltdjfeit an bie 
Untoerfität, unb borjüglidf) an bie mir angeftammten Stiftungen, 
toeldje — xä) barf eS roofjl fagen — gan§ getoift oljne aBe Unter- 
ftü^ung geblieben unb umgestaltet toären, toenn eS mir nidf)t gelang, 
baS 3^tereffe beS unftreitig acljtungStoerteften SftanneS ber toeft* 
fölif d)en 9iegierung, beS SftinifterS Simeon ju gewinnen." 



«Stellung ber Stiftungen jur J>reuf$ifd)cn unb tveftfäCtfc^en Regierung. 177 

9?id)t allein ber SSerjtd^t auf einen fo Ijerborragenben SBir^ 
fung§frei§, fonbern audj bie altfjerfömmlidje (Stellung ber Stif= 
tungen jum preuf$ifd§en SönigSljaufe lägt ben (Sntfdjluß SWemeljerS als 
©ebot ber bitterften Siottoenbigfeit erfdfyeinen. 9?ad)bem ba§ SBerf 
2fwg. $. grandfeS feitenS ber preuf$ifdf)en Könige bon ber grübelt 
an burd) eine Sülle bon Privilegien geförbert toorben ttmr, Ratten 
fdjon unter grtebrid) SBiltjelm II. bie birelten Staat£unterftü£ungen 
fpectelt für ba§ Sßäbagogium einen Stnfang genommen, um bann 
unter griebrid) SBilfjelm III. für bie Stiftungen im allgemeinen ju 
namhafter $ölje anjutüad^fen, fott>oljl in gorm einmaliger al£ lau- 
fenber 3utt>enbungen. ©erabe in bem Unglüdföjatjre, am 26. ?lpril 
1806, mar eine $abinett£orbre an ben Sftinifter b. Sftafforo unb 
b. Singern ergangen, in freierer ber Sönig barauf berhrie§, bafc bie 
Stiftungen ein ganje§ 3faljrl)uitbert Ijinburdf) oljne aße Unterftüjjung 
bon feiten be§ &taat% bemfelben Jaufenbe ber gefdfyidfteften unb beften 
Wiener gebilbet unb nod) meljr Ijilflofe SBaifen ernährt unb ju 
fleißigen unb nüjjlid)en Staatsbürgern erjogen unb be^fjalb gegrünt 
beten 91nfprud^ barauf Ratten, für bie ßulunft fo funbiert 51t toerben, 
um ifjre Ijerfömmlidfye SBirlfamleit bollftänbig unb bauemb fortfe^en 
5U fönnen. 

2)iefe SabtnettSorbre fpielte Sftiemetjer feljr politifd) gegen bie 
toeftfälifdje Regierung au§, fo baf$ bie ©rflärung erfolgte, baß man 
Ijinter ben Setoilligungen be3 borigen Regenten nid)t jurücfbleiben 
tooße. ®er lurj bor 2lu3brud) be3 Stieget bem preußifdjjen SKini- 
fterium borgelegte ©tat ber Stiftungen tt>ie§ ein deficit bon ettüa 
18 000 Xtjlr. nad), toeld)e§ burd) \>a& fran^öfifd^e ©oubernement 
teils burd) regelmäßige ©elb^afjlungen, teils burd) Übertoeifung ber 
Salenber- unb Sntelligenäeiuna^meu anfänglid) reid)licl) gebeeft ttmrbe, 
bi§ mit ben toadjfenben SBebürfniffen ber Regierung altmäljlicl) 
Stocfungen in ben 3 a W u ngen eintraten unb le&tere im 3- 1812 
gänjlid) aufhörten. 2)amit erneuerten fid) faft bie Verlegenheiten 
bon 1806 unb 1807. * Sßad) Vertreibung ber grembfjerrfcl)aft über^ 



1) geftförift bon 1863. @. 134. 
©c^ürmann, 8"* ©efdjtdjte b. ©udjfjblg. b. 28. 12 



178 VH. Die »iemrtKt.^eriobe. 



nafjm bie preußifdje ^Regierung bte regelmäßige 2>edfung be3 auf 
18000 Sfjlr. angenommenen StugfallS, moju feit 1819 nodj 10002tyr. 
atö ©rfafc ber früher genoffenen 3ottfreiJjeit für baS au§ bem „9tu&* 
lanbe" eingeführte Rapier famen. Damit toaren bie Stiftungen au£ 
iljrer berljängntötoollen Sage Befreit, fo baß äug. $. SRiemeljer ber 
itvtitt ©rünber berfelben genannt ttrirb. 

©djon in ber äußeren ©rf Meinung beborjugt, ttmr -Rtemeljer 
eine Sßerfönlidjleit bon feltener förperli<f)er SHiftigfeit unb ungelt>öf)n= 
lieber 2lrbeit§fraft, Reiter unb lebengfrofj angelegt, ein SBeltmann 
bon anerzogenen feinen formen, atö 9iebner fdjlagfertig unb fem* 
patl)ifd). 3Kan jagt ifjm nad), baß er nid)t feiten ganje Sage tjüt- 
burdj bie geber geführt Ijabe, oljne $u ermüben. SRiematö fal) man 
ifjn be§ SSergnügenS ober ber ©efunbljeit megen fpajieren geljen; 
nad) feinem eigenen ?lu$fprud)e toar für ifjn ba£ Sieben Bei ben 
SBorlefungen bie fyeitfamfte Semegung. Stefe 5tu3nu|jung ber Qtit 
beftätigen feine jafjlrcidjen Schriften. 

SacobS giebt im 21nl)ange fetner 93iograpl)ie ein djronologifd) 
georbneteS SSer^eic^nt? berfelben, h)eld)e§ bie Saljre 1775 — 1828 
umfaßt unb 21 Cftabfciten fußt. Sein eutjtgeS $af)T gefjt leer a\x$. 
$3ei ben nieten ©efdjäften unb safjlretdjcn größeren unb Heineren 
Steifen §at eine fo cmfige unb länger als fünfjig 3al)re in aller 
9?egelmäßigfeit fortgefefcte titterarifd)e Sfjättgfeit gefcriß ebenfo biel 
förpcrlid)e griffe unb SlrbeitSfraft al§ geiftige SBeroeglicfyfeit $ur 
SBorauSfcfcung. 

Seine frübften erbaulichen 2d)riften unb £id)tungen ftnb meift 
in 2eip$ig crfd)iencn, unb ba§, roaS 6i^ zum 3- 1780 in £al(e 
erfdjien, ift fein SSaifenfjauSuerlag. Satjitt gehört bie „Sfjarafteriftif 
ber33ibel" in 5 Seilen, roeldjc auf (Empfehlung bon ^rofeffor SRöffelt, 
bem älteren Übertreter be£ Nationalismus in ber t^eologifd&en §fc= 
fultät, 1775 — 82 bei ©ebauer ljicfclbft crjd)ien. 6S toax eine S u - 
genbarbeit mit ben SNängcln t»on Jugenbarbeiten aud) bebeutenber 
3Männcr, aber fo erfolgreich, baß ba* weitläufig angelegte SBerf 



3. $. 9?teme^er8 (£lnftu& auf bie ©guHttteratur. 179 

feinen einjelnen Seilen nadf) biet big fünf Auflagen erlebt Ijat unb 
aufcerbem in§ §ottänbifd§e unb ©d)mebifd()e überfejjt morben ift. 

Sßäbagog in erfter 9?etf)e, nafjm SWemetyer ftarlen ©influfj auf 
bie bernadjläffigte ©df)ullitteratur feiner Srit SBenn er in fpäteren 
Sauren gegen feine ©polaren auf ba§ @d§ulmefen ber eigenen 3u^ 
genbjeit ju fpredfjen fam, pflegte er $u fagen: ,,©o leidet würbe e3 
un§.nid)t gemalt! Ratten mir bamatö bie Hilfsmittel gehabt, ben 
Unterricht genoffen, metd§er je&t ©emeingut aller ©d)ulen ift, mir 
mürben freubiger unb meljr gelernt Ijaben." * $)ie 3tnftalt, meldte 
er babei im ©inne f)atte, mar ba$ bon iljm ju fo Ijoljem ätnfeljen 
erhobene ^äbagogtum, meldjjeS ju feiner ©dfjülerjeit in SSerfaH ge* 
raten mar r unb mit bem SSerfatt mochte e§ in allgemein urfädjjlidfjer 
SBejieljung fielen, bafj bie Seljrmittet be3 SßaifenfjaufeS nid)t meljr 
ba3 maren, ma§ fie einftntafe für iljre $eit gemefen maren. $ier 
fudjte er nadf) Gräften SBanbel ju fdf)affen. 

3ur görberung ber ljumaniftifdfjen ©tubien manbte er ben Hilf§* 
mittein be§ ftaffifdfjen Unterrichts bie näd§fte ©orge ju. 83on ben 
meiften griedf)ifdf)en unb römtfdjjen ©d^riftfteHern liefen neben ben 
grojjen unb gelehrten, jum Seil prächtigen SluSgaben, meldte für 
bie Sugenb nid^t beftimmt maren, bie elenbeften ©dfjulauSgaben um; 
bon anberen fehlten felbft biefe, unb man mufjte fid) mit nod) eten* 
beren Sljreftomatfjteen, Slu^ügen, Slumenlefen bereifen, gür ben 
Homer maren bie einjigen Hilfsmittel ©dfjrebeltuS unb Hager; ber 
Slbftanb öon bem, ma§ fpäter Sftiemetyer bot, mirb als ungeheuer 
bejeidfjnet. 2 

S)em Sanjler mirb ba£ SSerbienft $ugef einrieben, bit 3>liabe ben 
Schulen erft allgemein jugänglitf) gemalt unb bie ©infüfjrung bon 
©opljofleS unb ©uripibeS menigftenS bebeutenb erleichtert ju Ijaben. 3 
©eine SliaS erfäten in jmei Seilen, 1778 unb 1781, noi) bei 
®ebauer unb erlebte bort 1784 unb 1790 eine jmeite Stuflage, bie 



1) 3acobS ©.143. 

2) 3acob8 ©.299. 

3) gacobS 6.82. 

12* 



180 VII. $ie Wieme^cr* Verlobe. 



2lu§tt)aJjl t>on ©opf)ofle§ unb ©uripibeS bagegen 1781 im SBatfen* 
fjaufe, toomit fein Statue juerft im Satalog beSfelben auftaucht. 

(Eonrabi, melier im nämlidfjen Satire bießeitung ber 33udf)fjanbs 
lung übernommen Ijatte, fdfjeint ifjn für beren Unternehmungen erft 
intereffiert ju Ijaben. SBenigftenS fpridf)t ftdf) -ftiemeljer jefjn Saljre 
fpäter über Sonrabi in ftjmpatljtfdf)er SBeife au§ unb rüljmt, ba% ber 
päbagogifcfye 33erlag3jtoetg namentlich unter feiner Seitung gewonnen 
Ijabe, toobei er ber tooljlf eilen greife beSfelben gebenft, toettfje bei ber 
graffierenben 33üdf)erteurung für bie©df)ule ganj gettrift eine SBoljItljat 
ttmren. x 

®ie Dom SBaifenfjaufe ebierten (Schulaufgaben grietf)ifdf)er unb 
römifd^er ©djriftfteHer finb bie älteften iljrer 9trt. $f)re Stnfänge 
geljen jurücf bi§ 51t ben legten SebenSjafjren $ieront)mu§ greljerS. 
2)ie ßiceroteyte bon Sol). 2fag. ©rneftt Ralfen junäd)ft ba§ Slnfe^en 
berfelben begrünben, aber aud) namenlofe StuSgaben frifteten ein 
langet 3)afetn, fo eine ©uetonauSgabe, tt>eld)e 1755 erfcfyien unb in 
ben 3at)re§äaljlen ifjrer neuen ?(uflagen bi§ 1811 reidf)t. Um bie 
SBenbe ber beiben Safjrfjunberte btlben biefe Schulaufgaben ben- 
jenigen ©pecialjtoetg, tüeld§er bem SBaifen^aufe am meiften Slnfefyen 
unb Srfolg eingetragen Ijat. 

Slufter ber genannten Slu&ualjt bon @opljofle§ unb ©uripibeS 
trug -ftiemetyer für feine $erfon eine bollftänbige 9(u§gabe be£ So- 
pljofleS (1790) bei. $m übrigen fefetc fitf) bie SRitarbeiterfdfjaft ju- 
fammen au§ ^nfpeftoren unb Seljrern be§ 5ßäbagogium§ unb ber 
lateiniftf)en ©d)ule, au§ ^Berliner, 9Kagbeburger ©tjmnafialmännem *c. 
9ttd)t minber fjatte bie Untoerfttät iljren Slnteil baran. 

Ser ©lanjpunft be§ Unternehmend mar bie SKitarbeiterfd^aft 
öon grb. H119. SBolf, 1783 — 1807 bem Seljrförper ber Untoerfität 
angeprenb. @r beteiligte [\ä) mit ber Dbt)ffee (1784) unb gtia*. 
(1785), einige gafjre fpäter bot er eine SluSroatjl bon Sudan (1789) 
unb bie SluSgabe £erobian§ (1792). SBolf Ijatte ftd) jur 3eit über 



1) granfenS Stiftungen. I. 349 u. ff. 



Sie ®ef<§äftaxrbinbuitfl mit grb. Stoß. SBolf. 181 



bie SRiemetyerfcije SKöSauSgabe BeifäUtg geäußert, jefct löfte feine eigene 
Seytrecenfion btefelBe ab, unb jmar, mie berietet mirb, nid^t oljne 
ginttrirfung SKiemetyerg, melier bte 38o(ffdje StuSpabe „in bte feiner 
3Iuffid)t anbertraute 83ud)Ijanblung ju jieljen gemufft fyibe". 1 SefctereS 
fdf)etnt ntdjt genau; SWtemetjer mar afö Sonbireftor ®ecement ber 
99ud£)fjanblung , aber nid)t fdjon um bte fttit, mo SBolf ben Stnfang 
mit feiner $omerau§gabe im SBaifenljaugberlag madfjte. 

®ie ©efcfyäfiSberbinbung mit bem meltberüfjmten ^ilologen, 
bem genialen @d)öpfer ber 2lltertum§miffenfdf)aft, unter beffen meit* 
reidf)enbem ©influffe ba§ Ijöfjere 93ilbung§mefen ber ©egenmart fteljt, 
— liefe ftd) biefoerffeifcenb an, blieb aber balb leiber bei 5ßrojeften. 
SBenn nidfjt jutn förmlichen Vertrage, \o bod) jur 5ßunftation fam e3 
über bie ©ncljflopäbie ber griedf)ifd)en unb römifdfjen ©c^rtftfteHer. 
2im 23. SRobember 1792 fcfjretbt SBolf an Eonrabi, mit bem er auf 
feljr freunblid)em gufee ftanb, bie 9}eufjerfieKung ber £omerau8gabe, 
meldte notmenbig merbe, fomme iljm nidfjt ganj gelegen; lieber märe 
e§ itjm gemefen, bie SSorräte Ratten nod) ein paar Satjre borgefjalten, 
um fidf) toorneljmltcf) mit ber (Snctjflopäbte befd^äftigen ju fönnen, 
über bie er im nädtften Sommer §u lefen beabfidfjtige. Um nun audj 
§ier in Sltem ju fommen, münfd)e er ben 3)rudE gletdjj nadf) Sfteujaljr 
beginnen ju fefjen, bagegen bie -KeuljerfteHung be§ $omer länger ju 
berfdjjieben ; ba8 3Baifenl)au§ Ijabe bannßeü, fidf) mit ben ©oBnerfdjen 
Settern ju berfeljen * — bon ber 33ermenbung be§ borfjanbenen @df)rift* 
materialS für ben neuen $omerbrucf mollte er nämlidf) nichts miffen. 

Zxo§ aller guten 2lbftd)ten fd^eint bie ptjilologifdjje ©nctyftopäbie, 
fomeit fte jum ©egenftanbe einer 5ßubliIation beftimmt mar, in 33er= 
geffenljeit geraten ju fein, ober aber ber 5ßlan mar um bie Qtit ber 
erften Unterljanblung nod) nid)t boHftänbig gereift, ^n bem Schreiben 
Dom 17. ©ept. 1801 erfunbigt fid) SBolf nadf) bem, ma§ bamatö ber* 
abrebet morben, jumal menn bieä fd)riftlidf) gefeiten fein foffte. $)er 
5ß(an be§ SSerfeS fjabe eine mannigfache 21bänberung erfahren; er 
fönne nicfyt umljin, jugleid^ mit ber tateinifdjen audj eine franjöfifd^e 



1) 3acob3 8.299. 



182 VII. £ie 9Hemeljer*?ertobe. 



^Bearbeitung erfreuten ju laffen. ©eine Strbeit fei übrigens fo toeit 
toorgerücft, baß eine nähere SSerftänbigung balb nötig toerbe. 

9?eben ber ©nctjflopäbie bringt er 1792 einen „neuen ®rucf" 
be§ StriftopljaneS jur ©prad)e, toon bem er ftdfj große SSorteile ber- 
fprtdjt. gerner taucht ba3 Sßrojeft einer ©riedf)ifcf)en ©rammatif auf, 
toon ber fpäter feine Sftebe meljr ift, bi§ ba$ SBaifenfjaug fcon felbft 
barauf jurücffommt unb feine 33ereitnnttigfeit erflärt, beSljalb in 
Untertjanblung ju treten. ßiemlidf) um ^it nämliche Sdt lüar bit 
$bee einer neuen (£iceroau§gabe angelegt toorben, oljne baß ettt)a§ 
33eftimmte§ barüber ausgemalt tourbe. 3m 3. 1805 fommt bie= 
felbe t)on neuem jur ©pradfje; in^totfc^en aber toax SBolf mit (Söffen 
in ßeipjig unb anberen 3Serlag§l)anblungen in 33erbinbung getreten, 
unb bie hierbei eingegangenen SSerpfüdjtungen ließen ein Stbfommen 
über (Sicero minbeften§ ate fcerfrül)t erfdjeinen, abgefeljen bafcon, 
baß ba§ SBaifenl)au§ feine (Srneftifdfje 9tu3gabe in Vorräten befaß, 
tueldje nodf) 8 — 10 ^cifyxt langten. Stußer bem einen unb anberen 
Heineren 3Sorfd)lage rüfjrt ncicf) btn Stlten ber le&te Stntrag toom 
2. gebruar 1807 fjer; er galt einer SluSgabe be8 ßongin nad) bem 
3)rucf ber Dyf orber Clarendon press, rooju SBolf „einige SJemer- 
fungen ober eine befonbere SBorrebe", jebodf) oljne 9?amen§nenmmg 
liefern toollte. 

®iefer lejjte Slntrag ift eine SBeftätigung bafür, baß bie ©e= 
fdjäftSbeätetjungen jum SBaifenfjaufe bi$ jum SBeggange SBolf£ bon 
£alle nad) S3erlin feine Unterbrechung erlitten tjaben — tro£ be§ 
9Kel)ltaue§, toeldjer fid) barüber gebrettet Ijatte. 

infolge ber früheren 93ert)anblung toar 1794 — 95 in eigen* 
tümlid)er SSerquidung t)on ©dfjul- unb fritifdjer Slu^gabe eine jtoeite 
Sluflage ber %lia$ unb Dbtjffee erfdjienen, unb jtoar in ©roßoftat), 
einmal als ©d)ulau§gabe in jroei teilen, toon benen jeber einjeln 
ju tjaben toax, fobann juf ammengefaßt unter bem Äoöeftitotitel: 
Homeri et Homeridarnm opera et reliquiae , benen bie Prolegomena 
in einem ©onberbrud unter bem ©ejamttitel Homeri opera omnia, 
tom. I (bie§, toeit nod) ein tomus II ber Prolegomena erfdfjeinen 
füllte) jur <Btitt ging — bie ©ritnblegung ju einer bibliograpfjifdjen 



$ie Soctenmg ter OkfdjäftttoerMnbUttö mit grb. 2lug. SBolf. 183 

SBrobelei n>ie fo manche in guter alter Qdt 333er SatjferS $8üd)er* 
leytfon nad(jfcf)lägt, bem überbieS nod) eine Snforreftfjeit in ber 
gormatangabe unterläuft, glaubt, er Ijabe e§ mit brei felbftänbigen 
Aufgaben ju tljun: jtoei in ©roftoftab unb eine in SDlittelof tat), tüä^ 
renb aHe§ in ©roftoftab bem nämlidfjen £e£tbrucfe angepaßt ift. 

3m 3- 1801 itmrbe abermafö ein Sfteubrucf ber ©dfjulauSgabe 
notroenbig. SBolf erflärte, ber ©ang feiner litterarifd^en Arbeiten 
bringe ifjn in ga^r unb Sag nidjt ttrieber mit bem $omerteyte in 
SBerüljrung; gleichzeitig madjte er barauf aufmerffam, baf$ ifjm toon 
einer anberen 93udf)f)anblung bie toorteilfjafteften Anträge ju mehreren, 
fotooljl foftbaren als toofjtfeilen Aufgaben £omer8 gemalt feien. 
©d)toerlidfj toerbe ba$ 33aifenljau§ bie nämlidfjen SSebingungen bettrit 
ligen unb ficlj DoHenbS nid^t auf ben ®rucf in jtoeierlei ober breierlei 
Formaten einlaffen tooHen. „SBie toäre e§ baljer — fügt er Ijinju — 
toenn n>ir un£ in Abfidfjt auf $omer gönjlid) trennten?" 

$ier foielt nodfj eine anbere Angelegenheit ein. SBolf toar ein 
paffionierter SBüdfjerfreunb, unb ba8 SBaifenljauS mit feinem alten, 
immer nodfj gefüllten Käuferlager unb ben baburd) Ijergeftellten 93e* 
jte^ungen jur 83üd)ertt)elt be§ 3n~ unb Au£lanbe§ toar tootlauf in ber 
Sage, ifjnt S3efriebigung toerfdfjaffen ju fönnen. ©eine SBüdfjerred)* 
nungen toaren ebenfo lang mie für feine SSer^öltniffe Ijodfj in ben 
Beträgen. Atö fein ®onto einmal ttrieber auf 700 £ljlr. angelaufen 
toar, erflärte er, bafc er blofj behalt ber S3üdE>er fo totele genommen 
fjabe, um ben SBaifenfjauSberlag bie ganjen ^onorarien nidjt in (Selb 
bejahen ju laffen. S3ieHeidf)t lag bie ©adfje noci) ettt>a§ anberS. S)ie 
SBüd^er bienten ifjm allem Anflehte nadfj nidfyt allein ju emften ttriffen* 
fd)aftlidfjen $\vzdzn, fonbern aurf) jur gelehrten ^urjtoeil. An ber= 
felben ©teile lägt er nämltcf) jlDifd^en ben Seilen flagenb burdfjbliden, 
baf$ er bei feinen jal)lreicf)en (Srtüerbungen nidfyt auf bie Soften fomme: 
bie affermeiften ber t>on iljm genommenen SBüdfjer Ratten !aum bie 
Sfteugierbe einer ©tunbe befriebigt! 

3um Austrage lam bie ^onorarangelegenljeit einige ^afyxt fpäter. 
Unterm 5. April 1803 erflärte er, baf$ eine neue Stuflage ber Dbtjffee 
unb Sßabe bei ben Anfprücljen, toeld^e fie an bie Bearbeitung maclje, 



184 VII. ZitXUmettttyctiorx. 



einem neuen Unternehmen gleidjfomme. ©runblage feiner ©ebin* 
ßimgen fei eine fo ftarfe Auflage, baft er erft nad) einigen awanjig 
3af)ren, wenn er bann nod) lebe, jur SBieberaufnafjme ber £>omer- 
arbeiten genötigt werben fönne. XeSfjalb bertange er eine Auflage* 
tyiHje bou 0500 (£remp(aren; 2500 feien bat>on jur ©djutauSgabe 
befitmmt, btc übrigen 4000 foüten bie bottftänbige ©bition ber 
Opnni fouftituiercu. 2)en binnen ftafjr unb £ag abjubrndenbeti bier 
Öflubeu $e;rt, woju aüe8 bei tljm fertig liege, würben in ben neideten 
3fll)rcu Wumerfungeu folgen, fjötfjftenS fieben 9Upljabete, alfo 
101 1)rucfbogen, wobon jcbodj nur 4000 ©yentylare ju bruefen feien. 
T>W Wumerfuiigen, iucld)c fid) über ba§ gan^e SBerf erftreeften, feien 
bie Arbeit bon beinahe jWaujig !Jaf)rcn; berlag3red)tüdj lönne er fte 
Dom loA'io nicl)t trennen. Soor bem Slbbrud ber 3lnmerfungen muffe 
cnblid) ber zweite unb lefcte SJanb ber Prolegomena erfreuten, fpä= 
tefteu* jur Cjtermeffe 1805. So werbe bann bie§ 33udj boKftönbig 
unb fönne unb muffe fogar nadj früherer 9lrt in feinen einzelnen 
teilen abgelaffen werben, ba ju ben Slnmerfungen eine neue ©in- 
leitung fomme, weldje manchen Käufer be$ ganjen S8erfe§ auf bie 
lYologotuona berjidjten laffen werbe. 

Jietf untren mtot febwere Skbingungen, nidjt bloß wegen ber 
Beigabe bon fieben SUpbabetenSlnmerfungen, f onbern aud) rücfjidjtlidj 
be$ Verlängernd . bie Sluflageböbe nach bem Vebarf Don einigen }Wan$ig 
^abren ju bemeifen. Tamtt fam bie ^onorarforberung überein, bon 
welcher er ielbft Schrieb: „^bneit wirb trieHeitbt bieg £>onorarium fjodj 
bunten; mir fam e$ zuweilen auch W twr." JlÜein er föraic webet 
WH ber £öbe be$ {nmorarö. noch »im ber t^riJBe ber Auflage abgeben; 
bt*s* toten Kutte iSuuubebtiigungeu. 

S\v$ 3Satfettbau£ war in einer fcblimmen £age: es hatte ndj $ur 
^vett uacb ÄValtcbfett bemüht. SSclf an feinen Verlag vi reffeln, allem 
ein* &:tt 5u«t attbemt» um bio$ Vemüben hinfällig >u machen. 9utg 
cs^ .^:? N^ weiKtrffebettbe' neue Unternehmen ein. fo warm, and) 
wetttt neb bc^nrlNr in Jtller Glitte «bu v :c£ei:e. »eine Veriag^t^emtoitra 
tuixr be« >am;u:$ett VerbcUrü*^:: ^r rcr\fctet>etie $tibre femjeleat. 
ifeti :wt:tK »üb £aher t:t £ie*r ArtajeLeaeitijeir *TtttabnjbaftlK$: &« 



Slug. $. SRiemeijer unb ber föelifltonSuiiterridjt. 185 

3Bolffd)e £omerau§gabe erfriert fortan Bei ©. 3- ©öfd^en in ßeipjig, 
toäfjrenb bie Prolegomena 2Baifenf)au8t>ertag Blieben. 

@o fefjr bie Stjäiigfett 9t. £. 9?iemetjer8 ber görberung be§ 
attflafftfcijen Unterrichts galt, fo ftanb ifjm ber 9tetigion§unterrid)t 
perföntidj bod) nätjer. 3l)m toax e£ ßebenSaufgabe, junge äRänner 
afe SRetigionSteljrer au^ubitben. Sitterarifd^ machte er ben Slnfang 
mit bem £anbbudfj für d)rtfttid)e 3?etigion3te^}rer, beffen erfter £eil 
(1792) bie populäre unb praftifclje Sljeotogie beljanbett, h>äl)renb ber 
fd^on fcortjer erfdfjienene jmeite Seit (1790) fidf) mit ber ^omiletif, 
5ßaftoratoiffenfc^aft unb Siturgif befaßt. 2)a8umf angreife SBerf, ^toei 
ftarfe ©rofjoftabbänbe, fanb irofe be§ jeittoeiiigen SBerbotS unter bem 
SKinifterium SBöHner toeitefte Verbreitung ; ber erfte £eit erlebte U$ 
1829 fieben, ber jtoette M$ 1827 fed}8 2luftagen. SDem £anbbud)e 
folgten 1796 — 99 feine «riefe an djriftlic^e ^ettgionSteljrer (2. Stuft. 
1803), freiere bie S3eftimmung Ratten, ftd) über mandjeg, toa§ in ber 
populären unb prafiifdfjen Sfyeotogie nur furj berührt mar, näljer ju 
erflären, „bor alten fingen aber Sntereffe für ein nodf) allju oft nur 
merfjanifdfj getriebene^ 2tmt ju toecfen." 

3m S- 1798 lief* er bie „Sbeen über ben $tan eine§ £et)r= 
bud(j8 für bie oberen 3teligion§flaffen geteerter Spulen" erf feinen. 
S)arin t>ertr»etft er auf bie „unt>erjeil)lid)e" 33ernatf)läffigung be§ Sie* 
tigionSunterridjtS in ben meiften ©djulen unb füfjrt unter ben Urfad)en 
ben Sßangel an atoecfmäfjigen £el)rbüdf)ern an. ©dfjon im !g. 1766 
fyattt eine Bereinigung bon autoritativen SKännern einen SßreiS auf 
ben Sntmurf eine§ $itf§mittet3 für ben 9?eltgion§unterrid)t au§gefe£t 
unb baburrf) bie allgemeine 9tufmer!famfeit auf ben ©egenftanb gelenft. 
©eitbem toax audE) eine ganae Stnja^l red)t guter Sefjrbüdfjer erfdjienen, 
allein t>k meiften ergingen ficlj elementar hi$ jur ©tufe be§ ®onftr* 
manbenunterrid)t§. 2)a3 S3ebürfni3 ber oberen Klaffen ber gelehrten 
©deuten fanb feine redete 33efriebigung, fo bafy einzelne ©dfjulen bie 
afabemifdjen Sompenbien t)on 9Koru§ unb ©rie§badfj i^rem Unterridfjt 
ju ©runbe legten unb bamit natürlich überS giet fäoffen. 3m 3. 1801 
erfd^ien enbttdf) SWiemetjerä Seljrburf) für bie oberen 9Wigion3flaffen 



186 VII. S)ic SWeme^cr* geriete. 



in ©eleljrtenfdfjulen unb mirfte berart fcorbitblidf), baf$ balb an fRu 
balen fein SKangel mar; ebenfo menig fehlte e§ an offenen unb ber* 
ftecften Angriffen, aber ba8 Setjrbud) bahnte fidf) ben 2Beg immerfort 
in neue (Schulen, in anbere ^ßrobinjen unb Sänber, fo baß e§ bt§ 
gum 3- 184=3 in ac^tje^n Stuflagen Verbreitet mürbe, ©elbft bie 
umf angreifen, gleichzeitig mit ber erften 9luf(age begonnenen „Sin* 
merftmgen" ju bemfelben erlebten bi§ 1836 fünf Auflagen. SBie 
©Araber 1 t)ertoorl)ebt, fpredfjen fid) bie fpäteren Auflagen be§ Seljr* 
budfjS entfdjtebener im ©inne be§ SRattonaliSmuS au§; nur finb e8 
nidjt allein bie baburcf) geförberten 3Kängel, meldte ba8 33ud(j alt 
mäfjlidfj unb unter einem fpäteren preuf$ifdf)en SRinifterium aud) au&= 
brücllicr) aufter ©ebraud) gefegt t)aben, fonbern e8 fam nadjgerabe 
audfj mit ber neueren päbagogifdfjen Stuffaffung in ^Reibung. 

®a§ bei toeitem t)erborragenbfte S53er! -JiiemetjerS finb bie 
„®runbfä£e bei* (Srsieljung unb be§ Unterrichte für ©Itern, £aug= 
leerer unb (Schulmänner ". hierin jeigte er nacrj bem StuSfprudje 
<5d(jraber£ 2 feine eigenfte 9?atur unb toafjre ©röfte. ®ie erfte 
Sluflage erfdfjien, griebridfj SBtlfjelm III. gertribmet, im 3- 1796 unb 
nocl) im nömlidjen 3ar)re eine neue „faft" untoeränberte Auflage. 
S)te britte StuSgabe (1799) bezeichnet ftdf) atö berbeffert unb ber* 
mefjrt in jmei Seilen, bie fünfte (1806) mürbe um einen brttten 
Steil erweitert. 3 U Öebjeiten SWemetyerä erfdfyienen adjt StuSgaben, 
nacfj feinem Stöbe nocf) eine neunte (1834 — 35). Stufjerbem mürben 
im Kampfe be8 fübbeutfd^en unb öfterreidjifdfjen 93udfjr)anbete gegen 
ben norbbeutfdfjen fünf -JJadfjbrücfe babon beranftaltet. 8 SSeim $obe 



1) ©^raber^ef^tebergriebri^^UnberfttätäU^anel. 491. 

2) (Berater I. 492. 

3) $ie Nürnberger Sitterarifdjen Blätter 1802. I. 81 bringen folgenbe 
SBarnung 9ftemet)er8 Dor Sßadjbrucferauägaben: „$er SBucfyfjänbler 5)iefen= 
berger, gu ©tabt am $of, fjat meine QJrunbfäfce ber (&r$ieljung, unter ber 
grirma bei) bem SSerf affer unb in allen beutfdjen 93ud$anblungen, 1802 auf 
fcfjledjtem Rapier, mit Dielen S)rucff erlern nadjgebrucft. $>ie rechtmäßige Slu$* 
gäbe !oftete ben Subfcribenten 1 Xf)lr. 16 gr. (3 fl. 36 !r. ober toaljrfd)emltd) 
2 fcflr. SR^etntfc^ 3 f(. — ). 3u ber Beeinträchtigung meines ©igent$um8 fommt 



gitemetyerS ©runbfäfce ber <Er$te$uii0 unb beS Unterrichts. 187 

be3 SSerfafferS ttmren Überfettungen in |>offanb, 2)änemarf unb Sßoten 
erf dienen, in Ungarn, ©dfjtoeben unb ©ngtanb toaren fotd^e in 
33orbereitung ©ncn StuSjug lieferte mit Serücffidjtigung be§ öfter- 
reid(jifd)en ©d&utn>efen§ S. Efiimani, SBien 1812, in jtoei Seilen. 

3n ber SSorrebe jur fedfjften StuSgabe bertt)al)rt ftdfj -ftiemetjer 
gegen bte 9lnnatjme, atö toenn er burdfj 9tuffteKung einer neuen 
2^eorie Stuffeijen erregen toolte. (Er toolte btofj boju mitttrirfen, bafc, 
\va$ ftdfj lange betoäljrt fjabe, erhalten, toa£ beffer geworben fei, 
anerfannt, angetjenben ©rjie^ern unb Setjrem ber $ugenb aber bie 
Kenntnis be§ SSorjüglic^ften, toaS über ben ©egenftanb in früheren 
unb fpöteren 3^ten gebadfjt unb gelehrt toarb, erleichtert toerbe. (Er 
fetbft Ijabe bamit bie feit fünfunbjtoanaig Sauren atö £au§tmter unb 
praltifdfjer ©rjietjer gemachten (Erfahrungen toergtidfjen. ©ei e§ ifjm 
gelungen, mandje§ in ein IjellereS Sidjt ju fe&en unb ba§ Steifet 
Ijafte ber ©ntfdjeibung ettoa§ näljer ju bringen, fo toerbanfe er bie& 
neben feiner fpecififd^en Steigung für ba§ gadf) ber Sßäbagogif ber 
iljm feit 1770, too SBafebott) auftrat, gebotenen ©etegentjett, aße bie 
toed)felnben (Erfcfjeinungen auf biefem ©ebiete in ber Sftäfje beobachten 
unb feine $been mit bieten erfahrenen Sßäbagogen unb ©dfjutmännern 
au3taufd)en ju lonnen; enbtidf) aud), ttrie er tootjl ^in^ufe^en bürfe, 
einer natürlichen 9hilje feinet ©eifteS, bie ifjn t>or einfeitigem 33ehmn- 
bern unb 33crh>erfen bettmfjrt unb bie Sßarteiloftgfeit erleichtert tjabe . . . 
e§ gebe fo toenig eine ben SKenfdjen allein bitbenbeSßäbagogif, atö e3 
eine attein feligmadfjenbe Sirdje geben fönne. 

S)ie ©runbfä&e ber ©rjie^ung unb be§ Unterrichts Ijaben alle 
anberen ©Triften -fttemetjerg überlebt; fie ftnb nod) in neuefter Qtit 
in 2)eutfrf}tanb tote in Dfterreidf) neu gebrudt Sorben. 

Söejügtidf) feiner fdfjöntitterarifcijen Seiftungen ift üftiemetyer ber 
©egentoart atö Sßrofaift ofjne %xaQt ftjm})atl)ifcf)er, benn in feinen 
Siebern, Dben unb Oratorien. $n SSetrad^t fommen bie 1820 — 25 



nodj ber ^Betrug beS SßublifumS burdj ba8 galfum: fünfte neu Derbefferte 9tuf= 
tage. 3>dj mu 6 jebermanu fcor biefer öerfdjtedjterten nidjt öerbefferten 2lu$gabe 
eben fo fefjr al£ öor bem be$ $errn <5teiner unb granffurter 9todjbrucf ttmrnen." 



188 tu. Die RiemtVK'Vtrlrt«. 

erftfjienenen unb in ben einzelnen SBänben fejjt balb »ergriffenen unb 
neu aufgelegten „Beobachtungen auf Steife» in unb aufjer Seutfd)= 
lanb. 9tc6ft Erinnerungen au benttoürbige Sebenßerfaljrungen uub 
ßeitgenoffen in ben legten funfjtg ^aljreii." Saä SSferf befteb,t auS 
Dter Srinben; ber erfte unb jweite enthält bie Steife naefj ©nglanb 
im Saftre 1819; ber brüte bie {Reife burd) einen Seil Don SBeftfalett 
unb ^oßonb im Sa^re 1800 unb enblidj ber bierte SBanb, Weldjet 
in jluet leile jerfättt, bie Sefcortattongretje nadj granfreief, im ^ai)re 
1807. Siefe Steifen bieten nua) für bie ©egenWart noef) mancherlei, 
namentlich, fuliurgefcblrijtlidjeä Sliterejfe. Sie btftinguierte 5JJerfön= 
lidjfeit Dlieutel)er8, feine bielfeittge geiftige SSilbung unb fein Sntereffe 
an allem, ma§ bn3 SRenfdjen= unb Sßölferleben bewegte, mirfen ju= 
fammen, um uns ein farbenreidjeS S3ilb jener Qtit im «Suiegel ber 
brei |iauutnilturlanber ju geben. „Sie „Beobachtungen'' — fagt 
Jacobs 1 — würben ein SieblingSbucf, ber gebilbeten Sötelt, frembe 
Stationen machten ju iffrem Eigentum, roa3 über fie freunbltd, ober 
gebiegen er geutteilt; — unb n>ol)l feiten mag ein bä'nbereidjeS ffijerf 
je mit einem fo fteigenben 3 ,ltere ff E aufgenommen, bie 3ortfegung 
beäfelben mit einer foldjen Ungebulb ermattet Würben fein." 

Sem fta'btifdjen ©emeinfiiine SJJienietjerä Oerbanfte enblidj ein 
Sofalblatt fein Entfielen, we'ldjeS naf,eju ein JSnljifjuTibett lang ber 
£aHifdjen ©ürgerfdjaft jut 93elefjruug uub Unterhaltung, foWie alä 
aintlidje§ Organ unb ^tnjetge&latt gebient f)at: baB öon iljm in 
©emcinfdEjaft mit bem 25nifenE,au§=£3ibuotfjefar unb fuäteren S?on= 
ftftorinlrnt §. SS. SSagni|j gegrünbete „^nCiftfie patriotiftt)e SBodjen* 
blatt". Saä Unternehmen galt jmiädjft 3Bot|Itljätigfeit§ättieiIen; bie 
Überftfjüffe Waren beftimmt ju nufjerorbentlidjen Slufwenbungen beS 
$rmenEülIegium§ , an beffen @j)t^e 9ciemeüer ftanb. 

Sag 931att, WeldjeS am S.Dltuber 1799 ju erfcljeinen begann, 
(am jeben Sonnabenb in einem Dftabbogen Bim 16 Seiten jut 



1) gatobä @.99. 




Eos eaHif4e »cttrioMifie Sao^tn&lnlt. 189 

Sluägabe unb lüftete anffingliä) bo8 gonje ^afjr 16 gr., für 52 Sfli>gen, 
Wie befonberä fjerburg eljoben Wirb, ein ungevuüfjnticlj mäßiger ^Jreiä. 

Dieben ber Betonung be<8 guten 3toecf£ fagen bie Herausgeber 
otn Stopf beä erften ©türfS: „Sludj unter un§ roirb wie fiberall, ber 
£ang äunt fiefen taglicfj allgemeiner, unb »erbreitet fiifj unter alle 
©täube, ßefen ift gut, roenn eä mit 2Bat)l unb mit Sßerftanb gefdjieb.1. 
Stber Diel Qät bleibt bem fleißigen Bürger, ber fleißigen SBütgerin 
niajt übrig. 3)efto notroenbiger ift e§ für biefe, baß fie f o lefen. 9hit 
roenn fie baburet) »erftänbiger, tugenbfjafter, getiefter unb 
juftiebner Werben, !ann man fiefj freuen, baß auef) in iljnen btefer 
au ft€^ fo eble Ürieb ber 2Slßbegierbe ertrxttrjt ift." 

®ie§ Programm erinnert mi bie motaltfcfjen SJoffjenfcrjttften, 
Welcfje feit ©ottjrfjebS fetten bemüht geroefen Waren, bie große SHnffe 
für litterarifcfje ^utereffen empfang lirf) ju macfjen, unb fiajerlicfj ljat 
baS SBodjenblatt eine äfjnlufje Stufgabe erfüllt, wenn e§ nudj als 
Solal&Iatt einet llniDerfitätSftabt über bie programmmaßigeu 3tele im 
Saufe ber Qeit einigermaßen b,tnau§gtng. 2>ie§ beuten bie Don ben 
Herausgebern genannten erften SQcitnrbeiier im PorauS an: neben ben 
belannten, in Halle angefeffenen ISitrjtern unb &rjäfjlem Äug. ©ottl 
©bewarb unb Sa feminine angejetjene UnroerfitfltSprofefforen wie Steil, 
3Roaß, SRecfel, Sntob, ©lüget, Sprengel u.n. 

9ciemeber unb SBagnijj fjnben baS Statt nafjejit 30 Safjte lang 
gemeinfam geführt. 9Jarf) bem lobe be§ erfteren leitete SBagni^ bn§= 
felbe einige 3ab,re allein, überließ e§ aber fäjon 1831 nu§ 9ttter§ = 
unb ©cfunfa t) ei tärü eff i ci) ten , sußleid} im ©inne 9ciemet)er§, ber ftäbtifffjen 
SIrmenfnffe aß Segat. 3n ber SeffionSurEimbe 1 etflfitte ftdtj SSagnift 
bennod) bereit, baS SSodjenblatt, folange er lebe, unter feinem Samen 
erjcfjeinen ju laffen, behielt fief) aber Bor, baß ju feinen Sebjeiten bie 
Verteilung ber Überfd)üffe, roie bis bafjin, lebiglidj nad) feinem unb 
bem ©utbefinben ber Hinterbliebenen be§ ffnnjterö gefcfjeljen fotte, 
öljne jentonb 9?ect)enfcr)aft geben ju muffen; femer, baß ber Slrucf wie 



9?r. 148-50, Ml. bie ,,Müci6lidY' 




190 VII. Sie Rtemrtjcr* tyxlobt. 



bie Slnnafjme ber SBefanntmadjjungen unb ©ebüfjren bafür bem SBaifen* 
fjaufe toerbleibe. 

3lm 22. Sluguft 1831 erfolgte bie Übergabe an ben ^Bürger* 
meifter SRettin atö (£f)ef ber 2lrmenbireftion. 2>ie SRebaftion übernahm 
ber ^rebiger $efefiel, nad) iljm 1834 ber Untoerfttätöfefretär görfie- 
mann, öon mo ab ba§ Sölatt breimal mödjentlidf) erfdjien. 1838 
folgte afö SRebafteur ©uperintenbent ®rt)anber, 1847 Sßrofeffor 
Sacob, nad) beffen £obe 1849 Sßrofeffor 9lgatljon JHemetjer unb 
nadj bem balbigen £tnfd)etben Sftiemetjerg 1851 ber ffonbireftor 
©dfftein. Unter lejjterem erfolgte 1856 bie Ummanbelung be§ 331atte§ 
in ein töglidfj erfdfjeinenbeä Crgan mit öergröfcertem gormat unter 
bem Sitet: „$allifd()e§ Sägeblatt", metcljer Site! öorbem fdjon einmal 
in ber $allifdjen Sofalpreffe Vertreten mar. SRad) ©dfftein übernahm 
Sßrofeffor SRafemann bie föebaftion (1863 — 66), fpäter 6tö jum 
3uni 1871, nominell ^rofeffor $er#6erg — aKe3 Tanten, bie ba3 
Sntereffe befunben, meldje§ man big baljin in ben afabemifdjen 
Greifen an bem SBod^enblatt unb feinem Sßirfen naljm. 

•ftadjbem e§ bann nodf) jmeimat im gormat bergröfjert morben 
mar, bermanbelte e§ fid) allmäfjlidj in ein farblofe£ politifdf)e§ &U 
tungSbtatt für ben Kleinbürger, unb fo bef Reiben ba§ SJebaftion^ 
Programm mar, fo fehlte e£ ju beffen 9tu£füljrung bodj an SKitteln, 
um fo me^r, atö fic^ ftatt Überfd)üffe jeittoeilig 9lu3fäöe ergaben. 
®a§ alte S53od)enblatt Ijatte feine 93efttmmung erfüllt unb fonnte toon 
bem bloßen Slnfefjen, im 2)ienfte ber SBofjltljätigEeit ju fielen, fein 
®afein nid)t frtften. 2)ie ©ilbefternummer be§ gafjreS 1884 mar bie 
lejjte, meldte im SBaifenljaufe gebrudt mürbe. SWadfj einem meljr* 
jährigen 9iettung8üerfud)e, bem jule^t tin SSefi&medfjfel folgte, Ijörte 
ba3 Sageblatt am 30. Sunt 1892 ju erfdfjeinen auf. 2113 patrtotifd>e3 
3Bod)enblatt für ba§ alte ^alle t>on entfdjieben öolfötümlid^er unb, 
man fann fagen, gefd()td)tltd)er 93ebeutung, l)at baäfelbe neben ben 
öon 9?iemet)er unb SBagnijj erhielten unb felbftänbig bermenbeten @r~ 
gebntffen audf) nodf) für bie Slrmenfaffe eine fdjäpare Einnahmequelle 
gebilbet, inbem berfelben bom 3- 1831 an im ganzen etma 240000 Jk 
barauS jugefloffen finb. 



$ie bottMttmltdje Öittcratur am anfange beS 19. 3a$r$unbert8. 191 

$n bem Programm be3 3Bod)enblatt§ ift ber Sßäbagog 9?ie= 
metjer, ttjeldjer fein eifrigfter Sftitarbeiter toax, unberfennbar. $>a§ 
95Iatt fottte ein 33ürgerbtatt fein, ofjne ben Sanbbetooljner au85u= 
fdjllefcen; bie SRebaftion rebete audf) batb bon iljren Ijiefigen unb „au£* 
bärtigen" Sefent. Unter ben £auptrubrtfen be§ Programms fteljt 
^Religion unb SKorat boran; fobann folgt bie görberung gemetnnüjjiger 
Senntniffe in Ijiftorifdjen, tedijnotogifdijen, öfonomifd>en unb natura 
ttriffenf<$afttid)en®ingen; femer bie SDlittettung potitifd>er unb anberer 
Gegebenheiten in lurjer ^iftorifdjer gorm unb enblidfj eine Shibrif, 
bie unS befonberS intereffiert: „Sntyfetjtung gemeinnüjjiger ©dfjrif ten 
für bie $ugenb unb Srtoad)fene." Sölit ben 33olf§* unb^fugenb* 
f djriften madfjte ftdf) ba£ SBodjenbtatt fogar mit 93ortiebe ju fdf)affen. 
3n ber golge ift biefer 3toeig jum ©pecial^tDeig be8 SBaifentjauS* 
bertagS geworben, beffen Anfänge fiel) eben fjauptfädfjüclj auf ben 
banaler jurücffüfjren, ber in bie Xfyat untjufe^en fudfjte, toaä er im 
3BodE)enbtatt bertrat. 

Sm $af)rgange 1802, 16. u. 17. ©tücf, ttrirb in einem längeren 
Sluffafc bor ben fdE)led)ten 33otföbüdfjern unb ßiebern getoarnt, toobei 
ben SBtrfungen ber bamatigen „9lufftärung" fein ßobtieb gefungen 
toirb. SlufKärung, tjeifjt e§, fei ba§ 2iebling3toort be§ 3ettatter3, 
aufgebraßt t>on einigen ber bezüglichen ©dE)rtftftetter, unb nun 
fßatte eS au§ ber ©dfyar teerer ®öpfe atö äKoberoort unauffjörüdf) 
lieber. Sluföörung fei bie ©djukmetjr aller 9ltbernf)eiteu unb äRifc 
bräune ber überfeinen ßeügenoffen geworben ! 

®ie jungen SRäbßen bertcinbelten ifjre Qdt mit Siomanen, ftatt 
fidfj um bie Sßtrtfdfjaft ju lümmern; bie jungen ©enieS öertaufßten 
ba$ Sefen ber alten unempfmbfamen ©rieben unb Stömer mit gereimten 
unb ungereimten £iebe§mördE>en unb Verfielen bei jebem $iftotenfd()uJ3, 
momit ficlj ber unglüdliße Stomantjetb an ber gefüljltofen ©ettebten 
rächen tooffe, in bie tjeftigften 3udEungen. 

S)abei IjerrfdEje jumal in einem fetjr grofjen Seite be§ SanbboßeS 
eine SRofjfjeit be§ SSerftanbeS unb ber (Sitten, tt>etd()e man bei einer 
Nation küie bk beutfße nidf)t Vermuten fottte. gür SSerbefferung ber 
2)orffd()uien fei in neueren ßetten fetjr biet gefdljeljen, bamit fomme 



192 vn. S)ie Element *$ertobc. 



man jebodj nidjt jum Qidz, toenn nid)t gleichzeitig auf bie ^äu^Ud^c 
©ttte unb Unterhaltung eingetoirft toerbe. 

$)ie guten 33olf3büdf)er, iuelcf)e ^terju bienen fömtten, feien teitö 
ju feiten, teitö ju unbefannt, teitö gu teuer. ®afür gehörten bie 
betonten £röbeltifdf)e auf ben Sfatjrmärften bent Sanbbolfe eine xoofy* 
feilere unb feinem ®efd)made angepaßte Seftüre: finnlofe Ausgeburten 
beS 916er glaubend, großenteils bor SfaWunberten in ben Qeüm 
müßiger 9Köntf)e ausgebrütet, alberne 9titter-, £e$en* unb Sßunber* 
Ijiftördjen, fdjänblidje Reimereien — baS feien bie Schriften, bie au$ 
einer $ütte in bie anbere manberten unb bem einfältigen Raufen bie 
langen SBinterabenbe bedürften. Umfturjen möchte man bie Sröbefc 
buben, um bk fid) — ein jeber ^aljrmarft getoäljre ben Slnblicf — 
jal)lreid)e junge ^Bäuerinnen nebft anberem jungen SSolf, befonberS 
Seljrburfdfjen, ©olbateu *c. fdfjarieu, um für iljre erfparten dreier 
Sieber ber orbinärften Slrt unb 33ertt)anbteS ju laufen. 

greiltdj tüäre ju münfd)en, ba% in je&igen fd)reibfeligen 3^iten 
audf) meljr für btn Sanbmann gefdfjrieben, bafc meljr 33üd)er auf ben 
Sftarft gebraut tuürben ttrie 3 er *ennerS SSolfSbuclj, (SroalbS Sefebudfj 
für Sanbjdfjuten, SöederS 3loU unb $ilfSbüdf)lein, SungS, ©c^leg', 
gröbingS 33oltölef)rer k. 

$)em Sßaifenljaufe hmr bier ein SlrbeitSfetb geboten. 211S SRittel 
jur SBirlfamleit auf bemfelben ftanb ifjm baS Sßodfjenbtatt felbft, 
bie S3olfö[cf)ul= unb etroaS fpäter bie Salenberlitteratur 5ur SSer^ 
fügung. Sftadf) bem offiziellen Ursprung ber legieren tjatte ber tyfo 
tofoplj Seibmj Saufe babei geftanben unb atö Programm aufgeteilt, 
baft fie bie Sibliot^e! beS gemeinen SKanneS ju bilben Ijabe. 

®en ©egenfajj jur grobkörnigen SSolfSlitteratur bilbete baS über- 
feinerte unb empfinbfame, für Ijöljere ©efel(fcf)aftSfcf)id)ten beftimmte 
Safdjenbuct). $ier tuurbe in ©efüljtöfeligfeiten gefdjtoelgt unter ben 
klagen bon Warfen unb glöten. 2)aS SBaifenljauS madfjte ben SSerfud), 
aud) btefer mistigen, fogar inmitten beS SBaffengefttrrS in ftftrffter 
üftadjfrage ftetjenben Sitteraturgattung t)on feinem ©tanbpunfte bei- 
jufommen. 1809 erfd)ien baS bou 6. SB. Spieler herausgegebene 
„SBeftfätifdfje 2afdf)enbud). ©in SReuja^rSgefd^enf für gebilbete Söng^ 



93ecfer8 <£r$äljlung,en au$ bet alten SBelt. 193 

linge unb Jungfrauen ", allein e§ blieb bei einem Jahrgänge. 2)er 
SSerfudf) torirb gefdfjeitert fein an bem päbagogifdf)en 3 U 9^ be3 Unter* 
neljmenä, melier ftörenb einhnrfte auf jene ©efitl)l§feligfeiten trojj 
einer Slnjaljl melobifdE)er SSerfe unb entfpredfjenber Sftufifbeilagen. 

SBeffere unb fogar burd(jfdE)lagenbe ©rfolge tourben mit ber ge- 
hobenen gugenb* unb 33olf£fd)rift erjiett, gehoben infotoeit, afö ba§ 
©treben bafjin ging, ben ljöcf)ften litterarifd)en ©eljalt formgered)t 
barin ju bergen. 

2)ie bamaligen Jugenbfcljriften litten an 33erffad(jung, tt>e£ijalb 
ba§ SSod^enblatt eifrig bei ber $anb toar, toenn e3 galt, 9?eue§ unb 
SBeffereg ttrie SrummadfjerS Sßarabeln unb al$ 5Dtäbd()enleEtüre Stofa* 
lien§ -Jiadfjtafj ju empfehlen. 9tfö ber im jugenblid^en Stlter Dom £obe 
hingeraffte SReifter bolfgtümlidjer ©efd)tdfjt§erää^lung, Sari g?b. 
93edf er, feine Ijomertftfjen „Srjfiljtungen au§ ber alten SBelt" (3 £eile, 
1802 — 3) erfdjemen lieg, toerttxifjrte er fidf) bagegen, bie Qafy ber 
Sugenbfd^rtften unnüjj bermeljren ju toollen, meldte nur auf Unter- 
haltung ober auf blofj moralifdfje 83elel)rung berechnet feien. ®iefe 
SBemerfung bürfte generell ju berfteljen fein. SBie S3edfer3 flafftfd^e 
Sugenbfcijrift, freiere trofc berfd)iebener SonfurrenjauSgaben in ber 
Originalausgabe nod) immer neu aufgelegt ttrirb, in ben SBaifen^au^ 
toerlag gefommen tft, lägt ftdfj nad) bem toorljanbenen Sölaterial nirfjt 
fagen. SDer SSerfaffer Ijatte jtoar in $atte ftubiert, lebte aber in SSerlin, 
unb fonft ift aurf) feine feiner ©Triften im SBaifenfjaufe erfrfjienen. 
$at ber StfaU feine $anb im Spiele gehabt, fo fam biefer QvtfaU 
9iiemet)er, ber jur Ausbreitung ber ^omerleftüre in ben ©dfjulen fo 
biet beigetragen Ijatte, iebenfatte feljr gelegen. $)er Sanjler beeilte 
fidf) barum audfj, ben erften Seil, melier fd)ön im ©pätljerbft 1801 
§ur Slu^gabe gelangt toar, in einer ber näd)ften -Kümmern be$ Sßocijen- 
blatte unter ßeidfjnung feines 9?amen§ 5U befpred^en unb im 9(nf dfjluffe 
an feine ttmrme (Smpfeljlung in ber nämlidfjen Stummer iiodf) einen 
anberen, mit bem 93ecf erfreu S3ud^e in SSejie^üng fteljenben Stuffajj: 
„SBer toar benn $omer?" ju Veröffentlichen. 

Sedfer trug ftdfj mit bem ©ebanlen, ben „gried^ifd^en aSoÖ§= 
märten" einmal ©rjäljlungen au§ bem Ijebrciifdfjeu Stltertum folgen 

©djürmann, ßur ©cföidjte b. ©u^fjbig. b. SB. 13 



194 VII. $te 3fctetn<tyer*?ertobe. 



ju laffen, fcfjeint aber burd) feinen 1806 erfolgten £ob baran ber- 
Ijinbert toorben ju fein. ®iefe Sbee ift balb banadfj in anberer 
SBetfe berhrirflidjt toorben, unb jtoar erflärtermafjen auf Anregung 
SWemetyerS. 

$erber Ijatte ben natoen £on in ben l)iftorifcf)en 93üd(jem be£ 
alten £eftament$ atö baS Sbeal berartiger ©efc^idjteerääljlung, ja 
öietteid^t für ben 6eften unb ma^rften £on aller ©efd^id>te etftärt 
„SSerfudje man e3 einmal — fagt er — unb erjftfjle einem Sinbe 
etttmg aufter biefem Jone; berftnbere man Umftänbe unb SRebearten; 
madfje man, ftatt fimpel ju erjagten, ^Betrachtungen unb pragmatifdije 
^Reflexionen; ba3 Sinb hrirb un§ nid^t toerfteljen, unb toenn e£ enblidfj 
nadjerjäljten foH, hrirb e3 gerabe fo erjöljlen, iüiebie83üd(jer3Kofe." 
Sbenfo Ijatte fidf) $erbart baljtn auSgefprodjen, baft ber ©ebraud) be£ 
alten £eftament3 feljr erttmnf dfjt fein muffe für biejenigen ©tänbe, für 
toeldje bie 99ilbung burdfj flafftfdfjeS Slltertum nur ein frommer SBunfdj 
fein toürbe. 9?ie toerbe bie Religion ben ruhigen $ta£ in ber £iefe 
be3 ^erjeng einnehmen, iüeld)er iljr gebühre, tocnn üjr ©runbgebanfc 
nidfjt atö ju ben ölteften geljörenb erfannt toerbe, iüoju bie Erinnerung 
Ijtnaufreidfjt. 

$)en Sbeen £erber§ unb $erbartg folgenb, legte griebridfj So 1)1- 
raufdfj ben ®runb jur päbagogifdfjen SBeljanblung ber biblifd^cn ®e^ 
fdjidjte. 1 3>n feiner Stbfjanblung: „Über ben ©ebrauclj be£ alten 
£eftament£ für ben Sugenbunterridfyt" führte er feine Slnfid^ten nät)er 
aug unb gab eine $robe foldjer Siadfjerjäljlung beg biblifd^en £ejte§. 
darauf erfudf)te ifjn Sftiemetjer um 9lbfaffung einer biblifdfjen ®efdfjid(jte 
im ©inne jener Slugfüfjrungen; biefetbe erfd)ien mit einem Segleittoorte 
beg Äanjlerg im 5. 1811 unter bem £ttel: „©efdfjidfjten unb ßeljren 
ber ^eiligen ©dfjrtft alten unb neuen Seftamentg." SBie ffoljlraufd) 
fdfjon borbem betont fjatte, mar bag Überpffige unb Unpaff enbe toeg* 
gelaffen, einiget toeiter ausgeführt, bag SKeifte aber unb bor allem 
bag ®ialogifdje toörtlid} in einer ber fräftigen Sutljerfdfjen möglidjft 
gleiten ©pradje ttriebergegeben toorben. 



1) Seutfdje blattet für erate$enben Unterricht. 1884, 9ft. 32. ©. 257. 



Äoljlraufd), ©efdjic&ten unb Se^rcn bet ^eiligen ©djrtft. 195 

Sofjlraufdfj ift bi§ jur ©egenwart SSorbitb geblieben, unb wenn 
im legten Saljrjeljnt bie Sftadfjfrage fdjwädfjer geworben ift, fo fjängt 
bte§ mit ber um btefe Qtit immer ftärfer bentitierten Srage ber 
@df)ulbibet in etwa jufammen. 3Wan finbet, baf$ ®oljtraufdj ju 
Wenig neues Seftament hittt. ©egen iljn felber mar fdjon, tote er 
berichtet, f)in unb wieber bie Sßeinung jum StuSbrudf gefommen, atö 
Eönne ein fotdjer StuSjug Bei enttyredfjenber ©rgänjung an ©teile ber 
93iBe£ felbft treten unb fie für ben täglichen #au§gebraud(j überftüfftg 
machen. SSon fotdfjer Slbfitfjt erflärte er Weit entfernt ju fein; fie 
mürbe ben ^ärteften £abet berbienen; bietmeljr fei fein ehtjiger 
3wedf , für ben ©ebraudfj ber S3ibel borjubereiten. S)iefe fotte in ben 
$änben aller @rtt)ad)fenen fein, unb fdf)on ber Snabe unb bie 3>ung* 
frau foßen burclj ben ®onftrmation3unterrid(jt in iljre Senntntö tiefer 
eingeweiht werben. -Kur in ber 3eit be§ 9teligion§unterrid(jt§ alfo, 
wo ba§ ©efd)idjtlidje borfjerrf fytn muffe, Wo er meljr bie fittlidfj* 
retigiöfe ate bie bogmatifdfye 9tu8bilbung jum Qtoedt Ijabe, fei ein 
foldfjeS £itf36udj am Sßtafce. 

9?od() eine§ anberen 93udf)e§ au8 jenen Sagen mag Ijier @rwä^ 
nung gefdfyeljen, weldfjeS ate Sugenb* unb SSolföfdfjrift bejeidfjnet 
Werben fann, oBfd^on bie3 nadfj einer anerfannten Slutorität eine unju= 
täffige Segripbermengung fein foH. 2luf Anregung be§ StanjlerS, 
Welcher bie $bee ba ju Vergab, würbe inmitten ber weftfätifdfyen 3^it 
ein „2)eutfd(jer Sßlutard)" in brei refp. bier Stbteilungen in Singriff 
genommen, bon Welchen bie erfte 1811 erfd^ien; 3^ e * ^ ar » »in 
jener Qeit *> e * 9*°* b ux ©twedtung unb ©rljaltuttg freubigen 
SKuteS in beutfdf)en £erjen beantragen." Herausgeber war 
ber atö Sugenbfdfjrtftfteller bamatS unb fpäter befannte Sßrebiger 
Efjr. Sftiemetjer. %n feiner erften ©eftalt führte ba§ Unternehmen 
al(erbing§ ben Sitel: „®eutfd^er ^lutardf) für bie Sugenb, en *~ 
Ijattenb bie ©efdf)icf)ten rufjmwürbiger S)eutfd^en." %laü) ben %xti~ 
IjeüSfriegen, in ben jwanjiger Saljren, würbe baSfelbe narf) einem 
neuen, bon ber ^al(ifdE)en Sitteratur=3^^ un 9 unterftüjjten Sßlane 
umgearbeitet, Welcher bafjin ging, mit ber ©efd^id^te Ijerborragcnber 

Sßänner bie ©efd^id^te beS SSolfeS felbft ju öerbinben. S)er ein* 

13* 



196 VH. 3>te 9Meme$er*$ertobe. 



fcljränfenbe Sufafc * m Zitd: „für bie gugettb" fiel babei Weg, oljne 
bafc ba£ 83ud(), Wa3 xtad^ feiner erften Slntage audfj fdfywer benfbar 
War, bamit aufhörte, Sugenbfdfjrtft ju fein unb jur fpecififcljen SBolfö* 
fdfyrtft ju »erben. 

2)em patriotischen SBodfjenbtatt Wirb nadfjgefagt, 1 bafc e8 feinem 
Programm nid^t gleichmäßig geredet geworben fei. 3tm fd(jwäcf)ftett 
fei ber politifd^e Seil aufgefallen , forooljt waS bie ^Begebenheiten in 
fremben Säubern betreffe, afö audfj in beut, Wa§ Sßreufjen ju Anfang 
be8 19. 3al)rf)unbert§ bewegte, ebenfo in ber ©teltungnaljme ju ben 
®efdE)idEen be§ preufcifdfjen SanbeS unb feiner £errfdfjerfamitie. 

SBei 16 Dftatofeiten in ber 3Bod)e, bon benen minbeftenS fünf 
bem rebaftionetten Seit entzogen mürben, lieg ftd^ nidf)t biet Sßotitif 
treiben. 93eim bamatigen ©tanbe be8 3ournati3mu§, tottm &°k 
einem folgen überhaupt fcljon ju reben war, Ijanbtjabte fid) baä 
potitifdfje Sftadfjridfjtenwefen rebaftionett audfj feine§Weg§ fo bequem 
Wie gegenwärtig. ®ie (Schere, tjeufyutage fo bebeutungSbott für ba§ 
3eitung§wefen, Würbe bamal§ bie Soften ber 9lnf dfjaffung laum 
gelohnt Ijaben. 9ln auSreidjenbe Drtginatbericf)te fonnten aber felbft 
beffer gefteKte Stätter nidfyt benfen. (£3 war bie 3 e *t, ^° bit 93er- 
tiner 33ebötferung, bie ©taatöwürbenträger mit eingefdfjtoffen, ttjre 
potitifdje Sftatjrung au3 Hamburg unb fonftwotjer be^og, ba bie 
eigene 3 e ^^ un 9^ re ff e & a 8 nötige @ntwicletung£ftabium noclj nid)t 
erreicht tjatte. 

Stuf einer. 33erWed)fetung beruht e§ Woljt, Wenn an berjelben 
©teile gefagt Wirb, baf$ SBonaparte bei feiner ^roftamation jum 
Saifer burdfj ein längeres (Sebidfjt atö griebenSfürft für granfreic^ 
tüit für ganj Suropa gefeiert worben fei. 2 $n mitberem ßidf)te 



1) &aHefdje§ Sageblatt fc. 28. Sunt 1889. 

2) 3m Qaljrgang 1804, too e§ bod) fteljen müfjte, finbe tdj ein fofdje£ 
©ebidjt nidjt, molji jebod) (32. @tfid) ein ®ebid)t junt ©eburtSfefte gfriebridj 
SBtfljefatö in. Über bie ßatferproflamation ttrirb im 24. ©tücf redjt btinbtg 
referiert, toobei bie SBemerfung einfließt, baft granfreidj, roeldjeS fcor wenigen 



Haltung bc8 l>atrtotifd&en SßodjenMatt« in franjöfifcfjer 8«it. 197 

Würbe e§ erfdjeinen, wenn bamit ba§ 93egrüfsung£gebid)t „Sin SRa* 
poleon SBonaparte bei fetner Ernennung jum lebenslänglichen erftett 
Sonfulat" gemeint fein foHte, weldfjeS fid) in ber -Kummer Dom 
25. ©ept. 1802 abgebrucft finbet. SBonaparte wirb barin afö SWegS* 
ljelb unb Sänbiger ber SReDolution gefeiert, nnb in nidjt gerabe 
lobenswerten SSerfen ber lobenswerte SBunfdj auSgefprod§en, bafc er, 
Welker über ben Parteien ftel)e, ben 93ürgerfinn unb bie Suft am 
83olfSWol)l in ber 33ruft ber fjranlen pflanzen möge. 

SBenn man baS SBodjenblatt felbft ba, Wo bie grembljerrfdjaft 
für $aHe angebrodjen war, nadj feiner patrtotifdjen Haltung burd§= 
muftert, Wunbert man fid) fogar über ben unbefangenen Jon, ber in 
biefer Sejieljung angefdjlagen Wirb. 211S SRiemetjer unter militärifdjer 
SJebecfung feine 2)eportationSreife nadj granfreid) etappenmäfcig ange- 
treten Ijatte, berabfdjiebete er fid) unterm 18. 9ftai 1807 Don Könnern 
auS Don feinen SRitbürgem. „SBeife Unterwerfung — fagt er bei ber 
©elegenljeit 1 — unter baS UnDermeiblidje, Sichtung gegen baS ©efe£ 
ber Dbrigfeit, bie ©eWalt ^at, ftiHer frieblidjer SBürgerftnn, @nt* 
femung Don allem, waS nidjt 93eruf unb 5ßftid§t ift, 83orftdjt im 
Sieben unb §anbe(n bei ber treueften 2lnl)änglidjfett an baS, 
WaS unS Dorbem Ijeiltg unb teuer War — barin fejje femer 
jeber ^attenfer feinen Patriotismus. 3)aS fidjert in böfen, baS eljrt 
in befferen Seiten. 3)afs biefe früher ober fpöter ber griebe unS 
bringen Werbe, ift, id aller Ungewißheit ber 3 u ^ft, fdjon ijjt 
gewife." 

3n biefen Weifen unb patriotifdjen SBorten fptegelt fidj) baS fyaU 
fäd^lid§e 83erljalten ber |>allifdjen 93ürgerfd§aft ab — bis auf einen 
für $atte faft Derf)ängniSDoff geworbenen 5ßun!t, Don bem eS bamalS 
l)ief$, bafc er nidjt aufgeflärt ober gar erwtefen fei 9Kan erfannte 
bereitwillig an, WaS bie granjofen ®uteS brauten, barunter ben 
tjöflidjen UmgangSton im SSerle^r unter unb mit ben SBeprben, Wie 



Sauren nodf) allen Sßaläfien btn ßrieg, allen ÄömgStljronen ben Umfturj an* 
gebro^t Ijabe, jefct einen glänjenberen §offtaat benn je Ijabe. 

1) SBodjenblatt 1807, @. 322. 



198 VIT. J)ic «ßtcmc^er* Verlobe. 



il)n ber Sftinifter be£ Innern, <5im6on, bort bett Oberpräfeften ange= 
fangen empfahl; 1 befonberS angenefjm berührte ber ©runbfafc, „2)eut- 
fdjen ©eutfd^e al§ SBeljörben $u fe&en." darüber bergafc man jebodf) 
ntc^t, bafc e§ fiegreid§e geinbe toaren, unb madjte fein £eljl au§ bem 
SBunfdje unb ber Hoffnung, fie balb nrieber lo§ $u derben. 

S)ie ©ebenffeter ber Jljronbefteigung ®önig 3>eröme£, toeldf)e 
am 10. Januar 1808 burdj ®otte£bienft unb SHuminatton, aud§ 
„Dieter $rtoatl)äufer", burdj 93aß unb ©ouper begangen nmrbe, 
änbert fjieran nidjtö. 2tugenfd)einlidj ftanb bie 33ürgerfdjaft gerabe 
bei biefer (Gelegenheit unter einer gettriffen SBeeinfluffung feitenS be§ 
reatyolitifdj geftimmten ©tabtregimentS. ®ie mancherlei 38ol)ltljaten 
Don oben Ijerab foHen bie natürliche Slufforberung ju einer folgen 
geier gebitbet fjaben. 2 S)abei modjte e§ bem Unterpröfeften granj, 
ehemaliger ®rieg§^ unb ®omänenrat in SKagbeburg, an Illumination, 
%an% unb ©djmau£ ettoa§ ju biet geworben fein, \vk fid) bei ber 
balb banad), am 6. SKörj, ftattfinbenben £ulbigung, toetdfje für ba3 
Sönigreidf) 3 borgefdjrieben ttmr, geigen foHte. Site Unterpröfelt be§ 
3)iftrift§ £aHe 5eidjnete granj in einer S3efanntmad§ung bxt Drbnung 
bor, toeldje babei einhalten toar, unb forberte bie ^Bürger auf, ben 
Jag ntdjt burdf) glänjenbe fjefte, fonbern burdf) 28ol)ttf)ätigfeit 
ju eljren. Sin jenem SRärjtage, einem ^eiteren (Sonntag, berfammelten 
fidf) bafjer fämttid)e SSürger ber ©tabt unb SSorftäbte auf bem tfjnen 



1) SBodjenblatt 1808, 6.46. 

2) SBodjenblatt 1808, @. 114. 

3) $ad) 9(rt. 1 ber „(Sonftitutüm be3 ßönigreidjS SBeftfalen" umfaßte 
baäfelbe: bie ©raunfdjtüeigsSBolfenbüttelfdjen (Staaten; bie ImfSelbifdjen £etle 
ber Slltmarf unb ber Sßrototna 3ftagbeburg; ba% (Gebiet toon §atte; ba3 §ilbe£s 
Ijeimtfdje unb bk (Stabt ®o3tar; ba3 Qanb §alberftabt; ba§ ^oljenfteinifdje; 
ba3 ©ebiet toon Ctueblinburg ; ©raffefjaft SWanSfelb; ba§ ©tdjäfelb nebft %xtf* 
fürt, SMIjHjaufen, -ftorbljaufen; ©raffdjaft ©tolbergs^Bernigerobe; bie (Staaten 
toon Reffen Staffel nebft Rinteln unb ©Naumburg, jebod) mit SluSnaljme beS 
®ebtete8 bon §anau unb ßafceneflenbogen; ba§ ©ebtet bon (Sorbet), (Rötungen 
unb ©rubenljagen nebft bem ßubefjör tum ^o^enftein unb (Slbingerobe; ba£ 
SBtötum £)$nabrücf; ba% SBtötum Sßaberborn, SKinben unb 9toben8berg, forme 
enbltcf) bie ©raffdjaft SRtetbergsÄaunifc. 



ÄÖntß fronte unb bic ©tobt $aHe. 199 

beftimmten $la£ iljrer SSiertel unb jogen unter SSorantritt ber ©e- 
tneinljeit&neifter unb Stentljerren unb unter bem ©eläute ber ©locfen 
nadj beut SRarftylafce. l 3)er SBalfon be§ 9tatl)aufe§, Don bem au£ 
ber §ulbigung§eib abgenommen toerben foHte, toar in ben Sftationat 
färben, toetß unb blau, auSgefdjlagen. §ier erfdjien nun 5ur feft= 
gefegten ©tunbe ber Unterpräfeft unb leitete bie §ulbigung§feier 
ein — mit einer Sobrebe auf ba§ $au£ ^o^enjoffern, beffen unab* 
läfftge3 Streben getoefen fei, ben preußifdfjeu <5taat feinem ganzen 
Umfange nadj groß unb glücftidj ju madjen. SBenn ber (ejjte biefe§ 
©tammeS bie§ nidjt ganj erreichen lonnte, fo Ijabe bie ©dfjulb nie an 
feinem SBiUen, nie am SRangel an Sljätigfeit unb nie am SIbel feiner 
©runbfäjje gelegen. S)er ©rfolg Ijabe iebodj feine SBemüljungen ntc^t 
gefrönt unb enblidj fei ifjm gar burdf) ben grieben bon £itftt bie 
©tabt §aHe entriffen toorben. 93ei aller ©djtoere be§ ©efdjicfö l)abe 
e§ ftd) für bie ©tabt bemtodf) glücHidf) gefügt; benn nad) ber SBeife, 
toie bie SBürfel gefallen feien, Ijabe fte leinen trefflicheren Siegenten 
bef ommen fönnen atö £ieront)mu£ Napoleon u. f. tv. 

SBürgerfdjaft unb Untoerfität ftanben mit Spörne für§ erfte in 
ber Sljat auf gutem Süße, ©einen ©eburtötag ließ man nidjt oljne 
feftlidje 9ln teilnähme, tinetool)! offiziell nur eine retigiöfe Seter bor= 
gef djrieben mar, toeldje al3 bloß perfönltdje ©fjrung freiließ ntd)t 
genommen toerben fonnte. 93ei ber jtoeiten SBieberfjolung ber geier 
Ijatte ber 9ftitl)erau3geber be§ SBodjenblatteS, 28agnijj, in feiner 
©tgenfdjaft atö ©uperintenbent bie geftyrebigt in ber 3Rarft!ird§e 
ju galten. 2 ©einen £ejt bilbete er fidj naü) jtDei bibltfdjen ©teilen, 
*ßf. 73, 24 unb Sef. 28, 29: „@ott leitet un§ nad) feinem JRat, unb 
fein 9tat ift ttmnberbarlid), aber er füljrt i^n fjerrlidj l)inau§." 
3n biefem £eyt lag ettoa£ 5ßrop()etifdjeg, unb bie SBefjanblung be§* 
felben muß für bie ftarf gefüllte Sirene um fo meljr erbaulidje ®raft 
gehabt Ijaben, atö bie jtoette £l)efe ber 5ßrebigt lautete: „9lffe3 ift 
ber SSerönberung unb bem 28ed§fel unterworfen", unb bie britte 
Sljefe: „Unfer ®ömg ift nifyt entfproffen au§ beutfdfjem S3Iut ic." 

1) 2Bod)enblatt 1808, ©. 161 u. ff. 

2) 2Bod)enblatt 1809, ©. 719 u. ff. 



200 VH. $te 9Meme$er Verlobe. 



Seröme, freierer fein 3)eutfdj fcerftanb unb fidj audfy, toafjr- 
fd^etnlid^ toeil er bie SSer^ältntffe burdjfdjjaute, nidjt bie SRü^e gab, 
e§ orbentlidj 511 lernen, erhrieberte bte freunblidjen ©efinnungen, 
toeldfje il)m Don §aHe entgegengebracht ttmrben. 8113 er 1808 bit 
©tabt jum jtoeiten 9ftal befugte, erflärte er bem äßagtftrat, toeldfjer 
am §. ©eiftfjofpital bie ©djlüffel ber ©tabt überreizte: „$aHe fa 
blü^enb atö möglich madfjen ju tuolten." SBie beim erften SRal flieg 
er beim ®anjler ab. 9?adf) (Smpfang ber Untoerfität unb berfdjiebener 
Korporationen erlunbigte er ftdj nadj ben ©el)en§toürbigfeiten. 33or~ 
jüglidjeS ^ntereffe naljm er an ben Stiftungen, über beren Umfang 
er flaunte. S)ie ©djüler bilbeten auf bem 33orberf)ofe ©palier. 211$ 
e§ fjieft: ber König fomme, fingen fie auf Kommanbo an ju flatfdjen. 
^erfönlidf) imponierte ber neue Sanbe^err toenig; in toeifter Uniform, 
bon SDiittelgröfte, fdf)mäd()tig, mit fahlem italienifdjen ©efid§t unb 
entern 9?apoleontt)pu§, nur bieSftafe länger unb fpifcer, madjte er ben 
©inbrucf eines jungen „eff emittierten" SKenfdfjen, bem fd§on ba§©e^en 
fauer ttmrbe. 3)ie impofante ©eftalt be£ Kanj(er£ -ftiemetyer ftadf> 
getoaltig gegen iljn ab; in Begleitung beweiben burdfjfdjritt er bk 
Sieben, oljne red§t§ nodj (inf§ 5U feljen. 1 «Sulefct begab er fid) in bte 
93ud)ljanblung, in beren nid§t eleganten, aber (idfjten unb luftigen Siöumen 
feit griebridE) SBilfjelm I. mandjer l)ol)e £err geseilt l)at. £ier empfing 
er nodj eine Deputation bon ©tubierenben, l)örte fie frcunblid) an 
unb befiieg bann ben bor bem SBaifenljaufe Ijarrenben Steifetoagen, 
ber iljn über bie KlauSbrücfe, too ein Sifdjerftedfjen angeorbnet toar, 
bafconfüfjrte. 

3)a§ gute ©übernehmen ging fdfjon 1812 in bte SSrüdje. frönte 
faßte SRifttrauen gegen ben Kanjler toegen geheimen ©inöerflönbniffe§ 
mit Sßreuften unb lieft auc^ nidjt babon ab, als bie erften guffüfterungen 
burdf) ben Sftaire bon $aHe, nochmaligen Sanbrat ©treiber, entfräf tet 
toaren. 93ei feiner 2>urd)reife nadj 3)re§ben am 21. guni 1813 flieg 
er nid§t me^r bei SKieme^er ab, ebenfo wenig bei feiner Sftücf reife am 



1) SBoigt, 3. 31., ©fiföen au3 bem Seben fjriebridj 3)aöib fjerbtnanb 
Jpoffbauerä. §atte , 1869. S. 26. 



$ie $anif$e ©efcötterung unb Äatfer «Rapoleott. 201 

2. Swli „28a§ man ba Don t^m (jörte — Beridjtet ber Sanier — 
toaren nur SBorte ber ®roi)ung unb be§ «SorneS üBer ©tabt unb 
Uniberfität, bie Urfadje (jaBen foHten, bor feinem @rftf)einen ju %itttxn." 
9Wemet)er tjerf<j^ruetgt, tvtö tym felBft baBei Begegnet toar. 1 9ÖS er 
Bei ben garten SSorhmrfen gegen feine Sßerfon erflärte, lein ©djulb* 
Bettmfctfein §u IjaBen, entgegnete ber fieBemmbatoanjigiäfjrige frönte 
bem nafjeju f ed)jig jährigen San gier, bon bem er ttmfcte, tueld^e fd)tme- 
rige SSermittlerroHe ifjm jugef allen toar: „SBenn er fdjutbig getoefen 
toäre, fo toürbe er iljn IjaBen Rängen laffen!" 

Napoleon felßft bertoeilte einige SBodjen fpäter, am 13. ^uli, 
auf ber S)urd§reife in $affe, too er be§ äßorgenS erwartet toorben 
toar unb erft nadfj SlnBrudf) ber Sftadjt eintraf. 2 9lm goHfjaufe bor 
bem ®atgtl)ore tuurben bie $ferbe getoed)felt. 3)er Stoifer tieft bie 
feit bem SKorgen feiner Ijarrenbe Sßeljörbe, an ifjrer ©pi£e ber 
Sanjler, bor ben SBagenfdjtag treten. 2>er Qoxn gegen bie ©tabt 
fprad) au§ feinem 3lnt(i& tüte au§ feiner Siebe. @iner feiner ©eneräle 
ijatte, tt)ie e§ Ijetftt, fein gurücftoeidjen Bei ber ©rftürmung Don §aHe 
burdj SJüloto Don 3)ennetoi{j, 2. 9ftai 1813, bamit entfdjulbigt, bafc 
93ürger unb ©tubenten mit bem fjeinbe gemeinfame <3aä)t gemalt 
fjätten. 3)ie§ foHte untoiberruftid) mit bem £obe geragt toerben; 
bk ©tabt felBft foHte bier SRiHionen granfen SontriBution jaulen, 
15000 Sftamt Einquartierung erhalten, ober in flammen aufgeben. 
„Untoeife IjaBe fein 33ruber bie Uniberfität toieberljergeftellt, tt>etd)e 
@r 1806 bemidjtet IjaBe. ©ie fei ber ©ijj ber Unruhe boH SRfe 
glieber be3 £ugenb6unbe& Je les chasserai tous!" ober nadj einer 
anberen Se§art: „Je les Scraserai tous! u 

Sm SBodjenBlatt 3 jjeiftt e§: man JjaBe e§ merfttmrbig gefunben, 
baft ber ©tnbrucf biefer SBorte auf bie 33ürgerfd)aft in feinem 33er* 
IjältniS ju bem ©dfjredtidfjen ber 3)roljungen geftanben IjaBe, tttva at§ 
tüenn fte geahnt (jätte, baft biefe ©timme Balb nid)t mefjr in 3)eutfdj* 



1) 3acobSu. ©ruber ©.394. 

2) 2Bod)enblattl814,©.70. 

3) Wochenblatt 1814, ©.70. 



202 VII. $te SRtemdjer* «Pertobe. 



fanb gebieten toerbe. @& mufc bamate Diel fa(te§ 331ut in $atte 
gegeben l)aben. 28äre -ftapoleon bei Setyjig ©ieger geblieben, fo 
ftmrbe ^atte niebergebrannt — biefe Slnna^me beftanb in jenen Sagen 
felbft für ben gaU, bafj er gefdfjlagen tourbe nnb beim SKicfjuge feinb- 
lidje Slbtetlungen bie ©tabt berührten, ®urj nadfj Eintreffen ber 
Setpjiger ©iege§botfd§aft am 18. Dl tober Verbreitete fidf) iti ein- 
bred)enber SRadjt ba§ ©erüdfjt in ber ©tabt: ein auf bem Siücfzuge 
befinblidfje§ franjöfifdjeg (£orp§ fönne möglidjemeife Don äßerfeburg 
eine ©dfjtoenfung redf)t£ nadf) $atte madfjen. Di mit Siecht ober, tüte 
bamafö tool)l behauptet ttmrbc, mit Unredfjt, barauf lommt nidjte an, 
aber $alle Jjatte infolge Derfdjiebener friegerifdjen SSorgönge um unb 
in feinen SKauern bei bem Äorfen Diel auf bem Serbljolje; bie nädjt= 
lidje Sßotfdjaft Hang baljer redfjt unfjeimtidf) unb l)atte bie SBirfung, 
i>a$ felbft fdjtoer Derttmnbete Dffijiere ba3 fdfjtoer bebroljte $aHe al§^ 
balb räumten. 

SRittefommer 1814 lief burdf) bie 3^tungen bie Slnerlennung 
eine§ anbereu preuftifdjen $eerfüljrer3 über ba§ SSer^alten ber $aßi- 
fd)en ©imooljnerfdfjaft in bem auf beutfdfjen ©eftlben beenbigten Kriege, 
©eneral ©raf Sleift Don UioHenborf gebadete Don Sladjen au§* feines 
©nrücfenS in £afle im Stprit 1813 unb inSbefonbere be§ ©efedjtS 
Dom 28. Slpril, too er, betläufig ertoäfjnt, bie ©tabt gegen einen Dierfadfj 
überlegenen geinb Derteibigt Ijatte; bei biefer ©elegen^eit l)abe bie 
©ntootjnerfcljaft unaufgeforbert mit ©efaljr be§ 2eben£ feinem (£orp§ 
SSerpftcgung zugetragen unb tin ttmrbigeS iBeifptel für bie Haltung 
einer beutfdfjen ©tabt in SRot unb ga^r gegen einen fremben Eroberer 
aufgeteilt. 3)abei fei ifjm DorjüglidE) ein junger Sftenfdf), namens 
SBilfjelm SSoHring, aufgefallen, tteld&er einer ^Batterie toä^renb be§ 
Ijefiigften geuerS SKunition jugefü^rt tjabe. Sefct too für bie 93e= 
tooljner Don $alle leine ©efa^r meljr barau3 entfteljen 
lönne, ijole er feine öffentliche Slnerlennung iljre£ 33erl)alten§ mit 
um fo größerer SBefrtebigung nadf). 



1) SBodjenbtatt 1814, @. 522. 



Üöertuetfung bc8 offiziellen Äalenber* unb gnteffigenatocfenS. 203 

3)ie toeftfälifdje $t\t, toetö)er burdj bie ©djladjt Bei Seipjig 
ba% @nbe berettet roorben toax, fjat toenig ©puren im SSeriag§f atalog 
be§ 2Baifenl)aufe8 l)interlaffen: aufter bem fdjeinbar berunglücften 
SSeftfälif^en Safcijenbudj 8uguftin8 ftatiftifd^e Überfielt be§ Äig* 
reidjS SBeftfalen, 93udjer§ ft)ftematifd()e 2)arfteHung be3 im ®önigreidfj 
SBeftfalen geltenben Sftapokonfdjen 5ßrfoatredjt§ unb SBiHigerobS Za* 
fdfjcnbudj für ®eridf)t3boten im Sönigreidj SBeftfalen. 

S)ie Übertoeifung be§ offiziellen Satenber* unb Sntelti* 
genjtoefen§ burdj bie toeftfötifdje Regierung toar neben ben reget- 
mäßigen ©elbäutoenbungen feiten§ berfelben für ba§ SBaifenfjauS bi§ 
auf toeitereS bon fo i)oi)er SBebeutung, bafe fogar ber Anfang mit 
Abtragung öon ©d§u(ben gemacht toerben lonnte. 1 

©elbftoerftänbtidj ttmren e§ altpreufcifcfye ©inridjtungen, toeldje 
i>a% ©oubemement übernahm unb mit getoiffen Säuberungen fort* 
befielen Hefc. 3)a£ Satenbermonopol eignete nadf) ben S3orfdf)tägen 
bon Seibnij ber ^Berliner SHabemie ber SBtffenfdfjaften. 2 S)er grofce 
^ßfjitofopi), toetdjer in praftifd^en fingen nidjt immer Dom SBttcf 
begünftigt toar, geigte ftdfj in feinen S3orf djtägen für bie fünftige 
©eftaltung be§ SatenbertoefenS gtücflidjer. @§ fei, meinte er, meljr 
SSarietöt nötig, unb bann muffe man bie berfdjiebenen Satenber auf 
oße SBeife angenefjm ju machen unb ju fonfiberieren fudjen eben atö 
4ie SBibltotljef be$ gemeinen 9ftanne3. 

3)em SBaifenljaufe tüar nidf)t allein ber SSerfauf, fonbem audj 
4er ®rucf für bie ehemaligen preufnfdfjen $ßrobinjen be3 neuen 
$önigreidf)§ au§fd)lief$ltdfj übertragen toorben, gegen ©ntridjtung ber 
getoöf)nlidf)en ©tempetgebüfjren an bie fönig(id§en Waffen. Sebem 
Äalenber foßte ber ®önigl. toeftfälifdje unb ber eigene ©tempel be§ 
3Baifenl)aufe§ aufgebrucft toerben. 

3)a§ 3ugeftcinbni§ ber ®rucf(jerftellung fd^eint über bie Sei= 
ftung§fäl)igfeit ber eigenen 3)mcfereianlage hinaufgegangen ju fein, 



1) SJeftfärift toon 1863, @. 132. 

2) «ßfleiberer, (Sbm., ©ottfrieb mtfylm ßeibms als Patriot, Staate 
mann unb SBilbungSträger. Seipjtg, 1870. ©.681. 



204 VII. £ie 9Hem<9er*$eriobc. 



toäfjrenb man ftdj ben Srucfergetoinn ntd^t entgegen laffen mottte 
ober aber audj bie ^eranjiefjung frember ®rudfer toegen beS 3Ko- 
nopotö unftatt^aft erfdjien. gür bie {ebenfalls ftarfen auflagen toon 
minbeften£ fieben ober atyt Salenbern langte jebod§ bie $af)l ber 
^reffen nidjt. 3m SKörj 1808 fdjreibt beSljaib Gonrabi an Sttie* 
metyer: e§ fomme nur auf einen feften Sefdjlufj an, in toeldjer 3trt 
bie SJibelbrucferei hierbei Reifen fönne, oljne ©df)tmerigfeiten ju 
machen; er glaube, fte fönne mit bier ^reffen aushelfen, toenn fie 
nur tooHe. derartige Semerfungen über bie referierte Haltung ber 
33ibelanftalt lommen mit ber Seit öfter bor. 

SBejüglidf) be3 SSertriebS trat ba3 SBaifenljauS in bie ©inridf^ 
tungen, toeldfje bie ^Berliner 9Ifabemie ber SBiffenfdjaften in ben ab- 
getrennten ©ebietöteilen Jjinterfaffen Ijatte. S)ie ^ßroöinjen toaren in 
SSejirfe jerlegt, bon benen jeber feine Salenber^gaftorei ^atte. Qu ben 
gaftoreien gehörte 5. 83. $alberftabt, ber @i£ ber Dberpräfeftur, too 
ber 93uc^brudEer S)öHe fdfjon unter preuf$ifd§er £errfdjaft jum gaftor 
bti ben £alenbergefdf)äften ernannt tt)ar unb bom SBaifenljaufe al§ 
foldjer beftätigt würbe. SWadj bem gebrucften SSertragSformular erhielt 
er bon allen ©orten ^inreid§enben SSorrat, um an allen Drten feinet 
SBejirfö jebermann, ber Stolenber Verlangte, orbnung§mä§ig unb oljne 
allen Slufentljatt unb geitberluft bamit berforgen ju fönnen. 2)öHe 
Ijatte barauf 5U fe^en, baft feine frembe ungeftempelte Stolenber ein^ 
gebracht, berfauft unb berbraudfjt hmrben. 3)er borgefdfjriebene 
$rei§ burfte Don i^m nidjt überfdfjritten werben, ebenfo ^atte er 
barüber ju toadfjen, bafj anbere iljn ntc^t überfdjritten. Seine gaftorei 
burfte an SSud^binber unb fonftige Sßerfonen, tuelc^e fidf) mit btm 
Salenberbebit abgaben, aber in anberen gaftoreien tooljnten, Sa* 
lenber ablaffen. S33a§ htä SRitte Ttai an ba§ SBaifenljauS nid)t 
jurüdfgegeben tvax, l)atte ber gaftor $u bejahen, gteid§biel, ob er 
felber überall galjlung empfangen l)atte ober nidfji Stuf bie ©röfte 
be§ 9lbfajje§ beutet ber geringe SSorteil be§ gaftorS an ben ein= 
5elnen Salenbern: 3, 2 unb 1 Pfennig für ba£ (Sjemplar, ebenfa 
bie |>öl)e ber Kaution. ®ölle Ijatte ber Sllabemie ber SBiffenfdjaften 
Jaufenb Sltljlr. Kaution [teilen muffen, baä Sftämlidje naljm ba§ 



$>a§ Statenber* unb Snferatcumonopot. 205 

2Baifenl)au§ für fidj in Slnfprudf). @S fotnmen fogar Kautionen 6t§ 
ju 1600 fftt^Ir. bor, 5. 93. SBucpänbter Ereufc in äßagbeburg. 

Site bie granjofen nodj auf bem fRüdEjuge toaren, am 29. Df* 
tober, Verfügte ba$ preußifdje äßititär*®oubernement für bie preu= 
ßifdfjen 5ßrobinjen auf bem Knien ©Ibufer, baß ber bem SBaifenljaufe 
unter ber toeftfciüfdjen ^Regierung jugeftanbene alleinige ®atenber= 
SSerf auf in ben gebauten ^robinjen audj für ba§ galjr 1814 fort- 
bauern foKe. S3om 2)rucf beriautet ntdfjtö. ®ie 33efdjränfung auf 
ba§ ^afyx 1814 ift fo ju berftefjen, baß ba§ Sßrünlegium überhaupt 
affjäljrtid) ju erneuern toar. 

Unter ber ttneberJjergefteHten preußifd)en $errfdjaft jerfteten bie 
Salenber in einen §iftorifc§-geograpfjifcIjen, einen $au§ljattung3- 
unb allgemeinen Satenber, femer in bie fd§on bon Seibnij ange- 
regten großen unb Reinen Kontor-, Jafel* unb (Sdjreibfatenber, 
fotoie enblidf) in einen ®eneatogifd)en £anb* unb ©c^reibfalenber. 
S)ie bon i^m ferner borgefd)(agenen 5ßoft*, ©eridjtö*, sßolijei* unb 
Slnbadjtöfatenber finben fidf) nid)t barunter, ebenfo toenig ber Sanb- 
unb 93auern^SaIenber, auf ben ba3 ermähnte ®efd(jäft§tagebudf) im 
S- 1808 S3ejug nimmt. Eonrabi rietet nämlidj an ben Sanier bie 
grage: „Sollten benn in einem 2anb- unb 33auern-®alenber bie 
Sßoftfurfe nifyt überftüffig fein?" §iernadf) ftanb toenigftenS biefer 
Salenber unter bem rebaftionetten (Sinfluffe be§ SBaifenljaufeS. SBar 
er überhaupt amtlichen UrfprungS ober Dom SBaifen^aufe eingefd§oben f 
etttm im Sinne ber Erörterungen im patriotischen 3Bod)enbtatt über 
bie geiftige Sftafjrung ber Sanbbebötferung? 

®a3 fogenannte gntettigenätoefen, momit ba§ 28aifenf)au§ 
ebenfalls betraut toorben toar, umfaßte ba§ ftaatttc^e Snferaten* 
monopol, toeldfjeg erft am 1. gamiar 1850 aufgegeben toorben ift. 

S)en Slnfang be§ mobernen 3nferatentoefen§ bilbet bie SBüdfjer- 
änfünbigung, toeld)e jiemlidE) lange ifoliert bleibt. Sine unferer 
ölteften 3eitungen, bie Seipjiger geüung, berietet, baß in ifjren 
©palten bie erften aäüdOeranjeigen unterm 20. Sftärj 1700 auf* 
tauten. (Srft bom g. 1714 an fommen außerbem geridjtlidfje Slber- 



206 VII. $ie SWettidjers^ettobc. 



tiffementö unb Sotterieanfiinbigungen, fowie feljr Vereinjelt gewerb- 
liche S^ferate Vor. 1 

Bwölf 3Jai)re fpäter naljm fid) in Sßreußen ber ©taat be8 3n= 
feratenWefen§ an. ®urd) SabinettSorbre Vom 6. San. 1727 würben 
bie ^Berliner SBeljörben baVon Verftänbigt, bafj nad) bem SBeifptele 
anberer $aupt~ unb ^anbetöftöbte Von ©uropa bem 5ßubtifum jum 
SJeften ein „SnteHigenfcäBercf" eingerichtet nnb gu bem ©übe wödjent* 
licfyegrage* unb 2faäetgung3*9?ad)rid)ten jum3)rucf beförbert werben 
füllten. 2)ie§ war einstweilen nur für bie Sftefibenj Verftanben. 
Unterm 10. gebr. 1727 würbe bie ©inridjtung be3 anteiligen j- unb 
SIbrefjsSontorS, um ben 83erfeljr gu facilitieren unb anbere SBequem* 
Herleiten ju fdjaffen, auf bie SßroVinjen auSgebeljnt. 2 SReben bem 
^Berliner SnteHigenjblatt erfd)ienen bemnad) im Saufe ber Qeit in 
einer größeren 31njal)l SßroVinäialftäbte, barunter £alle, befonbere 
^ßroVinäial^nteHige^blätter. S)ie amtlid&e Vertretung berfelben fiel 
naturgemäß ben Sßoftömtern ju, ba bie Verausgabe Don ßeitungen 
jum ^ßoftregal gehörte, wenn audj für ben Privatunternehmer bie 
9ftögtid)feit beftanb, ba§ Sledjt baju im SBege be§ lanbeSljerriidjen 
^Privilegium^ ebenfalls ju erlangen. $n £aHe War ba§ Sntettigenj* 
Sontor mit bem Sgl. preußif d)en ©renj^oftamt Verbunben. 

®ie SuteHigenjblätter Ratten anfänglid) aHein ba§ Sftedjt gur 
9tufnal)me Von 3tnjeigen, fpöter würbe audfj anberen ^Blättern bie 
©rlaubniS baju erteilt gegen ©ntridjtung einer Abgabe an ba$ 3Ki- 
Ütär^SBaifen^auS in $pot3bam, welchem bie ©rträgniffe be3 Stegatö 



1) 2B i fc l e b en , <S. $. v. , ©efdjidjte ber ßeipgiger Seitung. ßeipgtg, 1860. 
@. 21 u. 33. — #§nltd) gefjt e8 in ben „&ättifd)en Settungen" von Anfang an, 
1708 unb 1709, gu. 3Die Slnfünbigung neu erfdjtenener SBüdjer unb 3)tfferta= 
tionen tmeberljolt fidj foödjentltdj mehrere 3ttal, barunter $ränumeration&= 
angeigen, audj von aufwärts. 1709 fommt fä>n ba8 gewerbliche gnferat tu 
berfdjiebenerlei ©eftalt vor. 3)a$ Sßublifutn beteiligt ftdj ebenfalls bereits : ein 
Äirdjenfomponift fudjt einen SBerleger für feine ßompofttionen, ein §err feinen 
entlaufenen Wiener *c. 

2) ©djmölber, SR., $a3 ^nferatemoefen a!8 ©taatSinftitut. Seipgig 
u. ßöln, 1879. @. 5. 



£>a§ ftaatlidje Snfcratenmonofeol. 207 

jufielen. SSorfdjrift aber blieb, bafc ba§ Sttteßigenjblatt hti allen 
SBefanntmadjungeu ben SSorjug l)abe, ja für biefelben obligat fei. 
28er ba^er in $aHe eine Stnjeige in ber politifdjen Beitung ober im 
patriotifdjen SBodjenblatt erfdjeinen laffen tooHte, toar gehalten, bie* 
felbe borljer bem SnteKigenj Kontor ju übergeben, „toeil, toie ba£ 
©renjs^oftamt fagte, bie Snfertion in ba§ amtliche Drgan jtoar ge* 
fd)eljen fann, o^ne bafc foldje in ein§ ber genannten 931ätter nötig 
ift, bie ^nfertion in bie ßeitung fotnoljl afö in§ patriotifd)e 3Bod§en* 
btatt jebod^ nidjt gefd)eljen barf, oljne ba§ SnteHigenjblatt berufe 
fidjtigt ju Ijaben." 1 

Unter ber toeftfätifdjen §errfd)aft trat Sterin infotoeit eine 
änberung ein, atö ba% alte SnteHigenjblatt be§ |>attifd)en 5ßoftamt§ 
in SBegfall tarn unb bafür ba3 $alberftäbttfd)e Sntelligenä* ober 
3)e})artementalblatt beftimmenb tourbe. 3)a§ amtlidje Drgan berlor 
fomit bie lofale SBebeutung für $aKe, unb bie3 Ijatte §ur golge, 
baß gerate bon rein örtlichem Sntereffe fortan oljne 9tüdftd§t auf 
Jene3 in §aHifdjen Sofalblättern Veröffentlicht toerben fonnten, tnäl)* 
renb Sfttjetgen, toetdje fid) auf ben gangen S)iftri!t unb ba§ 3)epar~ 
tement bejogen, erft in bem ^alberftäbtifdjen Organ erf feinen 
mußten. 

3)a§ mir borliegenbe Sftaterial über bag ^nteHigenälpefen ift 
recfyt bürftig. 3$ pnbe nur, bafc Eonrabi im (Sefdjäftötagebudje 
unterm 14.3fyril 1808 an ben S)ireftor SRiemetjer fdjreibt: „Sßegen 
be3 2)rucf§ be3 Sntell. Statte ift ba3 toeitere nodj ju beftimmen; 
aber ber 3)ebit toäre tnoljl am ftdjerften bem $alberft. Sßoftamte, fo 
toie Ijier, anvertrauen, ba biefe§ am beften auf bie Sßränumera* 
tion§s ©eiber bringen fann." ®anad) toäre ba$ §atberftäbtifdje Drgan 
©adje be§ 28aifenljaufe3 getoefen. 2 



1) SBodjenblatt 1807, @. 365—66. 

2) $ie foeftfälifdje Uftegterung liefe e3 an Slufmerffamfeiten aud) gegen 
t>m S3udf)l}anbel im allgemeinen ntdjt fehlen. 3)a3 ©eneralbireftorium ber 
tßoften in Gaffel BctoiKigte bemfel&en öom 1. ganuar 1811 ab eine bebingte 
Sßortomobetation, für »el(^e§ 3 u 8 e ftänbnt§ ein bemerfen$foerte$ 3)anffdjretbeu 
be3 Jpaflifdjen SBudjtjanbelä vorliegt, gn Sßreufjen haut ba3 Sßoftporto eine 



208 YH. $te 3Hetndjer*$ertobe. 



SBcnn bie #aHenfer leidet bergafien, bafj fte leine Sßreufjen 
meljr, fonbern Söntgtid)e SBeftfalen toaren, fo ging e3 jenfettS ber 
toeftfättfdjen ©renjpfäljte nidf)t biel anberS ju, 3fm Auftrage ber 
Sgl. Sammer in Königsberg forberte ©eljeimrat ©d^malj in SSerltn, 
borbem ®ireftor ber ^aHtfcIjenUntoerfität, unterm 23. Januar 1808 
fämttidje §aHifdf)e SSeriag^anblungen auf, iljren feit SftidjaeliS 1795 
reftierenben SSerlag an bie SönigSberger Sßtbliotljef hrie hergebracht 
atö 5ßfftd)teyemptar einjuf enben. 3fa ben Slften ber 93udf)l)anblung b. SB. 
Ijeifjt e§: „Sin jeber ift baju einfcerftanben." dagegen legt Eonrabi 
atö Vertreter berfelben SSertoaljrung bagegen ein, afö toenn bie ©dfjulb 
ber 83erfäumni£ ben Ijiefigen 33udf)f)anbel treffe. Er felbft Ijabe im 
3» 1795 bie gemeinfame ©enbung ju beforgen gehabt unb ben SM* 
btiotljefar, Sßrofeffor Sfteufdf), erfudfjt, Don ber Slnfunft ber SBüdjer 
9?ad()ridfjt ju geben unb baS ®upli!at be3 S3eräeidjniffe§ quittiert jurücfc 
jufenben. ©elbft auf tüieber^olte Erinnerung l)abe er toeber Quittung 
nodfj 9lnttt)ort erhalten; beSljatb feien bie ©enbungen eingeteilt morben. 
Sin bie berliner König!, unb Slfabemifdje S3ibtiot^e! fei bagegen fämt* 
tidjer #aHifd)er SSerlag alle 3a^re richtig abgegangen unb audf) Ouit* 
tung barüber erfolgt. 

Erfidjtlidf) Rubelt e§ fidf) l)ier um brei $füdjte£emplare; jttjei 
für SSerlin unb einS für Königsberg. ®ie 33emerfung EonrabiS gilt 
bem SönigSberger Ejemptar, toetd()e3 banadj jroötf Saljre lang im 
fRüdfftanbe getoefen toäre. äßit ben ^Pflichtexemplaren !ann e§ in 



fdjtoere fiaft für btn <5ortiment§budjlj>anbel gebübet. S3etm budjljänbfertfdjen 
SReforotöerfud) öon 1802 erftärte 9ftcolotnu3 in Königsberg, bafj bte jüngfie 
bettfld)tlt<f)e $ortoer§öfjung ber preufctfdjen Sßoft feinem @ortiment3gefdjäft 
eine jäfjrltdje gubufje toon 500 fRt^Ir. auferlege, fo bafj er tnSgefamt toenigfteuS 
2000 iRt^Ir. an Sßorto im Safjre verausgabe. 9?adfj einem SReffript beS preu* 
feifdjen ©enerafs*ßofiamt§ Dom 22. 3ttär$ 1815 genoffen bte grancfef^en @tif^ 
tungen atterbtng§ eine Sßortomoberatton für Südjer unb Stöebtfamente. 3)ie 
SBud^anblung b. 3B. ttmr aber mit ben SBüdjern ntdjt gemeint, bmn in bem 
nämlidjen föeffrtyt loirb gefagt, befy berfelben niemals ein fol^e^ 3 u 9 e ftänbni§ 
gemadjt toorben fei. Wati) bem ßoncept etneS Antrages auf Sßortoermäfjtgung 
befanben ftd) nur bte SBibelanftalt unb 9Kebtfamenten*($jpebition im ©enuffe 
berfelben. 



$efd)t$tü$eS über bte $fll<$tejemj>laie. 209 

älterer Qeit nid)t feljr ernft genommen toorben fein, ©anje Venoben 
Verftridfjen, el)e bfcfelfeen einmal tt)ieber etngeforbert würben, unb bann 
fdjob bie amtltdfje (Stelle bem ©u^anbel nnb ber $Budf)l)anbel ber 
amtlichen (Stelle bte ©cfyulb an ber 83eräettelung ju. 

®a§ in ben prefcredfjtlidfjen Kommentaren Von Stömte u. a. ge= 
nannte Sieffript Vom 28. <Sept. 1789 1 galt ben Betben, für bieSönigl. 
SMbtiotljef beftimmten (Sjemptaren. ®efd^id§tltd^ bemerft ba§felbe, bafs 
ber Slnfprudf) ber Röntgt. SMbliotljef ftdj teifö auf bie Von $rit ju gett 
Verliehenen Privilegien, teitö auf ältere unb neuere Publicanda grüube, 
bafj bemSefeljt ber Anlieferung jebodj von fefjr Vielen, ja ben meiften 
93ud$änblern unb SJudjbrucfern nifyt nachgelebt toerbe. ®ie Slblie^ 
ferung ber ^Pflichtexemplare tjabe jttjeimal im $aljre, Vierjetjn Jage 
nad) ber Oftermeffe unb Vierjefjn Jage nadj ber 9ftidf)aeltömeffe, ju 
gefd()el)en. 38er länger at§ ein Saljr bamit rücfftänbig bleibe, Ijabe 
ben boppelten SabenpreiS jum S3eften ber S3tbliot^ef§faffe ju erlegen. 
3)en bi$ bafjin Säumigen foHe uodj ein ^afyx StuSftaub Vergönnt 
toerben, um rücfftänbige Sudler unb (Schriften, vom ^afyxz 1765 
h\8 1789 erf dienen — alfo ein ßeitraum Von fünfunbjtoanäig 
Sauren, — ber Sönigl. Sibliot^ef nadfjträglid) liefern 51t fönnen. 

3)ie§ SReffript ift nidf)t£ atö bie SBieber^olung eine£ ljanbfdfjriftltd) 
angejogenen 9ieffript£ Vom 22. Dftober 1713 ober — ba3 betreffenbe 
«ftenftücf ift nidtjt batiert— 1714. 9luf ®runb beweiben tüurbe ben 
|>allifd§en 3}ud()f)änblern befohlen 1. bie ©infenbung einer S)eftgnation 
ifjrer 33erlag§büdjer, 2. bie Einlief erung ber reftierenben SBüdjer unb 
enblidf) 3. bie ©enbung Von jtoei (Exemplaren ber Von 1699 — 1713 
ebierten Sucher an bie Sönigl. 3Jtbtiotf)tf in »erlin. S)a§ 2Baifenl)au3 
beridjtete hierauf bem SReftor ber $aHifdf)en UniVerfität, bafc e§ feine 
SSerlag^büc^er Von 1699—1713 burd) SBermittelung ber UniVerfität 
ber Sönigl. 3Mbttotl)ef teiltoetfe bereite geliefert Ijabe, bafj e§ aber in 
Ermangelung Von ^Belegen refp. ©mpfangSbeftätigungen nidjt nriffen 
fönne, tt)eld)e 33üdjer nodf) rüdfftänbig feien. %latf) Ergänzung feiner 



1) Sftabe, (S. fi. Jp., (Sammlung $ßreufjt[djer Gtefefce *c. 13. SBanb. §atfe, 
1825. @. 195 — 96. 

©<§ürmantt, Qux <&efät<$te b. Sucfäbtg. b. SB. 14 



210 VII. 3>ie SWemetyer »Verlobe. 



©enbungen toerbe eS fünftig Bemüht fein, fetner 33erpf(idjtung nad) 
ber Dfter~ unb 9Ktd^aeli§meffe pünftüdfj nadjaufommen. 

®ie reftierenben SBüdjer, Don benen in ber jute&t genannten 
Verfügung unter 2 bie Siebe ift, Ijaben mit ben 5ßfftdf)te£emplaren 
ber Sönigl. SStbtiotljef fdf)einbar nid^t§ ju fc^affen; mögtidfjeriüeife ift 
bantit ba§ nad§ Königsberg gefjenbe (Sjemptar gemeint, ju beffen 
Nachlieferung fidf) ber §atttfd)e 3}udE)f)anbet felbft nodfj unter ber 
franjöfif^en grembljerrfcljaft bereit jeigte. 

2>a§ eenfur^btft Dom 18. Df tober 1819 Ijob ben änfprudj 
ftaattidfjer Slnftatten auf Sßftidjtejemptare überhaupt auf, burdj $a= 
binett^orbre Dom 1. Januar 1825 trat er hrieber in (Sültigfeit. ®a£ 
Sßrefcgefetj Dom 12. 9ftai 1851 § 6 „änbert an ber bisherigen S3er* 
pfücfytung be3 S3erleger£ mdjtS, jroet (Sjemplare feiner SSerlagSartifet, 
unb jttjar eineS an bie ®önigl. Söibliotljef in 33erttn, ba£ anbere an 
bie SMbliotbef ber UniDerfität Derjenigen SßroDinj, in toetdf)er er 
toofjnt, unentgettltdj einsufenben." 2>a§ SteidjSpreftgefefc Dom 7. äßai 
1874 tieft Don feinem (Stanbpunfte ben Slnfprudf) auf 5ßflidjte£em= 
plare fallen, inbeS befielt er atö partifulareS SteferDatredjt inSßreufcen 
fort, unb jtoar nadj ber eben angejogenen Sßeftimmung beS preufc. 
^refcgefefceS Dom 12. SRai 1851. 

Snmitten ber tt)eftfättfd)en 3 e ü beginnt bie alte Drganifation 
ber 3Baifenfjau§bud()ljanbtung ju hänfen, inbem furj nadjeinanber 
bie offene -ftieberlage in fjranffurt a. 9ft. aufgehoben hrirb, bie Seip- 
5tger SWeberfage fid) ben SSer^ältniffen anpaßt, freiere ba§ Son* 
bition§gefdf)äft burdf) ^eranbilbung be§ mobemen ©ortiment§i)anbetö 
fdjuf, unb ba§ berliner Sroetggefdjäft im SHter Don na^eju 120 Sauren 
aufgetöft unb ba§ Sortiment fäuftidf) abgetreten hrirb. 

SWadjbem fid) bie norbbeutfd^en girmen in iljren legten 83er* 
tretern im g. 1764 Don ber granf furter SKeffe für immer Derab* 
f Riebet fjatten, ttmr, tüte oben bemerft, ba§ SBaifenfjauS in feinem 
alten 83erl)ci(tni§ zum fübbeutfdf)en Sfteftpla^ Derblieben. SSon atter§l)er 
§atte e§ feinen bireften unb ftefjenben Vertreter fotoofjt für bie 
SBudjtjanbtung unb S3ibelanftaft, atö für bie finanziell ttridfjtige äße* 



Die 'offene SMebetfoße in granlfurt a. 3K. 211 

bi!amenten*@ypebition in ber SKalnftabt gehabt, unb unter ber 93e* 
jeidjnung be§ $aHifdjen ga!tor§ finbet berfetbe in ben Snfinuationen 
ber faiferttdjett Sßüdjerlommiffion nodj $u einer Qtit @rtoäl)nung, 
Ido bon mdjtfranlfurter girmen allein S« ®. 2od)ner bon UJürnberg 
unb bie Sönigfdje 33ud)i)anbtung bon Dffenbadj genannt toerben. 1 

®a§ gran!furter ^anbetöregifter fütjrt bie §aHifd)e girma int 
Safjte 1778 jum legten 9ftal auf unb nennt atö Vertreter ben galtor 
Sol). Sa!, ßarl junior in ber äRainjergaft; 2 in bem bor^anbenen 
nädjften ^anbetöregifter Don 1784 fe()tt bie girma, toomit nidjt 
gesagt ift, baft fte für gran!furt erlofdjen tvax. 3)a8 bamalige ge* 
brudte $anbcföregifter, toetdjeS gletdjjeitig atö Stbrefcbudj biente, 
ift nodj redjt lüdfenljaft, unb toer nid)t barauf adjtete, !onnte in 
bemfetben übergangen toerben. 3)ie Qtxt toax aber nalje, too ba8 
2Baifenl)au£ feine bire!te Vertretung in ber 2^at aufgab. 

9?ad) ben bortigen £anbetö*$roto!oHen erwarben unterm 14. ge* 
bruar 1787 S^ S)aniel Karl, ^Bürger unb galtor be£ $attifd)en 
3Baifenljaufe£, unb ber ^Bürger unb Vutfjljänbler S^- ®(j*- ^ermann 
ben Verlag ber girma Sol)- tyfy Steiffenftein unb führten benfelben 
unter ber girma: ^ermannfdje Vudjfjanblung fort, ^ermann ijatte 
ber SBaifenljauSbudjljanbtung bon je^er fefjr na^e geftanben, er toar 
ßögling berfelben. S3alb banadj berfdjtoanb ber „$aHifd)e galtor" 
au§ ben SRegiftem unb Siften unb bie Vertretung ging an bie £er* 
mannfdfje Vud)l)anblung über. 

Von toetdjem Velang ba§ Verljättutö $u gran!furt minbeften§ 
bi§ gegen @nbe be3 S^rijunbertS toax, beutet eine StuffteHung Dom 
17. 8tug. 1797 an, toonad) bom tim erfd)ienenen II. Jett eine£ 
28er!e§ über Sated)ifationen (Stuflage 1504 ©jemplare) an S- ®- ^er- 
mann in granlfurt 400 ©jemplare gingen, an bie Setyjiger lieber- 
tage ebenfalls 400 unb 704 ©yemplare auf bem $aHifd)en Sager 
berblieben. Sllfo ju fo fpäter 3 e ü n °d) toirb gran!furt gegen bie 

1) Mütter, 3. @t, $er »üdjernadjbrucf 2c. ©ötttngen, 1774. ©.184. 

2) SRad) bireften SWitteitungen be§ $8erlag3&ud$änbler8 &rn. (S. ©. $0 e* 
nifcer in granffurt a. 231., welcher ftd) mit einer gefdjtdjtttdjen Arbeit über ben 
granffurter SBud^anbel befdjäftigt. 

14* 



212 VII. Die 9Meme$er s $eriobe. 



fonft übliche Slnna^me für eine berartige Sontinuation in gleitet 
SBeife in Slnfdfjtag gebraut mie Seipjig. 

3)ie Sonfertoierung be§ alten SSerljättniffeS jur fübbeutfdjen 
®efdf)äft§mett bürfte nodf) einen anbeten SSorteil gehabt ljaben. SSon 
•JMemeljerS ©runbfäfcen ber ©rjieljung unb be§ Unterrichts abgefeljen, 
meldte oft nadfjgebrudft morben ftnb, fällt nömtidf) im übrigen auf, 
bafc ba3 SBaifenljauS t>on ben fübbeutfdjen !Kadf)brucfern menig Ijeun- 
gefugt morben ift. $)er ©runbfafc retatto mäßiger 93üd()erpreife fann 
e3 allein nid^t gemefen fein, iueld^er fcfyü^enb mirfte, benn e§ !am t>or, 
baf$ ber fübbeutfd^e -Kadjbrudf teurer mar afe bie norbbeutfdfye Original- 
ausgabe. SSiel tDid^ttger mar, mit bem ©üben in alter SBeife ju t>er- 
lehren, ben Sauf d^ nidf)t bottftänbig abjutefjnen, auSreidfjenbe 33ertag§= 
Vorräte in grauffurt $u galten unb in ©ulben $u rechnen, bamit ber 
SßreiSauffdfjtag bermieben mürbe. %<§ ljabe©runb jurSlnnaljme, bafc 
mit ben 9?ieme^erfd^en ©runbfä^en ber ©r^ieljung nadfj anberen, bem 
©üben Weniger genehmen SWaytmen Derfe^rt morben ift, afö mit bem 
übrigen 2Batfenl)au3t>ertag. 2)aljer moljl bei ber 3Bidf)tigfeit be£ 93udt)e§ 
ber öftere Sftadfybrudf beSfetben. 

Unter ben jumal burdf) ben förteg toeränberten SSerljältniffen be§ 
SaljreS 1808 machte ^ermann ben 2)ireftor -Kiemeljer barauf auf* 
merffam, baf$ e§ im Sntereffe ber Stiftungen geboten fei, bie granf= 
furter -Ktebertage aufzugeben. Qxvti S^re fpäter mieberljolte er ben 
SBinf, mit bem Semerlen, baf$ bie SSerljältniffe eljer fd^limmer atö 
beffer geworben feien. 9Kit falben Sftajjregetn merbe niä)t$ geleiftet. 
Stuf fjatbe 9Waf$regetn liefen jebodf) bie iljm inahrifdfjen gemalten SSor* 
fd^täge eines unHaren SommtfftonSberljättmffeS a\x%. Unterm 7. 3>uti 
1810 lam bafjer ein SSertrag juftanbe, monadf) ^ermann bie borljan* 
benen Sagerbeftänbe im SSetrage t>on 2660 9itljtr. 23 gr. fortan in 
„^ommiffton" naljm, mit einem Rabatt Don S3 l / 3 °/ , jmei drittel 
jur Dftermeffe unb ein drittel $ur SKidfjaetiSmeffe ja^Ibar. Slujjer 
Beibehaltung ber bisherigen Sietcppreife für einige ältere Slutoren 
unb anbere gangbare Slrtifel mürben nodf) 5 °/o Sl^jug bei ßo^Iungen 
Vereinbart, ^ermann behielt fidf) ferner t>or, baf$ e3 ganj bei iljm 
ftelje, ob unb unter meldten 33ebingungen er bon ben Sagerborräten 



3)te Sudjijattblung bc8 $allifdjett SSaifenljaufeS in ©erlitt. 213 

ben übrigen SBudjljcmbtungen ettoaS liefern tooHe. ©benfo fottte iljm 
unter ben Ijier Vereinbarten 3 a ^ un 9^ebingungen jeberjeit ä con- 
dition jur SSerfügung fteljen, toag er bom 3Baifent)au3berlag ber* 
langen toerbe. 

3)a§ ^Berliner Stoetggefdfjäft ^urbc im $erbft 1820 bon 
einem unglücHidfjen SSorgang Betroffen, an bem ba3 SBaifenljauS 
bireft feinen Slnteit ljatte, melier aber ben 3lnlaf$ gab, baft fidt) 
baSfelbe bon feiner ^unbertjä^rigen giliale atöbalb trennte. 

$)er gegenwärtig fo ftarf enttutdEelte ^Berliner Sudfjljanbel ljat 
feine toeite SSergangenfjeü. $)ie im S- 1702 eröffnete „SBudfjljanblung 
be§ ^aHifd^en SßaifenljaufeS" toar bie fünfte, toeldfje bort privilegiert 
hmrbe. ©rft im jlDeiten Satjrjeljnt be3 18. galjrfjunbertS nrirb bie 
berliner 33erlag§tl)ätigfeit bemerkbarer, nrietoofjl fie nod) auf längere 
3eit bon ©täbten tote Hamburg, $ena, $aHe, SBittenberg, Sftürn- 
berg unb felbft 3)re£ben überboten toirb. $)amt aber überholt ^Berlin 
bie älteren 33erlag§fi£e im 3tanganfe^en fd^nell. Salb nadf) 1750 
läßt e§ felbft granffurt a. 9ft. hinter fidf) jurüdf, unb am ©nbe be§ 
3>al)rfjunbert3 ift e§ neben Seipjig ber jtoeitbebeutenbfte SSerlag§ort 
bon 3)eutfd^lanb. 

3)a§ SßaifenljauS ging jur Seit nac *) ^Berlin, um bie 33er* 
breitung feines SBerlagS bireft unb burd) Vertrieb be3 eingetaufd^ten 
Sortiments inbirelt ju förbem. 2lnlaf$ gab bie ableljnenbe Haltung 
ber ^Berliner SBudjtjänbler gegen bie bon ü)m auSgefjenben 5ßubli* 
lationen. $)a§ ©efdfjäftSjiel toar fomit bon £aufe au§ ein befd)ränite§ 
unb bem angemeffen Ijielt fidf) ber Umfafc auf befdjeibener £ölje. 
3m $5. 1712 betrug berfelbe 856 9ttl)lr. 3 gr. f babon fernen auf ben 
SSerlag 276 fötljlr. 11 gr. 6 pf., auf ba§ Sortiment 579 Sittjlr. 
15 gr. 6 pf. 

3u einem größeren 2luffd^toung ift e3 audfj in ber gotge nid^t 
gelommen. @in guter greunb be3 SBaifenljaufeS, ber Sßropft Sodann 
5ßorft in SBerlin, fd^rieb über ben ©runb beffen unterm 4. Sßärj 
1727: ,,$6) Ijatte neulidf) ©elegenljett mit ber grau bon ©röd^er ju 
fpred^en, ba befdfjtoerte fie fidf), baf$ man faft fein 33ud(j meljr im 



214 VII. Die 3&leme$ers$erio&e. 



£äHifdjett SSudjtaben beiommen fönne. 3$ [teilte iljt bie @a<ije nadfj 
ber SBaljtljeit bot, ba ljatte fie biet Klagen, bafc man immer bon 
einet 9ftef$e jut anbern matten müfce, big man ein 33udj, baS ©te 
nid)t in Sljtem SSetlag Ijaben, etlangen fönnte." @utige Sage fpäter, 
am 8. äßätj, fommt 5ßotft nochmals auf ben ©egenftanb juritä unb 
berietet: „3dj ijabe etl. mal gute gteunbe etinnett, matum [te nicljt 
in bem §äHtfdjen 33ud)laben fauffen, fie gaben mit abet $ut Slnttoott, 
toetl [te et[t nadt) Slblauff etne§ SSiettel 3 a *j*e§ ein 95ud^ befommen 
fönnten." 

3)ie ©tettung in bet 93etlinet ©efdfyäftStuett mutbe batum bod^ 
übet ein Saljtljunbett lang behauptet. 93eftimmenb bafüt maten anbete 
Sntereffen. 2113 man fidf) in £atte mit bet feltfamen 8&ee befdfjäfttgte, 
ebentuett bon bem auf £aufdf) betuljenben ©ottimentöbudjljanbel ab ju= 
laffen, führte @let§ au3, bajj bann bet 93etlinifdf)e Saben eingeben 
muffe. 3)amit fomme ba3 SBaifenljauS um einen nötigen Sammele 
punft für feine <&ati)t, benn ben guten Seuten in unb um SBetlin 
hmtbe bamtt bie bequeme (Gelegenheit genommen, fo fie je£t beneficio 
be§ 93ucf)taben3 genießen, fotooljl etbaulidje afö anbete nü^lid^e @df)tif= 
ten ju einem teiblid^en Sßteife anjufd^affen; ju gefd^njeigen bie innete 
connexion, h)ie bet Saben bem SBetle ©otte§ biene, aufgehoben. 
Sitte guten gteunbe, bie fonft nid^t Gelegenheit fänben, mit einanbet 
ju fonfetieten, befdjieben fidjj attba, ba e3 oljne 33etbad)t ge~ 
fdjeljen !önne. SSiele, aud^ ©tanbeSpetfonen, liefen bafelbft, toa£ 
ju tfjtet @tbauung nüfclidf), Ijolen, fo atte§ oljne Sluffeljen gefdfjelje. 
„©etbft bie Königin — Ijeifjt e3 an einet anbeten ©teile — läget 
Ijolen, hm§ ju ifjtet ©tbauung nüjlid), fo atte§ oljne Sluffeljen ge= 
fdjeljen fann." 

SSom tein gefd^äftlid^en ©tanbpunfte tmttbe man ftdfj audf) bei 
meljt ©ntgegenfommen bet SBettinet ©efd^öft§tt)elt bet @intid^tung 
einet Sftiebettage im SStanbenbutgifdjen, im Snteteffe bet SBud^anb* 
lung tote bet SSibelanftalt, auf bie$)auet nid^t ijaben entjieljen fönnen. 
SBat e§ 93etlin nid^t, fo empfahl fidf) gtanffutt a. D. als Unibetfität- 
[tabt unb äßefcplafc !ommet5iett bietteid^t nod) meljt, tootauf ja bet 
bottige 93u^änblet SSöWet im 3. 1715 betft)ie§. @in anbetet ®e* 



3)lc eigentliche Sebeuhuiß bc« Berliner ©udjlabenS. 215 

fidfjtgpunlt, ber borjüglidf) befttmmenb gemorben ju fein jd^etnt, muf$te 
aber mieberum ben 2lu§fd()lag für bie Kentrale be§ iungen Sättig* 
reicp geben. 

$ie SSerlagSfataloge bon 1702 — 1821 mürben nämlidj biele 
Surfen aufmeifen unb mandfye anfeljnlidfje Unternehmungen bermiffen 
laffen, menn bie ^Berliner gitiale nidf)t gemefen märe, ©ie mar bie 
Vermittlerin mit ber bortigen gelehrten SBelt, barunter bie Ijödjften 
©taatsmürbenträger, in mistigen unb jaijlreid)en gäHen. gül)fong 
mit biefen Greifen Ijatte man bon Slnfang an burdf) ©pener unb San- 
ftein gehabt. 33i§ jum Sßropft 5ßorft in ben breiiger Saljren ljerrfd()ten 
tljeologifdfje Verbinbungen bor, bann aber gemannen bie ftaatä* unb 
redjtsmiffenfdjafttiiijen $ntereffen bie Dberljanb, für3 erfte burdf) ben 
nadf) ^Berlin übergefiebelteu SJtytiuS, melier bon bort au§ bie go= 
Kanten feinet Corpus constitutionum Marchicarum in bie SBelt fanbte. 
Sin biefeS Unternehmen fdfjloffen fidf) bie übrigen, ba3 preuf$ifdf)e ßanb* 
redf)t borbereitenben 5ßubli!ationen, meldte bie mistige Verbinbung 
mit bem ©roftfanjler ©amuel b. ßocceji, bem intetteftueHen Urheber 
be§ ff 5ßroiect§ be§ Corporis juris Fridericiani", herbeiführten. Von 
fpöteren 5ßubtifationen mögen genannt fein: K.2. ©tempefö neue 93ei= 
tröge jur Kenntnis ber Sufti^berfaffung unb ber iuriftifdfjen Sitteratur 
in ben preufcifd)en ®taatzn in 12 Vänben, 1799 — 1804, unb 
S. S. $. b. 9iabe3 Sammlung preuf$ifd(jer ©efefce unb Verorbnungen 
in 19 Vänben, 1820 — 25. 

3)er ^Berliner giliale fiel nodf) eine anbere Aufgabe ju. 3)er 
Vorfteljer berfelben mar r man lann fagen, ber potitifdje ©efdfjäftö* 
träger be§ SBatfenljaufeS, ber Vertreter berfelben bei ben Veljörben, 
fomie ber Veobadjter unb Veridjterftattcr bon allem, mag ju §aufe 
intereffieren lonnte. gür biefe gunftion fpred^en fomoljt bertraulidje 
Stufjeid^nungen al§ bie SKitteilung Don neuen Verfügungen u. bgl. 
gebrudft ober in 2lbfd^rift — eine ©nrid^tung, mit melier ba§ 
3Baifenljau§ in Säten, benen ber 3oumali§mu§ fehlte, nityt allein 
ftanb. 333er fidfj biefelbe auf eigene £anb nidf)t Ijerftetten lonnte, mar 
auf bie „©efdfjriebenen Leitungen" bermiefen. Vom Vucpanbel in 
feinen namhaften Vertretern ermartete man meljr; man ging ntcfjt in 



216 VH. Die 9ttenttlpr*$CTt0be. 



ben 93udjlaben, blofj um gebrucfte SReuigfeiten 511 feljen, man tuoKte 
autfj ungebrucfte SReuigfeiten fyören. 1 

3>n all biefen Schiebungen ljatte ba§ berliner ©eftfjäft unter 
ber neueren ©ntnridfetung be§ budjtjänblerifdjen unb litterarifdjen 
33erfeljr§ an Sntereffe Verloren, aud) toar au§gefd)loffen, ba^felbe 
ben 2tnforberungen ber SReujeit gemäß umgeftalten unb leiftungS* 
fähiger madjen 5U formen. @& blieb be^fjatb natf) jenem unglüdfltdjen 
SSorgange md)t§ übrig, al§ fid) bon bemfelben ju trennen. $n ber 
geftfdjrift bon 1863 2 Reifet e§: baSfetbe fei an Subtotg Deljmtgfe 
berfauft toorben, unter beffen SRamen e§ nodj fortgeführt toerbe. 2>ie3 
ift irrig; ba§ ©efd)äft tourbe al§ fold)e§ überhaupt mcf)t berfauft, 
fonbem hrie in bem bamaligen ßirfular an bie ^Berliner Sunbfdjaft 
gefagt hrirb, aufgelöft unb ba§ (Sortiment b. i. ber borljanbene Säger- 
beftanb fäuftttfj abgetreten, ©r ging unterm 26. Suli 1821 über an 
©. SSetter, Eigentümer ber 3ftaurerfd)en 93ud)t)anbtung, ber SRadj- 
barin be§ 2Baifenljaufe§ an ber ^ßoftftrafje ober toit e§ in einem ®on~ 
traft bom S- 1719 genauer Reifet: „in ber Ijeil. ©eift ©trafje, fd)räge 
ber 5ßoft über." Defjmigfe tjatte ber gtliale jahrelang afe ©eljilfe, 
äule&t afe ©efd)äft§füi)rer angehört unb übernahm nad) beren Stuf* 
löfung t>a3 Sortiment feinet SSaterS. 

$)a§ 33erl)ältni3 ju Seipjig fdjeint unter t>m SBirfungen be§ 
®onbition3gefd)äft§: SBcgünftigung be§ reinen ©ortimentStjanbete unb 
mit tfjm be3 mobernen Seidiger ®ommtffion§gefd)äft3, aiemltd) um 
bie gleite 3eü wie bie SBe^ietjungen ju Berlin eine 2(nberung erfahren 
ju tjaben. 



1) Unter ben £anbfdjriften ber Seidiger 83örfenberein3=33iblü)tf)ef be= 
ftnbet fid) ein Äonbolut SBriefe, bon benen ber Katalog ©. 648 fagt: „dreißig 
83riefe be3 Seliger 33urf)f)änbler3 ©. 3f. §of fmann an fjincf , ben Snfoeftor 
ber berliner 33urf)f)anMung be§ §allefdjen SBaifenfjaufeS, unb gurifrf), ®e= 
fd)äft3füf>rer ber 33utf)fjanblung be3 28aifenfjaufe§ in §alle 1811 — 1817. »er* 
trauli^en Snfjaltä, tmrf)tig für bk politifrf)e ©efd)irf)te ©arf)fen3 unb $reufcen§, 
bejie^ung^lueife be3 gürften ^arbenberg." 

2) @. 248. 



$>le fteljenbc SNeberfage in Seidig. 217 

Über hie bortige fteljenbe -Kieberlage unb iljre gunftionierung 
in unb jmif 6)tn ben SWeffen erfährt man au3 ben 2lften ntd)t£; um fo 
meljr machen fie fidf) mit bem ßeipjiger ©emötbe jtt fdfjaffen. S3i§ 
jum 3- 1732 befanb fidf) ba£felbe an ber Sftifolaifircfye in einem £aufe, 
metdfjeS in 93efi£ be3 9?ate§ übergegangen mar. 2)er 9?at beftfjlofc 
einen Neubau. 3)a§ 3Baifenljau3 muf$te bemnadfj räumen, mobei iljm 
angebeutet mürbe, baf$ e§ bi§ jur 9Widf)aeli§meffe, mo ber Sau toott* 
enbet fein merbe, feinen ©efd^äft^fi^ t>on neuem barin auffdfjlagen lönne. 
®ie§ 3lnerbieten mürbe mit 3)an! angenommen unb nur barauf auf* 
merffam gemacht, baf$ ber Staunt megen ber einjud^angierenben SBüdfjer, 
bie fid) bon SWeffe ju SWeffe mehrten, etmaS enge ju merben anfange 
unb eine ©rmeiterung ber Solalität notmenbig fei. SBenn bemnadf) ba§> 
(Semölbe nebenan nidf)t bereite t>erfprod)en fei, moHe man ba§felbe 
ebenfalls nehmen, gerner fei ermünf df)t, bafc ein „Stüblein" für 
t>m 2luf enthalt im Sage unb in ber %laä)t jum Schlafen angelegt 
merbe. 

2)er9?at jeigte fidf) geneigt, fomoljl ba§ 9?ad)bargemölbe, meld^eS 
ein anberer 93ud)fül)rer benujjte, in bie tyatyt mit einjufd()lief$en, atö 
audf) ein Kontor mit bem Saben ju toerbinben. $)afür Verlangte er 
100 Sfttljlr. 3al)re3miete, mag bem SBatferifjaufe ju biet mar. 33i£ 
ba^in Ijatte e§ 63 SRtljlr. unb ber benachbarte 93ud^fü^rer 23 Sttljlr. 
gejault. Sftad^bem e§ fidf) enbttdf) ju 100 Sitljlr. entfdfjloffen Ijatte, 
erhielt e3 ben ßufd^Iag fetbft bann nidf)t, afö e3 nodf) gmanjig Sljaler 
^ulegte. ®er 9tat fdfjien auf 150 9itl)tr. %n rennen unb bem SRieter 
auf$erbem überlaffen ju motten, für SBo^n- unb ©djlafftube fetbft ju 
forgen. 

Unter folgen Umftänben lamen bie mit ben ©efdjöften beS 
2Baifenljaufe3 Setrauten auf ben ©ebanlen, ob e§ nitfjt beffer fei, in 
Seidig ein £au£ ju ermerben. ®a§u gehörte bie (Genehmigung be§ 
9tat§, beren Srlangung meljr afö ameifelfjaft mar. 3)e§l)atb plante 
man, einen Äaufluftigen mit bem nötigen 2)artefjn ju unterftüfcen 
unb ftd) auf biefe SBeife eine bleibenbe ©tätte in Seipjig §u fidlem. 
(Gelegenheit jum Sauf iot fidf) auf bem alten Sfteumarft, mo ein 
£au8 für 3000 Sttljlr. ju Ijaben mar. Sie 3lcquifttion fdfjien um 



218 Vir. $ie Klemmer Verlobe. 



\o jtoecfmäfsiger, atö audf) bie äRebifamenten*(££pebition babei interef- 
fiert toax, beren Sßrobifor jur SRefeeit in Seipjig fotooljl ein 2ogi§ 
atö einen Slrbeitöraum ijaben muffte. 

Diefer pfiffe, ben Seidiger fRat übertrumpf enbe 5ßlan war 
oljne bie beiben Direktoren auggeflügelt. SlnaftafiuS greljtingljaufen 
fertigte iljn mit ber SBemerfung ab: „In via plana $u bleiben" unb 
fein Sonbireftor ©ottljitf grandfe fügte Ijütju, bajj er bem Sauf eine§ 
§aufe§ in Seidig ftet§ abgeneigt getoefen fei unb ben baljin jielenben 
SSorfd^Iag fotooljt in ber einen ttrie in ber anberen gorm fogar für 
feljr bebenflidj ijatte. 

Damit mar man genötigt, ftdj atöbatb nacfj einem anberen @e= 
tt)ölbe umjufeljen, unb fanb, tt)a§ man futfjte, SRitterftrajje 686. Der 
Äontraft über biefe SKieberlage ift t>on ber Dftermeffe 1733 bis 1809 
fortgefefct erneuert toorben. 35m SWietöbertrage t>om 20.Dejbr. 1732 
mirb fie im näheren bejeid^net a(§ „ba3 in bem an ber 9Utter*@traJ3e 
gelegenen £aufe (ber SBittme ^o^anna Sftargaretlja gritfdfjin) jur 
redeten £anb am ©ingange befinblidje grofce ©etoölbe auf bie Gtafce 
fjeraug, fo um unb um mit regalen toerfeljen, nebft baran ftofcenber 
Schreibe- ©tube unb Sabtnet." 3*™* toutbe ntan fofort auf 1 60 Sitljlr. 
gefteigert, bod) Ijcitt ficlj ber SßtetjinS unterm fteten ©infen be§©elb= 
wertes merftoürbig lonftant. ©r betrug 1732—70 jäljrtid) 1 60 9W)tr. ; 
1770 — 77 140 fötfjtr.; 1778 — 95 120 9itl)tr.; 1796 — 1801 
160 9ttljtr.; 1801 — 6 200 Mtljtr.; 1806 — 9 230 9ttf){r., Ijatb* 
iäljrlidf) prönumeranbo 51t jaulen. Die Sontrafte lauten auf 93enu£ung 
ff in unb aufcer ben Steffen", alfo fteljenbe -ftieberlage. 

Unterm 1. Suti 1809 fd()tof$ bann ber SSorfte^er ber SSudjljanb* 
lung pfj. D. gin! einen 9Kiet3t>ertrag, melier auf einen ftarlen 
SBanbel ber Dinge beutet. Die galjreSmlete ftnft mit einem Sßal auf 
100 Stljlr. „in ©ädjf. Spec." Ijerab. Da§ Sofat befinbet fid) in bem 
9?at§geböube am ©pertingSberge 9?r. 669 unb befielt au3 einer ©tube 
im erften unb einer ©tube im jnieiten ©efdf)of$, fohrie au§ bem SBoben 
im SSorbergebäube nebft jtoei ^otjfammern im Duergeböube jur Stuf- 
betoaljrung ber SSertag^büd^er in unb aufcer ben SReffen. Der ®ontraft 
nurb bteDftern 1820 erneuert unb bürftc, Wenn audfj nid)t unmittet 



Der Xob be§ ftan*(erS unb ta* $trcftorlum 3acob3=9Memd)er. 219 

bar, ben Übergang ju ber ntobemen fommifftoneHen Vertretung om 
Seidiger 5J51a£ bilben. 

Unter ben aKfeitigften unb Ij Soften Sprüngen ljatte Sanjler -Wie* 
metjer am 18. Stpril 1827 bie fünfjigjä^rtge Jubelfeier feiner afabe- 
mifdjen 2el)rtl)ätigfeit begangen, ©ine Stufmerffamfett ganj aufcer* 
gewöhnlicher 9lrt war iljm babei feitenö griebrid^ 33illjelm3 III. 
geworben. 2)aS SBemüljen be§ StanjlerS ging längft baljin, ber 
£aßifd)en llniberfttät, mit welcher iljn fein SBirfen fo innig berbanb, 
ein eigenes unb würbigeg £etm ju fcJjaffen. 9lm SSorabenb ber Jubel* 
feier würbe iljm bie bom 14.aprtl batierte Äabinettöorbre überreizt, 
tuonadj jum SBau ber llniberfität bie Summe bon 40 000 Sljlr. be* 
willigt war. S)amit war 9?ieme^er§ ljöd)fter unb fester SBunfcJj erfüllt. 
Äaum meljr afö ein Jaljr fpäter, am 7. Juli 1828, würbe er, nacJjbem 
ein ftfjeinbarer Dljnmad)t§anfall borangegangen war, in boller geiftigen 
griffe bom £obe hingerafft. £er ©inbrucf feinet §utfcfjeiben3 auf 
bie £attifdf)e 93ebölferung erinnerte an biejunitage beöJaljreS 1727, 
Wo 9lug. £. grandfe auf ber SBaljrc tag. Söie bamafö brängte fidl) bie 
©inwoljnerfdfjaft nad) bem Trauer ^aufe, um nodf) einmal benSlicf auf 
ben 3**9 en be§ berbienten SRanneS fjaften ju taffen. 

9?iemet)erg SRitbireftor, ber eljrwürbige ©eorg (£fjr. ®napp, war 
il)m fdfjon am 14. Oftober 1825 im $obc borangegangen unb an 
feiner ©teile ber Jnfpeftor be§ Sgl. 5ßfibagogium3, Jolj. 9fa(J« S 05 
cob§, jum Sonbiref tor ernannt worben. Jacobs übernahm nunmehr 
ba32)ireftorium, Wäljrenb ber jüngfte ©oljn be3 ®anjler§, £. Sgat^on 
SWemeijer, btöba^in^rofeffor ber Geologie in Jena, jum ®onbireftor 
auSerfeljen War. S)er jüngere -JMemeljer teilte bie 3Beltanfd^auung 
unb ®Iauben§rid^tung feinet SSaterS; bie langen llnterljanblungen mit 
iljm, wobei audfj feine llniberfitätSftettung in (Erörterung lam, waren 
SSoranbeutungen, bafj ein anberer ©eift an ber entfd^eibenben ©teile 
waltete, bon bem bie Buftwf* ^ er Stiftungen nidfjt unberührt bleiben 
foUte. SRiemetjer fdjwanlte beSljalb ijin unb tjer, ob er annehmen foHe 
ober nidjt, jumal ifjm, bem iugenbUcfjen UniberfüätSleljrer, in Jena 
bie ©rrid^tung einer orbentltdjen Honorar =5ßrofeffur in 9lu8fidt)t gefteHt 



220 VII. Sie 3Hemc$er s $eriobe. 



mar. 3)ie Siebe 511t SSaterftabt unb ben Stiftungen entfdjteb für £atte, 
fo ba& er @nbe Sluguft 1829 fein «mt atö $onbireftor antrat. 

Sdfjon am 21.$)eäember erlag Direltor gacob§ fd^hjeren förper* 
lidfjen Seiben. SRiemetyer übernahm fomit ba3 $)ireftorium; ate SRit* 
bireftor gemann er ben 5ßrofeffor ber Geologie 3. S. £ljilo, bem 
©dfftcin 1 audj in ber Sunbe ber StiftungSberljältniffe au3gejeid(jnete 
Sigenfdfjaften nad^rü^mt. ®ie betreffenbe SRinifterialfteHe gab einft* 
meilen tljre Genehmigung baju in ber SSorauSfefcung, bafc beibe ftd) 
in ber 2luffidf)t ber einjelnen 9lnftalten teilten. 

2)em ^erfommen nad) mürben bie allgemeinen Angelegenheiten 
bon ben Direftoren gemeinfdjaftlidf) erlebtgt, mäljrenb bie Special^ 
auffidfjt über bk einjelnen 2lnftalten Satfje be§ einen ober anberen 
3)ireftorialmitgliebe§ mar. 2 SRiemeljer behielt aufter ber 33tbelanftalt 
bie bi§ batjin geführte Sluffid^t über t>k lateinifdje ^auptfdjule unb bie 
SRealfdjule, XfyÜo übernahm ba§ ©gl. Sßäbagogium, bie fömtiid^en 
beutfdjen Sdjulen, bie SBaifenanftalt, fomie bie 93ud)ljanblung unb 
äRifftonSanft alt. SBieUeidjt fäUt auf, baß 93utf$anbiung unb »ibet 
anftatt nidjt unter bem nämlichen 3)ecernenten ftanben. 3)te§ war 
ebenfalls ^erlommen; borbem mar ber Sanjler 3)ecement ber 93ud(j~ 
Ijanblung, mätjrenb ®napp bie 93ibetanftalt beaufftdfjtigte. 

3)ie befinitibe Siegelung biefer SSerljältniffe würbe bon einer 
bereits befdfjloffenen allgemeinen SRebifion ber Stiftungen abhängig 
gemalt J)e8 SnterimifticumS mübe, legte £ljilo am 5. Oftober fein 
Slmt nieber, morauf SRtemetyer unterm 19. SRobember 1830 jum 25i* 
reftor ernannt Würbe unb bi§ ^um 3. 1833 feinSlmt allein bermaltete, 
mo ber Snfpeltor be§ Sgl. ^JäbagogiumS, SRayimilian Sdljmibt, afö 
Sonbireftor beitrat. $n bie 3^iWcnjeit fallen mitfjtige Änberungen 
bejüglid) ber Stellung jum Staate. 3>a§ btö baljin beftanbene 3Ser~ 
ljältni§ jum äRinifterium unb ber Regierung ju äRerfeburg mürbe 
aufgehoben unb baS SJonfiftorium unb $ßrobm5ial*@djul=®ottegium 
in SRagbeburg an beren Stelle gefegt. 9Rit ben Vertretern ber Sie* 



1) <£cf ftein, §. ST. 9fieme*)er 8. 8. 

2) Seföreibung bc$ fcaUifdjen »aifen$aufe3 x. $alle f 1799. 6. 102. 



$a$ £ire!tortum 9lieme^cr=©d§mibt. 221 

gierung mufjte ein au§füljrlid)e§ ^Reglement über bie allgemeine 33er* 
Wattung beraten unb feftgefefct werben, bentjufolge bie einzelnen 33er* 
waltungSjweige neu georbnet unb für bie ^Beamten berfelben genaue 
Snftruftionen erteilt mürben. 

%laä) biefen Vorgängen ju urteilen, fd^etnt man and) bom Staube 
ber Stiftungen nid)t boöftänbig befriebigt gewefen $u fein, $n älterer 
3eit, ju ber nodf) bie 9ttemet)er=*ßeriobe gehört, befteljt aber ein ge- 
ttriffer gufammenljang nid^t allein §tt)tfd^en bem Stanbe be3 ©anjen, 
fonbern fpecieH audf) jtüifd^en bem ©tanbe ber leeren Se^ranftalten 
einerfeitö unb bem ber litterarifdfjen ^nftitute anberfeitS. Sftad) @dfftein 
war bie lateinifdje £auptfdf)ule wiffenfdfjaftlid) feljr jurüdfgegangen 
unb ba§ ®gl. ^äbagogium auf 17 3llumnen „t)erabgefommen". Dem 
entfpracf) bie Sage ber 93udf)t)anblung, bon beren SBoljl unb Sßelje bie 
93ibelanftatt auf bie Dauer nidjt unberührt bleiben fonnte. 

Der neue Direftor erklärte unterm 8. Dezember 1831 in einem 
93eridf)t an ba3 5ßrot)injia(=©(^ul^ Kollegium, baft bei feinem antritt 
bie 93udjljanblung im ©inlen gewefen fei. -ftadj ben SDJe^f atalogen 
bon 1825 — 30 waren in biefem 3 e ü* aume ^ aum ^ rc ^ Vüdfjer bon 
einiger SBebeutung auf ben Sftarft gebraut Worben. 2ln Snitiatibe 
fdfjetnt e§ bollftänbig gefehlt ju Ijaben, SSerlagSanregungen bon außen 
Würben aber immer feltener, ba e§ an litterarifd^en SSerbinbungen 
mangelte, ©elbft ba3 ©ute unb Sßertbotte au§ ber Vergangenheit 
war nid^t genügenb Wahrgenommen Worben. Die (Schulaufgaben ber 
griecf)ifd)en unb römifdfjen Slaffifer, nodf) immer ber ^auptjweig ber 
33erlag§tt)ätigfeit, waren im Drudf bernacfyläffigt unb liefen in ber 
Sorreftljeit biel ju wünfdjen übrig. SSorjüglid) waren e3 bie (Stereotyp- 
ausgaben bon Sari £audf)ni& in Setpjtg, bon benen fie iti gleichem 
greife in ber GMite ber SluSftattung, Wie in ber föorreftljeit überboten 
würben. Sftjnlidf) wie ber Verlag Ijatte ba§ ©ortiment^gefd^äft gelitten. 

£ro&bem waren bie Durdjfd()nitt3ergebniffe feit ben greiljeitg- 
friegen berart, baf$ fie in 2lnfeljung be§ mäßigen Umfa^eS meljr atö 
befriebigen tonnten. Von 1816 — 1832 betragen biefelben für ba3 
$aljr regelmäßig 5500 — 6000 $l)lr. Dann aber ftanb man bor 
bem 9?üdf gange, Welcher unbermeiblid) war, fobatb bie Unternehmer* 



222 VII. 3)le «Rlemdjer* Verlobe. 



tfjätigfeit bon neuem anfefcte unb ber ältere SSerlag eine toeitere (£nt* 
tuertung erlitt. 33eibe3 traf ju, fo bajj bie ©rträgniffe bi£ anfangt 
ber bierjiger Saljre allmäljlidf) auf 3000 Xfyx. Ijerabgingen unb im 
3. 1849 ben Siefftanb bon 1200 £l)lr. erreichten. @§ Ijat lange 
gebauert, elje bie alte 3)urd)fd(jnitt§l)ölje toieber gewonnen ttmrbe, 
toeldje bann im legten SSiertel be3 3ctljrl)unbert§ bei toeitem über^ 
fdjritten korben ift. 

©eljt man ber llrfadfje be§ SSerfatte im näheren nad), fo ift lein 
ßtoeifel barüber möglich, bafc ba% 2lu3leben be£ £auf<ijljanbet§ bie 
Stellung be3 SBaijenljaufeg jum SBudfyljanbel überhaupt toerfdjoben 
Ijatte. 3)arum bie SJMetät gegen ba3 abfterbenbe (Sfjangegefiijäft, 5U 
beffen legten ©etreuen e3 gehörte. $)er moberne, auf (Selbredfjnung 
gefteßte 33erlag§* unb ©orttmentSljanbel jeigte @d()tt>ierigfeiten, bie 
man borbem nidfjt gefannt Ijatte. 3Me nädfjfte SBirfung toar eine naä) 
bamaligen Segriffen erftaunlid^e Sonfurren5, unb um berfelben be* 
gegnen ju fönnen, berfdfjärften fiel) bie Slnfprüdje auf fac^ntännifd^en 
^Betrieb. $)ie SSerlag§prayi§ Ijatte an unb für fidf) fefjon in ber flafft- 
fd^en Sitteraturperiobe eine anbere ©eftalt angenommen; bie finan= 
jiellen SSorauSfefcungen berfelben mehrten fid^ in einer SSeife, bafe 
niä)t blofc ber ©üben nicfjt naä)tam, fonbem aud) manche norbbeutfd^e 
girmen anfingen, fid) unbeljaglid) babei ju füllen. %m Sortimente 
Ijanbet fomtte aber ba§ 3Batfenljau§ nid^t meljr tme in alter Qtxt mit 
feinem überlegenen Käuferlager bor anberen biet borau§ Ijaben. ®iefer 
ßtoetg tourbe meljr unb meljr ju einem bon Sonfurrenten fcfjarf um* 
toorbenen 5J51a^gefd^äft. 

Über ben SBanbel ber Qeittn fd^eint man recljt mangelhaft untere 
richtet getoefen ju fein. 9?adf) bem bereite ermähnten amtlid^en Serid^t 
Ijatte e§ jmar nur „ber borige Stbminiftrator in feinen legten 2e* 
benSjaljren" an ber nötigen SSorforge für bie 3 u ^ un f^ fehlen laffen. 
3)ie geftfd^rift bon 1863 1 berietet bagegen in puralform: — „ben 
bamaligen Seitern ber 93ud()ljanblung ging bie nötige tt)iffenfd^aftlid^e 
SSorbilbung unb ba§ redete SSerftänbntö ab." SSor allem fehlte e§ an 



1) ©. 248. 



i 



$a$ SBtrfen Ration SHeme^erS. 223 

fadfjmännifiijer Öualififation. 2)ie SWiftgriffe in ber SBefe&ung be§ 
ober ber teitenben Soften geljen jurüä big jum 3. 1808 r wo Sonrabt 
ftarb. $)ie Sltt fetner SWad^fotgerfd^aft muffte notwenbig baju führen, 
baft au3 bem jeitweilig fo fdjwungbollen unb tjoljen fielen folgenben 
3Baifenljau§berlag ein fümmertidfjer $)rudferberlag würbe, Welcher oljne 
jebweben £orijont bom SSor^anbenen jeljrte unb bie 3ufunft fiel) 
felbft überlieft, £anb in £anb mit foldjer 5ßrayt§ mögen aud) bie 
Slnfprücfje an bie Überfcfyüffe ju §otf) gegangen fein. 

®er neue 2)ire!tor Ijatte einen bucfyfjänbterifcljen gad^mann, 
^einrid^ Sinnefogct, atö Slbminiftrator angenommen, Welcher eine 
tüdfjtige ©ortimenterfd^ule hinter fidf) §atte unb auf faubereS arbeiten 
unb georbnete @Knrid)tungen Ijiett. ®amit mar fdfjon biet ju leiften. 
gür bie 9lrt ber S3ertag£tt)ätigfeit ift bagegen mittet* unb unmittelbar 
!Kiemet)er anjufeljen, beffen 3)ire!torium für SBu^anbtung unbSMbet 
anftatt bon ber ^öd^ften äßiäjtigfeit werben foHte. 

£. Slgatljon 9?iemc^er (1802 — 1851) Ijatte mit feinem SSater 
biet gemein; er War eine burdEjauS berwanbte Sftatur. Sludfj er gebot 
über eine ungewöhnliche 9lrbeit§fraft unb berbanb bamit ein ent* 
fd)iebene§ unb babei fdf)öpferifd)e§ S3erwattung§talent. £ro£bem er 
bei ber SBu^anblung wie bei ber 93ibelanftalt bie Hauptfigur fpielte, 
Ijielt er bie fad^mönnifd^e Sompetenj in Sfjren. 9laä) feiner offiziellen 
SBeridjterftattung fotlte man fogar annehmen, atö Wenn fein 9lb= 
miniftrator bie SBenbung jum S3effercn herbeigeführt Ijabe. 3)abei 
war er felbft falber göd^mann, Wie bieg bon ben älteren 33er* 
faffunggberljättniffen bebungen würbe unb im grandfe^SRieme^erfd^en 
gamilienljetfommen lag. Unter feinem S)ireftorium finb Widfjtige 
Verträge abgefdjtoffen worben, llrfunben, Welche jum Seit nodf) 
gegenwärtig einen namhaften funbamentalen Slnteit am Sßaifenljaug* 
berlag Ijaben. 

3)irelt geförbert Ijat SRiemetyer ben SSerlag gleic^ in ben erften 
Slnfängen feiner £tjätigfeit burd^ Slnfnüpfung litterarifd^er Serbin* 
bungen, an benen e§ fo feljr gebradf). 3)te§ erhellt au3 feinem 93erid)t 
an£ Sßrobin jial=©djul=i Kollegium, ber fonft, Wiegefagt, borjugSweife 



224 vn. $>ie 9Hemetyer=$eriobe. 



ju ©unften feines 2lbminiftratorS lautet. SRacJj bcn Stufjerungen beS 
SBeridfjtS über baS ©dfjidffal ber @d()ulauSgaben ber griedfjifdfj-römifdjen 
©cfjriftftetter barf audf) angenommen merben, bafj Slgatljon ber Ur- 
Ijeber ber $bee mar, biefen SSerlagSjmeig in planboßer unb umfaffen- 
ber SBeife bon neuem ju beleben. 

yjlxiitU unb ?lngelpunft beS bebeutfamen 5ßro}eftS mar bie Bi- 
bliotheca scriptorum latinonim, herausgegeben fcon ®. SBemljarbt). 
28ie SSolfmann 1 erjagt, t)atte ber 3lbminiftrator Sinnelogel im 
3. 1834 93ernt)arbty ben 5ßlan beS Unternehmens Vorgelegt unb tljn 
eingelaben, bte Seitung beSfelben jn übernehmen, ein Slntrag, ben 
SBernljarbi) nadf) ftiraem 3ögem annahm, £inter biefem 5ßtane ftanben 
bie 3)ireftoren; in ben ^Briefen ber SRitarbeiter mirb meljrfad) auf 
9tüdffprad()en mit Direktor JRieme^er Sejug genommen, unb ^onbirel- 
tor ©df)tmbt leitete als 3)ecernent ber 33ud)l)anblung bie SluSfüfjrung. 

2)aS Unternehmen mar toefentltd) gtjmnafiater Statur, atterbingS 
nad) ben Ijöfjeren 9(nforberungen bamaliger 3^it. 93eabfid)tigt mar 
eine Sammlung lateimfdjer Autoren, „meldte teils in ben SreiS ber 
©tymnafien gehören, teils aud) aufterljalb beS praftifdjen G)efid)tSpunfs 
teS einen meljr als mittelbaren SBert befi^en", — mit Einleitung unb 
Kommentar Derfeljen, jene bie mtdf)tigften £f)atfadf)en über Seben, 
©d^riften, fünftlerif d)en 28ert, |janbfdf)rtf im unb SluSgaben beS be= 
treffenben SlutorS entljaltenb. 3)ie äRitarbeiterfdfjaft fefcte ftdf) auS 
UniberfitätSprofefforen unb ©tjmnafialmännern aufammen. Überne^ 
men sollten: ßäfar — &. @. ßf). ©d^neiber in 93reSlau; Sicero de 
officiis — g. 31. Sdfftein in £aHe; orationes selectae — 9t. Slo& in 
Seipjtg; rhetorica — £einr. äßetjer in 3ürid^; EurtiuS unb Ouinti* 
lian — ^ßrofeffor Söonnett in 33erlin; gloruS — ©ofcrau; ^oraj, 
©atiren — Stfftein; SibiuS — 9t. £anom in ßüHid^au; SßerfiuS ünb 
Subenal — ®. g. ^ermann; 5ßlautuS — grb. 9fttfdjl; proper j — 
£erfcberg; ©attuft — ftraljmer, fpäter gabrt; SacituS — $rof. S. ®ö= 
berletn in Erlangen; SSirgil — g. ©. ©df)öne in ^alberftabt. $)ie Oben 



1) Sßolfmann, Dr. 9t., ©ottfrieb SBernljarbt). 3ur Erinnerung an fein 
Seben \mb Strien. §alle, 1887. @. 69. 



$ie Bibliotheca scriptorum latinorum. 225 

beS ^oraj behielt fidf) 33ernl)arbty felbft bor; aufcerbem t)atte er nodf) 
eine gattje Steige anbetet Slrbeiten unb SRitarbeiter auf bem Pro- 
gramm. 

S)a§ Unternehmen ttmr alfo grofc unb fd)ön gebaut — allein eS 
berunglücfte, blieb toenigftenS in ben Slnföngen ftedfen. 33olfmann 
meint, e£ fei bamit eine £ragifomöbie $um 2lbfdt)luf$ gefommen. 

Sn ber bom ?luguft 1835 batierten „SSoriäuftgen Slnjeige für 
bte Sftitarbeitet" batte Söetnljatbt) angefünbtgt, baft er bte tt)tn ju^ 
fommenben arbeiten rebibieren unb burdf) SBefeitigung beSgrembartigen 
unb burd) 3 u f^fe e bk nötige GMeidjmäfjigfeit IjerfteHen, übrigens bie 
©ubiefttbität ber Slnfidjten unangetaftet laffen merbe. S3ei größeren 
Differenzen toerbe et fid) mit ben Herausgebern freunbfd)afttid) einigen. 
3>tn Sntereffe beS Unternehmend fei benfelben anjuempfeljlen, bafc fie 
ben Don iljnen felbft beftimmten Termin ber SDianuffriptlieferung mög* 
lidjft pünftlidj beobachteten. 

9ftet)er, toelctjer in 3ütid) als ^ßribatgeleljrter lebte, mar ber 
erfte, toeldfjer mit ßiceroS 33mtuS $ur ©teile toar. Um fo meniger 
entfprad) bie pünftlidf) gelieferte Slrbeit bemSbeal, toeldjeS SBernljarbty 
borfdjtuebte, namentlich, ba er bie Bibliotheca bamit eröffnen foltte. 
©r machte beSljalb bon bem borbet)attenen 9tedf)t ber SKanuffriptrebi- 
fion ben reid^lid^ften ©ebraudj. ©eine §al)lretd)en 3 u fäfe e hmrben 
im Drucf burd) klammern fenntlidf) gemadjt, toätjrenb bet Umfang ber 
Sorrefturen fid) ofjne SSergteidfjung beS SRanuffrtptS bor bem Sluge 
beS SeferS barg. Über biefc Dinge tuar nad) bem ben äßitarbeitern 
mitgeteilten S3orbeljalt beS Herausgebers menigftenS nodf) ju reben, 
aber gan$ unmöglich mar eS, baft 33ernt)arbt) in einem befonberen 
SSotmott, in meinem er fid) über ben Sßlan beS Unternehmens 
auSfpract), nidjt oljne nochmaligen $abel beS bon SReljer ©eleifteten 
baS bon ü)m befolgte SSerfafjren in auSfüljrlidjer SBeife ju redjt* 
fertigen fudfyte. 

Der Sonbireftor fdjrieb überbieS unterm 11. Suni 1838 an 
Siunefogel: „%ü) fjabe borgeftern mit 93ernl)arbl} gefprodjen; berfelbe 
ift ber Meinung, bajs ©ie junäd^ft anSWeljer in3üridf) ftf) reiben, iljm 
ben 93rutuS, toofjl audf) Honorar fd^idfen unb ettuaS rufjig ober 

©djttrmann, 3ur ©efdjidjte b. ©udjljbrg. b. SB. 15 



226 vn. 3)ic 9Heme$er* Verlobe. 



f alt anfragen, ob er nod) gefonnen fei, ben Orator 5U bearbeiten, tüte 
er früher ^ugefagt. 33ernl)arbty ttmnfdjt, ba§ Sföetyer fidf) bon bem 
Unternehmen 5urücfäiei)en möchte unb Ijat für ben gatt fdjon einen 
anberen ^Mitarbeiter." 

9Ket)er fott t>on bem Verfahren 93eml)arbl}3 toenig erbaut ge* 
toefen fein unb iljn in feljr empfinbltd^en ^Briefen berb jur Siebe geftettt 
Ijaben. S3orau§gefe£t, baft fym bte „Vorläufige STnjeige an bie 9ftit* 
arbeiter" bor bem ®ontraftfd)tuj$ jugegangen toar, fonnte gegen bie 
Sorrefturen unb 3 u fäfe e an fidj nidjtö erinnert tuerben, gtuetfel^aft 
toar nur, ob bei ber ßaljl berfelben nidjt bie in ber Sinnige &or= 
gef ebenen „größeren Differenzen" anjune^men maren, über bie fid) 
SBernljarbty mit ben ^Mitarbeitern erft freunbfdfjaftlid) einigen toottte. 
Unjuläffig mar e§ jebod^ oljne grage, bie rebaltionetten Skbenfen in 
bem t>on Vernljarbt) auSge^enben SSortoort jum 33rutu3 t>or bie 
Öffentlid)feit 311 gießen. Damit tourbe ber äKitarbeiter unb ba§ Unter- 
nehmen felbft btofsgeftettt. 

Dem SBunfdje $8eml)arbt)3, bafc fidf) SWetyer bon ber ^Mitarbeiter- 
fdfjaft jitrücfjieljen möge, tuurbe gotge gegeben, aHein bamit jogen 
fid) aud) anbere jurücf, felbft fotdje, bie fid) fontraftüd) gebunben 
Jjatten, barunter mehrere t>on 33ernt)arbt)§ ©djülern. Diejenigen 
aber, toetdje nid)t förmlid) zurücftraten, berf dopten bie Erfüllung 
it)rer Verpflichtungen, biä 5ute£t nichts meljr barauS tourbe. Der 
©injige, toeldjer bem Unternehmen treu blieb, mar Döberlein, beffen 
Sontraft au3 bem Saljre 1835 tjerrüf)rte, toäljrenb fein £acitu§ 
1841 — 47 erfdjien. Sei bem übrigen SMtjsgefcfyicf be§ Unternehmend, 
gab Vernljarbt) feine Slbfidjt, bie £ora$ifd)en Dben ju bearbeiten, 
leiber ebenfalls auf. 

3Kit bem ©Reitern ber Bibliotheca scriptorum latinorum ift 
ber 28aifenljau3t>ertag um ba§ grunblegenbe Unternehmen für bie 
Verjüngung eine§ alten tt>ict)tigen3toetge§ feiner S&jätigfeit gelommen. 
©anj frei t>on ©dfjutb ftmr er babei ttic^t. Die Solgen für ba& 
Unternehmen ttmrben mutmafslidf) nid^t fo fdE)tt>erttnegenb geworben 
fein, toenn minbeften§ im rebaltionetten Vortoort be§ VrutuS bie 
Sejugna^me auf ben Satt 9Met)er unterblieben toäre, unb baft bie$ 



5)a§ ©Reitern ber Bibliotheca scriptonun latinorum. 227 

nityt blofs empfehlenswert, fonbern nottoenbtg geboten fei, babon 
mufjte bod), follte man meinen, 33ernl)arbt) ju überjeugen fein. 

®er 33erlag§fatalog gebenft ba^er ber Bibliotheca nur ntö 
Fragment: Steil I unb Y. 1. 2, äRet>er§ »rutuä unb ®öberlein§ 
SacituS ent^altenb, bod) tueift er in ©onberform nod) anbere ©puren 
nad): ben Eäfar bon S. 9ft. El), ©djnetber (1840 — 55), ben ßucinn 
Don g. ®. ©d}öne (1838) unb afe le£te SRemüttScenj Gicero£ Cato 
maior bon ©. £ifd)er in |>alberftabt (1847). ®af$ bie betben le^teren 
SluSgaben toemgften§ mittelbar in 33e§ieljung ju bem Unternehmen 
fielen, bafür fpridjt fdfjon ber llmftanb, bafs ©riefe ber ^Bearbeiter 
ben Slftenftücfen berfelben angereiht finb. 

SBenn gegen ben ßüridjer Sftetyer ba§ ©erfahren beobachtet 

toorben toäre, toie gegen 5ßrofeffor ©dfjneiber, ben Herausgeber be£ 

©äfar, fo toürbe bie Bibliotheca ttmt)rfdf)einlicf) Leiter gebieten fein. 

©df)netber legte SBeifjnadjten 1837 eine SWanuffriptprobe bor; ®on* 

bireftor ©djmtbt gab fein Urteil baljin ab, bafc biefelbe jtoar md)t 

ganj im ©inne ber Bibliotheca latina gearbeitet fei, aber bod) fo 

Diel felbftänbige Slrbeit enthalte, um auf 3lbfa£ rennen ju fönnen, 

jumal in @df)lefien, tt)0 ©djnetber an allen ©tymnaften ©dfjüter al£ 

£et)rer Ijabe. 2)e§f)atb fei gegen if)n ba§ S3erfpredf)en ju toiebert)olen, 

bafc feine Slrbeit unberänbert jum Slbbrudf gelangen folle, iebodf) in 

©eparatform. Slngenefjmer toerbe e§ ber SSerlag^anblung freiließ 

fein, fie al§ £eil ber Bibliotheca geben ju !önnen; neige er ebenfalls 

Ijterju, fo frage fie bei ifjm an: a) ob er bem SRebaftor ba§ 9tecE)t 

einräumen toolle, Ijie unb ba hei balliger Slnerfennung be§ ®e* 

banfenS eine SSerfürjung in ben äBorten ober audf) geringe Slbänbe= 

rungen borjune^men; b) ob er geneigt fei, toenn Sernljarbt) i^m bei 

ber 9tebifion be£ erften 33udf)e£ bie einer (Srflärung bebürftigen 

fünfte anjetge, biefelben nadf) beffen Slnbeutungen gu erläutern unb 

bie übrigen Sudler bann felbft in biefer Stiftung fort ju bearbeiten. 

@df)neiber Ijatte fdf)on früher bemerft, bafc er Säuberungen an feiner 

Slrbeit bebenfticl) finbe, bielleid)t tt)erbe fidf) audf) SBemljarbt) bei 

genauerer 33efd(jäftigung mit berfelben bon ber ßtoedfmäfjigfeit feinet 

33erfaf)ren§ überzeugen, treffe biefe 33orau§fe£ung ju, fo Ijabe er 

15* 



228 VII. 2>ie 9Memel}er s <pertobe. 



gegen (Sinfdjaltungen eventuell nid)t3 ju erinnern. @d)tief$(id) ent- 
fdfjieb er ftdf) aber bafür, ben ßäfar al§ felbftänbige §lu§gabe ber- 
öffentlich ju fet)en. 

SSolfmann fagt, baft Sftitfdjl feine Bufage, ben ^ßlautug $u 
Bearbeiten, moljl nie ernft genommen fjabe. 9iitfdf)l mar fc£)on borbe'm 
5ur SWeubelebung ber altHajfifdfyen ©df)ulau3gaben mit bem SBatfen- 
fjaufe in SSertrag getreten. ®er unter ©egenjeid^nung Don SIgatfjon 
Sftemetyer am 2. Souuar 1832 gefd)loffene SSertrag lautet auf jtnei 
Sßublifationen: Thomae Magistri Ecloga vociim Atticarum unb 
3£euopl)on§ Anabasis in usum scholarum. ^ene erfdjien in ber £!)at 
nodf) 1832, tt>cif)renb bie Anabasis „nebft griedf). latetnifdfjem Snbej 
unb Slnmerftmgen" nidjt in S)rudf lata, tvktvofyl berfelbe tuerjefjn 
Sage nadf) 9(bfdf)luf$ be§ Vertrags beginnen foüte. Btoar erfdjien 
1834 eine Anabasis in inerter Sluflage, bodf) mar bte§ bie alte 
3Baifent)au£au£gabe, jule^t ebiert Don ©. Sänge. 9fl£ bann einige 
3>a(jre fpäter bie Bibliotheca latina in§ äöerf gefegt mürbe, ftanb 
Sftitfdfjl mit bem SSatfen^aufe Don neuem im Vertrag; bieSmat tjan* 
bette e£ fidj um $tautu§, um bk Bacchides, meldfje im $. 1835 
in einer fritifdfjen unb einer bloßen Sejtau^gabe erfdfjienen. 

Ser btrelte 33erfudf), in gorm eine§ groft angelegten unb 
autoritativ geleiteten ©ammelmerte£ geljter ber SSergangenljeit gut 
5U madfjen, (jätte für ben 3Baifen(jau£t)erlag fefyr belangreitf) merben 
!önnen, jebod) beim beften ©eltngen faum belangreidfjer, al§ e§ bie 
inbirefte görberung be^felben burdf) bie 2)ireftoriaIt(jätigfeit 2lga* 
tfjon 9iiemet)er§ geworben ift. 

SWadf) 9trt be§ Sanjler^ mar Slgatfjon mefjr $äbagog al§ Sljeolog 
unb babei eine Ijeröorragenbe Seljrfraft. ®iefe (£igenfdf)aften finb 
fämttidfjen Seljranftalten $u ftatten gelommen, ben gelehrten ©dfjulen, 
ber 9tealfdf)ule, ber f)öljeren £ötf)terfd)ule, beren @inridf)tung fein 
SBerf mar, unb nidf)t minber ben ^Bürger = unb S3olf3fdjuIen. Stm 
auffattenbfien finb bie Srgebniffe feinet SBirfen§ in ber Hebung be3 
tt>iffenfdf)aftltci)en 2ef)rförper§, bem Sdftein gerabe im $untte ber 
äBiffenfdfjaftticfyfeit Dor SWiemetjerS äBirlen eine fo ungünftige ©enfur 



3Me SBatferrijauSsßortypljäen ber beutfdjen ©djutlitteratur. 229 

erteilt. ®urd£) $ßenftonierung unb mefjr nodf) burdf) ben Job nntrben 
$Weubefe£ungen möglid), bie ßefjrfcerfaffung aber nadf) ben gefe£lidf)en 
83orfd(jriften organiftert, unb al§ bann SWayimiüan @rf)mibt im 3-1833 
§um Sonbireftor unb fReftor ber ßatina ernannt toar, übernahm SWte* 
meljer ba§ ^nfpeftorat be§ $äbagogium§, um bort im nämlitfjen ©eifte 
ju toirfen. 

®iefe Vorgänge ftnb bem 28aifent)au§t>erlag fefjr §u ftatten ge* 
fommen; er t)at nicfjt bloft ^auptjierben feinet SatatogS, fonbern 
gerabeju neue ßebenSfraft baburdf) gewonnen. $Wid)t batb nrirb ein 
§tt)eite§ Seifpiel $u nennen fein, too ftd) in berfjältniämäfjig fur^er 
ßeit fo Diel bebeutenbe unb gerabeju epodfyemadfjenbe (Sdfyufautoren, 
$um Seil aud) in ber ttriffenfdjafttidfjen ßitteratur glänjenb, an einem 
fünfte anfammetn, at§ in ben bamaligen gelehrten (Spulen be§ 
SBaifenljaufeS. Unter 2lgatf)on SWiemetjer traten bem toiffenfc£)afttid)en 
ßefjrförper bei: Slrnotb 9tuge (1830), Sljeobor @c§termet)er (1831), 
ber römifäe §tftorifer Sari $eter (1831), grb.St. ©dfiein (1831), 
ber ^ilolog 9ftori& @et)ffert (1831), ber ©df)utgeograpf) unb 
§t)mnolog £.91. Daniel (1834), ^ermann SRafiuS (1844) unb 
S. SS. Dftertoatb (1844). ®en als ©djriftftetter feit ben fündiger 
3faljren fefjr befannt geworbenen SIbolf ©tat)r fanb Sftiemetjer am 
sßäbagogium Dor, tt)o er feit 1828 a(§ ßet)rer amtierte, !3m 33ertag&= 
f atalog ift er mefjrfadj Vertreten: burdf) bie Aristotelia in jtoet Seilen 
1830 — 32 unb burrf) bk mit 3ufä£en unb 33erid)tigungen Derfe^ene 
Überfe^ung bon gourbainS ©efd)id)te ber 2(riftotelifd)en ©dfjriften im 
^Mittelalter (1831). 

SRuge unb @d)termet)er, ober umgefet)rt: Sdjtermetyer unb 
JRuge begrünbeten 1838 bie in ßeip^ig bei Otto SBiganb erfdfjetnenben 
„^attifdjen gal)rbüd)er für beutfdje Sunft unb 2Btffenfd)aft", in t)ege* 
lianifdtjer 9tid)tung ba§ bebeutenbfte titterarifdf)sfritifd)e unb ptjilofo- 
pl)ifdf)e Organ feiner Qtxt, toeld)e§ bi§ in bie bierjiger ^a^re hinein 
gurore madjte, bann aber unter Umtoanbelung be§ Xittlä in „S)eutfdf)e 
Scdjrbüdjer" nad) £)re§ben überfiebelte, mo e§, immer rabifaler tter* 
benb, bon ber fäd)ftfdf)en Regierung ©nbe 1842 unterbrüdt tourbe. 
3m 3Baifenf)au§fatafog finbet fid) üon SRuge nur „®ie $latonifd)e 



230 VII. 2>ie gUemtyets^ertobe. 



»efiljetif" (1832), feine £abilitationSfd)rift, unb bie „SKeueSBorfdjute 
ber Steftfjetif" (1837). ©djtermeljer gab nadf) Stmputation be£ ttnfen 
Unterarms feinßetjramt auf unb fiebelte fpäter (1841), 9hige folgenb, 
ebenfalls nad) ®re§ben über. 

SSeit meljr als burdf) bie ^attifd^en Satjrbüdfjer unb audf) burdj 
ben in ©emeinfdfjaft mit 9tuge 1840 unb 1841 in Serlin fjerauS- 
gegebenen 2)eutfdjen Sftufenalmanadf) ift ber üftame £ljeobor ©djter^ 
metjerS (1805 — 1844) burd) bie „SluStoafjl beutfd^er ©ebid)te" 
be!annt geworben, ein (Stanbarbbudfj unter ben beutfdfyen Sefyrmitteln, 
ttetdjeS nadf) 33eenbigung ber ©d^ul^eit als poetifdjer $auSfdf)ak an 
bie gamitie Vererbt. 

S)ic erfte Sluftage erfdjien 1836 unb jäljfte 380 (Seiten nebft 
2 Seiten SSoriüort. ®ie 1897 erfdjienene 32. Stuftage jäljlt bei 
jiemlicl) gleichem SluStaufen ber (Se^erarbeit 950 (Seiten Sejt unb 
28 (Seiten Gtnteitung. £>aS Sud) tüäre bemnadf) mit ber $eit tfotu 
bis breimat ftärfer getoorben, fo baft bie ältere ©eneration mit ber 
83el)auptung: ©cfjtermetyer fei immer umfangreicher geworben, ntdfjt 
im Unrecht fielen ttmrbe, borauSgefe^t, baf$ ifjre Erinnerung bis 
5u ben afferenten Sluftagen hinaufreicht; benn fdfyon im $. 1849 
tuetft bie „2fa&uat)l" faft bie nämtidje ©etten§a^I auf tüte gegen- 
wärtig. 

(Mjtermetyer tjatte fein 33ud) urfprüngtidf), nrie eS im Site! ber 
erften Stuftage tjeiftt, „für bie unteren unb mittleren Stoffen ge- 
teerter (Schuten" beftimmt unb babei bie unteren Stoffen befonberS 
im Stuge. (Scljon bk ^toeite Sluftage (1839) brachte biet neue ^Beiträge 
ju ben angenommenen brei Slbtettungen unb aufserbem einen aiemttd) 
ftarfen Slnljang, toeldjer bem 93ud^e bie nötige Stbrunbung unb SSott= 
ftänbigfeit geben foüte, um eS aucf) für bk oberen klaffen bertoenbbar 
^u machen. %m Saufe ber Sa^rc fiel femer bie Sejeid^nung für 
„getetjrte" (Schuten U)eg unb )tatt beffen ^tefe eS für „Ijöfjere" (Schulen. 
SfjatfädjKdj Ratten aatjtretdfje nid)tgetel)rte (Sdjuten ebenfalls 9Keinung 
bafür gewonnen. S)aS 33uct) fjat bemnad) nidfjt altein feine (Seitenja^t 
fcermeljrt, fonbern nrieberfjolt feine SBeftimmung erweitert, unb 
fdjon ber Herausgeber fetbft tjat, burdf) ben fdjnetten ©rfolg ermutigt, 



(SdjtermeljerS 3ta8toal)C beutfdjer ©ebidjte. 231 

ben Slnfang bamit gemalt. ®ie brüte Stuflage (1842) fetlbet bie 
SluSgabe te&ter §anb; fie jät)lt 656 (Seiten £ejt unb 36 Seiten 
©nlettung, alfo 310 ©etten meljr al§ bie erfte Sluflage. 

®er fdfjneHe unb unangefotfjtene Erfolg, melrfjer bie legten 
SebenSialjre ©rf)termet)er§ berflärte, mar mdfjtS tt)eniger atö mot)lfeiler 
9?atur. $n ber „2lu§mal)l" birgt fidf) ifjrer erften Slnlage nad) meljr 
Sirbett, al§ gemötjnlid) Vermutet mirb. Sftöcl) mo ba£ @rfrf)einen ber 
brüten Sluflage brängte, ftfjrieb er unterm 15. S^nuar 1842 ber 
S3erlag§ljanblung bon ®re§ben au§, baft mdf)t§ barauf an!ommen 
bürfe, ob bie neue Auflage einige 28odf)en früher ober fpäter in S)rucf 
gegeben merbe; mtd)ttger fei f ba% fie al§ eine mefentlid) berbefferte 
gegen bie früheren erfreute. Srft muffe er bie jüngft t)erau§gefonts 
mene ©djrift t)on ^iede (über beutfd)en Unterrtdfjt auf ben ©t)m~ 
naften), meiere ftd) mit bem SBudfje bef duftige, grünbüd) burdfjgenommen 
unb über einige S3erbefferungen unb 9?adf)träge mit ^piedEe Stüdfpradfye 
genommen l)aben. ßu ben beabfidjtigten Slnberungen gehörte autf), 
t>a$ bie Slbljanblung „llnfere SBaßaben* unb fRomangen^^oefte", 
meld)e ber jmetten Sluflage beigegeben mar, mieber in SBegfaH fommen 
fotlte. @r befann fid) jebodf) eine§ anberen; in bem nämlichen ©riefe 
fdfyreibt er: „®ie Einleitung tior ber Sammlung merbe idf) nid)t meg~ 
laffen, mie id) früher mittend mar. ©a^u befttmmt mid) erftlidf) ba3 
ermähnte Surf) bon §iecfe, ba§ biefer Slbfjanblungen mieberljolt ge^ 
benft, fobann eine fet)r günftige 9tecenfion in ©er§borf3 9tepertorium, 
in melcfyer befonberS bie Sinleitung fjerborgeljoben mürbe, femer 
©öjjtngerS gegen midf) au§gefprodf)ene Slbftdf)t, in ber beborfteljenben 
neuen SluSgabe feiner beutfdjen Siebter jene ©arftellungen unb (£nU 
midfelungen ju berüdffid)tigen, enblidf) bie juftimmenben Urteile, bie 
id) aud) fjier gelegentlich über biefen £ljeil be§ 33ud)§ gehört Ijabe." 
Sm 3Kai erft fanb bie ^Beratung mit £iecfe ftatt, melier ju bem 
Ghtbe bon SRerfeburg natf) ©reiben gekommen mar. Sag Ergebnis 
mar, ba$ ©df)termet)er im SSormort ber brüten Sluflage bie SSor^üge 
berfelben auf fRed^nung §iede3 fdfjrieb, melier tljn bei ber fftebaftion 
be3 neuen £e;rte3 mit SRat unb Sljat unterftü^t, ja biefelbe natf) furjer 
SRüdffpradfje faft allein geleitet fjabe. 



232 VII. $ie 9Memeljers«ßertobe. 



Su ben beften SDZanneSialjren, faum 39 ^afyxt alt, ftarb Setter* 
metyer am 6. Wai 1844 in 2)reSben. ©ein Job tourbe in toeiten 
Steifen fc^merältd^ empfunben; tote £netfe fagt, ber iljm fett ber 
©tubtenjeit nalje geftanben: ber ©aljingefdjiebene Ijatte bebeutenb unb 
etngretfenb gettrirft, ba er mit bem ©tf)ultt>efen audf) natf) SWteberleguug 
feinet ßeljramteS im geiftigen ßufammenfjang berblieben toar. 3>er 
SBaifenfjauSfatalog gebenlt feiner als Herausgeber meljrfadf) in SSer= 
binbung mit bem 9Jamen SRori^ ©etyffertS: bei ber Slntljotogie auS 
neueren Sateinifdfjen 2)td)tern „nebft ber Palaestra Musarum" (1834 
bi§ 35) unb hd ben „Carmina aliquot Goethii et Schulen latiue 
reddita" (1833). 

£)iecfe fiel nunmehr bie Aufgabe ju, baS äBerf beS „mit bem 
feinften poetifc^en (Sinne begabten" fortzuführen. 2)ieS gefdfjatj tion 
ber 4. bis jur ll.Sluflage. SllS £iecfe 1861 ftarb, folgte g. 91. <gd* 
ftein afö Herausgeber ber 12. bis 16. Sluflage. üftatf) bem SRücftrttte 
©ctfteinS übernahm ^ermann SftaftuS bie Stebaftion unb tiertrat fie 
am längften, bon ber 17.biS31. Auflage 1870 — 1893, too er ftarb. 
S)ie 32. Sluflage (1897) ttmrbe bon gerbinanb Sedier, bamalS Son* 
bireftor unb 9Je!tor ber Satina, bearbeitet. Unter if)m Ijat eine forg= 
fame ©ic^tung beS Spalts $u ©unften ber neueren S)idf)tung ftatt= 
gefunben, toäfjrenb bon ber ©djute SlbgeftofceneS entfernt ttmrbe. 
£anb in §anb bamit ging eine forgfame Seytrecenfion beS großen 
berbleibeuben 33eftanbeS burd) ben SSibliotljefar unb Oberlehrer D. %ü* 
feimann in iylfelb. 

©ämtlidje Herausgeber finb bemüfjt getoefen, bie „SluStoafjt 
beutfdfyer ©ebic£)te" im (Seifte ©djtermetjerS 51t Ritten unb in feinem 
©inne fortzuführen. Slnberungen in ber *ßlananlage Verboten fttf) bon 
felbft. S)er bon ber 2. Stuflage juerft gebrachte Stnfjang berfdfjtoanb 
mit ber 20. Sluflage, unb ber größte Seil beSfelben ttmrbe in SSer- 
binbung mit anberen ©ebid)ten als vierte Stbteilung organiftf) ein* 
gefügt. £>ieS lag im ©inne Sd^termetjerS. SBie baS unten citierte 
^Berliner 9?eftoren ^©utad^ten 1 bagegen fagt, würbe bie Slbfjanblung 

1) Sitter. ®ommiffton beS berliner 9ßeftoren=$8ereinS in ber beutfdjen 
©djulgeitung 1892, Sfer.33. 



2)a8 crftc auftreten 5)ante(S. 233 



über SBaHaben unb atomaren feit ber 12. Sluflage „gan5mitllnredf)t" 
fortgelaffen. Scfftetn f)atte fte geftritfjen, mdf)t tüetl fie über ben 
Streik ber ©d)ule IjtnauSgelje, fonbern toeil fie bem Qtvtdt ber 
Sammlung fremb fei. 2)te§ 33erfal)ren fanb immer meljr SBtberfprud), 
fo baft bie 24. Sluflage jene 2lbt)anblung, Von 9ftafiu§ ein toenig 
gefürjt, bon neuem aufnahm. Slnberf eit§ erfennt ba§ 9teftoren=@uts 
adfjten an, bafs bem ©runbgebanfen (£df)termet)er£ be^ügiic^ ber 33e* 
flimmuug feinet 33urf)e§ ftetS Stedfynung getragen tuorben ift. SDanadE) 
gefdfjalj bie ßufammenfteHung ber ©ebidfjte ntdfjt nadf) @efid)t£punften, 
tt>e(df)e fidf) au§ ber Sßoettf, ber SKetrif unb ber ßttteraturgefd)td)te 
ergeben, fonbern nad) bem pöbagogifdfjen ©efidf)t§punfte eine§ gort- 
fd)ritte§ öom ßetdf)teren §um ©djtveren. 

Um bie nämlidf)e Qtit, tt)o ©cfytermetyer auftauchte, unterm 
28. ©ept. 1836, ging ber 33ud$anblung b. SS. ein 33erlag£antrag 
ttrieberum au% nädjfter SWäfje, Vom ^äbagogium, §u, unterjeid^net 
Dr. £erm. 9lbl. ©aniel, ein blutjunger ße^rer, tt)eldE>er bon Slgatljon 
Sftiemetyer 1834 angefteüt Sorben nxir, oljne einen anberen ßegitima^ 
üon§fdf)ein auftoeifen ju fönnen al§ ben einer gut beftanbenen erften 
tfjeologtfdfyen Prüfung, üftiemetjer fannte iljn Don feinem elterlichen 
$aufe f)er, tüo er al§ ©tubent $ßriVatunterridf)t gegeben Ijatte unb ein 
gern gelegener ©oft ioar. (Sin galjr fpäter beftanb er bie 06er leerer = 
Prüfung mit bem feltenen ^räbifat ber „unbebingten facultas do- 
cendi". 

S)er Slntrag 2)aniel§ betraf eine ©djrift über ßeben, ©dfjrtften 
unb ®ogmeu £attan§ be§ Apologeten, hervorgegangen au§ einer 
Treibarbeit, toeldje Von ber tt)eologifd)en gafultät gefrönt korben 
ftmr, fo §toar, bafj eine anbertoeitig eingereihte Slbljanblung nidf)t 
einmal ba§ Accessit erfjielt. ©leid^eitig t)atte bie gafultät if)n er* 
muntert, ba§ ©anje burd) ben ®rucf 5U Veröffentlichen. S)aniel eilte 
bamit nicfjt; er Vertoanbte nod) brei 3al)re ©tubien auf ben ©egenftanb 
unb bann erft traf er Slnftalten jur SBeröffenttidfjung. 

%xo% ber guten Meinung ber tf)eologifdf)en gafultät ttrnr ber 
bamalige Slbminiftrator Vor bem nunmehr breiunbjtt)anjigiä^rigen 



234 VII. $te SMemetjers^eriobe. 



Slutor einigermaßen auf ber £ut. ©r ging ben SHreftor um feine 
Sfteinung an. Sftiemetjer antwortete: „%la<i) genommener 9tücffpradje 
mit bem £erro Stonfiftorialrat Dr. £ljilo unb nadf) meiner ®enntm3 
be£ 33erfaffer§ bin id) feft überzeugt, baß bie beabfidf)tigte ©dfjrtft 
gut, red)t gut auffallen wirb... $ertl)e§ u. Seffer in Hamburg 
Würben fie fofort nehmen." SDarauf Ijin erfdfyten 1837 bie ©dfyrtft im 
SBaifen^aufe u. b. 3;.: „Marianus ber Slpologet. (Sin ^Beitrag jur 
SDogmengefd()idf)te." 

®aniel (1812 — 71) war al§ ©tubent ber „Geologie unb 
$f)i(ofopf)ie" inffribiert worben, — wie ^per^berg 1 fagt: !eine 
bloße gorm, infofem unter ^ilofop^ie in SSerbinbung mit tljeolo* 
gtfdjen ©tubien aud) pf)ilo(ogifdf)e unb ^iftortfdE>e ©tubien gemeint 
fein follen. Hantel l)abe bie fefjr emftlid)e Slbfidjt gehabt, nadf) betben 
©eiten fjin möglidjft einge^enbe ©tubien $u machen, ein $lan, ber 
bei feiner glänjenben geiftigen ^Begabung unb bei feinem eminenten 
©ebädf)tni§ in ber %f)at bollfommen jur 2lu§fül)rung gelangt fei. 

^er ßinwetö Ijierauf wie auf feine fünftlertfdfjen unb bidfjterifdfjen 
Slnlagen ift notwenbtg, Wenn feine im äBefen bod) gelehrte £fjättgfett 
auf ©ebieten berftanben werben folt, bie tfjrer üftatur nad) fo grunb= 
Derfdfjieben finb, baß fie einanber augjuf daließen f feinen, ©ein 2ln* 
fefjen in ber Geologie begrünbete er burdf) bie genannte bogmen* 
gefd)id)tltd)e Slrbeit. S§ blieb ntdfjt feine einzige tt)eologtfd)e Seiftung, 
Wiffenfdjaftlid) unb prafttfdfj nidjt. daneben madjte er bie §^mno- 
logie 5U feinem ©pecialfarf). £)urd) tk beiben ©ammeiwerfe, ben 
Thesaurus hymnologicus in 5 SBcinben 1841 — 56 unb ben Codex 
liturgicus ecclesiae universae in epitomeu redactus, 4 Sänbe 
1847 — 54 (fein 28at|enf)au§t)erlag), gewann er nidjt allein einen 
erheblichen ßHnfluß auf bie Belebung ber einfdfjtagenben ©tubien in 
3>eutfd)lanb, fonbern aud) in ©nglanb unb granfreidf). Sn aller Sßelt 
belannt Würbe er aber burdf) feine ausgebreitete fdfjrtftftetlerifcfye Xi)'d- 
tigfeit auf bem ©ebiete ber ©eograpljie. 



1) ^ermann Slbalbert Saniel. ©in SebensbUb. 08on$rof.®.gr.$er&* 
berg.) OTbrucf au3 bem „S^eim" für greunbe. #afle, 1872. @. 3. 



Daniels Sebeutung für bie ©eografcljie. 235 

Sltö SDanielS großes unb bteibenbeS SSerbienft gilt e8, im Slnfdfjtufc 
an bie Seiten Sari 9Htter§ ber ©eograpfjie fotoofjl bie ©dfjule ttrie 
bie umfaffenbe £etlnat)me ber gebitbeten Sßett erobert 5U Ijaben. Stuf 
bie grofte äftaffe übte bie 93efdf)äfttgung mit ber ©eograpljte fcor iljm 
tüenig 3tnjtel)ung§fraft, beim ber ©inbrucf au£ ber ©d)ute, toeld^er 
fitf) auf ba£ fpätere Seben übertrug, toar, ba§ fie nad) §er$berg8 
Slufcerung „bie berfteinerte Sangtoetligf eit gan$ t)orjug§tt)ei|e repräs 
fenttere". Sftit biefer Stuffaffung tjat 2)antel aufgeräumt, junädjjft 
burdj) fein grunblegenbe§ „ßetjrbudjj ber ©eograptjte für tjöljere Untere 
rtd)t£anftalten", tteldf)e§, 411 (Seiten ftarf, 1845 erfdfjien. 

SBietoofjl ber SSerfaffer at§ <3cE)utgeograpIj bi% bat)in nidf)t gefannt 
toar, tjatte ba§ £et)rbudf) fofort burdf)ftf)(agenben (Srfotg; fdfjon nadj) 
jtüei %af)Ttn, 1847, erftf)ien bie jmeite Stuflage. $n ber SSorrebe 
fpric^t fidf) SDaniel über Slntage unb 9ftetl)obe be§ Setjrbudf)3 au3, 
„toaä fdfjon bei ber erften Stuflage Ijätte gefctjeljen folten". SDer Sern 
biefer SSorrebe ift für feine ©rfotge bon Ijotjem ^rttereff e ; fie derben 
tuefentlidf) baburdf) erftärt. 

®aniel unterf Reibet ätoifcl)en ber alten unb neueren SSeljanb* 
lungStoeife ber ©eograptjie unb erftärt, burtfjauS unb entfdjieben ber 
teueren jugetfjan ju fein. Söenn er aber bie neue -äRetljobe, toie fie 
3. 33. burdf) ba§ t>ortrefftidf)e ^anbburf) t). 9toon§ Vertreten fei, md>t 
in !onfequenter Strenge unb Steinzeit tierfolge, fo gefd)ef)e bte£ nadf) 
reiftidfjer Überlegung unb natf) päbagogtfdfyen Sßrtncipien. „SlHeS 
— fäljrt er fort — toa£ auf bem ©tymnafium getrieben totrb, mufs 
fidf) nun einmal bem allgemeinen ßroecfe, formater SBitbung gegenüber, 
bienenb behalten: bie einzelnen Unterrid£)t§5toetge fjaben fein $Redf)t, 
im ftrengsttnffenfdfjafttictien ©etoanbe aufzutreten, fie Ijaben nie rigo- 
riftifdf) 5U bergeffen, baft fie nur afö 33itbung£ftoffe ber 3 u 9^nb guge^ 
laffen finb. 3Ba§ bie ©eograp^ie anlangt, fo mag bie neue 9Wetf)obe 
auf ber Stfabemie unb bei einjetnen gacfjftubien in bolter 
Sonfequenj regieren; auf bem ©tymnaftum Serben bie Umftänbe 
mit SWotfjtoenbtgfett eine Sftitberung rat^fam machen. " ©obann fommt 
er auf ben ifjm gemalten SSorttmrf 51t fprecfyen, baft er gar fefjr in 
frembe 3Biffen£gebiete übergreife: „®ie Sompenbien folten nact) ber 



236 VII. 5)tc Sfllcmc^ct* Verlobe. 



2lnjtd)t biefer geograpljifdfjen Puritaner, baft rd) fo fage, bon allem 
frembartigen SSatlaft gefäubert tnerben, ber toie ettoct läftigeS ©d)nörfek 
unb 3^rtt)er! ben S£om ber SBtffenfc^aft berunftaltet . . . $fiufig unb 
laut ergebt ftdf) gerabe je£t bie Slage über ba§ SSielerlet im Seljrplane. 
SWid)t ju vielerlei Se^robjecte ftnb auf bem ©tjmnafium; aber fie 
fielen ju ifoliert, fie tfjun frd) nid)t einanber £>anbretd)ung, tote fie 
foHten unb formten, e3 gefdf)tel)t mit einem SBorte 9?tdf)t§ unb Sßenig 
für bie Eoncentration be£ Se^rftoff e§. E§ gehört nidfjt Ijierfjer, 
biefe meine 3lnftd)t für alle 2)i§ciplinen burd)5ufüf)ren: genug, in 
meinem Eompenbtum t)abe id) fie für ein ße^robjeet ju beranfdf)au* 
lidfjen unb bie ©eograpfjie in flieftenbem SBerfeljr mit ben anbernßeljr- 
gegenftänben ju erhalten gefugt. SDfit ber feefdjidjte ift fie oljnefjin 
ein gleifd) unb 33lut: ba ba§ flaffifd)e Sfltert^um ba£ gunbament ber 
©tymnafiaUSöilbung abgiebt, fo ift fo oft al§ möglidf) auf baSfetbe 
jurücfgegangen unb l)te unb ba aud) einmal eint (Stelle au§ einem 
©dfyulautor angeführt: bie bauembe SBe^ietjung auf naturgefd)rd)tlidE)e 
£)bjecte giebt ftdf) ioie Don felbft. ©o bliebe §öd)ften§ bie mannigfad)e 
9tüdfid)tnaljme auf unfere SWationalliteratur ju rechtfertigen, toeldje 
für ®iefen unb $enen ju Qexttn zttvaä Sluffaffenbe§ l)aben mag. 3m 
Snnerften f)at e§ midf) erfreut, baf$ ein greunb in feljr banfen§tt)ertfjen 
SRittfjeilungen über mein £ef)rbud) bie Ettate beutfdfjer £>tdf)ter u. f. ro. 
fid) erflärt au§ „bem patriotifdfyen 3 u 9 e * *> er bnxä) m ^ n 23 u df) 
gelje". %a, toatjrlid), nad) einem folgen fyabe id) tt>enigften§ geftrebt! 
©ben barum ift aud) £)eutfd)lanb im Vierten Sudfje mit befonberer 
Stufmetffamfeit beljanbelt, al§ Srone unb ©ipfelpunft geogra- 
pf)tfdf)er Erfenntnift." 

2)er Erfolg befdjrcinfte fid) nidjt auf im fteigenben 2lbfa& be£ 
£e§rbud)§: Daniel mürbe getrieben, feine Sluffaffung unb -äRetljobe 
nod) in anberer ©eftalt ju bertoerten. £>em Sefjrbudfye, bem foge- 
nannten „mittleren" Daniel, folgte ber „Heine" SDaniel, ber „Seit* 
aben für ben Unterricht in ber ©eograpljie" (1850) unb biefem 
iirieberum ber „grofte" Daniel, ba3 Dierbönbige ,,£anbbudf)", beffen 
erfter Sanb 1859 erfdjien. S)a§ Entftefjen unb ber Erfolg be§ 
umfangreichen „$anbbud)§" geigt, ttrie Daniel mit feinen päbago* 



3)cr f leine , mittlere unb ßrofje $anlel. 237 

giften ^rineipien über bie ©df)ule IjinauS auf bte 33olf§tretfe 
tvirfte. SWad) SS0I5 1 toar er bon Verfdf)iebenen Seiten aufgeforbert 
toorben, ben im „ßeljrbudf)e" jufammengebrängten ©toff §u einer 
ausführlicheren ©arftettung §u erweitern. @r 5Ögerte, 6i§ eine 93er* 
lag§budf)ljanblung (moljl g. Särucfmann in granffurt a. 9ft.) iljm ben 
5ßlan eine§ angeführteren £anbbudt)e§ Vorlegte, in toeldEjem bie 
geograpf)ifdfje üßtffenfdfjaft bem heiteren Sreife ber ©ebübeten nalje 
gebracht unb inSbefonbere einem beutfd)=nationalen Sntereffe 
tftecfjnung getragen werben foffte. %xo% be§ großen Umfangt unb 
be§ ljol)en $reife§, unb tro£ ber ©df)ttriertgl:eit, bei Neubearbeitungen 
ben Snljalt überall auf ba£ ßaufenbe ju bringen, Ijat ba£ „^anb^ 
bud)'.' btä §um 3. 1895 fedjS Sluflagen erlebt. 

®en „Keinen ©aniel", ben „ßeitfaben", nenni SSoIj „ba§ 
Verbreitetfte ßefjrbudf) ber Srbfunbe, ba§ e§ auf ber Srbe giebt." 
hinter ber unfe^einbaren gorm, in freierer ber ßeitfaben 1850 
5uerft erftfjien, Ijat fdfjtoerlitf) jemanb ettvaä SltjnlidfjeS Vermutet: 
142 ©eiten £eyt im SSergleirf) mit ben neueren Sluflagen ^um 
guten £eil red)t bürren gnfjaltS, ba$u toenig anmutig in ®rudf unb 
Rapier unb ein S3ortvort, toeldjeS tro£ fptenbtben ©a£e§ faum eine 
©eite füllt, toorin er auf früher ©efagteS gurücffommt. 3fr ber 
brüten Sluflage be§ ßeljrbudf)3 Ijatte er nämlidf) auf ben ßeitfaben 
Vorbereitet, unb er toieberljott nun ba3 bort 33emerfte. $>anadj 
foffte berfelbe beftimmt fein: für ©dfjüler, bei benen man noef) gar 
lein geograpl)ifcE)e§ SBiffen VorauSfe^en barf, für Slnftalten, auf 
freiten ber ©eograp^te ein fet)r befdfyränfter 9taum gegönnt ift, 
unb für ©dfjulen enblicf), bie eine populäre gaffung unabtvetöltdf) 
erforbern. $)iefe tt)m Vom SSerfaffer angettuefenen SBege Ijat ber 
„ßeitfaben" getoiffenfjaft Verfolgt unb big anfangt 1898 einen 2lbfa£ 
Von 1 400 000 ©jemplaren erjielt. 2 ®ie Verbreitung mag teiltoeife 



1) 93. $0(3 in bem SeBen8* unb ©fjarafterbiibe $anie(§ jur 200. 9luf* 
läge be§ Seitfabenä, 1895, ©. XVI. 

2) 92adj bem Sobe 2)aniel§ übernahm Sßrofefjor Sllfreb ßirdj^off bie 
^Bearbeitung ber neuen Auflagen Dom ßeitfaben unb Seljrbudj. 9113 bann 
Äirdjljoff 1882 feine eigene weitverbreitete „©djulgeograpljie" erfdjeinen liefe, 



238 VII. Sie 9ttemeljer*<ßeriot>e. 



auf Soften be£ 2el)rbud)£ geförbert Sorben fein. 3$ergtidf)en naä) 
ber gfiHe be§ Spalts, bübet ber Settfaben gegenwärtig ein 3Rtttefe 
bing jwifdfyen feiner eigenen urfprünglic£)en ©eftatt unb bem „ßeljr* 
budjje". 

SBenn oben nad) allgemeinen Erfahrungen in ber SSerIag§prayi§ 
auf bie ©dfywterigfeit Ij ingebeutet Würbe, ein Unternehmen Wie ba§ 
große ,,|>anbbudf)" bei Neubearbeitungen überall auf bem Saufenben 
ju galten, fo fann ber SSerfaffer felbft mit biefer ©d^wierigleit nidfjt 
geregnet t)aben. ©df)ou bie erfte Sluflage muß in unglaubtidf) fur^er 
3eit entftanben fein, mag er babei aud) burdf) ba§ „ßeljrbudjj" unter* 
ftüjjt Worben fein. 93i§ über bie 9Kttte ber fünfziger Saljre War er 
mit feinen großen t^mnologifdfjen unb liturgifdfjen Sßubltfattonen be= 
fdf)öftigt, unb fdfyon 1859 — 62 erfdfjten bie erfte Sluflage be§ „§anb* 
budf)§" in brei SBönben. Daniel f)atte eben eine gan§ außergewöljn* 
lidfje Slrbeitöfraft, anber§ Ijätte iljm in ber fnapp jugemeffenen 
ßebenSjett bon 58 — 59 ^a^n überhaupt nicfjt gelingen fönnen, 
tva% tfjm gelungen ift, unb btefe 2lrbeit£fraft würbe unterftüjjt burdj 
fein großes geiftigeS SonfunWermögen, burtf) ©ebätf)tni§fraft unb 
ein fiarfeS gormtaient. 33i§ $u ben legten SBod^en feinet ßebenä 
burdfjarbeitete er ofjne Unterlaß geograp^ifc^e, politifdf)e, merfantile 
unb 3Wiffion§äeitfd^riften aller 2lrt, um feinen Sudlern immer größere 
3ut>erläffig!eit $u öerieifjen. llnterftü^t würbe er burdj) Sparen 
freiwilliger SRitarbeiter, fo baß er ^ule^t gwifd^en Wahren Sergen 
bon Briefen au% aßen Seilen Don ®eutfdf)lanb unb bem StuStanbe 
arbeitete. S^t ©ommer madf)te er größere Reifen, um namentlich 
bie minber befannten ©ebiete $)eutfdf)tanb§ perföntttf) ju erforfdjen. 
Sei biefen galten §og er nifyt bie große ©traße, fonbem ftfjtug 
ftdf) auf ©eitenWege, um ba§ 28efentlid)e unb S§ara!teriftifd^e Don 
ßanb unb ßeuten burdf) unmittelbaren (SinbrudE lennen ju lernen. 

Daniel war ©roßbeutfdfyer — nidf)t ber einzige ©roßbeutfdfje 
unter ben bamaligen i^beatiften ^ 2Baifenf)aufe§. 2)ennodf) gingen. 



trat $>ireftor ^rofeffor SB. SS0I5 für i^n ein, toeldjer im Saufe ber geh audj 
bie ^Bearbeitung be§ „§anbbud)§" übernahm. 



SXmiel als ©ro&beutfdjer. 239 



ttjm bie ©reigniffe bon 1866 fo nafje, bafs er in ber 83erftimmung 
über btefelben unter feinen ^jaltifdfjen greunben ganj öerein^elt ftanb. 
Sftarf) bem Sßrager grieben, erjagte mir fpäter S)ireftor Gramer, 
fei ®amel eines £ag§ in ber größten Stufregung §u iljm gefommen 
unb §abt üjm mitgeteilt, bafs er foeben bie jtoeite Stuflage be£ 
IY. Seife feine§ §anbbucl)S, atfo bie Stbteitung über $)eutfd)tanb, 
gum ®rucfe fertiggefteUt l)abe. Xxofy ber ©ntfdjeibung burdf) bie 
SBaffen Bleibe er, toaS er toar, unb bertjeimlidje bie£ and) nidf)t; 
it)tn fei e£ ntcfjt gegeben, feine beutfdf)' nationalen Slnfdjauungen tuie 
ben 9tod ju toedfjfetn. Sollten atfo Don 33erlin be^alb Semerfungen 
fommen, fo Ijabe er hiermit im borauS feine ^enfionierung nad)* 
gefugt, SDtreftor Gramer erfudjte i^rt aufs bringenbfte, fidj fotdfjer 
©ebanfen $u entfdjtagen; beffen fei er fidjer, bafj niemanb an ber 
@pi£e ber UnterridfytSbertoattung feinen Patriotismus beSfjatb in 
grage gießen roerbe, toeit er fiel) mit feinen 9tnfd)auungen nid)t fofort 
in bie neuen SSerfjättmffe fjineütäufinben Vermöge. 

£)em alten $ropl)eten, nrie er in greunbeSf reifen genannt ttnxrbe, 
ftriette f)ter ber ©emütSpotitifer einen ©treid). %n bem Kriege Ratten 
fie fidf) gar mdf)t um baS ibeate SDeutfd^tanb, um bie Germania litte- 
rata, geftritten, fonbern bloft um baS politifd) reate 2)eutfc£)tanb. 
®aS ibeate 2)eutfd)tanb mar ot)ne Schaben babongefommen, eS fd)ien 
fogar babei gewonnen $u tjaben. 2)ieS I)at in objeftiber SSeife niemanb 
überjeugenber bargetegt als Daniel f eiber in ber Dom 4. £)ft. 1867 
batierten SSorrebe ju bem neu aufgelegten IY. Seit. SDort erftärt er: 
in nodf) {jöljerem ©rabe als bei ber erften Stuftage bürfe er fein 
$anbbud) ein SSerf gemeinfamer totffenfdfjafttic^patriotifcfyer 
Strbeit nennen. @o $at)treid), fo eingeljenb unb bebeutenb feien bie 
SMitteitungen berfdjiebenfter Strt, roeldje tljm geworben. ®iefe 9Kit= 
teitungen rührten l)er bon Ijofjen Se^örben norbbeutfdfyer 33unbeS* 
ftaaten, fottrie bon 32 fd^toeijerifc^en, füb= unb norbbeutfdjen 
©tobten, ©elbft auS $)eutfd)öfterreid) fei iljm eine Vereinzelte 
ftympatljifdfje ®unbgebung gefommen. 

SSottenbS im Sontraft mit ben grof$beutfd)en Seforgniffen ftanb 
eS, baft feine ©eograpIjiebüd)er erft mit ber üfteugeftattung 3)eutfd)* 



240 VII. 5)ie Sftteme^ers^ertobe. 



lanb§ §ur Motten SBürbigung unb einem Dorljer nid)t geahnten (Erfolge 
gelangten. 2>a§ „Sefjrbud)" l)atte Don 1845 — 66 17 Auflagen 
a 5000 (Sjemplare erlebt, fo baft 85 000 (Syemplare baDon Derbrettet 
Worben Waren. SSon 1867 — 77, alfo in ber £älfte 3^t, gelangten 
36 Sluflagen jur 2lu§gabe mit 180 500 ©yemplaren. Seim „2ett= 
faben" war ber Srfolg nod) impofanter. 2>er Slbfajj beweiben belief 
fidj Don 1850 — 66 auf 34 Auflagen mit inSgefamt 170 000 ©jem* 
klaren, bagegenDon 1867 — 77 auf 90 Staffagen mit 470500 (gjrcm* 
plaren. £en #öl)epunft be3 StöfajjeS bilben bie $af)re 1873 unb 
1874; Dom „Sefjrbudje" mürben in jebem biefer S^re 25000 ©jem= 
plare gebrucft, jebod) in beiben Sauren jufammen nur gegen 34000 
(Exemplare Derbrettet, Dom „Settfaben" hingegen Würben 1873 
75 000 unb 1874 60 000 ©jemplare gebrucft unb Derbreitet. SSon 
1876 ab mäßigt fidj bie SWadjfrage beim „2eljrbud)e" Wie beim 
„Seitfaben". 33i§ bafjin Serben neben bem @rfa£ ber burdf) bk 
polittfdjen ©reigniffe ftar! antiquierten älteren Auflagen bie äRaffen^ 
einfü^rungeu in bie (Schulen Dor^ugSweife ber neu erworbenen preu^ 
fjifdjen ^roDinjen unb ber $Reid)£lanbe gegangen fein, Wäl)renb Don 
\>a ab im Wefentltdfjen nur ber laufenbe SSebarf ber Seljranftalten ju 
befriebigen geWefen fein Wirb. 

(So Derbroffen ba§ $af)r 1866 Daniel geftimmt f)atte, fo l)od) 
erhoben if)n bie gefd)id)ttid) beifpiellofen (Siege 2tUbeutfdE>Ianb§ unb bie 
SSMebergeWinnung Don Clfaft unb 2otf)rtngen in ben Sötten 1870 
unb 1871. Seiber War er injwifd^eu ein franfer SRann geworben. 
<Sd)on im SBtnter 1864 — 65 fjatte er einen längeren Urlaub nehmen 
muffen, otjne Dollen Srfolg bamit ju erzielen. 3fm Sommer 1869 
mufjte er ben Unterricht ^Weimal unterbreiten, einmal um eine Jhir 
burdf^umadfjen unb bann um in ber frtfcfjen ^parjluft ©tärfung ju 
jucken. 2>te 9lnberungen in ben Siuridjtungen be§ <ßäbagogtum3 
beftimmten tljn Dftern 1870 DottenbS, fein üe^ramt nieberjulegen 
unb ftdf) nadE) ©reiben äurü^ujie^en, rvo er eine ßeülang ftd) 8 U 
erholen festen. 2tt§ er jebodj im (Sommer 1871 SBeftfalen befugt 
fjatte unb auf ber Stücfreife in Seipgig Derweilte, Würbe er Dom 
<Sd)lage gerührt unb feinem üebtn am 13. (September 1871 ein 3*^ 



(ScffteinS ©ebädjtniSrebe auf Lanier. 241 

gefegt, — ein Seben boH Sftütje unb Slrbeit, aber reidj an (Erfolgen, 
©einem alten ^aHtfd^en Slmtegenoffen (Scfftetn toar e§ bef djieben, tfjm 
auf bem Seipjtger griebljofe bie ©ebäd^tnigrebe 5U galten. x 



1) 2)ie ®rabrebe ©cffiehtö liegt mir im 9flanuffrtyt oor. 3 U ®§ten 
3)antel§ unb $u ©ftren be§ (Scfftetnfdjen 9fobnerftil8 möge fte l)ier folgen: 

„^eiliger (Srnft füfjrt un§ an biefem füllen borgen atmfdjen ©räbern 
jufammen, eine Reine ©emeinbe in fdjmerälidjer Trauer am Sarge eines 
lieben lobten. $&ttt e8 in ©otteä SBtHen gelegen i§n abzurufen an ber 
Stätte feiner faft trier$tgiäljrtgen fegenäretdjen SBtrf famfett , tüte groß mürbe 
Me Trauer = SSerfammlung fein oon 9tmt3genoffen, Sdjülern unb greunben, 
bie nodj einmal um t^ren lieben „$ro#)eten" ftd) gefammelt unb btn tiefen 
©djmera befunbet Ratten, ben fte um feinen Verluft empftnben. 3>efct muß 
er in frember ©rbe ruljen. 2Htr aber, ber td) ben Heimgegangenen feit feinen 
acabemifdjen Sauren gefannt, in amtltdjen SBerljftltniffen tym na§e geftanben 
unb feine greunbfdjaft genoffen f)abe, mir fommt e§ $u, an biefem ©rabe 
ein SBort ber Slnerfennung unb ber Siebe $u fpredjen. 9lber furj foll e§ fein, 
tt?eil ftd) ein anbereS nid)t für tiefe (Stätte eignet. 

„Unfer Daniel mar ein ®elel)rter in be$ SSorteS größtem Umfange. 
S)er tljeologifdjen 3Btffenfd)aft ^atte er ftd) gerotbmet; il)r galt aud) $unäd)ft 
feine große fd)riftftetterifd)e SBirffamfeit, für bie er in feinem friebltdjen 9lr- 
beit§aimmer einen unermttblidjen gleiß entroidelte. $ird)en= unb $ogmen= 
gefcftfdjte, bie §t)tnnen ber alten $trd)e unb ber reiche Sieberfdjafc ber eoan* 
gelifdjen ®ird)e, bie Siturgif aller $ird)en §at er burd)forfd)t. ®eograpf)te 
unb ©efdjtdjte l)at deiner öor il)m in iljrer engen Verbinbung fo finnig aufs 
gefaßt. $oefte unb ^äbagogif l)at er gleichmäßig berührt. 9ln Umfang be3 
2Siffen§ unb an Schärfe ber gforfdjung , an $f arbeit unb Orbnung ber $ar= 
fteüung, an Slnmutl) ber SRebe übertraf er Diele 9flänner ber SBiffenfdjaft; 
bie ©rgebniffe berfelben in angemeffenfter ftorm ben weiten Greifen ber ®e= 
bilbeten unb befonberS ber Qugenb oorjulegen, oerftanb er mit feltener 
9ttetfterfd)aft. 3)a§ $at feinen geograt)1)ifd)en Schriften bie allgemeine Ver- 
breitung über ba$ gefammte SBaterlanb unb fo roeit bie beutfd)e 3unge reicht, 
geftdjert. 9ln be§ alten [Reiches ,§errlid)feit unb ©röße l)ing er mit befon= 
berer Vorliebe unb barum ^aben tt)n bie ©retgniffe be§ öfterreidjifdjen Krieges 
tief betrübt, bagegen bie glän^enben Siege ber jüngften3eit unb tl)re großen 
Erfolge l)od) erfreut. 

„9?id)t minber glänjenbe (Srfolge l)at er in bem Sefjramte gehabt, für 
ba% tyxi feine Siebe $u ber Qugenb Ijingog. 3)a er ftc^ nid^t entfließen fonnte, 
ein ©^ebünbntß einjuge^en, fear bie Sdjule feine ©attin, bie Sdjüler feine 
Äinber, für bie er mit üäterlidjer Siebe forgte. 3ung trat er als Seljrer am 

©dlürmantt, 3ur ©efd|id|tc b. ©u^btg. b. SB. 16 



242 VII. $te 9Ucme$er*$ertobe. 



g.Sl. ffidftetn (1810 — 85) gtänjt in ber Erinnerung atößefjr* 
traft erften 9tange§. ©eine litterariftfje £tjätigfeit beröegte fidf) auf 
bem ©ebtete ber Ätiologie, 5ßäbagogif unb ber £attifd(jen ZolaU 
gefct)icr)te, tneift in Heineren Sirbetten für ©nctjfiopäbteen (©rfdfj u. 
©ruber) unb Qtit\ Triften, forme in Sform bon Programmen unb 



Sßäbagogium in bem benachbarten §aKe ein unb er ift i$m treu geblieben, 
bis june^menbe Ärctnflidjfeit iljn nötigte, bem fdjweren Berufe ju entfagen. 
SBei ber Ijofjen 9(djtung, bte Hj>m feine 9(mt3genoffen joKten, bei bem unbe= 
grenzten Vertrauen unb ber Ergebenheit ber ©djüler war er ber 3ttittelpunft 
ber 9lnftalt, beren Ijödjfte SBlütlje er erlebt unb beren burdj bte Sßer^ftltniffe 
bebingten SBerfatC er hereinbrechen falj. S)er ©djmerä barüber uerleibete iljm 
ben 9tufentf)alt in feiner ^weiten &eimatf) unb war bie ^aityrüeranlaffung, 
feinen Sßofjnftfc in ber ^auptftabt unfereä SanbeS ju wäjjlen. 

„Unfer 2). war aber audj ein reblidjer unb frommer 3Rann. ©erabe 
bk Siefe feines religiöfen ®emütlje3 Ijjat i§m oft fernere ®eroiffen§fctm:|)fe 
bereitet unb audj feine legten £eiben3tage mit banger ©orge erfüllt. 2Ber 
iftrn nctfjer fianb , fannte fein eljrlicr)e§ unb t^ätigeS SBoljlwolIen gegen alle 
Sftenfdjen, unter benen er leinen geinb batte, gang befonberä feine fjrei= 
gebigfeit unb Sftilbe gegen SBittenbe unb SBebürftige. S)ie erften SBlätter, 
bie er als ©tubent brueten lieft , waren jum SBeften einer milben (Stiftung 
unb oiele Heinere unb grö&ere ©Triften finb blo3 $u äl>nlidjem Qtotdt Don 
i^m veröffentlicht. 2Ba§ foH idj tuel reben Don bem 9lbel feiner ®runbfäfce, 
oon ber Qart^eit feineä SBanbelS unb feiner ©itte. ©eine Steifen führten 
if)n überallhin in bem SBaterlanbe unb überall befafj er fjreunbe, bie an 
feinem Umgange fidj erfreuten unb tr)n immer roieber begehrten. 

„ttnb bodj war fein ftiUeä fieben ntdt)t ungetrübt, benn ßranßjeit ljat 
ifyn oft tjeimgefudjt unb ju ftrenger ©orgfalt unb $ünftlid)feit im Seben 
genötigt, ©ine IRetfe in ben Reiften £agen biefe§ ©ommerä brachte bie 
(Sntfdjeibung. §ier am fremben Orte warb er r»on einem ©djlaganfalle 
betroffen unb auf ba% lefcte Äranfenlager geworfen, r»on welchem iljn nad) 
garten kämpfen trofc treuefter Pflege unb gürforge bod) fdjltefjlidj ein fanfter 
Stob erlöft f>at. 

„$u ^aft nun auSgefäm^ft unb fdjaueft in bollern Sidjte, worüber 3)u 
t)ier fo Diel gegrübelt unb geforgt l)aft. SBenn bie lobten feiig finb, bie 
in bem §erm fterben, fo bift 3)u feiig. Sßenn bie, weldje oiel gearbeitet 
Ijaben, in grieben ru^en, fo ruljeft S)u in ^rieben, unb wenn bm ©erecfyten 
tr)re SBerfe nachfolgen, fo folgen S)ir bie Peinigen nadj. 3 n unferen $ergen 
aber lebt $ein Slnbenfen für alle Seit. 2tb woljl!" 



$ertnann SWafhiS. 243 



Sieben. daneben toar er bielfad) als Herausgeber unb Bearbeiter 
tljätig. $n ber ©dfjulpljilologie Ijebt SftaftuS feine StuSgaben beS 
SiepoS, 5ßljäbruS, (Säfar, ©icero, £acituS unb £oraj Ijerbor, 1 toobon 
mehrere ©meuerungen alter SBaifenfjauSauSgaben toaren, ein Berfudfj, 
toeldljer neben ber Bibliotheca latina einljerging. SllS Herausgeber 
übernahm ©elftem u. a. nadfj bem £obe bon Dtto ©dfjulj (f 1849) 
bie Bearbeitung bon beffen ©dfjulgrammatif ber tateinifdfyen <5pradf)e 
(erfte Sluflage 1816), baS berbreitetfte Setjrmittel, tt>eld^e§ nadfj ben 
SfreiljeitSfriegen bis jum jüngeren Sfttemetyer Ijier ersten. 

®er einfüge (Sdjüler unb fpätere $oßege (ScffteinS, ^ermann 
SttafiuS (1818 — 93), führte fief) 1846 mit ben beiben erften teilen 
feinet „®eutfd(jen SefebudfjS für Ijöljere UnterridfjtSanftalten" ein. ©o 
fefjr er fein fpätereS Stnfeljen bantit begrünbete, galt er bodfj nodfy als 
„unbefannter ©tymnafialleljrer juSal^ttJebel", als er 1852 mit feinen 
„9?aturftubien" auf bem Sßlane erfdjien unb bamit balb unb bonStuf* 
läge ju Stuf läge fteigenb in ben 9tuf eineS ©tanbarbautorS fam, nidfjt 
bloft in beutfdjen, fonbern aud) in fremben Sanben, tütetoo^I feine 
äfttjetifdfyen Sftaturbetradjtungen burdfj bie Überfe^ung unmöglich ge* 
»innen !onnten. Bon ber SritW toiib er fdfyledfjtraeg als Sünftter 
bezaubert, toobei an einer ©teile bie Bezeichnung „©tilfünftler" unter- 
läuft. ®iefer StuSbrucf erinnert $u feljr an bie geile, toetdfje fidfj in 
ber 3 u f^fe un 9 & er Somt nidfjt genug tljun fann, bis enbtitf) ber $n* 
Ijalt bie gorm mdfyt mefjr beftimmt, fonbern bie gorm ben $nf)alt. 
SltterbingS toägte SftafiuS formal gar feljr, ef)e er Wagte. SttS id(j iljn 
eineS £agS bei einer neuen Stuflage bon ©djtermetyer um einige Qtxtm 
Bortoort hat, fanbte er atf)t ©rudjeilen in jtoei berfd()iebenen gaffungen 
beS nämlichen QnljaltS, mit bem Bemerken, biejenige Raffung jum 
Stbbrucf bringen ju (äffen, iDeld^e mir am meiften jufage. ©o peinlich 
er aber in biefer Bejie^ung toax, nimmermehr mürbe er fidfj baju 
berftanben Ijaben, ber gorm bie ^errfdijaft über ben $nljalt einju* 
räumen. ®aS „®eutfcf)e Sefebud)", bon bem fpäter (1866) nodf) ein 
britter£eil für bie oberen klaffen folgte, ift eine ber ©dEjtermetjerfdjen 



1) 3Kafiu3, SBunte Blätter @. 220. 

16* 



244 VII. 5)ic »tcmc^crs^ertobc. 



3lu§toaf)l beutfdf)er ©ebidjte bertoanbte ßeiftung. Unter einem unge* 
toöfjnlidjen Sluftoanb bon Sorgfalt unb gleifc gefjt in Betben Satten 
ber feinfühlige SXft^ettfer mit bem Scfyulmanne £anb in £anb. Sonft 
eine fo rücffid)t3bolle Siatur, fannte 3Kafiu8 feine 9tücffid(jten, foBalb 
er jemanb auf feiner ©olbtoage al§ Sßoet ober Sßrofaift ju leidet befanb. 
5)urd§ biefe Strenge gegen anbere tüte gegen fidf) fetbft Ijat er ©djters 
metyer auf ber £öfje gehalten unb feinem Sefebudj ein Slnfeljen errungen, 
bafe bie Sritif nid)t anfteljt, ba^felbe al§ ba$ beftgerüljmte unb ge~ 
plünberte anjuerlennen. hierin lommt ber ©influft jum 9lu3brucf, 
ben e3 auf bie Sefebudj *£itteratur im allgemeinen ausgeübt tjat. 
9ftafiu§ gehörte ebenfalls $u ben grofebeutfdjen Sbealiften. Sein 
Sefebudfj, frei bon partifularer gärbung, tjat überall in Seutfdjlanb 
(Eingang gefunben, aber äljnlidj ben ®anielfdjen ©eograpljiebüdjern 
karteten feiner bit größten ©rfolge, a(3 ber £raum bom „gangen" 
$eutfd)lanb jerftört fdjien, in ben Sauren 1872 — 76. 

®er bom Sanier begünfttgte S3olf§~ unb gugenbfdfjriftenberlag 
toar beim SWiebergange ber SSu^anblung bottenb§ in§ Hintertreffen 
gefommen unb tourbe unter 9Igatf)on Sßiemetyer bon neuem angebaut, 
g. $. ©üntljer3 ® e fdjidjte ber 5ßerfer!riege nad) $erobot (1842) 
bilbet ben Slnfang. 9lu§ ber SSorrebe jur erften Stuflage erljettt, ba$ 
ba§ ©rfdjemen biefer Sugenbfdjrift auf Anregung feiten^ ber SSerlag^ 
Ijanblung rejp. be§ ®ireftorium§ beruhte, tooBei ber Umftanb auf 
vettere 2tbfid)ten f fliegen täfct, bafc ber £itel bon S. g. 93ecfer3 (Sr* 
Ölungen au§ ber alten SBelt jum Sotteltibtitel einer Sammlung 
gemadjt ift, bereu erfte brei SSönbe 83ecfer gelten, toäljrenb ber bierte 
©untrer jugebad)t mar. ©ünttjer, melier §ur $t\t in ben grancfe* 
fdjen Stiftungen, fpäter am Seminar ju #alberftabt amtierte, ift im 
SSerlagäf atalog burdj beutfdje Se^rmittel für ©^mnafien ic meljrfadj 
Vertreten. 9ll§ gugenbfd^riftftetter Ijatte er fid) bi£ baf)in nidjt ber* 
fudfjt, aber feine 2Bat)l erhne§ fidf) afö eine fo glütflidje, bafe eine 
gortfe^ung feiner 9ftitarbeiterfd)aft toünfdjenätoert getoefen märe. 

Später, gegen ba$ %af)x 1861, liefe man ben obigen @otteftto= 
titel fallen unb nannte fortan W Sammlung: „Sugenbbibltotljef be§ 
griedf)ifd)en unb beutfd)en ?lltertum§", unter ber #erau3geberfd)aft 



Die fteufcelebung beS Sugenbfärlftenfcertaß*. 245 

bon gr. 21. @dfftein. ®en I— HL Söanb bilbete S3ecfer, ben IY. 
©untrer, ben V. unb VI. ©. gr. $er#6erg3 meffemfdfye Stiege unb 
ber gelb$ug ber 5eljntaufenb ©rieben, ben VIL —XU. S3anb Öfter* 
toalbö ©rjäljlungen au§ ber alten beutfdfjen Sßelt. 

S3ei biefer umgetauften Sammlung fcrirb bie £anb SftiemetyerS 
meljr bemerflid), al§ bie ©cffteinS. %n einem ©dfjreiben bom 4. ©ept. 

1847 madfjt er feinem Slbminiftrator Sinnefogel „mehrere Sßropo* 
ftttonen 5U SSerlagSunteme^mungen", barunter afö Sugenbfdfjrift bie 
SReffenifd^en ffriege nadf) Sßaufania§, tüoju urfprünglid) Dftertoalb 
auSerfeljen toar, bon bem e§ Bei ber nämlidjen Gelegenheit Reifst, bafc 
er bie altbeutfdfjen ©agen: ba8 SWibelungenlieb, bie ®ubrun 2c. in 
©rjäfjlungen, tute bie Sedterfdfjen finb, beljanbeln tDoHe; Dftertoalb 
Ijabe entfd(jiebene§ ©efdEjtcf ju folgen Slrbeiten. 

ESB.Dftertuaib (1820 — 87) Ijat fid) al§ $oet auf bem ©e* 
Uett ber Styrtf , ©pi! unb audf) be§ 2)rama8 betoegt. S)ie Stjrtf toax 
feine eigentliche $eimftätte , burdfjSftobertgranj, ben flaffifdjen Sieber* 
fomponiften, ift mandf)e§ feiner Sieber in Weitere Sreife getragen 
toorben. £rofcbem ift er, unterftü^t burdfj feine poetifdfje ^Begabung, 
als Sugenbfdfjriftftetter, namentlich burdf) feine @r§äljlungen au§ ber 
alten beutfdjen SBelt, belannter geworben, benn ate Siebter. SlnfangS 

1848 erfdfjien ber erfte Seil; in ber Sßorrebe Ijeiftt e§ toieberum in 
2lnfnüpfung an bie 93ctferfdf)en ©rjä^lungen: „®ie griedfjifdfje gelben* 
fage — baran ift fein Seifet — ift unferer Sugenb bekannter, atö 
bie beutfdfje: eine Slnfpielung auf bie Sld^iHeSberje gilt xf)x für Weniger 
gelehrt unb bunfel, atö eine auf bie Steffel beS ©iegfrteb." ©inft* 
teilen toar e3 auf jtuei ^efte abgefeljen, ba§ erfte bie ©ubrun, baS 
jtueite bie ^Bearbeitung be$ 9Wbelungentiebe§ entljaltenb. S)er toadfj* 
fenbe ©rfolg beftimmte Ujn mit ber Seit ju adfjt Seilen, meldte 
1848 — 67 in erfter Stuflage erfdfyienen unb at(e§ in allem bie fdfjönften 
©agen be§ beutfdjen SlltertumS umfaffen. ®ie ©rjäljlungen führten 
anfänglich ben ßufafc im Xitel: „für bie3«Ö™b", fpätcr ^te§ e3 „für 
gung unb Stlt". 3m 33ortuort jur jtueiten Auflage ber ©ubrun 
erflärt er, burdf) toieberljolte Slufterungen ber Sriti! Ijierju beranlafct 
ju fein, njeld^e bei unbebingter Slnerfennung ber ©rjäljlungen atö 



246 VII. $te Sfttemeljer* «Pertobe. 



3ugenbfd)rift biefelben auSbritcftid) audf) ben ©rmadfjfenen empfehle. 
Qux befonberen ©efriebigung gereichte e§ iljm, baft, Vorüber er 
öffentlich quittiert, namhafte SKeifter ber beutfdfjen SlltertumSmiffen* 
fd^aft meljrf adfj freunbtidfj anerkannt Rotten, mie fe^r er baju beige* 
trogen l)abe, bie Sugenb in ber SBett unferer alten ©agen Ijeimifdfj 
ju machen. 

®er -fteftor jener Sortypljäen ber beutfdfjen ©dfjuttitteratur, Sari 
$eter (1808 — 93), ber „Stltmeifter auf bem ©ebiete ber römifdfjen 
®efd)tdl)te", mie itjn ba$ Sitterarifdfye (Sentralblatt nannte, — l)at 
feine Slnljänglidjfeit bem SBaifenfjauSbertage bi§ jule^t bemaljrt. $n 
fjerborragenber SBeife bejeidfjnet fein -Käme bie Sßtebererneuerung 
eineS B^eigeS *> er ©djullitteratur, melier äljnlidfj mie ber ber ©eo* 
grapste burd) £ieront)tnu§ gretjer in ber erften £älfte be8 18. Saljr* 
fjunbertS erfolgreich begrünbet Sorben mar. ©eine ©efd^td^tötabetten 
unb bereinjett aud) feine gried)ifdE)en uub römifd^en 3«ittafeln ftefjen 
gegenmärtig nodfj im ©ebraud). SSon 1835 — 43 mar er ®ireftor 
be§ ßtymnafiumS in SKeiningen, 1843 — 48 SWitglieb be8 ®on* 
fiftoriumS in £ilbburgf>aufen, 1848 — 52 be3 3Kinifterium§ in Solei* 
ningen. 1853 mürbe er ©tymnafialbireftor in Stnflam unb gleid) im 
folgenben 3af)re in Stettin, ©dfjon unterm 14. SKob. 1855 nannte er 
e£ nidjt unmafjrftfjeintid), baft er fommenbe Dftern ba8 Sfteftorat bon 
Sßforta, feiner alten ©r^ie^ung^ftätte, übernehmen merbe. 3n Sßforta 
mar er bon 1856 — 73 tljätig unb jog fidj bann nadfj °§tm jurücf, 
mo er ate £onorarprofeffor ber ©efdjidfjte mirfte. 2tl§ idE) im $. 1878 
juerft an bem „Keinen £äu3cf)en" anflopfte, meldfyeS er fief) nact) 
feinen ^Briefen in $ena gebaut fyattt, mar idj bei bem iljm nadj* 
einanber befdjieben gemefenen 9tmter* unb £itelreicf)tum in SSerlegen* 
Ijeit, mie idj itjn anreben fottte. $d) glaubte bie ©adfje gut ju madfjen, 
al§ idf) bie Pförtnerin f rüg: ob ber^errSonfiftorialrat jufpredfjen 
fei. S)ie 9lntmort mar: ber £err 9tef tor ift oben. 2Hfo Sfteftor mottte 
er genannt fein, auf ben ©tjmnaftalmann fiel ber Jon, gerabefo mie 
er auf ber $öf)e feiner miffenfcfyaftlicfyen Seiftungen, hü Stbfaffung 
ber „®efd)idjte 9tom3", bem ©tymnafium unb beffen ibealen Qiütn 
atö Seitftern folgte. $eter unb SKommfeu, melier ein %(rf)x fpäter 



ftarl $eter. Stgatljon Htemetjer. 247 

$u erfcf)einen Begann, ftnb bon ba a6 bic tarnen, it>elrf)e ftetö neben* 
einanber genannt »erben, obfdjon e$ fidfj nm jtoei grunbberfctjiebene 
33üct)er Ijanbelt. gm Vergleich mit 9Rommfen§ freier unb glän$enber, 
bon einer ftarfen ©ubjeftibität getragenen ©efdjidjtfdjretbung berfolgt 
Sßeter in erfter Steige päbagogifdfye Qmde; er toottte Stttif, ftrenge 
fadf)Hd(je Sritif üben unb protestierte gegen bie mtfjberftänblidfje 3tuf- 
faffung fetneS StanbpunfteS al$ „fonferbatib", aber ber gugenb tooKte 
er bie burct) bie Jrabition eingeimpften Sbeale ntdEjt jerftören, oljne 
im SBege tt)iffenfd()aftlidjer gorfdfyung ettoaä 93effere§ an bie ©teile 
fe^en $u fönnen. SBie bie Sritif fagt: tiefer @mft, fitttidfje Strenge 
finb überall bie leitenben SKomente feiner ®arftettung. ®a§ 93ud§ 
toirb baljer al§ eine Vorbereitung auf SKommfen gettmrbtgt. SBäfjrenb 
man namentlich bem I. Sanbe eine ettt)a§ lefjrljafte Haltung nadfjfagte, 
tüirb bom DI, Säanbe 'anerfannt, bajj er entfdEjieben frifd)er unb ge* 
toanbter gef dfjrieben fei, atö biete Sßartieen ber betben älteren Säänbe, 
toenn aud) beaügltdfj ber Sform ein SSettbetoerb mit ben römifdjen 
©efdf)idf)t§barftettungen Slbolf ©taljrS, be3 ehemaligen SfoUegen 5ßeter$ 
am Sßäbagogium, mit feinem Qtoedt nidfjt ju bereinbaren getoefen fei. 

SSonSlgat^on -ftiemetjer fagt ©cfftein, 1 baft iljm toenig aKufte 
für bie titterarifdje Jljätigfeit berblieben fei. SKeben ben bielfeittgen 
33ertoattung£gefd()äften ber Stiftungen unb ber praftifdfjen ©^mnaftafc 
tljätigleit la3 er bi§ auf toeitere§ täglidE) jtoei ©tunben Soüeg, ejami^ 
nierte in Geologie unb Sßäbagogif unb bertrat seitraubenbe ß^ren- 
ämter, barunter ba$ be§ 33orfteljer§ ber ©tabtberorbneten, tüoju 
jute&t nodfj ein Sftanbat atö Sanbtag§^Slbgeorbneter fam. 

Jro^bem mar er titterarifdfj feineStoegS untätig. $n ber 1834 
erfdfjienenen neunten Stu^gabe ber „©runbfä&e ber (Sraiefjung unb be§ 
UnterridfjtS" be$ berftorbenen SanjterS erweiterte er nadfj ©dftein 
gang befonberS btn btbaftifdjen Seit unb geftaltete bie ©efdfjidfjte ber 
Sßäbagogif fo um, bafj fte gänjlidfj atö fein SBerf angefeljen »erben 
fann. U.a. trat er audfj 1844 ber Sftebaftion ber Sitteratur Leitung 



1) (Scfftein, $. 9fgat§on Sßiemetyer ©. 14. 



248 VII. $te 9Memd)er*$eriote. 



bei unb übernahm 1849 bie SRebaltion be3 patriotifdfjen 3ßocf)en* 
hlaitä. 

Sttjnlidl) tüte ber Sanier afö jtueiter ©rünber ber Stiftungen 
angefetjen toirb, tarnt SIgatljon als jtoeiter ©rünber ber 93ud()fjanbtung 
gelten. Dljne feine birefte unb tnbirefte SBeeinftuffung be§ Sßatfen* 
IjauSbertagS hritrbe berfelbe bie jtoeite |>älfte be§ 19. Safjrfjunbertö, 
in toeldfyer ber iöetrteB berartiger ©efdjäfte immermeljr bon ber S?on~ 
furrenj umtuorben unb beSljalb immer fdfyhneriger, immer berttrief elter 
toerben fottte, bebenftief) gefd^toäd^t angetreten Ijaben. (Ebenfo Ijat er 
um bie SMbelanftalt feine befonberen SSerbienfte. 

SDiit bem SSerfaK ber 93udf$anblung toar bie ©efaljr toerbunben, 
baß bie SJibelanftalt jur bloßen 93ibelbrudferei tjerabfinfen toerbe, bieS 
um fo mefjr, toenn e§ nidfjt gelang, bie ftnanjietten 33erfjältniffe ber* 
felben aufjubeffern. S)er 33ibelbebarf toar jtoar balb nad) ben greis 
fjeit§friegen berart geftiegen, baß bie Qaf)i ber treffen bon fect)§ auf 
gtüölf bermeljrt toerben mußte, aöein ber Sanjler flagte in einer 
SBodEjenberfammlung ber britifdjen unb auSlfinbifdfjen 93ibelgefettfcf)aft, 
toeldfyer er im $• 1819 in Sonbon betoofjute, 1 über bxt $ölje ber 
Sßapierpreife unb aller 2)rucftnaterialien, fo baß e§ faft unmöglich fei, 
bie alten 83ibelpreife beizubehalten. SRit biefer Slage ftanb er bidjt 
bor einer Sßeriobe ber Slufbefferung aßer 33erf)ältniffe, meldte für bie 
ßufunft ber Slnftalt in 93etrad(jt lommen fonnten: ber £ebung beS 
®elbtt>erte3 unb ber Ermäßigung ber ^erfteKung§!often, tote fte bie 
(Einführung ber Sdjnellpreffe (1830) unb ber Stereotypie (1843) 
bettrirfen foltte. SRoc^ ein anberer ttrict)tiger SSorteil, ber attmäljlicije 
©rfa& be§ £anbpapier§ burd) ba§ 3ftafd)inenpapier, fam im Saufe 
ber 3eü in 33etradjt. Sticht untoefentlidj aud) tourbe bie Slnftalt in 
tfjren Qtvtden geförbert buret) bie ben preußifd)en 93ibelgefeKfdE)aften ge* 
toäljrte Sßortofreifjeit für S3ibel= unb ©elbfenbungen, ein Sugeftänbntö, 
tuetdfjeS 1855 auf 5ßa!etfenbttngen unter 20$ßfunb befcfjränft ttntrbe. 2 



1) Sßtemetjer, $tug. $., SBeobadjtungen auf Reifen. I. $aUt, 1820. 
©. 320 u. ff. 

2) SB er tr am, ®efötdjte ber (Sanfieinföen SBibelanftalt. ©. 47 u. ff. 



5)er erneute Äuffäumng ber ©ibetanftatt. 249 

®ie SSorteile, meldte bie ©infüljrung ber Sdfjneüpreffe atteht 
gemährte, raaren fo er^ebltd^ f baft ben Sibelgefettfdfjaften bon 1834 
an 12 % bon ben bi§ baljin üblidfjen 33ibelpreifen bewilligt Serben 
lonnten, ein ßugeftänbntö, bem fpäter nodl) anbere folgten. 

Sie!)t man bon ben baulichen Unternehmungen im jtueiten SSiertel 
be§ 18. 3a^r^unbert§ ab, fo ift bie 33ibelanftalt in ifyren ©inridfjtungen 
niemals meljr geförbert korben , atö in ber Sßeriobe Don ben jtoan- 
jiger Sauren bt§ einige 3af)re nadf) bem lobe Slgatljon 9Wemet)er3. 
$laä) ben Slnbeutungen 93ertram§ ttmrben in ben jtüanjtger $aljren 
brei bottftänbige 93ibelau§gaben, barunter bie SRitteloftabbibel tfvtU 
mal, im Sa^e erneuert unb eine £eftamentau8gabe in grober Sftittek 
fdfjrift Ijergeftettt. $n ben breiiger Sauren famen SSerbefferungen 
berfdjiebener Slrt jur ©nfüljrung, jtoei neue Sftafdfyinen tourben auf* 
gefteßt unb eine SBergröfterung ber SBibelbrucferei Vorgenommen. 
1839 folgte bie (Sinrid^tung einer eigenen Stereotypen =©ie§eret. 
3um Qtoed ber Stereottypierung fanb in ben bierjiger Saljren 
ttrieberum bie 9?eu^erftettung ber ttridfjtigften 33ibel* unb £eftament= 
ausgaben ftatt. 5)od§ machte man einfttoeilen fdfyledfjte Erfahrungen 
bamit f fo baft ba$ neue SSerfa^ren erft in ben fünfziger Sauren fo 
redfjt jur Slu^nu^ung fam. ®amatö tuurben lurj nadfjeinanber allein 
fünf SSoKbibeln neu fjergefteHt unb ftereotypiert: 1852 bk Sßittek 
oftabbibel unb 1856 bie ©roftoftabbibel, aufterbem bon 1853 an 
eine polnifdfje, litautfdfye unb toenbifdfje S3ibel. S)iefe fünf Stereotyp* 
formen, benen für ben Sftaffenbebarf ber beutfdf)en Slu^gaben eine nur 
für Erneuerung ber Stereotypen beftimmte Drig inalpla tte ju ©runbe 
liegt, ftefjen nocf) gegenwärtig, teiltoeife alfo nadfj meljr benn bier§ig 
Sauren, in SSerioenbung. 

Über bie tedE)nifd)en Slufbefferungen unb Erleichterungen, toelcf)e 
im bibliopjjiüfdfjen (Sinne nidjt immer SSerbottfommnungen toaren, 
bergafc bit 93ibelanfta(t üjre Aufgabe atö 9?ebifton3fteKe ber Sutyer* 
bibel nid)t. Sie toar getoiffermaften in ber Stfreftorialberfaffung bor* 
gefeljen, inbem ber auf ben bibüfdjen ©runbtejt eingerichtete ober 
bemfelben am nätf)ften fteljenbe gelehrte Jljeolog unter ben ®ireftoren, 
anlegt ®eorg Sljr. ®napp, ber berufene S)ecernent ber Sibelanftalt 



250 VII. $te 9tteme$er*qkviobe. 



iuar. SKemetyer, melier baS ®ireftorium trielfadj oljne Sonbireftor ju 
führen Ijatte, berbanb fid) für biefe toid^ttge Aufgabe mit bem Untoerft* 
tätS*Btbliotl)efar $. ®. Binbf eil, welker Don 1836 an eine 9tebifion 
ber ©anfteinfdjen Bibeln unternahm, über bereit ©runbfä&e er fidf) in 
einem SftedjenfdfyaftSbericfjt an bie tirid) tigfte beutjcfje ©efellfdfjaft, bie 
preußifdje ^auptBifielgefeHfd^aft, im näheren auSgefprodfjen Ijat. 

Unmittelbar im 5lnfd)luffe an biefe 9iet»tfton, im $er6ft 1839, 
begannen bie Borarbeiten $u bem fapitalen Unternehmen, toeldfjeS bie 
ÜWamen SBinbfeil nnb Sttemetyer für immer miteinanber öerbinbet: bie 
fritifcfye Bearbeitung öon SutfjerS Bibelüberfefcung unter QaQvunbe^ 
legung ber StuSgabe le^ter |>anb öon 1545. 

®ie $bee beS Unternehmend ging baöon auS, baß bie 2utl)erfcf)e 
Bibelüberfe^ung nadfj ber SluSgabe tefcter $anb, mit unb oljne Bfc= 
nu^ung älterer Originalausgaben, unjäfjlig oft lieber gebrueft roorben 
fei, aber ftetS mit Säuberungen. SDiefe Säuberungen feien be* 
grünbet teils in ber ÜRottoenbigf txt, bie Bibel mit ber fortfdfjreitenben 
Bilbung ber ©pradje für bie große BolfSmaffe im ©inflang ju erhalten, 
teifö im £ange, baS Sfteiftertoerf SutljerS öon einjelnen geilem unb 
Berftößen ju reinigen. 3n mannen Sfäßen möge audfj öertoegene 
SWeuerungSfudjt unb öertoerflidje SBilKür mit baju beigetragen Ijaben, 
baß ber alte £e;rt nidfjt bloß für baS Bolf fo gut toie Ver- 
loren ging, ©dfjon Ijiernad) rechtfertige fidf) ein treuer Slbbrudf ber 
Bibel öon 1545. SBer aber nidjt bloß einen allgemeinen ©inbruef 
öon bem ©etfte, ber ben großen Reformator bei feinem ÜberfejjungS* 
toerfe befeelte, baöontragen, fonbern tiefer in bie SBerfftätte beSfelben 
einbringen unb bie Umfidfjt unb ©orgfalt erfennen motte, toomit er 
fortbauemb an feinem SBerfe gearbeitet Ijabe, ber muffe nottoenbig in 
ben ©tanb gefegt werben, bie SluSgabe bon 1545 mit aßen früheren, 
öon ber erftenSßrobe, ben 1517f)erauSgegebenenBußpfalmen an ber* 
gleichen $u !önnen. Stuf biefe SBeife lerne er bie innere ©efdfjidfjte ber 
Sutljerbibel lernten, baS unabläjftge Streben beS Reformators, bie ©e* 
banfen beS ©runbtejteS immermeljr in ecfjt beutfdEjer SBetfe ttrieberju* 
geben, hrie er bieS namentlich in feiner Borrebe jum 5ßf alter beutlidfj 
auSfprecfje. 



$er Urftmtng beS fcaitftetnfäen 8t&eltejteS. 251 

2)ie Söfung ber Aufgabe in biefem Umfange iuar neu. ®ie 
früheren 33erfud)e einer bergteidEjenben 3 u fammenftettung btx Sutfjer- 
fcj^en Überfe&ung nad) ben ber|df)iebenen Originalausgaben erftrecften 
fid) toeber auf bie ganje 93ibet, nod) auf alle borljanbenen Original* 
ausgaben ber geprüften Sucher. 33inbfeit füfjrt bon btn bemerleuS* 
Werteren Sßerfud^en jtoei gebrudtte Äottationeu unb eine ljanbfct)rift= 
tiefte an, alle brei au3 bem 18. gatjrtjunbert ftammenb. 

®ie tjanbfdfjrifttidje Kollation intereffiert un§ tjier nätjer. Sie 
gehörte ber bamatö nod) befteljenben 33ibtiott)ef ber ©anfteinfdjen 
93ibelanftatt an, meldte fpäter in bie 2Baifenf)au§~93ibtiott)ef aufge- 
gangen ift, unb befteljt au§ jtoet Abteilungen in Öuart, bon benen 
bie erfte folgenbe Auffdjrift füljrt: „Extract ber Lectionum Ya- 
riantium fo in einer äo YIII angefteßten Collation etlicher alten 
Editionen bon be3 fei. D. Martini Lutheri Sötbel finb gefammlet 
toorben." S)ie 33ergleid)ung bejieljt ftd) auf meljr ober Weniger ja^t 
reiche ©teilen fämtticfjer 93üd)er be§ Sitten unb Sßeuen £eftament§. 
gebe ber 44 Duartfetten jerfättt in brei Slubrifen, bereu linfe mit 
Emendanda in Stad. [iensi Editione], bie mittlere mit Emendatio, 
bie redete mit Codices überfdfyrieben ift. ®ie berglid)enen Codices 
finb: 1. bie bon £an§ Sufft in SSittenberg gebrucfte Steinfoliobibel 
bon 1534; 2. bie Aufgabe in zttoaä größerem gormat bon 1535; 
3. bie im Sformat nod) ettnaS größere Aufgabe bon 1541; 4. bie 
Seidiger bon 9ttcot. SBottrab bon 1543; 5. bk SSittenberger bon 
£an§ Sufft in 9tega(fotio bon 1545 unb enblidj 6. bie <3tabifd)e 
Sibel bon 1703. S)ie tveit umfangreichere §tt>ette Abteilung fjat 
bie Auffdjrift: „Lectiones Yariantes treidle auß 6 untergebenen 
Editionen ber teutfdfjen SMbel D. Mart. Lutheri in einer angeftettten 
Collation gm 3Konattj Febr. u. Martio 1711. angemerlet toorben." 
S)ie berglidjenen Sutljerfdjen Originalausgaben *c. finb bie nämlichen 
ttrie bei ber erften Abteilung. ®ie ^meite Abteilung erftredft ficf) eben* 
falls auf bie ganje S3ibet; auf bie fanonif d)eu 93üd)er beS A. I. fommen 
220 »tätter, auf bie Apofrtj^en 20 unb auf baS 31. X. 41 «Blätter. 

greifjerr b. Kanftein berietet nun im S- 1714, baß man für bit 
bon if)m eingeleitete 93ibel fünf alte ©bitionen, genau bie oben ange- 



252 VII. $te Kleinerer »^criobc. 



gebenen, mit ber ©tabifdfjen 93ibel foßationiert Ijabe, unb bie bon 
berfelbeu abtoeid)enben SeSarten „alle in ein baju toerfertigteS 93udf) 
eingetragen, unb nadjljero au$ benfelben biejentgen, tüeld^c bem 
©runbtejt am nädjften $u jetjn fdjienen, anftatt ber in ben nadf) 
Sutfjeri $obe gebrudten SMbeln angenommenen, reftituieret" ^abe. 1 
©dfjon au3 SanfteinS Stufterung erhellt unb Sßlatlj 2 unb nadj ifjm 
Bertram 3 beseitigen au§brüdlid), bafy mit jenem, tüte fie beifügen, 
„nod) erhaltenen" Sßudje bie bon 93inbfeil ertoäfjnte f)anbfdf)riftticf)e 
Kollation gemeint fei. 

• $)iefe Slnnafjme fann immer nur für bie jtoeite Abteilung 
gelten, tt>eld)e nad) ber 2tuffd)rift bom $• 1711 Ijerrüfjrt. S)ie erfte 
Abteilung flammt bon äo VIII, \>.i. bon 1708 fjer, too grande bon 
feiner 2lbfidf)t eine£ „ättbeltoerfe£" nodf) gar leine Sunbe nad) aufcen 
fyattt gelangen laffen. Seibe Slbteilungen toerben fidj aber auf bie 
nämliche ttiteHettueHe llrljeberfdfjaft aurücffüfjren laffen. SBer toar ber 
Urheber? SMnbfeil 4 fpridfjt bon einem „ungenannten SSerfaffer". 
SBie in fo mannen Singen bürfte fidf) fjinter bem ungenannten 33er= 
faffer 2lug. $. grande unb für biefen befonberen goß btö Collegium 
Orientale theologicum bergen. £)ie$ gilt ^unädtjft für bie Dorn 3. 1 708 
batierte erfte Abteilung, in toeldjem 3af)re bie bon grande eingeleitete 
unb nadf) ben beften „Editionen aecurat revidirte" ©roftoftabbibel im 
SBaifenljaüfe erfdjien. ©rifdjofti, melier erft im $. 1710 bon grande 
berufen ttmrbe, mag fidj bann 1711 mit ber jttmten Slbteiluug befaßt 
Ijaben, aber nadf) Vorarbeiten unb Sireftiben be^jenigen, toeldjer 
hinter ber erften Slbteilung ftanb. 

Söeftätigt fidf) tiefe Vermutung, fo tuäre bamit ber rebaftioneKe 
Sufammenfjang jhHfdf)en ber grandefdjen 93ibel bon 1708 unb bem 
(£anfteinfd)en Jejt in feiner früljften ©eftalt IjergefteKt. S)er festere 
ift unter 3 u 9*unbelegung ber ©tabifdfjen SMbel bon grande borbe* 



1) (SanfteinS Umfiänblidje 9*adf>rid)t im Hnfjange bon 51. &. SRie* 
tneljerä ©ejdjtdjte ber Ganftetnfdjen SMbelanftalt. ©. 66. 

2) $latf)<S.88. 

3) Sertram @. 61. 

4) SBinbfeüu. SRiemetjer, Äritif^e SBibel. VII. ©.VII. 



$ie frttifAe ©t&el in tljrer allgemeinen Sebeutung. 253 

rettet loorben, nocf) e^e bie Sibelanftalt ejiftierte unb greifjerr fc. ©an* 
ftein SBiffen babon fjatte, bafj $bee unb Sßlan eine§ folgen Untere 
neljmenä in JgaUe beftanb. 

3)ic 9lrbeit8tetlung bei ber fritifdjen 93tbel toar bon Slnfang an 
fo gebaut getoefen, baft ©inbfeil bie fanonifdjen 93ütf)er be§ Stlten 
$eftament§, -ftiemetyer bie Slpofrtypljen unb bci$ 9?eue £eftament über- 
nehmen follte. 51(3 fidj jebocf) SBinbfeil in ber Söfung fetner Aufgabe 
bem ftxelt natjte, begann bie £obe3franff)eit SftiemetyerS, toeldjer er 
am 6. SJejember 1851 erlag. SDamit mar eine SBeile ©efafjr bor- 
fjanben, bafc ba$ SBer! Fragment bleiben toerbe, jumal ba§felbe, Urie 
©cfftein berietet, bei ben Geologen unb ©pradjforfdjern ntcfjt bie 
£eilnaljme gefunben Ijatte, toeldje jur gortfefcung ber fe^r müljebollen 
Arbeit unb ju Weiterem Softenauftoanbe ermutigen founte. 

®ie§ Hingt me^rbeutig; enttueber Ratten bie Geologen unb 
©pracf)forfd)er leinen ©inn für ba$ Unternehmen beriefen, ober aber 
bie beiben Herausgeber Ratten bie toiffenfc^aftltd^e SBebeutung be§- 
fetten überfd)ä£t. SBeber ba$ eine nocf) ba$ anbere trifft ju. S3efd^ä- 
menbe3 lag nicf)t barin, ba$ ein SBerf biefer 2Irt nur engere Greife fo 
toett intereffierte f um ba£felbe fäuflitf) $u ertoerben; toa§ aber ba3 
ttriffenfdjaftlicfje 9lnfeljen be§felben betrifft, fo tjaben bie beruf enften 
Geologen gleidj bei ben SSorerörterungen be§ großen gemeinfamen 
9ietoifion§toerfe§ bie Säebeutung ber fritifcfjen 93ibel für biefe Aufgabe 
gehmrbigt, unb bon ben ©pradjforfcfjern toax e3 jule^t nod) SKidjael 
$8ernat)§, freierer in einem (Schreiben an bie 33ibetanftalt ba% SBerf 
bei SSorlefungen unb ber 93efdjäftigung mit bem !fteu{)od)beutfdE)en für 
unentbefjrlid) erflärte. ®em entfpridjt e§, baft fidj bie -ftadjfrage, 
iüenn aud) in mäßiger SBeife, bi$ jur ©tunbe erhalten Ijat unb fein 
Safjr oljne biefelbe Udit 

S)ie Soften be§ Unternehmend mögen ja Ijod) angelaufen fein, 
©in Ijöljerer 33ertoaltung§beamter, Igaljrjeljnte lang £ecernent ber 
Stiftungen, [teilte mir gelegentlich bie Srage, toa§ bemt au§ ber 
95inbfeil= unb 9Wemet)erftf)en 93ibel geworben fei. $ur 3 e ü be§ (£r* 
fd)einen3 fei gegen Sftiemetyer amttief) bie grage aufgeworfen tuorbeu, 
ob ein berartigeS Unternehmen überhaupt in ber 23eftimmung ber 



254 VII. $te 9Meme$cr*$ertobe. 



aSibelanftalt liege. SWeine 9lnttt>ort toax, bafc bie fritifdfje 93ibel bon 
ber finanjießen ©ette nidfjt genommen roerben bürfe. S)a8 Untere 
nehmen Ijabe 6t3 baljin feine 93eftimmung erfüßt unb iuerbe fie toeiter 
erfüßen. 2>ie Mtifdfje 33ibel fei Srone unb $ier berjenigen Sljätigfeit, 
meldte bie 93ibelanftalt bon einer bloßen 93ibelbrudferei unterfdfjeibe. 
Ojne biefe Sfjätigfeit ttmrbe fie toaljrfcljemlidj in äljnlidjer äöetfe ber* 
flößen fein, hne bie jafjlreidjen 93ibelbrucfereien, mit benen bie (San* 
fteinfdje Söibelanftalt bor bem ©ntfteljen ber mobemen SBibelgefeDt 
fünften ju rennen Ijatte. 

Dben fdjon ift ber 93ibelbrucfereien bon |>alberftabt, SKüraberg, 
Tübingen unb 33afet ©rtoäfjnung gefdjeljen, ber (Sorgen falber, bie fie 
bereiteten. 9luf ber SBenbe be3 18. unb 19. $aljrl)unbert§ toaren e3 
auf$erbem bie 33ibelbrucfereien Don (Erlangen, Rinteln, Semgo *c, 
iueldje $u fdjaffen machten. 3>ie 1785 §uerft erfdjienene SWitteloftate 
bibel ftanb, ba \>tö SBatfenfjauS ben SWadjbrucf feinet 33ibeltejte§ Ijer? 
fömmlid) freigab, fdjon 1792 in Sftagbeburg auf fteljenbem Safc, fo 
ba$ ber bamalige SSorftefjer ber 33tbelanftalt, grb. (Stoppelberg, 
bie 93efürd)tung auSfpradj, ba§ biefe SMbelauSgabe fjier überhaupt 
nidjt meljr gebrucft toerben fönne. @§ foßte anber§ fommen. 91B 
jene alten Sttbelbrucfereien ftnb burdj bie organifterien SBibelgefefl* 
fdfjaften ber Sfteujeit nadj ber Steige toeggefdjtüemmt toorben; bie 
£aflifd(je 93ibelanftalt Ijat fid) erhalten, nid)t etroa burdj bie ©an- 
fteinfdfje Stiftung, toelcfye nidjt eyiftiert, fonbern lebtglidj burdj bie 
©igenfdjaft aß IRebif ion^ftelle. 3113 foldje Ijat fie feit 9tug. 
|>. 3francfe£ Qtittn mandje langwierige arbeiten unternommen, toetdje 
fie fidf) für ben bloßen SHbelbrucf fjätte fparen lönnen. 

®ie Slnftalt iuar be^alb gut beraten, al$ fie pdf) burd) ben Job 
!ftiemet)er§ unb bie finanjießen Dpfer nid)t babon abgalten lieft, bie 
frittfcfye SSibel ber SSoflenbung entgegenjufü^ren. Sftöglid) toar bie§ 
aflerbing§ nur baburd), ba% SMnbfeil ben Seil ber Stuf gäbe, Wellen 
ber SSerftorbene fidj felbft augebadjt fjatte, ebenfaßS auf fidfj naljm. 
2)a§ 1855 in fieben Seilen tjoßenbete SBerf rüljrt baljer in ber 2lu^ 
füljrung Iebigltdt> bon itjm f)er — ba8 (Ergebnis fedfjjeljniäljriger 
emfiger Sirbett. 




$te trltifdje 93i6el oI§ «orläufertn ber beutfdjen ©ttt&ettSbi&cl. 255 

2)ie Sbee ber fritifdjen 93ibel toar ber SRebifion ber Sanfteinfdjen 
S3t6eln in ber jtoeiten $älfte ber breiiger Saf)re entfprungen. 2)iefer 
Umftanb fcfyon begünftigt bie Stnnaljme, baft e3 fid) bei bem toeit* 
läufigen Unternehmen nid)t blofc um einen triff enfd^aftltd^en f fonbern 
audf) um einen praftifd^en $mä tjaubelte, unb jtt>ar um einen großen 
praftijdjen S^ecf. 93inbfeil fommt in ber SSorrebe jum ©dEjluftbanbe 
barauf ju fpredjen, inbem er ausführt: baä, toag burd) ba§ nunmehr 
abgefdfjloffene Unternehmen toefenttidj geförbert toerbe, fei bie 93ear= 
beitun g einer SWormalauSg ab e ber beutfdjen 93ibet, beren 33ebürfni$ 
erft bor turpem ber Sßrebiger S. Sftöncfeberg aufs neue nadfjgenuejen 
Ijabe. StngefidfjtS ber nadfj fo berfd)iebenen Sßrmcipien bearbeiteten 
Suttjerbibeln ber Sfteujeit tf)ue e£ toaljrljaft not, eine SWormalauSgabe, 
bie allgemeine Stufnaljme unb Verbreitung finbe, burdfj eine oberfte 
lirdjlicfye Steljörbe, toon melier aHein ein fold)e§ Unternehmen mit 
©rfolg au§geljen fönne, beranlafct unb burtf) geführt ju fetjen. 

3lu£ biefen Anregungen ift bie int Stuftrage ber ©tfenadfyer 
®irdf)enfonferen§ im $. 1890 in ber SRetoifion toottenbete beutfdje 
(£inf)eit§bibel hervorgegangen, melier ber (Eanfteinfdfje Säibelteyt ober, 
toenn man nadf) obigem Uritt, ber Vibeltejt 9lug. £. grancfeS ju ©runbe 
gelegt ift. 



fyallt o. ©. , ©udjbwtfcrei bcg SBaifeitljaufcS. 



3ur 93ertc^ttgung. 

Sttofc biermatiger Sefung ift ©. 152, 9. 3eite u. o. w gm fe§lt" ftatt 
w 3§tn fe^It" fte^cn gefilieben. 58erfättgli^er jebod) ift ber 3)rucffef)ler, 
tt>eldjer fldj @. 160 f 20. 3etfe ö. o. utib in ber bortigen -Kote toieberljolt: 
„bte ©u&ftattttoen" ftatt „bte ©ubftantitoe". 




JI3ST2 



6111 



fc 



JIO .1™ j — 



3 6105 040 032 794 



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